In einigen Bundesländern beginnt der Unterricht schon wieder und bezüglich der Coronakrise bleibt es dabei, dass keiner weiß, wie es weiter geht. Aber gerade dieses Unwissen macht es nötig, dass die wichtigsten Vorkehrungen für den Notfall getroffen werden. Wie diese aussehen können, wird an dieser Stelle kurz skizziert. 

Zum „Leitfaden Homeschooling/ digitaler Fernunterricht“

Voraussetzungen

An anderer Stelle habe ich kritisiert, dass ich keine flächendeckende Konzepte der Kultusministerien sehe. Vielleicht wird noch etwas nachgeschoben, aber darauf sollte man sich in der Erarbeitung der Schule nicht verlassen. Das bedeutet: Es ist nötig, dass alles, was an Leitlinien, Technik und Personalverantwortung vorhanden ist, analysiert und aufbereitet werden muss. Konkret bedeutet das die Erstellung von konkreten Handlungsanweisungen für die jeweilige Schule – auch und gerade mit verbindlichen Regeln für den digitalen Fernunterricht.

Verantwortliche

Um dies gewährleisten zu können ist der erste wichtige Schritt, dass Verantwortliche gefunden werden, die sich über Möglichkeiten des digitalen Fernunterrichts informieren, sich vernetzen und in einer Gruppe besprechen, wie vorgegangen werden kann. Dies alles ist aber nur dann nachhaltig, wenn es in sehr enger Mitarbeit mit der Schulleitung und unter stetiger Rücksprache mit dem Kollegium geschieht. Die Schulleitung sollte versuchen, den Verantwortlichen für die Planung „den Rücken freizuhalten“, was zusätzliche Arbeit angeht – wenn nicht sogar die Möglichkeit besteht, dass dafür Stunden ausgewiesen werden können.

Bestandsaufnahme und Zielsetzung

Sobald Verantwortliche gefunden worden sind, sollte es zwar auch um einen grundsätzlichen Austausch darüber gehen, was digital möglich ist; viel wichtiger ist es aber, dass die Gruppe eruiert, was an technischen Möglichkeiten in der Schule und in den Haushalten vorhanden ist und was benötigt wird, um den digitalen Fernunterricht, wie er von der Schule gestaltet werden soll, zu ermöglichen. Das wiederum heißt, dass auch über eine Zielsetzung gesprochen werden muss, also darüber, was in einer Krisensituation digitaler Unterricht heißt.

Konkret: Wenn auf jeden Fall Videokonferenzen eingesetzt werden sollen, dann muss die Technik dementsprechend bei Kolleginnen und Kollegen und bei den Schülerinnen und Schülern vorhanden sein. Zusätzlich sollte jemand in der Lage sein, diese technisch zu begleiten. Es hat sich gezeigt, dass auch Fortbildungen in jedem Bereich, der ein Standard der Schule sein sollte, gehalten werden.

Fortbildungsplanung

Natürlich ist es für die Verantwortlichen wichtig, dass sie die Angebote annehmen, die vom Land oder von verschiedenen Anbietern kommen, annehmen, um eine ordentliche Grundlage zu haben. Im Netz gibt es zudem viele Tutorials zu den wichtigsten Themen.

Fortbildungen sollten jedoch um Nachhaltigkeit zu gewährleisten Hilfe zur Selbsthilfe sein. Kolleginnen und Kollegen, die ihr eigenes Kollegium schulen können, bilden sich selbst intensiv weiter, können zusätzlich motiviert werden und schaffen eine Augenhöhe in den Fortbildungen. Dies lässt eine Schule auf breiter Front vorankommen.

Sicherlich ist es richtig, wenn allerorts gesagt wird, dass das Rad nicht immer neu erfunden werden muss. Aber an dieser Stelle sind passgenaue, auf die Voraussetzungen der Schule angepassten und von Kollegen durchgeführten Fortbildungen besser als Massenabfertigungen für bestimmte Tools (als Grundlage bleiben sie natürlich dennoch wertvoll).

Protokoll und Schulentwicklung

Alles, was hier skizziert ist, sollte innerhalb der Arbeitsgruppen und auch in Bezug auf die Fortbildungen protokolliert oder anderweitig festgehalten werden; auf diese Weise ist nach der Krise ein Archiv entstanden, das für ein Medienkonzept genutzt werden kann (um dem Begriffschaos zu entgehen: Hier ist nicht jenes Medienkonzept gemeint, das in einigen Ländern auch Medienentwicklungsplan genannt wird. Mit „Medienkonzept“ meine ich an dieser Stelle eine Art Schulcurriculum, das vor allem dann gewinnbringend ist, wenn es den schulischen Gegebenheiten genau entspricht).

Letztlich kann auf diese Weise ein Prozess angeleitet werden, der über eine Notfallmaßnahmen hinaus geht und konkrete Schulentwicklung bedeutet.

Fazit

Wenn noch nicht mit der Planung für den Ernstfall begonnen wurde, ist es nun höchste Eisenbahn. Das Wichtigste ist dabei, Ressourcen einzuplanen, möglichst viele ins Boot zu holen und das Ganze als Prozess zu begreifen, der auch nach einer möglichen Krisensituation nützlich und gewinnbringend sein kann.

1 KOMMENTAR

  1. Lieber Herr Blume, mein Name ist Ximena Rodriguez und bei der ZEIT Akademie in Hamburg bin ich für das E-Learning zuständig. Auf Sie bin ich durch Kati Ahl aufmerksam geworden, die bei unserer digitalen Konferenz am 25.09. „ZEIT für Lehrer“ in einer Session ihren Input geben wird. Vielleicht haben Sie auch Lust, dabei zu sein? Einen Inputgeber zum Thema „digitale und analoge Tools verzahnen“ suche ich noch.
    Die Konferenz findet am 25.09. von 14-18 Uhr statt. Hier der Link zu unserer Seite: https://verlag.zeit.de/zeit-fuer-lehrer/
    Rufen Sie mich gerne an, oder schreiben Sie mir, wenn Sie neugierig sind. Ich habe mir Ihre Materialien angeschaut und Sie sind fantastisch! Die anwesenden Lehrkräften könnten sehr von Ihrer Erfahrung profitieren.
    Herzliche Grüße,
    Ximena Rodriguez

Schreibe einen Kommentar zu Ximena Rodriguez Antwort abbrechen

Please enter your comment!
Please enter your name here