Auch wenn es seit zehn Jahren heißt, dass Podcasts im kommen seien (es scheint fast ein Running Gag der Szene zu sein), kann man wohl sagen: Podcasts sind im Kommen. Für die Schule bietet die Gestaltung eines Podcasts sehr interessante Möglichkeiten. 

Vorbemerkung

Für diejenigen, die Podcasts nicht kennen, sind diese oft eine Offenbarung: Nahezu zu jedem Thema lassen sich hier Inhalte konsumieren – und das kostenlos. Über iTunes oder größere Podcast-Plattformen wie Podcaster gibt es eine breite Palette an Inhalten. Podcasts sind letztlich Mediendateien, die für eine interessierte Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. Die Themen reichen dabei von Dokumentationen, Lifestyle oder eben Bildung (der Referendarsflüsterer ist ein vom Autor erstellter Podcast für Lehramtsanwärter).

Anwendungsmöglichkeiten

Für die Schule bieten sich zwei grundsätzlich verschiedene Anwendungsmöglichkeiten an. Zum einen können Schüler*innen neue Perspektiven zum Unterricht gewinnen (SWR 2 bietet beispielsweise Inhalte zu den Sternchenthemen in Baden-Württemberg an). Natürlich ist es ebenso spannend, wenn Schüler*innen aus ihrer Hörpraxis berichten und ihrerseits Inhalte vorschlagen. Was den beiden ersten Möglichkeiten gemein ist, ist, dass man hier die Podcasts konsumiert.

Die Alternative ist die Erstellung eines eigenen Podcasts. Dies ist auch deshalb so vielfältig, weil man zusammen zahlreiche Schritte begeht, die von der Suche nach einem Namen bis zur Aufnahme und der Nachbereitung von Inhalten reichen.

Erfahrungen

An dieser Stelle kann man einige Erfahrungen nachlesen, die die Medien-AG mit ihrem eigenen Podcast gemacht hat (Twitter-Account des Podcasts). Es sei angemerkt, dass wir noch in den Kinderschuhen stecken.

Idee

Zunächst stand die Idee im Raum, mit der Medien-AG Inhalte von Schülern für Schüler zu erstellen. Die Inhalte sollten sich lose an dem Thema „Medien“ orientieren. Themen, Inhalte und vorgehen wurden in einem Padlet festgehalten (eine mittlerweile etablierte Praxis), so dass alle die Übersicht über die Struktur hatten. Im nächsten Jahr wollen wir probieren, nach dem SCRUM-Konzept vorzugehen, um die einzelnen Arbeitsschritte noch besser aufzuteilen und eine bessere Übersicht zu haben.

Name

Der Name des Podcasts dauerte eine ganze Zeit. Das empfanden alle aber auch als wichtig, da die potenziellen Hörer die Inhalte damit identifizieren sollten. „Tschilp“ ist das Geräusch, das in Comics Vögel machen. In Anlehnung an Twitter, Kurznachrichten und nicht zuletzt Medienkommunikation wurde es dieser Name (was allen dann doch lieber war als Ohrenpizza).

Themen

Als nächster Schritt wurden die Themen überlegt. Diese wurden strukturiert und vorbereitet. Die ersten Themen waren „Handysucht“ und die Frage, was nach dem Abitur zu tun ist.

Technik

Bei der Technik konnte ich als Lehrperson mit den Erfahrungen mit meinem eigenen Podcast weiterhelfen. Die Medien-AG hat mittlerweile zwei iPads; mit Garage-Band und einem Mikrofon wurden die ersten Gespräche aufgenommen.

Vermischtes

Die Arbeit geschah dann in verschiedenen Bereichen. Während einige Schülerinnen und Schüler Aufnahmen machten, wurde das Logo entworfen und über einen Host nachgedacht, also jene Plattform, auf der man die Audiodokumente dann veröffentlicht. Es wurde SoundCloud gewählt. Obwohl hier auch Podcasts gehostet werden, ist dies eher eine Plattform für Musikerinnen und Musiker. Es bietet sich für den ersten Podcast aber an, da die Einstellung niedrigschwellig und gut nachvollziehbar ist.

Als weiterer Schritt wurde ein Twitter-Account erstellt, der die Inhalte zukünftig weiterleiten soll.

Abschließende Worte

Zu jedem einzelnen Schritt ließe sich sehr viel sagen. Gerade die Arbeit mit GarageBand (oder Audacitiy) ist nicht immer selbst erklärend. Die Arbeit mit Podcasts ist so vielfältig, dass man Zeit für die Umsetzung braucht (die wir durch die Schulleitung in der Medien-AG zugesprochen bekommen haben). Eine Umsetzung mit einer ganzen Klasse ist mit Sicherheit herausfordernd – aber nicht unmöglich.

Andererseits kann man auch mit der einfacheren Variante – den Aufnahmen an sich – beginnen und danach überlegen, inwiefern eine Weiterverbreitung etc. sinnvoll sein kann.

Podcasts sind eine sehr gute Möglichkeit, alle Ebenen der digitalen Zusammenarbeit zu fördern und zu fordern und zu guter Letzt ein Endprodukt zu haben, von dem viele Menschen profitieren (können). Insofern ist die Arbeit an und mit dem Podcast auch noch nicht abgeschlossen und wir im nächsten Schuljahr fortgesetzt.

Welche Erfahrungen habt ihr mit Podcasts im Unterricht? Ich freue mich über eure Erfahrungen.

 

 

10 KOMMENTARE

  1. Podcasting bedeutet das Anbieten abonnierbarer Mediendateien. Sind die Medien auch Bilder (auch laufende), spricht man auch vom Vodcasting. Die einzelne Sendungen / Episoden können wo und wann und mit wem immer entwickelt, produziert und geteilt werden. Vorausgesetzt werden ein Smartphone mit einem vernünftigen Internetzugang und Evernote – und die Fähigkeit, einen Text (allenfalls kollaborativ) aufzubereiten und mehr oder weniger fehlerfrei zu sprechen.

    Ich stehe jederzeit und an jedem Ort bereit, ein Beispiel mitzuentwickeln.

      • Liebe Mandy – gemäss dem zeitgemässen Lernen sollten die SchülerInnen mögliche Wege zum Ziel finden und umsetzen. Bedeutet, dass nicht du bestimmst, es werde mit dem Mac und Audacity aufgenommen, sondern die SchülerInnen in und aus ihrer PLE Wege finden, ein Problem zu erkennen, zu lösen und zu teilen. Oder nicht?

  2. Hallo Bob,

    ich möchte mit einer meiner Ethikgruppen das Blog (ethikblogs.de) ausweiten und einen Podcast aufnehmen. Es sind nur 6 Schüler – also wohl eher mit deiner AG vergleichbar als mit einer echten Schulklasse.
    Hast du einen Tipp für ein Mikrofon?

    viele Grüße,
    Mandy

  3. Lieber Beat,
    in einer idealen Welt mit WLan und Equipment in der Schule: ja.
    Da ich aber meine Privatgerät mit in die Schule nehme und auch das Mikro selbst kaufe, bestimme ich es. Dem zeitgemäßen Lernen stehen leider unzeitgemäße Hürden im Weg.
    viele Grüße,
    Mandy

    • Zeitgemässes Lernen setzt (1) seitens der SchülerInnen ab dem 7. Schuljahr einen mobilen Computer samt Internet – und (2) seitens der Schule einen Computer und einen Beamer pro Schulzimmer voraus. (1) ist erfüllt, (2) offenbar noch nicht allerorts. Das eingeschränkte WLAN der Schule habe ich nie, wirklich gar nie gebraucht.
      Vor ziemlich genau 20 Jahren habe ich den ersten Beamer gekauft und in meinem Schulzimmer an die Decke gehängt – und die Wand entsprechend gemalt. Die einzige Hürde sind all die vielen LehrerInnen landauf und landab.

      • nein, auch 1. ist nicht immer erfüllt – ich rechne eher ab der Oberstufe mit einem solchen Vorhandensein. Computer und Beamer habe ich in meinem Raum, sogar 5 Computer. Leider sind bis auf den Laptop der am Beamer hängt eher leistungsschwach und bei mehr als Internetsurfen frustrierend für alle. Und bei dem Laptop im Raum bin ich als normaler Lehrer kein Admin – und darf deshalb keine Programme installieren, abgesehen davon, dass ich auch bei dem vermute, dass er keinen Podcast aufnehmen kann. Wiedemauchsei, ich bin die letze, die sich vor Hürden beim digitalen Arbeiten scheut – genau deshalb trage ich meine Geräte mit in die Schule. Und da muss ich eben beim Kauf eines Mikros möglicherweise schon entscheiden, mit welchem Gerät der Podcast aufgenommen wird.

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