
In vielen bildungsbezogenen Diskussionen werden die sogenannten 4K immer wieder als wünschenswerte Kompetenzen besprochen. Kommunikation, Kollaboration, kritisches Denken und Kreativität gelten als wichtigste Kompetenzen des 21. Jahrhunderts. Nun wurde eine Studie im Rahmen eines von der Bertelsmann Stiftung ausgezeichneten Projekts veröffentlicht, die beansprucht zu zeigen, dass sich diese Kompetenzen messen und fördern lassen. Wisniewski sowie Tanja Fritz und Martin Daumiller widersprechen diesem Anspruch in einer ausführlichen Replik. An dieser Stelle folgt zunächst eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse.
Die vier sogenannten 4K gelten seit Jahren als zentrale Zukunftskompetenzen. Ursprünglich gehen sie jedoch nicht auf eine pädagogische Theorie zurück, sondern auf internationale Debatten um '21st Century Skills', die unter anderem von Arbeitgeberbefragungen sowie später von Organisationen wie der OECD aufgegriffen wurden. Inzwischen finden sie sich in zahlreichen Lehrplänen und bildungspolitischen Strategien wieder.
Nach Auffassung der Autoren der Replik gelingt der Studie weder der Nachweis, dass die vier Kompetenzen empirisch voneinander unterscheidbar sind, noch, dass sie durch die untersuchte Intervention tatsächlich gefördert wurden. Stattdessen seien statistische Verfahren eingesetzt und nachträglich angepasst worden, um das gewünschte Modell aufrechtzuerhalten. Das ist insofern spannend, als dass die Studie selbst Teil einer hoch dotierten Auszeichnung ist.
Im Gespräch wird betont, dass Wissenschaft grundsätzlich falsifizierbar sein muss. Wer ein Modell empirisch überprüft, müsse akzeptieren, dass die Daten dieses Modell möglicherweise nicht bestätigen. Werden Modelle dagegen so lange verändert, bis sie zu den Daten passen, verschwimmt nach Ansicht der Gesprächspartner die Grenze zwischen wissenschaftlicher Prüfung und bloßer Bestätigung bereits bestehender Überzeugungen.
Wisniewski sieht in der Studie ein Symptom eines größeren Problems der Bildungsforschung. Normativ gewünschte Konzepte würden häufig empirisch abgesichert werden sollen, anstatt sie tatsächlich ergebnisoffen zu prüfen. Gerade beim kritischen Denken, einem der vier K, sei dies paradox: Das Modell fordere kritisches Denken ein, werde aber selbst nur selten kritisch hinterfragt.
Das Gespräch stellt nicht die pädagogische Bedeutung von Kreativität, Kommunikation, Kollaboration oder kritischem Denken infrage. Hinterfragt wird vielmehr der Anspruch, dass das gegenwärtige 4K-Modell bereits wissenschaftlich überzeugend begründet und empirisch bestätigt sei. Nach der vorgestellten Replik sprechen die vorliegenden Daten eher gegen diesen Anspruch. Daraus folgt nicht, dass die vier Kompetenzen unwichtig wären – wohl aber, dass ihre theoretische Fundierung, ihre Messbarkeit und ihre Förderung sorgfältiger untersucht werden müssen.
Wisniewski, Fritz & Daumiller (2025): Replik als OSF-Preprint.