Immer wieder kommt es vor, dass mir Eltern, Lehrerinnen und Lehrer oder Schülerinnen und Schüler Mails schreiben, in denen sie sich auf Inhalte, Diskussionen oder Beiträge beziehen. Dies ist in letzter Zeit gehäuft der Fall. Herausgestochen ist dabei ein Brief einer Mutter, die gerne anonym bleiben möchte. Es ist ein Rundumschlag und ein wütendes Plädoyer für eine grundlegende Bildungsreform. Ich habe längere Zeit überlegt, ob und wie ich diesen Brief auf meinem Blog zur Verfügung stellen kann. Mit dem Einverständnis der Autorin habe ich mich für eine komplette Übernehme entschieden, die auf jegliche Korrektur verzichtet. Als Besitzer dieses Blogs stimme ich nicht allen Thesen zu (Föderalismus-Problem), finde aber sehr vieles lohnenswert (Plädoyer zur Aktivität, Überarbeitung der Lehrpläne) und manches auf den Punkt (Digitalisierungsdefizite). Ich hoffe, dass die Veröffentlichung zu einer weiteren Diskussion führt und der Autorin für ihre Stimme Reichweite verleiht. Ich bin der Überzeugung, dass dieser Austausch gerade sehr wichtig ist. Ich bin gespannt auf Reaktionen und Redebeiträge. 

Liebe Herr Blume,

ich heiße XXX, bin 53 Jahre alt, lebe in Hannover, habe eine 15jährigen Sohn und ich schreibe Ihnen, weil ich wütend und frustriert bin und nicht verstehen kann, warum wir Eltern und die Schüler (wie mein Sohn) es nicht schaffen, endlich eine „Monday for Education“-Bewegung (oder wie auch immer wir sie nennen wollen) ins Laufen zu bringen. Wenn es die junge Generation schafft, sich so eindrücklich für Klimaschutz einzusetzen, warum dann nicht endlich! auch für eine längst überfällige grundlegende Bildungsreform. Und warum hocken wir Eltern auf dem Sofa?

Was wir durch die Corona-Krise wieder erleben und durch ein riesiges Brennglas zu sehen bekommen, ist die Inkompetenz und Kleinstaaterei unsere Kultusministerkonferenz und des ganzen Bildungsapparats. Und es ist ja wirklich nicht neu oder eine Überraschung. Endlose Artikel, Bücher und Studien listen die Mängel seit Jahren auf.

  1. Föderalismus-Dschungel

Zitat Tagesspiegel (September 2017): „Den Föderalismus-Dschungel bekommen besonders Familien zu spüren, die sich mobil zeigen und von einem Bundesland ins andere wechseln. Der Umzug gleicht einem bildungspolitischen Hürdenlauf und erinnert an die Währungsschranken in der Zeit der deutschen Kleinstaaterei im 19. Jahrhundert. Während es beispielsweise in Baden-Württemberg die Hauptschule, die Werkrealschule, die Realschule, das Gymnasium und die Gemeinschaftsschule gibt, existieren in Berlin nur zwei Formen: Gymnasium und Integrierte Sekundarschule. Und für jede Schulform gibt es einen Lehrplan, nach denen die Verlage spezielle Schulbücher konzipieren. Es gibt Hunderte Lehrpläne, für mehr als 30 verschiedene Schularten. Und natürlich unterscheiden sich auch die Bezeichnungen für die Fächer von Schulform zu Schulform, von Bundesland zu Bundesland.“

https://www.tagesspiegel.de/politik/bildungsfoederalismus-schluss-mit-der-kleinstaaterei-im-schulwesen/20309790.html

Ich zitiere mal aus einer aktuellen Pressemitteilung der Kultusministerkonferenz (9.5.2020):

„Zum 9. Mai und dem 70. Jahrestag der Schumann-Erklärung erklärt die KMK-Präsidentin und rheinland-pfälzische Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig: „Europa – das war und ist eine große Errungenschaft und ein großes Versprechen. Für gemeinsame Werte, für Frieden, Freiheit und Wohlstand. … Wir werden Europa gestalten und für die europäische Idee eintreten. Mit Blick auf unsere Schülerinnen und Schüler, unsere Kinder und Jugendlichen, die schon lange nicht mehr in Grenzen denken, bin ich ganz sicher, dass uns das gemeinsam gelingen wird.“

https://www.kmk.org/presse/pressearchiv/mitteilung/weiter-an-europa-arbeiten.html

Nicht mehr in Grenzen denken? Die Realität können wir ja nun täglich in unserem eigenen Land erleben!

Bildung ist nicht „Ländersache“, sondern ein Recht, das allen Kindern und Jugendlichen in unserem Land mit echter Chancengleichheit ohne Grenzen ermöglicht werden muss. Schon dieser Satz: „Bildung ist Ländersache“?! Ja – und mein Sohn ist in erster Linie Deutscher und Europäer und nicht Niedersachse.

  1. Lehrermangel

Über das Thema Lehrermangel wird seit Jahren in Deutschland diskutiert. Eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa an 1300 allgemeinbildenden Schulen, die im Januar und Februar noch vor der Corona-Krise gemacht wurde, zeigt nun: Das Fehlen von Pädagogen stellt immer mehr Einrichtungen vor Probleme.

https://www.news4teachers.de/2020/03/lehrermangel-verschaerft-sich-drastisch-alarmierende-schulleiter-umfrage/

https://www.tagesschau.de/faktenfinder/lehrermangel-prognosen-geschoent-101.html

  1. Lehrpläne von gestern, überholte pädagogische Konzepte. Am Leben vorbei!

https://ze.tt/bildungssystem-zehn-jahre-schule-und-trotzdem-nichts-fuers-leben-gelernt/

06.05.2013, HAZ: „Zu den vielen Büchern über die deutsche Schule und ihre Misere gesellt sich ein weiterer Band – dieses Mal aus der Feder des Bestseller-Autors und medienpräsenten Philosophen Richard David Precht. Kaum erschienen, katapultierten die Käufer das prächtig umworbene Werk mit dem langen Titel „Anna, die Schule und der liebe Gott. Der Verrat des Bildungssystems an unseren Kindern“ Ende April an die Spitze der Bestsellerlisten. Precht plädiert für eine „Bildungsrevolution“ an der Schule.“

https://www.haz.de/Nachrichten/Kultur/Uebersicht/Richard-David-Precht-fordert-eine-Bildungsrevolution

https://www.youtube.com/watch?v=on-O5v3UcBk

https://www.youtube.com/watch?v=-q0Sm8Kldn0

  1. Digitalisierung? Fehlanzeige!

Dass wir in Sachen Digitalisierung in Deutschland – einer der reichsten Industrienationen der Welt – so dastehen, wie wir es tun, ist an sich schon beschämend. In Sachen Digitalisierung von Schule in Verbindung mit einer entsprechenden und längst überfälligen Bildungsreform zeigt uns die Pandemie überdeutlich die krassen Versäumnisse der vielen letzten Jahre.

Ich mache mir deutlich weniger Sorgen darum, dass mein Sohn gerade 3 Monate Schulstoff verpasst angesichts der Tatsache, dass er generell mit einem völlig realitätsfernen Lehrplan aufwächst, der ihn ohne unsere massive Unterstützung nicht in die Lage versetzen wird, z.B. grundlegende digitale Kenntnisse zu erlangen. Medien- und Digitalkompetenz findet im Schulbetrieb allenfalls als freiwillige AG statt. Ein Skandal!

„Eltern haben keine Angst vor digitalen Technologien in der Schule. Sie haben vielmehr Sorge, dass die Schule zum analogen Refugium wird, das die Schüler nicht auf die wirkliche Welt vorbereitet“, sagte Bitkom-Vizepräsident Achim Berg.“  Richtig!

Digitalisierung heißt übrigens nicht, ein W-LAN eizurichten und ein paar Tablets zu verteilen (https://www.kmk.org/presse/pressearchiv/mitteilung/karliczek-hubig-gute-loesung-zur-bereitstellung-von-digitalen-endgeraeten.html). Schule muss sich im Lehrplan mit Digitalkompetenzen auseinandersetzen. Von der Recherche bei Google und das Erkennen seriöser Informationsquellen, über Datenschutz, Cyber Mobbing, Hass im Netz, Fake News, Social Media bis hin zum geübten Umgang mit Standardsoftware oder Informatikgrundlagen. Das Feld ist breit. Mein Sohn ist 15, besucht die 9. Klasse eines Gymnasiums und hat sich im Unterricht noch nie damit auseinandergesetzt!

Home Schooling läuft aktuell so ab, dass Schüler von ihren Lehrkräften mit „Unterrichtsmaterial, Aufgaben und Lernplänen versorgt werden“. Konkret und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das Home Schooling derzeit von den Eltern übernommen und geleistet wird – oder nicht stattfindet.

Nun bekommt es nicht mal die Stadt Hannover – geschweige denn das Land Niedersachen oder gar (Gott bewahre) ganz Deutschland hin, sich auf eine einheitliche digitale Plattform für unsere Schulen zu einigen: WebWeaver, iSurf, WebUntis und wie sie alle heißen…

https://www.tagesspiegel.de/wissen/unterricht-in-der-coronakrise-konkurrenzkampf-im-virtuellen-klassenraum/25723772.html

Hinzu kommt, dass Lehrer gleichermaßen ausgebildet werden müssten, was ebenfalls nicht der Fall ist. Es scheitert schon daran eine Standard-Webkonferenzsoftware zu bedienen oder an ausreichenden Kenntnissen rund um das Thema Sicherheit im Netz.

https://www.welt.de/wirtschaft/karriere/bildung/article159570349/Dumm-wenn-Schueler-schlauer-sind-als-ihre-Lehrer.html

https://www.news4teachers.de/2019/12/umfrage-die-meisten-schueler-halten-ihre-lehrer-fuer-digital-inkompetent/

Mich hat interessiert, wie viele und welche Experten aus dem Digitalbereich in relevanten Gremien der Kultusministerkonferenz vertreten sind. Im Plenum, Präsidium und den Ausschüssen habe ich dort leider niemanden entdecken können!

https://www.tagesspiegel.de/wissen/unterricht-in-der-coronakrise-konkurrenzkampf-im-virtuellen-klassenraum/25723772.html

https://t3n.de/news/schule-endlich-digitaler-werden-1220444/

  1. Massiver Sanierungsstau

„Anfang dieses Jahres schlug die Leiterin der Kooperativen Gesamtschule (KGS) Wennigsen bei Hannover Alarm und drohte, den Unterricht vorübergehend einzustellen, sollten hygienische Mängel nicht behoben werden. Die Gemeinde beauftragte daraufhin eine Firma mit der Grundreinigung des Gebäudekomplexes. Stinkende Klos sowie fehlende Seifen- und Papierspender sind kein Einzelfall: Das Gesundheitsamt der Region Hannover kontrollierte zwischen 2016 und Ende vergangenen Jahres 112 Mal Schulen in der niedersächsischen Landeshauptstadt und dem Umland: In 79 Prozent der geprüften Schulen wurden Reinigungsmängel festgestellt, bei 56 Prozent gab es bauliche Defizite oder sogar einen Sanierungsstau.“

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/gew-fordert-anstrengungen-gegen-sanierungsstau-an-maroden-schulen-100.html

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Das alles schreibe ich, weil ich mich Frage, wie man so etwas wie „Friday for Future“ in Bewegung setzen kann? Warum gehen wir nicht auf die Straße? Warum ist das nicht überall Thema? Warum passiert einfach nichts?

Weil wir es uns gefallen lassen. Ich leider auch ☹

Also schreibe ich meinem Kultusminister, anderen Politikern, Redaktionen, Talk-Shows oder YouTubern. Aber das reicht nicht! Es gibt so zahlreiche schlaue Leute, die sich in dieser Sache auch ständig zu Wort melden. Die Presse versucht es auch regelmäßig. Aber nichts passiert. Das letzte famose Beispiel ist das Trauerspiel „Digitalpakt“. Bis damit in den Bundesländern irgendetwas umgesetzt wird, ist mein Sohn längst berufstätig.

Was können wir tun? Wir können wir zusammenfinden?

Ich finde sehr mutig, wenn junge Menschen wie Rezo oder Carla Reemtsma oder natürlich Greta in die Öffentlichkeit gehen und sprechen. Und damit Dinge in Bewegung setzen! Daher wende ich mich auch an Sie. Wie kann man hier wirklich etwas in Gang bringen? Was können wir tun, um endlich etwas zu verändern?

Mir graut vor dem nächsten Schuljahr.

Das so genannte Home Schooling setzt uns jetzt schon zu Hause so maßlos unter Druck. Jedes Wochenende bereiten wir uns in 10 Fächern der gymnasialen Sek 1 auf die nächste Woche vor (wir bekommen immer am Freitag das komplette „Lernpaket“). Dazu gehört natürlich auch, auf den mittlerweile 4 Plattformen, die Schule und Lehrer zur Kommunikation mittlerweile unkoordiniert nutzen, alle Informationen (abfotografierte Arbeitsblätter, PDF-Dateien, Chatbeiträge, etc.) zusammenzusuchen. Oder sollen wir uns raushalten? Muss ein 15jähriger das alles allein schaffen (und ist eben sonst ein Schulversager)?

Einmal mehr werden mir der Lehrplan und das Lehrkonzept für Gymnasien in Niedersachsen vor Augen geführt, die mich regelmäßig wirklich wütend machen. Wir befinden uns wieder in einem Schuljahr ohne Geschichtsunterricht (der „epochal“ unterrichtet wird und dann die Hälfte der Zeit ausfällt). Immerhin wird Politik unterrichtet. Vor allem aber auch Spanisch als Hauptfach! Dass mein Sohn Spanisch sprechen lernt, steht gemäß „Kerncurriculum“ im Rang natürlich vor Geschichte, Werte und Normen oder Politik. Logisch! Wir beobachten in Deutschland einen Rechtsruck, die AFD sitzt im Bundestag, Verschwörungstheoretiker beschäftigen die Politik und Presse. Aber Hauptsache die jungen Menschen lernen Spanisch, Französisch oder Latein. Ich habe nach dem Abitur nach einem Au-Pair-Jahr in Italien besser Italienisch gesprochen als Englisch nach 9 Jahren Unterricht inkl. Leistungskurs. Weil ich die Sprache so erlernen konnte, wie das bestens funktioniert: im Land, umgeben von Muttersprachlern, ständiger Praxis und vor allem mit echter Motivation und Sinnhaftigkeit.

Mein Sohn hat mit der Schule in noch nie den Bundestag besuchen dürfen. Einen geschichtlichen Zusammenhang zwischen Fächern wie Deutsch, Geschichte, Politik, Erdkunde, Biologie, etc. versteht er nicht, weil wir in Deutsch gerade im Nationalsozialismus angekommen sind, in Spanisch gerade bei Kolumbus und Geschichte ja eh nicht unterrichtet wird. Die ganze Welt beschäftigt sich mit Corona-Zahlen, Statistik und exponentiellem Wachstum. Welche Gelegenheit, Mathe mal mit der Realität zu verbinden (Fehlanzeige!). Etc. Etc.

Wir haben eine harmonische Familie, ein Haus mit Garten, jeder eine akademische Ausbildung und arbeiten beide im Digital- und Medienbereich. Beste Voraussetzungen für unseren Sohn. Wir reden und versuchen, die Lücken zu füllen. Aber was ist mit Familien, wo das nicht so ist? Was soll sich da ändern, wenn man denen nun ein paar Tablets nach Hause gibt? Digitales Lernen heißt eben nicht, Arbeitsblätter per E-Mail zu versenden und einen Termin zur Abgabe zu benennen. Das ist kein Unterricht! Digitaler Unterricht nutzt digitale Medien: Lernplattformen, interaktive Übungen, Lernvideos, etc. und vor allem ein Online-Lehrer-Team.

Und wie soll bitte das nächste Schuljahr ablaufen, wenn wir Eltern arbeiten müssen?

Und wer setzt sich überhaupt mal mit einem Worst-Case-Szenario auseinander:

  • Der normale Schulbetrieb kann durch die Abstands- und Hygieneregeln und den Ausfall von Lehrpersonal nach den Sommerferien nicht wieder aufgenommen werden
  • Das Infektionsgeschehen verschlechtert sich im Herbst
  • Einzelne Schulen müssen, wegen Auftretens von Infektionen geschlossen werden
  • In einzelnen Schulen kommt es zu schweren Krankheitsverläufen oder sogar Todesfällen

Mit dem aktuell praktizierten Home Schooling Modell wird es nicht funktionieren!

Im Übrigen hätte ich es auch für wichtig gehalten, dass man sich im Kultusministerium mal ernsthaft und angemessen mit den psychischen Belastungen auseinandersetzt, die Lehrer, Schüler und Eltern gerade erfahren. Statt die Schulen unter Druck zu setzen, dass sie bis zu den Sommerferien auf Biegen und Brechen Prüfungen durchziehen und Lehrpläne einhalten, wäre ein intensiver Austausch zwischen Klassenlehrern und Schülern angebracht, wo man ohne Druck vielleicht einfach nur mal darüber redet, wie es allen geht und das Gefühl von Gemeinschaft in einer Krise vermittelt. Mein Sohn sitzt seit 9 Wochen isoliert allein zu Hause ohne echte Kontakte zu anderen Jugendlichen. Vielleicht gibt es da auch mal andere Ansätze im Umgang als den Auftrag, quadratische Gleichungen zu lösen oder spanische Vokabeln nach Alphabet auswendig zu lernen (auch so ein blödsinniges und völlig überholtes Lernkonzept).

Und wir müssen uns dringend mit echten digitalen Alternativen zu Präsenzunterricht beschäftigen. Jetzt und nicht erst im August.

Ich finde Ihren Einsatz sehr gut! Mich interessiert sehr, was die Perspektive eine Gymnasiallehrers ist. Wo kann man ansetzen, um Dinge wirklich zu verändern? Oder sind wir alle machtlos einer Kultusministerkonferenz ausgeliefert?

Herzliche Grüße aus XXX

XXX

9 KOMMENTARE

  1. Liebe Mama XXX,

    ich unterschreibe und unterstütze jedes Ihrer Worte. Kann alle Argumente aus meinen Erfahrungen im familiären und gerade beruflichen (Lehrer) nachvollziehen. Glück habe ich nur ein bisschen, weil meine Kinder gerade in der Lehre sind und dort die Schule ganz langsam wieder anfängt und sie sich nicht im Abschlussjahr befinden. Ich habe mit einem relativ kleinen Anliegen (Vorstellung überregionaler Webinare, welche seit 10 Jahren funktionieren und leider von einem Bundesland vor 2 Jahren eingestellt wurden) in meinem Ministerium (Thüringen) vor Corana angefragt, ob man dies nicht wieder ankurbeln kann. Ich habe seit September 2019 keine Antwort darauf erhalten. Gebe ich jetzt auf oder soll ich mich noch einmal in die Nesseln setzen. Ein Kollege hat mir geraten, die Füsse still zu halten, damit ich keinen Ärger bekomme. Was tun? VG Heiko Wagner

    • Lieber Herr Wagner,
      ich bin froh, einen ersten Schritt gegangen zu sein mit meinem Brief. Weil ich mich dauernd über mich selbst ärgere, wenn ich nichts tue. Wir dürfen nicht aufgeben und müssen lauter werden! Geben Sie auch nicht auf 🙂
      VG, Teresa

  2. Bildungs“reformen“, die von Kultusministerien ausgehen, waren m.E. nicht besonders oft den Aufwand wert.
    Was und wie reformiert werden sollte, darüber wird keine bundesweite Diskussion zu einem zureichenden Konsens kommen.
    Es gibt viele sehr gute Vorbilder und neuerdings die Möglichkeit, im Netz einiges zu organisieren. Ich mache z.B. seit Jahren bei der ZUM (https://www.zum.de/portal/) mit und auch dort sind die Beteiligten selbstverständlich nicht einig darüber, was das „Beste“ ist.

    Bildung wird auch in 100 Jahren reformiert werden müssen. Wenn es beim Klimaschutz nicht vorangeht, ist aber etwas Schlimmeres los, als wenn 70% aller am deutschen Bildungssystem Beteiligten von Herzen unzufrieden damit sind. Vielleicht sind es nicht einmal 70%.

  3. Lieber Bob,
    wie du in deiner Mail geschrieben hast, stimmst du der These des Föderalismus-Problems nicht zu. Mich würde interessieren, wie du das siehst. Ansonsten, liebe Mama, kann ich Ihren Frust total nachvollziehen.

  4. Liebe Teresa, ich arbeite schon ein paar Jahre im System und sehe z.T. mit Grauen, was da los ist. Einen Punkt möchte ich an dieser Stelle aufgreifen, der einigen Kolleginnen und Kollegen weh tun wird. Sie bemerken zwei mal die Problematik mit den Fremdsprachen. Bei uns werden bzgl. der Fremdsprachen regelmäßig Veränderungen in der Stundentafel vorgenommen, welche sich gleich auf mehrere Bereiche auswirken. Ich arbeite an einer Spezialschule für Sport und dort wirkt sich die Wahl der Fremdsprachen (meist die zweite) massiv auf aufzunehmende Schülerinnen und Schüler aus. Wir könne gute Sportler manchmal aus dem eigenen Bundesland nicht aufnehmen, weil sie in der alten Schule die „falsche“ Fremdsprache gewählt haben. Jetzt kommen auch Sportler aus anderen Bundesländern, die haben z.T. ganze Fächer nicht gehabt, rein von deren normalen Stundentafel, sprich nicht den Ausfall betrachtet. Thema Bücher!!! Aber es will keiner den Föderalismus aufgeben, weil wir unterschiedlich „Schlaue“ brauchen und jeder sich in diesem Bereich etablieren kann ohne das etwas passiert. Entschuldigen Sie die vielen Zeilen. LG Heiko

  5. Hallo Heiko,
    ich bin nicht gegen unser föderales System. Dieses sollte dazu dienen, demokratisch und vielseitig Wissen, Meinungen und Erfahrungen auszutauschen und in aller Breite auch über Bildungsinhalte zu diskutieren. Aber: Am Ende muss!! es einen gemeinsamen Weg für alle SuS in unserem Land geben – ohne Landesgrenzen. Sprich: Lehrpläne, digitale Schulplattformen, etc. sollen gern und unbedingt zwischen Bund und den Ländern ausreichend diskutiert werden, aber am Ende muss ein verbindlicher, gemeinsamer Plan stehen, der Ländergrenzen überwindet. Und die Diskussionen dürfen nicht ewig dauern. Es muss Zeitziele geben. In Sachen zweite Fremdsprache habe ich eine klare Meinung: sie sollte kein Hauptfach sein und damit Raum für andere Fächer frei machen, die – aus meiner Sicht – eine größerer Bedeutung haben (Geschichte zum Beispiel). LG Teresa

  6. Ich finde nicht, dass die zweite Fremdsprache ein Nebenfach sein sollte, zumindest nicht am Gymnasium. Dass deutsche Schüler Französisch lernen und französische Schüler Deutsch und in ihrer Schullaufbahn einen Austausch nach Frankreich machen ist die Basis der deutsch-französischen Freundschaft und die Grundlage eines friedlichen Europas und ja damit auch gelebte Geschichte. Französisch (oder je nachdem Latein) ist kein Nebenfach.

    Viele Schüler mögen Mathe nicht. Trotzdem würde niemand sagen, dass Mathe am Gymnasium ein Nebenfach werden sollte.

    • Hallo 🙂 Es geht mir auch nicht darum, ob Schüler ein Fach mögen (Geschichte mögen ja vielleicht auch viele nicht). Die Frage ist: Ist er Unterricht einer Fremdsprache in der Schule so überhaupt zielführend? (Vokabeltests, Grammatik pauken, 4 Schulstunden pro Woche) Geht das nicht anders viel besser? Lernt man so eine Sprache? Ich glaube, nein. In Sachen Hauptfächer brauchen wir – finde ich – eine Diskussion. Was soll Schule vermitteln? Worauf soll sie Schüler vorbereiten? Und wie? Warum sind Fremdsprachen wichtiger als Geschichte oder Politik oder Naturwissenschaften? Etc. VG, Teresa

  7. Hallo Teresa, gehe mit deinen Vorschlägen voll mit. Es muss ein generelles Grundkonzept in Schule geben, was alle Bundesländer betrifft. Leider sind wir nicht mal in der Lage in der eigenen Schule Klarheit hinzu bekommen, wenn Stunden frei wählbar sind. Länder geben Optionen in der Stundentafel an und dann kann jede Schule nach ihrem Bedarf planen. Wenn ich keine NT-oder IT- Lehrer habe, fällt es aus und wir haben 4 Stunden Französisch oder Latein. Welche Schule hat überhaupt einen ausgebildeten IT-Lehrer? Die Schulen kann man an einer Hand abzählen. Schade, wie es sich entwickelt hat. Ich versuche trotzdem mein Bestes und bleibe immer NEUGIERIG. LG Heiko

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