REFERENDARIAT: Kritik und Reflexionsgespräche

Auch wenn es schwierig erscheint, beim Lehrberuf eine einzelne Charaktereigenschaft herauszuarbeiten, die essentiell ist, würden einige doch mit Fug und Recht sagen können, dass es die Selbstreflexion ist. Schon im Referendariat wird diesbezüglich einiges abgefordert. Das kann – wie so viele andere Elemente des Referendariats – auch überfordern. Einige Anmerkungen. 

Zu Beginn des Referendariats ist es wichtig, eine Denkfigur zu übernehmen, ohne die man sich das Leben sehr viel schwerer macht. Und zwar:

Kritik ist eine wertvolle Ressource.

Natürlich reagieren wir unterschiedlich auf Kritik, aber die Relativierung von kritischen Anmerkung auf persönlicher Ebene und der professionelle Umgang mit Kritik ist das Fundament für den Lehrerberuf an sich. Es ist immer sehr viel einfacher, den Fachleiter zu beschuldigen, alles nicht verstanden zu haben oder die Schüler, die das Konzept nicht kapiert haben. Wenn man seine eigenen Zugangsweisen jedoch reflektiert und dabei diejenige Kritik, die man zurückbekommt, als wertvolle Ressource wertschätzt, dann wird man nicht nur besser in dem, was man tut, sondern kann sich auch schneller entwickeln.

Was bedeutet Reflexion?

Reflexion bedeutet, dass man persönliche, methodische, sachliche und didaktische Entscheidungen, die man gefällt hat, vor dem Unterricht, aber auch nach dem Unterricht isoliert, hinterfragt und auf ihre Nachvollziehbarkeit hin überprüft.

Jeder einzelne dieser Punkte kann natürlich kritisiert werden. Und es gibt auch Kritik, der man nichts entgegnen kann, zum Beispiel in Bezug auf sachliche Fehler. Wenn es heißt: „Sie haben fachliche Fehler gemacht“, dann muss man das schlucken. Kann passieren. Sollte nicht passieren, aber kann.

Wie kann ich reflektieren?

Es gibt ungefähr eine Millionen Dinge, die man als Referendar reflektieren kann. Von der Position, die man im Unterricht eingenommen hat (stand man während der Gruppenarbeit abseits? Warum? War man ansprechbar? Beugte man sich über die Schüler?) bis hin zu inhaltlichen Fragen (War die Streuung genügend? Konnten die Fragen beantwortet werden? Gab es unterschiedliche Fragetypen?)

Ein wichtiger Punkt, der sich negativ anhört, aber positiv ist.

Man kann nicht alles gleichzeitig kontrollieren.

Es geht nicht. Es ist zu viel. Natürlich gibt es Naturtalente. Die müssen nicht mehr an der Präsenz, an der Sprache oder an der Rückmeldekultur (wie sage ich, dass etwas gut ist oder falsch oder nur teilweise richtig) arbeiten. Aber normalerweise gibt es genügend Punkte, an denen man arbeiten kann.

Dabei gibt es zwei sehr wichtige Säulen, wie man überhaupt reflektieren kann:

  1. Ich muss wenige Punkte isolieren, auf die ich mich bei der Reflexion stütze. Alles auf einmal führt zu Chaos.
  2. Ich muss wissen, welche einzelnen Punkte es überhaupt gibt, auf die ich mich beziehen kann.

Bezogen auf 2. heißt das ganz konkret: Nur wenn ich weiß, aus welchen Teilen Unterricht besteht, kann ich auch die einzelnen Teile in den Fokus nehmen und reflektieren, was gut oder nicht so gut lief.

Ich könnte also sagen:

Meine Idee war es, dass der Einstieg direkt auf den Konflikt zuläuft, der in der Stunde bearbeitet werden sollte. In diesem Fall habe ich die Zeit unterschätzt, die die Klasse damit beschäftigt war, den Impuls zu diskutieren. In diesem Fall wollte ich das Gespräch jedoch nicht abbrechen, weil schon in der Plenumsdiskussion wichtige Punkte deutlich wurden.

Was wurde hier mitgeteilt? Die Reflexion zeigt, dass der (fiktive) Referendar ein Problem der Stunde (Zeitmangel) thematisiert hat und dass er hätte eingreifen können. Er erklärt aber auch (nicht als Rechtfertigung), warum er entschieden hat, nicht einzugreifen. Dies wäre eine typische Situation dafür, wie ein/e Fachleiter*in immer noch überzeugt werden könnte.

Was kann ich reflektieren?

Um jeden einzelnen Punkt der Reflexion aufzuführen, müsste hier ein Buch geschrieben werden. Aus diesem Grund finden sich an dieser Stelle nur drei Punkte:

  1. Grobe Reflexionspunkte
  2. Ein feinerer Punkt
  3. Ein Protokoll aus meiner eigenen Referendarszeit

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1.Grobe Reflexionspunkte

Es sei darauf hingewiesen, dass Seminare unterschiedliche Schwerpunkte haben könnten. Dies ist also nur eine Möglichkeit. Häufig erwarten die Fachleiter, dass man einen kurzen (!) Abriss der Stunde gibt, sagt, wie sie strukturiert war und was die Ziele waren. Man muss aber darauf achten, nicht zu viel zu wiederholen, was schon im Unterrichtsentwurf und er der Sachanalyse erklärt wurde. Es geht um neue Erkenntnisse. Als zweites können dann verschiedene Punkte herausgearbeitet werden.

Planung

  • Verlief die Planung effizient?
  • Wurde das umgesetzt, was umgesetzt werden sollte?
  • Welche Schwierigkeiten gab es?

Persönliche Punkte der Reflexion:

  • Wie war das Auftreten in der Klasse?
  • Wie ist die Beziehung zur Klasse?
  • Wie ist die Beziehung innerhalb der Klasse?
  • Wurde wertschätzend kommuniziert?
  • Herrscht eine positive Fehlerkultur?
  • Fragearten (im weiteren Artikel genauer betrachtet)

Didaktisch-methodiche Erwägungen

  • Waren die methodischen Entscheidungen erfolgreich?
  • War die didaktische Analyse korrekt?
  • Waren die Methoden zielführend?
    • Hinsichtlich der Erarbeitung
    • Hinsichtlich des Inhalts

Inhaltliche Erwägungen

  • Wurden die Lernziele erreicht?
  • Wurden die angegebenen Kompetenzen geschult?
  • Wurde die Struktur eingeladen.

Es können noch viele weitere Punkte dazukommen, aber diese sind eine erste Hilfestellung (Weitere wichtige Punkte können gerne in die Kommentare geschrieben werden).

Ein schöner Bogen mit klaren Kategorien findet sich hier von Dr. Heiko Reichelt/Gerald Wenge:

 

2.Beispiel für einen genauen Punkt (Fragearten)

Fragen zu stellen, ist gar nicht so einfach, wie man meinen könnte. Der Punkt „Fragen“ ist also oftmals Teil des Reflexionsgesprächs.

Es gibt verschiedene Typen von Fragen (Dubs, R.: Lehrerverhalten, 1995, nach Meyer, H.: UnterrichtsMethoden II: Praxisband und nach Materialien des Staatlichen Studienseminars für das Lehramt an Gymnasien in Koblenz und Freiburg Vorkurs 2012)

Inhalts-, Prozess-, Beziehungsfragen: Wie werden „Lernziele“ definiert?; Seid ihr fertig?; Was ist los mit Dir heute?

Wissensfragen: Wer ist Hilbert Meyer? und Denkfragen: Wie könnte man die verschiedenen Impulsarten strukturieren?

Offene: Was wisst ihr über H. Meyer? und geschlossene Fragen: Wie heißt Herr Meyer mit Vornamen?

Konvergente: Welche Pflanzen haben ihre Spaltöffnungen nur oben auf dem Blatt? (erarbeitetes Wissen auf ein anderes Problem anwenden, richtige Antwort ist mit vorhandenem Wissen möglich)  und Divergente Fragen: Ihr wisst jetzt, wie eine Mondfinsternis funktioniert. Wie könnte denn eine Sonnenfinsternis verlaufen? (erarbeitetes Wissen muss erweitert werden, da das neue Problem komplexer oder anders gelagert ist)

Schrotschuss-Fragen: Was habt ihr in den Schulferien erlebt? (Absichtlich unscharf, alle Schüler sollen sich angesprochen fühlen)

Ballon-Fragen: Was wisst ihr über Drogen? (Der Lehrer testet, wie viel von einem neuen Lerngebiet bei den Schülern schon vorhanden ist)

Evaluative Fragen: Wie beurteilt ihr das Verhalten von xy aus der Geschichte? ( Die Schüler sind aufgefordert, Werturteile zu formulieren und zu begründen.)

Dementsprechend gibt es auch verschiedene Probleme, die auftreten können und die dann reflektiert werden müssen.

Fehlformen von Fragen (Ebd.)

  • Kettenfragen (Wissen Sie jetzt, welche Fehlformen von Fragen es gibt und können Sie mir sagen, warum man sie nicht nutzen sollte?) Welche Frage soll nun beantwortet werden?
  • Dopplungen (Welches sind die verschiednen Bereiche der Methodik? … Welche zwei Bereiche gab es denn da? … ) verunsichern, hemmen die Konzentration, welche Frage soll beantwortet werden?
  • Fragebatterien bombardieren den Schüler mit einer Vielzahl von sinnvollen und geeigneten Fragen, die er sich nicht alle merken kann, obwohl er Antworten wüsste. Hier schafft eine schriftliche Fixierung auf Tafel oder Folie Abhilfe. (Welches sind die wichtigsten Fehlformen von fragen, die zentralen Unterschiede zwischen ihnen und die besten Alternativen?)
  • Suggestivfragen (Sind sie jetzt auch der Meinung, dass Fragen eine wichtige Rolle im Unterricht spielen?) erhöhen unnötigerweise Redeanteil des Lehrers, Antwort wird suggeriert
  • Ratefragen, Raten nach Begriffen oder Zahlen, die die Schüler nicht kennen können (außer wenn als Überraschungseffekt gedacht). Ratefragen nach dem Motto ‚Denkt Euch mal, was ich mir jetzt denke‘ sollten vermieden werden. Unterricht ist kein Lehrergedankenerratespiel.
  • Entscheidungsfragen (Ist ein Schimmel immer weiß oder nicht?) erhöhen unnötig Redeanteil des Lehrers und sind für Schüler ohne großen Anspruch.
  • Fragen, die Ein-Wort-Antworten provozieren, z. B. Fragen nach Bezeichnungen und Begriffen, reduzieren das kreative, verknüpfende Nachdenken und den Sprechanteil der SchülerInnen.
  • Unfertige Fragen/Ergänzungsfragen (Gute Fragen sind also..?) lassen Sch. zu wenig Freiraum, degradieren ihn zum Sprachknecht. Inhaltlicher Aufforderungscharakter ist nicht deutlich ausgeprägt
  • Scheinfragen (Tadel oder Lob etc. in Frageform verpackt) (Du hast doch wohl nicht etwa Deine Mathesachen vergessen?) Der Lehrer will eigentlich etwas anderes sagen.
  • In der Fragesequenz „Frage-Antwort-Frage-Antwort“ muss genügend Wartezeit eingebaut sein.
  • Alle Schülerinnen und Schüler sind gleichmäßig aufzurufen.
  • Das Schema „Lehrerfrage-Schülerantwort“ soll nicht zum alleinigen Muster werden. Schüler-Schüler-Interaktion ist ebenso wichtig.

Man sieht also, dass alleine dieses Feld ein sehr großes ist, dem man sich, wenn man am Anfang seiner Laufbahn ist, widmen kann.

3.Ein Protokoll aus meiner eigenen Referendarszeit

Dieses Protokoll wurde nur insofern verändert, als dass ich den Namen der Fachleiterin herausgenommen habe. Alles weitere ist original. Die Aufgabe, die unsere (exzellente) Deutsch-Fachleiterin uns nach jedem Gespräch gab, war es, alles, was wir reflektiert und besprochen hatten, in einem Protokoll festzuhalten, das sie sich dann durchlas und nochmals kommentierte (wenn nötig).

Das Protokoll ist vom ersten Beratungsbesuch (Unterrichtsbesuch).

Reflexionsprotokoll: Erster Beratungsbesuch / (…)

Fach: Deutsch/ Referendar: Bob Blume

Die Schwerpunkte der Nachbesprechung des ersten Unterrichtsbesuchs lagen bei der Lehrerpersönlichkeit, der Altersangemessenheit, der Doppelstundendidaktik und der Fragetechnik.

Zunächst wurde über das generelle Arbeiten mit den Schülern gesprochen. Es wurde festgehalten, dass der Zugang zur Klasse stimme. Die Klasse nahm die Lehrkraft in ihrer Funktion auf; die freundlich zugewandte Art der Lehrkraft, d.h. die positive Ausstrahlung, der freundliche Blick und die individuelle Beziehungsgestaltung wurde so zu einer angemessenen Lehr- und Lernatmosphäre gestaltet. Auch die Interaktions- und Kommunikationskultur der Lehrkraft mit den Schülern wurde positiv hervorgehoben. Punkte, die der Optimierung bedürfen, waren zum einen die hin und wieder auftauchenden Zwischenkommentare der Lehrkraft bezüglich des eigenen Handelns und die Zugewandtheit zu den Jungen in der Klasse. Es wurde besprochen, dass vor allem letzteres bei einer eigenen Klasse zunehmend in den Blick genommen werden müsse, um eine faire Behandlung der Klasse als Ganzes zu gewährleisten. Schon in den darauf folgenden Stunden wurde an diesem Punkt gearbeitet, d.h. der Versuch unternommen, die Mädchen noch mehr „mit ins Boot zu nehmen“. Vor allem verschiedene Aktivierungen der ganzen Klasse bieten sich hier an, um eine Gleichverteilung der Beiträge zu ermöglichen. Neben diesem Erarbeitungspunkt wurde die generelle Kommunikation der Lehrperson – so Artikulation, Modulation und Prosodie – als vorbildlich bewertet.

Ein weiteres Arbeitsfeld wurde bei der Fragetechnik eröffnet. Die Zielgerichtetheit der Fragen soll in der nächsten Zeit eine wichtige Rolle einnehmen. So wurde in der Stunde zuweilen eine weitere Frage nachgeschoben, oder eine schon bestehende Frage präzisiert („Welche Form ist einfacher? Welche Form der Vergangenheit benutzt ihr häufiger?“). Hier ist zu beachten, dass die Verbesserung vor allem mit einer stringenteren Planung der (Doppel-)Stunde zusammenhängt. Das Konzept muss in der nächsten Zeit so zielgerichtet erarbeitet werden, dass wichtige Fragen schon zuvor präzise vorformuliert sind, so dass sie einen Fluchtpunkt für die Kompetenzorientierung der Stunde bieten können.

Beim Material der Stunde wurde hervorgehoben, dass es vor allem hinsichtlich der Bearbeitung einer Schülerarbeit gut in die Stunde integriert war und die Zusammenfassung des Textes durch die Schüler dafür sorgte, dass der Text nicht als „Steinbruch für Grammatik“ gebraucht wurde. Optimierbar wäre die Textarbeit gewesen, wenn die Schüler vor der Bearbeitung der linken Seite der Handreiche den Text geknickt hätten, so dass sie nicht durch die Aufgabenstellung auf der rechten Seite abgelenkt gewesen wären. Auch wenn dies nur wenige Schüler betraf, zeigte sich bei der Erarbeitungsphase in der zweiten Hälfte der Doppelstunde, dass einige Schüler/Innen den Text schon bearbeitet hatten. Zudem fanden sich einige Rechtschreibfehler in dem Text, was beim nächsten Besuch zu überarbeiten wäre. Der Umgang mit eben diesen Fehlern wurde aber als gelungen und als den Schüler/Innen gegenüber, die die Fehler fanden, sehr wertschätzend bewertet.

Ein wichtiger Bearbeitungspunkt für die nächsten Stunden und den nächsten Unterrichtsbesuch ist die Doppelstundendidaktik. Hier wurden einige optimierbare Phasen gefunden. So passte die erstellte Tabelle der Vergangenheitsformen von Verben nicht in die Phase direkt vor dem Ende der ersten Stunde, da so die wichtige Sicherungsphase „unter den Tisch fiel“. Hier wurde besprochen, dass unabhängig von der normalerweise bestehenden Fünfminutenpause ein modus vivendi mit der Klasse besprochen werden müsse, der eine der Doppelstundendidaktik angemessene Phasierung ermöglichen kann. So ermöglicht eine lange Erarbeitungsphase, in der die Schüler autonom handeln können, und eine Sicherungsphase im Anschluss, eine Dramaturgie, die die Pause nach etwa 60 Minuten ansetzen könnte, so dass eine weitere Transferphase angeschlossen werden könnte. Hierauf wird in den nächsten Stunden besonders Bezug genommen.

Kleinere Änderungen im Detail, so die stringentere Handhabung des Spiels, dessen Auswertung zu lange gedauert hat, sind alle im Hinblick auf die Doppelstundendidaktik zu verbessern. So könnte eine Vorgestaltung eines Auswertungsblattes, eine Schlaumeierfrage für diejenigen Schüler/Innen, die schneller fertig sind, und eine noch feinere Erarbeitung der Progression die globale Dramaturgie der Stunde zusätzlich straffen. Es wurde allerdings angemerkt, dass trotz der zu langen Auswertungsphase die Motivation der Schüler/Innen durch die Lehrperson fast durchgängig gegeben war, was als sehr positiv festgehalten wurde.

Auch die generelle Flexibilität der Lehrperson, so bei dem kleinen „Klatsch-Spiel“ oder bei der kurzen Grammatik-Aktivierung, wurde hervorgehoben. Hier wurde jedoch auch gesagt, dass die Positionierung wichtig sei, da die Schüler nach der Aktivierung partiell nicht mehr zur Ruhe kamen. Eine angepasste Phase, die die Schüler entweder aktiviert oder, bei Bedarf, beruhigt, wäre hier beim nächsten Mal zu wünschen.

Insgesamt hat sich so gezeigt, dass das Grundpotential auf personaler, inhaltlicher und formaler Ebene gewährleistet war. Die Optimierungsmöglichkeiten sind vor allem auf der Seite der Makrostruktur zu finden. Eine solche Optimierung der Dramaturgie von Doppelstunden geht so fast automatisch einher mit einer Verbesserung der Fragetechnik und einer besseren Vorbereitung von etwaigen kleineren Phasen, die sich so in ein Gesamtkonzept integrieren lassen. Sowohl die Doppelstundendidaktik als auch die Fragetechnik werden im nächsten Besuch, der in einer 12. Klasse stattfindet, besonders betrachtet.

           

 

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UNTERRICHT: Eine Unterrichtsstunde planen

Foto: Thomas Clemens

Obwohl es im Referendariat und auch in den Anfangsjahren als junger Lehrer sehr viel gibt, auf das man achten, das man kennenlernen und mit dem man umgehen lernen muss, bleibt das Kerngeschäft von Lehrerinnen und Lehrern klar: Guten Unterricht halten. An dieser Stelle wird erklärt, wie man eine oder zwei Unterrichtsstunden erstellt, so dass sie in sich stimmig sind und einen roten Faden haben.

Anmerkung I

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Wie immer zunächst eine Relativierung: Der Autor dieser Zeilen schreibt seit nun mehr vier Jahren zu Themen wie Unterricht und Schule und hat auch Unterrichtsmodelle für Verlage geschrieben. Dennoch bleibt es wichtig, dass man, gerade als Referendar, dessen Note von einer gelungenen Stunde abhängt, seine Fachleiter befragt, wie sie die Sachverhalte sehen. Der Grund, warum dieser Artikel entsteht, ist relativ einfach: Die Besucherzahlen auf dem Blog zeigen, dass die Texte es oftmals schaffen, in einer relativ einfachen Sprache den Kern der Themen zu umreißen. Das ist schön. Es ist zu hoffen, dass es auch bei diesem Artikel wieder gelingt.

Um dem Text eine offizielle Note zu verleihen, habe ich verschiedene Fach- und Seminarleiter zu ihren Meinungen befragt. Diese Anmerkungen finden sich an den jeweils geeigneten Stellen im Text wieder. Sie sind namentlich erwähnt und man kann sie auf Twitter ansprechen.

Statt einem Vorwort: Anmerkung von zwei Seminarleitern

Monika Heusinger, Teilabordnung für Fachdidaktik an die Uni Saarbrücken, Lehrauftrag für Mediendidaktik an der TU Kaiserslautern und Fachleiterin  in der erweiterten Seminarleitung des Studienseminars Saarbrücken, die diesen Artikel vor der Veröffentlichung gelesen hat, merkte einige wichtige Punkte an, die ich hier vorab teilen möchte. Informationen zum Fachseminar Spanisch gibt es hier (die Informationen sind auch für andere Fächer durchaus empfehlenswert).

Zuerst müssen äußere Faktoren wie die Lerngruppe, Rahmenbedingungen usw analysiert werden.

Was Heusinger und im Kommentar auch Ines Bieler hier ansprechen, ist wichtig und wird in dem Artikel bewusst ausgeklammert, damit der Artikel selbst nicht den Rahmen eines noch lesbaren Artikels sprengt.

Dennoch: Das hier auch als Beispiel angegebene System funktioniert nur, wenn man zuvor weiß, mit dem man es wann und wie zu tun hat (Ist es eine heterogene oder leistungsstarke Klasse, eine kleine Lerngruppe, werden Schüler inkludiert etc.). Diese Faktoren werden bewusst ausgespart, um den Artikel nicht zu umfassend werden zu lassen, sind aber wichtiger Teil der Planung.

Björn Nölte, ehemaliger Hauptseminarleiter am Studienseminar Potsdam und nun Schulleitung (Oberstufenkoordination) der Voltaireschule Potsdam:

Viele gute Gedanken. Statt strikter Reihenfolge geht es später um sinnvolle Zusammenhänge zwischen Inhalt, Methoden, Medien und Zielen unter dem Blickwinkel der Lernvoraussetzungen.

Nolte spricht hier einen wichtigen Punkt an, der später auch noch deutlich wird. Hat man es einmal geschafft, Unterricht als Struktur zu verstehen, kann man sich von der hier dargebotenen Reihenfolge auch wieder verabschieden. Sie hilft also zunächst wie eine Art Stützrad. Fortgeschrittene können hier weitere Impulse für die Planung von Unterricht finden.

Marc Hennekes, Lehrer, Lehrbeauftragter, Lehrwerksautor und Lehrerausbilder gibt noch einen entscheidenden Tipp:

Der Perspektivwechsel, weg von „Was mache ich?“ und hin zu „Was tun die Schüler?“ ist einer der ersten und wichtigsten Schritte hin zu einem erfolgreichen Lehrer.

Da sowohl in der Lehrproben als auch im regulären Unterricht die Schülerzentrierung mittlerweile den Status eines Axioms hat, sollte man dies im Kopf behalten.

Worum es in diesem Artikel nicht geht

Bevor es zum eigentlichen Thema des Artikels kommt, erscheint wichtig, darüber zu schreiben, worum es in dem Artikel nicht geht. Schauen wir zunächst auf das Schaubild des Medienexperten Philippe Wampfler (der auch in diesem Artikel zu Wort kommt), der nach den Begriffen des Realschullehrers Dejan Mihajlović „Zeitgemäßen Unterricht“ definiert.

Diese Liste hat vieles, das ausgeführt (hier der Artikel) sehr sinnvoll ist. Dennoch geht es in diesem Artikel nicht um ein Lernen, dass soweit selbstbestimmt ist, dass es Ort und Zeit ignoriert. Mit anderen Worten: Es geht um den Lernraum „Klasse“ und eine zuvor bestimmte Zeit, in der man seinen Unterricht plant.

Aus diesem Grund geht es hier auch nicht um Projektunterricht. Dieser ist, bewusst und didaktisch gerahmt eingesetzt, sehr fruchtbar für die Erarbeitung von individuellen Themen. Die Lehrperson rückt aus dem Rampenlicht und fungiert als Lernbegleiter. Dennoch: Das Kapitel Projektunterricht ist eines für sich.

Zuletzt: Die im letzten Podcast erwähnten didaktischen Theorien – vom Lernpfad bis zu den zehn Merkmalen guten Unterrichts – zeigen, dass Unterricht selbst nie für sich stehen kann. Eine Einbindung in ein persönliches Verhältnis, einen vorbereiteten Raum, institutionelle Sicherheit und vieles mehr ist immer die Voraussetzung dafür, dass Unterricht gut gelingen kann. Wenn ich beispielsweise den besten Unterricht jemals vorbereitet habe, aber mich die Klasse nicht leiden kann oder wir im Kellerraum lernen müssten, wäre der Unterricht ganz schnell egal.

Was bedeutet das? Das bedeutet, dass Unterrichten immer mehr ist als Unterricht (auch in Bezug auf ganze Einheiten oder deren Analyse). Der Unterricht selbst bleibt jedoch der Kern – zumindest aus didaktisch-methodischer Sicht.

 

Eine Unterrichtsstunde planen: Von innen nach außen

Die Darstellung „von innen nach außen“ steht im Grunde für: Tiefenstruktur vor Oberflächenstruktur. Häufig erlebe ich vor allem in Unterrichtsbesprechungen, dass die Referendare überwiegend die Oberflächenstruktur im Blick haben. Mit Tiefenstruktur ist der kognitive Lernprozess gemeint. Was KONKRET ist der Lerngegenstand? Was ist die Essenz der Stunde? Was nehmen die SuS mit nach Hause? Ich helfe in der Beratung gerne mit folgendem (idealisierten) Bild: Was erzählt der S zu Hause beim Mittagessen, was er heute gelernt hat? (Jan Vedder, Pädagogik-Seminarleiter am Studienseminar Wunstorf (GHR))

Das hier besprochene Unterrichtsmodell ist eine Entwicklung von mir und wird sich – zumindest in dieser Form – in keinem Didaktik-Buch finden (wobei ich nicht ausschließen möchte, dass andere Modelle ähnlich aussehen).

Die Zielsetzung ist einfach: Ein Modell und dazu passende Ausführungen, die Referendaren und jungen Lehrern ermöglicht, Unterricht besser planen zu können.

Der Fachleiter, Medienexperte und Dozent Philippe Wampfler meint dazu:

Vor allem für Referendarinnen und Referendare, die nicht wissen, wo sie beginnen sollen, ist dieses Vorgehen das richtige.

Zwei Elemente von Unterricht werden oftmals falsch angegangen. Zum einen die Reihenfolge der Planung und zum anderen die funktionale Einbettung der verschiedenen Teile. Was genau zweiteres bedeutet, wird im weiteren Verlauf erklärt.

Schema von Stefan Quandt (@mufflkuchen)

Wie man es nicht macht

Vor allem Referendarinnen und Referendare zeigen in Facebook-Gruppen oft schon durch ihre Fragen, wie man Unterricht nicht vorbereitet. Dies ist keinesfalls eine Anklage. Wie soll man es auch wissen, wenn man einfach ins kalte Wasser geschmissen wird? Dennoch: Was sich zeigt, ist, dass viele denken, dass es reicht, einen Teil zu haben (so zum Beispiel den Einstieg oder ein Arbeitsblatt) und alles andere darauf aufzubauen.

Das kann mal zufälliger Weise gelingen. Das Problem ist aber ein größeres. Dadurch verlernt man (oder lernt gar nicht erst richtig), wie man Unterricht so erstellt, dass jeder einzelne Teil auf den anderen aufbaut. Das geht nicht, wenn man den dritten Schritt vor den ersten setzt.

Die richtigen Schritte

Gelingender Unterricht entsteht von innen nach außen. Wenn man dies nicht nur beherzigt, sondern auch nach und nach so lernt, dass man gar nicht mehr darüber nachdenken muss, wird man sowohl im Referendariat als auch hinterher als Lehrer viel weniger Zeit damit verschwenden, nach Material oder Methoden zu suchen.

Schauen wir zunächst auf das komplex wirkende Modell. Am wichtigsten sind zunächst die Pfeile von innen nach außen und dann die Pfeile von außen nach innen. Einfach gesagt: Wenn ich den Unterricht von innen nach außen plane (was bedeutet, dass beispielsweise der Einstieg erst am Schluss kommt), entsteht erst gar nicht die Gefahr, einen Einstieg zu erstellen, der mit dem Rest der Stunde nichts zu tun hat (was sehr oft passiert).

Also eins nach dem anderen:

Schritt 1: Gegenstand/ Lernziel/ Kompetenz definieren

Am Anfang war das Wort. Die Bildungspläne der jeweiligen Länder sind nicht nur eine langweilige Aufzählung dessen, was man nicht braucht, sondern eine produktive Unterstützung bei der Erstellung von Unterricht. Hier wird definiert, was Schülerinnen und Schüler kennen, wissen, machen können sollten. Und das für jedes einzelne Fach. Unterricht beginnt genau damit. Alles andere ist zunächst egal. Wenn ich also herausfinde, dass Schülerinnen und Schüler eine bestimmte Kompetenz erlangen sollen, nennen wir diese, damit es nicht zu abstrakt wird erkennen, dann weiß ich, worauf meine Stunde aufbaut. Was die Schülerinnen und Schüler erkennen sollen, ist dabei erstmal zweitrangig (es könnte sich um einen biologischen, gesellschaftlichen, politischen, mathematischen oder physikalischen Zusammenhang handeln).

Erst wenn ich den Unterrichtsgegenstand definiert habe und diesen in die Kompetenzen einteile, die die Schülerinnen und Schüler erlangen sollen, sollte ich den zweiten Schritt gehen. Durch das föderale Bildungssystem ist bei der hier angewendeten Fachsprache Vorsicht geboten. Das Prinzip bleibt dasselbe.

Kai Wörner, Seminarrektor Geschichte RS am Europakanal Erlangen II, Autor bei und Autor beim  ergänzt dazu:

Die Grundfrage ist immer: Was soll der Schüler  nach der Stunde wissen? Welche Kompetenzen soll er erworben haben.

Konkretes Beispiel: Normalerweise besteht eine Stunde aus mehr als einer einzelnen Kompetenz. Aber tun wir so, dass es nur um eine einzige Kompetenz gehen würde. Bleiben wir beim Erkennen. Schülerinnen und Schüler sollen im Fach Geschichte erkennen, dass die Neandertaler miteinander kommuniziert haben. Das Lernziel ist es also, dass sie aus der Stunde gehen und genau dies erkannt haben.

Schritt 2: Material auswählen

Nun, da man weiß, welcher Gegenstand den Kern des Unterrichts ausmacht (Achtung: Gegenstand meint keinen konkret greifbaren Gegenstand, sondern das Hauptelement, also das Bündel der Kompetenzen mit einer Hauptkompetenz), kann man sich überlegen, welches Material benötigt wird, genau diesen Gegenstand zu verdeutlichen. Aber (nochmal) Achtung: Wir sind immer noch im Kern der Stunde, also in der Phase, in der die Schülerinnen und Schüler arbeiten und der Lehrer im besten Fall nur herumgeht oder sich völlig aus dem Geschehen nimmt.

Gehen wir weiter von unserem konkreten Beispiel aus: Wir brauchen also Material, das die Schüler zur Erkenntnis führt, dass die Neandertaler miteinander kommuniziert haben. Ton und Videoaufnahmen bieten sich nicht an (es gibt zwar Dokumentationen, aber die sind zunächst schwierig). Also kommen wir auf die Idee: Wir lesen Teile wissenschaftlicher Arbeiten über die Neandertaler. Aber wie lesen wir?

Eine weitere Anmerkung von Monika Heusinger:

Material, das als Gegenstand in der Stunde dient und das zur Anwendung dient, müssen getrennt werden.

Diese Anmerkung von Heusinger verdeutlicht, dass Material aber nicht nur Material ist. Ein Bild kann beispielsweise als Impuls dienen (um in ein Thema zu kommen), kann aber auch der eigentlich Gegenstand der Betrachtung sein (zum Beispiel bei einer methodisch genauen Bildanalyse).

Des Weiteren sagt Heusinger ganz richtig, dass es dazu kommen kann, dass man das Material nicht selbst wählt, sondern dass es vorgegeben ist. Dann würde sich der Verlauf ändern (dennoch würde ich die Planung weiterhin von innen nach außen gestalten, nur dass das Material als feste Säule feststünde).

Wörner fügt an:

Wichtig für die Auswahl ist zusätzlich, was die Schülerinnen und Schüler am Thema interessieren könnte.

Schritt 3: Methode auswählen

Nun, da wir wissen, welche Kompetenz und welches Lernziel (Erkennen) wir haben und welches Material (vereinfachte Texte), können wir uns überlegen, welche Sozialform und welche Methode sich anbietet. Wollen wir die Schülerinnen und Schüler miteinander sprechen lassen? Sollen sie die Texte einzeln lesen? Sich vorlesen? Brauchen wir ein Gruppenpuzzle?

All diese Fragen können wir nun aber anhand unserer Struktur beantworten. Wenn wir nur einen einzigen Text haben, der für die Erkenntnis sorgt, wäre ein Gruppenpuzzle unsinnig. Da wir die Schülerinnen und Schüler aber auch nicht überlasten wollen, können wir diesen Text in zwei Teile aufteilen und der einen Hälfte der Klasse den einen, der andere den anderen geben. Sie sollen in Einzelarbeit den Text lesen und dann besprechen, was sie nicht verstanden haben.

Dann sollen sie aufstehen und zur anderen Hälfte gehen. Sie sollen später in der Lage sein, genau zu referieren, was die anderen zu sagen haben.

An diesem Punkt bieten sich zahlreiche andere Methoden an; dennoch ist eine so einfache Art des Austausches gut, um zu verstehen, worum es geht.

Schritt 4: Den Einstieg auswählen

Wir wissen also eigentlich schon das meiste, was in unserer fiktiven Stunde passiert. Nun können wir zum Einstieg kommen. Wir wissen, was die Erkenntnis sein soll. Ein Einstieg, der wunderbar zum Fach Geschichte und seiner Problemorientierung passt, wäre: Die Schülerinnen und Schüler sollen ganz kurz vorspielen, wie sie sich die Neandertaler vorstellen (Achtung: hier spielt die Klassensituation mit herein. Das geht nur in Klassen, die sich gegenseitig respektieren).

Schülerinnen und Schüler würden also nach vorne kommen und „Uga Uga“ schreien und sich lustig benehmen (Motivation). Als Lehrer könnte man die Frage stellen: Welche Frage könnte sich der Historiker stellen, wenn er mehr über diese Neandertaler erfahren möchte?

Eine mögliche Schülerantwort wäre: Haben die Neandertaler sich wirklich so unterhalten? Das kann, muss man aber nicht glatt feilen.

Nun haben wir also einen Einstieg, der zu einer Frage führt, eine Methode, wie man Material so beantwortet, dass die Frage beantwortet wird und die genaue Kompetenz, die damit geschult wird.

Das Einzige, was fehlt, ist der Transfer.

Schritt 5: Den Transfer/ die Sicherung planen

Der Transfer wäre also, dass nun erreichte Wissen oder die Fähigkeit (in unserem Fall die Erkenntnis) anzuwenden. Man könnte zum Beispiel ein Bild einer Grabstätte anschauen und überlegen, welche weiteren Erkenntnisse es zur Kommunikation oder zum Leben der Neandertaler geben könnte.

Oder aber man würde die Erkenntnisse sichern (lassen). Auch da gibt es verschiedene Ansätze.

Schritt 6:

Kai Wörner geht auf zwei weitere wichtige Punkte ein, die man in der Tat relativ am Ende planen kann, die aber für das Gelingen einer „runden“ Stunde wichtig sind: Die Gelenkstellen.

Die narrative Gestaltung durch den Lehrer ist enorm wichtig.

Was ist damit gemeint? Nun, es ist schon ein Unterschied, ob nur ich weiß, was wann kommt oder ob ich die Klasse teilhaben lasse. Ob ich nun einfach das Arbeitsblatt hinwerfe oder anmoderiere usw.

Der rote Faden einer Stunde bindet ihre einzelnen Teile aneinander. Dies kann natürlich nur dann gelingen, wenn diese aufeinander aufbauen.

Schlussbetrachtung

Kommen wir zurück auf die Zielsetzung dieses Artikels: Ein Modell und dazu passende Ausführungen, die Referendaren und jungen Lehrern ermöglicht, Unterricht besser planen zu können.

Zum Beginn wurde folgende Problematik thematisiert: Zwei Elemente von Unterricht werden oftmals falsch angegangen. Zum einen die Reihenfolge der Planung und zum anderen die funktionale Einbettung der verschiedenen Teile.

Das Problem der Reihenfolge der Planung wird nun deutlich. Die funktionale Einbettung – und das kann man nun verstehen – bedeutet: Mein Einstieg bezieht sich auf den Kern der Stunde, weil ich ihn darauf bezogen habe. Meine Methode bezieht sich auf das Material, weil ich es zuerst hatte. Und so weiter. Diese Erkenntnis ist unglaublich wichtig.

Der gesamte Artikel ist als eine Hilfestellung gedacht. Wenn man zunehmend professioneller handelt und die einzelnen Teile von Unterricht beherrscht, kann man sicherlich auch von einer anderen Richtung her planen und trotzdem eine gute Stunde erstellen. Dazu Philippe Wampfler:

Mittlerweile würde ich Referendarinnen und Referendaren sagen: Denkt an alles und macht keine falschen Kompromisse. Ich würde sagen: Besser eine gute Idee als eine schematische Lektion.

In der Tat: Eine gute Idee ist immer von Vorteil. Die beste Idee nützt aber nichts, wenn sie nicht eingebunden wird. Wie das gehen kann, hat dieser Artikel gezeigt.

Falsche Fragen

Wenn wir nun einmal davon ausgehen, dass man nach dem System, das hier vorgestellt wurde, den Unterricht plant und es Referendare gibt, die eben das nicht tun – wie würden sich die Fragen unterscheiden?

Stellen wir uns, einfach um die Nachvollziehbarkeit zu erhöhen, mal vor, ein Referendar würde das Thema „Kommunikation der Neandertaler“ bekommen. Er kriegt also die Krise. Welche falschen Fragen könnte er oder sie stellen, die zeigen, dass er oder sie nicht richtig geplant hat?

Zu allgemeine Frage:

Wie soll ich das Thema Kommunikation der Neandertaler angehen?“

Falsche Reihenfolge:

Ich habe einen super Einstieg zur Kommunikation der Neandertaler. Könnt ihr mir sagen, was ich in der Stunde machen soll?

Falscher Fokus:

Ich will unbedingt ein Gruppenpuzzle/ diesen Text/ diesen Transfer machen. Wer kann mir helfen, dass ich ihn in die Stunde kriege?

 

Ich hoffe sehr, dass ich einigen helfen konnte, das Konzept der Unterrichtserstellung besser zu verstehen. Ich freue mich, wie immer, über Kritik, Anmerkungen und Anregungen.

Weiterführende Links:

Das Referendariat: Eine Haltungsfrage

Wie plane ich eine Unterrichtsstunde? (Einige weitere Überlegungen)

 

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REFERENDARIAT: Dank, Rückmeldung und Entlassung

 

Marc Hoffmann auf dem Buchcover seiner Satire „Der Klassenfeind“

Natürlich kann man darüber philosophieren, was eine perfekte Lehrprobe ist und welche No-Gos es gibt. Am besten wissen das natürlich die jeweiligen Fachleiter. Ein ganz besonderer ist Englischlehrer, Fachleiter für Englisch im Lehrerseminar Freiburg und Kabarettist Marc Hofmann, der auf einige Fragen antwortet. Manchmal provokant, manchmal nachdenklich und manchmal überraschend. Sein Kabarettprogramm «Der Klassenfeind – Ein Lehrer im Sog des Irrsinns« hatte im März im Freiburger Vorderhaus Premiere. Sein Buch „Der Klassenfeind“ ist auf Amazon erhältlich.

Herr Hofmann, muss ein guter Lehrer auch ein Comedian sein?

Nein, aber es schadet sicher nicht, wobei ich selbst privat eher wenig Humor habe, sagt zumindest meine Frau und auch bei den Lehrersprüchen in der Abizeitung tauche ich bemerkenswert selten auf.

Gibt es an deutschen Schulen generell zu viele schlechte Lehrer?

Ganz schwer zu sagen. Was heißt schlecht? Was heißt zu viele? Ich glaube, dass, seit ich es beurteilen kann (seit ca. 12 Jahren), die Ausbildung (vor allem das Referendariat) durchaus einiges verhindert. Es gab sicher Zeiten, wo es leichter war, eine Stelle zu bekommen und viele von uns kennen ja aus der eigenen Schulzeit einzelne Lehrer, die sicher nicht sehr für diesen Beruf geeignet waren. Dagegen kommen aber die vielen, die jeder von uns schon immer hatten, die gut waren und die werden in dieser Diskussion oft vergessen (vor allem werden die viel zu selten gelobt). Ich warne davor zu sagen, einzelne sind ja gut, aber das gros kann nix. Ich denke, es ist deutlich andersherum. Und wichtig wäre hier auch mal ein gesellschaftliches Signal: Was ihr hier leistet ist der Hammer. Danke dafür!

Woran erkennt man, ob ein Lehrer seinem Job nicht gerecht wird?

Die Schulen selbst und der komplette Verwaltungsapparat tun relativ wenig dafür, positive oder negative Rückmeldungen zu geben (siehe nächste Fragen). Gerade die positive Rückmeldekultur ist in unserer Gesellschaft auch nur gering ausgeprägt. Das heißt, die Wahrnehmung über den eigenen Lehrerfolg ist sehr diffus und subjektiv. Solange sich an den äußeren Faktoren nichts ändert, bleibt als Antwort auf die Frage nur, dass man statt mit 60 schon mit 50 unter Burnout leidet. Dann weiß man es. Verhindern kann man das nur durch intrinsische Maßnahmen wie interkollegiale Hospitation oder freiwillige Fortbildungen (vor allem zu pädagogischen Themen). Wenn man die ersten somatoformen Symptome erkennt (z.B. Schlafstörungen), dann weiß man, dass man etwas unternehmen sollte. Die Vorstufe ist ein generelles Unwohlsein, bei der Vorstellung, vor der Klasse zu stehen und die Vorstufe davon ist, dass man langsam zynisch wird, Dinge sagt, die man nie sagen wollte oder sogar denkt. Übrigens waren die meisten Zyniker mal Idealisten.

Wie sollte man mit solchen Lehrern verfahren (dürfen)? Sollte man Lehrer entlassen dürfen, wie es einige Journalisten fordern?

Das momentan einzige Belohnungssystem für einen Lehrer ist der Aufstieg in eine andere Besoldungsgruppe. Quasi als Belohnung dafür, dass er mindestens zehn Jahre durchgehalten hat. Mit Leistung hat das nichts zu tun. Es müsste ganz andere Kriterien geben, um gute oder nicht so gute Leistungen zu klassifizieren (regelmäßige Evaluation, Coaching bis hin zur – im Extremfall – Entlassung.) Momentan ist überdurchschnittliches Engagement reine Privatsache, ein Hobby quasi. Oft wird es nicht einmal durch die Schulleitung anerkannt. Genauso wenig werden klare Verweigerungen oder gar Verstöße gegen Verordnungen sanktioniert. Das frustriert die engagierten Lehrer enorm. Ich sehe im Beamtentum keinerlei positiven Einfluss auf den Erfolg von Schule. Eher im Gegenteil.

Konkret: Sollte der Beamtenstatus abgeschafft werden?

Ja

Welchen Anteil hat das Lehramtsstudium?

Die Kürzung des Referendariats in Baden-Württemberg aus vermutlich ökonomischen Gründen von 24 auf 18 Monate halte ich für falsch, auch wenn sich dadurch der Fachdidaktikanteil an der Uni sich erhöht hat, was unerlässlich ist. Inhalte aus dem Lehramtsstudium zu kippen, ist für das Gymnasium nicht möglich. Wir brauchen schon fachlich gute Lehrer. Was ich befürworten würde, ist, dass angehende Lehrer zu irgendeinem Zeitpunkt mal anderweitige Berufserfahrungen gesammelt haben, z.B. in Form von längeren Praktika, auch wenn ich weiß, dass das eher unrealistisch in der Durchsetzung ist.

Sollten die Schulen die Lehrer selbst aussuchen dürfen?

Ja

Sollte es eine Art „Belohnungssystem“ wie in der freien Wirtschaft geben?

Ja

Woran gehen die Kollegen kaputt?

Verändertes Elternverhalten, Veränderte Kinder- und Jugendliche, politische «Planlosigkeit« (G8/G9), zu viele neue Anforderungen, auf die man nicht vorbereitet ist (Cybermobbing, Inklusion), d.h. latentes Gefühl der Überforderung und die Unmöglichkeit echter Individualisierung und Differenzierung. Was mich am meisten frustriert ist, dass gerade die extrem engagierten Kollegen sich aufreiben, weil sie versuchen auf eine Art zu unterrichten, für die oft an den Schulen keine Strukturen vorhanden sind (z.B. Umgang mit Lernschwachen Schülern, Umgang mit ADHS), d.h. sie betreiben einen unfassbaren Aufwand ihren Ansprüchen gerecht zu werden und müssen sich letztlich zu oft mit Kompromissen zufrieden geben. Dazu kommt zu häufig fehlendes Lob, fehlende Anerkennung. Rückmeldung geschieht in der Regel zu oft als Kritik.

Am Ende: Was würden Sie jungen Leuten, die Lehrer werden wollen, als Tipp mit auf den Weg geben?

Sich fragen: Warum will man Lehrer werden? So ehrlich und schonungslos wie möglich. Will ich wirklich jungen Menschen, die aus welchen Gründen auch immer, andere Interessen haben, als man sich das wünschen würde, etwas fürs Leben vermitteln wollen. Fachlich und darüber hinaus. Brenne ich dafür den unter Jugendlichen gerade herrschenden Pragmatismus aufzubrechen, die zum Denken anzuregen (vielleicht zuerst gegen ihren Willen), die fit zu machen für die Herausforderungen der Zukunft (und die heißen nicht mehr «Wachstum« und «Geld verdienen«). Und wenn all das mit «ja« beantwortet werden kann, dann muss man sich überlegen, welchen Ausgleich man in seinem Leben hat, um sich nicht von der Schule verschlingen zu lassen, denn das sind die Leute, die alles geben, sich aufreiben und nach einer Weile nicht mehr können. Das heißt aber nicht, dass es nicht gelingen kann. Es gibt auch dafür genügend Beispiele.

Herr Hoffmann, ich danke für das Gespräch. Weiterhin viel Erfolg mit Ihren Auftritten – innerhalb und außerhalb der Schule.

Dieser Blog lebt von der Unterstützung seiner Leser. Hat dir der Artikel gefallen oder geholfen? Lass mir doch ein Like da oder schreibe eine Rezension auf meiner Facebook-Seite.

Podcast: Der Referendarsflüsterer

 

Weitere Gespräche und Gedanken zu allen Themen des Referendariats gibt es auch im Podcast beim „Referendarsflüsterer“.

Hier geht es direkt zu den Folgen auf iTunes.

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REFERENDARIAT: Die perfekte Lehrprobe

Bild: Thomas Clemens

Jeder, der diesen Blog regelmäßig liest, weiß, dass es auch immer wieder um das Referendariat geht. Ob es nun darum geht, eine Unterrichtseinheit zu erstellen oder eine Sachanalyse zu schreiben – die Artikel sollen Hilfestellungen geben. Dass dies auch bei Artikeln zu Prüfungssituationen gelingt, wurde mir klar, als mir mitgeteilt wurde, dass der Artikel zu den No-Gos in Lehrproben auch in Seminaren verteilt und besprochen wurde. Der nun folgende Artikel zur perfekten Lehrprobe soll einige Impulse dazu geben, wie eine Lehrprobe möglichst gut gelingt. Die  Podcastfolge vom „Refererndarsflüsterer“ – dem Podcast für Referendare, findet ihr direkt auf dem Symbol. Den Podcast könnt ihr auch auf iTunes unter „Referendarsflüsterer“ abonnieren. 

Podcast: Der Referendarsflüsterer


Vor dem eigentlichen Artikel gibt es zwei verschiedene Vorreden, die man zwar nicht lesen muss, deren Durchsicht jedoch zu empfehlen ist, damit keine Missverständnisse entstehen.

Inhalt

Eine Anmerkung
Warum Lehrproben?
Die perfekte Lehrprobe
Seminarrichtlinien
Vorbereitungszeit
Vorbereitung der Unterrichtsstunde
Durchführung der Unterrichtsstunde
Reflexion nach der Stunde
Umgang mit den Fachleitern
Kleine Tipps am Rande
Verschiedene Fächer

Zur neuen Facebook-Gruppe für Referendare

Eine Anmerkung

Bevor dieser Artikel entstanden ist, habe ich mich in meinem Twitternetzwerk erkundigt, was die anderen Lehrpersonen – darunter Lehrer, Seminarleiter und Pädagogen in Regierungspräsidien – unter einer perfekten Lehrprobe verstehen. Viele Antworten waren erwartungsgemäß: Eine perfekte Lehrprobe gibt es nicht. Und wenn, so eine häufige Antwort, worauf würde sich die Perfektion beziehen? Auf eine sehr gute Note? Auf einen sehr guten Unterricht? Auf beides? Und muss beides gleich sein?

Alleine diese Fragen zeigen schon, dass das mit der Perfektion bei einem von so vielen unterschiedlichen Faktoren und Einschätzungen durchzogenen Gebiet wie dem Unterricht nicht so einfach ist. Eine Antwort sagte sogar klipp und klar, dass die Perfektion das ist, was der Fachleiter als Perfektion definiert. Also nur das machen, was einem vorgegeben wird? Am Ende des Artikels werden auch dazu einige Gedanken reflektiert.

Warum Lehrproben?

Meine persönliche Einstellung zu Lehrproben hat sich im Laufe der Zeit stark verändert, nicht zuletzt durch einen guten Freund, der als stellvertretender Schulleiter nun umso mehr sieht, wie Referendarinnen und Referendare ihren Unterricht gestalten. Zuvor war ich der Meinung, dass die künstliche Situation der Lehrprobe nichts mit Schule zu tun hat. Und dass eine wirklich aussagekräftige Lehrprobe eigentlich eine Vertretungsstunde sein müsste, auf die man sich nur dreißig Minuten vorher vorbereiten kann. Dies, so meine damalige Meinung, würde die Schulrealität besser abbilden als die tagelange Vorbereitung auf eine „Vortanzstunde“.

Mal davon abgesehen, dass eine solche Stunde viele wohl an den Rande eines Nervenzusammenbruchs stellen würde, da man nicht wüsste, wann und wo es zu so einer „Zufallslehrprobe“ kommen könnte, wird selbst dann, wenn viele diesen Gedanken interessant finden, allein der logistische Aufwand (Fachleiter, Klassen, Prüfer) dafür sorgen, dass es niemals dazu kommen würde. Meine Meinung änderte ich aber aufgrund von anderen Erwägungen.

Zum einen erklärte mir mein schon erwähnter Freund seine Sicht der Dinge. Es gehe in der Lehrprobe in der Tat nicht darum, die Schulrealität abzubilden, das müsse sie aber auch nicht. Es gehe vielmehr darum, all das zu zeigen, was man in der Referendarsausbildung gelernt habe und dies auf den Punkt zu bringen. Natürlich würde man die Stunde nie wieder so halten, aber man wisse, zu was man in der Lage ist. Das fand ich einleuchtend.

Nebenbei bemerkt: Ich kenne viele Lehrerinnen und Lehrer, die Lehrprobenstunden oder Besuchsstunden oder sogar ihre gesamten Dokumentationsarbeiten wiederverwerten und sich darüber freuen, wie ausgewertet alles ist.

Den anderen Gedanken hatte ich viel später. Da erkannte ich, wie naiv es von mir war zu denken, dass eine Vertretungsstunde näher an einer Schulrealität ist. Natürlich wäre sie das, wenn das Wort Schulrealität bedeuten würde, dass man immer mal wieder in der Schule eine Vertretungsstunde hat. Das hat man aber nicht. Denn später geht es um Verantwortung für die ganze Klasse, Listen, die man ausfüllen muss, Elterngespräche, Organisation und vieles mehr. Das Referendariat mit dem zu vergleichen, was ein Lehrer später in einem vollen Deputat zu leisten hat, ist unbrauchbar.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das bedeutet nicht, dass das Referendariat für viele (interessanter Weise nicht für alle) eine so stressige Zeit ist, dass sie am liebsten heute statt morgen alles beenden würden. Es bedeutet nur, dass eben die Lehrprobe als künstliche Stunde nicht mehr oder weniger an der Schulrealität ist, wie eine andere besuchte Vertretungsstunde wäre.

Die perfekte Lehrprobe

Nach dieser langen Vorrede sei dennoch angemerkt, dass alles, was hier nun als Tipps oder Impuls gegeben wird, dennoch subjektiv ist. Nach vielen Gesprächen auch und gerade vor dem Hintergrund dieses Blogs ist es zwar nicht die schiere Willkür, die hier in den Worten Ausdruck findet. Eine Gewährleistung für eine perfekte Lehrprobe ist dieser Artikel dennoch nicht.

Seminarrichtlinien

Nachdem der APR (Ausbildungspersonalrat) des Seminars Freiburg anprangerte, dass es keine transparenten Richtlinien für sehr gute Lehrproben gebe, arbeitete das Seminar folgenden Erwartungshorizont aus (Erscheinungsdatum 2012). Böse könnte man sagen: Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. Viele der hier angemerkten Punkte sind so vage, dass man sie aus verschiedenen Perspektiven sehen kann. Dennoch bietet es einen ersten Anhaltspunkt daran, was Referendare zu leisten haben.

Vorbereitungszeit

Neben denjenigen Elementen einer Lehrprobe, die zwangsläufig umgesetzt werden müssen und wohl auch in jedem Seminar vermittelt werden (also dass man Kompetenzen oder Lernziele definieren lernt und mit diesen seinen Unterricht beginnt, dass man die Dramaturgie einer Unterrichtsstunde beherrscht, Methoden und Einstiege einsetzen kann und all dies in einer formal richtigen Form zu verschriftlichen im Stande ist) gibt es immer wieder Probleme in der Vorbereitung, auf die wohl oftmals nicht vorbereitet wird bzw. nicht vorbereitet werden kann.

Gerade jene Referendarinnen und Referendare, mit denen ich eng zusammengearbeitet habe und darunter eine, die ich als Mentor betreuen durfte, hatte als größtes Problem ihren Perfektionismus. Das bedeutete nicht nur, dass die Materialien ihr niemals genügten, sondern auch, dass sie zahlreiche Alternativen in der Tasche haben wollte und schier verzweifelte, weil sie sich nicht von einer trennen konnte.

Auch wenn es wohl Referendare gibt, die widersprechen: Man hat theoretisch, wenn man in der Zeit vor den Lehrproben den Unterricht selbst vorbereitet und nicht alles einfach von anderen übernommen hat, genug Zeit, die Lehrprobe vorzubereiten (meist drei Tage). Allerdings nur dann, wenn man sich für eine Version entscheidet. Es kann gar nicht genug wiederholt werden: Je schneller die Entscheidung fällt, desto besser. Wenn man sich verrückt macht, weil man einen Tag vorher nichts zu tun hat, kann man immer noch den Entwurf durchgehen und die Übungsblätter überprüfen.

Vorbereitung der Unterrichtsstunde

Das wichtigste Wort für die verschiedenen Teile der Unterrichtsstunde ist: Funktionalität. Es nützt nichts, einen grandiosen Einstieg zu haben, wenn dieser nicht eine bestimmte Funktion erfüllt. Und zwar jene, inhaltlich oder thematisch auf den schülerzentrierten Kern der Stunde hinzuleiten. Das bedeutet: Eine sehr gute Unterrichtsstunde wird immer vom Kern nach außen ausgearbeitet. Der Kern ist die zu erlangende Kompetenz, die Rändern sind der Einstieg und am Ende die Anwendung oder der Transfer, vielleicht auch die Übung oder die Präsentation (je nachdem worum es gehen soll). Bei einer richtig guten Lehrprobe bauen die Teile aufeinander auf, sind nicht ineinandergeschoben.

Wenn wir nochmals auf die Leistungsbewertung des Seminars schauen, beziehen sich all jene Punkte, die in der ersten Spalte erwähnt werden genau darauf. Kontextbezogene Planung bedeutet also, dass ich als Lehrer (oder eben als Referendar) in der Lage bin, den Gegenstand den Kompetenzen gemäß auszusuchen, die Methoden dem Gegenstand und den Kompetenzen gemäß auszusuchen und all dies in einer Stunde so zu verbinden, dass im besten Falle eine Progression im Aufbau zu erkennen ist.

Dies alles hört sich ohne konkrete Beispiele vielleicht vage an; es ist ratsam, diese Punkte an einer ganz konkreten Stunde auszuprobieren.

Durchführung der Unterrichtsstunde

Im besten Falle hat der Referendar oder die Referendarin also eine Stunde, die in hohem Maße schülerzentriert ist, aber dennoch Phasen hat, in der man sie oder ihn bei Impulsfragen, Anregungen oder im Gespräch sehen kann. Beides ist extrem wichtig. Eine Stunde, in der nur der Lehrer spricht, kann keine gute Stunde sein. Auf der anderen Seite wäre eine Projektstunde, so wichtig diese sind, für eine Lehrprobe auch merkwürdig, denn das einzige, was der Fachleiter beobachten könnte, wäre, wie der Referendar herumginge und Hilfe geben würde. Zweifellos nicht schlecht, aber eben nicht das, was man als Performanz bewerten könnte.

Da wir von der perfekten Stunde ausgehen, hat man als Referendar also auch geschlafen, weil man sich rechtszeitig entschieden hat, was man macht und so geplant hat, dass nicht alles auf den letzten Drücker fertiggemacht wurde.

In der Stunde ist das allerwichtigste, dass man den Fokus nicht verliert. Man muss sich selbst vertrauen, dass die Vorbereitung stimmt, denn daran kann man nun nicht mehr denken. Und dann geht es ausschließlich um: Die Schüler! Und eben darum, wie man selbst mit ihnen umgeht. Natürlich sind damit auch „Kleinigkeiten“ gemeint, die man früh rückgemeldet bekommt, also beispielsweise, dass man, wenn man Hilfestellungen gibt, sich herunterbeugt und nicht in seiner ganzen Größe vor die Tische kommt und alle erschreckt. Vor allem geht es aber darum, dass die Fachleiter sehen wollen, dass man eine Beziehung entwickelt hat, die auf Vertrauen aufbaut. Dass die Schüler etwas fragen können und eine wahrheitsgemäße Antwort bekommen. Dass man seinen Humor nicht verliert.

Das, was am einfachsten auszusprechen ist, ist das Schwierigste:

Dass man in der Prüfung zeigt, wie man ist, wenn man nicht zeigen muss, wie man ist, weil Prüfung ist.

Das hinzubekommen ist wohl auch eine Quelle des Stresses, die bei vielen ausgelöst wird.

All das, was sich auf die Stunde bezieht, ist in dem mittleren Bereich der Seminarrichtlinien zu sehen. Vieles davon kann man nur in der gesamten Zeit des Referendariats üben. Eine präzise und lebendige Unterrichtssprache zum Beispiel. Auch all das, was mit der Präsenz im Raum zu tun hat. Hier muss man früh ausprobieren, wer man als Typ ist. Natürlich gibt es auch No-Gos wie zum Beispiel während der ganzen Stunde zu sitzen, aber solche Dinge werden normalerweise sehr früh angesprochen.

Was vielleicht nicht überall zu lesen ist, ist, dass es bei der perfekten Lehrprobe nicht um die perfekte Umsetzung geht. Das hört sich paradox an. Und das ist es auch ein wenig. Das, was Fachleiter sehen wollen, ist ja sehr vielschichtig. Aber es geht den meisten eben nicht darum, dass sie sehen, ob man eine Stunde minutengenau aufbauen kann. Ja, die Einhaltung der Struktur ist wichtig, aber wichtiger ist, dass man so auf die Schüler und deren Fragen achtet, dass man seine Priorität nicht verliert. Ein älterer Fachleiter sagte mir einmal, dass er nichts schrecklicher findet, als wenn Schüler abgewürgt werden, wenn sie eine Frage stellen würden.

Das alles ist natürlich in einer Stunde schwierig, weshalb der Autor dieser Zeilen alle Lehrproben in einer Doppelstunde unternahm. Das ist aber auch nichts für jeden. Dennoch: Es ist wichtig, dass man im Kopf hat, worum es geht. Wenn etwas nicht funktioniert, dann ist eine gute Reflexion immer noch die Chance, eine sehr gute Lehrprobe hinzulegen.

Reflexion nach der Stunde

Und das ist ernst gemeint: Eine für den Referendar perfekte Stunde, also eine, die super läuft und überdies noch mit einer 1 benotet wird, kann eine sein, in der nicht alles perfekt läuft, aber in der der Referendar zeigt, dass er nicht nur weiß, was nicht genau so gelaufen ist wie er es wollte, sondern auch, woran das lag.

Das bedeutet natürlich nicht, dass man in der Reflexion zu verstehen gibt, dass man alles anders hätte machen sollen. Das würde die Frage nach sich ziehen, warum man es nicht gemacht hat. Aber wer zeigen kann, dass er verstanden hat, wie der eigene Unterricht funktioniert, wie man ihn konzipiert und wo Probleme lauern, hat einen riesigen Vorteil. Dementsprechend ist es auch so unglaublich wichtig, zu experimentieren, zu üben und, ja, auch Fehler zu machen, bevor man Lehrproben hat.

Denn, und das ist die andere Seite, auch eine sehr gute Stunde kann in der Reflexion noch „Schaden nehmen“. Nämlich dann, wenn der Referendar zeigt, dass er gar nicht weiß, was genau er gemacht hat und warum (zum Beispiel, weil er oder sie einfach eine Stunde aus dem Netz genommen hat ohne sich darüber klar zu werden, warum sie so ist, wie sie ist).

All dies wird in der dritten Spalte der Seminarrichtlinien erwähnt.

Umgang mit den Fachleitern

Fachleiter zu sein ist nicht der einfachste Job der Welt. Denn jeder Fachleiter weiß ja, in welcher Situation sich die Referendare befinden. Ein guter Fachleiter lässt das zu, was er selbst nicht machen würde, reflektiert und gibt den Referendaren die Chance, auch das, was er tut oder sagt zu hinterfragen.

Aber natürlich gibt es nicht nur gute Fachleiter. Dennoch bin ich, um auf die zuvor erwähnte Bemerkung Bezug zu nehmen, sehr vorsichtig damit, wenn jemand meint, man müsse „nur wissen, was der Fachleiter will“.

Ja, Fachleiter haben eine Vorstellung von dem, was guter Unterricht ist und es ist in der Tat nicht ratsam, dem entgegenzuarbeiten. Aber was nützt es, wenn man eine Kopie von jemandem macht und sich selbst so unwohl fühlt, dass es einem die Konzentration auf die wichtigsten Dinge entzieht?

Will sagen: Wenn man auf die hier angesprochenen Dinge achtet und gleichzeitig seinen Fachleiter kennenlernt, dann hat man eine gute Grundlage.

Kleine Tipps am Rande

Neben der ausführlichen Besprechung möchte ich noch einige kleine Tipps loswerden, die mir Leute über Twitter mitteilten oder von denen ich denke, dass man sie sich merken könnte. Oftmals sind sie Ergebnis dessen, was man schon lange zuvor gemacht hat. In der Lehrprobe sieht also der Fachleiter das Ergebnis langer Arbeit.

Begrüßung

In vielen Schulen ist die Begrüßung ein langgezogenes guten Morgen, das einen schon zu Beginn einschlafen lässt. Eine individuelle Begrüßung ist nicht nur für die Schüler schön, sondern zeigt viel später auch dem Fachleiter, dass man sich über Kleinigkeiten Gedanken gemacht hat.

Gruppenarbeiten

Wenn man ein System hat, wie man Schüler in Gruppen gehen lässt, spart man nicht nur im normalen Unterricht Zeit, sondern zeigt dem Fachleiter auch, dass man schon zuvor bestimmte Rituale miteinander eingeübt hat.

Verschiedene Fächer

Mathe

Der Referendar/ die Referendarin sollte zeigen, dass sie in der Lage ist, intelligentes Üben zu induzieren. Dabei keine Aufgabenbeete umpflügen, sondern eine Aufgabenvielfalt auf unterschiedlichen Niveaustufen anbieten.

Außerdem wichtig für die ganze Stunde: Schülerinnen und Schüler und Referendarinnen und Referendare sollen einen produktiven, wertschätzenden Umgang mit Fehlern pflegen und diese produktiv für das Üben einsetzen.

Danke an Torsten Traub, alias @EduBlackforest

Ich würde bei Mathematik unten noch ergänzen, dass auch oder gerade in diesem Fach die (Fach-)Sprache sehr wichtig ist und man über visualisiertes Material die Schüler zu einer sicheren Verwendung von Fachsprache führen soll/muss. Viel kommunizieren und argumentieren ist meinen Ausbildern in Mathe sehr wichtig. Und dazu eben die Visualisierung für schwache Leser oder DaZ-Kinder.

Danke an Carina Heß

Sprachen

Sowohl Deutsch als auch Fremdsprachen sind bei Lehrproben insofern Sonderfälle, als dass hier so wie in keinen anderen Fächern auf die richtige Sprache geachtet wird, auf jedes Komma und jeden Punkt.

Für Deutsch heißt das, dass man gar nicht genug Korrekturleser haben kann. Fehler in dem Entwurf können zu Abzügen führen.

Gerade in Fächern wie Englisch, Spanisch oder Französisch gibt es sehr penible Fachleiter, die darauf achten, dass jedes Wort richtig ausgesprochen wird. Man sollte auf jeden Fall bei jenen Wörtern, von denen man weiß, dass sie drankommen, sicher gehen, dass man sie auch fehlerfrei aussprechen kann. Natürlich gilt das auch für Tafelanschriebe.

Ethik

Einstieg, der spätestens am Ende nochmal aufgegriffen wird („um es rund zu machen“), gern aus der Lebenswelt der Schüler*innen – aber nicht zu konstruiert. Man muss da nicht zaubern – es muss passen. Viel Schüleraktivierung – alle Schüler im Blick behalten, so dass alle auch etwas zu tun haben. Wenn man sich an Diskussionen mit Schülern ran wagt: die eigene Meinung ist gleich viel wert wie die der Schüler. Die Grenze ist, dass Grundwerte beachtet werden müssen. Diskussionen aber nur, wenn man sie zuvor geübt hat und die Klasse sich eignet.

Bei einer perfekten Lehrprobe ist der Referendar oder die Referendarin ganz bei sich und den Schülern und vergisst, dass da jemand hinten sitzt. Das merkt man z.B. am Umgang mit den Schülern, der auch locker flockig sein darf und mit Humor.

Geographie

Alle Anforderungsbereiche ausnutzen, also nicht nur auf die Reproduktion setzen, sondern auch an die Anwendung denken. Gerade in höheren Klassen ist das wichtig! Die Materialien immer lesbar gestalten, sowohl bei der Projektion als auch bei Arbeitsblättern. Experimente sind super – wenn es passt.

Trotz der Aufregung: locker bleiben! Es geht nicht immer alles glatt. Als Prüfer schaut man dann eher, wie der Referendar in solchen Situationen umgeht, z.B. wenn ein Experiment schiefgeht oder Schüler eine Antwort geben, die so gar nicht passt.

Generell: nicht zu viel Methoden- und Medienwechsel – das irritiert und sorgt für unnötige Hektik. Wenn was schiefläuft, sollte man das auch sagen. Die Prüfer sind ja auch Lehrer…

Gibt es noch etwas, das ihr fragen möchtet? Für Kritik, Fragen und Anregungen bin ich immer dankbar!

Der Artikel wird auch in der nächsten Zeit noch mit neuen Erkenntnissen aktualisiert.

Die Tipps von Ethik und Geographie stammen von Twitterlehrerin @ma_y

Weil ich gerade darüber stolperte, hier noch ein Video, das sich diesem Thema in wenig anders nähert. Bei der Nr. 2 bin ich ein wenig anderer Meinung, aber das macht absolut nichts, jede Perspektive bringt etwas. Viel Spaß beim Schauen.

 

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REZENSION: Digitaler Deutschunterricht

 

Medienexperte, Dozent und Lehrer Philippe Wampfler

Zunächst das Wichtigste: Philippe Wampflers „Digitaler Deutschunterricht. Neue Medien produktiv einsetzen“ ist vor allem eines: Erkenntnisreich, durchdacht und gewinnbringend zu lesen. Für diejenigen, für die Begriffe PLN, Filterblasen oder die 4K Fremdwörter sind, ist es zunächst auch eine Herausforderung. Und überhaupt: Die Herausforderung, die sich nach der genauen Lektüre ergibt, ergibt sich vor allem darin, seinen eigenen Unterricht nicht auch nur ein wenig zu verändern. 

Eine Vorbemerkung

Schon als bekannt wurde, dass der Medienexperte Philippe Wampfler ein neues Buch veröffentlichen wurde, war ich interessiert. Dies liegt nicht nur daran, dass schon Bücher wie „Generation Social Media“ einen unverkrampften, sachlichen und vor allem lustvollen Zugang zu den digitalen Medien und den in ihnen zu findenden Sphären gewährten, sondern vor allem deswegen, weil man Wampfler bei seinem Tun über die Schulter schauen kann – man kann also das tun, zu dem Wampfler selbst  alle Deutschlehrer auffordert: Lurken, also jenen, die sich in den Medien bewegen wie Fische im Wasser, über die Schulter schauen.

„Effekte nicht addieren, sondern in der Verschmelzung einen Zusatznutzen finden.“

Insofern las ich das Buch zunächst zweidimensional: Während eine Perspektive aus der Erinnerung an zahlreiche Diskussionen entsprang, die auf Twitter und Facebook zu den verschiedenen Themen geführt wurden, versuchte ich die andere aus der Warte eines der digitalen Kultur gänzlich fremden Deutschlehrers zu imaginieren (was zugegebener Weise aufgrund der eigenen Social-Media-Nutzung nicht besonders leicht ist).

Lange ging dies nicht gut. Denn neben der theoretischen und der imaginierten Perspektive, kam schnell der Praktiker hinzu, der sich von dem Buch inspirieren ließ. Und das nicht nur vor dem Hintergrund der zahlreichen Vorschläge, wie man die digitalen (Jugend-)Welten gewinnbringend in den Deutschunterricht integrieren, ja, einen gänzlich anderen Deutschunterricht kreieren kann. Sondern auch, was die Herangehensweise und die theoretischen Grundlagen des Buches betrifft.

Digitale Medien stehen im Zentrum des Deutschunterrichts, sie sind es, worum es geht.

Struktur des Buches

Das Buch, welches mit etwa 150 (allerdings prall gefüllten) Seiten innerhalb weniger Stunden zu lesen ist, ist in drei Kapitel aufgebaut. Während in den einleitenden Bemerkungen vor allem Bezug auf die zahlreichen Kritiker und den, wie es dort heißt, noch vorherrschenden „Verhinderungsdiskurs“ Bezug genommen und die wichtigsten (und vor allem lähmenden) Argumente entkräftet werden, werden im zweiten Artikel die „Grundlagen digitaler Arbeit im Deutschunterricht“ besprochen und dienen als Rahmen, um die folgenden „Projekte und Unterrichtsideen“ in eine Konzeption zu betten, bei der die Arbeit mit, über und durch digitale Medien mehr ist als eine Erweiterung.

Eckpunkte

Wampflers Buch bildet das ab, was es vom Deutschunterricht fördert: Indem  seine Beschreibungen des Status Quo und der neuen Zielrichtung, auf die sich ein der Gegenwart entsprechender Deutschunterricht orientieren sollte, auch Dimensionen und Zugänge von Kulturtheorie und Gesellschaftstheorie einbinden, ist das Buch selbst eine Art best practice Beispiel. Deutschunterricht und dessen Gegenstände sind und sollen mehr sein als die Abarbeitung an einem tradierten Normenkanon.

Kurzfristig müssen Lernumgebungen demokratischer und unter Einbezug der Lernenden gestaltet werden.

Dabei ist Wampfler kein Dogmatiker. Es geht ihm nicht darum zu zeigen, dass alles Digitale besser ist. Es geht aber eben auch um mehr als um den Nutzwert von Tools. Indem er die Nutzung digitaler Plattformen, Werkzeuge und Methoden normalisiert, die Kritik relativiert, bestehende Axiome dekonstruiert und in klarer, sachlicher und auf neuesten empirischen Grundlagen beruhender Argumentation systematisiert kann man zu jeder Zeit die Gedankengänge nachvollziehen, die weniger auf den Wunsch nach Tabletklassen hinauslaufen, sondern auf einen gänzlich neuen Zugang, eine zeitgemäße Bildung, die digitale Möglichkeiten insofern ernst nimmt, als dass sie nicht eine Erweiterung eines starren Unterrichtskonzepts folgen, sondern den Unterricht selbst nach außen und innen öffnen und in ein individuelles Lernnetzwerk überführen.

Warum kein Spiel als Erweiterung von Literatur?

 

Kritik

Durch die schon angesprochene sehr saubere Argumentation gelingt es Wampfler, Kritik an seinem Ansatz zu erschweren. Das ist durchaus positiv gemeint. Gerade wenn man Wampflers Ansatz einer offenen, auf Eigenverantwortung, Kollaboration und Kreativität beruhenden Bildungsbegriff ein wenig kennt, weiß man, dass es hier um mehr geht als um Computer im Deutschunterricht. Das bedeutet aber gleichsam, dass sich Wampfler eben nicht bei der Endlosdiskussion darüber aufhält, ob nun die Nutzung von WhatsApp problematisch sein könnte (eine Diskussion, bei der er klar auf der Anwenderseite argumentiert).

Lernende dürfen zur Toilette, wann sie wollen, sie dürfen tragen, was sie wollen – und sie dürfen sich Notizen machen und recherchieren, wie sie wollen.

Wenn man kritische Aspekte herauspicken sollte, würde man wohl dort ansetzen müssen, wo es darum geht, was eine durch seine Anforderungen modellierte Lehrperson zu leisten hat. Sind alle im Stande, sich den digitalen Gegebenheiten anzupassen? Muss sich jeder online exponieren? Ist eine Unterrichtsführung auf Augenhöhe, wie Wampfler sie fordert, für jeden leistbar oder überhaupt erstrebenswert?

Aus zumindest einem persönlichen Gespräch weiß ich, dass Wampfler es leid ist, sich den ewigen „Nörglern“, die es zwangsläufig gibt, zu ergeben. Hier argumentiert jemand, der weiß, dass das digitale Zeitalter begonnen hat und dass es nicht darum ankommt, ob das durch einige immer noch ignoriert wird. Sondern darum, Schülerinnen und Schülern mit einem alle Bereiche des Lernens umfassenden Konzepts auf ein Leben vorzubereiten, bei dem die Unterscheidung zwischen on- und offline zunehmend redundant wird.

Und sonst?

Das Buch ist utopisch und revolutionär. Beides im positiven Sinne der Begriffe. Es werden sich viele Abers finden, doch es wird darum gehen, die Trotzdems zu finden.

Die verschiedenen Themen, die Wampfler in diesem eigentlich dünnen Büchlein streift, würden es allesamt verdienen, sich noch eingehender mit ihnen zu befassen. Ob es nun die Kritik an den Verhinderungsdiskursen geht (denen alle digital affinen Lehrer ausgesetzt sind), das Erlernen von Kulturtechniken (im Gegensatz zu einer Verengung auf Schullektüren)

„Dieses Buch geht davon aus, dass die Digitalisierung den Kern sprachlichen Lernens betrifft und verändert.“

oder eben zahlreiche praktische Ansätze, die das Buch liefert – vom Twittern aus der Perspektive einer Literaturfigur oder der Analyse von YouTube-Videos: Das Buch ist eine -durchaus streitbare – Fundgrube.

Nach nunmehr der Lektüre von einigen (Standard-)Werken der Digitalisierung, meine ich sagen zu können: Dieses Buch sollte nicht nur in jeder Lehrerbibliothek stehen, sondern Bestandteil der Lehrerausbildung sein, da es einen grundlegenden neuen Ansatz erprobt und sich nicht davor fürchtet, Altbewährtes zu hinterfragen oder sogar komplett abzulehnen.

Und falls man tatsächlich nicht von den Thesen, den Ansätzen und den praktischen Beispielen überzeugt ist, die sich hier finden, kann man den Autor immer noch persönlich kritisieren oder nachfragen. Das ist nicht nur möglich, sondern auch immer wieder gewünscht in dieser „post-digitalen“ (Vgl.S.24) Gesellschaft, in der wir leben.

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REFERENDARIAT: Unterrichtseinstiege für Unterricht und Lehrprobe

Bild: Thomas Clemens

An dieser Stelle werden einige Unterrichtseinstiege präsentiert und besprochen. Generell gilt: Es lohnt sich nicht nur, den Einstieg kritisch zu hinterfragen – Einstiege haben nicht ausschließlich mit dem Thema der Stunde, sondern auch mit der jeweiligen Situation, der Klasse und den Umständen zu tun.

Zur neuen Facebook-Gruppe für Referendare

Vorbemerkung

Eigentlich verbietet es sich, einen Artikel nur über Unterrichtseinstiege zu schreiben. Warum das so ist? Der Unterrichtseinstieg wird zwar oftmals als eine Art „Highlight“ der Stunde gesehen, das nur gut gehen muss, damit alles perfekt verläuft, hat aber in Wirklichkeit nur eine dienende Funktion. Das bedeutet, dass der Unterrichtseinstieg zur „Sache“ oder zum „Gegenstand“ der Stunde passen muss, d.h. dass er funktional auf das hinleiten sollte, worum es geht – und zwar explizit nicht um ein inhaltliches Thema, sondern um eine Lernkompetenz.

Neben dieser (auch für Unterrichtsbesuche und Lehrproben maßgeblichen) inhaltlichen Voraussetzung für einen guten (man müsse also besser sagen „funktional passenden“) Unterrichtseinstieg kann man grundsätzlich unterscheiden, inwiefern die Schülerinnen und Schüler aktiviert werden und selbst handeln oder der Lehrer etwas vorgibt; außerdem unterscheiden sich die Einstiege insofern, als dass kognitive oder psychomotorische Aspekte im Vordergrund stehen können (oder eine Mischung aus beiden). All das muss berücksichtigt werden.

In Facebook-Gruppen wird oft nach einem „Einstieg“ gefragt, weil es an Ideen mangele. Neben der Tatsache, dass man auch später im Beruf nicht für 25 Stunden 25 explosive Einstiege produzieren kann, zeigt sich bei der Nachfrage, worum es denn geht, schon oft, dass das Problem gar nicht bei dem Einstieg liegt, sondern bei dem Fokus auf das Stundenziel bzw. die Kompetenz, die in der Stunde eingeübt werden soll.

Das eigentliche „Highlight“ der Stunde sollte also eigentlich die Erarbeitungsphase sein, die Phase also, in der die Schülerinnen und Schüler mittels verschiedener Methoden ein Mehr an Wissen oder Fähigkeiten erarbeiten.

Die Konsequenz daraus ist, dass der Einstieg entweder erst als drittes oder eben als zweites geplant werden sollte. Am Anfang steht die Erarbeitung, dann der dazu passende Einstieg oder der passende Transfer am Ende. Die Besprechung der verschiedenen Einstiege ist also allenfalls eine isolierte Sammlung; ohne einen inhaltlich eingeplanten Bezug zum Rest der Stunde ist ein Einstieg mit Knalleffekt redundant.

Die nun folgende Liste für mögliche Einstiege hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Anmerkungen zum Gelingen sind jeweils aus dem Erfahrungsschatz des Autors entsprungen und sind natürlich subjektiv. Zunächst kommen wir jedoch zu Ritualen, die zwar auch in die Stunde „einsteigen“ lassen, jedoch zunächst nichts mit der eigentlichen Stunde zu tun haben.

Rituale

Rituale können verschiedene Funktionen haben. Normalerweise stehen die Schülerinnen und Schüler auf und begrüßen den Lehrer/ die Lehrerin. Was viele nicht wissen, ist, dass selbst hier schon eine große Chance liegt, nicht nur in Bezug auf die Klasse, die einen ja das erste Mal an diesem Tage sieht, sondern auch in Bezug auf die Bewertung innerhalb von Lehrproben. Denn das, was die Rituale zeigen, ist, dass man es geschafft hat, über einen längeren Zeitraum etwas zusammen mit der Klasse zu erarbeiten. Dabei kann beispielsweise die Begrüßung ganz individuell gestaltet werden (übertrieben werden sollte es aber auch nicht; ein Kollege ließ die Klasse die Begrüßung zu „We will Rock You“ machen. Das Ergebnis war Zeitverlust und viele genervte Kolleginnen).

Zu den Ritualen gehören Begrüßung, Stillstehen, Morgenkreise (gerade in den unteren Klassen), Trommeln oder Klatschübungen, Ruheübungen, Konzentrationsübungen usw. Gerade die Sekunden zwischen Hereinkommen und Beginn der Stunde sind wichtig, da hier das soziale Band und die „Regeln“ der kommenden Stunde – auch implizit – klar gemacht werden. Wer einfach hereinschlendert und keinen Wert auf Ruhe legt, bevor es losgeht, kann nicht erwarten, dass es dann im Rest der Stunde plötzlich funktioniert.

Klassische Übungen/ Einstiege

Was wer unter „klassisch“ versteht, ist immer subjektiv. An dieser Stelle soll kurz über diejenigen Einstiege geredet werden, die man gar nicht als Einstiege wahrnimmt.

Hausaufgabenkontrolle

Die Hausaufgabenkontrolle gehört zu den klassischen Einstiegen. Es ist immer die Frage, was damit bezweckt werden soll. Geht es um eine bloße „Kontrolle“, also darum, ob alle Schüler die häusliche Übungsphase wahrgenommen haben oder um eine Präsentation? Die Hausaufgaben können zwei Zwecke erfüllen: Sie können das angewandte Wissen festigen (dies wird, das sollte man nicht verheimlichen, von einigen Didaktikern bestritten) und/ oder auf die nächste Stunde vorbereiten. So ist die Hausaufgabenkontrolle, oder nennen wir sie „-besprechung“ eine Art Gelenkstelle zwischen den Stunden.

Dies gilt natürlich auch für neuere Konzepte wie das „Flipped Classroom“, bei dem zu Hause Videos als Vorbereitung geschaut werden. Dies sollte man aber üben.

Lehrproben: Generell bietet es sich nicht an, bei Lehrproben mit Kontrollen zu beginnen. Die Hausaufgaben können aber im weiteren Verlauf der Stunde eine Rolle spielen. Dies ist insofern auch gar nicht verkehrt, als dass der Fachleiter sieht, dass über die Einzelstunde hinaus geplant wurde.

Wiederholung/ Protokoll

Manchmal – gerade in den Fächern, die man nicht sehr oft in der Klasse unterrichtet – bietet sich eine Wiederholung gerade schwieriger Sachverhalte an, einfach um das Vorwissen wieder zu aktivieren. Man darf nicht (niemals!) vergessen, dass die Schülerinnen und Schüler sehr viele, sehr verschiedene Fächer und Aufgaben haben. Wenn man sie erst nach zwei Wochen wiedersieht, kann man nicht voraussetzen, dass sie alles parat haben, selbst wenn man „das Gefühl“ hatte, dass sie „das Thema“ gut verstanden haben.

Hier gilt bezüglich der Lehrprobe dasselbe wie bei der Hausaufgabenkontrolle. Man sollte immer daran denken, dass nicht nur geprüft wird, was möglich ist, sondern auch das, was realistisch ist. Im Zweifel sollte man solche Dinge natürlich immer absprechen.

Kontrollen, Wiederaufnahmen, Abfragen und solcherlei Methoden können mittlerweile natürlich auch digitale gemacht werden, um einen motivationalen Aspekt miteinzubringen. Jedoch sollte man auch hier darauf achten, dass dies funktional geschieht. Bloße Motivation ist zwar schön, aber alleine noch kein hinreichendes Argument für didaktischen Wert.

Kognitive Einstiege

Bei dem, was hier „kognitive“ Einstiege heißt, wird bei den Schüler*innen (im besten Fall) ein Widerspruch ausgelöst, den sie auflösen (wollen).

Provokation/ Verfälschung/ Verfremdung

Bei dieser Art von Einstieg geht es darum, eine sogenannte „kognitive Dissonanz“ zu erzeugen. Es können beispielsweise Behauptungen aufgestellt werden, die Widersprüche auflösen. Ein thematischer Einstieg zum Thema „Aufbau eines Arguments“ wäre beispielsweise die Aussage (als stummer Tafelimpuls) „Mädchen sind schlauer als Jungen“. Um es an diesem Beispiel konkret zu machen: Funktional wäre ein solcher Einstieg nur dann, wenn es auch darum geht, geschlechterspezifische Rollen zu problematisieren. Am Ende könnte dann eine Art „Antwort“ auf den Einstieg erstellt werden oder eben eine kritische Reflexion.

Auch bei der Verfremdung oder der Verfälschung geht es um diesen inneren Wiederspruch. Eben zu jenem Thema der Argumentation „fälschte“ ich beispielsweise ein Schreiben des Regierungspräsidiums, das erklärte, ab jetzt seien ausschließlich Jungen- und Mädchenklassen geplant.

Hier sei angemerkt: Gerade bei solchen Einstiegen, die auch direkt ins Thema einleiten, sollte man den Schüler*innen genug Zeit lassen; es nützt nichts, wenn man sie aktiviert und dann keine Antwort abwartet.

 

Assoziationen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Schülerinnen assoziieren zu lassen. Assoziative Formen wie „Blitzlicht“ (bei dem verschiedene Vermutungen oder Vorwissen gesammelt werden) oder das bekannte Brainstorming  sind sehr offene Formate, bei denen es zunächst um die Aktivierung von Vorwissen geht.

Gerade bei diesem offenen Formen ist es immer wichtig (wie natürlich jede Entscheidung, die man im Unterricht fällt), dass man reflektiert, also auch begründen kann, warum man es genutzt hat. Es nützt nichts, Assoziationen sammeln zu lassen, die dann keine Rolle mehr spielen. Wie bei vielen anderen Einstiegen könnte das Gesammelte am Ende kritisch reflektiert werden (zum Beispiel vor dem Hintergrund eines Mehr an Wissens, das man dann hat).

Ein schönes Beispiel ist das eines damaligen Referendars, der Schülerinnen und Schüler (handlungsorientiert) vorspielen ließ, wie sie sich Höhlenmenschen vorstellten. Nachdem in einem humorigen Beginn die „dummen“ Uga Uga rufenden Höhlenmenschen dargestellt wurden, zeigte die Erarbeitung intelligente Wesen. Die Reflexion lief also dann auf eine Problematisierung dieser Assoziation heraus.

 

Sortieren/ Clustern/ Hierarchisieren

Das Sortieren oder Hierarchisieren (also: Was ist wichtiger? Was ist ein Überbegriff?) ist oftmals ein zweiter Schritt, wenn zuvor ein Brainstorming getätigt wurde. Man könnte also argumentieren, dass es sich bei diesen Methoden weniger um ein Einstieg als um eine Erarbeitung handelt.

Hierzu vielleicht eine nützliche Anmerkung: Im besten Fall ist jede didaktische Entscheidung, die man trifft, begründbar. Eine Hierarchisierung in der Arbeitsphase fordert beispielsweise die Metaplankarten geradezu heraus. Warum? Nun, wenn man alles, was assoziiert wird, auf die Tafel schreibt, dann braucht man sehr lange, um alles wieder „umzuschreiben“. Das Problem hat man mit Plankarten, die auch von den Schülern selber umgehängt werden können, nicht.

Ansonsten bietet sich hier natürlich in besonderem Maße digitales Arbeiten an. Was man aber immer im Kopf haben sollte, ist: Technik ist toll, sofern sie funktioniert. Man sollte also immer einen Plan B parat haben (Ich würde soweit gehen zu sagen, dass einem in der Lehrprobe fast nichts bessere passieren kann, als dass etwas nicht funktioniert und man unter Beweis stellen kann, dass man auf alles vorbereitet ist).

Handlungsorientierte Einstiege

Das, was ich hier, handlungsorientiert nenne, ist es nur im weitesten Sinne. Normalerweise ist die Handlungs- und Prozessorientierung auf schülerorientierte Erarbeitungsphasen anwendbar; es geht, wie die Namen schon sagen, weniger um das Produkt, sondern darum, dass der Lernprozess selbst eine wichtige Rolle spielt, also das Handeln der Schülerinnen und Schüler.

In Bezug auf Einstiege meint dies eher eine hohe Schüleraktivierung.

Also beispielsweise das Vier-Ecken-Spiel, bei dem verschiedene Positionen zu einem Thema räumlich gezeigt und in Kleingruppen diskutiert werden, die Evaluationsskulptur, bei der sich die Klasse in einer Reihe anordnet, die beispielsweise eine Skala zwischen gut und schlecht (oder allem, was einem einfällt) repräsentiert eine Aufteilung zwischen zwei Polen.

All diese Einstiege bieten erstens die Möglichkeit, dass die Schülerinnen und Schüler sich bewegen (was nicht zu unterschätzen ist, da sie in vielen Fächern sitzen, und das den ganzen Tag) und dass sich so Gruppen zusammenfügen, die aus unterschiedlichen Gründen dort, wo sie stehen, positioniert sind.

 

Theatrale Einstiege

Noch weiter als handlungsorientierte Einstiege gehen theatrale Einstiege, bei denen etwas vorgestellt wird, szenisch interpretiert wird oder ein Text vorgetragen wird. Ähnlich wie zuvor beim Punkt „Sortieren“ sind diese Formen jedoch eher als Ausgang einer Erarbeitungsphase denn als Einstieg zu empfehlen, weil sie Vorleistungen beanspruchen.

Informierende Unterrichtseinstiege

Im weitesten Sinne lehrerzentrierte Unterrichtseinstiege gibt es natürlich auch immer noch und sie haben natürlich auch in bestimmten Situationen ihre Berechtigung. Man sollte jedoch sehr vorsichtig mit ihnen sein, weil man als Lehrer*in, besonders wenn man für das Fach brennt, sehr gerne spricht und die Zeit dann schnell verrinnt.

Dennoch kann man immer noch bei den „Kleinen“ eine Geschichte oder eine Anekdote erzählen oder erzählen lassen, einen kurzen Impulsvortrag halten, etwas vorzeigen oder vormachen oder eben Informationen in Form von Bildern, Tabellen, Statistiken auflegen (oder mit PC, iPad oder sonstigem Gerät zur Verfügung stellen).

Auch hier sind zwei Dinge wichtig: Zum einen ist es ein sehr großer Unterschied, ob etwas Gegenstand der Erarbeitung oder Einstieg ist. Ein Bild als Impuls kann natürlich nicht als „besprochen“ gelten. Es regt an. Genau so ist es bei Statistiken und dergleichen. Man kann also theoretisch mit einem Bild erst einen Einstieg, dann eine Erarbeitung und dann eine Problematisierung machen. Wie schon oft gesagt: Funktional muss es sein.

 

Sonderfälle

Es gibt natürlich auch bei den Einstiegen immer Sonderfälle, die sich schwer einordnen lassen; dazu zwei Anekdoten.

Nachdem ich mich in meinem ersten Jahr in ein Thema eingelesen hatte und mit der Klasse ein sehr gutes Verhältnis hatte, ließ ich sie an einem Morgen aufstehen und setzen, ohne zu sagen, warum. Die meisten machten es, aber langsam regte sich Widerstand. Irgendwann sagten ein paar, sie würden das nicht mehr machten. Ich sagte, wie sie darauf kämen, ich sei schließlich der Lehrer. Sie sagten, dass die „Aufgabe“ schlicht keinen  Sinn hätte.

Darauf aufbauend konnte ich Kants Aussage über die Aufklärung nicht nur erarbeiten lassen, sondern die Schüler hatten direkt ein lebensnahes Beispiel parat.

Bei der anderen Klasse forderte ich die Klasse auf, ihre Geldbörsen und Handys hinzulegen. Sie kamen der Aufforderung nach. Dann sammelte ich alles ein und tat so, als wolle ich weitermachen. Nach den ersten Fragen, was das solle, sagte ich, dass alles nun meins wäre. Es regte sich Protest, der in Argumenten mündete, dass das, was ich ihnen „weggenommen“ hätte, ihr „Besitz“ sei. Und schon konnten die Menschenrechte thematisiert werden.

Gerade bei diesen Anekdoten ist es natürlich wichtig, dass man ein (sehr) gutes Verhältnis aufgebaut hat. Wenn man sich unsicher ist, dann sollte man es lassen, nicht dass man es zu einem Eklat kommen lässt.

Fragen/ Anmerkungen/ Vorschläge

Es gibt mit Sicherheit noch viel mehr Einstiege, zumal – wie oft erwähnt – jene Fälle, die sich gar nicht verallgemeinern lassen. Kennt ihr welche? Ich freue mich über Anmerkungen und Vorschläge, die ich auch gerne in den Artikel aufnehme.

Ansonsten bin ich natürlich wie immer für Kritik offen und über Feedback froh.

Ich bekomme für diesen Blog kein Geld, freue mich aber über jeden, der mich unterstützt, indem er meine Facebook-Seite liked. 🙂

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REFERENDARIAT: Ordnungssysteme für Referendare…

…und Lehrer.

Um eines gleich vorweg zu sagen: Ich bin ein Ordnungsfetischist, zumindest was mein professionelles Arbeiten angeht. Das liegt daran, dass ich es schlicht ätzend finde, zu lange nach irgendwelchen Inhalten zu suchen. Aus diesem Grund habe ich schon einige Wege ausprobiert, Ordnung zu halten. Vom komplett Digitalen bin ich wieder weg, nutze aber nun beides: Analoge Strukturen, die es mir ermöglichen, alles zu finden und schnell Ordnung zu halten und digitale Strukturen da, wo es mir sinnvoll erscheint. Da Ordnungssysteme sehr individuell sind, ist dies natürlich kein Königsweg, sondern nur eine Anregung. Nachdem eine Referendarin an meiner Schule nachfragte, wie ich vorgehe, möchte ich euch meine Antwort nicht vorenthalten.

Zur neuen Facebook-Gruppe für Referendare

 

Vorbemerkung

Obwohl ich probiert habe, meinen Unterricht und alles drum herum ausschließlich digital zu archivieren (wie man hier lesen kann), bin ich wieder davon abgerückt. Das hat vor allem Gründe in der Ausstattung. Wenn ich nicht überall und ohne Komplikationen mein iPad nutzen kann, nützt es auch nichts, wenn ich alles online archiviert habe. Zudem kommen Probleme des Datenschutzes – vor allem wenn es um amerikanische Cloudsysteme geht. Trotzdem nutze ich – natürlich – auch digitale Wege um Ordnung zu halten. Dabei sind für mich drei Dinge von Bedeutung:

Digital

Evernote für Tafelbilder

Evernote bleibt als offene App zur Archivierung bestehen. Allerdings nicht mehr für Planungen, sondern für Tafelbilder. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil ich, falls die Inhalte für Arbeiten eine Rolle spielen, sichergehen muss, dass ich auch gemacht habe, was ich vorgegeben habe. Ansonsten würde ich Fragen zu Inhalten stellen, die ich nur vorhatte, aber nicht durchgeführt hatte. Das wäre nicht fair. Eine Bemerkung am Rande: Ich lasse auch ab und zu Schüler etwas abfotografieren (das sie dann in die WhatsApp-Gruppe schicken), aber nur unter bestimmten Bedingungen und didaktischen Erwägungen. Wenn ich will, dass einen Gedankengang „nochmals durch die Hand“ geht, müssen die Schüler abschreiben.

Ordnersystem mit sprechenden Namen

Jeder hat ein bestimmtes Ordnersystem. Für mich haben sich zwei Tipps bewährt. Der erste ist, dass ich, neben den Ordnern für ein bestimmtes Schuljahr, die wichtig sind, um die Übersicht zu wahren, Ordner für Material habe, auf das ich auch überzeitlich zugreifen will. Da ich meine Übungs- und Merkblätter (wenn ich sie überhaupt nutze) selbst erstelle, mache ich mir die Mühe so nicht für ein einziges Mal.
Das andere betrifft die Namen. Ich bin dazu übergegangen sehr umständliche, sprechende Namen für die Dateien zu geben. Das hat den Grund, dass ich sie so immer schnell finde. Das ist bei Kürzeln, die netter aussehen, nicht der Fall. So wird aus einem Arbeitsblatt schnell mal eine Datei mit dem Namen AB_Leselupe_Englisch_6.Klasse. Das sieht nicht toll aus, aber ich finde es schnell. Natürlich kann man auch Tags nutzen, aber von diesem System bin ich wieder abgewichen weil es für mich mehr Arbeit machte, als dass es mir Arbeit abnahm.

Seit unsere Schule einen eigenen Cloudservice hat, kann ich von überall auf die Materialien zugreifen. Wenn ich mit anderen teilen will, dann nutze ich vor allem bei großen Dateien immer noch Google-Drive.

Fantastical

Kleine Übersicht am Rand des Programms

Früher habe ich oft Termine vergessen. Das lag gar nicht unbedingt daran, dass ich sie nicht notiert hatte, sondern dass ich nicht mehr wusste, in welchem Kalender ich sie notiert hatte, ob es nun online oder offline war. Aus diesem Grund nutze ich nur noch einen digitalen Kalender, in den ich auch einprogrammieren kann, wann etwas ist. Das geht so weit, dass ich sogar einzelne Unterrichtsstunden über das Halbjahr samt Raum dort eintrage. Hört sich viel an, erspart mir aber viel Rumlaufen. Die App Fantastical hat zumindest in der iOS-Variante den Vorteil, dass sie sehr übersichtlich ist (den genauen Kalender zeige ich hier aus Gründen des Datenschutzes nicht an).

Analog

Ich habe mir über die letzten 5 Jahre ein Drei-Wege-System erarbeitet, mit dem ich nicht nur sehr gut lebe, sondern das den Vorteil hat, dass ich so gut wie nicht mehr „aufräumen“ oder „Klar-Schiff-machen“ muss, wenn zum Beispiel die Ferien beginnen.

Das System funktioniert folgendermaßen

1. Gliederungsmappe

Alles, was ich für die nächste Woche brauche (dazu gleich noch eine Anmerkung), habe ich in der Gliederungsmappe. So kann ich schnell darauf zugreifen und es ebenso schnell herausnehmen.

2. Hängeregister

Wenn ich (vor allem mit vollem Deputat, d.h. Vollzeit) nach Hause komme, habe ich andere Sachen zu tun, als Blätter einzusortieren. Da ich allerdings, wie gesagt, auch nicht ertrage, wenn alles irgendwo rumfliegt (und ich meistens noch einige Arbeiten herumliegen habe, die ja auch schon Platz wegnehmen) habe ich ein Hängeregister, das im gleichen System wie die Gliederungsmappe angelegt ist. Von dort nach dort braucht es 1 Minute. Dann ist die Mappe wieder frei.

3. Ordner

Natürlich habe ich auch noch die guten alten Ordner. Die kommen aber erst zu ihrer Funktion, wenn ein Schuljahresabschnitt wieder vorbei ist (und zum Beispiel Ferien kommen). Das Schöne ist: Durch die Hängemappe kann ich nun theoretisch alles, was ich gesammelt habe, so wie es ist, einordnen. Auch das nimmt nicht viel Zeit in Anspruch.
Nun habe – analog zu dem Ordnersystem – auch mehrere Ordner, die nicht nach Schuljahren, sondern nach Material-/ und Methodenart angelegt sind, damit ich nicht alles, was ich sowieso schon angelegt habe, wieder ausdrucken muss, wenn ich es mal wieder brauche.

Zusatz

Die wichtigsten vier Word-Dateien

Neben diesem System, welches für mich so gut funktioniert, dass mein Schreibtisch nahezu zu jeder Zeit komplett frei ist (was mir das klare Denken leichter fallen lässt), habe ich noch drei Dokumente, die mir helfen. Zum einen sind das zwei Vorlageblätter für Arbeitsblätter. Sie sehen nett aus und ich brauche nicht stundenlang zu formatieren. Dasselbe gilt für Klausuren.
Und zuletzt erstelle ich aus zwei Gründen Wochenpläne, die ich tatsächlich ausdrucke und vorne in die Mappe lege. Zum einen hilft es mir, daran zu denken, welches Material ich für welche Stunde brauche, da ich dies nicht immer in den Kalender eintragen möchte. Zum anderen ist es gleichsam eine To-Do-Liste, die mir hilft zu sehen, wie viel ich schon vorbereitet habe, und ob ich ein Zeitfenster habe – zum Beispiel um einen Blogeintrag zu schreiben.

Dies zusammen ist ein System, welches sich über die letzten Jahre entwickelt hat und mir die Möglichkeit gibt, effizient zu arbeiten (auch wenn mit Sicherheit noch andere Systeme funktionieren).

Mein absoluter Tipp ist, dass man sich Zeit nehmen sollte, um ein System zu entwickeln, das einem „hinten raus“ wiederum viel Zeit gibt. Mit diesem System habe ich es für mich erreicht.

Dieser Blog lebt von der Unterstützung seiner Leser. Hat dir der Artikel gefallen oder geholfen? Lass mir doch ein Like da oder schreibe eine Rezension auf meiner Facebook-Seite.

Was haltet ihr davon? Habt ihr auch ein persönliches System? Welches System bevorzugt ihr?

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REFERENDARIAT: Die besten Apps für Referendare…

…und Lehrer.

Auch wenn man das Gefühl bekommen könnte, die Schulen seien (großteils) noch in der Kreidezeit stecken geblieben, fangen immer mehr Lehrkräfte an, sich mit Apps, iPads und Social Media zu befassen. Und das ist auch richtig so! Denn die Arbeitswelt nach der Schule wird nicht nur zunehmend von digitalen Technologien dominiert, sondern die alltägliche Lebenswelt von der Bestellung von Haushaltsgegenständen bis zum Konsum von Nachrichten geschieht mithilfe von oder über das Internet. Da man gar nicht früh genug anfangen kann, sich damit zu befassen, ist hier eine unvollständige Liste von X Apps, die man als Referendariat auf jeden Fall auf seinem Tablet[1] haben sollte.

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Hier gibt es einige dieser Informationen und ein bisschen mehr als Video:

 

  1. Der Alleskönnner: Evernote

 Bei all den Dokumenten in den verschiedenen Bereichen, die man als Referendar bekommt, bei all den Daten, die man sich merken muss, bei all den Terminen, die es zu berücksichtigen gilt, ist es schwer, die Übersicht zu behalten. Mit der Organisations-App Evernote wird dies nicht nur einfacher, sondern man spart sich auch eine Menge Platz in der Tasche, den man zwischen all den Materialien gut gebrauchen kann. Mithilfe von Schlagworten kann man seine Notizen organisieren, Dokumente einscannen, Notizen machen oder auch eine kleine Präsentation herstellen. Wie das geht, kann man in diesem Video sehen:

Wenn man schon ein wenig weiter ist, kann man sogar seinen Unterricht gestalten und hat so seine gesamten Stunden immer dabei. Die App gibt es kostenlos oder in der Premiumversion für Vielbenutzer für etwa 45 Euro, die sich aber lohnen, sobald man das System verinnerlicht hat.

Es gibt natürlich auch noch andere Organisations-Apps. Ausprobieren sollte man in diesem Zusammenhang One Note, eine ähnliche App, die jedoch einen klassischen, hierarchischen Aufbau von Ordnern zulässt.

 

  1. Die Notenmaschine: Teacher Tool 5

 Warum es sich lohnt, für manche Dinge technische Hilfe zu nutzen, weiß jeder, der schon einmal das „Vergnügen“ hatte, 27 Einzelnoten in Unterkategorien in eine Note zu rechnen. Gut, wenn man im Referendariat „nur“ ein paar Klassen hat, mag das noch gehen, aber dann? Abhilfe verschafft eine App, die den Benutzer in Zeiten, in denen die Kollegen verzweifelt rechnend an ihren Plätzen sitzen, eine ausgiebige Pause machen lässt. Teacher Tool rechnet nämlich nicht nur die Noten komplett zusammen, sondern lässt alles zu, das man braucht, um die Übersicht zu behalten. Man selbst und natürlich auch die Schüler haben so immer die Übersicht, wo sie gerade stehen. Des Weiteren kann man mit der kleinen App, für die 25 Euro absolut gut investiertes Geld sind, Fotos hinzufügen, den Stundenplan einordnen, Fehlzeiten markieren und vieles mehr. Für interessierte geht es hier zu einem Artikel, der sich ausschließlich damit befasst.

Übersicht über alle Klassen und Schüler

Ob und wie man die App in seinem Bundesland vor dem Hintergrund unterschiedlicher Datenschutzrichtlinien verwenden darf oder nicht (die App bietet zahlreiche Schutzvorrichtungen), muss individuell erfragt werden.

 

 

 

  1. Der Planer: Fantasical

 Wer mit iOs unterwegs ist, weiß, dass vieles schon recht gut geklärt. ist. Man kann to-do-Listen erstellen oder Termine eingeben, die man sogar mit dem Partner oder anderen Familienmitgliedern teilen kann („Mama, da ist meine Lehrprobe! Bemitleide mich!“). Noch besser ist allerdings die App Fantastical, da sie alles in einem bietet. So kann man beispielsweise einen Termin eingeben, an dem man etwas bestimmtes machen muss. Der Verfasser dieses Artikels geht so weit, dass er jede einzelne Stunde für das gesamte Halbjahr eingetragen hat und so immer weiß, in welchem Raum und in welchem Zeitraum er die jeweilige Klasse hat. Zusammen mit den anderen beiden Apps ist man so gut organisiert, dass man keine Zeit mehr damit verschwendet, Termine zu suchen oder panisch zu werden, weil man etwas vergessen hat.

 

 

  1. Der Netzwerkmacher: Twitter

 

Die bisherigen Apps richteten sich vor allem auf einen wichtigen Bereich des Referendars- und Lehrerlebens: Die Organisation. Aber nicht nur Organisation ist wichtig, sondern auch die Vernetzung. Denn während man in Facebookgruppen oftmals nur eine Dropbox findet, sind auf Twitter viele Lehrer unterwegs, die nicht nur innovative Ideen haben, sondern diese im Sinne von offen nutzbaren Materialien (#oer = Open Educational Ressources) auch teilen. Dadurch, dass alles offen ist, kann man sich sein persönliches Lernnetzwerk aufbauen und bekommt zur gleichen Zeit mit, welche aktuellen Themen gerade eine Rollen spielen. Man sollte nicht unterschätzen, welche Motivation hinter Themen steckt, mit denen die Schüler selbst etwas anfangen können.

Twitter erklärt sich eigentlich von selbst, aber wer will, kann mich auch einfach fragen: Natürlich über meinen Twitter-Account.

 

  1. WordPress

 Eigentlich sollte jeder, der mit Schule und Schülern zu tun hat, selbst schreiben. Da das aber natürlich nicht von jedem die Sache ist, sollte man zumindest lesen, was andere so tun. Eine wunderbare Übersicht bietet dafür die App WordPress. Hier kann man sich einen „Reader“ zusammenstellen, in dem beispielsweise Blogs zum Referendariat oder zum eigenen Fach gelistet werden. Oftmals verstecken sich diese Blogs, die zahlreiche tolle Materialien, Tipps oder Unterrichtsvorschläge anbieten nämlich so weit in den Untiefen des Netzes, dass man mit einiger Berechtigung vom Darknet sprechen könnte. Scherz beiseite! Mithilfe von WordPress kann man nicht nur geniale Tipps lesen, sondern beispielsweise auch Schülerprojekte machen, die garantiert mehr Spaß machen als eine Seite zu schreiben, die dann nur der Lehrer liest.

Was dabei entstehen kann, kann man beispielsweise hier lesen.

 

  1. Kleinigkeiten: Wikilinks, StopMotion, PicsArt

 

Kleinere Apps, die man auf jeden Fall in der Schule ausprobieren sollte, sind die oberen drei.

Wikilinks ist eine App, die Wikipedia-Artikel in eine außergewöhnliche Form bringt. So werden die Artikel zu Zentren, in deren Peripherie jeweils diejenigen Artikel sind, die von der Mitte aus verlinkt werden. Besser kann man die Zusammenhänge von Wissen nicht erklären. So bietet die App sowohl für Referendare selbst als auch für die Arbeit in der Schule eine sehr gute Alternative zu der herkömmlichen Wikipedia-App, die natürlich auch auf jedem Tablet sein sollte.

 

StopMotion ist eine sehr nett gemacht App, mit der man kleine Filmchen drehen kann. Sie bietet sich als kreative Maßnahme an, wenn man eigene kleine Geschichtchen auf eine etwas andere Art darstellen will.

PicsArt ist eine Foto-App mit deren Hilfe sich zahlreiche künstlerische Veränderungen herstellen lassen. Auch hier bieten sich zahlreiche Fächer an. Immer gut ist (wenn man als Referendar nicht mehr unter Druck steht), die Schüler selbst nach Verwendungshinweisen zu fragen.

Beiträge von Nutzern

Ich liebe Genius Scanner, ursprünglich für iOS entwickelt und mittlerweile auch für Android verfügbar, wird damit dein Smartphone sehr einfach zum Scanner.
Die App erfasst automatisch sinnvoll Bilder / Textfelder (z.B. Wenn es einen Rahmen hat) oder Seiten. Man kann einzeln oder in Serie scannen.

Anschließend als einzelne JPGs oder als pdf-dokument direkt versenden. Zahlt man die 7.99€ (mir war es die App sodass von wert, ich habe im Referendariat damit sehr viel gearbeitet), kann man direkt in die Dropbox oder zu GoogleDrive hochladen.

Es gibt aber auch noch paar mehr Funktionen… (Sebastian)

Für das Lernen und bereitstellen vom Vokabellisten oder Fachbegriffen bzw. Wissen empfehle ich Quizlet. (MrsA).

Worksheet-Crafter für die Grundschule zum Erstellen von Arbeitsblättern-absolut toll! (Chri Hel)

Habe ich etwas vergessen?

Der App-Markt ist natürlich riesig und es gibt zahlreiche weitere Apps, die sich im Unterricht verwenden lassen. Kennt ihr einige, die auf jeden Fall noch in die Liste müssten? Schreibt einfach einen Kommentar. Wenn sich die jeweilige App besonders gut anhört, werde ich den Vorschlag (wenn gewünscht mit Namensnennung) in die Liste aufnehmen. Immer daran denken: Die gemeinsame Arbeit – das Netzwerk – schafft mehr, als man alleine je könnte.

Neues Video: iPad Pro für Lehrer und Referendare

[1] Da der Verfasser selbst aus diversen Gründen Apple-Produkte verwendet, handelt es sich bei den App-Vorschlägen um jene, die über den App-Store bereitgestellt werden. Ob sie auch auf Android-Geräten zur Verfügung stehen, muss nachgeprüft werden. Über diesbezügliche Kommentare freut sich der Verfasser.

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REFERENDARIAT: No-Gos in der Lehrprobe

Nachdem mittlerweile einige Texte zu Dauerbrennern bei Referendaren geworden sind – so der Text über die Sachanalyse oder zur Vorbereitung einer Unterrichtsstunde – habe ich in letzter Zeit weniger über Referendarsthemen geschrieben. Nach einer kurzen Diskussion in der Facebook-Gruppe, dachte ich, dass das in der Überschrift etwas drastisch formulierte Thema vielleicht den einen oder anderen interessieren kann. Unter den jeweiligen No Gos finden sich Tipps, wie man den jeweiligen Fehler vermeidet oder sich präventiv vor ihm schützt.

Zur neuen Facebook-Gruppe für Referendare

Am Ender des Artikels steht eine Anmerkung zu meiner Person und den hier gelieferten Informationen. Der Junglehrer @mufflkuchen steuert die genialen Comics zu den Themen bei, die man sich bei Bedarf herunterladen kann.  

  1. Überfrachtung

 

 

 

 

 

Neben der unrealistischen Vorbereitung ist die thematische oder inhaltliche Überfrachtung ein No-Go in einer Lehrprobe. Der zu prüfende Referendar will natürlich zeigen, was er oder sie kann, stellt sich jedoch so selbst eine Falle. Jeder, der schon ein paar Unterrichtsstunden gemacht hat, weiß, wie viele Variablen so eine Stunde hat. Diese werden schier unbeherrschbar, wenn man sich durch eine zu große inhaltliche Variation das Leben schwermacht. Die Fachleiter wissen aufgrund von zahlreichen Besuchen und Lehrproben, dass man das gesamte Schuljahr nicht in eine Stunde kriegt. Die Regel lautet: Lieber ein klar definiertes Ziel tiefgehend, präzise und mit klarer Struktur behandeln, als zu versuchen, alles auf einmal zu machen.

Tipp: Eine gute Vorbereitung des Inhalts und die genaue Sezierung der Kompetenzen mithilfe einer guten Sachanalyse ist alles! Je klarer für einen selbst ist, was genau der Gegenstand ist, den man in der Stunde aufbereitet und mit den Schüler/Innen erarbeitet, desto mehr Zeit hat man für die wichtigeren Dinge.

 

  1. Zu enge Zeittaktung

Der Wunsch danach, alles, aber auch wirklich alles unter Kontrolle zu haben, ist absolut nachvollziehbar, aber utopisch. Denn der Reiz von Schule ist, dass alles passieren kann (jeder weiß, wie unterschiedlich ein und dieselbe Klasse ist, wenn sie ausgeschlafen ist, eine Mathearbeit geschrieben hat, oder freitags in einer Randstunde unterrichtet wird). Aus dem Wunsch nach Kontrolle erwächst schnell das Verlangen, jede Sekunde genau zu takten. Aber das ist nicht nur gefährlich, sondern bringt einen auch in Drucksituationen. Und da man sowieso schon Druck hat, ist das nicht besonders förderlich, zumal man ja meist noch relativ anspruchsvolle kognitive Aufgaben vor sich hat, die man beispielsweise an der Tafel visualisiert. Ein Nährboden für Fehler.

Tipp: Auch wenn es sich einfacher anhört, als es ist: Die Ruhe bewahren und realistische Zeiten einplanen, ist alles. Die Erfahrung zeigt, dass man eher zu wenig als zu viel Zeit einplant. Ich würde so weit gehen und sagen, dass eine Zeitangabe unter 5 Minuten unrealistisch ist. Eine gute Planung lässt genügend Zeit für die Erarbeitung und das Sicherungsgespräch oder die Präsentation. Auch hier gilt: Da man sowieso nicht alles „beherrschen“ kann, sollte man seine Energie auch nicht dafür aufgeben. Ein über mehrere Jahrzehnte erfahrener Studiendirektor meiner ersten Schule erklärte die zu enge Zeittaktung zu seinem persönlichen No-Go, weil er es hasste, dass den Schülern keine Zeit blieb, ihre Gedanken zu äußern. 

  1. Falsche Prioritäten

Oft hörte ich in meinem eigenen Referendariat die Klage, dass eine Klasse, die dieser oder jener hätte, „so schlecht“ sei, dass man unmöglich den eigenen Plan in der Lehrprobe umsetzen könne. Bei mir war es andersherum. Als ich hörte, dass ich in einer schwachen Kursstufe Lehrprobe haben würde, freute ich mich. Denn gut die Hälfte der Zeit war damit schon mit Vorentlastung und Einübung verplant. Anders gesagt: Die Klasse kommt zuerst, nicht der eigene Plan. Vor allem aber heißt die falsche Priorität, dass man sich auf seine Prüfung konzentriert. Was sich komisch anhört, ist bei näherer Betrachtung nachvollziehbar. Lehrproben sind ja vor allem deshalb so stressig, weil man anders als in anderen Prüfungen nicht konzentriert schauen und gestochen antworten kann, sondern so tun muss, als würde man nicht so tun, dass man eine Prüfung hat. Eine Lehrprobe wird aber nur dann richtig gut, wenn man sich (neben der inhaltlichen Richtigkeit und der methodischen Vielfalt etc.) auf das konzentriert, was am wichtigsten ist: Die Kinder. Keiner wird einem einen Strick darauf drehen, dass man sich um ein Kind kümmert, das Nasenbluten hat, obwohl man gerade eine neue Phase beginnen wollte. Aber sich nicht zu kümmern und seinen Schuh durchzuziehen, ist ein absolutes No-Go.

Tipp: Schon in den Unterrichtsbesuchen lohnt es sich zu üben, die Fachleiter zu ignorieren. Natürlich kann man sie vorstellen oder sie sich vorstellen lassen – je nachdem, wie es vereinbart ist. Aber man kann es nicht genug sagen: Der Fachleiter will nicht sehen, ob man eine Ein-Mann-Show vor ihm hinlegt, sondern ob es der zu prüfenden Person gelingt, mit jungen Menschen umzugehen und ihnen ein Thema näherzubringen.

 

  1. Unrealistische Vorbereitung

Ich erinnere mich mittlerweile gerne an den Schock den ich bekam, als ein Mitreferendar mir sagte, dass er eine ein Meter große Guillotine gebaut habe – und zwar nur für den Einstieg einer Besuchsstunde! Was, so dachte ich, soll ich denn bitte bauen, damit ich dagegen ankomme? Ein Atomkraftwerk in Miniatur?

Mittlerweile ist auch bei den Fachleitern – die übrigens meistens durch ihre Tätigkeit viel weniger Stunden haben als ein Lehrer mit vollem Deputat – angekommen, dass es nicht darum geht, wer in zwei Wochen mehr basteln kann. Es geht neben der Umsetzbarkeit auch um die Angemessenheit. Das sollte man nicht falsch verstehen. Natürlich laminiert man im Referendariat ein Blatt mehr als im Job, macht eine schöne Zeichnung oder eine Powerpoint. Aber es gibt durchaus Fälle, in denen eine unrealistische Vorbereitung angeprangert wurde. Wenn man sich unsicher ist, sollte man diesbezüglich auf jeden Fall seine Fachleiter fragen.

Tipp: Das Zauberwort ist Funktionalität. Ich erkläre es an einem Beispiel: In meiner Lehrprobe in der 6. Klasse im Fach Geschichte sollten die Schülerinnen und Schüler das ägyptische Totenritual beschreiben und verstehen. Ich stellte ein Blatt her, dass an unterschiedlichen Stellen Löcher hatte, so dass die verschiedenen Gruppen zunächst nur das sahen, was sie sehen sollten. Dies ließ sich didaktisch begründen, obwohl die Herstellung eine Arbeit war, die viel Zeit in Anspruch nahm. Aber: Es war funktional begründbar. Wenn ich stundenlang damit beschäftigt bin, etwas herzustellen, dass dann nicht oder nur eine Minute zum Einsatz kommt, ist das nicht begründbar und somit ein No-Go.

 

  1. Ständige Methodenwechsel

Hier mag der eine oder die andere stutzen: Ist es nicht eher andersherum? Klar, auch einen einstündigen Lehrervortrag zu halten, ist mit Sicherheit ein No Go. Aber dies ist allzu offensichtlich. Was nicht ganz so offensichtlich ist, ist der zu häufige Methodenwechsel. Und zwar entweder dann, wenn sich nicht erschließt, warum überhaupt ein Wechsel stattfindet. Und auch dann, wenn die Wechsel zu schnell aufeinander folgen und im schlimmsten Fall gar nicht eingeübt sind. Die Folge ist dann wie im Punkt der Überfrachtung eher Chaos.

Tipp: Abspecken und Einüben. Auch hier gilt, dass man auf die Funktionalität achten muss. Warum bietet sich eine Partnerarbeit, warum eine Gruppenarbeit gerade für diese Erarbeitung an? Warum sollten die Schüler im Raum herumgehen? Aber vor allem: Hier kann man richtig üben. Mittlerweile übe ich sogar in jedem Schuljahr mindestens 15 Minuten mit den jüngeren Schülern, wie man schnell in Gruppen geht. Oft mache ich ein Wettbewerb daraus. Denn diese Minuten lohnen sich. Wenn ich nur zur Gruppenarbeit bitte, schaffen es die Schüler in unter einer Minute. Und sind noch stolz auf sich. Dies gilt natürlich auch für andere Gruppenformen. Während der Inhalt einer Stunde niemals geübt werden sollte (tut es nicht, es geht ins Auge!), sollte jede Arbeits- oder Methodenform schon einmal eingeübt worden sein, bevor die Lehrprobe startet.

 

  1. Sachliche Fehler

Ein Punkt, der mich auch betrifft, da ich beim schnellen Denken gerne mal den einen oder anderen Fehler mache (hat schon jemand einen in diesem Artikel entdeckt?). Fachleiter reagieren unterschiedlich auf sachliche oder fachliche Fehler, je nachdem, wie schwerwiegend sie sind. Aber mir wurde in meiner Funktion als Mitglied des APR-Freiburg von einer Lehrprobe in einer Sprache berichtet, in der die Note 4 mit zwei Betonungsfehlern gerechtfertigt wurde. Das ist extrem. Aber trotzdem bleibt es dabei, das vorzubereiten, was man kann, um eben nicht in diese Falle zu laufen.

Tipp: Je vorbereiteter man ist, desto mehr kann man sich auf das Wichtige konzentrieren. Deshalb ist es hier so, dass die Performanz geübt werden sollte. Nicht nur schriftlich, sondern quasi als Rollenspiel. Egal in welchem Fach. Denn oft macht man die Fehler, die man später machen würde, auch dann schon. Und in der Vorbereitung kann man sie noch angehen.

 

  1. Unpersönliches Auftreten

Die sagenumwobene Lehrerpersönlichkeit ist das, von dem alle sprechen, von dem sie sagen, dass es das Wichtigste ist, aber keiner genau weiß, wie man es nun genau definieren soll. Egal, wie man sich selbst sieht, ob man eher jugendlich oder ernst, lustig oder seriös auftritt: Die Verbindung zu den Schülerinnen und Schülern ist das A und O – auch in der Lehrprobe. Denn zum einen werden sie bei einer guten Beziehung alles dafür tun, dass man gut aus der Sache rauskommt. Und zum anderen wird jedem guten Fachleiter schnell ersichtlich, welche Beziehung man zu den Schülerinnen und Schülern unterhält. Ein „Fachidiot“, der zwar ohne Fehl und Tadel ist, aber sein Programm ohne Rücksicht auf die Schüler runterspult, kann noch so fehlerfrei sein. Eine gute Bewertung wird er aller Voraussicht nach nicht erlangen.

Tipp: Schüler merken ziemlich schnell, ob man sie ernst nimmt, sie respektiert und Interesse an ihnen hat. Diese Offenheit kann man schlecht einüben. Man sollte nur darauf achten, um wen es eigentlich geht. Wenn man Schüler ernst nimmt, mit ihnen in Kontakt tritt und weiß, was sie beschäftigt, hat man schon ganz viel dazu gewonnen.

 

  1. Uneinsichtiges Reflexionsgespräch

 

Selbst wenn die Lehrprobe nicht perfekt war, kann sie noch sehr gut werden. Und zwar dann, wenn man seine eigenen Fehler oder Unzulänglichkeiten nachvollziehbar reflektiert und Alternativen aufzeigt (aber Achtung: nicht solche Alternativen, von denen sich dann jeder fragt, warum man nicht früher darauf gekommen ist). Sie kann aber auch schlechter werden, vor allem dann, wenn man keine Verantwortung für sein eigenes Handeln übernimmt, oder, ein absolutes No Go, die Klasse beschuldigt, für das Misslingen verantwortlich zu sein.

Tipp: Ins Referendariat zu gehen ist immer auch eine Reise ins eigene Ich, denn: Nur wer es schafft, sich als Persönlichkeit selbst genau wahrzunehmen, kann es auch schaffen, sich zu verbessern – nicht nur als Referendar, sondern auch später als Lehrer. Alle Möglichkeiten des Feedbacks sollten also ausgeschöpft werden. Und zwar nicht nur in einer vagen „Was war gut, was war schlecht?-Tour, sondern möglichst genau. Sucht euch die Kollegen, von denen ihr ein gutes Feedback erhaltet und vor allem: Fragt eure Schüler! Sie sind wahre Experten auf dem Gebiet.

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Hier das neueste Video mit dem Thema „Referendariat“:

 

Anmerkung: Ich bin Gymnasiallehrer für die Fächer Englisch, Deutsch und Geschichte am Windeck-Gymnasium in Bühl. Dieser Blog besteht seit 2012 und verzeichnet jeden Monat etwa 10.000-20.000 Aufrufe. Obwohl ich sowohl in Online- als auch in Offline-Publikationen zum Thema digitale Medien und Referendariat publiziert habe, sollte bei Unklarheiten der Fachleiter kontaktiert werden. Obwohl auch zertifizierte Fachleiter und Mentoren positive Rückmeldungen zu dieser Seite und den Artikeln gaben, sind die Informationen ohne Gewähr.

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REFERENDARIAT: 10 Schritte, sich als ReferendarIn unbeliebt zu machen

Als ReferendarIn ist man am unteren Ende der Nahrungskette und bleibt es auch, bis sich die Tore der Institution auftun und einem den Weg in die unendliche Glückseligkeit des Lehrerseins bahnen. Bis dahin muss man buckeln, betteln und beten. Aber das muss nicht sein. Denn schon die Pädagogen des 19. Jahrhunderts wussten: Ist der Ruf erst ruiniert, lehrt es sich ganz ungeniert. Gut zu sein ist ganz nett, aber sich unbeliebt zu machen, ist die Königsdisziplin. Hier 10 Schritte, die funktionieren sollten. 

 

 

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1. Immer zu spät kommen 

Was bei jeder Berliner In-Party gilt, ist natürlich auch bei Referendaren zu beherzigen: Wer der Wichtigste ist, kommt als letztes. Gut, so richtig der Wichtigste ist man noch nicht, aber das ist ja das Ziel. Von daher: Ob Unterricht oder Konferenz, gute 15 Minuten sollten immer drin sein. Während dieser Zeit sollte man jedoch nichts Produktives machen, sondern auf dem Gang herumgehen und sich über jene lustig machen, die pünktlich kommen.

2. Alles besser wissen 

Man lebt am besten nach dem Credo, das auch alle nicht am Schulleben Beteiligten immer wieder wiederholen: Je weniger Ahnung man hat, desto mehr sollte man sagen. Und da ja jeder schon einmal Schüler war, weiß er auch, was ein guter Lehrer macht. Das sollte man also immer und zu jeder Zeit ausstrahlen und auch mitteilen. Fürs Erste kommt es sehr gut an, sich bei einer Gesamtlehrerkonferenz zu melden und ganz am Ende, wenn die Stimmung auf dem Siedepunkt ist, „mal ganz grundsätzlich über das hier vorherrschende Bild des Unterrichts“ zu reden.

3. Den Chefsessel anstreben 

Um sich unbeliebt zu machen, sollte man allen zu verstehen geben, dass man auch als Referendar eigentlich über allen anderen steht. Am besten geht das, indem man möglichst wenig Respekt zeigt. Falls also jemand fragt, wo man sich in 10 Jahren sieht, ist ein „Das geht dich gar nichts an! Außerdem sitzt du auf meinem Stuhl!“ die Antwort erster Wahl.

4. Fachleiter nicht ernst nehmen 

Die Fachleiter wollen sich doch eh nur wichtig machen. Deshalb sollte man sie nicht ernst nehmen, indem man sie bei jeder Gelegenheit nachäfft und sich wie ein Schüler verhält. Besonders unbeliebt macht man sich bei Pädagogik-Fachleitern, indem man in kurzen keinen Spitzen nicht nur hinterfragt, ob man „dieses Herumgehüpfe“ überhaupt braucht, sondern generell immer wieder fragt, was das denn nun „mit den richtigen Fächern“ zu tun habe.

5. Die anderen Referendare stressen

Es reicht natürlich nicht, sich nur bei den anderen Lehrern und den Fachleitern unbeliebt zu machen: Derjenige, der den wahren Abgrund anstrebt, macht sich auch bei seinen Kollegen unbeliebt. Gut, der beste Weg ist natürlich, es mit seiner Vorbereitung so maßlos zu übertreiben, dass keiner mehr machen kann und dann so zu tun, als habe man nur 10 Minuten gebraucht. Das läuft aber dem nächsten Punkt zuwider. Deshalb ist es angebracht, in jedem Kurs, in dem man sitzt, dieselbe Frage immer und immer wieder zu stellen. Am besten bietet sich die Frage nach der Lehrprobe an. Gut sind immer auch Fragen, die sich nicht beantworten lassen, also zum Beispiel: „Wird es schwer werden?“ oder „Was ist denn, wenn die Schüler schlecht drauf sind.“

6. Schüler mies behandeln 

Wo wir schon bei Schülern sind: Die Schüler mies zu behandeln ist besonders wichtig, um sich unbeliebt zu machen. Das geht zwar relativ einfach, erfordert aber auch hartnäckiges Handeln. Am besten ist zunächst, sie nicht zu Wort kommen zu lassen. Also: Die ersten Stunden eignen sich in besonderem Maße, um einen unaufhörlichen Lehrervortrag in monoton-gelangweiltem Ton in die Klasse zu posaunen. Dies sollte aber möglichst nichts mit dem Inhalt zu tun haben. Man sagt der Klasse, dass früher alles besser war, nein, dass man selber als Schüler ja schon viel mehr konnte und überhaupt, „die heutige Jugend“ ja nur noch mit Smartphones unterwegs sei und sich von den Helikoptereltern bis in die Uni den Hintern nachtragen lasse. Man sollte alles, was mit Metaplankarten und dem ganzen Zeug zu tun hat, getrost in die Tonne kloppen.

 

7. Elternfragen ignorieren

Ein sehr guter Weg, sich unbeliebt zu machen, ist den Eltern auf jede Frage mit folgender Reaktion zu begegnen:

8. Schlafen 

Schlafen ist wichtig und richtig und sendet immer das Signal aus: Mein Körper und mein Wohlergehen ist mir so wichtig, dass alles andere warten kann. Also warum nicht einfach mal dort, wo man gerade ist, ein Schläfchen machen. Am besten, wenn der eigene Unterricht schon begonnen hat. Um sich unbeliebt zu machen, ist das ein sehr gutes Mittel (siehe Symbolbilder oben).

9. Ignorant sein 

Wenn man die bisherigen Punkte berücksichtigt hat, dann ist man schon auf einem sehr guten Weg, sich sehr unbeliebt zu machen. Allerdings wird es auch Konsequenzen haben, was in der Institution Schule natürlich auf jeder Ebene in einem ernsten Gespräch münden wird. In diesen Gesprächen ist es wichtig, die Schuld nie bei sich selbst, sondern immer bei anderen zu suchen. Einfach den Satz einüben: „Ich sehe das nicht ein!“ Als politisch begabter Mensch weiß jeder, dass es gerade sowieso dem Zeitgeist entspricht, die Fehler bei anderen zu suchen. In diesem Sinne ist falsches Handeln nur alternatives richtiges Handeln.

10. Umfeld belästigen 

Mit diesen Schritten hat man es auch schon fast geschafft, sich komplett unbeliebt zu machen. Da aber Freunde und Bekannten sowie Familie und Partner (sofern man diese in dieser Zeit überhaupt noch zu Gesicht bekommt) davon ausgehen, dass man eigentlich sehr viel zu tun hat, sollte man ihnen auch den Gefallen tun, dies immer, ständig und ununterbrochen zu erklären. Alles, was sonst im Leben wichtig ist, sollte hintenangestellt werden. Am besten ist, man sagt das den Betroffenen auch: „Was weißt du schon. Ich bin im Referendariat, dagegen ist selbst Krieg ein Bällebad beim Kindergeburtstag.“

Wenn man all diese Ratschläge annimmt, hat man es mit großer Wahrscheinlichkeit geschafft: Man ist der unbeliebteste Referendar in der Welt! Welch eine Leistung!

Anmerkung des Autors: Alle hier angegeben Punkte sind – nun ja – ihr wisst schon.

Aktuell: Ich brauche eure Hilfe. Welche Facebook-Seite hat euch auf diesen Artikel aufmerksam gemacht? Über einen Kommentar freue ich mich sehr. Danke für eure Unterstützung.

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