PERSÖNLICH: Die Seite zum Blog zieht um!

Nach wochenlangem Suchen sehe ich keine andere Möglichkeit, als meine Facebook-Seite zu wechseln. Ich bitte alle, die über Facebook den Inhalten folgen, mir dies nachzutun.

Über einen Klick auf das Bild kommt man auf die neue Seite. 

 

Für mich ist dies sehr ärgerlich, es geht aber nicht anders, denn leider habe ich es nicht geschafft, den Facebook-Support zu erreichen und ein grundlegendes Problem zu ändern: 

Ich bin nicht der Administrator meiner eigenen Seite.

Dies hat zur Folge, dass ich bestimmte Aktivitäten nicht durchführen kann. Aus diesem Grunde wechsle ich nun die Seite und ich würde mich freuen, wenn ihr dies auch tut.

Wichtige Informationen:

  • Die Seite heißt nun SquareB, was auf das B im Quadrat anspielt. Mein eigener Name ging nicht nochmal.
  • Ich werde die Seite „Bob Blume“ nur noch von der anderen Seite aus bespielen. Das heißt, neue Inhalte kommen nur noch über die neue Seite.
  • Sobald ich das Gefühl habe, dass die meisten gewechselt sind, werde ich die Seite „Bob Blume“, so leerfegen, wie es geht. Alles kann ich nicht tun  da ich kein Admin bin.
  • Es kann sein, dass ich immer mal wieder ältere Artikel auf der neuen Seite poste, damit auch dort wieder ein Archiv entsteht.

Zwei Bitten an euch:

Likes und Zahlen sind nicht alles, aber es ist allenthalben ärgerlich, wenn so etwas passiert, deshalb würde ich mich freuen, wenn ihr direkt mit umzieht und jenen, von denen ihr wisst, dass es sie auch betrifft, Bescheid sagt.

Und sagt mir Bescheid, falls ihr jemanden von Facebook kennt, der das Problem doch noch beheben kann, bevor ich die „alte“ Seite in ihre Einzelteile auflöse.

 

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PERSÖNLICH: Mein Abschied aus der Facebook-Gruppe

Es gibt ja Auszeichnungen, die man niemandem wünscht. Die goldene Himbeere für den schlechtesten Film zum Beispiel. Aber solche Auszeichnungen haben auch eine weitere Komponente: Sie zeigen, dass eine außergewöhnliche Leistung vollbracht wurde – wenn auch eine negative. Eine solche Auszeichnung bekam ich nun in Form von veränderten Gruppenregeln zu spüren. Dieser Artikel ist ein Abschied aus einer Gruppe. 

Die Facebook-Gruppe namens „Unterrichtsideen, Entwürfe und Anregungen“, in der man nur bestimmte Dinge nicht posten darf, und zwar: Unterrichtsideen, Entwürfe und Anregungen ist interessant. Ich verlinke sie hier aus Verbitterung nicht , ätsch!. Schon vor meinem tränenreichen Abgang ereignete sich folgendes: Ich wurde entfernt. Nach langem Hin und Her wurde mir erklärt, dass es von Seiten der Administratoren nicht erwünscht sei, dass ich Artikel posten würde. Dies fand ich damals und finde ich immer noch erstaunlich. Wenn ich in diesen Gruppen Werbung für ein Projekt machen würde, mit dem ich Geld verdiene, wäre das etwas anderes. So aber entzieht es sich meinem Verständnis, warum der Hinweis auf einen Artikel, der Referendarinnen und Referendaren helfen soll, nicht erwünscht war.

Das Hauptproblem ist wohl: Die eingebetteten Artikel „locken“ auch auf meine Facebook-Seite, die man dann abonnieren kann (oder eben auch nicht).

Nachdem ich also vor ein paar Monaten entfernt wurde und dennoch mitlas, wer mich verteidigte und aus welchen Gründen Menschen froh waren, dass ich nicht mehr da war (nervend, diese Hilfsartikel), konnte ich wieder in die Gruppe kommen. Aber nur, wenn ich nicht mehr so viel posten würde.

Mir kam nun – sehr netter Weise direkt über eine persönliche Nachricht die Auszeichnung  Mitteilung zu, dass die Gruppenregeln geändert wurden. Diese lauten (siehe 1):

Neue Gruppenregeln, Nr.1

 

Die genaueren Regeln lauten (siehe 2):

Neue Gruppenregeln, Nr.2

Diese Details zum Thema Werbung können, soweit ich das überblicke, nur drei Leuten gelten: Dem Podcast für Lehrer „Locker Lehrer“ von der Lehrerin Lydia Clahes, die allem in Form eines Podcasts gibt, Ernst Neumeister, einem engagierten, offenen und hilfreichen Kollegen, der mit YouTube-Videos Hilfestellung gibt, und eben mir.

Dass nun keine Hinweise mehr in die Gruppe eingehen werden, ist wohl vor allem für die schade, die nun nicht mehr mitbekommen, dass es engagierte Kollegen gibt, die umsonst Hilfe anbieten und als „Gegenleistung“ nicht mehr bekommen, als ab und zu einen netten Kommentar.

Update: Mir wurde nochmals folgendes mitgeteilt:

„Es war eine Mehrheitsentscheidung (…), nimm es nicht persönlich.“

Doch, das tue ich.

UPDATE 2: Ich wurde gebeten, die regeln der Admins zu anonymisieren, weil es sich um eine geschlossene Gruppe handele (mit 30.000 Mitgliedern). Auch wurde mir, zu Recht, vorgeworfen, dass ich Teile des Gesprächs als Screenshot veröffentlicht habe. An diese Stelle ist nun das von mir aus dem Gedächtnis wiedergegebene Zitat.

Für mich selbst bedeutet dies ungefähr 2000 Menschen weniger, die jeden Monat den Blog lesen – also etwa 10%. Damit kann ich leben. Alle, die weiterhin regelmäßig lesen wollen, was es so gibt, können nun in eine Facebook-Gruppe kommen, in der es erlaubt ist, sich auch mit Blogartikeln gegenseitig zu helfen und miteinander zu diskutieren.

Zu der Seite und der dazugehörigen Gruppe geht es hier.

Zur neuen Facebook-Gruppe für Referendare

 

 

 

 

Also: Danke für den Pokal. Ich werde ihn in meine Vitrine stellen.

Über Kritik, Kommentare und Anregungen freue ich mich wie immer. Aber bitte keine Werbung in die Kommentarspalte posten, sonst werdet ihr für immer gelöscht.

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METABLOG: Ordnung machen

Auf dem Blog gibt es einige Veränderungen, über die ich kurz berichten möchte.

Ein paar Zahlen

Als der Blog 2012 ins Leben gerufen wurde, kamen in den ersten Monaten etwa 200 Leute. Daraus wurden 20.000. Das Jahr darauf passierte nicht viel. Mittlerweile sind es fast 250.000 Besucher dieses Jahr und insgesamt fast eine halbe Millionen. 

Obwohl es natürlich viel frequentierte Artikel gibt, waren es bisher insgesamt 500 Artikel zu zahlreichen Themen.

Mittlerweile poste ich, wenn es geht, ein Mal die Woche. Die Besucherzahlen im Monat schwanken zwischen 10.000 und 30.000.

Unordnung

Das liegt nicht an der Ordnung. Man könnte sagen: Sogar Leute, die öfter auf dem Blog sind und waren, verzweifeln. Aus diesem Grund habe ich in fast 3 Stunden Arbeit zu jedem Artikel eine Kategorie erstellt, die man nun im Inhaltsverzeichnis sehen kann und so die Artikel findet, die einen interessieren.

Mein Freund und Onkel Thomas Clemens, von dem viele Artikelfotos auf dieser Seite sind, ist gleichsam Administrator dieser Seite und wird die zwar lustig klingenden Kategorien (B-Seite, B-logbuch usw.) in sprechende Namen verändern. Ich hoffe, dass Übersicht gewährleistet wird.

Neuordnung

Wen es jetzt noch interessiert, was so auf dem Blog zu finden ist, kann die folgende Liste anschauen. Ein Satz erklärt, was es damit auf sich hat. Wichtig ist, dass die Kategorie immer auf Grundlage einer Entscheidung gefällt wurde. So hätten einige Artikel sowohl in die Kategorien DISKUSSION, BILDUNG und DIGITAL gesteckt werden können. Ich habe mich für die für mich wichtigste entschieden. Es bleibt aber dabei, dass man manchmal auch anders hätte entscheiden können.

Ich hoffe, dass die Veränderungen zu einer besseren Nutzung führen. Für ehrliche und offene Kritik bin ich wie immer Dankbar. 

HUMOR

Alles, was irgendwie lustig ist sein soll.

ANALYSE

Versuche, gesellschaftliche Phänomene aufzubereiten

BERICHT

Berichte von Events und Konferenzen, auf denen ich war

ESSAY

Literarisch anspruchsvolle Besprechungen von Themen der Jetztzeit

MEINUNG

Was wohl?

REFERENDARIAT

Alles, was mit dem Referendariat zu tun hat. Sowohl Tipps als auch Berichte und Humor.

UNTERRICHT

Alles, was mit konkretem Unterricht zu tun hat

BILDUNG

Alles, was mit Bildung im weitesten Sinne zu tun hat, aber zu umkonkret für eine direkte Umsetzung ist.

ENGLISH

Alles auf Englisch

DIGITAL

Alles, was sich mit den digitalen Veränderungen der Gesellschaft oder der Bildung beschäftigt

MENSCHEN

Interviews und Gespräche

MUSIK

Selbsterklärend

LITERATUR

Alles, was ich an Lyrischem und Erzählendem schreibe

DISKUSSION

Beiträge, die entweder kontrovers sind oder von denen ich das glaube

PERSÖNLICH

Alles, was mich betrifft

POLITIK

Alles, was politische Entwicklungen betrifft.

REZENSION

Rezensionen von Büchern, die ich gelesen habe

KRITIK

Kritik von mir gegenüber allem, was ich kritisch finde

BLOGPARADE

Alle eigenen Blogparaden und alle Teilnahmen

METABLOG

Alles, was diesen Blog betrifft (wie dieser Artikel)

LOKAL

Alles, was den Ort betrifft, in dem ich mit meiner Familie wohne

PODCAST

Neuigkeiten zum Referendarsflüsterer

 

 

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AKTION: Was wir jetzt tun können

Keine Superlative, keine Kampfparolen, keine Appelle. Nach der Bundestagswahl ist passiert, was alle befürchtet haben. Nun fragen sich viele, was man tun kann. Ein Gedanke. 

Ich habe schon dargelegt, dass wir Mitverantwortung für die Entwicklungen tragen, die gerade in Deutschland und weltweit passieren. Und auch, dass wir Teil der Maschine sind, die die Populisten nutzen, um im Gespräch zu bleiben. Das Lamentieren nützt nichts mehr. Man muss was tun. Aber was?

Alles, was nun gefordert wird, ist nett und unterstützenswert. Man soll Haltung zeigen, nicht einbrechen und so weiter.

Das Wichtigste aber ist: Ahnung haben. Man sagt: Argumentiere nicht mit einem Idioten. Er zieht sich auf sein Niveau herunter und besiegt dich dort mit Erfahrung. Da ist was Wahres dran. Schrill, laut und böse trifft man die Rechten nicht. Dort kennen sie sich aus. Damit haben sie 6 Millionen Wähler überzeugt (oder manipuliert, je nach Lesart).

Ahnung haben!

Ahnung haben von dem, was eine Partei vorhat, wie sie es vorhat. Darüber reden. Und: Die Inhalte thematisieren.

Wie steht die CDU zur Rente? Wie die SPD zur Bildungspolitik? Wie die FDP zu Europa? Wissen wir nicht. Aber wir kennen jeden Furz der neuen Nationalisten. Damit machen wir sie stark.

Sollen wir ihnen nun alles durchgehen lassen, sie ignorieren? Nein. Es wäre schon schön, wenn die Gaulands, Höckes und Weilands dieser Republik nicht nach jedem Nazieklat in die nächste Talkshow eingeladen werden. Aber daran können wir nichts ändern.

Was wir ändern können, ist: Wir können, im Gegensatz zu den schreienden Ewiggestrigen, Ahnung haben! Sachverstand! Über Themen, die wirklich wichtig sind.

Es gibt keine Ausreden mehr.

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PODCAST: Ein Podcast stellt sich vor: Der Referendarsflüsterer

Podcasts sind seit einiger Zeit schwer im Kommen. Das ist auch kein Wunder: Das gesprochene Wort über Wissenschaft, Wirtschaft oder Politik kann auf dem Weg zur Arbeit, beim Spazierengehen oder beim Aufräumen oder Putzen prima nebenbei gehört werden. 

Der Referendarsflüsterer

Da der Autor des Blogs in alle möglichen Nischen des Netzes schaut und alles, was es so gibt ausprobiert und durch viele Artikel sowieso im Thema Referendariat und Lehrerbildung partizipiert, entstand die Idee eines Podcasts, in dem über das Lehramtstudium, das Referendariat und die ersten Jahre als Lehrer gesprochen wird.

Themen

Als Themen wird alles auf den Plan kommen, was mit dem Lehrerberuf zu tun hat. Eine kleine Liste gibt es auf dem Blog des Podcasts. 

Kurz gesagt wird über alles gesprochen, was mit Schule, Schülern, Lehrern und Eltern zu tun hat. Aber auch Gespräche mit Fachleitern und anderen interessanten Personen sind geplant.

Wie hören und folgen?

Momentan sind die ersten beiden Folgen nur über den direkten Link zu hören. Man kann sie in einem RSS-Feed abonnieren. 

Podcast: Der Referendarsflüsterer

Nach einer kurzen Prüfzeit wird der Podcast auch über iTunes zu hören sein. Von dort kann es direkt auf das Smartphone oder das Tablet geladen werden.

Wie immer freue ich mich über Fragen, Anregungen oder Kommentare zu Themen oder Menschen. Auch über konstruktive Kritik und Anregungen, welche Podcasts man unbedingt hören sollte, freue ich mich sehr.

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POLITIK: Die AfD und die Wahrheit

Die politische Willensbildung ist schwierig. Vielleicht ist sie in diesen Zeiten schwieriger als sonst. Allenthalben verändert sich die Welt, sich differenziert sich in immer kleiner werdende Einzelinteressen, in Schnipsel von Wirklichkeiten und massiv globalen Veränderungen. Mittendrin ist der Einzelne, der versucht durch ein wenig Kontrolle die Fäden in der Hand zu behalten. Nun vor den Bundestagswahlen werden die Entitäten, um die es geht, aber größer. Und während sich viele Parteien zugestehen, dass nur durch Handlung in kleinem Maßstab überhaupt ein Rest an Kontrolle bleibt, posaunt die AfD, die Wahrheit zu kennen. Aber welche Wahrheit ist das?

Der Begriff der Wahrheit

Mit dem Begriff der Wahrheit musste man schon immer aufpassen. Ob nun die Konstatinische Schenkung, (die um das Jahr 800 datierte gefälschte Urkunde, die angeblich in den Jahren 315/317 vom römischen Kaiser Konstantin I. ausgestellt wurde), oder der in der Goethezeit als Referenzpunkt für den Geniegedanken herangezogene Epos „Ossian“ (der sich später als zeitgenössische Fälschung herausstellte) zeigen, dass Wahrheit vor allem das ist, das Menschen glauben, und zwar insbesondere dann, wenn es in ihrer Wirklichkeit einen Vorteil bringt.

Der Glaube, dass es mit der Fotografie und flächendeckenden Videoaufnahmen eine Art objektive Wahrheit, musste schnell begraben werden. Ob Giftgasangriffe in Syrien, die Definition von dem, was diese oder jene staatliche oder außerparlamentarische Gruppe als Wahrheit betrachtet, zeigt vielmehr über das zeigende Subjekt als über das Objekt, dessen angebliche Wahrheit es benennt.

Eine Statistik (die gerade nicht aufzufinden ist) zeigte, dass in den letzten Monaten des US-Wahlkampfs mehr Fake-News (also ausgewiesene, deren Urheber zugaben, alles erfunden zu haben, um Klickzahlen zu generieren) im Umlauf waren als jene der großen journalistischen Netzwerke.

Freilich sind all dies nur kleinere Randnotizen. Wer sich eingehend mit dieser Thematik befassen will, dem sei Roger Willemsens und Dieter Hildebrandts ausgezeichnetes Hörbuch „Die Weltgeschichte der Lüge“ empfohlen.

Kommunikationsstrategien der AfD

Die AfD mag in großen Teilen zersplittert und seit der Entmachtung von Frauke Petry eine hölzern und oft plump wirkende Partei sein. Ihre Kommunikationsstrategie ist jedoch hochgradig wirksam.

Dass es die AfD (nicht erst seit dem kalkulierten Eklat von Weidel) darum ging und geht, mit Provokationen im Gespräch zu bleiben, ist nicht erst seit dem internen Papier bekannt, in dem unverhohlen dazu aufgefordert wurde, zu provozieren, um dann wieder zurückzurudern.

Die dahinter steckende Strategie wurde schon des Öfteren analysiert.

Die Wahrheit über die Wahrheit

All jene Strategien sind bekannt und wurden von der AfD nicht erfunden. Gut, man mag es besonders perfide finden, dass gerade eine Partei, die offen mit rassistischen Ressentiments um Wähler buhlt, jenen, die gegen sie sind, vorwerfen, eine zweite Judenverfolgung vorzunehmen.

 

Gerade diese paradox-schizophrene Opfer-Täter-Umkehrung, aus der dann der „erwachende“ Übermensch wie ein Phönix aus der Asche aufsteigt, ist bei den AfD-Mitgliedern das Basisrepertoire – übrigens genau wie jene Memes, die den Gegenüber der Lächerlichkeit preisgeben.

Typisches Meme als Totschlagargument

Solche Memes nutzen wir alle.

Viel wichtiger als all die Strategien, als all die Memes und all die Beschimpfungen, die man sich, wenn man in jenen Kreisen digital aufhält, zu Gemüte führen muss, ist aber in der Tat das, was die AfD-Anhänger als Wahrheit sehen.

Die Wahrheit wird nur von den Erleuchteten gesehen.

Die Wahrheit können nur diese Erleuchteten aussprechen.

Die Wahrheit wird von allen anderen verschwiegen.

Die Wahrheit ist deutlich, und nur weil wir in der Unwahrheit leben, brauchen wir Mut.

Die Wahrheit ist, dass die Deutschen mehr wert sind als alle anderen.

Das ist sehr simpel, aber darauf beruht alles. Es zerstampft die humanistischen Werte, es zerfasert die Solidarität, es zerfetzt das Grundgesetz. Und es knüpft an dunkelste Zeiten an.

Insofern: Immer her mit der Nazikeule! 

Wir müssen aufstehen, dagegenhalten, dazwischenreden. Nicht, weil diejenigen, die unsere Gesellschaft in gut (deutsch) und böse (alles andere) aufteilen wollen Spinner sind, die keine Ahnung haben. Sondern weil sie an eine Wahrheit denken, deren Umsetzung menschenverachtend, ja, unmenschlich ist.

 

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UNTERRICHT: Stoffplan Gymnasien in Baden-Württemberg

Da auch in Baden-Württemberg bald wieder das neue Schuljahr startet, beginnen viele Kolleginnen und Kollegen mit der Planung für das neue Schuljahr. Der sowohl für Lehrerinnen als auch für  Schüler sehr zu empfehlende Histoblog hat einen vorbereiteten leeren Stoffplan erstellt. Diesen habe ich auf meine Bedürfnisse zugeschnitten und möchte ihn hier zusätzlich zur Verfügung stellen. Es handelt sich lediglich um ästhetische bzw. die Formatierung und einige Ergänzungen betreffende Änderungen. Insofern sollte jeder das Original anschauen (Link oben im Text) und sehen, was für ihn besser passt.

Ein großes Lob auf jeden Fall für den Histoblog und die geleistete Vorarbeit.

Das Dokument kann hier als PDF heruntergeladen werden,

Blanko-Stoffverteilung

 

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UNTERRICHT: Checkliste und Anmerkungen zum Schuljahresbeginn

Zwei Vorbemerkungen

Dank der föderalen Struktur beginnt das Schuljahr in den unterschiedlichen Ländern sehr unterschiedlich. Während in Niedersachsen und Sachsen schon längst wieder losgelegt wurde, sind die anderen später dran – unter anderem Baden-Württemberg, bei denen es erst in der zweiten Septemberwoche wieder losgeht.

Aus einem Impuls über Twitter bekam ich jedoch, obwohl ich gerade eigentlich mit Blick auf See und Wald die Schule verdrängt habe, Lust darauf, einige Anmerkungen zum Schulstart zu schreiben. Dabei habe ich mich von dem Beitrag von meinem geschätzten Kollegen Andreas Kalt mehr als inspirieren lassen.

Wer eine bloße Liste wünscht, dem sei also der obere Link empfohlen. Mein Beitrag zu diesem Thema ist es, die Hierarchie zu überdenken, wichtiges prominent erscheinen zu lassen, eigene Gedanken einfließen zu lassen und einiges wegzulassen, mit dem man noch früh genug konfrontiert wird.

Hinweis für Referendare

Zumeist gibt es am Anfang des Schuljahres eine Konferenz, auf der die wichtigsten Dinge mitgeteilt werden. Hier gilt es, ruhig zu bleiben, denn es ist am Anfang viel, was auf einen einströmt. Zwei Hinweise seien jedoch erlaubt: Zunächst ist es gut, wenn man weiß, wo im Lehrerzimmer die Referendare sich aufhalten. Meist gibt es ja schon Referendare, die länger da sind. Wenn man weiß, wo dieser Ort (meist ein Referendarstisch) ist, braucht man nicht die ganze Zeit „blöd rumzustehen“. So schnell es geht sollte man dann seinen Mentor suchen, denn der ist nicht nur dafür verantwortlich, später eine Bewertung auszusprechen, sondern er weiß im besten Fall, wo sich alles befindet und ist so die Inkarnation von Google für die Schule. Wenn man den Mentor findet, ist vieles getan.

Inhalte und Arbeitspläne

Die meisten Lehrerinnen und Lehrer machen schon vor Beginn des Schuljahres Arbeitspläne auf denen grob steht, welche Inhalte zu welcher Zeit „durchgenommen“ werden sollen. Das geht mit Erfahrung natürlich besser.

Dennoch kann man die Zeit des Wartens vor dem Schulstart nutzen, um

  • den Bildungsplan hinsichtlich der Klassen, die man hat (wenn man das weiß) zu lesen und ggf. das Schulcurriculum (also ein Plan, auf dem die Schulen festgelegt haben, welche Inhalte oder sogar welche Lektüren zu welcher Zeit gelesen werden).
  • einen Arbeitsplan erstellen
  • sich (sehr grob) Gedanken darüber zu machen, wann Klausuren geschrieben werden sollen.
  • zu überlegen, wie man später Ordnung hält 
  • Evtl. kann man sich, wenn man schon weiß, in welche Klassen es geht, über die GFS und darüber, welche Erwartungen man an diese hat, Gedanken machen

  • Darüber Hinaus sollte man sich über die eigenen Klassenarbeiten Gedanken machen, also darüber
    • wie viele man schreiben will und muss
    • wo (meist in einem Ordner), wann und wie diese eingetragen werden
    • wie viele überhaupt in der Woche geschrieben werden dürfen (das ist wichtig, denn ansonsten sind die favorisierten Wochen meist sehr schnell blockiert und man bekommt schlecht liegende Termine.

Auch zum eigenen Unterricht kann man sich schon Gedanken machen, wenn man möchte.

  • (Vokabel-)Tests schreiben? Wie oft? Angekündigt? (Auch hier bietet es sich an, nachzufragen, wie die Kollegen dies regeln)
  • Heftnote machen? Wie oft Hefte einsammeln?
  • Mündliche Noten unter KA schreiben? Eigenen Kommentar schreiben? Verbale Ausführungen?
  • Notenschlüssel? (Auch hier: Oftmals ist die Gewichtung der Note, ab und an auch der Schlüssel selbst von den Fachkonferenzen beschlossen. Dies sollte man nachfragen)

Bei ganz allgemeinen Fragen dazu, wie man die Arbeiten wertet etc. bietet es sich immer an nachzufragen, ob es Konferenzbeschlüsse dazu gibt. Dies gilt auch für Nachschreibetermine und ähnliches Organisatorisches. Während man also den oberen Teil schon zu Hause am Schreibtisch machen kann, muss man für die weiteren Vorbereitungen in der Schule sein. Wenn man dort ist, sollte man ein wenig Zeit dafür aufbringen, sich zu orientieren.

Schule, Schulgebäude, Ordnung

Am Anfang ist es immer gut, sich darüber zu informieren, wo man all die wichtigen Dinge findet, die man später einmal brauchen wird. Hierzu die Liste von Andreas Kalt:

  • Ausstattung der Räume? Computerraum, Fachräume?
  • Schlüssel? Welcher passt wo?
  • Kopien? Code/Karte? Kontingent?
  • Internet im Lehrezimmer? In den Fachräumen?
  • Arbeitsplätze in den Fachräumen?
  • Wo liegen Tagebücher?
  • Wo ist der Vertretungsplan? Wie wird Vertretung gehandhabt?
  • Schwarzes Brett? für Schüler, für Lehrer?
  • Unterrichtszeiten? Gong?

Anmerkung für Referendare: Bei den Kopien gibt es normalerweise für jeden Lehrer, jede Lehrerin ein Kontinent und einen eigenen Code, den man sich merken muss. Es bietet sich an, diesen schnell zu bekommen, da man (leider immer noch) sehr viel kopieren muss. Dasselbe gilt natürlich für den Zugang zu den Rechnern oder – falls vorhanden – schulinternen Kommunikationssystemen. Als „Tagebuch“ bezeichnen viele Schulen immer noch jene Hefter, in die die Stunden, Abwesenheitszeiten oder sonstige Bemerkungen eingetragen werden.

Schulorganisation: Lehrer

Bevor man sich in all das stürzt, was an Schulorganisation zu erledigen ist, muss man natürlich zunächst wissen, welche Klassen man hat. In vielen Schulen wird dies schon zum Ende des vorherigen Schuljahres übergangsweise mitgeteilt. Das hat den Vorteil, dass man die Inhalte besser vorbereiten kann. Wenn man dies noch nicht weiß, kann man dennoch einige organisatorische Dinge klären.

Auch ist es gut, wenn man sich über die wichtigsten Fachbeschlüsse informiert.

  • Fachkonferenzbeschlüsse erfragen zu…
    • Notengewichtung
    • Anzahl der Klassenarbeiten
    • Durchführung, Benotung und Gewichtung von GFS; Bewertungsbogen?
    • Schulcurriculum
  • GLK Beschlüsse erfragen zu …
    • Rauchen
    • Duzen/Siezen in der Oberstufe (z.B. Klasse fragen, wie sie es haben möchte)
    • weitere wichtige GLK Beschlüsse

Wichtig ist vor allem – falls dies nicht digital zur Verfügung gestellt wird – die Termine im Schuljahr zu kennen. Elternabende, Konferenzen, Gottesdienste und ähnliches sind nämlich nicht nur für das Erscheinen wichtig, sondern auch, weil Unterricht ausfällt, man ggf. keine Klassenarbeit schreiben kann usw. Dies gilt auch für die eigenen Sprechstunden, die meist in eine Liste eingetragen werden.

  • Namenskürzel?
  • Als Klassenlehrer (stellvertretender KL) vorgesehen?
  • Wie sind Sprechstunden geregelt?
  • Termine für Elternabende?
  • Termin Eröffnungskonferenz? Konferenzrhythmus?
  • Ausdruck der Schulordnung?
  • Gottesdienst?
  • Hausaufgaben: auch bei Nachmittagsunterricht? Andere Regelungen?

Schulorganisation: Klassen

Zu Beginn ist alles noch etwas wirr. Dennoch ist es immer gut, wenn man sich Gedanken darüber macht, wie die alltägliche Organisation mit den (eigenen/ Fach-)Klassen gehandhabt wird. Unter anderem sollte man darüber nachdenken

  • ob es Schüler gibt, die das Tagebuch führen (und Kollegen hinterherlaufen, die das Eintragen vergessen)
  • ob es einen Tafeldienst gibt und wie dieser wechselt
  • ob (ab der Mittelstufe) eine GFS-Liste eingetragen werden muss
  • ob es einen Ort gibt, an dem Fundsachen abgegeben werden
  • ob Hausaufgaben ins Tagebuch eingetragen werden (am besten den jeweiligen Klassenlehrer fragen)
  • wo, wie und wann man zu spät kommende oder störende Schüler einträgt

Schulorganisation: Schüler

Ganz allgemein kann man sagen, dass Schule am besten funktioniert, wenn Kolleginnen und Kollegen sich über grundsätzliche Regeln einig sind. Demnach ist es absolut sinnvoll, sich über die Unterrichtszeiten, Pausenregelungen, Aufsichten und dergleichen zu erkundigen. Weitere Überlegungen sind (nach Andreas Kalt).

  • Wohin dürfen Schüler in der großen Pause, wohin nicht?
  • Wohin dürfen sie vor Unterrichtsbeginn, wohin in der Mittagspause?
  • Kranke Schüler aus Unterricht entlassen? Wie geregelt?
  • Wo endet das Schulgelände?
  • Ab welcher Klassenstufe dürfen Schüler das Schulgelände verlassen? Raucherecke?
  • Kaugummi, Handy? Wie geregelt?

Erste Schulwoche

Ganz allgemein ist der erste Tipp für die erste Schulwoche wohl, dass man versucht, in sich zu ruhen und nicht alles auf einmal zu wollen. Vieles läuft vielleicht noch nicht so, wie man es gerne hätte. Dennoch kann man natürlich schon ein wenig vorarbeiten, indem man auf ein paar grundlegende Dinge achtet.

  • Wo sind die Klassenlisten, auf denen steht, welche Schüler in der Klasse sind? Diese kann man ggf. schon in seinen Planer eintragen.
  • Bücherlisten für Schüler; wie ist die Ausleihe geregelt?
  • Schülern die Notengebung und Gewichtung transparent machen (wichtig und im Tagebuch festzuhalten).
    z.B. schriftlich: 50%, mündlich: 40%, Heft: 10%; oder
    schriftlich: 40%, mündlich: 30%, Vokabeltests: 20%
    (idealerweise ins Heft diktieren und von Eltern unterschreiben lassen oder am Elternabend mitteilen, auf jeden Falls ins Tagebuch eintragen, dass dem Transparenzerlass Rechnung getragen wurde)
  • den Schülern Zahl der Klassenarbeiten mitteilen — z.B. Nebenfach: 2 KA, 2 Tests von ca. 20 min, diese zählen zusammen wie eine KA oder Fremdsprache: 4 KA, 1-2 mal pro Monat Vokabeltest;
  • Hinweis auf Pünktlichkeit
  • Kaugummi, Handy, Rauchen, Mützen im Unterricht
  • Sind Lektüren, Workbooks, zusätzliche Materialien (Übungshefte etc.) vorhanden?
  • Anschaffen?

Klassenlehrer/ stellvertretender Klassenlehrer

Wenn man Klassenlehrer ist, muss man auf weitere organisatorische Dinge achten. Diese sind (unter anderem nach Andreas Kalt).

  • Anwesenheit (Klassenliste)
  • Zeugnisse einsammeln; unterschrieben?
  • Personalbögen für Schüler?
  • Ferientermine mitteilen?
  • Stundenplan diktieren
  • Hinweise auf Schulordnung
  • Sicherheitsbelehrung, Fluchtwege
  • Klassensprecher
  • Tagebuchordner
  • Einteilung Tafeldienst

Vielleicht helfen diese Anmerkungen dem einen oder der anderen. Wie immer freue ich mich, dass ihr mitteilt, falls etwas vergessen wurde. Vielleicht denkt ihr auch an andere Dinge. Einfach in die Kommentare.

Allen einen gelungenen Schulstart. 

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ESSAY: Denn sie wissen nicht, was sie tun (sollen)

Bild: Thomas Clemens

Es ist doch immer wieder interessant, wie leicht es ist, einen Beleg für die Wirksamkeit für alles zu finden, was man unterstützt. Das beste Beispiel dafür ist G8. Da werden Studien durchgeführt, die dort, wo das neue Modell noch nicht wieder auf der Kippe steht, beweisen sollen, dass das achtjährige Gymnasium genau so funktioniert wie das neunjährige. Das ist nicht nur falsch, sondern auch naiv. Denn wer kognitive Leistungsfähigkeit mit Reife verwechselt, der verstellt den Fokus. Ein Kommentar. 

In Deutschland wird sich gerne beklagt: Über die Konjunktur, fehlende Kitaplätze, fehlende Erzieherinnen und Erzieher, Altenpfleger und nicht zuletzt über Orientierungslosigkeit der Jugend, die sich zumeist nach drei Semestern des Hochschulstudiums zeigt. Abbruch und Neuorientierung sind die Folge. Oder ganze Semester der Vorbereitung auf ein Studium an, weil die kommenden Studenten nicht in der Lage sind, das zu können, was sie können sollten, wenn sie mit dem höchsten deutschen Bildungsabschluss in der Tasche vor den Türen der Universitäten stehen, um sich für einen von ca. 14.000 Studiengängen zu entscheiden. 

Effizienz vor Mensch

Seit der Einführung der Bachelorstudiengänge und der Umstellung auf das sogenannte „Turbo-Abitur“ hat die Effizienz Einzug in die deutsche Bildungswelt erhalten (Oder man müsste besser sagen: Ein wirtschaftlich konnotierter Begriff von „Effizienz“). Die Maßeinheit für Wirtschaftlichkeit als Messlatte für Menschen passt gut in die Zeit. Alles soll schneller werden. Nach einem schnellen Abitur und einem direkten Einstieg in das Hochschulstudium kann dann ein schneller Berufseinstieg stattfinden. Die Wirtschaft wird mit Nachwuchskräften bombardiert, wächst weiter und Deutschland festigt seinen Platz als Exportnation Nummer 1. Soweit die Theorie.

Spricht man mit denjenigen Abiturienten, die nach dem stressigen Unterfangen tatsächlich direkt in die Universität einsteigen wollen (im Gegensatz zu denjenigen, die durch die monetäre Unterstützung der Eltern in die weite Welt fliehen, was zu begrüßen, aber natürlich nicht immer möglich ist), zeichnet sich oftmals ein Bild des indifferenten Schreckens: BWL wolle man studieren, das habe auch jemand anders studiert, was genau das sei, ist nicht so ganz klar. In Fernsehsendungen über das G8, in denen diejenigen, die verantwortlich sind, „evidenzbasiert“ erklären, wieso doch alles funktioniert (d.h. indem sie die Noten anführen, ohne dabei zu sagen, dass diese politisch gewollt immer besser werden bzw. die Aufgaben immer leichter), werden oft auch Abiturienten gefragt, was sie vom Modell halten. Interessante Herangehensweise. Was sollen sie denn sagen? Ich finde mich nicht geeignet?

Universitäre Realitäten

Als Mitarbeiter in der Universität, sei es ein Tutor oder ein Dozent, erkennt man die direkten Überläufer der Schule zumeist schnell am Mangel an Eigeninteresse und Verantwortungsbewusstsein. Die in der Schule antrainierte Attitüde, alles auf dem Silbertablett serviert zu bekommen, überträgt sich so auf die ersten Semester. Da hörte man als Deutschstudent doch das eine oder andere Mal mehr, dass sich die Leute darüber aufregten, wieder einen Roman lesen zu müssen. Einen Roman! Im Fach Germanistik!

Man könnte sagen, dass es eben passiert, dass der eine oder andere nicht das richtige Fach gewählt hat. Schaut man auf die Abbruchquote von Bachelorstudiengängen zeichnet sich jedoch ein anderes Bild. Über 27% der Studierenden haben ihr Studium vor dem Abschluss beendet, in den Ingenieurswissenschaften waren es fast die Hälfte aller Studenten. Als Ursache werden die verschiedensten Gründe angegeben. Mal ist es die fehlende Qualität der Lehre, mal sind es die selektiven Bedingungen der Klausuren.

Komischerweise fehlt eine Instanz: Die Studenten selbst. Denn ist es denn nicht ihre Wahl gewesen? Das Problem ist: Nach zwei Monaten „Pause“ zwischen einem Abitur, das die meisten Schüler an ihre kognitiven und physischen Grenzen bringt, ist für viele die Universität und der Effizienzdruck in den immer weiter verschulten Universitäten nicht die einzige Hürde.

Des Pudels Kern

Das wirklich Problem ist: Um zu wissen, was ich will, muss ich Entscheidungsmöglichkeiten bekommen. Entscheidungsmöglichkeiten fallen aber nicht vom Himmel. Sie sind weder durch einen eintägigen Besuch in einer „Jobbörse“ noch durch eine Doppelstunde mit dem Thema „Welcher Beruf passt zu mir?“ zu erreichen. Die Wahl des Studienganges ist in den meisten Fällen eine Lebensentscheidung, und zwar sowohl für den, der es unternimmt, als auch für seine Familie. Nicht zuletzt aber auch für den Staat, der davon profitiert, wenn die Menschen ihre Arbeit gut machen.

Wann aber geschieht das? Es wird wohl keiner widersprechen, dass man die Dinge besonders gut macht, die einem Spaß machen, weil sie den eigenen Kompetenzen entsprechen. Wie aber soll man, wenn man aus der „Druckpresse“ Schule herauskommt festlegen, was genau einen eigentlich interessiert?

Ist es als Effizienz zu verstehen, dass man die Schule verkürzt und die Studienfächer verschult, nur um dann festzustellen, dass ein Drittel derjenigen, die dies betrifft, gar keinen blassen Schimmer haben, auf was sie sich da eingelassen haben?

Ein Vorschlag

Als Konsequenz der beschriebenen Problematik falsch verstandener Effizienz, beschönigter Belege und bestehender Orientierungslosigkeit ergeben sich zwei Forderungen, die utopisch sind, weil sie einem auf maximale Wirtschaftlichkeit angelegten Zeit den Verantwortlichen wahrscheinlich nicht mehr als ein müdes Lächeln entlocken könnten.

Erstens, dreizehn Jahre Abitur, die eine Bildung ermöglicht, auf der die Universitäten aufbauen können.

Zweitens, ein verpflichtendes soziales Jahr.

Vor allem der zweite Punkt ist nicht nur die Möglichkeit für die jungen Menschen, in ihren Ansichten und Meinungen zu reifen und so dann eine größere Wahrscheinlichkeit zu haben, den Studiengang oder den Job zu wählen, der sie tatsächlich interessiert. Er bietet gleichzeitig auf Abhilfe in den Problemfeldern, die der Bundesrepublik schon lange bekannt sind:

Es fehlen Erzieher, Altenpfleger und viele weitere Arbeiter vor allem in sozialen Einrichtungen. Dies ist natürlich auch Folge der Abschaffung des Zivildienstes. Dieser hatte eben jenen Vorteil, dass die Zivildienstleitenden oder diejenigen, die sich für das Militär entschieden, fernab von der Frage, ob sie später in der Institution bleiben würden, die Möglichkeit hatten, andere Dinge als die Schule kennenzulernen.

Nicht jeder hat die Möglichkeit, ins Ausland zu gehen, denn ansonsten wäre dies natürlich sehr zu empfehlen. Aber jeder sollte zu dem Glück gezwungen werden, sich mit Menschen auszutauschen und Erfahrungen zu machen, die ihn oder sie persönlich weiterbringen. Im Augenblick können die jungen Leute nicht wissen, was sie tun, weil sie keine Zeit mehr haben, sich darüber Gedanken zu machen.

Wahre Effizienz wäre es, ihnen mehr Zeit zu geben.

Die Früchte einer solchen entschleunigten Politik wären mit Sicherheit schnell spürbar – sowohl in Hochschule und Job als auch im Privaten.

 

 

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UNTERRICHT: Abiturvorbereitung: Anmerkungen zum Essay

Nach einer positiven Rückmeldung zu den Lernvideos und der Agnes-Interpretation wurde ich auf Facebook von einer Abiturientin nach weiteren Themen gefragt. Eine komplette Interpretation von Homo Faber findet sich hier. Dantons Tod folgt. An dieser Stelle möchte ich einige hilfreiche Anmerkungen zum Essay machen. Im besten Falle, um die Entscheidungsmöglichkeiten im schriftlichen Deutschabitur zu verbessern (und sei es, weil man es nicht nimmt). Im weiteren Verlauf finden sich dann sowohl Verweise zu Beispielen als auch eine „Verbesserung“ eines Essays, den ich für jemanden gelesen und mit Anmerkungen versehen habe. 

Du machst jetzt oder bald Abitur? Hier geht es zu einer Facebookgruppe, in der es Neuigkeiten und Tipps gibt.

Eine Vorbemerkung

Als Schüler*in bekommt stellt man sich mit Sicherheit schnell die Frage: Was haben meine Lehrer eigentlich gegen Essays? Denn bevor der Essay als Form eingeführt wird, wird meist schon vorher angemerkt, dass sich nur die „Guten“ damit befassen sollen und die auch nur, wenn sie wirklich sicher sind. Was ist also das Problem? Es gibt genau zwei.

  1. Auf Fortbildungen zum Essay (wie ich sie selbst besucht habe), sind die Punktevergaben zum Essay noch weiter auseinander als im Fach Deutsch sowieso schon. Das liegt daran, dass auch Lehrer unter dem Begriff „Essay“ etwas anderes verstehen. Wer an einen Text denkt, der Anklänge an wissenschaftliches Arbeiten hat, verlangt anderes als jemand, dem es eher um rhetorisches Geschick geht.
  2. Die Offenheit der Form ist in der Tat nicht für jeden etwas. Sie bedeutet nämlichen dass man zwar (scheinbare) Freiheit hat, sich aber dementsprechend nicht an einem Gerüst entlang arbeiten kann, wie es bei der Texterörterung oder der Analyse einer Textstelle der Fall ist. Mehr noch: Während man für den Werkvergleich Inhalte auswendig lernen kann (die die Textarbeit nicht ersetzen) und auch für Prosa- und Gedichtanalyse fachsprachliche Begriffe lernen und anwenden kann, gilt beim Essay nur, dass man ihn nur üben kann, indem man schreibt und liest.

Neuerungen beim Abiturformat ab Abitur 2019

Die Essayaufgabe ändert sich ab dem Abitur 2019. Der Operator „Verfassen Sie einen Essay“, wird um den Zusatz

Nutzen Sie das Material

ergänzt. Was bedeutet das? Das bedeutet, dass Schülerinnen und Schüler, die bei der Deutschaufgabe den Essay nutzen, das beigefügte Material nutzen müssen. Einen Essay zu schreiben, der sich gar nicht auf das Material bezieht, ist somit nicht mehr zulässig und führt zu Punktabzug. 

Dabei geht es nicht darum, dass das komplette Material genutzt wird, sondern darum, dass man zentrale Aspekte des Materials nutzt. Das Material fungiert so als Grundlage für die eigenen Gedanken.

Was ändert sich durch diese Neuerungen?

Durch diese Veränderungen verändert sich in erster Linie der Zugang zu einem Thema. Man kann nicht mehr ins blaue Schreiben – wovon sowieso abgeraten wird  sondern muss sich mit dem Material auseinandersetzen. Ob man dies nun tut, nachdem man sich seine eigenen Gedanken gemacht hat oder davor, hängt sehr von dem eigenen Zugang ab. Es bietet sich jedoch an, sofort Assoziationen aufzuschreiben, damit diese nicht unter dem Eindruck des Materials verlorengehen.

Für die Lehrerinnen und Lehrer ändert sich vor allem etwas in Bezug auf das Themengebiet des Essays. Dieses soll „domänenspezifische“ Themen umfassen, also Inhalte, die für das Fach Deutsch typisch sind (Sprache, Kommunikation, Medien, Lesen usw.). In diesem Artikel sind solche Essays verlinkt.

Was ist ein Essay?

Um nicht die gesamte theoretische Diskussion nachzuzeichnen, seien hier nur ein paar Passagen kommentiert, die auf dem offiziellen Server des Landesbildungsservers Baden-Württemberg  genannt werden.

Der Essay wird definiert als

ein nicht zu umfangreicher, stilistisch anspruchsvoller Prosatext zu einem beliebigen Thema. Es handelt sich dabei um keine fest umrissene Textsorte, sondern vielmehr um eine Darstellungsform, die ein Thema frei, assoziativ und betont subjektiv-reflektierend erörtert. Dabei liefert der Essay oft keine neuen Fakten, sondern betrachtet Bekanntes aus einer anderen Sichtweise. Das Ziel ist hierbei nicht, den Leser von seiner Meinung zu überzeugen. Der Essay versucht vielmehr Denkanstöße zu liefern und den Leser zu Reflexionen anzuregen. Dies erreicht er, indem zumeist mehrere Lösungsmöglichkeiten und Denkansätze zu einer Problemstellung in pointierter, ironischer oder provokativer Weise erörtert werden.

Das, was hier steht, ist (aus meiner persönlichen Sicht) gleichsam richtig und falsch, denn: Obwohl man tatsächlich nicht argumentiert, überzeugt man doch. Wenn man nämlich dem Leser durch den Text eine neue Sicht auf einen Gegenstand gibt, bedeutet das ja im besten Falle eine andere Überzeugung. Dieser Punkt soll nur zeigen, dass es nicht nach dem schulischen Schema F funktioniert (also im Sinne von Argument, Begründung, Beleg – warum das übrigens auch nicht funktioniert, schreibe ich hier).

Das, was den Essay ausmacht – und das unterscheidet ihn von allen anderen Schreibformen – ist aber nicht nur eine lose, reflektierende Form, sondern der Fakt, dass die Sprache selbst Teil des Essays ist. Während man also in Interpretationen die Sprache eines anderen zerlegt, konstruiert man beim Essay selbst.

Deshalb ist der Essay

eine stilistisch anspruchsvolle Textsorte, bei der die ganze Bandbreite poetischer und rhetorischer Gestaltungsmittel zum Einsatz kommen kann. Dabei wird der Leser oft durch gezielte rhetorische Fragen direkt angesprochen; durch Metaphern, Alliterationen, Wiederholungsfiguren sowie weitere Stilmittel werden bestimmte Argumente hervorgehoben; Andeutungen, Mehrdeutigkeiten und Zitate runden eine geistreiche und pointierte Auseinandersetzung mit dem Thema ab.

Dass der Leser nicht überzeugt werden soll, wie noch oben gesagt, wird also schon in der offiziellen Definition des Stils widerlegt, der von „Argumenten“ spricht.

Charakteristika eines Essays

Ein Essay ist keine Analyse. Das bedeutet, dass man in ihm die freie Auswahl hat, welche Art von Text man schreibt, das heißt man kann

  • appellativ schreiben, also Anweisungen geben („Stellen Sie sich doch mal vor, was wäre, wenn das Geld abgeschafft würde.“
  • deskriptiv schreiben, also Szenarien ausmalen (“ Ich stehe einmal wieder mit einem dicken Kopf aus, erkennen aus meinen vertrockneten Augen kaum die Welt, die mich wieder empfängt).
  • narrativ schreiben, also eine Geschichte erzählen („Damals ging ich mit meinen Eltern in ein Geschäft und war fasziniert, von den vielen bunten Lichtern.“)
  • expositorisch schreiben, also eine Theorie entfalten („Sind wir also wieder auf dem Weg, die Aufklärung, wie sie Kant forderte, hinter uns zu lassen?“)
  • argumentativ schreiben, also begründen („Menschen sollten sich mehr fragen, wie sie zueinander sind, nicht, was sie sein wollen.“)

Es gibt noch weitere Arten. Im besten Fall ist der Essay eine Mischung aus allem.

Ein wirklicher Tipp

Das meiste, von dem, was hier zusammengefasst ist, kann man sich auch aus dem Netz holen. Kommen wir zu einem wirklichen Tipp. Das Schöne am Essay ist eben, dass er unkonventionell ist, konkret: Stellen Sie sich vor, Sie sollen über das Thema Schicksal schreiben. Natürlich können Sie verzweifeln, weil Ihnen spontan nichts einfällt und Sie in Religion und Philosophie nie genau zugehört haben (und nicht wussten, dass es mal für das Abitur relevant ist). Aber Sie spielen sehr gerne Computerspiele, die in riesigen Welten spielen.

Sie könnten also, wenn Sie es richtig anstellen, die Schicksalhaftigkeit des Menschen anhand eines Computerspiels beschreiben. Sie könnten (ich spinne herum), den Einstieg als eine Beschreibung der Welt, durch die Sie gehen beschreiben, könnten sogar auf die Tasten der Playstation-Konsole eingehen. Was ist unser X?

Genau das könnten Sie aber auch mit jedem anderen Hobby machen, bei dem Sie sich richtig gut auskennen. Wenn Sie es schaffen, das Thema mit einem Themenfeld, das Sie sehr gut kennen, zu verbinden und im besten Fall auch die äußere Struktur des Textes danach auszurichten, kann dabei etwas richtig Gutes rauskommen.

Konkrete Beispiele

Da es am besten ist, nicht nur artifizielle (also künstliche) Beispiele zu präsentieren, bin ich froh, an dieser Stelle einen ganz konkreten und, wenn man so will, auch relevanten Essay zu präsentieren. Er war in der Ausgabe 12/17 der Wochenzeitung „Der Freitag“.

 

Lesen kann man ihn hier.

Das Gespräch mit dem Chefredakteur kann man sich so vorstellen:

„Kannst du was zur Buchmesse schreiben?“

„Ich weiß gar nicht, wer da ausstellt.“

„Das macht nichts. Schreib‘ was über das Lesen. Dir wird schon was einfallen.“

Und so kam es dann auch. Will sagen: Es ging weniger um die harten Fakten, für die man recherchieren müsste, sondern eben um die Perspektive.

Um meine eigene Fähigkeit unter Beweis zu stellen (was ich als Lehrer für diese Schreibformen wichtig finde, denn kritisieren kann jeder), machte ich vor ein paar Jahren auch bei einem Wettbewerb mit. Der Essay gewann nicht, kam jedoch unter jene, die veröffentlicht wurden. Er hat das Thema digitale Bildung. Auch hier können Sie sehen, wie ich jene Strategien anwende, die ich zuvor erwähnte. Ich leite auf ein Themenfeld, in dem ich mich auskenne, und entfalte innerhalb dieses Rahmens meine Gedanken.

Lesen kann man den Essay  hier. 

Zuletzt verweise ich auf einen Essay, den ich mittlerweile für sehr konstruiert halte. Ich schrieb ihn direkt nachdem ich die Fortbildung zum Thema hinter mir hatte. Er wird von einem Deutschkollegen ab und zu in der Klasse besprochen, deshalb sei er an dieser Stelle erwähnt.

Lesen können Sie ihn hier. 

Des Weiteren können Sie natürlich auch auf diesem Blog im Inhaltsverzeichnis nach weiteren Essays suchen.

Was nun?

Um wirklich verstehen zu können, wie Essays aufgebaut sind, können Sie nun überprüfen, ob meine Essays wirklich dem entsprechen, was ich zuvor an Definition und Struktur vorgegeben habe. Ab dann heißt es selbst üben.

Einen wirklich guten Essay, den ich kommentiert und besprochen habe, können Sie außerdem hier lesen. Vielen Dank Sören Lembke für die Erlaubnis zur Veröffentlichung (Meine Passagen sind als Kommentare gekennzeichnet.)

 

Luxus – eine Frage des Geldes?

Luxus – eine Frage des Geldes?

Ich komme nach Hause und bin gerade dabei mir mein Mittagessen zu kochen. Die Spezialität des Tages heißt Reis mit Thunfisch. Damit werde ich vermutlich keinen Michelin-Stern einfahren können, aber angesichts meiner endlosen Faulheit bin ich schon stolz, dass heute keine Tiefkühl-Pizza herhalten musste. Ich gebe gerade dem Gericht mit einer Prise Salz den letzten Schliff, als auf einmal die Haustür aufspringt. Ich erschrecke mich und der komplette Löffel Salz landet im Kochtopf. Während ich mir noch überlege, ob ich die Nummer von der nächsten Dönerbude im Handy eingespeichert habe, tritt mein Vater in die Küche mit einem Lächeln im Gesicht, das über beide Ohren reicht. Normalerweise komme er doch erst um vier frage ich ihn, doch er antwortet: „Ich musste heute nur bis um 13.00 Uhr arbeiten – was für ein Luxus!“

Einerseits sehr angenehm, dass ich nun die Freude des Garens an meinen alten Mann übertragen kann, doch was ist daran Luxus, wenn man weniger arbeiten muss? Luxus sind für mich schnelle Autos, große Häuser und teure Klamotten. Mein Vater – geschweige denn ich – besitzen keinen Führerschein, leben in einer verhältnismäßig kleinen Wohnung und ich trage oft die Klamotten meines älteren Bruders. Wo also findet mein Vater in dieser Szenerie Luxus? Ist Luxus nicht immer mit finanziellem Reichtum verbunden?

 

Ich will nicht überschwänglich sein und äußere dies, ohne den Rest zu kennen, aber: Dieser Beginn bietet all das, was ich in einem sehr guten Essay erwarten könnte. Eine authentische Szenerie, die zu einer Fragestellung hinleitet, Gewitztheit und Wortgewandtheit und Stringenz in der Gedankenführung. Gefällt mir sehr gut. Deshalb fällt es schwer, hier noch einen Tipp zu geben. Vielleicht diesen: Das Schmunzeln über authentische Situationen, die man aus seinem eigenen Alltag kennt, kann gesteigert werden, wenn die Szenerie noch mehr ausgemalt ist. Da kann dann der Vater mit einem „luftigen Schritt“ den Raum betreten, das Garen, das übertragen wird kann zur „Vollendung des von mir zubereiteten Gaumenschmauses“ werden, ergo: Hyperbeln und Paraphrasen sind immer gut.

 

Luxus, das ist Überfluss, er übersteigt den als „normal“ angesehenen Lebensstandard. Im Lateinischen bedeutete es noch Verschwendung, heutzutage hat es sich zu einem eher positiven Begriff gewandelt. Rapper haben mehr Ketten um den Hals als Häftlinge in Guantanamo und die Jugend himmelt sie an, will später einmal so werden wie sie und den selben Lifestyle führen. Das ist in der Generation über mir nicht anders, nur haben deren Idole nicht mehr viele Ketten und auffallende Klamotten, sondern tragen Hemden und haben Wohnsitze auf allen Teilen der Welt.

Schöne Passage, schön eingesetzte Rhetorik. Gut auch immer: Antithesen. (…) nicht mehr viele Ketten, sondern weniger Zähne…

Luxus, das ist wie das Nirvana, das Ziel eines strebsamen Lebens, die Belohnung am Ende, etwas Übervollkommenes.

Doch hatten die alten Römer nicht auch irgendwo Recht? Luxus benebelt und ist irrational. Es zeugt nicht gerade von großer Intelligenz, sich ein Auto zu kaufen, dessen volles Potential man nie ausnutzen können wird, das nur zwei Sitze hat und gleichzeitig so viel kostet wie ein Haus. Doch trotzdem gibt es Leute, die sich genau so eine rote Metallkiste mit Rädern und einem Pferdchen auf der Haube gönnen. Mit Luxusgegenständen will man sich über andere hinwegsetzen, ihnen und vielleicht auch sich selber etwas beweisen. Die entstehende Anerkennung und Aufwertung des Selbstwertgefühls entschädigt dann die utilitaristisch unglaublich unterbelichtete Errungenschaft.

Hier hätte ich erwartet, dass die pejorative Sicht auf die Wertlosigkeit des Statussymbols aus dem letzten Satz noch aufgenommen wird. Essay ist auch Flow. Eine erhabene Form der Lächerlichkeit (ohne völliges Niedermachen) gegenüber denen, die sich so erhaben schätzen, ist immer gut.

 Also lässt sich nun all Luxus mit Geld erkaufen? Nein. Denken Sie nur einmal an den Moment, in dem Ihre Frau Ihnen das Frühstück ans Bett gebracht hat. Luxuriös, nicht wahr? Diese einfache Geste wird in unserer Gesellschaft als „über dem Maß“ eingestuft und zählt somit zur Kategorie Luxus. In einer „netteren“ Gesellschaft wäre dies nicht so.

 

Doch das ist eines der wenigen nicht erkaufbaren Luxusgüter. Und die Zeit fragen Sie? Nein, das hat uns schon Marx vor über 150 Jahren gelehrt: Mit der industriellen Revolution entstand die Arbeiterschicht, eine Schicht bestehend aus Menschen, die oft keine Ware anbieten konnten zum Tausch. Nur eines besaßen sie noch: sich selber. Und somit ihre Arbeitskraft. Der Kapitalismus, der im Großteil der Welt mittlerweile das vorherrschende Gesellschaftssystem ist machte aus der Arbeit – und somit der Zeit – eine Ware, die sich beliebig kaufen und verkaufen lässt. Klingt kalt, ist aber so. Somit liegt mein Vater also komplett richtig, wenn er von einem Luxus spricht den er genießt, wenn seine Arbeit verkürzt wurde. Seine Zeit, über die er nun frei verfügen kann ist eine gewonnene Ware.

Seht guter Verweis in die Geschichte. Alles, was ich schreibe, schreibe ich in dem Eindruck, dass es mir eigentlich so gut gefällt, dass man es nicht weiterführen müsste. Weil du aber fragtest: du verknüpfst die Teile des Essays entweder mit Schlagworten – also von der „netteren Gesellschaft“ geht es zu der „Arbeiterschicht“oder mit provokanten Fragen. Beides gut.

Eine weitere Möglichkeit wäre – und ist es in der Tat immer – einem bunten Pullover gleich die Teile ineinanderzuweben. Teilweise machst du das, indem du wieder auf deinen Vater eingehst. Hier könnte dann aber sogar noch mehr stehen. In diesem Sinne also die Weiterführung des Autos mit der Zeit. Mehr noch: Die Stunde eher frei als Teilzeitcabrio des kleinen Mannes.

Ich hoffe, du verstehst, was ich meine.

Der Kapitalismus hat vieles verändert, nicht nur den Wert der Zeit, sondern auch die Abstände zwischen verschiedenen Ländern. In jeder Gesellschaft bezeichnet der Luxus das Überflüssige, doch man muss sich erinnern, das unsere Gesellschaft keinesfalls eine Norm für andere Kulturen darstellt. Es gibt Gewinner und Verlierer, Deutschland und Äthiopien. Dies verändert die Perspektive zum Luxus. In Deutschland ist ein Porsche Boxster nicht einmal mehr ein großer Luxus, in Äthiopien ist es schon ein Haus aus Stein. Diese krasse Spaltung zwischen Arm und Reich zeigt uns aber auch, wie „arme“ Menschen glücklich sein können. (Und dann ist die Frage, wer eigentlich arm ist.)

Offensichtlich ist Luxus etwas Wünschenswertes, etwas Glückbringendes. Verwunderlich scheint es doch dann, dass ein Äthiopier mit einem Haus aus Stein, dass dort höchstens ein Hunderstel eines Sportwagens kostet luxuriös leben kann. Sind sie uns da einen Schritt voraus? Wenn man rein nach der Luxus-Bilanz gehen müsste man vermutlich zustimmen, in Äthiopien ist es leichter ein dort als luxuriös angesehenen Lebensstil zu führen, als in Deutschland. Luxus ist also ambivalent und kein feststehendes Maß.

Doch ist Luxus überhaupt wünschenswert? Viele Deutsche schauen wöchentlich komplett inhaltslose Serien wie „Keep up with the Kardashians“ oder „Die Geissens“, in denen nichts anderes geschieht als das perfekte Luxusleben inszeniert wird.

Ich stelle mir so ein Leben nicht als erfüllend vor. Das Leben ist gefüllt mit Herausforderungen, und unser einziger Antrieb besteht darin, diese zu meistern. Doch Luxus, das Normale-plus-Ultra, hat dies schon hinter sich, oder gar nicht erlebt. Wenn wir es wollen und geschickt anstellen, so kann jeder von uns viele kleine Luxus-Momente erzeugen. Ein teures Mittagessen, Frühstück im Bett, oder selbst eingeteilte Freizeit und Entspannung; das ist Luxus, den wir uns gönnen können ohne viel Geld auszugeben. Man darf es nur nicht zum Standard werden lassen, sonst muss man eine Klasse höher springen, und noch eine, usw. Das lässt auch schnell erkennen, dass es diese im Fernsehen vorgegaukelte Luxuriösität so nicht gibt, der Mensch giert immer nach mehr. Das Mehr als Vollkommenen kann nicht existieren, wenn der Mensch nicht einmal das Vollkommene finden kann. Hört sich nett an, finde ich aber unlogisch. Warum nicht? Besser: Das Mehr an Vollkommenen kann nicht existieren, wenn der Mensch aus der Beschränktheit seiner Perspektive nicht weiß, was wirkliche Vollkommenheit ist.

Ein bescheidener Lebensstil gespickt mit Luxuseinheiten ist billig, gesund und vor allem: möglich. Vielleicht sollte ich demnächst ein Fernsehteam anheuern, dass einen Film über die Lembkes dreht und den Luxus den mein Vater nun genießt. Doch das würden viele vermutlich nicht verstehen.

Ich bin jetzt einfach nur froh, dass es jetzt doch keinen versalzenen Reis mit Thunfisch gibt, da mein Vater jetzt kocht. Was für ein Luxus!

 

Beinahe hätte ich gejauchzt, da ich dachte, ich könnte dir wirklich einen Tipp geben. Aber nein, auch abrunden tust du den, wie du mittlerweile sicher weißt, sehr gelungenen Essay schon. Etwas habe ich an dieser Stelle aber noch zu beanstanden: Den Schluss kannst du noch mehr auskosten, gerade, weil es interessant ist, diese authentische Situation wie im Live-Bild mitzuverfolgen (ganz unstrukturiert auch hier der Verweis: So könnte man eine weitere Dimension einfügen. Beginnen mit „Cut! Klappe die Zweite!“ Dann das, was du schon geschrieben hast, dann wiederaufnehmend bei den popkulturellen Sendungen.)

Will sagen: Mein Vater wundert sich über das Salz, werkelt in der Küche, fragt mich Dinge, die mich gerade nicht interessieren. Stundenlang. Dabei sind gerade einmal ein paar Sekunden vergangen. Ein Luxusauto wäre jetzt schon bei Hundert. Mich nervt es. Bald muss er wieder zur Konferenz. Dann bin ich allein. Auch ein Luxus.

 

Insgesamt kann ich dir aber nicht viel sagen, weil dich dein Instinkt schon an den richtigen Stellen in andere Gefilde führt und du weißt, wann du eine neue Dimension öffnen kannst. Das Einzige ist, wie gesagt, metasprachliche Fügungen. Motive wieder aufnehmen und so eine Erinnerung an die Thesen der vorigen Passagen… Aber das sind Kleinigkeiten.

Oder willst du es probieren?

 

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