Da die politischen Konzepte für den digitalen Fernunterricht ausbleiben, die Chance aber hoch ist, dass das Szenario ab Herbst wieder eintritt, wird weiterhin an Überlegungen gearbeitet, wie dieser digitale Fernunterricht aussehen kann. In einem längeren Gespräch mit Schüler*innen der 9.Klasse habe ich einige wichtige Aspekte aufgeschrieben, die aus Schüler*innensicht wichtig sind, um bestmöglich arbeiten zu können. Der tragende Gedanke ist hier: Wer kann besser über das Lernen über die Ferne urteilen, als jene, die es betrifft?

Zum „Leitfaden Homeschooling/ digitaler Fernunterricht“

Anmerkung zu individueller Haltung

In einem sehr offenen Gespräch kam auch heraus, dass die Haltung bei der Bearbeitung von Fragen immer eine wichtige Rolle spielt: Während der eine lieber alles auf einmal macht, gönnt sich der oder die andere eine Auszeit. Während die eine sehr lange für eine Aufgabe braucht, weil sie vieles nachschauen muss, übergeht ein anderer das und beeilt sich lieber. Es ist klar, dass bei Empfehlungen (auch von Schüler*innenseite diesem Umstand keine Rechnung getragen werden kann; Menschen sind verschieden. Dennoch stießen die meisten folgenden Punkte auf breite Zustimmung.

Aufgabenart

Generell fühlten sich Schüler*innen von multimedialen und kreativen Aufgaben am meisten motiviert. Kurz gefasst waren für Schüler*innen jene Aufgaben interessant, die ich an anderer Stelle „KAKAO-Aufgaben“ genannt habe.

Diese Aufgaben sind kreativ (hinsichtlich der Durchführung), angemessen (hinsichtlich des Umfangs), kurz (in der Aufgabenstellung), aktuell (hinsichtlich des Themas) und Offen (hinsichtlich der Bearbeitungsmöglichkeiten).

Aufgabenstellung

Bei der Aufgabenstellung ist den Schüler*innen besonders wichtig, dass Angaben darüber gemacht werden, welche Schwerpunkte beachtet werden soll und welches Verständnis besonders wichtig ist. Mit anderen Worten: Die Anforderungen sollten transparent gemacht werden. Dies gilt besonders, wenn Aufgaben über mehrere Buchseiten gegeben werden (was nicht ideal ist, aber vorkommen kann).

Wenn eine Aufgabe also ist, umfangreichere Inhalte zusammenzufassen, dann wünschen sich die Schüler Leitlinien dafür, worauf besonders zu achten ist.

Aufgabenumfang

Obwohl der Aufgabenumfang weitgehend als angemessen gesehen wurde, sollten Lehrer*innen darauf achten, dass das „Gesamtpaket“ an Aufgaben in dem Fach berücksichtig wird. Dass also nicht gleichzeitig Aufgaben für den Fernunterricht, Hausaufgaben und Konferenzen ein zu großes Ausmaß erhalten.

Generell wurde das Prinzip der „Hausaufgaben“ in Frage gestellt, weil ja jede Form der Aufgabe prinzipiell zu Hause erledigt wird.

Terminierung

Die Schüler*innen waren sehr zufrieden mit der 4+1-Regel. Für sie waren dabei drei Dinge ausschlaggebend: Ein fester Abgabetermin, der jede Woche gleich ist und genügend Zeit, den Umfang der Aufgaben bis zu diesem Termin zu erledigen.

Das muss nicht in 4+1 Tagen geschehen (bei dieser „Regel“ geht es darum, dass die Aufgaben am vierten Tag eingereicht werden, so dass die Lehrperson Zeit hat, alles anzuschauen und am 5. Tag Rückmeldung gibt oder eine Videokonferenz hält). Aber es sollte zumindest für jeden Lehrer/ Fach immer gleich bleiben. Wenn genügend Zeit gegeben ist, kann man von einer „verbindlichen Flexibilität“ sprechen, die gleichzeitig einen Rahmen bietet, aber ermöglicht, innerhalb von diesem die Zeit selbst einzuteilen.

Videokonferenzen

Zunächst einmal war es interessant zu hören, dass sich Schüler*innen auch unabhängig vom Unterricht in Videokonferenzen trafen, um Aufgaben zu besprechen. Dabei sei viel hängengeblieben. Inwiefern das institutionalisiert werden kann, ist eine Frage, die zu diskutieren ist.

Videokonferenzen in verschiedenen Fächern wurden als gewinnbringend betrachtet, aber nur dann, wenn der Schwerpunkt klar war. Also beispielsweise entweder als eine Hausaufgabenbesprechung (wie bei der 4+1-Regel) oder als Input oder Erklärung für ein neues Thema. Das ist insofern wichtig, als dass die Videokonferenzen eine andere Funktion haben als Präsenzunterricht. Aus Ihnen wird eine Art Nach- oder Vorbesprechung. Der Gedanke ist wichtig, um erkennen zu können, was Videokonferenzen leisten können – und was nicht.

Motivation

Zum Abschluss sprachen die Schüler*innen über ihre Motivation. Während für einige der Gedanke daran, zu lernen und neues Wissen zu erlangen Motivation genug war, arbeiteten andere ihre To-Do-Listen ab oder arbeiteten produktiv in der Gemeinschaft und empfanden den kollektiven Druck zu wissen, dass andere aus der Klasse arbeiteten als wichtigen Faktor dafür, sich selbst hinzusetzen.

An dieser Stelle wäre es vielleicht an den Lehrer*innen, Möglichkeiten der Zeiteinteilung oder Wochenpläne/ To-do-Listen etc. zu erläutern, so dass verschiedene Möglichkeiten an die Hand gegeben werden.

Feedback

Feedback darüber, wie die Aufgaben bearbeitet worden sind wurde als zentraler, wichtiger Bestandteil herausgehoben. Dabei wurde vor allem das persönliche Audiofeedback als sehr gewinnbringend hervorgehoben.

Dies weist nochmals darauf hin, wie wichtig es für Lehrerinnen und Lehrer ist, verschiedene Feedbackarten zu beherrschen, da dadurch neben einer fachlichen Komponente auch der soziale Kontakt aufrechterhalten wird.

Fazit

Wenngleich die verschiedenen Aspekte individuell als wichtiger oder weniger wichtig beurteilt wurden, zeigen sich doch verschiedene Aufgabenfelder für die Lehrerinnen und Lehrer im Falle einer erneuten Schulschließung. Es bleibt bei der Erkenntnis, dass die Bedingungen und Eigenarten des digitalen Fernunterrichts andere sind als beim Präsenzunterricht und sich jede Lehrperson darüber Gedanken machen sollte, wie diese bestmöglich umgesetzt werden können.

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