Anbei der Erwartungshorizont zu dem Gedichtvergleich, der in dem Youtube-Video „Methoden für das Abitur V: Gedichtvergleich Reiselyrik“ durchgeführt worden ist.

Joseph von Eichendorff: Abschied (1810)

Ausgabe der Veröffentlichung 1953

Mögliche Hinleitung: Flucht in die Natur als Ort der meditativen Einkehr, Möglichkeiten für neue Kraftschöpfung
Inhalt:

1.     Natur als Zufluchtsort/ Gegensatz zum Treiben der Menschen

2.     Unmittelbares Erleben/ Zeitliche Einordnung

3.     Warnung (inne zu halten) / Lernprozess

4.     Aufbruch/ Bezug zur Natur

Form:

Regelmäßige Strophenform, 8 Verse

Kreuzreim (Verbindung zu den unterschiedlichen Aspekten der Natur)

Metrum: Dreihebiger Jambus (strukturiert, kontemplativ)

Letzter Vers: Zeilenstil: Betonung der Kernaussage

Hauptteil:

Die Deutung von Inhalt und Form thematisiert insbesondere den durch die Wahrnehmung der Natur herausgehobenen Innenraum des lyrischen Ich, das zum Resonanzraum für die Empfindungen wird, die der Wald und die dort befindliche Natur in ihm auslöst.

Struktur:

Die Struktur wandelt sich von einer (enthusiastischen), allgemeinen Beschreibung zunächst zu einem detaillierteren Blick, dann zur Lehrformel, bis hin zum Herzen des lyrischen Ich. Die Richtung ist von außen nach innen.

Rhetorische Figuren:

Zahlreiche rhetorische Figuren, die als Motive der Romantik ergründet werden können, u.a. Personifikationen (der Natur), Metaphern, Periphrasen, Symbole, Ausrufe, Alliterationen, Inversionen und vieles mehr

Bezug immer die innige Wahrnehmung der Natur

Syntax:

Einfache Parataxe (Enjambements), Inversionen als Betonungen

Wortwahl:

Verben in Bezug auf Naturwahrnehmung, direkte Ansprachen als Ausdruck der Innigkeit der Verbindung.

Motive:

Naturmotiv bestimmend, Sehnsucht scheint durch, Gegensätzlichkeit von Natur und Gesellschaft, Reisen als Aufbruch ins Ungewisse

 

Epoche:

Romantik: Ausdruck der empfindsamen Wahrnehmung, Sehnsucht in Bereiche der menschlichen Wahrnehmung, Emphase, Naturerlebnis, Pantheismus

 

Frank Schmitter: Gegen Abend gerieten wir (2013)
Mögliche Hinleitung: Stau, Zufälligkeit im modernen Leben, „Ohne Punkt und Komma“
Inhalt:

·       Stau auf dem Nachhauseweg

·       Begegnung der Reisenden (religiös markiert, aber flüchtig)

·       Plötzliche, ziellose Weiterfahrt

Form:

Einzelne Strophe

Unterschiedliche Länge der Verse (Stau)

Mittelpunkt: Reisende

Hauptteil:

Die Deutung von Inhalt und Form thematisiert insbesondere die Ziel- und Haltlosigkeit der Reisenden, die, getrieben vom Wunsch, nach Hause zu kommen, sich zwar treffen, aber Unbekannte bleiben. Die syntaktische Formlosigkeit korrespondiert mit der Ziel- und Orientierungslosigkeit.

Struktur:

Die Struktur ist die eines Stopps im Stau: Die Autos verstummen, es kommt zum Treffen, dann summen sie wieder. Die Maschinen bilden den Rahmen für das pseudo-religiöse Treffen.

Rhetorische Figuren:

Aposiopese (schon Titel): Abbruch der Gedanken, Haltlosigkeit im engen Treiben

Metaphern, Personifikationen, Periphrasen, pars pro toto

Bezug zur Wahrnehmung der kollektiv geteilten Ziellosigkeit

Syntax:

Besonderheit der interpunktionslosen Verbindung, Verzicht auf Groß und Kleinschreibung

Wortwahl:

Wortwahl trivial, aber in der Anordnung bedeutsam

Motive:

Religiosität, aber als abwesende Ordnungseinheit, Siedlertum erinnert an moderne Nomaden

Epoche:

Moderne: Form und Inhalt sind gesprengt, aufgeteilt und neu zusammengesetzt. Die Struktur ergibt sich aus den Leerstellen, die Formlosigkeit erscheint als Spiegel eines nicht mehr greifbaren Lebensgefühls

 

 

Fokus des Vergleichs: Einsamkeit des lyrischen Ich, das aus der Natur die Kraft für die Reise schöpft, mit der Anonymität des Massentourismus, in der die Begegnung mit anderen zufällig bleibt.

 

Themen: Reisen (Bezugspunkt bei Eichendorff: Aufbruch, bei Schmitter: Wegstrecke)

Motive: Sehnsucht, Naturverbundenheit vs. Vergänglichkeit und Unmittelbarkeit und Ziellosigkeit

Form: Strukturierte Ordnung vs. formatlose Unordnung

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