Über zu wenige E-Mails konnten sich Lehrerinnen und Lehrer in den Monaten der Pandemie sicherlich nicht beklagen. Sich wiederholende Highlights waren dabei aber meist die sehr spät eintreffenden Fundamentalanweisungen der Ministerialdirektoren, die vom Kultusministerium beschlossene Verwaltungsvorschriften, Regeln und Maßnahmen beinhalteten. Aus der Perspektive vieler (aller?) Lehrerinnen und Lehrer und vor allem der Schulleitungen waren diese jedoch meist zu kurz gedacht, zu wenig auf die einzelnen Schulen bezogen und vor allem: über alle Köpfe hinweg entschieden. An dieser Stelle ein fiktiver Brief des Kultusministeriums, wie ihn sich (vielleicht) (fast) alle Lehrer*innen gewünscht hätten. 

Liebe Lehrerinnen und Lehrer, 

kurz vor Weihnachten möchten wir Ihnen, liebe Lehrerinnen und Lehrer, nochmals für ihr Engagement in allen Bereichen danken! Umso wichtiger ist es uns aber, dass Sie den Schüler*innen ausrichten, dass wir uns vor deren Durchhaltevermögen verneigen und dass wir auch mit den kommenden Handlungen verdeutlichen werden, wie sehr uns Bildung am Herzen liegt. Danke dafür!

Sie wundern sich vielleicht, warum Sie einen Brief von allen Ländern bekommen, der den gleichen Inhalt hat. Nun, wir sind zu der Erkenntnis gekommen, dass im Jahr dieser weltweiten Pandemie der einzelne von uns hinter dem Ganzen zurücktreten muss. Aus diesem Grund haben wir – wie es in einer „Kultur der Digitalität“, in der wir alle leben – üblich ist, zusammengearbeitet und diesen Informationsbrief für Sie zusammengestellt (einige nur zähneknirschend, aber wir werden nicht sagen, wer [es war Frau Eisenmann, bitte später editieren]).

Bedanken möchten wir uns nicht nur bei den Lehrerinnen und Lehrern, sondern auch bei den Eltern. Diese hatten, das haben wir nun eigesehen, vor allem zu Beginn der ersten Welle im März, unheimlich viel der Last tragen müssen, die auch aufgrund der fehlenden technischen Voraussetzung entstanden ist. Bitte geben Sie den Eltern weiter, wie dankbar wir als höchste Bildungsinstitution dieses Landes sind, dass sie uns – man muss es so sagen – gerettet haben.

Wir stehen nun vor großen, man muss sagen: gewaltigen Umwälzungen. Um diese einzuordnen eine kurze Erinnerung an die letzten Monate.

Wir geben zu, dass ohne das Einschreiten der namenhaftesten Politiker dieses Landes und ohne deren Zurücktreten hinter Parteizugehörigkeit wahrscheinlich der Landesweite Masterplan Digitalisierung gar nicht zustande gekommen wäre. Aber durch diesen massiven Druck konnten wir schon seit Mitte März an den verschiedensten Szenarien für eine nachhaltige, digitale und weitsichtige Bildungspolitik arbeiten. Viele der Einzelheiten sind Ihnen sicherlich noch im Kopf, aber als Erinnerung an unsere gemeinsamen Handlungen, hier nochmals die wichtigen Punkte, die in gemeinsamer Arbeit zwischen Politik, Bildungsministerien, Praktikern aus der digitalen Szene rund um das sogenannte #twitterlehrerzimmer und Experten aus verschiedenen Gebieten der Wissenschaft entstanden sind (die Kommission X).

  • Nach einer flächendeckenden Fortbildungsoffensive, in der sich die Medienzentren der Länder auf einen gemeinsamen Aufgabenpool geeinigt und bekannte YouTuber zur Verbreitung gewinnen konnten, bestand die zunächst von einigen Lehrkräften skeptisch betrachtete Verpflichtung zu mindestens 10 Modulen des (digitalen) Fernunterrichts. Dieser Offensive verdanken wir ein nun sehr sauber laufendes Fernunterrichtgeschehen.
  • Die zusätzlichen Einstellungen für den Bereich der Sozialarbeit haben dafür gesorgt, dass Eltern, deren Kinder nicht über den Fernunterricht beschult werden konnten, Freiräume für das Homeschooling oder Arbeiten hatten, die nicht über die Ferne erledigt werden konnten.
  • Die zunächst in hitzigen Debatten beschlossene Abschaffung der Abschlussprüfungen während der Pandemie hat, wider erwarten, nicht zu negativen Lernergebnissen geführt. Erste Kurzzeitstudien zeigen, dass die Schülerinnen und Schüler durch das Wegfallen des Drucks sogar lieber lernen, unabhängig ob in Präsenz oder Distanz.
  • Es hat sich gezeigt, dass der massiv forcierte Ausbau der Glasfaserinfrastruktur, die allen Schulen einen Netzugang ermöglichen soll, aus den Geldern der Versteigerungslizenzen der Telefonanbieter genau die richtige Entscheidung war. Dieses Milliardenprogramm wird noch mindestens über die kommenden 5 Jahre weiterlaufen.
  • Wir begrüßen die anhaltende Bereitschaft lokaler IT-Firmen, dort mit Schulen zusammenzuarbeiten, wo die technischen Gegebenheiten im März noch nicht so weit waren, wie wir es gerne gehabt hätten. Der Ausbau ist nun fortgeschritten, aber durch diese enge Zusammenarbeit konnten Schüler*innen schon Ausbildungsplätze in dieser Zukunftsbranche annehmen.
  • Nicht zuletzt sind wir froh, dass wir die Szenarien A-F erstellen konnten, die Möglichkeiten des Präsenz-/ Hybrid-/ und Fernunterricht in einem für alle Länder geltenden Stufenplan verbindlich festlegen.
  • Zahlreiche Rückmeldungen von Referendarinnen und Referendaren haben uns gezeigt, dass das nun fertige einheitliche System, das an diesen Stufenplan angelehnt ist, für eine deutlich bessere Planbarkeit gesorgt hat. Wir freuen uns, dass wir an dieser Stelle den Druck nehmen konnten.
  • Wir freuen uns nicht zuletzt, dass die Freiräume für eine nachhaltige Schulentwicklung innerhalb der verschiedenen Schulen genutzt worden sind. Sie erinnern sich: Wir, die KMK, hatte allen Lehrerinnen und Lehrern, die sich für die Weiterentwicklung der didaktischen Maßnahmen einsetzen, 5 Stunden pro Woche gegeben. Das zunächst von Lehrerverbänden als viel bezeichnete Paket, das bei der Elternschaft für kritische Stimmen gesorgt hatte, hat nun für einen nahezu 80%igen Verteilung von fertigen Medienkonzepten an den Schulen gesorgt, die über die Pandemie hinaus genutzt und weiterentwickelt werden können.
  • Wir sind froh, dass auf dieser Grundlage die Kommission X die Bildungspläne nach jenen Inhalten analysiert, die sich im Zuge dieser massiven Verschiebung als einsparbar herausgestellt haben.
  • Dadurch, dass wir das Geldvon Bund und Ländern, das eigentlich zur Rettung einiger Großkonzerne bereitgestellt worden war, die schon vor der Pandemie eine ungesunde Geschäftsgrundlage gehabt haben, in den Ausbau eines bundesweit zunächst einheitlichen, aber individuell auf Länder, Kommunen und Schulträger abstimmbaren, datenschutzrechtlich unbedenklichen Bildungscloud zur Verfügung gestellt haben, sind wir auch für das kommende Jahr guter Dinge.
  • Letztlich sind wir froh, dass wir mit der Erhöhung des Tarifs für Angestellte IT-Administratoren in den Städten dafür gesorgt haben, dass nun die technische und digitale Infrastruktur nicht mehr in den Händen der Lehrerinnen und Lehrer liegen muss. Weitere Einstellungen werden folgen.

Wenngleich vielen von Ihnen diese Punkte sicherlich noch präsent sind – wir denken gerne an die zahlreichen positiven Google-Rezensionen, die netten Briefe und freundlichen medialen Reaktionen zurück – wollen wir hier nochmals zeigen, mit welch stabiler Grundlage wir nun im neuen Jahr weitermachen können.

Auf der Grundlage des Stufenmodells weiß jede Kommune und jede Schule nun, ob es am 10. Januar in Präsenz weitergehen kann. Es ist für Sie sicherlich nicht überraschend, dass es meistens nicht der Fall sein wird. Aber Präsenz ist nicht alles (¯\_(ツ)_/¯ [bitte später editieren]). Durch die schon angegebene breite technische Ausstattung und ein stabil laufendes System machen wir uns aber keine Sorgen.

Schüler*innen und Schüler, die nicht von zu Hause lernen können – oder wollen – werden wieder in technisch ausgestatteten Räumen betreut, sobald die Indizenzwerte es zulassen. Auf diese Weise wollen wir sozialer Ungleichheit und häuslicher Gewalt die Stirn bieten.

Es ist klar, dass die Schülerinnen und Schüler und deren Lernen an erster Stelle stehen. Deshalb wünschen wir uns von Ihnen natürlich weiterhin ein hohes Maß an Engagement. Wir hoffen, dass wir mit den oben genannten Schritten die Rahmenbedingungen schaffen konnten, dass Sie mit weniger „Stoff“, weniger Druck bezüglich Prüfungen, mehr Nachhaltigkeit und Verbindlichkeit, zahlreichen Fortbildungsmöglichkeiten und einer gesunden Finanzplanung nun die Bildung in gemeinsamer Arbeit weiterbringen können.

Letztlich sind wir zu der Einsicht gekommen, dass nur diese massiven Schritte den Standort Deutschland retten können. Bildung ist die einzige Ressource, die wir haben.

Insofern freuen wir uns auf das Jahr 2021! Wir haben alle gegeben, was wir können! Und wir sind Ihnen dankbar! Bitten geben Sie diese Dankbarkeit an alle betreffenden Personen weiter, vor allem aber an Eltern, Schüler*innen und natürlich die „Online-Community“, die uns aus dem „Pandemie-Schlaf“ geweckt hat, wenn Sie diese lapidare Bemerkung am Ende erlauben.

Wir werden auch in Zukunft versuchen, weiter zusammenzuarbeiten, unabhängig von Länderinteressen oder Interessen der Einzelnen.

Ihre Kultusministerinnen und Kultusminister

[Frau Eisenmann verlangt noch eigene Erwähnung, wird aber zurückgewiesen, bitte später editieren]

14 KOMMENTARE

  1. Guten Tag, wo bleiben die Erzieherinnen und Erzieher? Sie stehen täglich ihre Frau/Mann…..
    Sind immer da, wenn „Not am Mann“ ist…..
    Wer betreut die Kids ab Mittag im Hort, wenn die Lehrer Feierabend haben, wer macht die Hausaufgaben mit ihnen, wer ist in den Ferien und an schulfreien Tagen für die Kinder da?
    Wer betreut sie in der Kita von 6.00 Uhr bis 18.00 Uhr, bei fehlendem Personal?
    Dieser Personenkreis wird immer! vergessen….. Schade……denn ohne sie, wären die Lehrer an den Grundschulen und die Eltern, die auf Kitas angewiesen sind, ganz schön aufgeschmissen.

    • Das stimmt nicht, ich vergesse sie nicht. Auf Instagram beziehe ich sie immer wieder explizit ein. Aber an dieser Stelle war es auf die Schulen gemünzt. Deshalb waren sie nicht dabei.

    • …wenn die Lehrer Feierabend haben. Sich tot lachender Smiley. Schade, dass man hier eine Berufsgruppe derart schlecht darstellt. Wem hilft das? Mehr muss man dazu nicht sagen. Und bitte nicht Dinge einschätzen, von denen Sie offensichtlich nichts wissen. Schöne Weihnachten!

    • Ja Sie sind sauer und das mit recht. Aber Sie kreiden gerade einem Lehrer an, dass er über Lehrer:innen spricht weil er sich nun mal hauptsächlich mit Lehrer:innen auskennt. Ich finde den Job der Erzieher:innen auch wichtig. Aber mich als Lehrkraft zur Sprecherin der Erzieher:innen aufzuschwingen fände ich absolut vermessen. Statt also zu „moppern“, sorry, können Sie doch genau so gut sagen „Gute Idee! Ich haue da direkt auch so einen Brief raus! Oder mache auch so ein Video.“. Und wenn Sie damit dann zu Bob Blume gehen und ihn ansprechen, ob er das nicht teilen möge… schon ist aus Ihrem Ärger was Produktives und Hilfreiches entstanden.

  2. Leider ein sehr utopischer Brief, der dem realen Galaxien voraus ist. An Inhalt und Wertschätzung.

    (Viele Grüße von Frau Eisenmann)

  3. Lieber Herr Blume,
    toll geschrieben, tolle Idee, witzig, geistreich und ironisch,
    als Deutschlehrer kann ich nicht umhin, Ihnen eine 1plus zu verpassen!!!

  4. So ein Brief wäre tatsächlich gut gewesen. Das krasse Gegenteil ist der Brief mit dem Weihnachtsgruß von Frau Dr. Eisenmann, den wir heute erhalten haben. Nur ein kleines Zitat daraus: „…Bildung und Erziehung sind soziale Prozesse, die sich einer vollständigen, totalen Digitalisierung nach wie vor verschließen: Der persönliche Kontakt und Austausch ist und
    bleibt, wie wir ja alle in diesen Zeiten merken, absolut unverzichtbar. …“ Da weiß man doch schon genau, wer nach dem 10. Januar wieder in den Präsenzunterricht „darf“.

  5. Es wäre so schön gewesen.
    Wir hätten unsere seit September fertigen online-U-konzepte nutzen können, hätten uns alle sicher gefühlt und unsere Azubis hätten nicht das Virus zwischen ihrer Ausbildungsstelle (Kindergärten und Krippen) und unserer Schule hin und her getragen.
    Ob es wohl irgend etwas gibt, was Frau Eisenmann und Freundinnen zum Verstehen und Umdenken bewegen kann? Ob wohl irgend jemand oder irgend etwas sie emotional und kognitiv erreichen kann?
    Ich habe größte Sorge, was im Januar auf uns und unsere Jugendlichen zu kommt!

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