Wer diesen Blog regelmäßig liest, weiß, dass ich mich für eine reflektierte Nutzung von digitalen Geräten und Plattformen in Schulen (und außerhalb) ausspreche. Dabei geht es mir nicht darum, zwischen Gefahren und Potenzialen zu unterscheiden, sondern die Forderung nach Medienbildung zu stellen, damit die gesamtgesellschaftliche Wirkung betrachtet werden kann. Und zu dieser Wirkung gehört auch ein Sog, der mir immer wieder deutlich wird. 

Die Theater-AG meiner Schule hat seit einiger Zeit großen Zulauf. Das ist fantastisch und führt dazu, dass die Aufführungen immer größer werden. Auch das ist fantastisch. Während den manchmal sehr anstrengenden Proben lässt sich bemerken, dass Schüler aller Altersgruppen, vor allem aber die Oberstufenschüler, wie ferngesteuert zu ihren Handys greifen. Natürlich überprüfe ich nicht, was sie da tun und die Argumente, mit denen relativiert wird, dass sie ja lernen, kommunizieren etc. sind mit bekannt.

Was ich jedoch feststelle, ist, dass ein um das andere Mal Tätigkeiten durchgeführt werden, die in zahlreichen Gesprächen, die ich dort und in meinem Unterricht führe, von ihnen selbst als umbedeutsam wahrgenommen werden. Und zwar nicht in einer normativen, von Erwachsenen aufoktroyierten Sicht, nach dem Motto: „Ja, ich hätte lieber lernen sollen.“ Sondern in einer messerscharfen Selbstreflexion. Das spielen eines Spiels, das Scrollen durch den Instagram-Feed und die Gespräche über WhatsApp, in denen es um nichts geht.

All diese Tätigkeiten mögen ihre Berechtigung haben. Oder eine gesellschaftliche Relevanz. Aber im Theater geht es nicht um den Einzelnen, sondern um das Kollektiv. Die Spielenden, das mag sich esoterisch anhören, ziehen Energie aus der Aufmerksamkeit der Zusehenden. Aus der Kritik entwickelt sich ein neuer Ansatz oder eine neue Spielidee.

Und ganz nebenbei ist das Theaterspiel auch in dieser Form eine Tätigkeit, die Beachtung verdient. Einfach deshalb, weil die ganzkörperliche Betätigung, die kunstvoll darstellt einen Empfänger braucht. In dieser Situation in eine Welt herüberzuschwappen, der man selbst die Bedeutsamkeit abspricht, ist alarmierend.

Denn jene Schülerinnen und Schüler, die ich beim Theater begrüßen darf, sind generell gewillt, alles zu geben. Sie werden nicht gezwungen, kommen gerne und gehen über ihre Grenzen. Und dennoch – das ist die Nachricht – dennoch sind sie ein ums andere Mal gefangen im Sog ihres Bildschirms. Im Sog eines Geräts, dessen Programme von den schlausten Menschen der Menschheit so ersonnen worden sind, dass es Wissen, Reflexion, Haltung und Disziplin erfordert, den süßen Rufen zu widerstehen.

Keine Angst, hier spricht kein zweiter Manfred Spitzer. Und ich bin auch nicht auf den Kopf gefallen.

Es geht schlicht darum, anzuerkennen, dass manchmal die Beschreibung einer sich ändernden Praxis nicht ausreicht. Dass es nicht reicht anzumerken, dass die Medien sich eben verändern. Dass es zu wenig ist, hilfreich zu begleiten.

Sondern im Gegenteil: Dass es viele Tätigkeiten gibt, deren zutiefst menschlicher Kern in der Präsenz der Beteiligten ist. Und dass es auch unsere Aufgabe ist, darauf hinzuweisen, damit sie nicht verloren gehen.

Und klar: Dann kann das Handy auch wieder ausgepackt werden.

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