Vor ein paar Tagen las ich einen Thread, eine Abfolge von Tweets also, in denen sich ein Lehrer über die Zustände der Schule(n) und Missverständnisse in Bezug auf die Arbeitszeit beschwerte. Da dieser vielen aus der Seele sprach, fragte ich nach, ob er Lust hätte, seine Gedanken auf diesem Blog zu äußern. Heute morgen kam die Mail. Zu lesen ist ein Rant, eine Schimpftirade also, der vielen Lehrer*innen aus der Seele sprechen wird. Aber lest selbst. 

Danke an dieser Stelle für den Beitrag. Wer der Beitragende im richtigen Leben ist, weiß ich nicht.

Wir sind es nicht wert.

Ein Beitrag von fluiditaet

Ich arbeite als Gymnasiallehrer in Niedersachsen. Und ich bin sauer.

Aber bevor es losgeht, vielleicht mal was, was ein wenig Klarheit in die Debatte um die Arbeitszeit der Lehrer bringt:

In Niedersachsen muss ein Lehrer wie ich 23,5 Stunden á 45 Minuten die Woche unterrichten. Diese Deputate unterscheiden sich von Schulform zu Schulform und von Land zu Land. Eine komplette Übersicht gibt es hier:

https://www.gew.de/beamte/arbeitszeit-und-unterrichtszeit/

Jedes Bundesland handhabt die Arbeitszeit etwas unterschiedlich. Es gibt Arbeitszeitmodelle, Punktesysteme und Ermäßigungen, was eine Vergleichbarkeit erschwert. Dazu gibt es dann natürlich auch noch unterschiedliche Bezahlung und unterschiedliche Arbeitsvoraussetzungen (etwa der Zustand der Schulen). In manchen Bundesländern wird spontan anfallende Mehrarbeit bezahlt, in meinem nicht.

Was viele nicht wissen: Wie alle Landesbedienstete arbeiten Lehrer insgesamt 40 Stunden die Woche.

Gegenüber anderen Landesbediensteten haben wir Lehrer den Vorteil, dass wir uns die Zeit außerhalb des Unterrichts recht frei einteilen können. Wenn ich also am Nachmittag mit meinem Kind unterwegs bin, kann ich meine Korrekturen eben am Abend machen.

Problematisch ist, dass die Arbeitszeit sehr ungleichmäßig verteilt ist. Während ich in klassenarbeitsfreien Wochen nur Vor-und Nachbereitung, Konferenzen, Absprachen und Elterngespräche zu erledigen habe, ist die Abiturzeit meist mit Arbeit rund um die Uhr verbunden.

Dazu kommt, dass es eigentlich keine Arbeitsplatzbeschreibung gibt und somit neben dem Unterrichtsgeschäft ein gerüttet Maß weiterer Aufgaben auf einen zukommt.

Der Beruf ist nach meiner Wahrnehmung sehr exponiert. Jeder kennt aus der eigenen Bildungsbiografie gute und schlechte Lehrer und wird sich recht schnell ein Urteil bilden. Die Erwartungen sind hoch.
Dennoch gibt es ein großes Problem mit der Sichtbarkeit der Arbeit. Sichtbar sind der Unterricht und die rituellen Treffen in Form von Elternabenden und Festen. Die wesentliche Arbeit findet aber auf der Hinterbühne statt.

Die Tätigkeit wird dabei von vielen Faktoren beeinflusst- und vielleicht ist es verzeihlich, wenn ich einfach mal ein paar aufzähle.

Natürlich sind da die Fächer, Lehrpläne, Klassengrößen und -zusammensetzungen, der Stundenplan, die Methoden und die Ausstattung, die lieben Kollegen, die werte Schulleitung, die hochgeschätzte Behörde und die Eltern.

Aber da ist auch der Arbeitsplatz selbst, der meist schlecht belüftet, neonlichtbeleuchtet, laut und für die vielen Leute dort etwas zu klein ist.

Seit in Niedersachsen die eigenverantwortliche Schule eingeführt wurde, übernehmen wir Lehrer nunmehr auch Aufgaben der Behörde. Dazu gehören Einstellungen, das Schreiben der Curricula und die Verwaltung der leicht zu überblickenden Budgets.

Nun wäre ich kein Lehrer, wenn ich mich über diese unbändige Gestaltungsfreiheit freuen würde. Denn im Detail macht die Behörde weiterhin die Zielvorgabe; die Lehrer werden aber in die Verantwortung genommen und müssen nun einfach eigene Lösungen für Herausforderungen wie Inklusion, Digitalisierung, Lehrermangel und Pandemie finden.

Diese Arbeit wird erschwert durch Ressourcenknappheit.

Die Seiten- und Quereinsteiger, die nicht in den Genuss zweier Staatsexamina gekommen sind, sollen von uns im laufenden Betreib ausgebildet werden. Die dafür ursprünglich mal vorgesehenen Entlastungen wurden genauso gestrichen wie Stellen für Beratungslehrer, Schulpsychologen und anderer Unterstützungssysteme.

“Doing more with less” sollte die Präambel in jedem Schulprogramm sein.

Toll ist das für die Politik. Auf Landeseben ist Bildungspolitik das Politikfeld, auf dem man sich profilieren kann, ohne etwas zu investieren. G8/G9, Inklusion, Ganztag, Gesamtschule… you name it. Soundbyte raushauen, Erlass schreiben, Foto machen- den Rest übernehmen wir.

Nun ist es ja so – der Job wäre ohne sich ständig verändernde Rahmenbedingungen vermutlich sehr öde. Wir würden unsere Vorbereitung laminieren und wären landesweit am 13. Februar auf Seite 23.

Strukturell gibt es aber noch das Problem, dass die Politik sich bei dem Schweinezyklus [Geburtenzahl :30 = Anzahl der benötigten Grundschullehrer in 6 Jahren] seit 1980 beständig vertut. Es gibt einfach zu wenig Lehrer. Ständig wird Unterricht gestrichen, 100% Versorgung neu definiert oder die Klassengröße verändert. Und Werte und Normen ist doch eigentlich dasselbe wie Deutsch. Die Gehälter sinken dabei stetig. Die Tarifentwicklung im Vergleich mit dem BIP war schon 2015 bei -6% (Gesamtwirtschaft +7,5%). Ein Streikrecht würde helfen- das suggeriert zumindest der Vergleich zwischen Metallbereich (+30%) und uns (+2,5%) (Tarifentwicklung relativ zur Inflationsrate auf Basis 1993/2015).

Als ich anfing zu arbeiten war der Bedarf so hoch, dass alle Lehrer ihre Deputate um 2 Stunden erhöht bekamen. Die Stunden sollten zurückgezahlt werden. Natürlich sah das die nachfolgende Landesregierung anders. Sie fand auch, dass die Verantwortung mit Weihnachts- und Urlaubsgeld umzugehen etwas zu viel für einfache Lehrer sei.

Naja. Und weil man irgendwie übersehen hatte weitere Lehrer auszubilden, wollte man die Stundenzahl dann nochmal um eine Stunde erhöhen. Ob es das war, oder die Tatsache dass man sein Arbeitszimmer nicht mehr steuerlich geltend machen konnte – die Lehrerschaft wurde spürbar unruhiger.

Die folgende Auseinandersetzung wurde mit ungleichen Mitteln bestritten. Auf der einen Seite war es die Weigerung Klassenfahrten und andere Dinge zu unternehmen, auf der anderen der direkte Draht zur Presse und die durch Schröder („faule Säcke“) und Wulff („Boutiquenlehrerinnen“) geprägte öffentliche Meinung.

Lehrer können sich nicht so leicht an die Öffentlichkeit wenden. Sie müssen den Dienstweg einhalten.

Es gab ein Gerichtsurteil. Das Land hatte maßlos gehandelt. Die Lehrerarbeitszeit sollte wissenschaftlich erhoben werden. Mehrere unabhängige Gutachten kamen zu dem Ergebnis, dass Gymnasiallehrer wöchentlich 3-6 Stunden unbezahlt zu viel arbeiten. Die Aufgaben also in der Arbeitszeit nicht zu bewältigen sind.
Dies spiegelt sich auch in der hohen Teilzeitquote. Viele Lehrer reduzieren Stunden (und Gehalt), um ihre Arbeit schaffen zu können.

Selbst die von der Regierung in Auftrag gegebene Studie zeigte auf, dass am Gymnasium jede Woche 50.000 unbezahlte Überstunden anfallen.
Bei anderen Betrieben stünde bei sowas Verdi vor der Tür. Oder der Gerichtsvollzieher.

Die Mehrarbeit bezieht sich übrigens auf einen Durchschnittswert, bei dem die unterrichtsfreie Zeit mit eingerechnet wurde.

Jeder fünfte Gymnasiallehrer arbeitet mehr als 48 Stunden pro Woche. Zwei Drittel aller Lehrkräfte arbeiten ohne Erholzeiten auch an fast jedem Wochenende. 54% kommen trotz Krankheit zur Arbeit (Nds. Arbeitszeitstudie 2015/16).

Die vom Gericht eingeforderte Abhilfe wurde bis heute nicht umgesetzt. Wen soll so ein Gericht denn auch belangen? Den Kultusminister?

Ebenso nicht umgesetzt wurde ein Gerichtsurteil vom BVerwG, das am 27.2.2014 festgestellt hatte, dass die Gehaltsentwicklung der Beamten nicht von der Tarifentwicklung abgekoppelt werden darf.

Warum schreibe ich das alles?

Nun. Das Land hat dann nach langem Herumdrucksen unter einem neuen Minister ein 11 Punkte Entlastungspaket zusammengestellt. Im Großen und Ganzen mit weitgehend symbolischem Wert. Soweit ich es mitbekommen habe, wurde es im weiteren Verlauf auf 7 Punkte eingedampft. Aber immerhin. Heute lese ich, dass dieses Paket angesichts von Corona nicht umgesetzt werden kann. Warum mich das aufbringt? Das Land hat wegen Corona an den Schulen ja gar nichts investiert.

Die Entlastungsstunden, die Schulen zur Ausgestaltung bekommen, wurden zusammengestrichen, um den Unterricht aufrecht erhalten zu können. Wer sich nun für seine Schule engagiert, kann im Zweifel dafür nicht mehr entlastet werden.

Medien- das Geld kommt vom Bund und aus Elternspenden. Die Systeme, die jetzt gerade als Distanzunterricht/ Wechselunterricht gefahren werden, haben die Schulen und Kollegen sich selbst ausgedacht. Sie haben die Software und Hardware meist privat angeschafft, sich eigenständig fortgebildet und das den Kindern beigebracht (oder umgekehrt). Ich selbst habe inzwischen gut 2000€ in die Ausstattung meines Fernunterrichts gesteckt.

Wenn ich das mit anderen Berufsfeldern vergleiche glaube ich nicht, dass das so selbstverständlich ist.

Der Minister hat wohl erkannt, dass ihm die Lehrer massiv den Rücken frei halten und er war der erste oberste Dienstherr, dem tatsächlich ein Wort des Beifalls über die Lippen gekommen ist. Dafür gebührt ihm Lob und Anerkennung. Leider ist es aber auch dabei geblieben. Denn die Schulen hätten mehr gebraucht.

Eine Liste datenschutzkonformer Kommunikationsplattformen zum Beispiel. Blacklist/Whitelist- whatever works. Ist MS TEAMS ein Abmahnrisiko? Wie kann man den Schulbetrieb aufrecht erhalten, wenn auch nur ein Schüler die über ihn gespeicherten personenbezogenen Daten lt. DSGVO erfragt? Es gibt keine Dienstvereinbarungen zum Distanzlernen und zum Homeoffice. Wenn ich mich hier mit Tee verbrühe oder mit meinem abenteuerlichen Mehrfachsteckersystem exekutiere- ist das dann ein Dienstunfall- wäre Corona einer? Wie muss ich dokumentieren, wann ich welchen Schüler in welchem Klassenraum nach welchem Lüftungszyklus getroffen habe? Welches Betriebssystem darf genutzt werden? Reicht on-board Verschlüsselung oder benötige ich mehr? Brauche ich ein VPN? Darf ich die Schüler ihre Kameras anschalten lassen oder benötige ich ein Einverständnis der Eltern? Wie ist es mit Lehrbuchmaterial? Darf ich das per Mail verschicken?

Dann wurden vor einem Jahr Dienstgeräte versprochen. Ja – wir haben bislang offiziell natürlich niemals personenbezogene Daten auf privaten Geräten verarbeitet, sondern das immer alles auf dem Windows 95 Rechner im Lehrerzimmer erledigt. Die Festplatte könnte Geschichten erzählen.

In der konkreten Umsetzung ist das Ganze anscheinend kniffelig. Erstmal ist nicht genug Geld da, dass ALLE ein Gerät bekommen, wie etwa in Bremen. Dann gibt es viele offene Fragen wie etwa den Datenschutz. Und ob es für etwa 500€ überhaupt ein passendes Gerät gibt.

Unlängst wurde es konkreter. Nun sieht alles nach einem Leihgerätesystem aus. Also mit durch die Schule gesteuerter Software. Da da mancherorts durchaus die Vermutung laut wird,  dass dieses System eher der Überwachung der Tätigkeiten dient, als der Gewährleistung eines zeitgemäßen Arbeitsplatzes, wäre wohl die Beteiligung des Personalrats nötig gewesen- oder von jemandem, der mit dem Gerät dann arbeiten muss. Nun denn. Da es Leihgeräte sind, erfüllen sie nicht die strengen Vorgaben an eine DSGVO konformes Endgerät und sind mithin nutzlos.

Hygiene. Das Land zeigt keine erkennbare Unterstützung bei den Hygienemaßnahmen, solange Schulen Fenster haben. Sollten sie keine haben- umso besser, dann ist ja Durchzug.

Es gibt keine Mittel, keine Entlastung, keine Beratung, keinen Handlungsspielraum und auf behördlicher Ebene keine Mitbestimmung (!). Coronatests gibt es bislang systematisch keine. Es gibt ein Angebot der Kostenübernahme. 2x glaube ich. Dafür muss man einen speziell ausgewählten Arzt aufsuchen. Die Liste ist auf der Seite des MK abrufbar- allerdings nur mit Schulpasswort. Über Umwege konnte ich solch eine Liste nun ergattern. Einer der Ärzte hatte nur vormittags Termine (während meiner Unterrichtszeit), der andere war ausgebucht bis Dortmund.

Die Zahl der genutzten anlasslosen Tests nutzt der Minister übrigens für die Legende der sicheren Schulen. Denn natürlich sind nur wenige, die den Hürdenlauf zum Test geschafft haben positiv.

Aber wenn wir bei Hygiene und Gesundheit sind- die faulen Lehrer melden sich doch eh bei jedem Räuspern krank. Statistisch gesehen waren Lehrer in Niedersachsen im letzten Jahr 9,8 Tage krank. Das ist gewaltig. Ständig blau machen – so kennt man sie.
Spaß beiseite- wir haben gar keine Zeit zum Krankfeiern. Es fehlen 5000 Lehrer. Gymnasiallehrer arbeiten an Grundschulen, damit wenigstens irgendeine Schulform versorgt ist. Inhaltlich ist das natürlich so, als würde der Glaser Fliesenleger spielen oder Estrich verstreichen.

Geht, ist aber Mist.

Und die Regierung unternimmt schlicht nichts, um das irgendwie zu ändern. Oder habe ich die breit angelegten Kampagnen übersehen, die hohen Einstiegsgehälter, Hilfe bei der Wohnungssuche.

Nein. Der Beruf ist- und das haben die Verbände bereits 2016 festgestellt- schlichtweg unattraktiv. Und wir finden ja noch nicht mal eine Kita, bei der wir unsere Kinder vor der ersten Stunde abgeben können. Aussage von einem ehemaligen Dezernenten dazu: Früher hatten die Lehrerinnen Residenzpflicht und waren Jungfrau.

Auf Twitter und in den seriösen Medien wird derzeit diskutiert, wie die durch die Pandemie und „Schulausfall“ verlorene Zeit aufgeholt werden kann. Ferienarbeit und Schule am Samstag wird da herbeigeschrieben.

Da könnte ich schreien, dann wir haben ja die ganze Zeit weiter unterrichtet, weiter geprüft, die Schüler weiter auf Leistung getrimmt und jetzt werden die damit belohnt dass das alles nichts taugt.

Am 15.3. sollen die Schüler wieder in die Klassen kommen. Dabei hat das MK abgelehnt, auch nur minimal irgendetwas für deren Sicherheit zu tun. Es gibt keine doppelten Busse, kein zusätzliches Personal für getrennte Gruppen, keine Ausweichräume (obwohl ja Veranstaltungsräume leer stehen).

Die Filteranlagen, die in der Behörde in Hannover stehen wurden für die Schule mit der Begründung abgelehnt, sie könnten nicht das Lüften ersetzen. Hölle. Essen kann auch nicht das Trinken ersetzen. Man macht einfach BEIDES!.

Jedenfalls- und der Kram hier ist schon viel zu lang geworden- komme ich zu dem Schluss: WIR SIND ES NICHT WERT. Die Lehrer nicht und die Schüler leider auch nicht.

13 KOMMENTARE

  1. Danke! So fühle ich mich und dafür haben viele, auch (Lehrer-, Referendr-)freunde, kein Verständnis.
    Dieser Artikel zeigt mir, dass ich mit meinen Gefühlen nicht alleine bin. Oft höre ich, dass ist halt so im Lehrerberuf, dass man Arbeitsmaterial (inkl. PC, Drucker usw.) privat zahlt. Das ist schon daneben, aber ja, dass wusste ich also als ich ins Corona-Ref ging und habe mich technisch gut ausgerüstet. Aber das Gefühl “es nicht Wert zu sein” darauf konnte ich mich nicht vorbereiten+ was es mit einem macht, wenn an Lehrer nur Kritik geäußert wird. (Bloß nicht mal Loben). Und dann kommt das Ref noch bei mir dazu, an Kritik sollte ich mich gewöhnt haben ;-l Doch auch hier geht die Willkür weiter: 10UBs müssen geschafft werden, wo nehme ich dafür den AU unter Corona her? Im Seminar meiner Freundin bleibt es beim ViKo-Treffen. Meine Seminare sind wieder im Präsenz damit sich Refis aus verschiedenen Schulen durchseuchen können ;-p.

  2. Zitate:
    (1) die eigenverantwortliche Schule – … im Detail macht die Behörde weiterhin die Zielvorgabe.
    (2) Diese Arbeit wird erschwert durch Ressourcenknappheit – „Doing more with less“…
    (3) Lehrer können sich nicht so leicht an die Öffentlichkeit wenden. Sie müssen den Dienstweg einhalten.
    (4) Das Land hat wegen Corona an den Schulen ja gar nichts investiert.
    Es gibt keine Mittel, keine Entlastung, keine Beratung, keinen Handlungsspielraum und auf behördlicher Ebene keine Mitbestimmung (!). Coronatests gibt es bislang systematisch keine. Es gibt ein Angebot der Kostenübernahme. 2x glaube ich.
    (5) Am 15.3. sollen die Schüler wieder in die Klassen kommen. Dabei hat das MK abgelehnt, auch nur minimal irgendetwas für deren Sicherheit zu tun. Es gibt keine doppelten Busse, kein zusätzliches Personal für getrennte Gruppen, keine Ausweichräume (obwohl ja Veranstaltungsräume leer stehen).
    Die Filteranlagen, die in der Behörde in Hannover stehen wurden für die Schule mit der Begründung abgelehnt, sie könnten nicht das Lüften ersetzen. …
    (6) Jedenfalls…komme ich zu dem Schluss: WIR SIND ES NICHT WERT. Die Lehrer nicht und die Schüler leider auch nicht.
    ————-
    Es verschlägt mir die Sprache – und die Tasten sperren sich! Nach mehr als 7 Jahrzehnten Schulbiografie, direkt und begleitend als Elternteil, als Großelternteil – und als jemand mit Theorie und Praxis in der LuL-Studienbegleitung, blicke ich mit Schrecken nach vorn. Meine Enkel und ihre Kinder samt deren Kinder – fortwährend dieselbe Totalmisere im gruselig-ekligen Rechtfertigungsgestrüpp zwischen TV-Selbstdarstellung der Politiker*innen und haftungspanischer Bürokratie?!
    Sollte es auf Wolke7 tatsächlich die Chance geben, herab auf meine Nachkommen zu blicken – so wird es noch immer unbarmherzig schmerzen?

    Kleine Anekdote von gestern: Enkelsohn A. (11) reagiert auf die Aussicht, auch künftig ohne Schulräume und Direktkontakt mit LuL lernen zu sollen, spontan und völlig cool: “Ich brauche keine Schule”. Er bewertet, was er in Schulgebäude, zuhause und dazwischen erlebt, den jeweiligen Hintergrund mangels Kenntis natürlich nicht. Aber trifft er vielleicht damit einen Entwicklungshorizont, den gerade Bob Blume so trefflich bearbeitet?

    Der Angelpunkt ist für mich die Ablösung der Schul- durch die Bildungspflicht, mit vereinbarten Zielen und deren Abschlusskontrollen, aber mit voller Organisationsfreiheit. Mit der Geburt erhält jedes Kind sein Bildungskonto – von dem per Vertrag mit Bildungsanbietern die Bildungsleistung finanziert wird.
    ——————
    Soweit der Versuch, einen letzten Rest Hoffnung gegen die Verzweiflung all der hochengagierten Pädagog*innen und der bewusst “Familie” lebenden Eltern und Großeltern zu setzen. Es gibt eine vorher nicht vorhandene Chance – und auch wenn es lange dauern wird, werde ich von Wolke7 hoffentlich meine Nachkommen erblicken, die GUT und GERNE Lernen…

  3. „Wie alle Landesbedienstete arbeiten Lehrer insgesamt 40 Stunden die Woche.“

    Jammer, jammer! Wir guten, ehrlichen Menschen, also die Nicht-Staatsbedienstete, die nicht ihr Leben damit verbringen für den Staat und damit gegen uns alle zu arbeiten und uns unser Leben zu verleiden, müssen 40, 50, 60 Stunden die Woche arbeiten. Würde euer Staat uns nicht die Hälfte unsere Geldes wegnehmen wäre das nur die Hälfte!

    „Und weil man irgendwie übersehen hatte weitere Lehrer auszubilden, wollte man die Stundenzahl dann nochmal um eine Stunde erhöhen“

    Das kann man von einem Beamten jetzt vielleicht nicht erwarten aber man muss sich schon erstmal über das Problem im Klaren sein, bevor man sich beschwert. Eine Stunde mehr Arbeit, weil zu wenig Personal da ist um die vorgegebene Arbeit zu schaffen? Hätte man das Problem verstanden, wäre klar, dass 90 % der in Schulen vermittelten Inhalte Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für Beamte sind und unseren Kindern, oder mehr noch der ganzen Gesellschaft, nichts bringen. Richtig ist demnach, nicht mehr Lehrer einzustellen um den Unsinn unschuldigen Kindern unter Zwang einzutrichtern, sondern den Unsinn einfach sein zu lassen.

    „Mehrere unabhängige Gutachten kamen zu dem Ergebnis, dass Gymnasiallehrer wöchentlich 3-6 Stunden unbezahlt zu viel arbeiten. Die Aufgaben also in der Arbeitszeit nicht zu bewältigen sind.“

    Wir machen ständig Überstunden und kein Gutachten interessiert sich einen Scheiß dafür.

    „Jeder fünfte Gymnasiallehrer arbeitet mehr als 48 Stunden pro Woche. Zwei Drittel aller Lehrkräfte arbeiten ohne Erholzeiten auch an fast jedem Wochenende. 54% kommen trotz Krankheit zur Arbeit (Nds. Arbeitszeitstudie 2015/16).“

    Das ist weniger als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Euch geht es also besser als den ganzen nicht-verbeamteten. Schon nach Arbeitszeit. Dazu noch Freiheit von zahlreichen staatlichen Zwangsabgaben vom Lohn, Anstellung auf Lebenszeit, egal wie dumm ihr euch anstellt, und fürstliche Altersbezüge. Worüber beschweren Sie sich?!

    „Wenn ich mich hier mit Tee verbrühe oder mit meinem abenteuerlichen Mehrfachsteckersystem exekutiere- ist das dann ein Dienstunfall- wäre Corona einer?“

    Würden Sie sich nicht zwingen lassen in nicht benötigte staatliche Zwangsunfallversicherungen einzuzahlen, wovon Sie nie wieder etwas zurück bekommen, wäre die Frage komplett ohne Belang.

    „Wie muss ich dokumentieren, wann ich welchen Schüler in welchem Klassenraum nach welchem Lüftungszyklus getroffen habe?“

    Nach staatlicher Vorschrift? Vermutlich anders in jedem Bundesland und wieder anders in jedem Kreis und wieder anders in jeder Stadt und wieder anders in jedem Stadtteil und wieder anders in jeder Schule und nochmal anders als abgeänderte Kopie für den Bund. Mit viel Glück nicht auch noch anders für jeden Ordnungsamtsmitarbeiter der es anders haben will.

    „Eine Liste datenschutzkonformer Kommunikationsplattformen zum Beispiel.“

    Das ist ganz einfach, jetzt mal abseits des nötigen Spotts. Kein Microsoft. Nicht als Betriebssystem, nicht als Anwendung. Windows hat hunderte Zugänge, über die alles an Microsoft geleitet wuird, Office, Teams noch zusätzliche. Nachzulesen, zumindest für Windows, beim BSI. Lösung: Einfach Linux benutzen, sämtlichen eingehenden Verkehr blockieren. Sicher und funktionierender Datenschutz. Wer es ganz sicher will vermeidet zusätzlich Mirosft UEFI und Intel Management Engine, das erfordert andere Hardware.

    „Reicht on-board Verschlüsselung?“

    Nein. Immer Ende-zu-Ende, GPG, RSA-Schlüssel länger als 12.000 Bit, andere mindesten 256 Bit, kein AES, nötige Entropie zur Schlüsselerstellung aus Harwdareentropiequellen ohne algorithmische Verarbeitung (mindestens Rauschempfänger, besser Quanten-Zufallszahlen), kein TPM auf dem System (enthält Hintertüren, die die Verschlüsselung bei der Schlüsselerstellung schwächen).

    „Brauche ich ein VPN?“

    VPN sind dirch staatliche Hintertüren geknackt, ggf. kann der VPN-Anbieter auch mitlesen, ist aber besser als offen über das Internet.

    „Darf ich die Schüler ihre Kameras anschalten lassen oder benötige ich ein Einverständnis der Eltern?“

    Weder noch. Durch die Kameras sind andere sichtbar, Verstoß gegen Art. 6 DSGVO, und alle übertragenen Informationen sind durch staatliche Hintertüren in jeder Ecke des Internets und in jedem Computer für Unbefugte sichtbar, daher dürfen Kameras, ebenso wie Mikrofone, nicht vorhanden sein. Was auch Handys auf dem Schulgelände verbietet.

    „Wie ist es mit Lehrbuchmaterial? Darf ich das per Mail verschicken?“

    Wie verschicken ist egal. OB verschicken ist relevant, weil das als Vervielfältigung gilt. Wenn selbst erstellt und wenn keine Namen drauf stehen, ja. Wenn von einem Verlag, je nach Vereinbarung.

    „Es gibt keine Mittel, keine Entlastung, keine Beratung, keinen Handlungsspielraum und auf behördlicher Ebene keine Mitbestimmung (!).“

    Wenn der Staat etwas macht, wird es falsch und schlecht. Jetzt wollen Sie Staatsbedienstene Mitbestimmung? Um noch mehr falsch und schlecht zu machen?! Sehen Sie nicht, dass es dadurch noch schlimmer wird?

    „Es fehlen 5000 Lehrer.“

    Nein, es sind 1 Million zu viel. Würde man allen Unsinn aus den Lehrplänen entfernen, bliebe kaum noch etwas übrig und es wären mehr als genug Lehrer da. Die dann natürlich nicht mehr eingesetzt werden könnten, weil sie haben jan nie gelernt sinnvolles und nätliches auf sinnvolle Weise zu vermitteln.

    „die Schüler weiter auf Leistung getrimmt“

    Ich habe nie Leistung in einer Schule gesehen, die dieses Wort auch nur im Ansatz verdient gehabt hätte.

    „Am 15.3. sollen die Schüler wieder in die Klassen kommen. Dabei hat das MK abgelehnt, auch nur minimal irgendetwas für deren Sicherheit zu tun. Es gibt keine doppelten Busse, kein zusätzliches Personal für getrennte Gruppen, keine Ausweichräume (obwohl ja Veranstaltungsräume leer stehen).

    Die Filteranlagen, die in der Behörde in Hannover stehen wurden für die Schule mit der Begründung abgelehnt, sie könnten nicht das Lüften ersetzen. Hölle. Essen kann auch nicht das Trinken ersetzen. Man macht einfach BEIDES!.

    Jedenfalls- und der Kram hier ist schon viel zu lang geworden- komme ich zu dem Schluss: WIR SIND ES NICHT WERT. Die Lehrer nicht und die Schüler leider auch nicht.“

    Problem erkannt. Die Ursache aber nicht. Ohne Kenntnis der Ursache keine Beseitigung des Problems. Die Ursache ist, wie in https://www.oqgc.com/veroeffentlichungen/download/Wir_Menschen-OQGC.pdf dokumentiert, ein ganzes Kapitel über Bildung und Schule lang, die Dummheit der Menschen, insbesondere der Politiker, also der Staat und dessen Angestellte.

    Sie beschreiben die Inkomepetenz des Staates, wie Sie richtig sagen der Politiker, absolut richtig, erkennen aber leider nicht, dass Sie Teil dessen sind. Es wird also nicht besser, wenn man Ihnen mehr Ressourcen zur Verfügung stellen würde, sondern schlimmer. Wer es würde sich in der Sache nichts ändern, der staatliche Unfug würde nur effektiver verbreitet.

    Dass Sie es nicht wert sind folgern Sie aus der unzureichenden Ausstattung durch den Staat. Der Rest des Volkes findet auch, dass Sie es nicht wert sind, folgert das aber aus dem Umstand, dass Sie für den Staat arbeiten. Sie haben also Recht, sie sind es nicht wert. Nur über den Grund sind wir uneins.

    • Wieder mal viel gefühlte Wahrheit und libertäres Geschwurbel. 48 h Wochenarbeitszeit sind also weniger als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung, der 2019 bei Männern bei 38,6 h lag und bei Frauen bei ca. 30,5 h? Die Wochenarbeitszeit der Gesamtbevölkerung betrug im Übrigen 34,8 h, das ist natürlich deutlich mehr als 48h! Muss man wissen!

      Komm ruhig runter von deinem hohen Ross, man merkt deutlich, dass es zu mehr als einem Schaukelpferd nicht gereicht hat.
      Über das verlinkte Pamphlet lach ich mich gerade kaputt.

    • Sehr geehrte Frau/ Herr Fischer,

      bitte fühlen Sie sich nicht falsch von mir angesprochen, da ich nicht erkennen kann, ob sie männlich oder weiblich sind, habe ich beide Formen gewählt.

      Ich möchte Ihnen sehr gerne auf ihre ausführlichen Äußerungen antworten und Ihnen vielleicht auch ein differenzierteres Bild geben.
      Ich werde Sie genau so zitieren, wie sie es geschrieben haben, damit mir nicht der Vorwurf gemacht werden kann, dass ich etwas falsch verstanden habe.

      Sie fangen schon, in meinen Augen, beleidigend an mit den Worten “Jammer, jammer! Wir guten, ehrlichen Menschen, also die Nicht-Staatsbediensteten…” Wir Lehrer sind also nicht gut? Wir sind nicht ehrlich? Das ist ziemlich weit hergeholt bin ich der Meinung, da ich sehr viel gute und ehrliche Lehrer kenne.

      “Das ist weniger als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung. Euch geht es also besser als den ganzen nicht-verbeamteten. […] Dazu noch Freiheit von zahlreichen staatlichen Zwangsabgaben vom Lohn, Anstellung auf Lebenszeit, […], und fürstliche Altersbezüge.”
      Des Weiteren möchte ich Ihnen klar machen, dass wir nicht alle verbeamtet sind. Ein Großteil von uns sind Angestellte, die z.T. sogar vor den Sommerferien entlassen werden, damit Gehälter nicht gezahlt werden müssen. Ich werde sogar, aller Voraussicht nach, nie(!) verbeamtet werden. Ich werde immer “nur” Angestellter sein, zahle also genau wie Sie die gleichen Steuern und Abgaben, die übrigens nicht nur für unsere Löhne drauf gehen, sondern für so viel mehr. Ich würde Sie gerne bitten, mir den Beleg dafür zugeben, wie der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung aussieht. Ich weiß nämlich nicht, auf was sich das alles bezieht. Auf den Krankenstand bzw. auf diejenigen, die krank zur Arbeit kommen? Die, die sich nicht am Wochenende erholen können? Oder die Mehrarbeit?

      “Wir machen ständig Überstunden und kein Gutachten interessiert sich einen Scheiß dafür.”
      Unsere Verträge gehen, wie viele andere auch, über 40 Stunden. Da sind Vor- und Nachbearbeitungszeit mit eingeschlossen. Alles was darüber hinausgeht ist Mehrarbeit und gehört entweder bezahlt oder in Form von freien Tagen abgegolten. Wie in allen anderen Berufen auch.
      Dürfte ich Sie fragen, was Sie arbeiten? Wie wird in ihrem Beruf Mehrarbeit ausgeglichen? Bekommen Sie die Überstunden bezahlt oder dürfen Sie zu Hause bleiben? Denn ich glaube nicht, dass Sie unbezahlte Überstunden machen. Wir z.T. schon. Und Sie brauchen mir nicht mit den Ferien zu kommen, denn die reichen nach Abzug meines Urlaubs vorne und hinten nicht, um die Mehrarbeit auszugleichen.
      Ich kann mir gut vorstellen, dass es in Ihren Berufsfeld, vielleicht kein Gutachten, aber andere Formen gibt, die Aufzeigen, dass und wie viel Sie und Ihre Kollegen mehr arbeiten. Aber in unserem Berufsfeld gibt es einen großen Prozentsatz an Zeit und Arbeit, die Sie nicht sehen und vielleicht auch nicht sehen wollen. Nur weil ich Mittags oder am frühen Nachmittag nach Hause gehen kann, heißt das nicht, dass ich danach Feierabend habe. Nach einer kurzen Mittagspause sitze ich wieder am Rechner, um Schülern Hilfestellungen zu geben, mit Eltern zu sprechen oder administrative Arbeiten zu erledigen, mich weiterzubilden und ich kann die Liste unendlich fortsetzen.
      Ja, wir können unsere Arbeit einteilen und ich bin wirklich dankbar dafür, das heißt, aber auch das ich, wenn ich mir am Nachmittag zwei Stunden frei nehme, die am Abend oder am Wochenende nachholen muss. Wenn ich das Wochenende frei haben will, muss ich in der Woche mehr arbeiten.
      Ich kenne keinen Beruf, dem das so sehr angehangen wird wie dem Lehrerberuf. Ich kenne auch kaum Berufe, die ihre Arbeit jeden Tag mit nach Hause nehmen und wenn, dann werden die wesentlich besser bezahlt. Ich würde gerne meine Arbeit in der Schule lassen, aber das kann ich nicht, weil ich da nicht arbeiten kann und das liegt vor allem, an der Ausstattung. Drei Rechner für 25 Kollegen, eine 1k-Leitung usw. und Sie wollen mir erklären, dass ist unsere Zukunft und wir sind daran Schuld?

      “Durch die Kameras sind andere sichtbar, Verstoß gegen Art. 6 DSGVO…”
      Okay, also dürfen Schüler weder Kameras noch Mikrofon benutzen, weil es verstößt gegen die DSGVO. Aber wir Lehrer sollen es gefälligst machen? Mikrofon und Kamera anschalten im Distanzunterricht? Was bei uns ist es nicht so schlimm?
      Dann erklären Sie mir bitte, wie wir guten Distanzunterricht machen sollen, wenn das alles untersagt ist? Haben Sie schon mal 8 Stunden lang gegen eine schwarze Wand geredet, ohne zu wissen, was bei Ihrem Gegenüber abgeht? Ob er Sie filmt oder fotografiert? Ob nicht jemand anderes mit zu hört? Oder ob derjenige Ihnen überhaupt zu hört?

      “Nein, es sind 1 Million zu viel. Würde man allen Unsinn aus den Lehrplänen entfernen, bliebe kaum noch etwas übrig…”
      Wie kommen Sie auf die eine Million? Bitte erklären Sie mir, welchen “Unsinn” sie meinen? Nur Inhalte oder ganze Fächer? Was würden Sie denn entfernen oder streichen? Noch mehr Fächer, die in ihrer Stundenanzahl immer weiter reduziert werden wie Biologie, Sport?
      Bei manchen Inhalten bin ich sogar ganz bei Ihnen, aber das würde keine Stundenreduzierung mit sich bringen, sondern dann könnte man sich endlich auf das Wesentliche konzentrieren und vielleicht mal länger als nur einen Block an einem Thema arbeiten, weil man die vom Land vorgegebenen Lehrpläne umsetzen muss, da am Ende einer jeden Schulausbildung eine Prüfung steht. Und glauben Sie mir, wenn ich Ihnen sage, dass wir seit Jahren versuchen den KuMis klar zu machen, dass die Lehrpläne angepasst werden sollten. Wir bringen Vorschläge, Verbesserungen und sind auch dafür neuere Forschungen in die Schule zu bringen. Aber wie soll man das bitte schaffen, wenn die bürokratischen Mühlen so langsam mahlen bzw. die Kultusminister es nicht wollen?
      Was ist denn für Sie sinnvoll? Und wie kommen Sie überhaupt auf die Idee, dass wir es nie gelernt hätten sinnvolles auf eine sinnvolle Weise zu vermitteln?

      Ich muss sagen, ich verstehe Ihre Schlussfolgerung nicht. Wir sind in Ihren Augen inkompetent? Wir würden es schlimmer machen, würden wir mehr Ressourcen bekommen? Was ist denn der staatliche Unfug, von dem Sie hier reden?
      Was sind wir in Ihren Augen und angeblich in den Augen der restlichen Bevölkerung nicht wert? Welchen anderen Grund haben Sie denn?

      Außer, dass Sie meinen, mich und all meine Kollegen zu beleidigen. Ich reiße mir tagtäglich den Arsch auf, um meinen Schülern zu helfen, Ihnen Unterrichtstoff trotz dieser “beschissenen” Situation zu vermitteln, sie weiter zu entwickeln, zu motivieren und sie zu besseren Menschen zu machen. Ich bin momentan diejenige, die meinen Schülern die Technik beibringt und seien es so einfache Dinge wie mal ein erforderliches Update bei einem Browser zu machen oder einzustellen, das es automatisch funktioniert. Ich bin diejenige, die ihnen zur Seite steht, wenn es ihnen schlechte geht. Diejenige, die von früh bis spät, und meistens auch an den Wochenende, für sie da ist, um Fragen zu beantworten oder zu helfen. Diejenige, die nebenbei jeden Tag aufs neue Distanzunterricht vorbereitet und nachbearbeitet. Die jeden Tag Onlineunterricht abhält, damit meine Schüler den Anschluss nicht verlieren. Die Aufgaben von jedem einzelnen Schüler kontrolliert und ein Feedback gibt. Die gehaltenen Onlineunterricht aufarbeitet, damit Schüler ihn auch bekommen, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht an der Konferenz teilnehmen konnten. Die mit Schülern und Eltern bei Problemen telefoniert. Die sich jeden Tag aufs Neue Gedanken macht, wie sie den Unterricht und Aufgaben so gestalten kann, dass die Schüler etwas davon haben.
      Das kostet Zeit und Nerven, aber ich mache es, weil die Schüler niemanden anderen haben als mich und ich diesen Beruf mit Herzen liebe. Und dann darf ich mir immer wieder anhören, dass wir Lehrer “faule Säcke” sind, dass wir nichts können, dass wir nichts machen würden. Das wir unser Gehalt nicht verdienen und wir es doch gefälligst abgeben sollten. Das wir ja nur Ferien hätten und am Nachmittag und Wochenende frei. Dann macht doch unseren Job! Zeigt uns, wie man es besser macht! Jeder will bei uns mitreden und zeigen, wie es richtig geht. Warum, weil man selber mal in der Schule war oder weil man Kinder hat. Übrigens, die meisten Lehrer haben auch Kinder und nein, die gehen nicht alle auf eine Privatschule. Ich könnte auch zurück in die freie Wirtschaft gehen, weil ich da nämlich herkomme. Aber ich habe mich für diesen Beruf entschieden und ich bin gut darin (egal ob Sie mich jetzt für arrogant halten).
      Neben der Polizei, kenne ich keinen Beruf, der so sehr von allen beschimpft wird wie der Lehrer. Ich kenne vor allem keinen Beruf, wo sich der Arbeitnehmer alles notwendige für seine Arbeit selbst beschaffen muss.

      Wir sollen den Schülern Toleranz, Empathie, Gemeinschaftssinn, Freundlichkeit, Höflichkeit und noch so viel mehr beibringen, werden aber von allen Seiten fertig gemacht. Wissen Sie wie schwer das ist, wenn Schüler zu uns kommen und solche Behauptungen wie Sie aufstellen? Oder Eltern? Jeden Tag? Jeder weiß es besser und jeder würde es besser machen. Nur wir sind “zu dumm” unseren Job, den wir studiert haben, zu machen.

      Ich weiß nicht, ob Sie nochmal hier vorbei schauen, um das zu lesen. Ich würde mich freuen, wenn Sie zumindest meine Fragen beantworten könnten, auch wenn der Text ziemlich ausführlich geworden ist und ich nicht einmal die Hälfte von dem, was ich hätte schreiben können, aufgeschrieben habe.

      Freundliche Grüße
      Katja Eichler

  4. An so vielen Stellen genau auf den Punkt gebracht, vielen Dank! Genau das diskutieren wir hier schon so lange…

  5. > Brauche ich ein VPN?

    Nein.

    siehe unter 5.5., VPN
    https://www.kuketz-blog.de/wie-tracking-in-apps-die-sicherheit-und-den-datenschutz-unnoetig-gefaehrdet/

    —-
    Fehler: Klicke die Checkbox zum Datenschutz an.

    Inwiefern werden meine Daten geschützt, wenn ich das mache. Die Checkbox erlaubt den Missbrauch meiner Daten. Das ist nicht die Bedeutung von Datenschutz. Ist das Schulstoff? Datenschutz = Euphemismus für Datenmissbrauch? Wäre nötig mal zu erklären.

  6. „ WIR SIND ES NICHT WERT. Die Lehrer nicht und die Schüler leider auch nicht.“. So ist es. Und das schon seit Jahren. Auch in Hamburg.

  7. @Fischer, R.
    “Ich habe nie Leistung in einer Schule gesehen, die dieses Wort auch nur im Ansatz verdient gehabt hätte.”
    Das erklärt Ihre Tirade in Ansätzen – ist aber eher ein Argument für starke Schulen, um gescheiterte Ausprägung von Mitgefühl und Anstand möglichst zu vermeiden.

  8. @Fischer, R.:
    Es stellt sich mir die Frage, warum Sie als guter, ehrlicher Mensch nicht auch die Vorzüge des Staatsdienstes in Erwägung gezogen haben, als Sie an Ihrem beruflichen Scheideweg angekommen sind.

    Dann müssten Sie jetzt nicht 40, 50, 60 Stunden die Woche arbeiten.

    Aber Sie können sich ja gerne als Quereinsteiger in den Schuldienst kommen.

    Nicht? Warum nicht?

    Dann jammern Sie nicht rum.

    Es stand Ihnen selbst frei Staatsdiener zu werden.

  9. Ja, genau so, wie Herr Blume das darstellt, ist auch meine Gefühlswelt. Dank Corona-Maßnahmen und nochmehr deren Ausbleiben (wenn sie was kosten), sowie dem Spagat zwischen Distanz- und Präsenzunterricht (natürlich nicht irgendwie verrechnet), habe ich seit einigen Monaten einen richtigen Kamm.

  10. fluiditaet bringt auf den Punkt, was mir seit 2002 (Beginn meines Ref) in unzähligen Dia- und Monologen immer wieder durch den Kopf geht und sauer aufstößt: Die Verlogenheit eines Systems, das immer weiter gezielt abbaut und gleichzeitig ständig Besserung verbal simuliert. Und mit jedem Jahr werde ich über diese Verlogenheit aus Politik und Ämterspitze wütender und frustrierter als Kollege.

    Das Schlimmste ist aber nicht, dass ich es als Beschäftigter nicht wert bin, das man etwas in meine Arbeit investiert: Das Schlimmste ist, dass Jugendliche und Kinder es in diesem Land nicht wert sind, dass man das Bildungssystem – nicht nur stärkt, sondern wenigstens nicht noch weiter zurückbaut.

    Mein Dank an den Autor für das sehr kompakte Auf-den-Punkt-Bringen eines sehr vielfältigen Problembereichs. Meine Forderung an die Verantwortungsebene(n): Ihr könntet ja zumindest mal anfangen eines der Probleme zu lösen. Zumindest in irgendeinem Bundesland.

    P.S.: Herr Fischer, Sie sind ein Pfosten.

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