SERIE: Wie Technologie unseren Geist manipuliert (I)

Vorbemerkung

Dieser bzw. diese Artikel sind zweifach eine Neuerung. Zum einen ist der Großsteil des Artikels eine Übersetzung eines, wie ich finde, herausragenden (!) Artikels eines amerikanischen Tech-Arbeiters und Denkers, der dringend sowohl in den Diskurs über digitale Bildung als auch an eine breitere deutsche Öffentlichkeit kommen sollte (insofern dieser Blog das leisten kann).

Zum anderen schreibe ich seit nunmehr zwei Wochen an der Übersetzung, feile an einigen Stellen und redigiere. Leider dauert es doch erheblich länger, als ich angenommen hatte. Meine Krankheit tut ihr übriges dazu. Aus diesem Grund werde ich nun aus dem Artikel eine Serie machen. Dies kann, wie ich denke, zwei Folgen haben:

Entweder seid ihr/ sind Sie so angefixt, wie ich es war und freuen sich auf die nächste Woche, wenn ein weiterer Teil publiziert wird. Oder Sie sind/ ihr seid so angefixt, dass Sie den Originalartikel lesen, insofern Ihr Englisch dies zulässt. Beides fände ich fantastisch. Ich hoffe, dass der Artikel einen Denkanstoß beim Leser bewirken wird, wie er es bei mir getan hat.

In einem gerade erschienenen Artikel, in dem ein Forscher über den Boykott von Social Media aufruft, wird der Kern des hier besprochenen thematisiert:

Anlass für den Appell sind die selbstkritischen Bemerkungen des ehemaligen Facebook-Präsidenten und Erfinders der Musik-Tauschbörse Napster, Sean Parker. Der Milliardär hatte kürzlich auf einer Veranstaltung der US-Nachrichtenwebseite Axios in Philadelphia erklärt, am Anfang aller sozialen Netzwerke habe die Frage gestanden, wie man möglichst viel Zeit der Nutzer beanspruchen könne und dabei ihre bestmögliche Aufmerksamkeit bekomme. Die User sollten zum Opfer einer sozialen „Wertschätzungsschleife“ werden und in einen Kreislauf der sozialen Bestätigung geraten, aus dem es kaum ein Entrinnen gebe.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Mir als Blogger und Übersetzer des Artikels geht es nicht um Boykott, sondern um Erkenntnis in Bezug auf die Nutzung. In Zeiten des ständigen Nutzens von Technologien sollte uns allen klar sein, dass und wie Technologie angelegt ist.

Original-Einleitung

Ich habe in der letzten Nachlese schon darüber geschrieben, welch großer Fan ich vom Podcast von Sam Harris bin. Dieser hatte in Folge #78 Tristan Harris zu Gast (Namensgleichheit zufällig), der im Podcast-Teaser mit den Worten zitiert wird, „am nächsten an dem zu sein, was man das Gewissen Silicon Valleys“ nennen kann.

Tristan Harris, Picture taken from: http://www.tristanharris.com

Tristan Harris‘ Arbeit bei den größten Tech-Unternehmen als ethischen Berater für Kommunikationshandlungen basiert auf Technologie (eigene Übersetzung) wurde in zahlreichen Medien besprochen. Unter anderem in The Atlantic, ReCode, TED, the Economist, Wired, the New York Times, Der Spiegel, und das New York Review of Books. 

Er redet über (Kommunikations-)Design von Technologie und wie sich unser Geist daran ausrichtet bzw. manipuliert wird, ohne es zu merken. Da ich denke, dass den dazugehörigen Artikel mehr Menschen lesen sollten, die vielleicht des Englischen nicht so mächtig sind, als dass sie den Artikel ohne große Anstrengung lesen, möchte ich im Folgenden etwas tun, das ich bisher auf dem Podcast neu ist: Eine Übersetzung anbieten. Dies tue ich vor allem aus dem Grund, dass ich denke, dass der Text zahlreiche wichtige Fragen aufwirft, die auch in der zeitgemäßen digitalen Bildung beachtet werden sollten. Falls ich das eine oder andere nur vage übersetze, bitte ich dies zu entschuldigen. Meine professionellen Übersetzungen sind mindestens 10 Jahre her. Dennoch versuche ich, so nah wie möglich am Text zu bleiben. Der kollegiale amerikanische Sound sollte so erhalten geblieben sein.

Wie Technologie unseren Geist manipuliert.

Original von Tristan Harris. Aus dem Englischen von Bob Blume

Es ist einfacher Leute zu manipulieren als ihnen klarzumachen, dass sie manipuliert wurden.

-Unbekannt

Ich bin ein Experte was die Frage betrifft, wie Technologie unsere psychologische Verwundbarkeit ausnutzt und uns so manipuliert. Aus diesem Grund habe ich die letzten drei Jahre bei Google als Design-Ethiker gearbeitet und mich darum gekümmert, Dinge so zu designen, dass sie den Geist von 1 Milliarden Leute dagegen schützt, gekapert zu werden.

Wenn wir Technologie benutzen, fokussieren wir uns oftmals optimistisch auf all die Dinge, die sie für uns leistet. Ich kann allerdings zeigen, wo sie genau das Gegenteil tut.

Wo nutzt Technologie die Schwächen unseres Geistes aus?

Ich habe auf diese Weise zu denken gelernt, als ich ein Magier war. Magier achten zunächst darauf, wo es blinde Flecken, Schwächen und Unzulänglichkeit in der menschlichen Wahrnehmung gibt, sodass sie die Menschen beeinflussen könne, etwas zu tun, ohne dass sie es überhaupt wahrnehmen. Wenn man einmal weiß, auf welche Knöpfe man bei Menschen drücken muss, kann man auf ihnen spielen, wie auf einem Klavier.

Und das ist exakt was Produktdesigner unserem Geist antun. Sie spielen auf euren psychischen Schwächen, bewusst und unbewusst, um eure Aufmerksamkeit zu erlangen. Auch gegen euren Willen. Man könnte sagen, sie entführen bzw. kapern euren Geist – und damit euch. Ich will euch zeigen, wie sie das tun.

1.Entführung: Wer das Menü kontrolliert, kontrolliert die Entscheidungen

Die westliche Kultur ist auf den Idealen individueller Entscheidungen und Freiheit aufgebaut. Millionen von uns schützen unsere Rechte, freie Entscheidungen zu treffen, während wir ignorieren, wie diese Entscheidungen manipuliert werden. Zum Beispiel durch Menüs, die wir selbst gar nicht wollten.

Egal, welche Tür man nimmt. Man nimmt eine Tür.

Das ist genau das, was Magier tun. Sie geben den Leuten die Illusion, dass sie die freie Entscheidung hätten, während sie die Architektur des Menüs so aufbauen, dass sie gewinnen, egal für was du dich entscheidest. Ich kann gar nicht stark genug betonen, wie erkenntnisreich diese Einsicht ist.

Wenn man Leuten ein Menü mit verschiedenen Entscheidungen gibt, fragen Sie normalerweise nicht:

  • Was ist nicht auf dem Menü?
  • Warum werden mir diese Option angeboten, andere aber nicht?
  • Kenne ich die Ziele des Anbieters?
  • Unterstützt mich das Menü bei meinem eigentlichen Wunsch? (Zum Beispiel bei einem Überangebot an Zahnpasta)

 

Überleg dir, zum Beispiel, dass du mit ein paar Freunden an einem Dienstagabend weg bist und ihr wollt das Gespräch aufrechterhalten. Du öffnest Yelp, um nach verschiedenen Empfehlungen zu schauen und eine Liste von Kneipen zu sehen. Die Gruppe wird zu einem Bündel an Gesichtern, das auf das Telefon schaut und Kneipen vergleicht. Sie analysiert die Fotos von allen, vergleicht Cocktails.

Ist dieses Menü immer noch relevant für den eigentlichen Wunsch der Gruppe?

Es geht nicht darum, dass verschiedene Kneipen nicht eine gute Entscheidung sein könnten, es geht darum, dass Yelp die eigentliche Frage der Gruppe, nämlich: „Wo können wir hin, um weiter zu reden?“ mit einer anderen Frage ersetzt hat, nämlich: „In welcher Kneipe sehen die Fotos von Cocktails am besten aus. Und das alles, indem das Menü designt wurde.

Das Restaurant mit den besten Sitzgelegenheiten. Aber war das die Frage?

 

Des Weiteren verfällt die Gruppe der Illusion, dass das Menü von Yelp das komplette Angebot an Möglichkeiten repräsentiert, die man wahrnehmen kann. Während sie auf ihre Telefonische schauen, sehen sie den Park auf der anderen Seite der Straße nicht, wo gerade eine Band Live-Musik spielt. Sie verpassen den Stand mit Crêpes und Kaffee. Diese Angebote waren einfach nicht auf dem Menü von Yelp.

Je mehr Entscheidungen Technologie für nahezu jede Dimension unseres alltäglichen Lebens bereithält (Informationen, Events, Orte, an die man geht, Freunde, Dates, Jobs), desto mehr nehmen wir an, dass unser Telefon das nützlichste Menü bereithält, aus dem wir auswählen können. Und dass es uns zu allem am besten befähigt.

Tut es das?

Das Menü, das einen am meisten befähigt, ist unterschiedlich von dem, das am meisten Entscheidungen bereithält. Aber wenn wir uns blind den Menüs, die uns gegeben werden, hingeben, ist es einfach, den Überblick zu verlieren.

  • Wer hat Zeit, etwas mit uns zu unternehmen? wird zum Menü über die Leute, die uns aktuelle geschrieben haben (und die wir anklingeln können)
  • Was passiert gerade in der Welt? wird zum Menü über aktuelle News-Stories
  • Wer ist Single und könnte mir uns zu einem Date gehen? wird zu einem Wisch-Menü von Gesichtern auf Tinder
  • Ich muss auf diese E-Mail antworten wird ein Menü von Schlüsseln, wie man eine Antwort schreibt (anstatt dass man mit Leuten kommuniziert)

Wenn wir am Morgen aufwachen und unser Telefon umdrehen, um die Listen von Notifikationen zu sehen, rahmt das unsere Erfahrung des „Aufwachens am Morgen“ durch ein Menü von „Alle das, was ich seit gestern verpasst habe“.

Dadurch, dass Technologie die Menüs konstruiert, von denen wir wählen, kann Technologie die Art und Weise, wie wir unsere Entscheidungen wahrnehmen kapern (oder manipulieren) und sie durch andere Entscheidungen ersetzen. Aber je mehr wir darauf achten, welche Optionen uns vorgesetzt werden, desto mehr werden wir wahrnehmen, wenn gar nicht zu unseren eigentlichen Bedürfnissen passen.

Fortsetzung folgt…

 

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DIGITAL: Medienbildung für Lehrer: Ein Einstieg

Großstadt. Foto von Thomas Clemens

Während die Digitalisierung scheinbar auf Zehnmeilenstiefeln voranschreitet, sind die Unterschiede im Vorwissen um digitale Prozesse, Tools, Apps und die positiven wie negativen Konsequenzen der Nutzung von Smartphone und Co. noch frappant. In Zusammenhang mit dem Medienzentrum Mittelbaden entstand die Idee, eine Serie zu starten, bei der Lehrerinnen und Lehrer langsam an diesen schier unübersichtlichen Themenkomplex geführt werden.

Vorbemerkung

Am Anfang soll es noch nicht um die Implementierung in den Unterricht gehen, sondern zunächst darum, das Online-Verhalten der Kinder und Jugendlichen besser einordnen zu können. Wie so häufig in einer Welt, in der jeder Informationen zur Verfügung stellt und konsumieren kann, gibt es zu diesem Thema sehr viele Informationen und Ansichten. Dieser Blog-Beitrag ist nicht als Gesamtüberblick zu verstehen, sondern lediglich als zunächst grobe Übersicht, die im besten Falle einige Denkanstöße bereithält.

Er richtet sich vor allem an diejenigen mit wenig bis gar keiner medialer Vorbildung, die sich ob den fast wöchentlichen Neuerungen der medialen Welt zunehmend verloren fühlen.

Nach Gesprächen mit unterschiedlichen Klassen kann ich sagen, dass die meisten Kinder und Jugendliche keinen oder wenige Menschen haben, mit denen sie über die Probleme der digitalen Welt reden können. Dies ist ein Problem, dass gelöst werden sollte. Auch hier sei für den Raum Rund um Baden-Baden auf das Medienzentrum Mittelbaden verwiesen, mit dem ich als Referent, Autor und Social-Media-Experte zusammenarbeiten darf.

Wer auf dem Laufenden bleiben will, kann seine E-Mail-Adresse in den Verteiler eingeben oder folgende Facebook-Seite liken.

Facebook-Seite des Autors

Aufbau

Zunächst wird erklärt, was Applikationen eigentlich sind und was deren Hauptfunktion ist. Dann sollen zwei Dinge besprochen werden: Erstens, was die Kinder und Jugendlichen damit anstellen und was für Gefahren bestehen. Zweitens, und das ist besonders hervorzuheben, was die Kinder und Jugendlichen damit machen könnten, wenn sie in der Schule oder zu Hause den Umgang lernen würden.

Inhaltsübersicht

Hochleistungsrechner und Applikationen
Wertehaltungen und Vorsicht
Handeln im Internet und auf Smartphones
WhatsApp
Snapchat und Instagram
Streaming-Dienste
Umdenken: Medienkompetenz und Mediennutzung
Die Potentiale sehen
Und zum Schluss
Literatur

Weiterlesen

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NACHLESE: Econtalk mit Megan McArdle über Online-Mobs

 

Foto: Thomas Clemens

Seitdem ich begeisterter Podcast-Hörer bin, freue ich mich wieder, des Englischen mächtig zu sein. Mehr noch: Bei den Folgen des Econ-Talk oder dem Podcast Waking up with Sam Harris habe ich nach jeder Folge das Gefühl, ein kleines bisschen schlauer zu sein. An dieser Stelle soll eine kurze Nachlese der für mich interessantesten Folgen zu lesen sein, die im besten Fall alle Leser des Blogs für die Folgen interessiert oder als Impuls dient. 

 

 

Eine kurze Anmerkung

Die Folgen sind immer zwischen einer und anderthalb Stunden lang, so dass ich sie bequem im Auto hören kann.  Im weitesten Sinne sehe ich die Interviews und Gespräche der beiden Podcaster als eine Möglichkeit, innerhalb und außerhalb der Schule über die politischen Dimensionen der Medienbildung nachzudenken. Da es mir nicht möglich ist, die gesamte Diskussion wiederzugeben, werde ich auch zukünftig nur die wichtigsten Thesen oder Fragen herausarbeiten und erklären, warum ich sie für relevant halte. Ich freue mich wie immer über Anmerkungen, Anregungen und Kritik. 

Econtalk mit Megan McArdle

In der aktuellen Folge des Econtalk redet der Ökonom Russel Roberts mit der Journalistin  Megan McArdle.

Im weitesten Sinne geht es um das Mob-Verhalten des Internets und die Implikationen, die dies für das eigene (kommunikative) Handeln hat.

Als Beispiele werden die beiden großen Skandale rund um die Justine Sacco und den Google Ingenieur James Damore besprochen.

Sacco hatte einen rassisitischen Tweet abgesetzt, bevor sie nach Afrika flog. Als sie ankam, war dieser viral gegangen. Sie wurde gefeuert.

Sacco hatte in einer zunächst internen Memo die Gleichheit zwischen Mann und Frau bezüglich Technik in Frage gestellt. Auch er wurde gefeuert.

Problematik

Die Problematik, die bei diesen beiden Beispielen zeigt, ist nicht die Frage nach der Angemessenheit der Redebeiträge einzelner. Es ist die Frage nach der Veränderung der Konsequenzen im Zeitalter der Digitalisierung. Und die Frage danach, ob wir unsere eigenen moralischen und gesellschaftlichen Ansichten über gut und schlecht als so absolut setzen, dass eine Verletzung die Vernichtung der Existenz legitimiert.

Ein rassistischer Witz ist abzulehnen, darüber würden die meisten Menschen übereinstimmen. Aber legitimiert dies die Lebensgrundlage eines Menschen (also desjenigen, der ihn äußerte) zu zerstören? Dies ist keine rhetorische, sondern eine offene Frage, auf die in unterschiedlichen (Stammes-,/Identitäts-,)Gruppen anders geantwortet würde.

Dasselbe gilt für Äußerungen, die die Gleichheit zwischen Mann und Frau in Frage stellen. Reicht der kollektive Aufschrei, um jemanden aus seinem Job zu werfen, nur weil seine Ansichten aus der Sicht einer Mehrheit (?) für unangebracht gehalten werden? Muss man also diejenigen zensieren, deren Meinung für eine Mehrheit unangebracht erscheint?

Konsequenzen der Digitalisierung

Die Digitalisierung zeigt sich hier von ihrer problematischen Seite. Denn Menschen machen Fehler. In der Digitalisierung jedoch können Fehler lebensbedrohlich werden, insofern eine Äußerung nicht mehr zu entfernen ist.

Nun könnte man einwenden, dass jeder, der sich rassistisch äußert, es verdiene, seinen Job los zu kriegen.

Das Problem ist, dass die Grenzen des Unaussprechlichen immer weiter nach außen definiert werden. Die Journalistin McArdle spricht beispielsweise von einem Tweet, den sie schrieb, indem sie nach den möglichen positiven Auswirkungen der Klimaerwärmung fragte. Sie ist ohne Zweifel eine Journalistin, die den Klimawandel nicht nur anerkennt, sondern auch mit allen Mitteln versucht, ihn zu verhindern. Dennoch wagte sie es, danach zu fragen, warum niemand (beispielsweise Journalisten oder Wissenschaftler) nach der Möglichkeit einer positiven Auswirkung fragte.

Die Kommentare waren so zynisch, dass manche Kommentatoren ihre Äußerung mit der Relativierung des Holocaust verglichen.

Denkanstöße

Alleine diese kurze Zusammenfassung zeigt einige Punkte auf, die lohnend sind. Es zeigt aber auch die Schwierigkeit.

Russel selbst fordert als Konsequenz eine neue Form der Selbstreflexion. Der kommunikative Diskurs könne als wichtiger Bestandteil der Gesellschaft nur dann bestehen bleiben, wenn jeder zumindest die Möglichkeit in Betracht ziehe, falsch zu liegen. 

Wenn das mal so einfach wäre. Davon können wir alle ein Lied singen.

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ANALYSE: Totschlag in der Kommentarspalte

Zombie-Walk. Foto: Thomas Clemens

Ein junger Mann fragt in einem Forum nach einem leckeren Käse. Der letzte Kommentar beschuldigt ihn, für den Weltuntergang verantwortlich zu sein. Eine Mutter fragt nach einem Muffin-Rezept. 72 Kommentare später wird sie als Rabenmutter beschuldigt, die das Jugendamt nötig hätte. Ein Referendar macht auf die Problematik von Dropboxes aufmerksam. Er wird aufgefordert, die Gruppe zu verlassen. Eine Kurzanalyse.

Zwischen Vegetarismus und Holocaustleugnung

Wenn man sich öfters in den Kommentarspalten regionaler und überregionaler Online-Magazinen tummelt, hat man alles schon gelesen. In den letzten Jahren steigt der Grad, in dem hasserfüllte Kommentare moderiert und ihre Verfasser blockiert werden (und selbst das ist nicht für alle selbstverständlich, da sie eine Beschneidung der Meinungsfreiheit auch da sehen, wo der Holocaust geleugnet oder jemandem Gewalt angedroht wird). Dennoch ist es immer wieder erstaunlich, mit welch freudiger Wut sich die Kommentatoren bis hinein in eine sprachliche Entgrenzung treiben, von der viele dachten, sie sei mit dem Ende des Nationalsozialismus zumindest im öffentlichen Raum begraben worden.

Medienkompetenz: ex negativo

Dabei sind die Kommentatoren immer medienkompetenter. Bewaffnet mit funktionalem Rüstzeug – der richtigen Anwendung der Begriffs Whataboutism, Strohmann– und Totschlagargument – gewürzt mit Metaironie, Zynismus und Angriffslust und mit einer starken Community im Rücken, kann jeder zum kurzen Star des Kommentatorensternenhimmels werden. Die Frage danach, warum die Menschen das machen, ist schnell beantwortet: Wer würde nicht wollen, dass die eigene Aussage tausendfach goutiert, diskutiert und beglückwünscht wird. Außerhalb der Filterblase gibt das denn Extrakitzel des Verbotenen. Man ist derjenige, der „die unbequeme Wahrheit“ ausspricht.

Gelingende Kommunikation

Während es also klar ist, warum in den für alle offenen Kommentarspalten die Agressions- und Wutspirale lustvoll gen Niveaulosigkeit geballert wird, ist die Frage nach communityinternen Streitigkeiten schwieriger. Wie kommt es, dass Menschen, die ein gemeinsames Anliegen haben, sich anfeinden, obwohl es nur um einen Muffin geht. Die Frage ist:

Wie funktioniert gelingende Kommunikation?

Die naheliegenden Antworten bewegen sich wohl im Bereich ethischer Maßstäbe. Man könnte davon sprechen, ob eine Frage oder eine Antwort „vernünftig“, „gehaltvoll“ oder  „anständig“ ist. Aber nicht nur die Beispielworte sind vage, sondern auch ihre Deutung hängt stark von dem ab, was der jeweilige Anwender darunter versteht.

Bei der linguistischen Analyse von Gesprächen herrscht normalerweise die Prämisse, dass die Gesprächspartner an einem funktionierenden Verlauf interessiert sind. Aus diesem Grund nutzen Gesprächspartner, die sich im face-to-face-Gespräch befinden, sogenannte Reparaturmechanismen, um das Gesicht des Gegenübers zu wahren.

Ein Beispiel:

Person A: Die neuen iPhones werden einfach nicht mehr besser.

Person B: Ich habe mir gerade erst eins gekauft.

Person A: Qualitativ sind sie natürlich hochwertig, das hatte Apple immer drauf!

Person A ist im Gespräch von Person B in eine Lage gebracht worden, die den Gesprächsverlauf hätte schwierig werden lassen können. Anstatt nun aber auf der These der stagnierenden Technik bei iPhones zu beharren, wahrt er oder sie das Gesicht desjenigen, dessen Überzeugungen ihn zum Kauf bewogen haben.

Der Grund dafür ist auch in der lokalen Nähe zu finden. Ein Abbrechen des Gesprächs bei Beibehaltung körperlicher Nähe erzeugt Unwohlsein. Um dies zu vermeiden, sind die Gesprächspartner an einem ungestörten Verlauf interessiert.

Eine These Ernst Machs

Obwohl Ernst Mach der zu seiner Zeit – also der Jahrhundertwende –  meistgelesene Naturwissenschaftler mit Hang zum Philosophieren war, kennen wir den Namen nur noch als Bezeichnung für Überschallgeschwindigkeit oder Herrenrasierer. Der Zeitgenosse Freuds fasste die allgemeine Angst vor dem Endes des Jahrhunderts, das sich literarisch im Fin de Siècle bahnbrach, zusammen mit Hermann Bahr im „unrettbaren Ich“ zusammen. Vereinfacht gesagt ist dieser wohlklingende Mahnung die Absage an das Individuum als zu denkendes Ganzes. Das Ich ist bei Mach ein Knäuel von unterschiedlichem Wollen, Können, Müssen und Sollen.

Auch wenn wir neurobiologisch mittlerweile weiter sind, als dass wir über ein Ich-Knäuel oder Freuds Ich, Über-Ich und Es sprechen müssten, bietet sich dieses Knäuel doch als Analogie für die ausgelagerte digitale Persönlichkeit an. Die Foren sind die Orte, an denen die Existenz des Schreibenden auf einen Kulminationspunkt gebündelt werden. Im Forum „Mütter“ ist man Mutter, im Forum „Digitale Lehrer“ bin ich digitaler Lehrer und so weiter. Das bedeutet aber auch, dass diese Zuspitzung für meine Kommunikation essentiell ist. Wer mich im Forum „Coole Väter“ oder „Referendare“ angreift, der greift den Teil an, den die Teilöffentlichkeit des Forums sehen kann. Das macht den Angriff auf mein Wertesystem existentiell.

Forenvorführungen

Vereinfacht gesagt: Wenn ich mit meinem Freund streite, ist nicht nur der Wunsch da, das Gespräch trotz unterschiedlicher Auffassungen gelingen zu lassen, vorhanden, sondern auch der Gegenseitige Respekt vom dem Ich-Knäuel. Das, die gemeinsame Geschichte und der Wunsch nach Verständnis und im besten Fall nach Erkenntnis (die Reflexion der eigenen Unkenntnis voraussetzt) lassen das Gespräch gelingen.

All das ist in Foren nicht gegeben.

Ein Satz wie „Ist euch eigentlich klar…“ wird von dem einen als Impuls, für den anderen als Aufruf und für den letzten als Frontalangriff auf die Teilexistenz des Forums angesehen. Repariert muss nichts werden, die der lokale Bezug fehlt. Verständnis muss es keines geben, denn der gemeinsame Bezug fehlt.
Anstatt einer Frage, die Verständnis erreichen könnte, kommt es zur ersten Konfrontation. Der Gesprächsverlauf ist vorgezeichnet.

Eine Frage anstatt einer Antwort

Wenn das der Erklärungsversuch ist, was ist dann die Conclusio? Es gibt keine. Stattdessen eine weiterführende Frage.

Wie schaffen wir es wieder, uns dafür zu interessieren, was die anderen zu sagen haben, ohne uns dadurch angegriffen zu fühlen?

Ich bin für die zwanghafte Einführung der unpolemischen Nachfrage.

 

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DIGITAL: Alle Lehrer auf Social-Media?

Um gleich die Frage vorwegzunehmen, ob sich nun alle Pädagogen auf allen Kanälen tummeln sollten: Ja, das sollten sie! Aber nicht alle gleich. Ein Kommentar.

 

 

 

Vor ein paar Jahren erhitzte sich eine Diskussion im Lehrerzimmer, die auch in der gesamten Öffentlichkeit immer noch anhält. War es rechtlich, moralisch und politisch angemessen von Angela Merkel, die Grenzen zu öffnen. Das Gespräch erreichte seinen Zenit, als es darum ging, welche Art von Wirkung Merkel mit dem mittlerweile ikonisch gewordenen Selfie auslöste. Die These eines sehr geschätzten, aber streitbaren Kollegen war es, dass die naive Unwissenheit von Merkel bezüglich der digitalen Ausbreitung von Bild und Text für einen unkontrollierten Zustrom gesorgt habe. In einer etwas polemischen Retour schmiss ich ein paar Namen von Youtubern in den Raum und fragte ihn, ob er diese kenne (mit der klaren Absicht ihm damit zu verstehen zu geben, dass nicht nur die Regierung, sondern auch wir, die Multiplikatoren dessen, was in einer Gesellschaft für wichtig gilt, keine Ahnung haben, was gerade passiert und wie). Obwohl diese Youtuber am Tag mehr Zuschauer haben als alle deutschen Zeitungen zusammen brach der Kollege das Gespräch etwas unwirsch ab, da er meinen Vergleich für völlig hanebüchen hielt.

Eine digitale Gesellschaft

Abgesehen davon, ob man das eigene, individuelle Verständnis von gesellschaftlichen oder kulturellen Mechanismen mit jenen von Regierungsakteuren vergleichen kann, bleibt es dabei, dass wir in einer Gesellschaft leben, deren zunehmende Grad an Digitalisierung die Öffnung der Perspektiven auf das, was Kultur, Kommunikation und Gesellschaft ist, massiv einfordert.

Die deutschsprachigen – und gerade die föderal organisierten deutschen – Schulen reagieren auf diesen Wandel sehr unterschiedlich. Während es Modellschulen gibt, in denen das offene Lernen mit und über digitale Medien an der Tagesordnung ist, tun sich die meisten Schulen sogar schwer damit, Handys als Kulturzugangsgeräte im Unterricht zu erlauben. Aber langsam tut sich etwas. Während die Medienbildung schon seit einiger Zeit fester Bestandteil des Bildungsplans ist und zusehends in die schulinternen Curricula eingebettet wird, entsteht stetig mehr digitale Infrastruktur, die überhaupt erst eine tatsächliche Anwendung zulässt (es sei angemerkt, dass sich auch hier die Schulen unterscheiden, und auch die institutionelle Ausstattung nicht hilft, wenn die digitale Infrastruktur der Stadt oder der Kommune keine angemessene Verbindung zulässt).

Analoge Akteure

Während aber sowohl institutionell, politisch und auch infrastrukturell Bewegung in den digitalen Wandel kommt, tun sich die Akteure schwer. Das ist auch kein Wunder, bedeutet doch gerade der Umgang mit digitalen Medien mehr als sich vor einem Whiteboard fotografieren zu lassen. Es bedeutet konzeptuelle Arbeit, theoretische Auseinandersetzung, kurz: Das Verlassen der eigenen Komfortzone mit der Aussicht auf unbezahlte Mehrarbeit.

Dies und die neuen Herausforderungen von Inklusion, Binnendifferenzierung und Integration vor Augen, ist es nicht verwunderlich, dass viele Lehrerinnen und Lehrer Gründe suchen und finden, warum sie nicht auch noch damit anfangen, die für viele immer noch Neuen Medien in den Unterricht zu bringen (Dies gilt oftmals leider auch für junge Lehrer und Referendare).

Alle ins Netz

Genau in der Leerstelle zwischen der Forderung nach totaler Digitalisierung und der kompletten Verweigerung liegt das Potential von Social Media. In einem Interview mit dem SPIEGEL, das jüngst erschienen ist, bringt Klaus Hurrelmann, Professor of Public Health and Education an der Hertie School of Governance, die Forderung auf den Punkt. Er konstatiert einen (noch nicht empirisch belegte) großen Bedarf – gerade für ältere Lehrer*innen – was den Umgang mit dem Netz und Social Media angeht. So fordert er, dass alle Lehrer

(…) routiniert mit dem Internet umgehen können (müssen). Dann müssen sie diese Plattformen nicht selbst nutzen, aber sie müssen sie genau kennen, wissen, wie sie funktioniert, nur so kann sich ein Lehrer in die Lebens- und Lernwelt der Schüler hineinvertiefen, die so etwas täglich benutzen. Dieses Wissen muss eine Lehrkraft in ihre pädagogischen Strategien einbeziehen können. Das ist eine absolute Voraussetzung.

Gerade Hurrelmanns Forderung nach Pflichtfortbildungen wird mit Sicherheit nicht auf breite Zustimmung stoßen. Wichtiger aber ist, welche Alternativen er anbietet: Zusammenarbeit zwischen den Lehrern und vor allem Zusammenarbeit mit den Schülern, die oftmals durch den täglichen Gebrauch um einiges weiter sind als ihre Eltern.

Natürlich ist es nicht damit getan, sich bei einem Social-Media-Dienst anzumelden. Dennoch gibt es zahlreiche Vorteile, die sich sogar dann ergeben, wenn zum Beispiel auf Twitter ausschließlich lurked, also anderen bei der Nutzung über die Schulter schaut, zum Beispiel:

  • bekommt man so eine Ahnung davon, wie schnell sich Informationen verbreiten
  • bekommt mit, wie Menschen miteinander kooperieren, sich Fragen stellen und beantworten
  • was gerade in der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler eine Bedeutung hat
  • welche Innovationen gerade getestet und besprochen werden
  • wie kommuniziert wird
  • welche kompositorischen Aspekte bei der Präsentation von sich selbst und anderen eine Rolle spielen
  • wie sich Hochkultur und Populärkultur gegenseitig befruchtet, erhellt, spiegelt und hinterfragt
  • wie es sich „anfühlt“ Teil einer größeren Gemeinschaft zu sein, die Offenheit, Freiheit und Kreativität fordert

und viele, viele Punkte mehr. Dabei ist es zunächst nicht notwendig, dass man selbst aktiver Teil des Netzwerks wird, wenngleich natürlich gerade die aktive Teilnahme das ist, was das „postdigitale“ Zeitalter so spannend macht.

Zugespitzt könnte man auch sagen: Wer sich keinen Zugang zur digitalen Gesellschaft verschafft, versteht nur einen Teil der Gesellschaft. Und wer nur einen Teil der Gesellschaft versteht, sollte nicht den Kindern erklären sollen, wie sie als Ganzes funktioniert.

Herausforderungen

Ein weiteres großes Aber blinzelt aus den präzise geschnittenen Stückchen, die wir Fächer nennen. Kommunikation, Bildbeschreibung, Kultur – schön und gut, aber sind dies nicht alles Teilbereiche der Philologie? Wie soll nun ein Mathe- oder Physiklehrer von Social-Media profitieren?

Die Antwort auf diese Frage würde wohl ein Buch füllen. Dennoch, kann man unvollständig und aus dem Bauch heraus hinschmeißen:

Wie alles in der „realen“ Welt einen Ort hat, eine Zeit und eine Zusammensetzung, hat auch die digitale Erweiterung der Lebensbereiche einen Ort und eine Zeit. Ob es nun die Recherche nach Anwendungsmöglichkeiten von Matheformeln ist, die Überprüfung von geographischen Erkenntnissen via Google-Earth, das Anschauen von für die Schule viel zu gefährlichen Experimenten in Chemie auf Youtube, das Komponieren von Musik, der tatsächliche Austausch mit einem Menschen auf der anderen Seite der Welt (nicht nur Austauschschüler; wieso nicht mit einem Mathe-, Physik-, oder Biologieprofessor in den USA chatten, videochatten, twittern oder ähnliches?).

Kurz: Wenn der Wille besteht, gibt es jetzt schon unbegrenzte Möglichkeiten, wie man in seinem Fach digitale Techniken, Plattformen und Netzwerke nutzen kann.

Das jemand, der keinerlei Berührungspunkte damit hat, Respekt oder sogar Angst vor einem Sprung ins kalte Äther hat, ist klar. Die schiere Menge der Möglichkeiten, deren Last ja auch die Schülerinnen und Schüler erdrückt, kann beängstigend sein.

Aber gerade deshalb ist es wichtig, zumindest ab und zu an einem digitalen Spaziergang teilzunehmen, mal hie mal dorthin zu spähen und sich einen ersten Eindruck zu verschaffen. Wir alle haben gar keine andere Möglichkeit, wenn wir für uns beanspruchen dafür zu kämpfen, dass die Welt eine Gemeinschaft ist, die sich solidarisch verhält und sich gegenseitig unterstützt.

Es ist Zeit, einzutauchen.


Ein guter Ort um das Netz kennenzulernen ist Twitter. Wie das geht? Einfach dem Link folgen.

Hier gibt es einen Podcast, der sich mit dem Thema befasst.

 

 

 

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DIGITAL: Perfide mediale Strategien der Populisten: Der Hoax und der doppelte Hoax

Da wir uns in den Schulen nicht mit wirklicher politischer Medienbildung beschäftigen, sind die Kinder, die Jugendlichen und auch Erwachsene auf sich selbst gestellt, wenn es um eine der zentralen Kompetenzen im Internet (und auch im realen Leben) geht: Zu beurteilen, ob man einer Information trauen kann oder nicht. Da vor allem Rechte und Populisten wissen, dass sich ihre Ideen nur dann transportieren lassen, wenn die Gegenstimmen klein gehalten werden, finden sie immer neue Taktiken, wie man die Menschen verunsichert: Die nicht mehr ganz so neue Masche ist der „Hoax Hoax“.

Die Verdopplung des englischen Begriffes bezeichnet dabei eine Strategie, die nicht einfach zu durchschauen ist. Dies ist vor allem deshalb relevant, weil die meisten Menschen, deren Kompetenz im schwer überschaubaren und überlaufenden Netz, noch nicht einmal bei normalen Hoaxes checken, ob die Information zutrifft.

Der normale Hoax oder die Fake-News ist einfach gestrickt. Man behauptet schlicht etwas Falsches, nutzt eine selbst erstellte Grafik oder ein falsches Bild. Im amerikanischen Wahlkampf haben die Falschmeldungen die der seriösen sogar übertroffen. Ein nicht mehr gut zu machender Schaden für die Demokratie.

Der doppelte Hoax ist am besten durch ein konkretes Beispiel zu erklären. Nehmen wir an, dass jemand will, dass eine bestimmte Bevölkerungsgruppe schlechtgemacht wird. Anstatt nun ein Bild der bösen – nehmen wir Flüchtlinge – in einen Artikel zu stellen, schreiben wir einen positiven Artikel über den Flüchtling. Was nun wie ein Paradox klingt, ist in Wirklichkeit Teil einer perfiden Strategie.

Dieser positive Artikel wird in seiner moralischen Sichtweise so unrealistisch dargestellt, dass selbst Menschen, die nur einen Grundbegriff vom Lesen haben, diesen Fake, diese „falsche Meldung“ enttarnen.

Nun greift der zweite Teil des Hoaxes. Mit demselben Bild (das natürlich immer noch von woanders stammt) wird nun ein viel realistischerer Anti-Flüchtlings-Artikel verfasst. Dieser ist genauso einfach geschrieben und zu verstehen, aber ist auf den ersten Blick als realistischere Alternative zum ersten Artikel zu verstehen.

Nun müssen beide Artikel noch nicht einmal mit einem konkreten „Beweis“ versehen werden, sondern nur mit einer Anmerkung, die (angeblich) dem (angeblich) verständigen Leser die Beurteilung überlässt.

Auf diese Weise werden drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen:

  • Der Leser fühlt sich kompetent, ja sogar erhaben, weil er die Wahrheit „entdeckt“ hat
  • Der Leser traut den „Mainstreammedien“ nicht mehr, da er sie als Lügner enttarnt zu haben glaubt
  • Der Leser glaubt den Hoax, weil er den anderen Hoax als solchen enttarnt

Aus aktuellem Anlass ein „ganz normaler“ Hoax der AfD

 

Das zu durchschauen ist nicht nur Teil einer politischen Medienbildung, sondern eine fundamentale Kompetenz, die in jedes Lehrerzimmer, in jede Schule, in viele Gespräche gebracht werden muss. Denn ansonsten überlassen wir es den Populisten, die nicht medienkompetenten Massen so zu manipulieren, dass sie immer weiter immun werden gegen Aufklärung. Denn Aufklärung bedeutet für jemanden, der glaubte, dass er die Wahrheit kennt, dass er sich eingestehen muss, einer Lüge aufgesessen zu haben. Und das ist eine Form der Selbstverleugnung, die man nicht gerne betreibt.

Der Hoax Hoax muss als solcher bekannt werden.

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DIGITAL: Stand der Medienkompetenz: Einige Beobachtungen

Da mir vonseiten der Schulleitung in der letzten Zeit öfters die Gelegenheit gegeben wurde, Vetretungsstunden in verschiedenen Klassen zu geben und ich nicht besonders nachhaltig ansehe, diese als bloße „Spiel-“ oder „Übungsstunden“ durchzuführen, arbeitete ich mit den Schülerinnen und Schülern der Unterstufe zum Thema „Social Media“. An dieser Stelle sollen einige Beobachtungen stehen, die einem zu denken geben sollten.

Eine Anmerkung

Zunächst sollte natürlich klar sein, dass hier weder der Anschein erweckt werden soll, dass es sich bei den hier beschriebenen Beobachtungen um repräsentative Tatsachen handelt. Werden in diesem Artikel Prozenzahlen angegeben, handelt es sich immer um Schätzungen. Grob gehe ich davon aus, dass ich innerhalb der letzten paar Wochen mit etwa 120 verschiedenen Schüler*innen bei den Vetretungsstunden zum Thema „Medienkunde“ – wie ich diese Stunden taufte – arbeiten konnte.

Didaktische Überlegungen

Obwohl wir in unserer Schule einen oftmals sehr aktuellen digitalen Stundenplan zur Verfügung haben, waren die Vetretungsstunden für mich oft überraschend (was wohl daran lag, dass ich zu spät realisierte, dass sich für mich etwas änderte). Insofern war das didaktische Konzept der Stunden gradlinig. Zunächst wurden die Schüler*innen mit einigen Impulsfragen zum Thema geleitet, danach wurde systematisch vertieft und zuletzt wurden – je nach Stand der Klasse – entweder durch die Schüler*innen selbst oder mit meiner Hilfe praxisorientierte Tipps abgeleitet.

Obwohl nicht immer die absolut gleichen Fragen genutzt wurden, ging es in etwa um folgende:

  • Was bedeutet (für euch) Social Media?
  • Welche Social-Media-Kanäle kennt ihr?
  • Was kann man damit machen?
  • Warum nutzen Menschen diese Kanäle?
  • Welche Möglichkeiten gibt es?
  • Welche Gefahren gibt es?
  • Wie kann man sich verhalten?

Allgemeine Beobachtungen

Wie nicht anders zu erwarten war, ist das oberflächliche Wissen innerhalb der Klassen sehr unterschiedlich. Während es 5. Klässler gibt, die auf Instagram „fame“ sind, die Größen der Community, aber eben auch deren Tricks kennen und mit den Schlüsselwörtern der Netzwerke sicher umgehen können, gibt es auch jene, die von all dem noch nie etwas gehört haben. Das bedeutet, dass die Ausgangssituation zunächst geklärt werden musste.

Hierbei war/ ist die abstrate Frage nach einer Definition von „Social Media“ natürlich immer erst schwierig. Nachdem aber allen klar ist, dass es sich um facebookähnliche Netzwerke handelt, sprudeln die weiteren Kanäle nur so heraus. Neben jenen, die allgemein bekannt sein dürften, ist bei den unteren Klassen gerade auch Muscial.ly und deren Live-Stream-Dienst Live.ly sehr beliebt (zu den Problemen von Live-Streams habe ich in einem anderen Kontext geschrieben). Hier kann man zu Chart-Liedern (die oftmals in schneller Geschwindigkeit abgespielt werden) Playbacks singen und diese mit selbt erfundenen oder in der Community bekannten Gesten unterlegen. Wie mittlerweile auch klar sein dürfte, ist Facebook für die Jugend gestorben. In den unteren Klassen ergibt sich folgendes Bild:

  1. WhatsApp
  2. SnapChat
  3. Instagram
  4. Diverse andere Kanäle

Den Schüler*innen war zum großen Teil die Funktion der Netzwerke klar, wobei es dabei natürlich zunächst um deren oberflächlichen Nutzen handelte: Man teilt etwas den anderen mit, man kommuniziert. Auch hier waren die Vorausetzungen sehr unterschiedlich. Vor allem den regelmäßigen Nutzern von Online-Turotials (gerade in Bezug auf Spiele) und LetsPlays war durchaus klar, dass sie die Zielgruppe von personalisierter Werbung sind (wobei hier, wie bei Erwachsenen auch die Reflexion noch nicht in eine andere Handlungspraxis mündet).

Worüber sich die meisten Schüler*innen noch keine Gedanken gemacht hatten (aber durchaus in der Lage waren), waren die gesellschaftlichen Implikationen von Social Media. Wer kann wann was sehen? Warum posten Menschen? Welche Gründe gibt es? Welche Gründe gibt es, etwas nicht zu posten? (An anderer Stelle erkläre ich für Eltern, was die Kinder eigentlich zum Großteil machen).

Spezielle Beobachtungen/ Überraschendes

Am wenigstens wussten/ wissen die Kinder über die Funktionen und Techniken von Kommunikation, Datenverarbeitung und -speicherung sowie konkrete Funktionen ihrer Applikationen. Dies ist insofern spannend, als das allein das Wissen darum, dass WhatsApp Facebook gehört und das Facebook ein amerikanisches Unternehmen ist, dessen Server nicht in Deutschland stehen, bei den meisten Kindern einen sichtbaren Eindruck hinterließ.

Obwohl die eigene Datensicherheit bei vielen zumindest schon einmal Thema war (wie ich mit Freude feststellen konnte auch in und durch die Schule), war auch die richtige Erstellung von sicheren Passwörtern vielen nicht bekannt. Hier gab es zumindest eine Möglichkeit, professionelle Hilfe anzubieten.

Was sehr überraschend und zugleich alarmierend war, ist, dass von den Kindern, bei denen die Frage aufkam, etwa 90% von Fremden angeschrieben worden sind. Dabei ist anzumerken, dass hier noch keine Angabe dazu gemacht wurde, ob es sich um Kettenbriefe, Spieleaufforderungen oder tatsächliche „Anmachen“ handelte (Als ich diese Frage in der 10. Klasse stelle, gaben 100% an, schon einmal „in unangebrachter“, d.h. sexueller oder gewaltvoller Weise von einem Fremden angeschrieben worden zu sein).

Schön war, dass viele Kinder auch schon in der 5. Klasse nicht nur wissen, was blocken ist, sondern dies auch anwenden. Auch gaben viele an, mit ihren Eltern zu sprechen, wenn ihnen etwas „komisch vorkommt“.

Konsequenzen

Die hier geschilderten Beobachtungen sind sehr unvollständig und zeichnen somit nur den Teil eines Bildes. Generell lässt sich aber festhalten, dass das Wissen um die Mechanismen von Kommunikation, Technik und deren Anwendung und kultureller Dimension momentan zum großen Teil auf Zufall, d.h. Elternhaus oder dem „richtigen“ Lehrer beruht. Das ist beunruhigend insofern die Aussagen der Schüler*innen zeigen, dass Bedarf besteht (Nebenbei: So viele Fragen zu dem Thema, wie nach jenen Vertretungsstunden gestellt worden sind, konnte ich gar nicht beantworten, obwohl ich die Pause hindruch blieb. Es besteht großer Bedarf an Experten).

Dabei kristallisierten sich (für mich) verschiedene Bereiche heraus, die viel stärker in den Unterricht getragen werden sollten. Darunter

  • Kommunikation selbst und die Problematik, die sich aus verletzender Kommunikation ergibt (Nebenbei: Ich bin mir unsicher, ob Eltern wissen, welche verbalen Untiefen ein Kind zu lesen bekommt, sobald es noch so unscheinbare oder kinderfreundliche Youtube-Videos zu sehen bekommt. Man kann sich darüber beschweren, aber das ändert nichts. Nur transparenter Umgang kann und muss hier dafür sorgen, dass anonyme sprachliche Äußerungen richtig bewertet werden, auch schon in der Unterstufe).
  • Influencer, Marketing, Product Placement. Eine Schülerin sagte, dass Sie einen Dagi B.-Pullover kaufte, der schon ein paar Wochen später in ähnlicher Form im H&M zu kaufen war. Sie beschwerte sich regelrecht darüber. Dass es Influencer gibt, die zum Kaufen animieren, wissen viele. Aber wie man damit umgeht, nicht. Auch das muss in die Schule.
  • Digitale Öffentlichkeit. Schüler*innen „wissen irgendwie“, dass das, was man online (oder auch in WhatsApp-Gruppen) sagt, nicht ausschließlich privat ist. Was aber bedeutet eine Teilöffentlichkeit in der WhatsApp-Gruppe, gerade wenn es eine sehr große Gruppe ist? Das sollte thematisiert werden, übrigens nicht nur mit der Moralkeule und unter dem Begriff des Cybermobbings.
  • Fake. Und zwar alles, was mit Fake zu tun hat, sollte in die Schule. Dabei bieten sich hier Anküpfungspunkte an viele Fächer, gerade Geschichte, Politik, Kunst etc. Gerade in Gesprächen mit Schüler*innen der Unterstufe wird klar, dass die Unsicherheit, was und wem man glauben kann, immer größer wird (oder sie wird nicht thematisiert, was natürlich noch schlimmer ist).

Fazit

All jene hier angesprochenen Themen können weder in einer noch in zwei Vetretungsstunden abgehandelt werden, sondern sollten viel häufiger das Thema eines sich an der Veränderung einer digitalen und vernetzten globalen Kultur orientierten Unterrichts sein. Das hört sich schwieriger an als es ist, denn es bieten sich überall Anknüpfungspunkte, die für die Schüler*innen sehr wertvoll sein können.

Generell ist es relativ einfach: Das Netz ist allgegenwärtig, die Konfrontation auch. Die Zeiten, in denen die Schule so tun konnte, als hätte sie das Deutungsmonopol, sind sowieso vorbei. Es müssen auch und gerade unbequeme Entwicklungen thematisiert werden, um auf eine Zukunft vorzubereiten, die schon Gegenwart ist.

Ich bekomme für diesen Blog kein Geld, freue mich aber über jeden, der mich unterstützt, indem er meine Facebook-Seite liked. 🙂

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UNTERRICHT: Flipped Classroom im Deutschunterricht

Oliver Tacke – Eigenes Werk, Wikipedia.

Immer mehr Lehrerinnen und Lehrer lassen sich auf das Arbeit mit und in digitalen Medien ein. Dabei geht es nicht nur darum, mit Tablets, Computern oder Programmen zu arbeiten, sondern auch teilweise neue Methoden kommen in den Gebrauch. Eine solche Methode ist der sogenannte Flipped Classroom. Dieser soll hier nur in einigen Ansätze erklärt werden. Weitere Ausführungen kann man bei einem DER deutschen Verfechter dieses Ansatzes, Sebastian Schmidt, erfahren, der so seinen Matheunterricht durchführt. 

Was bedeutet Flipped Classroom?

Flipped Classroom, umgedrehter Unterricht oder Inverted Classroom – wie es in der englischsprachigen Literatur oft heißt – bedeutet, dass der Unterricht, wie man ihn kannte, wortwörtlich auf den Kopf gestellt wird.

Während also früher die Lehrer die meiste Zeit redeten und die Schüler entweder aufpassen oder mitschreiben (oder beides) mussten, können sie dies nun zuhause tun und stattdessen im Unterricht das tun, was man am besten mit professioneller Hilfe tut: Üben.

Was ist der Vorteil an Flipped Classroom?

Im besten Falle ist der Vorteil das, was auch schon oben beschrieben wird. Anstatt dass die Schülerinnen und Schüler beispielsweise vom Lehrer in der Stunde erklärt bekommen, wie ein Interpretationsaufsatz aufgebaut ist, können sie es sich zu Hause anschauen.

Der Lehrer (in dem Falle der Autor dieser Zeilen) kann zudem noch Medien einbauen, die (im besten Falle) das Verständnis verbessern.

Die Zeit, die „gespart“ wird, kann also genutzt werden, um selbst zu arbeiten und sich im Falle von Unverständnis an die Lehrperson zu wenden.

Kritik

Wann immer sich neue didaktische Ansätze verbreiten, sind die Kritiker nicht weit. Das ist vor allem deshalb gut, weil sich so fruchtbare Diskussionen ergeben, die Didaktik und Methodik verbessern.

Eine ernstzunehmende Kritik ist die, dass das Flipped-Classroom-Modell einen längst vergangenen didaktischen Ansatz wiederbelebt: Nämlich den, dass der Lehrer vorne steht – also jetzt im Video – und erklärt, anstatt dass die Schülerinnen und Schüler selbst Lerngegenstände erarbeiten.

Eine weitere Kritik hat mit dem Medium zu tun. In der gesprochenen Sprache wird oftmals in kurzer Zeit weniger Information übertragen, als es bei einem Text der Fall wäre. Flipped Classroom wäre so einfach eine Veränderung des Mediums, sogar mit weniger Informationen.

Eine noch nicht weiter ausgeführte Kritik ist, dass es bei vielen auch professionellen Videos erscheint, als gäbe es nur die eine Wahrheit des Vortragenden. Gerade diejenigen Pädagogen, die Schülerinnen und Schüler noch mehr Verantwortung für ihr Lernen geben wollen kritisieren so (zu Recht) eine Hierarchisierung der Inhalte.

Persönliche Konsequenzen

Lehrerinnen und Lehrer sollten sich zu jeder Zeit als Lerner sehen, Neues ausprobieren und sich damit auseinandersetzen. Dabei darf man sowohl die positiven Aspekte als auch die Kritik nicht außer Acht lassen.

In diesem Sinne erstelle ich immer dann Videos, wenn ich

a) denke, dass das, was ich zu sagen habe, noch mehr Schülerinnen und Schüler interessieren könnte als die, die im Klassenraum sitzen

b) das Gefühl habe, dass ich durch ein Medial bearbeitetes Video den „Punkt besser transportieren kann“

c) die Zeit für bestimmte Erklärungen in der Schule nicht ausreicht

d) etwas immer und immer wieder erklärt werden müsste.

Für die Punkte a) und b) konnte man in diesem Beitrag schon Videos sehen. Ein Beispiel für c) ist ein Video, in dem die scheinbar zunächst einfache Methode des Einbettens von Zitaten anhand mehrerer Beispiele und mit lautem Denken und Kommentaren versehen erklärt wird.

 

Auch hier könnte man in der Tat kritisieren, dass all dies auch in einem sehr langen Arbeitsblatt geschehen könnte. Die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler zu den Videos war aber, dass gerade der zu beobachtende Prozess, den man im Übrigen auch anhalten und sich nochmals anschauen kann, ein Zugewinn darstellen würde.

Auch für den Punkt d) habe ich persönlich sehr gute Erfahrungen gemacht. Hier sei stellvertretend auf ein Video zu den Ansprüchen an eine gute GFS verwiesen.

 

All dies müsste entweder mit einem langen Arbeitsblatt besprochen oder persönlich immer und immer wieder erklärt werden.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Bei den Erläuterungen hört es natürlich nicht auf. Ganz im Gegenteil: Sowohl was den Input als auch formale Kriterien wie bei der GFS angeht, können die Schülerinnen und Schüler selbstverständlich weiter fragen. Dann tun sie dies jedoch in einer anderen Art und Weise, da die Fragen auf bestehenden Inhalten aufbauen.

Dies bedeutet aber für mich nun nicht, dass jeder einzelne Inhalt auf YouTube muss. Ganz im Gegenteil: Wie viele andere auch können Lehrpersonen sich glücklich schätzen, dass diese Art der Herangehensweise eine weitere ist, mit der man seinen Unterricht bereichern kann.

Und jetzt?

Wer das Flipped-Classroom-Modell ausprobieren will, kann dies natürlich immer mit schon bestehenden Videos tun. Der Youtuber MrWissen2Go oder die Youtuber von The Simple Club haben zu allen möglichen Themen Videos.

Wenn man diesen Youtubern auf Twitter oder anderen Social Media Sites folgt, fällt noch etwas anderes auf: Schülerinnen und Schüler mögen diese Videos oft deshalb, weil die Sprache der Youtuber eine andere ist. Das stattet die Lernsituation mit weniger Druck aus, so dass man lieber „lernt“ als wenn man im Unterricht ist.

Für alle, die diese Art des Unterrichtens ausprobieren wollen, empfehle ich daher, den Schüler*innen ein Video als Hausaufgabe zu geben und sowohl über die Inhalte als auch über die Präsentation dieser Inhalte zu sprechen. Denn, was ich auch schon hörte, das Schauen des Videos im Klassenzimmer finden die Jugendlichen zwar oft gut, aber es konterkariert natürlich eben jenen Effekt, den man mit der Flipped-Classroom-Methode eigentlich erreichen möchte.

Viel Spaß beim Ausprobieren.

P.S. Wer noch nicht genug hat, kann sich auch eine Interpretation eines ganz anderen Machwerks anhören. Aber Vorsicht! Nicht alles ist ganz so ernst.

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DIGITAL: Echte digitale Bildung

Wenn man meine Begeisterung gegenüber dem digitalen Diskurs und der digitalen Bildung mit einem Pendel darstellen würde, sähe man es zunächst bis zum Anschlag in den positiven Bereich und dann genauso stark in die andere Richtung ausschlagen. Mittlerweile ist es eingependelt. Ich habe den Ratschlag des Freiburger Lehrers und Medienpädagogen Dejan Mihajlović ernst genommen und versuche mich nun mehr an dem, was machbar ist als an all jenen Debatten teilzunehmen, in denen über digitale Luftschlösser philosophiert wird. Mit der Medien-AG sehe ich immer wieder, was Schule alles sein kann und vor allem, was sie sein könnte.

Nachdem ich die AG von einem Kollegen übernommen habe, der sich um sie sehr verdient gemacht hat, haben wir in gemeinsamer Arbeit schon einige Neuerungen auf den Weg gebracht. Neben den Social-Media-Accounts der Schule wie dem schuleigenen Twitter-Account und dem Instagram-Account

Das #windeckgymnasium war heute wieder im Radio. Für alle, die es verpasst haben, ist der Beitrag nun zum Nachhören auf der Homepage.

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war die wohl größte Neuerung neben einer Aktualisierung der Homepage, die immer noch nicht abgeschlossen ist, der eigene Youtube-Account, den wir versuchen durch neue inhaltliche und mediale Ideen weiterzubringen.

Es wir zusammen geplant, überlegt, diskutiert. Mit anderen Worten, es werden eben jene 4K genutzt, die im Sinne eine „neuen Schule“ ein um das andere Mal erwähnt werden: Kommunikation, Kollaboration, kritisches Denken und Kreativität. Und zwar über Klassengrenzen hinaus (Schüler der 6. bis zur 12. Klasse sind in der AG). Wir planen Vorträge, Aktionen und begleiten jene Aktionen, die andere Lehrer und Schüler unserer Schule durchführen.

Dabei ist eben nicht „nur“ das Ergebnis in Form des hier zu sehenden Videos das, worauf es ankommt, sondern ein Arbeitsprozess, bei dem jeder und jede ihre eigenen Präferenzen, ihre eigenen Fähigkeiten und Interessen einbringen kann oder von den anderen beigebracht bekommt. Nicht zuletzt der Lehrer kann dabei enorm viel lernen.

Am heutigen Tage zeigte sich dieses beispielweise in der Vielfältigkeit dessen, was die immer größer werdende Gruppe anging. Während einige die neuen Windeck-News aufnahmen (deren Inhalt innerhalb der letzten Wochen schon nach und nach geplant wurde), machten sich einige Schüler mithilfe eines 3-D-Modells Gedanken darüber, welche Kameraperspektiven für die nächste Woche geplanten Aufnahmen gebraucht werden.

Eine weitere Gruppe plante an einem Film, den wir zum Schuljubiläum erstellen worden. Per Wattpad, einem kollaborativem Tool, von dem ich gar nicht wusste, dass es den Schülern bekannt ist.

Arbeit mit Wattpad

Während eine Schülerin, die sich sehr gut aufs Schreiben versteht, ganz analog Notizen zu unserem geplanten Blog über das Schulleben machte, in dem sie aus der Perspektive einer Stempelkarte den Tag der offenen Tür beschreiben will, machte ich zusammen mit einem anderen Schüler Bilder für die Links zu den Fachseiten der Homepage.

Notizen für den Blog

Ich bin mir nicht sicher, welche andere Doppelstunde so schnell vergeht, was wohl auch einer der Gründe ist, warum wir meistens länger arbeiten. Vielleicht sind es kleine Schritte, aber sie fühlen sich nach etwas an. Wir lernen zusammen auf einer Ebene, unterstützen uns und erzielen, quasi nebenbei, auch noch, wie ich finde, ziemlich gute Ergebnisse. Das ist doch mal ein Anfang.

Wenn nun auch noch die Möglichkeiten für mobiles Arbeiten besser werden, dann können wir zunehmens professioneller werden und daran arbeiten, die Schule in die Gegenwart zu führen, von der noch zu viele Leute denken, dass sie Zukunft ist. Schritt für Schritt. Ein bisschen.

 

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DIGITAL: Echte digitale Bildung

Würde man meinen eigenen Enthusiasmus für digitale Bildung als ein Pendel beschreiben, würde dieses zunächst extrem in die positive und dann in die genau entgegengesetzte Richtung ausschlagen. Das mag auch an meiner Herangehensweise liegen, die oftmals von Leidenschaft, Energie und idealistischem Denken geprägt ist. Das hat – wie man sich denken kann – sowohl vor und Nachteile. Mittlerweile nehme ich den Ratschlag von Dejan Mihajlović an und versuche mich daran zu orientieren, was machbar ist. Das mag zwar zunächst nicht viel sein, aber auch mit langsamen Schritten kommt man weiter. Weil ich gerade heute sehr enthusiastisch über das Arbeiten „meiner“ Medien-AG bin, möchte ich euch zeigen, was ich daran so schätze. 

Seitdem ich die Medien-AG von meinem sehr geschätzten Kollegen übernommen habe, der diese über mehrere Jahre sehr erfolgreich führte, gab es zahlreiche Neuerungen, die zeigen, was alles möglich ist. Neben einer Veränderung der Homepage, von der ich glaube, dass sie immer mehr Richtung einer zeitgemäßen Außendarstellung geht, konnten wir nicht nur einen Twitter-Account und einen Instagram-Account ins Leben rufen, sondern auch einen eigenen YouTube-Kanal, deren News die Medien-AG produziert und so in unterschiedlicher Art und Weise an der Außendarstellung dessen arbeitet, was die Schule ausmacht.

@mrwissen2go_ startet seinen Vortrag.

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Das Wichtigste ist dabei aber nicht nur das, was am Ende nach langer Arbeit, Diskussion, Brainstorming, Aufnahme, Schneiden, Planen und vielen weiteren Schritten herauskommt, sondern eben das, was sich die „neue Bildung“ auf die Fahnen geschrieben hat: Kreativität, Kooperation, kritisches Denken, Kollaboration – und all das mit, über und durch digitale Tools.

Und dabei müssen nicht alle „auf Linie“ das machen, was vorgegeben ist. Der heutige Tag war dafür beispielhaft.

Während einige Schülerinnen und Schüler für eine Aktion der „Schule ohne Rassismus“ mithilfe von 3-D-Modellen die Kameraeinstellungen vorbereiteten

 

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