Nach einem halben Jahr intensiver Arbeit ist es nun soweit: Der Lehrerband bzw. die Lehrerhandreichung zu George Orwells Klassiker „1984“ ist erschienen und im Handel. Damit ist für mich eine Phase der intensiven Auseinandersetzung vorerst beendet. Ein kurzer Kommentar. 

Ein langer Weg

Schon im Jahre 2012, zu der Zeit, als ich mein Referendariat machte, wollte ich in meinem Kurs Orwells Dystopie unterrichten. Denn zum einen sah ich schon damals die Aktualität, die über die totale Überwachung hinausgeht, und zum anderen war ich seit meinem Staatsexamensthema interessiert an Utopien und Dystopien. Damals wunderte es mich doch erheblich, dass es kein Lehrerband gab. Ich hätte das Buch zwar selbst didaktisieren können, wie ich es auch bei „Die Nackten“ und später bei „Erebos“ machte, aber die eigenständige Didaktisierung mehrerer Romane im Referendariat ist eine Mammutaufgabe. So wurde es Huxleys Brave New World, das ich zwar auch schätze, dass aber in seiner Tiefe (meines Erachtens) nicht an 1984 heranreicht.

Es wunderte mich sehr, dass auch sechs Jahre später keiner auf die Idee gekommen zu sein schien, die wohl bekannteste aller düsteren Zukunftsversionen für den Unterricht aufzubereiten. So fragte ich einen Verlag an, der mir zu verstehen gab, dass er warten wolle, bis das Buch lizenzfrei zu haben ist. Das war mir eine zu lange Wartezeit, weshalb ich dem Klett-Verlag zu Dank verpflichtet bin, der meiner Kollegin Regina Leible und mir die Möglichkeit gab, sowohl die Annotationen für dieses Werk als auch den nun erschienenen Lehrerband zu erstellen.

Die Herangehensweise

Ohne zu viel zu verraten, kann ich doch sagen, dass meine geniale Kollegin und ich einige sehr wichtige Vorstellungen zusammen mit dem leitenden Redakteur umgesetzt haben: So sind die Module gleichzeitig aufeinander aufbauend und isoliert behandelbar und vor allem: Es gibt Medienerweiterungen, die auf Möglichkeiten des digitalen Arbeitens verweisen.

So kann man ein Werk, dass ich kritisch mit Medien befasst, medial erfassen. In einer Zeit, in der digitale Methoden und Werkzeuge sehr langsam in den Unterricht eingebettet werden, ist dies ein wichtiger Schritt. Der Verlag selbst wirbt auf dem Band mit diesen Möglichkeiten, was mich zusätzlich freut. In den Anmerkungen stehen nun jene für uns wichtige Erwägungen, die bei der Umsetzung gar nicht so einfach zu berücksichtigen waren.

Unterrichtskonzepte für die Oberstufe:

  • 1 pre-reading module: Utopian/ dystopian societies
  • 7 while-reading modules, die das Lesen des Romans fördern und bereichern, nach Themen aufbereitet
  • 4 post-reading modules zu den Themen: The individual and totalitarianism, The end of privacy, Controlling the past and present, The novel’s relevance today
  • Förderung der Kompetenzen: reading, speaking, writing, working with diagrams, describing and analyzing pictures and cartoons etc.
  • Ausführliche didaktische Kommentare, Aufgabenbeispiele mit Lösungen und Tipps zur Differenzierung und methodischen Variation

Schülerinnen und Schüler setzen sich nicht nur kreativ und kooperativ mit der Handlung und
den Protagonisten auseinander, sondern werden auch in ihrer individuellen Leseerfahrung
gewürdigt und unterstützt. Eine Lektüre fürs Leben.

Ich freue mich sehr, dass meine Kollegin und ich nun einen winzigen Teil dessen sind, was George Orwell mit seinem überzeitlichen Klassiker geschaffen hat. Ich hoffe sehr, dass unsere intensive Arbeit in einem Produkt gemündet ist, dass es Lehrerinnen und Lehrern möglichst einfach macht, jungen Lesern diesen nicht ganz einfachen Klassiker nahe zu bringen. Dementsprechend bin ich auch sehr gespannt auf die ersten Reaktionen.

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