Bob Blume
"(…) eine Axt für das gefrorene Meer in uns."

Abiturvorbereitung: Anmerkungen zum Essay

Nach einer positiven Rückmeldung zu den Lernvideos und der Agnes-Interpretation wurde ich auf Facebook von einer Abiturientin nach weiteren Themen gefragt. Für Homo Faber und Dantons Tod ist es zu spät, allerdings möchte ich an dieser Stelle einige Anmerkungen zum Essay machen. Im besten Falle, um die Entscheidungsmöglichkeiten im schriftlichen Deutschabitur zu verbessern (und sei es, weil man es nicht nimmt). Im weiteren Verlauf finden sich dann sowohl Verweise zu Beispielen als auch eine „Verbesserung“ eines Essays, den ich für jemanden gelesen und mit Anmerkungen versehen habe. 

Eine Vorbemerkung

Als Schüler*in bekommt stellt man sich mit Sicherheit schnell die Frage: Was haben meine Lehrer eigentlich gegen Essays? Denn bevor der Essay als Form eingeführt wird, wird meist schon vorher angemerkt, dass sich nur die „Guten“ damit befassen sollen und die auch nur, wenn sie wirklich sicher sind. Was ist also das Problem? Es gibt genau zwei.

  1. Auf Fortbildungen zum Essay (wie ich sie selbst besucht habe), sind die Punktevergaben zum Essay noch weiter auseinander als im Fach Deutsch sowieso schon. Das liegt daran, dass auch Lehrer unter dem Begriff „Essay“ etwas anderes verstehen. Wer an einen Text denkt, der Anklänge an wissenschaftliches Arbeiten hat, verlangt anderes als jemand, dem es eher um rhetorisches Geschick geht.
  2. Die Offenheit der Form ist in der Tat nicht für jeden etwas. Sie bedeutet nämlichen dass man zwar (scheinbare) Freiheit hat, sich aber dementsprechend nicht an einem Gerüst entlang arbeiten kann, wie es bei der Texterörterung oder der Analyse einer Textstelle der Fall ist. Mehr noch: Während man für den Werkvergleich Inhalte auswendig lernen kann (die die Textarbeit nicht ersetzen) und auch für Prosa- und Gedichtanalyse fachsprachliche Begriffe lernen und anwenden kann, gilt beim Essay nur, dass man ihn nur üben kann, indem man schreibt und liest.

Was ist ein Essay?

Um nicht die gesamte theoretische Diskussion nachzuzeichnen, seien hier nur ein paar Passagen kommentiert, die auf dem offiziellen Server des Landesbildungsservers Baden-Württemberg  genannt werden.

Der Essay wird definiert als

ein nicht zu umfangreicher, stilistisch anspruchsvoller Prosatext zu einem beliebigen Thema. Es handelt sich dabei um keine fest umrissene Textsorte, sondern vielmehr um eine Darstellungsform, die ein Thema frei, assoziativ und betont subjektiv-reflektierend erörtert. Dabei liefert der Essay oft keine neuen Fakten, sondern betrachtet Bekanntes aus einer anderen Sichtweise. Das Ziel ist hierbei nicht, den Leser von seiner Meinung zu überzeugen. Der Essay versucht vielmehr Denkanstöße zu liefern und den Leser zu Reflexionen anzuregen. Dies erreicht er, indem zumeist mehrere Lösungsmöglichkeiten und Denkansätze zu einer Problemstellung in pointierter, ironischer oder provokativer Weise erörtert werden.

Das, was hier steht, ist (aus meiner persönlichen Sicht) gleichsam richtig und falsch, denn: Obwohl man tatsächlich nicht argumentiert, überzeugt man doch. Wenn man nämlich dem Leser durch den Text eine neue Sicht auf einen Gegenstand gibt, bedeutet das ja im besten Falle eine andere Überzeugung. Dieser Punkt soll nur zeigen, dass es nicht nach dem schulischen Schema F funktioniert (also im Sinne von Argument, Begründung, Beleg – warum das übrigens auch nicht funktioniert, schreibe ich hier).

Das, was den Essay ausmacht – und das unterscheidet ihn von allen anderen Schreibformen – ist aber nicht nur eine lose, reflektierende Form, sondern der Fakt, dass die Sprache selbst Teil des Essays ist. Während man also in Interpretationen die Sprache eines anderen zerlegt, konstruiert man beim Essay selbst.

Deshalb ist der Essay

eine stilistisch anspruchsvolle Textsorte, bei der die ganze Bandbreite poetischer und rhetorischer Gestaltungsmittel zum Einsatz kommen kann. Dabei wird der Leser oft durch gezielte rhetorische Fragen direkt angesprochen; durch Metaphern, Alliterationen, Wiederholungsfiguren sowie weitere Stilmittel werden bestimmte Argumente hervorgehoben; Andeutungen, Mehrdeutigkeiten und Zitate runden eine geistreiche und pointierte Auseinandersetzung mit dem Thema ab.

Dass der Leser nicht überzeugt werden soll, wie noch oben gesagt, wird also schon in der offiziellen Definition des Stils widerlegt, der von „Argumenten“ spricht.

Charakteristika eines Essays

Ein Essay ist keine Analyse. Das bedeutet, dass man in ihm die freie Auswahl hat, welche Art von Text man schreibt, das heißt man kann

  • appellativ schreiben, also Anweisungen geben („Stellen Sie sich doch mal vor, was wäre, wenn das Geld abgeschafft würde.“
  • deskriptiv schreiben, also Szenarien ausmalen (“ Ich stehe einmal wieder mit einem dicken Kopf aus, erkennen aus meinen vertrockneten Augen kaum die Welt, die mich wieder empfängt).
  • narrativ schreiben, also eine Geschichte erzählen („Damals ging ich mit meinen Eltern in ein Geschäft und war fasziniert, von den vielen bunten Lichtern.“)
  • expositorisch schreiben, also eine Theorie entfalten („Sind wir also wieder auf dem Weg, die Aufklärung, wie sie Kant forderte, hinter uns zu lassen?“)
  • argumentativ schreiben, also begründen („Menschen sollten sich mehr fragen, wie sie zueinander sind, nicht, was sie sein wollen.“)

Es gibt noch weitere Arten. Im besten Fall ist der Essay eine Mischung aus allem.

Ein wirklicher Tipp

Das meiste, von dem, was hier zusammengefasst ist, kann man sich auch aus dem Netz holen. Kommen wir zu einem wirklichen Tipp. Das Schöne am Essay ist eben, dass er unkonventionell ist, konkret: Stellen Sie sich vor, Sie sollen über das Thema Schicksal schreiben. Natürlich können Sie verzweifeln, weil Ihnen spontan nichts einfällt und Sie in Religion und Philosophie nie genau zugehört haben (und nicht wussten, dass es mal für das Abitur relevant ist). Aber Sie spielen sehr gerne Computerspiele, die in riesigen Welten spielen.

Sie könnten also, wenn Sie es richtig anstellen, die Schicksalhaftigkeit des Menschen anhand eines Computerspiels beschreiben. Sie könnten (ich spinne herum), den Einstieg als eine Beschreibung der Welt, durch die Sie gehen beschreiben, könnten sogar auf die Tasten der Playstation-Konsole eingehen. Was ist unser X?

Genau das könnten Sie aber auch mit jedem anderen Hobby machen, bei dem Sie sich richtig gut auskennen. Wenn Sie es schaffen, das Thema mit einem Themenfeld, das Sie sehr gut kennen, zu verbinden und im besten Fall auch die äußere Struktur des Textes danach auszurichten, kann dabei etwas richtig Gutes rauskommen.

Konkrete Beispiele

Da es am besten ist, nicht nur artifizielle (also künstliche) Beispiele zu präsentieren, bin ich froh, an dieser Stelle einen ganz konkreten und, wenn man so will, auch relevanten Essay zu präsentieren. Er war in der Ausgabe 12/17 der Wochenzeitung „Der Freitag“.

 

Lesen kann man ihn hier.

Das Gespräch mit dem Chefredakteur kann man sich so vorstellen:

„Kannst du was zur Buchmesse schreiben?“

„Ich weiß gar nicht, wer da ausstellt.“

„Das macht nichts. Schreib‘ was über das Lesen. Dir wird schon was einfallen.“

Und so kam es dann auch. Will sagen: Es ging weniger um die harten Fakten, für die man recherchieren müsste, sondern eben um die Perspektive.

Um meine eigene Fähigkeit unter Beweis zu stellen (was ich als Lehrer für diese Schreibformen wichtig finde, denn kritisieren kann jeder), machte ich vor ein paar Jahren auch bei einem Wettbewerb mit. Der Essay gewann nicht, kam jedoch unter jene, die veröffentlicht wurden. Er hat das Thema digitale Bildung. Auch hier können Sie sehen, wie ich jene Strategien anwende, die ich zuvor erwähnte. Ich leite auf ein Themenfeld, in dem ich mich auskenne, und entfalte innerhalb dieses Rahmens meine Gedanken.

Lesen kann man den Essay  hier. 

Zuletzt verweise ich auf einen Essay, den ich mittlerweile für sehr konstruiert halte. Ich schrieb ihn direkt nachdem ich die Fortbildung zum Thema hinter mir hatte. Er wird von einem Deutschkollegen ab und zu in der Klasse besprochen, deshalb sei er an dieser Stelle erwähnt.

Lesen können Sie ihn hier. 

Des Weiteren können Sie natürlich auch auf diesem Blog im Inhaltsverzeichnis nach weiteren Essays suchen.

Was nun?

Um wirklich verstehen zu können, wie Essays aufgebaut sind, können Sie nun überprüfen, ob meine Essays wirklich dem entsprechen, was ich zuvor an Definition und Struktur vorgegeben habe. Ab dann heißt es selbst üben.

Einen wirklich guten Essay, den ich kommentiert und besprochen habe, können Sie außerdem hier lesen. Vielen Dank Sören Lembke für die Erlaubnis zur Veröffentlichung (Meine Passagen sind als Kommentare gekennzeichnet.)

 

Luxus – eine Frage des Geldes?

Luxus – eine Frage des Geldes?

Ich komme nach Hause und bin gerade dabei mir mein Mittagessen zu kochen. Die Spezialität des Tages heißt Reis mit Thunfisch. Damit werde ich vermutlich keinen Michelin-Stern einfahren können, aber angesichts meiner endlosen Faulheit bin ich schon stolz, dass heute keine Tiefkühl-Pizza herhalten musste. Ich gebe gerade dem Gericht mit einer Prise Salz den letzten Schliff, als auf einmal die Haustür aufspringt. Ich erschrecke mich und der komplette Löffel Salz landet im Kochtopf. Während ich mir noch überlege, ob ich die Nummer von der nächsten Dönerbude im Handy eingespeichert habe, tritt mein Vater in die Küche mit einem Lächeln im Gesicht, das über beide Ohren reicht. Normalerweise komme er doch erst um vier frage ich ihn, doch er antwortet: „Ich musste heute nur bis um 13.00 Uhr arbeiten – was für ein Luxus!“

Einerseits sehr angenehm, dass ich nun die Freude des Garens an meinen alten Mann übertragen kann, doch was ist daran Luxus, wenn man weniger arbeiten muss? Luxus sind für mich schnelle Autos, große Häuser und teure Klamotten. Mein Vater – geschweige denn ich – besitzen keinen Führerschein, leben in einer verhältnismäßig kleinen Wohnung und ich trage oft die Klamotten meines älteren Bruders. Wo also findet mein Vater in dieser Szenerie Luxus? Ist Luxus nicht immer mit finanziellem Reichtum verbunden?

 

Ich will nicht überschwänglich sein und äußere dies, ohne den Rest zu kennen, aber: Dieser Beginn bietet all das, was ich in einem sehr guten Essay erwarten könnte. Eine authentische Szenerie, die zu einer Fragestellung hinleitet, Gewitztheit und Wortgewandtheit und Stringenz in der Gedankenführung. Gefällt mir sehr gut. Deshalb fällt es schwer, hier noch einen Tipp zu geben. Vielleicht diesen: Das Schmunzeln über authentische Situationen, die man aus seinem eigenen Alltag kennt, kann gesteigert werden, wenn die Szenerie noch mehr ausgemalt ist. Da kann dann der Vater mit einem „luftigen Schritt“ den Raum betreten, das Garen, das übertragen wird kann zur „Vollendung des von mir zubereiteten Gaumenschmauses“ werden, ergo: Hyperbeln und Paraphrasen sind immer gut.

 

Luxus, das ist Überfluss, er übersteigt den als „normal“ angesehenen Lebensstandard. Im Lateinischen bedeutete es noch Verschwendung, heutzutage hat es sich zu einem eher positiven Begriff gewandelt. Rapper haben mehr Ketten um den Hals als Häftlinge in Guantanamo und die Jugend himmelt sie an, will später einmal so werden wie sie und den selben Lifestyle führen. Das ist in der Generation über mir nicht anders, nur haben deren Idole nicht mehr viele Ketten und auffallende Klamotten, sondern tragen Hemden und haben Wohnsitze auf allen Teilen der Welt.

Schöne Passage, schön eingesetzte Rhetorik. Gut auch immer: Antithesen. (…) nicht mehr viele Ketten, sondern weniger Zähne…

Luxus, das ist wie das Nirvana, das Ziel eines strebsamen Lebens, die Belohnung am Ende, etwas Übervollkommenes.

Doch hatten die alten Römer nicht auch irgendwo Recht? Luxus benebelt und ist irrational. Es zeugt nicht gerade von großer Intelligenz, sich ein Auto zu kaufen, dessen volles Potential man nie ausnutzen können wird, das nur zwei Sitze hat und gleichzeitig so viel kostet wie ein Haus. Doch trotzdem gibt es Leute, die sich genau so eine rote Metallkiste mit Rädern und einem Pferdchen auf der Haube gönnen. Mit Luxusgegenständen will man sich über andere hinwegsetzen, ihnen und vielleicht auch sich selber etwas beweisen. Die entstehende Anerkennung und Aufwertung des Selbstwertgefühls entschädigt dann die utilitaristisch unglaublich unterbelichtete Errungenschaft.

Hier hätte ich erwartet, dass die pejorative Sicht auf die Wertlosigkeit des Statussymbols aus dem letzten Satz noch aufgenommen wird. Essay ist auch Flow. Eine erhabene Form der Lächerlichkeit (ohne völliges Niedermachen) gegenüber denen, die sich so erhaben schätzen, ist immer gut.

 Also lässt sich nun all Luxus mit Geld erkaufen? Nein. Denken Sie nur einmal an den Moment, in dem Ihre Frau Ihnen das Frühstück ans Bett gebracht hat. Luxuriös, nicht wahr? Diese einfache Geste wird in unserer Gesellschaft als „über dem Maß“ eingestuft und zählt somit zur Kategorie Luxus. In einer „netteren“ Gesellschaft wäre dies nicht so.

 

Doch das ist eines der wenigen nicht erkaufbaren Luxusgüter. Und die Zeit fragen Sie? Nein, das hat uns schon Marx vor über 150 Jahren gelehrt: Mit der industriellen Revolution entstand die Arbeiterschicht, eine Schicht bestehend aus Menschen, die oft keine Ware anbieten konnten zum Tausch. Nur eines besaßen sie noch: sich selber. Und somit ihre Arbeitskraft. Der Kapitalismus, der im Großteil der Welt mittlerweile das vorherrschende Gesellschaftssystem ist machte aus der Arbeit – und somit der Zeit – eine Ware, die sich beliebig kaufen und verkaufen lässt. Klingt kalt, ist aber so. Somit liegt mein Vater also komplett richtig, wenn er von einem Luxus spricht den er genießt, wenn seine Arbeit verkürzt wurde. Seine Zeit, über die er nun frei verfügen kann ist eine gewonnene Ware.

Seht guter Verweis in die Geschichte. Alles, was ich schreibe, schreibe ich in dem Eindruck, dass es mir eigentlich so gut gefällt, dass man es nicht weiterführen müsste. Weil du aber fragtest: du verknüpfst die Teile des Essays entweder mit Schlagworten – also von der „netteren Gesellschaft“ geht es zu der „Arbeiterschicht“oder mit provokanten Fragen. Beides gut.

Eine weitere Möglichkeit wäre – und ist es in der Tat immer – einem bunten Pullover gleich die Teile ineinanderzuweben. Teilweise machst du das, indem du wieder auf deinen Vater eingehst. Hier könnte dann aber sogar noch mehr stehen. In diesem Sinne also die Weiterführung des Autos mit der Zeit. Mehr noch: Die Stunde eher frei als Teilzeitcabrio des kleinen Mannes.

Ich hoffe, du verstehst, was ich meine.

Der Kapitalismus hat vieles verändert, nicht nur den Wert der Zeit, sondern auch die Abstände zwischen verschiedenen Ländern. In jeder Gesellschaft bezeichnet der Luxus das Überflüssige, doch man muss sich erinnern, das unsere Gesellschaft keinesfalls eine Norm für andere Kulturen darstellt. Es gibt Gewinner und Verlierer, Deutschland und Äthiopien. Dies verändert die Perspektive zum Luxus. In Deutschland ist ein Porsche Boxster nicht einmal mehr ein großer Luxus, in Äthiopien ist es schon ein Haus aus Stein. Diese krasse Spaltung zwischen Arm und Reich zeigt uns aber auch, wie „arme“ Menschen glücklich sein können. (Und dann ist die Frage, wer eigentlich arm ist.)

Offensichtlich ist Luxus etwas Wünschenswertes, etwas Glückbringendes. Verwunderlich scheint es doch dann, dass ein Äthiopier mit einem Haus aus Stein, dass dort höchstens ein Hunderstel eines Sportwagens kostet luxuriös leben kann. Sind sie uns da einen Schritt voraus? Wenn man rein nach der Luxus-Bilanz gehen müsste man vermutlich zustimmen, in Äthiopien ist es leichter ein dort als luxuriös angesehenen Lebensstil zu führen, als in Deutschland. Luxus ist also ambivalent und kein feststehendes Maß.

Doch ist Luxus überhaupt wünschenswert? Viele Deutsche schauen wöchentlich komplett inhaltslose Serien wie „Keep up with the Kardashians“ oder „Die Geissens“, in denen nichts anderes geschieht als das perfekte Luxusleben inszeniert wird.

Ich stelle mir so ein Leben nicht als erfüllend vor. Das Leben ist gefüllt mit Herausforderungen, und unser einziger Antrieb besteht darin, diese zu meistern. Doch Luxus, das Normale-plus-Ultra, hat dies schon hinter sich, oder gar nicht erlebt. Wenn wir es wollen und geschickt anstellen, so kann jeder von uns viele kleine Luxus-Momente erzeugen. Ein teures Mittagessen, Frühstück im Bett, oder selbst eingeteilte Freizeit und Entspannung; das ist Luxus, den wir uns gönnen können ohne viel Geld auszugeben. Man darf es nur nicht zum Standard werden lassen, sonst muss man eine Klasse höher springen, und noch eine, usw. Das lässt auch schnell erkennen, dass es diese im Fernsehen vorgegaukelte Luxuriösität so nicht gibt, der Mensch giert immer nach mehr. Das Mehr als Vollkommenen kann nicht existieren, wenn der Mensch nicht einmal das Vollkommene finden kann. Hört sich nett an, finde ich aber unlogisch. Warum nicht? Besser: Das Mehr an Vollkommenen kann nicht existieren, wenn der Mensch aus der Beschränktheit seiner Perspektive nicht weiß, was wirkliche Vollkommenheit ist.

Ein bescheidener Lebensstil gespickt mit Luxuseinheiten ist billig, gesund und vor allem: möglich. Vielleicht sollte ich demnächst ein Fernsehteam anheuern, dass einen Film über die Lembkes dreht und den Luxus den mein Vater nun genießt. Doch das würden viele vermutlich nicht verstehen.

Ich bin jetzt einfach nur froh, dass es jetzt doch keinen versalzenen Reis mit Thunfisch gibt, da mein Vater jetzt kocht. Was für ein Luxus!

 

Beinahe hätte ich gejauchzt, da ich dachte, ich könnte dir wirklich einen Tipp geben. Aber nein, auch abrunden tust du den, wie du mittlerweile sicher weißt, sehr gelungenen Essay schon. Etwas habe ich an dieser Stelle aber noch zu beanstanden: Den Schluss kannst du noch mehr auskosten, gerade, weil es interessant ist, diese authentische Situation wie im Live-Bild mitzuverfolgen (ganz unstrukturiert auch hier der Verweis: So könnte man eine weitere Dimension einfügen. Beginnen mit „Cut! Klappe die Zweite!“ Dann das, was du schon geschrieben hast, dann wiederaufnehmend bei den popkulturellen Sendungen.)

Will sagen: Mein Vater wundert sich über das Salz, werkelt in der Küche, fragt mich Dinge, die mich gerade nicht interessieren. Stundenlang. Dabei sind gerade einmal ein paar Sekunden vergangen. Ein Luxusauto wäre jetzt schon bei Hundert. Mich nervt es. Bald muss er wieder zur Konferenz. Dann bin ich allein. Auch ein Luxus.

 

Insgesamt kann ich dir aber nicht viel sagen, weil dich dein Instinkt schon an den richtigen Stellen in andere Gefilde führt und du weißt, wann du eine neue Dimension öffnen kannst. Das Einzige ist, wie gesagt, metasprachliche Fügungen. Motive wieder aufnehmen und so eine Erinnerung an die Thesen der vorigen Passagen… Aber das sind Kleinigkeiten.

Oder willst du es probieren?

 

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Ordnungssysteme für Referendare…

…und Lehrer.

Um eines gleich vorweg zu sagen: Ich bin ein Ordnungsfetischist, zumindest was mein professionelles Arbeiten angeht. Das liegt daran, dass ich es schlicht ätzend finde, zu lange nach irgendwelchen Inhalten zu suchen. Aus diesem Grund habe ich schon einige Wege ausprobiert, Ordnung zu halten. Vom komplett Digitalen bin ich wieder weg, nutze aber nun beides: Analoge Strukturen, die es mir ermöglichen, alles zu finden und schnell Ordnung zu halten und digitale Strukturen da, wo es mir sinnvoll erscheint. Da Ordnungssysteme sehr individuell sind, ist dies natürlich kein Königsweg, sondern nur eine Anregung. Nachdem eine Referendarin an meiner Schule nachfragte, wie ich vorgehe, möchte ich euch meine Antwort nicht vorenthalten.

Vorbemerkung

Obwohl ich probiert habe, meinen Unterricht und alles drum herum ausschließlich digital zu archivieren (wie man hier lesen kann), bin ich wieder davon abgerückt. Das hat vor allem Gründe in der Ausstattung. Wenn ich nicht überall und ohne Komplikationen mein iPad nutzen kann, nützt es auch nichts, wenn ich alles online archiviert habe. Zudem kommen Probleme des Datenschutzes – vor allem wenn es um amerikanische Cloudsysteme geht. Trotzdem nutze ich – natürlich – auch digitale Wege um Ordnung zu halten. Dabei sind für mich drei Dinge von Bedeutung:

Digital

Evernote für Tafelbilder

Evernote bleibt als offene App zur Archivierung bestehen. Allerdings nicht mehr für Planungen, sondern für Tafelbilder. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil ich, falls die Inhalte für Arbeiten eine Rolle spielen, sichergehen muss, dass ich auch gemacht habe, was ich vorgegeben habe. Ansonsten würde ich Fragen zu Inhalten stellen, die ich nur vorhatte, aber nicht durchgeführt hatte. Das wäre nicht fair. Eine Bemerkung am Rande: Ich lasse auch ab und zu Schüler etwas abfotografieren (das sie dann in die WhatsApp-Gruppe schicken), aber nur unter bestimmten Bedingungen und didaktischen Erwägungen. Wenn ich will, dass einen Gedankengang „nochmals durch die Hand“ geht, müssen die Schüler abschreiben.

Ordnersystem mit sprechenden Namen

Jeder hat ein bestimmtes Ordnersystem. Für mich haben sich zwei Tipps bewährt. Der erste ist, dass ich, neben den Ordnern für ein bestimmtes Schuljahr, die wichtig sind, um die Übersicht zu wahren, Ordner für Material habe, auf das ich auch überzeitlich zugreifen will. Da ich meine Übungs- und Merkblätter (wenn ich sie überhaupt nutze) selbst erstelle, mache ich mir die Mühe so nicht für ein einziges Mal.
Das andere betrifft die Namen. Ich bin dazu übergegangen sehr umständliche, sprechende Namen für die Dateien zu geben. Das hat den Grund, dass ich sie so immer schnell finde. Das ist bei Kürzeln, die netter aussehen, nicht der Fall. So wird aus einem Arbeitsblatt schnell mal eine Datei mit dem Namen AB_Leselupe_Englisch_6.Klasse. Das sieht nicht toll aus, aber ich finde es schnell. Natürlich kann man auch Tags nutzen, aber von diesem System bin ich wieder abgewichen weil es für mich mehr Arbeit machte, als dass es mir Arbeit abnahm.

Seit unsere Schule einen eigenen Cloudservice hat, kann ich von überall auf die Materialien zugreifen. Wenn ich mit anderen teilen will, dann nutze ich vor allem bei großen Dateien immer noch Google-Drive.

Fantastical

Kleine Übersicht am Rand des Programms

Früher habe ich oft Termine vergessen. Das lag gar nicht unbedingt daran, dass ich sie nicht notiert hatte, sondern dass ich nicht mehr wusste, in welchem Kalender ich sie notiert hatte, ob es nun online oder offline war. Aus diesem Grund nutze ich nur noch einen digitalen Kalender, in den ich auch einprogrammieren kann, wann etwas ist. Das geht so weit, dass ich sogar einzelne Unterrichtsstunden über das Halbjahr samt Raum dort eintrage. Hört sich viel an, erspart mir aber viel Rumlaufen. Die App Fantastical hat zumindest in der iOS-Variante den Vorteil, dass sie sehr übersichtlich ist (den genauen Kalender zeige ich hier aus Gründen des Datenschutzes nicht an).

Analog

Ich habe mir über die letzten 5 Jahre ein Drei-Wege-System erarbeitet, mit dem ich nicht nur sehr gut lebe, sondern das den Vorteil hat, dass ich so gut wie nicht mehr „aufräumen“ oder „Klar-Schiff-machen“ muss, wenn zum Beispiel die Ferien beginnen.

Das System funktioniert folgendermaßen

1. Gliederungsmappe

Alles, was ich für die nächste Woche brauche (dazu gleich noch eine Anmerkung), habe ich in der Gliederungsmappe. So kann ich schnell darauf zugreifen und es ebenso schnell herausnehmen.

2. Hängeregister

Wenn ich (vor allem mit vollem Deputat, d.h. Vollzeit) nach Hause komme, habe ich andere Sachen zu tun, als Blätter einzusortieren. Da ich allerdings, wie gesagt, auch nicht ertrage, wenn alles irgendwo rumfliegt (und ich meistens noch einige Arbeiten herumliegen habe, die ja auch schon Platz wegnehmen) habe ich ein Hängeregister, das im gleichen System wie die Gliederungsmappe angelegt ist. Von dort nach dort braucht es 1 Minute. Dann ist die Mappe wieder frei.

3. Ordner

Natürlich habe ich auch noch die guten alten Ordner. Die kommen aber erst zu ihrer Funktion, wenn ein Schuljahresabschnitt wieder vorbei ist (und zum Beispiel Ferien kommen). Das Schöne ist: Durch die Hängemappe kann ich nun theoretisch alles, was ich gesammelt habe, so wie es ist, einordnen. Auch das nimmt nicht viel Zeit in Anspruch.
Nun habe – analog zu dem Ordnersystem – auch mehrere Ordner, die nicht nach Schuljahren, sondern nach Material-/ und Methodenart angelegt sind, damit ich nicht alles, was ich sowieso schon angelegt habe, wieder ausdrucken muss, wenn ich es mal wieder brauche.

Zusatz

Die wichtigsten vier Word-Dateien

Neben diesem System, welches für mich so gut funktioniert, dass mein Schreibtisch nahezu zu jeder Zeit komplett frei ist (was mir das klare Denken leichter fallen lässt), habe ich noch drei Dokumente, die mir helfen. Zum einen sind das zwei Vorlageblätter für Arbeitsblätter. Sie sehen nett aus und ich brauche nicht stundenlang zu formatieren. Dasselbe gilt für Klausuren.
Und zuletzt erstelle ich aus zwei Gründen Wochenpläne, die ich tatsächlich ausdrucke und vorne in die Mappe lege. Zum einen hilft es mir, daran zu denken, welches Material ich für welche Stunde brauche, da ich dies nicht immer in den Kalender eintragen möchte. Zum anderen ist es gleichsam eine To-Do-Liste, die mir hilft zu sehen, wie viel ich schon vorbereitet habe, und ob ich ein Zeitfenster habe – zum Beispiel um einen Blogeintrag zu schreiben.

Dies zusammen ist ein System, welches sich über die letzten Jahre entwickelt hat und mir die Möglichkeit gibt, effizient zu arbeiten (auch wenn mit Sicherheit noch andere Systeme funktionieren).

Mein absoluter Tipp ist, dass man sich Zeit nehmen sollte, um ein System zu entwickeln, das einem „hinten raus“ wiederum viel Zeit gibt. Mit diesem System habe ich es für mich erreicht.

Was haltet ihr davon? Habt ihr auch ein persönliches System? Welches System bevorzugt ihr?

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Epochen der deutschen Literatur (Aufklärung bis Neue Sachlichkeit)

Skulptur in Offenburg, Platz der Verfassungsfreunde

Diese Zusammenstellung von Informationen zu den Epochen der deutschen Literatur von der Aufklärung bis zur Neuen Sachlichkeit umfasst den im Abitur geforderten Zeitraum, innerhalb dem die Gedichtinterpretation gesetzt wird. Er wurde von den Schülern des Kurses 2016/17 erstellt.

Anmerkung: Wie immer sind Schaubilder dieser Art vor allem dann für das eigene Lernen geeignet, wenn man schon selbst über die jeweiligen Themen gelesen hat. Wenn die Übersichten das Einzige sind, was man zu dem Thema lies, bleibt es Stückwert. Außerdem sind die Angaben ohne Gewähr.

Inhaltsverzeichnis

Aufklärung

Sturm und Drang

Weimarer Klassik

Frührealismus

Bürgerlicher Realismus

Naturalismus

Expressionismus

Neue Sachlichkeit

Aufklärung 1720-1800

Entstehung der Aufklärung
-Ende des Dreißigjährigen Krieges -> Territorialfürsten organisierten die Aufbauarbeit, bauten ihre Macht aus -> Absolutismus (Staatsform, bei der ein Einzelner unbeschränkte Macht ausübt : „L´etat c´est moi“
=>Herrscher wollte ihre Macht durch Bauwerke demonstrieren ->Verbesserung in Handel und Produktion, Merkantilismus (Förderung von Außenhandel und Industrie)
=>aufgrund Unzufriedenheit des Absolutismus forderten Menschen Freiheit, Demokratie
=>neues Denken aus Frankreich ( Diderot, D´Alembert)
=>Philosophie, Wissenschaft: Erfahrung (Empirismus-> John Locke), Verstand( Rationalismus -> Rene Descartes)
-Wertvorstellung des Menschen änderte sich: Menschen wurden als vernunftbegabte Menschen definiert, die sich lediglich durch ihren Verstand, Bildung unterscheiden
-Zentrum: Individuum (bürgerliche Aufassung)
=> Empfindungsfähigkeit (Ursprung=religiös)

Entwicklungstendenzen in der Literatur
-Literatur soll unterhalten (Hauptaufgabe an Höfen), Literatur soll lehren (vornehmste Aufgabe bei der Bildung des Individuums)
-Literatur soll nachempfinden eines fremden Schicksals ermöglichen: Lessings „Mitleidstheorie“ => Publikum des bürgerlichen Trauerspiels leidet mit; Lessings „Emilia Galotti“ =>wichtigste literarische Neuerung der Zeit; bürgerliche Weltauffassung im Mittelpunkt; Konflikt zwischen Adel und Hof einerseits, Bürgertum andererseits
-einfache, vorwiegende, belehrende Form: Parabel
-komplexe, Verstand ansprechende Formen: Parabeln, Dramen

Wichtige literarische Formen
Literarische Form
Werk
Trauerspiel
Lessing: „Emilia Galotti“(1772)
Fabeln
C.F. Gellert: „Fabeln und Erzählungen“,
Parabeln
Lessing: „Ringparabel – Nathan der Weise“ (1779)
Dramen
Lessing: „Nathan der Weise“ (1779)
Gedichte
Matthias Claudius: „Motett“ (1782), „Die Liebe“ (1797)

Merkmale
Merkmal
Beispiel
Freiheitsgedanke
Matthias Claudius: Die Liebe
„Die Liebe hemmet nichts; sie kennt nicht Tür noch Riegel
Und dringt durch alles sich;“
=>Freiheit der Liebe, Liebe ist unberechenbar
Georg Christoph Lichtenberg: Aus den „Sudelbüchern“ (1765-1799) – Aphorismen
„Lasst euch euer Ich nicht stehlen, das euch Gott gegeben hat, nichts vordenken und nichts vormeinen, aber untersucht euch auch erst selbst recht und widersprecht nicht aus Neuerungssucht.“ ; „Seine Zweifel zu sagen, ist einem frei geborenen Menschen erlaubt; er darf mit seinen Meinungen handeln…“ => selbstständig denken, beobachten; Meinung darf offen und frei mitgeteilt werden => Meinungsfreiheit
Empfindsamkeit
Matthias Claudius: Die Liebe
„Sie (die Liebe) ist ohn Anbeginn, schlug ewig ihre Flügel; Und schlägt sie ewiglich.“
Matthias Claudius: Motett (1782)
„Der Mensch lebt und bestehet
Nur eine kleine Zeit,
Und alle Welt vergehet
Mit ihrer Herrlichkeit.
Es ist nur Einer ewig und an allen Enden,
Und wir in seinen Händen.“
Konflikt zwischen Adel und Hof, Bürgertum
Lessing: Emilia Galotti (1772)
Kritik am Individuum
Immanuel Kant: Kritik der praktischen Vernunft (1778) – der kategorische Imperativ
„Handle stets so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte.“
=>Handele nach den Gesetzen, die du dir für eine bessere Gesellschaft vorstellst
Vernunft, Humanität
Georg Christoph Lichtenberg: Aus den „Sudelbüchern“ (1765-1799)- Aphorismen
„Sogar aus Hunden lässt sich etwas machen, wenn man sie recht erzieht; man muss sie nur nicht mit vernünftigen Leuten, sondern mit Kindern umgehen lassen, so werden sie menschlich. Dieses ist eine Bestätigung von meinem Satz, dass man Kinder immer zu Leuten halten müsse, die nur um ein Weniges weiser sind als sie selbst.“ => Erziehung = Vernunft wird in Stufen aufgebaut

Wichtigsten Autoren und ihre Werke
Autor
Werk
Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)
Hamburgische Dramaturgie (1767-1769), Minna von Barnhelm (1767), Emilia Galotti (1772), Nathan der Weise (1779)
Johann Christoph Gottsched (1700-1766)
Sterbender Cato (1732)
Christian Fürchtegott Gellert (1715-1769)
Fabeln und Erzählungen (1746/1748)
Friedrich Nicolai (1733-1811)
Die Freuden des jungen Werthers (1775)
Christoph Martin Wieland (1733-1813)
Die Abderiten (1774/1780)
Immanuel Kant (1724-1804)
Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung? (1784)

Sturm und Drang 1765-1785

Allgemein:

Empfindsamkeit 1740-1780
Sturm und Drang 1765-1785
→ Überschneiden sich
→ Sturm und Drang Epoche
innerhalb der Empfindsamkeit
→ Ähnliche Merkmale
Geschichtlicher Kontext:
⋅ Wiederaufbau nach dem 30 jährigen Krieg
⋅ Zeit des Absolutismus und vor der franz. Revolution
⋅ Auflehnung des Bürgertums/Volkes gegen den Absolutismus, Adlige und Kirche
⋅ Forderung von (Menschen)-rechten und Mitsprache

Empfindsamkeit:
⋅ Name durch Lessing
⋅ Wichtige Autoren und Werke: Sophia v. la Roche, Geschichte vom Fräulein vom
Sternheim
Friedrich Gottlieb Klopstock, Der Messias
Matthias Claudius, Der Wandsbecker Bote
⋅ Sprache: gefühlsvolle, ausschmückende Adjektive und Verben
metaphorische Ausdrücke wie: „ Meer der Gefühle“, „Mutter Natur“

Besondere Merkmale:
⋅ Gegenüberstellung von Gefühl und Verstand
⋅ Gefühle der Nächstenliebe (Trauer, Naturliebe, Freundschaft)
⋅ Typische literarische Formen sind Gedichte, Briefromane, Epen
⋅ Typische Stilmittel Ellipsen und Apostrophen/Ausrufe ( „Oh“, „Ach“)

Sturm und Drang:
⋅ Name durch Klingers Werk „Sturm und Drang“ (1776)
⋅ Wichtige Autoren und Werke: Johann Wolfgang Goethe, Götz von Berlichingen
Johann Wolfgang Goethe, Prometheus
Friedrich Schiller, Die Räuber
Jakob Michael Reinhold Lenz, Der Hofmeister
⋅ Sprache: ausschmückende Adjektive und Verben
Euphorie, hektische Sprache und Form
Impulsiver, übertriebener Ausdruck der Gefühle

Besondere Merkmale:

⋅ Geniegedanke:
– Hält sich an eigene instinktive Regeln
– Auflehnung gegen Autorität, Dogmatismus* (, Absolutismus)
– Auflehnung gegen vorgegebene oder persönliche Gottheiten
– Natur als Projektionsfläche der eigenen Gefühle
– Subjektivität der Gefühle
⋅ Naturenthusiasmus:
– Mensch als Kind der Natur
– Natur als ursprüngliche Kraft
– Leben nach und in der Natur ist Tugend
– Pantheismus (die Natur als Ausdruck des Göttlichen)
– Verehrung von Natur und Unbändigem

⋅ Liebes- und Freundschaftskult:
– Liebe und Freundschaft ist das Größten
– Wird nicht kritisch betrachtet
– Übertriebene Verehrung der Freundschaft, bzw. Liebe

⋅ Gefühlsbetonter Patriotismus:
– Gefühlsbetonte Hingabe zur Empfindsamkeit
– Liebe zur Heimat
– Abneigung gegenüber alter Normen (höfsches/französisches Wesen)

⋅ Freiheitspathos:
– Verehrung der Freiheit
– Feierliche Ergriffenheit von Freiheit
– Freiheitsdrang (oft übertrieben)

Belege an Gedichten

Maifest, Goethe: 1771
Geniegedanke: Natur als Projektionsfläche der subjektiven Gefühl ( V. 13-16)
Geniegedanke/ Patriotismus: Abneigung der Normen, indem man sich der Liebe hingibt (Strophe 8)
Naturenthusiasmus: Pantheismus (V. 17f)
Euphorische Stimmung in Form von Ausrufen (Strophe 1 und 3) und positiven, bzw. ausschmückenden Adjektiven und Verben (Strophe 1)
Natur als ursprüngliche Kraft des Lebens (Strophe 5)
Liebes- und Freundschaftskult: Ausrufe als Ausdruck der überschwänglichen Liebe (V. 21f)
Enjambements und Inversionen drücken Verliebtheit des Lyrischen-Ichs aus (V. 5, 6)
Vorwärtsdrängender zweihebiger Jambus (Strophe 1)

Prometheus, Goethe: 1774
Geniegedanke: Rebellion gegen Dogmatismus (Strophe 2)
Auflehnung/Ablehnung gegen die Götter (Strophe 5, V. 57f) zeigt sich auch durch Häufung von vorwurfsvollen rhetorische Fragen (Strophe 4 und 5)
Impulsiver, übertriebener Ausdruck der Gefühle zeigt durch Wortwahl (V. 38 bis 46)
Inversionen und Enjambements zeigen überschwappen der Gefühle, Kontrollverlust (V. 5 bis 12)
Freiheitspathos: Loslösung vom vorgegeben Glauben hin zur (Glaubens-) Freiheit (Strophe 1)
Impulsiver, übertriebener Ausdruck der Gefühle gezeigt durch Wortwahl (V. 38 bis 46)

Auf dem See, Goethe: 1789
Geniegedanke/Naturenthusiasmus: Mensch als Kind der Natur (V.1 bis 4)
Natur als lebensgebende Kraft (Strophe 1)
Natur als Projektionsfläche der offen dargelegten Gefühle (V.13 bis 16)
Freiheitspathos: Motiv des Segelns lässt auf Freiheitsdrang schließen (V. 6 und 13ff)

Weimarer Klassik 1786-1805

Zwei der bedeutendsten deutschen Künstler, nämlich Goethe und Schiller, haben zur Zeit der Weimarer Klassik gewirkt. Doch was macht die Weimarer Klassik, trotz der kurzen Zeit, im Vergleich zu anderen Epochen so sehr anders?
1. Geschichte:
• Französiche Revolution hatte weitreichende Folgen in ganz Europa:
o Kriege zw. den europäischen Monarchien
o Werdegang und Krönung Napoleons
o Territoriale und politische Neuordnung durch Napoleon
o Zuerst war der Glaube an die Revolution unter deutschen Bürgern vorhanden, verschwand aber nach Hinrichtung des ehemaligen franz. Königs Ludwig XVI. und dem „Grand Terreur“ unter Robespierre
• Förderung der Künste in Weimar am „Musenhof“
• Durch das Zusammenspiel von Goethe, Herder, Wieland und später auch Schiller entwickelte sich Weimar zu einer kulturell wichtigen Stadt, die auf Intellektuelle aus ganz Europa eine hohe Attraktivität ausstrahlte
• 1794 lernten sich Goethe und Schiller näher kennen Zusammenarbeit und Freundschaft
• Schiller war anfangs der Franz. Revolution positiv, später genauso wie Goethe eher skeptisch gesinnt
• Goethe und Schiller hielten die deutsche Bevölkerung für nicht bereit derart weitreichende Veränderungen umzusetzen
• Stattdessen versuchten sie den Menschen in seinem Denken voranzubringen an eine auf Freiheit und Gleichberechtigung aufbauende Ordnung gewöhnen
• Antikenbegeisterung unter vielen Intellektuellen zu dieser Zeit; bei Goethe besonders ausgeprägt durch eine Italienreise um 1786 herum
• antike Kunst und Bauwerke hatten eine prägende Wirkung auf Goethe, dessen künstlerisches und wissenschaftliches Bewusstsein sich dadurch verändert hat
• teilweise passten Goethe und Schiller alte Texte an die literarischen Merkmale der Weimarer Klassik an („Iphigenie“, Goethe; „Egmont“, Goethe; „Don Karlos“, Schiller)
2. Abweichung der Weimarer Klassik zum internationalen Verständnis von Klassik:
2.1. Klassik in anderen Ländern:
• Die Klassik wird in anderen Ländern lediglich als ein Zeitraum gesehen, in dem viele herausragende Werke veröffentlicht wurden, die eine wichtige kulturelle Rolle für das jeweilige Land spielen, allerdings findet diese „Form“ der Klassik nicht überall zur gleichen Zeit statt.
2.2. Klassik in Deutschland/Weimarer Klassik:
• Nur eine sehr kurze Zeitspanne im Ausland nicht als eigene Epoche angesehen Werke aus Deutschland zu der Zeit wurden entweder der Romantik oder der Aufklärung zugeordnet

3. Ideen der Weimarer Klassik:
• Weimarer Klassik ist der Aufklärung sehr ähnlich, übernimmt auch Teile ebenjener, verfolgt aber zusätzlich das Ziel der Harmonie als Ganzes.
• Bewahrung des Schönen und Guten
• Entwicklung von Tugenden der Menschen
• Harmonie ist das Hauptziel
• Idealisierung
• Schönheit wird als Mischung vom Sinnlichen und der Triebe angesehen (stellt Harmonie zwischen beiden her)

4. Literarische Merkmale:
• neues an die Antike angelehnte Kunst- und Menschenbild Abwenden vom „Gefühlskult“ aus der Epoche des Sturm und Drangs, der Naturschwärmerei und der Verehrung von Genies und Rebellen
• metrisch regelmäßig gebundene, kunstvoll durchformten Verssprache
• man wollte Schönheit durch Ordnung und Maß erreichen durch diese Schönheit sollen Menschen zum Wahren und Guten geführt, sie sollten in der Lage sein, höhere Gedanken zu formen und im Charakter gestärkt werden

5. Glossar:
• Menschenbild von Goethe und Schiller: durch Ausbildung von Vernunft, Selbstkontrolle und sittlicher Läuterung, entsteht eine gebildete, sowie menschliche Kräfte und Fähigkeiten in Einklang bringende (Harmonie!) Persönlichkeit. (basiert auf antiker Philosophie)
• Idealisierung: Idealisierung ist einmal Einzelerscheinungen aus der Wirklichkeit so darzustellen, sodass der Beobachter/Leser in der Lage ist die allgemeine Idee dahinter zu erkennen. Andererseits soll der Künstler es schaffen seine allgemeine Idee hinter seinem Werk durch seine Darstellung sinnlich erfahrbar zu machen Unser Deutschbuch nennt das die „ästhetische Durchformung der Wirklichkeit“
• Antikenbegeisterung: Erfahrungen mit der Kunst und den Bauwerken der Antike führten unter anderen auch bei Schiller und Goethe zu Gefühlen wie „Erhabenheit“ und „Allgültigkeit und veränderten deren künstlerisches und wissenschaftliches Bewusstsein. Auch das oben bereits erwähnte Menschenbild Goethe und Schillers basiert auf antik philosophischen Vorstellungen.

Frührealismus 1815-1848

1. Zeitliche Einordnung
– 1815-1848
– Unterteilt in das junge Deutschland und den Vormärz
– Überschneidungen mit Romantik
– Nach Weimarer Klassik
– Vor dem poetischen Realismus

2. Historischer Hintergrund
– 1815: Wiener Kongress→ Neuordnung Europas
– Zeit ist geprägt von Interessenkonflikt zwischen den deutschen Fürsten und dem jungen Deutschland (Studenten & Professoren)
– Ziele: 1. deutsche Fürsten: Restauration
2. junge Deutsche: Freiheit und politische Einheit
– Burschenschaften wurden gegründet
– Karlsbader Beschlüsse 1819→ Verbot der Burschenschaften & Pressezensur
– Zollverein→ Abschaffung der Zollschranken→ wirtschaftliche Einheit
– Enttäuschung der unerfüllten Hoffnungen des jungen Deutschlands→ Märzrevolution 1848

3. Merkmale
– Literatur wird politisch: Dichter kritisieren den Staat in ihren Werken
→ Pressezensur: Gedichte durften keine Kritik an den Adel verüben
→ Dichter versuchten Verbot zu umgehen
→ Konsequenz: Verbot für manche Autoren und Gedichte
– Werke werden als „Instrument des Kampfes“ verstanden
– starke Ablehnung gegen Romantik und Klassik, Lyrik gewinnt an Aufmerksamkeit
4. Werke und Autoren
– Eduard Mörike: Schön-Rohtraut (1838) ; (Deutschbuch Seite 303)
– Heinrich Heine: Die schlesischen Weber (1844)
– Georg Büchner: Dantons Tod (1835)

5. Schwierige Begriffe:
– Burschenschaften: Zusammenschluss von Studenten, mit politischen Interessen und Zielen (deutsche Einheit, demokratische Verfassung und Freiheit)
– Restauration: Wiederherstellung einer früheren Gesellschaft
– Junges Deutschland: Studenten,Professoren und einige Dichter

Bürgerlicher Realismus 1850-1890

Geschichtlicher Hintergrund:
– Umbruch der Gesellschaft
– fortschreitende Industrialisierung => Veränderung des Alltags
– Zusammenleben in Städten
– Enttäuschung durch gescheiterte Märzrevolution (1848)

Inhaltliche Kennzeichen:
Realismus grenzt sich klar von z.B. der Romantik oder der Klassik ab, da diese zum Idealismus zu verordnen sind, das bedeutet bspw. , dass sie Situationen bzw. Gegebenheiten beschönigen und sie nicht so darstellen, wie sie in der Wirklichkeit sind. Der bürgerliche oder poetische Realismus, der vor allem in Deutschland vorherrschend war, versucht ein Bild der Wirklichkeit zu vermitteln, welches höchstens leicht beschönigt oder verändert wird. Erst beim Naturalismus wird völlig darauf verzichtet. Oft findet sich beim Realismus Regionalismus (Bezug auf die Region) oder Historismus (Bezug auf die Geschichte), allerdings setzt sich der Autor immer mit dem Leben bzw. dem Alltag einer oder mehreren Personen auseinander.

Stil:
– nüchtern,parteilos, objektiv => Urteil vom Leser
– Besonderheiten des Alltags werden poetisiert bzw. ästhetisiert
– Humor

Bevorzugte Gattungen:
– Roman
– Novelle
– Ballade
– Dinggedicht (Gedicht über Gegenstand oder Situation)

(die ersten drei Gattungen lassen mehr Raum für Schilderungen des Lebens)

Beispiele für Autoren und Werke:
– Theodor Storm: „Der Schimmelreiter“
– Theodor Fontane: „Schach von Wuthenow“
– Wilhelm Busch: „Max und Moritz“

Als Beispiel für ein typisches Werk des poetischen oder bürgerliche Realismus haben wir uns „Das spielende Kind“ (1879/1880) von Gottfried Keller (zu finden im Deutsch-Buch Seite 337-338) näher angeschaut. Folgende typische Merkmale haben wir erkannt:

1. Der Text ist nicht emotional, sondern nüchtern und ohne großen Ausschweifungen verfasst. Dies lässt sich in Zeile 1-19 feststellen.

2. Das Individuum wird näher beleuchtet, vor allem in Zeile 7-13.

3. Der Verfasser setzt sich in seinem Werke mit der Gesellschaft auseinander. Ersichtlich wird das in Zeile 65-72.

4. Die Geschehnisse können auf eine wahre Begebenheit gründen.

5. Dies ist nur eine Vermutung, doch es könnte sein, dass sich durch den Fluss, im Bezug auf die Autobiographie des Autors, ein regionaler Aspekt zeigen lässt.

Naturalismus 1880-1900

Naturalismus allgemein bezeichnet eine Stilrichtung, bei der die Wirklichkeit ohne jegliche Ausschmückung oder subjektive Ansichten exakt abgebildet wird. Der Naturalismus gilt auch als Radikalisierung des Realismus.
Allgemeingeschichtlicher Hintergrund:
• Weiterentwicklung in der Naturwissenschaft
⎝ Expansives materialistisches Wissenschaftsdenken
⎝ Durch Darvin, Marx & Freud
• Ende des Jahrhunderts: außenpolitische Wende bestimmt durch Bismarck
• Innenpolitik: soziale Frage Auseinandersetzung um die Verbesserung der Lebensbedingungen der Arbeiterschaft
• Europäische Stabilität nahm nach Bismarck 1888 unter der Regierung von Kaiser Wilhelm ll. ab
Literatur:
• Vertreter aller Gattungsarten in verschiedenen Zeitperioden
⎝ 1880 – 1885: Lyrik
⎝ 1885 – 1890: Prosatexte
⎝ Ab 90er: Dramen & Romane
• Aspekte der einheitlichen Rassen, Milieu & Moment
• Arno Holz: „Kunst = Natur – x“
⎝ Differenz aus Natur und Kunst ist so klein wie möglich für eine literarisch exakte Realität
• Lyrische Auffassung der Großstadtlyrik und der sozialen Frage
• Urbane Lebensweise = Elend, Schmutz & Verlust der Natur
⎝ Sozialkritischer Inhalt, z.B: „im Großstadtmorgen“ (1886, Arno Holz)
• Meist Verzicht auf Reim und Metrum Rhythmus wird stark beeinflusst

Prosa:
• Häufiges Thema: Auseinandersetzung zwischen Dichter und Proletariat; Großstadt und Industrialisierung
• Erzähltechnik:
– Sekundenstil
– Schilderung von Raum und Zeit
– Widerspiegelung der Realität
– Personale Erzählweise und Dialoge
– Zeitdeckende Erzählung ( Erzählzeit = erzählte Zeit)
– Exakte Darstellung der Dialoge mit allen Wörtern, Pausen und Dialekten
– Innerer Monolog
Drama:
• Techniken des Dialekts, Jargons, Milieuschilderung und Sekundenstil
• Meist offener Anfang und offenes Ende
• Mittelpunkt: determinierter Mensch, abhängig von Umfeld, Herkunft, Milieu etc.
• Handlung und das Dramatische wurden reduziert
⎝ Entwicklung des epischen Theaters
• Ausführliche Regieanweisungen

Wichtige ausländische Vorbilder:
• Henrik Ibsen ( Norweger, 1828 – 1906): „Gespenster“ Drama
• Emile Zola ( Franzose, 1840 – 1902): „Germinal“ Roman
• August Strindberg ( Schwede, 1849 – 1912): „Der Vater“ Drama
Wichtige deutschsprachige Autoren und Werke:
• Wilhelm Bölsche ( 1861 – 1939): „Die naturwissenschaftliche Grundlage der Poesie“ literaturtheoretischer Text
• Johannes Schlaf (1862 – 1941): „Silvester“ Drama, gemeinsam mit Holz
• Gerhart Hauptmann (1862 – 1946): „Die Weber“ Drama
• Arno Holz ( 1863 – 1929): „Die Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesetze“ literaturtheoretischer Text

Expressionismus 1910-1925

Def: Der Expressionismus (lat. „expressio“ Ausdruck) versucht durch ausdrucksstarke Aspekte innerliche Erlebnisse darzustellen.
Allgemeines:
• Begriff: Kurt Hiller übertrug 1911 diesen von der Kunst auf die Literatur
• Menschen wollten eine geistige Erneuerung „falschen“ Gesellschaft
Aufgabe traditioneller Weltbilder  Änderung der Wahrnehmungsweise der Menschen (Gefühl der Unordnung/Chaos) Katastrophenstimmung/Angstgefühle
• Das „Ich“ (und subjektive Eindrücke) im Mittelpunkt
• Drei Phasen:
o Frühexpressionismus (1910 – 1914)
o Kriegsexpressionismus (1914 – 1918)
o Spätexpressionismus (1918 – 1925)
Historischer Hintergrund:
• Starke politische Spannungen  internationale Krise  1914 erster Weltkrieg
• Industrialisierung  fremde Empfindungen (wird als Bedrohung angesehen) / Anonymität entsteht
• Mensch fühlte sich auf Produktionskraft reduziert  Identitätsverlust
• Starker Bevölkerungszuwachs Infrastruktur der Großstädte überlastet  Wachsendes Leides
• Gesellschaft ohne Rücksicht und Moral
• Junge Generation: wollen Erneuerung  kämpften für geistliche/schöpferische Freiheit
Literatur:
Themen:
• Krieg
• Großstadt
• Zerfall der zwischenmenschlichen Beziehungen
• Emotionale Themen: Wahnsinn, Liebe, Leidenschaft, Angst vor dem „Ich-Verlust“

Merkmale:
• Moderne Themen/Formen
• Farbensymbolik: rot, schwarz, blau (Sehnsucht)
• Metaphorische/rhetorische Sprache
• rhythmische Texte
• z.T. strenge äußere Form  Bezwingung des Inhalts
• Übertreibung (auslandende Beschreibungen)
• Innerlich gesehene Weisheiten werden dargestellt (NICHT „die Lichtreize, wie sie uns auf das Auge fallen“)

⎝ starker Ausdruck  Hinwegsetzen über traditionelle Formen

Autoren/Werke:
• Else Lasker-Schüler (1869-1945): „Die Wupper“ (1909); „Der siebente Tag“ (1905)
• August Stramm (1874-1915): „Krieg“ (1915)
• Georg Kaiser (1878-1945): „Die Bürger von Calais“ (1914)
Beispiel:
Das Gedicht „Die Stadt“(1911) von Georg Heym
Sehr weit ist diese Nacht. Und Wolkenschein Wie Aderwerk gehn Straßen durch die Stadt, Zerreißet vor des Mondes Untergang. Unzählig Menschen schwemmen aus und ein Und tausend Fenster stehn die Nacht entlang Und ewig stumpfer Ton von stumpfem Sein Und blinzeln mit den Lidern, rot und klein. Eintönig kommt heraus in Stille matt . .
Gebären, Tod, gewirktes Einerlei, Und Schein und Feuer, Fackeln rot und Brand, Lallen der Wehen, langer Sterbeschrei, Die drohn im Weiten mit gezückter Hand Im blinden Wechsel geht es dumpf vorbei. Und scheinen hoch von dunkler Wolkenwand.
Merkmale des Expressionismus
• Gedicht greift das Motiv der Naturkatastrophe und des Weltuntergangs im biblischen Stil auf
• sehr metaphorisch (Bsp.: V. 3ff und V. 14) und gefühlsbetont
• Typische Farben: schwarz ( V.1 „Nacht) ;rot (V. 4: „blinzeln mit den Lidern rot und klein“)
• Gedichtform: Sonett ( häufig im Expressionismus)
Fazit
• handelt über die Problematik der Gleichförmigkeit und des reizlosen Alltags, zu der Zeit des Expressionismus.
• kritisiert die negative Seite der Stadt
• findet sich nicht mit der Bedeutungslosigkeit des Individuums ab.
• will mit seinem Gedicht ausdrücken, dass Menschen sich nicht in das Gesamtbild einer Großstadt einfügen sollen

Quellen:
• http://lyrik.antikoerperchen.de/blog/allgemein/die-epoche-des-lyrischen-expressionismus/ 10.03.17
• http://lyrik.antikoerperchen.de/blog/allgemein/die-epoche-des-lyrischen-expressionismus/10.03.17
• http://www.lehrer.uni-karlsruhe.de/~za874/homepage/expressionismus.htm10.03.17
• http://www.e-hausaufgaben.de/Referate/D4421-Expressionismus-Zusammenfassung.php10.03.17

Neue Sachlichkeit 1919-1932

I. Begriff
• Neue Sachlichkeit: Stilbezeichnung für Malerei, Literatur der 20er Jahre
• Wertschöpfung auf objektive Darstellung der sozialen und ökonomischen Wirklichkeit
• zwischen Weltkriege: Tendenz zu illusionslos-nüchterner Darstellung von Gesellschaft, Erotik. Technik und Weltwirtschaftskrise
• Aufstieg und Niedergang eng mit Weimarer Republik verbunden

II. Historischer Hintergrund
• Wichtige Einflussquelle: 1. Weltkrieg (1914 – 1918)
• Gibt 3 Phasen:

• Machtergreifung Nationalsozialisten (1933) → neue Blütezeit pathetisch-ideologischer Literatur
Verbrennung der Bücher und Verhaftung der Autoren ( falls diese noch nicht im Exil)
III. Ziele
¥ Wiedergabe der Realität
¥ Alltagssorgen widerspiegeln
¥ Bevölkerung auf Missstände in der Gesellschaft aufmerksam machen
¥ durch „Massenkultur“ für Demokratie begeistern
¥ Autoren waren meist demokratisch orientiert und wollten sozialistische Räterepublik

IV. Inhalt & Themen
¥ orientierten sich an der Realität
¥ gehen auf Gesellschaft und derer Probleme ein
¥ Voraussetzung: kritischer Blick auf damalige Gegenwart
¥ beliebte Motive: soziale, politische und wirtschaftliche Wirklichkeit der Weimarer Republik, Nachwirkung der ersten Weltkrieges und Inflation
¥ Themen der Gesellschaft finden sich in der Literatur wieder
¥ enorme gesellschaftliche und technische Veränderung und Fortschritte
¥ ➔ persönliche Probleme mit denen Akteure klar kommen müssen oder untergehen
¥ Gesellschaftskritik

V. Sprache
¥ meist kühl und distanziert
¥ Minimum an Sprache, Maximum an Bedeutung
¥ einfache und nüchterne Alltagssprache
¥ ➔ soll so viele Menschen wie möglich erreichen
¥ im Stil einer dokumentarisch-exakten Reportage und Streben nach Objektivität
¥ Bedeutung wichtiger als Form
¥ Montagetechnik: Zeitungsartikel oder Lieder (etc.) in den Text aufnehmen
VI. Figuren
¥ zeigen kaum Gefühle
¥ meist aus der modernen Massengesellschaft wie Ingenieure, Arbeiter, Angestellte oder Arbeitslose

VII. Literarische Gattungen
¥ Zeitroman: „Im Westen nichts Neues“ von Erich Maria Remarque
¥ Gebrauchslyrik: „Angestellte“ von Kurt Tucholsky
¥ Reportage Literatur
¥ Episches Theater → politische Ideen und Meinungsbildung gewisse Distanz durch Pausen

VIII. Vertreter
• Bertolt Brecht (1898 – 1956)
• Thomas Mann (1875 – 1955)
• Erich Maria Remarque (1898 – 1970)

1. Literatur der Weimarer Republik
• Organisation von Schriftstellern gegen Richtlinien der Verlage
• 1909 Schutzbund deutscher Schriftsteller gegründet = Rechtsschutz gegen Zensur des Staates
• 1921 PEN – Club = für Weltfrieden, gegen Rassismus
• Zensur der Literatur fand jedoch statt (z.B. durch Schund- und Schmutzgesetz)

1.1 Prosa
• Angemessene Gattung
• Vorteil: keine Formkonventionen und für Experimente geeignet
• Literarische Formen: Dokumentation, Reportagen, Sachberichte, Romane
• Erzählverhalten geprägt von: philosophischen, historischen, soziologischen, psychologischen Momenten
• Themen: Großstadt, Technik, Wirtschaft/ Industrie, Arbeit, Arbeitslosigkeit, Lebensumstände, Alltag

1.2 Lyrik
• Orientierung am Gebrauchswert = Gebrauchslyrik
• Autoren steuern durch lyrische Gebrauchsanweisung Werk (z.B. Brecht)

1.3 Drama
• Politisches Theater, Dokumentartheater, episches Theater, Volksstück
1.4 Episches Theater
• Theaterform, bei der Zuschauer nicht in Illusion eingehüllt ist, sondern dies durch Verfremdungseffekte bricht
• Radikaler Bruch der Theater – Tradition von Aristoteles, Lessing
• Keine Einteilung in Akte u. Szenen, gibt Episoden
• Offenes Ende
• Distanzierung von Betrachter, Dargestelltem ermöglicht Interpretation = Änderung der Missstände
• Episch, weil Erzähler außerhalb der Handlung existiert

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Vorgehensweise bei einer Gedichtinterpretation

  1. Schritt: Lesen und erstes Verstehen
  • Gedicht mehrfach lesen
  • Alles, was auffällt, markieren; Randnotizen machen
  • In eigene Sprache übersetzen
  • Thema erkennen (Konflikt? Erfahrung?)
  1. Schritt: Situation – Bilder – Schlüsselbegriffe
  • Welche Situation ist dargestellt?
  • Was kennzeichnet diese Situation?
  • Welche Bilder werden verwendet?
  • Welche Schlüsselbegriffe gibt es?
  1. Schritt: Personen – Handlungen
  • Welche Personen und Handlungen tauchen auf? (Lyrisches Ich, Lyrisches Du, Personifizierungen)
  • Wie handeln die Personen? Wie sind sie gekennzeichnet?
  • In welcher Beziehung stehen sie zueinander?
  1. Schritt: Inhaltlicher Aufbau
  • Wie ist das Gedicht inhaltlich aufgebaut?
  1. Schritt: Formale Aspekte – Bezug zum Inhalt
  • Äußere Form (Gedicht-, Strophen-, Versform; Reim, Metrum, Rhythmus)
  • Was wird durch die Form inhaltlich unterstützt? (Pathos, Ruhe, Dynamik …)
  • Passen Form und Inhalt zusammen oder widersprechen sie sich? Gibt es Irregularitäten, Abweichungen vom Schema und worauf weisen sie hin?
  1. Schritt: Semantische Analyse
  • Welche Wörter werden verwendet? (Substantive, Adjektive …)
  • Gibt es Wiederholungen, Ähnlichkeiten oder Wortfelder?
  • Welche Verben werden verwendet? (Zustandsverben, Bewegungsverben …)
  1. Schritt: Syntaktische Analyse
  • Satzformen und ihr Verhältnis zu Vers und Strophe (Enjambement, Zeilenstil u.a.)
  • Tempusverwendung und Zeitverhältnisse
  • Satzbau: Parataxe, Hypotaxe
  1. Schritt: Das Lyrische Ich
  • Grammatische Erscheinungsformen des lyrischen Ich
  • Sprachliche Charakterisierung des lyrischen Ich (erlebend, kommentierend, distanziert …)
  • Verhältnis des lyrischen Ich zur Situation
  • Redeweise des lyrischen Ich (rhetorische Figuren)
  • Aussparung des lyrischen Ich
  1. Schritt: evtl. historische oder biografische Bezüge (soweit bekannt)
  1. Schritt: Erstellung einer Gliederung

Bei Formanalyse immer Inhaltsbeziehung herstellen!)

  1. Schritt: Ausführung
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Echte digitale Bildung

Wenn man meine Begeisterung gegenüber dem digitalen Diskurs und der digitalen Bildung mit einem Pendel darstellen würde, sähe man es zunächst bis zum Anschlag in den positiven Bereich und dann genauso stark in die andere Richtung ausschlagen. Mittlerweile ist es eingependelt. Ich habe den Ratschlag des Freiburger Lehrers und Medienpädagogen Dejan Mihajlović ernst genommen und versuche mich nun mehr an dem, was machbar ist als an all jenen Debatten teilzunehmen, in denen über digitale Luftschlösser philosophiert wird. Mit der Medien-AG sehe ich immer wieder, was Schule alles sein kann und vor allem, was sie sein könnte.

Nachdem ich die AG von einem Kollegen übernommen habe, der sich um sie sehr verdient gemacht hat, haben wir in gemeinsamer Arbeit schon einige Neuerungen auf den Weg gebracht. Neben den Social-Media-Accounts der Schule wie dem schuleigenen Twitter-Account und dem Instagram-Account

@mrwissen2go_ startet seinen Vortrag.

Ein Beitrag geteilt von Windeck-Gymnasium Bühl (@windeckgymnasium) am

war die wohl größte Neuerung neben einer Aktualisierung der Homepage, die immer noch nicht abgeschlossen ist, der eigene Youtube-Account, den wir versuchen durch neue inhaltliche und mediale Ideen weiterzubringen.

Es wir zusammen geplant, überlegt, diskutiert. Mit anderen Worten, es werden eben jene 4K genutzt, die im Sinne eine „neuen Schule“ ein um das andere Mal erwähnt werden: Kommunikation, Kollaboration, kritisches Denken und Kreativität. Und zwar über Klassengrenzen hinaus (Schüler der 6. bis zur 12. Klasse sind in der AG). Wir planen Vorträge, Aktionen und begleiten jene Aktionen, die andere Lehrer und Schüler unserer Schule durchführen.

Dabei ist eben nicht „nur“ das Ergebnis in Form des hier zu sehenden Videos das, worauf es ankommt, sondern ein Arbeitsprozess, bei dem jeder und jede ihre eigenen Präferenzen, ihre eigenen Fähigkeiten und Interessen einbringen kann oder von den anderen beigebracht bekommt. Nicht zuletzt der Lehrer kann dabei enorm viel lernen.

Am heutigen Tage zeigte sich dieses beispielweise in der Vielfältigkeit dessen, was die immer größer werdende Gruppe anging. Während einige die neuen Windeck-News aufnahmen (deren Inhalt innerhalb der letzten Wochen schon nach und nach geplant wurde), machten sich einige Schüler mithilfe eines 3-D-Modells Gedanken darüber, welche Kameraperspektiven für die nächste Woche geplanten Aufnahmen gebraucht werden.

Eine weitere Gruppe plante an einem Film, den wir zum Schuljubiläum erstellen worden. Per Wattpad, einem kollaborativem Tool, von dem ich gar nicht wusste, dass es den Schülern bekannt ist.

Arbeit mit Wattpad

Während eine Schülerin, die sich sehr gut aufs Schreiben versteht, ganz analog Notizen zu unserem geplanten Blog über das Schulleben machte, in dem sie aus der Perspektive einer Stempelkarte den Tag der offenen Tür beschreiben will, machte ich zusammen mit einem anderen Schüler Bilder für die Links zu den Fachseiten der Homepage.

Notizen für den Blog

Ich bin mir nicht sicher, welche andere Doppelstunde so schnell vergeht, was wohl auch einer der Gründe ist, warum wir meistens länger arbeiten. Vielleicht sind es kleine Schritte, aber sie fühlen sich nach etwas an. Wir lernen zusammen auf einer Ebene, unterstützen uns und erzielen, quasi nebenbei, auch noch, wie ich finde, ziemlich gute Ergebnisse. Das ist doch mal ein Anfang.

Wenn nun auch noch die Möglichkeiten für mobiles Arbeiten besser werden, dann können wir zunehmens professioneller werden und daran arbeiten, die Schule in die Gegenwart zu führen, von der noch zu viele Leute denken, dass sie Zukunft ist. Schritt für Schritt. Ein bisschen.

 

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Die besten Apps für Referendare…

…und Lehrer.

Auch wenn man das Gefühl bekommen könnte, die Schulen seien (großteils) noch in der Kreidezeit stecken geblieben, fangen immer mehr Lehrkräfte an, sich mit Apps, iPads und Social Media zu befassen. Und das ist auch richtig so! Denn die Arbeitswelt nach der Schule wird nicht nur zunehmend von digitalen Technologien dominiert, sondern die alltägliche Lebenswelt von der Bestellung von Haushaltsgegenständen bis zum Konsum von Nachrichten geschieht mithilfe von oder über das Internet. Da man gar nicht früh genug anfangen kann, sich damit zu befassen, ist hier eine unvollständige Liste von X Apps, die man als Referendariat auf jeden Fall auf seinem Tablet[1] haben sollte.

 

  1. Der Alleskönnner: Evernote

 Bei all den Dokumenten in den verschiedenen Bereichen, die man als Referendar bekommt, bei all den Daten, die man sich merken muss, bei all den Terminen, die es zu berücksichtigen gilt, ist es schwer, die Übersicht zu behalten. Mit der Organisations-App Evernote wird dies nicht nur einfacher, sondern man spart sich auch eine Menge Platz in der Tasche, den man zwischen all den Materialien gut gebrauchen kann. Mithilfe von Schlagworten kann man seine Notizen organisieren, Dokumente einscannen, Notizen machen oder auch eine kleine Präsentation herstellen. Wie das geht, kann man in diesem Video sehen:

Wenn man schon ein wenig weiter ist, kann man sogar seinen Unterricht gestalten und hat so seine gesamten Stunden immer dabei. Die App gibt es kostenlos oder in der Premiumversion für Vielbenutzer für etwa 45 Euro, die sich aber lohnen, sobald man das System verinnerlicht hat.

Es gibt natürlich auch noch andere Organisations-Apps. Ausprobieren sollte man in diesem Zusammenhang One Note, eine ähnliche App, die jedoch einen klassischen, hierarchischen Aufbau von Ordnern zulässt.

 

  1. Die Notenmaschine: Teacher Tool 5

 Warum es sich lohnt, für manche Dinge technische Hilfe zu nutzen, weiß jeder, der schon einmal das „Vergnügen“ hatte, 27 Einzelnoten in Unterkategorien in eine Note zu rechnen. Gut, wenn man im Referendariat „nur“ ein paar Klassen hat, mag das noch gehen, aber dann? Abhilfe verschafft eine App, die den Benutzer in Zeiten, in denen die Kollegen verzweifelt rechnend an ihren Plätzen sitzen, eine ausgiebige Pause machen lässt. Teacher Tool rechnet nämlich nicht nur die Noten komplett zusammen, sondern lässt alles zu, das man braucht, um die Übersicht zu behalten. Man selbst und natürlich auch die Schüler haben so immer die Übersicht, wo sie gerade stehen. Des Weiteren kann man mit der kleinen App, für die 25 Euro absolut gut investiertes Geld sind, Fotos hinzufügen, den Stundenplan einordnen, Fehlzeiten markieren und vieles mehr. Für interessierte geht es hier zu einem Artikel, der sich ausschließlich damit befasst.

Übersicht über alle Klassen und Schüler

Ob und wie man die App in seinem Bundesland vor dem Hintergrund unterschiedlicher Datenschutzrichtlinien verwenden darf oder nicht (die App bietet zahlreiche Schutzvorrichtungen), muss individuell erfragt werden.

 

 

 

  1. Der Planer: Fantasical

 Wer mit iOs unterwegs ist, weiß, dass vieles schon recht gut geklärt. ist. Man kann to-do-Listen erstellen oder Termine eingeben, die man sogar mit dem Partner oder anderen Familienmitgliedern teilen kann („Mama, da ist meine Lehrprobe! Bemitleide mich!“). Noch besser ist allerdings die App Fantastical, da sie alles in einem bietet. So kann man beispielsweise einen Termin eingeben, an dem man etwas bestimmtes machen muss. Der Verfasser dieses Artikels geht so weit, dass er jede einzelne Stunde für das gesamte Halbjahr eingetragen hat und so immer weiß, in welchem Raum und in welchem Zeitraum er die jeweilige Klasse hat. Zusammen mit den anderen beiden Apps ist man so gut organisiert, dass man keine Zeit mehr damit verschwendet, Termine zu suchen oder panisch zu werden, weil man etwas vergessen hat.

 

 

  1. Der Netzwerkmacher: Twitter

 

Die bisherigen Apps richteten sich vor allem auf einen wichtigen Bereich des Referendars- und Lehrerlebens: Die Organisation. Aber nicht nur Organisation ist wichtig, sondern auch die Vernetzung. Denn während man in Facebookgruppen oftmals nur eine Dropbox findet, sind auf Twitter viele Lehrer unterwegs, die nicht nur innovative Ideen haben, sondern diese im Sinne von offen nutzbaren Materialien (#oer = Open Educational Ressources) auch teilen. Dadurch, dass alles offen ist, kann man sich sein persönliches Lernnetzwerk aufbauen und bekommt zur gleichen Zeit mit, welche aktuellen Themen gerade eine Rollen spielen. Man sollte nicht unterschätzen, welche Motivation hinter Themen steckt, mit denen die Schüler selbst etwas anfangen können.

Twitter erklärt sich eigentlich von selbst, aber wer will, kann mich auch einfach fragen: Natürlich über meinen Twitter-Account.

 

  1. WordPress

 Eigentlich sollte jeder, der mit Schule und Schülern zu tun hat, selbst schreiben. Da das aber natürlich nicht von jedem die Sache ist, sollte man zumindest lesen, was andere so tun. Eine wunderbare Übersicht bietet dafür die App WordPress. Hier kann man sich einen „Reader“ zusammenstellen, in dem beispielsweise Blogs zum Referendariat oder zum eigenen Fach gelistet werden. Oftmals verstecken sich diese Blogs, die zahlreiche tolle Materialien, Tipps oder Unterrichtsvorschläge anbieten nämlich so weit in den Untiefen des Netzes, dass man mit einiger Berechtigung vom Darknet sprechen könnte. Scherz beiseite! Mithilfe von WordPress kann man nicht nur geniale Tipps lesen, sondern beispielsweise auch Schülerprojekte machen, die garantiert mehr Spaß machen als eine Seite zu schreiben, die dann nur der Lehrer liest.

Was dabei entstehen kann, kann man beispielsweise hier lesen.

 

  1. Kleinigkeiten: Wikilinks, StopMotion, PicsArt

 

Kleinere Apps, die man auf jeden Fall in der Schule ausprobieren sollte, sind die oberen drei.

Wikilinks ist eine App, die Wikipedia-Artikel in eine außergewöhnliche Form bringt. So werden die Artikel zu Zentren, in deren Peripherie jeweils diejenigen Artikel sind, die von der Mitte aus verlinkt werden. Besser kann man die Zusammenhänge von Wissen nicht erklären. So bietet die App sowohl für Referendare selbst als auch für die Arbeit in der Schule eine sehr gute Alternative zu der herkömmlichen Wikipedia-App, die natürlich auch auf jedem Tablet sein sollte.

 

StopMotion ist eine sehr nett gemacht App, mit der man kleine Filmchen drehen kann. Sie bietet sich als kreative Maßnahme an, wenn man eigene kleine Geschichtchen auf eine etwas andere Art darstellen will.

PicsArt ist eine Foto-App mit deren Hilfe sich zahlreiche künstlerische Veränderungen herstellen lassen. Auch hier bieten sich zahlreiche Fächer an. Immer gut ist (wenn man als Referendar nicht mehr unter Druck steht), die Schüler selbst nach Verwendungshinweisen zu fragen.

Beiträge von Nutzern

Ich liebe Genius Scanner, ursprünglich für iOS entwickelt und mittlerweile auch für Android verfügbar, wird damit dein Smartphone sehr einfach zum Scanner.
Die App erfasst automatisch sinnvoll Bilder / Textfelder (z.B. Wenn es einen Rahmen hat) oder Seiten. Man kann einzeln oder in Serie scannen.

Anschließend als einzelne JPGs oder als pdf-dokument direkt versenden. Zahlt man die 7.99€ (mir war es die App sodass von wert, ich habe im Referendariat damit sehr viel gearbeitet), kann man direkt in die Dropbox oder zu GoogleDrive hochladen.

Es gibt aber auch noch paar mehr Funktionen… (Sebastian)

Für das Lernen und bereitstellen vom Vokabellisten oder Fachbegriffen bzw. Wissen empfehle ich Quizlet. (MrsA).

Worksheet-Crafter für die Grundschule zum Erstellen von Arbeitsblättern-absolut toll! (Chri Hel)

Habe ich etwas vergessen?

Der App-Markt ist natürlich riesig und es gibt zahlreiche weitere Apps, die sich im Unterricht verwenden lassen. Kennt ihr einige, die auf jeden Fall noch in die Liste müssten? Schreibt einfach einen Kommentar. Wenn sich die jeweilige App besonders gut anhört, werde ich den Vorschlag (wenn gewünscht mit Namensnennung) in die Liste aufnehmen. Immer daran denken: Die gemeinsame Arbeit – das Netzwerk – schafft mehr, als man alleine je könnte.

[1] Da der Verfasser selbst aus diversen Gründen Apple-Produkte verwendet, handelt es sich bei den App-Vorschlägen um jene, die über den App-Store bereitgestellt werden. Ob sie auch auf Android-Geräten zur Verfügung stehen, muss nachgeprüft werden. Über diesbezügliche Kommentare freut sich der Verfasser.

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No-Gos in der Lehrprobe

Nachdem mittlerweile einige Texte zu Dauerbrennern bei Referendaren geworden sind – so der Text über die Sachanalyse oder zur Vorbereitung einer Unterrichtsstunde – habe ich in letzter Zeit weniger über Referendarsthemen geschrieben. Nach einer kurzen Diskussion in der Facebook-Gruppe, dachte ich, dass das in der Überschrift etwas drastisch formulierte Thema vielleicht den einen oder anderen interessieren kann. Unter den jeweiligen No Gos finden sich Tipps, wie man den jeweiligen Fehler vermeidet oder sich präventiv vor ihm schützt.

Am Ender des Artikels steht eine Anmerkung zu meiner Person und den hier gelieferten Informationen. Der Junglehrer @mufflkuchen steuert die genialen Comics zu den Themen bei, die man sich bei Bedarf herunterladen kann.  

  1. Überfrachtung

 

 

 

 

 

Neben der unrealistischen Vorbereitung ist die thematische oder inhaltliche Überfrachtung ein No-Go in einer Lehrprobe. Der zu prüfende Referendar will natürlich zeigen, was er oder sie kann, stellt sich jedoch so selbst eine Falle. Jeder, der schon ein paar Unterrichtsstunden gemacht hat, weiß, wie viele Variablen so eine Stunde hat. Diese werden schier unbeherrschbar, wenn man sich durch eine zu große inhaltliche Variation das Leben schwermacht. Die Fachleiter wissen aufgrund von zahlreichen Besuchen und Lehrproben, dass man das gesamte Schuljahr nicht in eine Stunde kriegt. Die Regel lautet: Lieber ein klar definiertes Ziel tiefgehend, präzise und mit klarer Struktur behandeln, als zu versuchen, alles auf einmal zu machen.

Tipp: Eine gute Vorbereitung des Inhalts und die genaue Sezierung der Kompetenzen mithilfe einer guten Sachanalyse ist alles! Je klarer für einen selbst ist, was genau der Gegenstand ist, den man in der Stunde aufbereitet und mit den Schüler/Innen erarbeitet, desto mehr Zeit hat man für die wichtigeren Dinge.

 

  1. Zu enge Zeittaktung

Der Wunsch danach, alles, aber auch wirklich alles unter Kontrolle zu haben, ist absolut nachvollziehbar, aber utopisch. Denn der Reiz von Schule ist, dass alles passieren kann (jeder weiß, wie unterschiedlich ein und dieselbe Klasse ist, wenn sie ausgeschlafen ist, eine Mathearbeit geschrieben hat, oder freitags in einer Randstunde unterrichtet wird). Aus dem Wunsch nach Kontrolle erwächst schnell das Verlangen, jede Sekunde genau zu takten. Aber das ist nicht nur gefährlich, sondern bringt einen auch in Drucksituationen. Und da man sowieso schon Druck hat, ist das nicht besonders förderlich, zumal man ja meist noch relativ anspruchsvolle kognitive Aufgaben vor sich hat, die man beispielsweise an der Tafel visualisiert. Ein Nährboden für Fehler.

Tipp: Auch wenn es sich einfacher anhört, als es ist: Die Ruhe bewahren und realistische Zeiten einplanen, ist alles. Die Erfahrung zeigt, dass man eher zu wenig als zu viel Zeit einplant. Ich würde so weit gehen und sagen, dass eine Zeitangabe unter 5 Minuten unrealistisch ist. Eine gute Planung lässt genügend Zeit für die Erarbeitung und das Sicherungsgespräch oder die Präsentation. Auch hier gilt: Da man sowieso nicht alles „beherrschen“ kann, sollte man seine Energie auch nicht dafür aufgeben. Ein über mehrere Jahrzehnte erfahrener Studiendirektor meiner ersten Schule erklärte die zu enge Zeittaktung zu seinem persönlichen No-Go, weil er es hasste, dass den Schülern keine Zeit blieb, ihre Gedanken zu äußern. 

  1. Falsche Prioritäten

Oft hörte ich in meinem eigenen Referendariat die Klage, dass eine Klasse, die dieser oder jener hätte, „so schlecht“ sei, dass man unmöglich den eigenen Plan in der Lehrprobe umsetzen könne. Bei mir war es andersherum. Als ich hörte, dass ich in einer schwachen Kursstufe Lehrprobe haben würde, freute ich mich. Denn gut die Hälfte der Zeit war damit schon mit Vorentlastung und Einübung verplant. Anders gesagt: Die Klasse kommt zuerst, nicht der eigene Plan. Vor allem aber heißt die falsche Priorität, dass man sich auf seine Prüfung konzentriert. Was sich komisch anhört, ist bei näherer Betrachtung nachvollziehbar. Lehrproben sind ja vor allem deshalb so stressig, weil man anders als in anderen Prüfungen nicht konzentriert schauen und gestochen antworten kann, sondern so tun muss, als würde man nicht so tun, dass man eine Prüfung hat. Eine Lehrprobe wird aber nur dann richtig gut, wenn man sich (neben der inhaltlichen Richtigkeit und der methodischen Vielfalt etc.) auf das konzentriert, was am wichtigsten ist: Die Kinder. Keiner wird einem einen Strick darauf drehen, dass man sich um ein Kind kümmert, das Nasenbluten hat, obwohl man gerade eine neue Phase beginnen wollte. Aber sich nicht zu kümmern und seinen Schuh durchzuziehen, ist ein absolutes No-Go.

Tipp: Schon in den Unterrichtsbesuchen lohnt es sich zu üben, die Fachleiter zu ignorieren. Natürlich kann man sie vorstellen oder sie sich vorstellen lassen – je nachdem, wie es vereinbart ist. Aber man kann es nicht genug sagen: Der Fachleiter will nicht sehen, ob man eine Ein-Mann-Show vor ihm hinlegt, sondern ob es der zu prüfenden Person gelingt, mit jungen Menschen umzugehen und ihnen ein Thema näherzubringen.

 

  1. Unrealistische Vorbereitung

Ich erinnere mich mittlerweile gerne an den Schock den ich bekam, als ein Mitreferendar mir sagte, dass er eine ein Meter große Guillotine gebaut habe – und zwar nur für den Einstieg einer Besuchsstunde! Was, so dachte ich, soll ich denn bitte bauen, damit ich dagegen ankomme? Ein Atomkraftwerk in Miniatur?

Mittlerweile ist auch bei den Fachleitern – die übrigens meistens durch ihre Tätigkeit viel weniger Stunden haben als ein Lehrer mit vollem Deputat – angekommen, dass es nicht darum geht, wer in zwei Wochen mehr basteln kann. Es geht neben der Umsetzbarkeit auch um die Angemessenheit. Das sollte man nicht falsch verstehen. Natürlich laminiert man im Referendariat ein Blatt mehr als im Job, macht eine schöne Zeichnung oder eine Powerpoint. Aber es gibt durchaus Fälle, in denen eine unrealistische Vorbereitung angeprangert wurde. Wenn man sich unsicher ist, sollte man diesbezüglich auf jeden Fall seine Fachleiter fragen.

Tipp: Das Zauberwort ist Funktionalität. Ich erkläre es an einem Beispiel: In meiner Lehrprobe in der 6. Klasse im Fach Geschichte sollten die Schülerinnen und Schüler das ägyptische Totenritual beschreiben und verstehen. Ich stellte ein Blatt her, dass an unterschiedlichen Stellen Löcher hatte, so dass die verschiedenen Gruppen zunächst nur das sahen, was sie sehen sollten. Dies ließ sich didaktisch begründen, obwohl die Herstellung eine Arbeit war, die viel Zeit in Anspruch nahm. Aber: Es war funktional begründbar. Wenn ich stundenlang damit beschäftigt bin, etwas herzustellen, dass dann nicht oder nur eine Minute zum Einsatz kommt, ist das nicht begründbar und somit ein No-Go.

 

  1. Ständige Methodenwechsel

Hier mag der eine oder die andere stutzen: Ist es nicht eher andersherum? Klar, auch einen einstündigen Lehrervortrag zu halten, ist mit Sicherheit ein No Go. Aber dies ist allzu offensichtlich. Was nicht ganz so offensichtlich ist, ist der zu häufige Methodenwechsel. Und zwar entweder dann, wenn sich nicht erschließt, warum überhaupt ein Wechsel stattfindet. Und auch dann, wenn die Wechsel zu schnell aufeinander folgen und im schlimmsten Fall gar nicht eingeübt sind. Die Folge ist dann wie im Punkt der Überfrachtung eher Chaos.

Tipp: Abspecken und Einüben. Auch hier gilt, dass man auf die Funktionalität achten muss. Warum bietet sich eine Partnerarbeit, warum eine Gruppenarbeit gerade für diese Erarbeitung an? Warum sollten die Schüler im Raum herumgehen? Aber vor allem: Hier kann man richtig üben. Mittlerweile übe ich sogar in jedem Schuljahr mindestens 15 Minuten mit den jüngeren Schülern, wie man schnell in Gruppen geht. Oft mache ich ein Wettbewerb daraus. Denn diese Minuten lohnen sich. Wenn ich nur zur Gruppenarbeit bitte, schaffen es die Schüler in unter einer Minute. Und sind noch stolz auf sich. Dies gilt natürlich auch für andere Gruppenformen. Während der Inhalt einer Stunde niemals geübt werden sollte (tut es nicht, es geht ins Auge!), sollte jede Arbeits- oder Methodenform schon einmal eingeübt worden sein, bevor die Lehrprobe startet.

 

  1. Sachliche Fehler

Ein Punkt, der mich auch betrifft, da ich beim schnellen Denken gerne mal den einen oder anderen Fehler mache (hat schon jemand einen in diesem Artikel entdeckt?). Fachleiter reagieren unterschiedlich auf sachliche oder fachliche Fehler, je nachdem, wie schwerwiegend sie sind. Aber mir wurde in meiner Funktion als Mitglied des APR-Freiburg von einer Lehrprobe in einer Sprache berichtet, in der die Note 4 mit zwei Betonungsfehlern gerechtfertigt wurde. Das ist extrem. Aber trotzdem bleibt es dabei, das vorzubereiten, was man kann, um eben nicht in diese Falle zu laufen.

Tipp: Je vorbereiteter man ist, desto mehr kann man sich auf das Wichtige konzentrieren. Deshalb ist es hier so, dass die Performanz geübt werden sollte. Nicht nur schriftlich, sondern quasi als Rollenspiel. Egal in welchem Fach. Denn oft macht man die Fehler, die man später machen würde, auch dann schon. Und in der Vorbereitung kann man sie noch angehen.

 

  1. Unpersönliches Auftreten

Die sagenumwobene Lehrerpersönlichkeit ist das, von dem alle sprechen, von dem sie sagen, dass es das Wichtigste ist, aber keiner genau weiß, wie man es nun genau definieren soll. Egal, wie man sich selbst sieht, ob man eher jugendlich oder ernst, lustig oder seriös auftritt: Die Verbindung zu den Schülerinnen und Schülern ist das A und O – auch in der Lehrprobe. Denn zum einen werden sie bei einer guten Beziehung alles dafür tun, dass man gut aus der Sache rauskommt. Und zum anderen wird jedem guten Fachleiter schnell ersichtlich, welche Beziehung man zu den Schülerinnen und Schülern unterhält. Ein „Fachidiot“, der zwar ohne Fehl und Tadel ist, aber sein Programm ohne Rücksicht auf die Schüler runterspult, kann noch so fehlerfrei sein. Eine gute Bewertung wird er aller Voraussicht nach nicht erlangen.

Tipp: Schüler merken ziemlich schnell, ob man sie ernst nimmt, sie respektiert und Interesse an ihnen hat. Diese Offenheit kann man schlecht einüben. Man sollte nur darauf achten, um wen es eigentlich geht. Wenn man Schüler ernst nimmt, mit ihnen in Kontakt tritt und weiß, was sie beschäftigt, hat man schon ganz viel dazu gewonnen.

 

  1. Uneinsichtiges Reflexionsgespräch

 

Selbst wenn die Lehrprobe nicht perfekt war, kann sie noch sehr gut werden. Und zwar dann, wenn man seine eigenen Fehler oder Unzulänglichkeiten nachvollziehbar reflektiert und Alternativen aufzeigt (aber Achtung: nicht solche Alternativen, von denen sich dann jeder fragt, warum man nicht früher darauf gekommen ist). Sie kann aber auch schlechter werden, vor allem dann, wenn man keine Verantwortung für sein eigenes Handeln übernimmt, oder, ein absolutes No Go, die Klasse beschuldigt, für das Misslingen verantwortlich zu sein.

Tipp: Ins Referendariat zu gehen ist immer auch eine Reise ins eigene Ich, denn: Nur wer es schafft, sich als Persönlichkeit selbst genau wahrzunehmen, kann es auch schaffen, sich zu verbessern – nicht nur als Referendar, sondern auch später als Lehrer. Alle Möglichkeiten des Feedbacks sollten also ausgeschöpft werden. Und zwar nicht nur in einer vagen „Was war gut, was war schlecht?-Tour, sondern möglichst genau. Sucht euch die Kollegen, von denen ihr ein gutes Feedback erhaltet und vor allem: Fragt eure Schüler! Sie sind wahre Experten auf dem Gebiet.

Hat euch dieser Artikel was gebracht? Bleiben Fragen offen? Einfach in die Kommentare. Für weitere Informationen könnt ihr dem Autor auf Facebook oder Youtube folgen. 

Hier das neueste Video mit dem Thema „Referendariat“:

 

Anmerkung: Ich bin Gymnasiallehrer für die Fächer Englisch, Deutsch und Geschichte am Windeck-Gymnasium in Bühl. Dieser Blog besteht seit 2012 und verzeichnet jeden Monat etwa 10.000-20.000 Aufrufe. Obwohl ich sowohl in Online- als auch in Offline-Publikationen zum Thema digitale Medien und Referendariat publiziert habe, sollte bei Unklarheiten der Fachleiter kontaktiert werden. Obwohl auch zertifizierte Fachleiter und Mentoren positive Rückmeldungen zu dieser Seite und den Artikeln gaben, sind die Informationen ohne Gewähr.

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Gedichtanalyse: Primat des Inhalts

Der Schweizer Dozent, Lehrer und Fachleiter Philippe Wampfler, der vielen vor allem aufgrund seiner Tätigkeit als Medienexperte bekannt ist, schrieb in einem Kommentar zu meinem Video „Der Schlüssel zu jedem Gedicht“ einen interessanten Widerspruch, auf den ich hier eingehen möchte. 

Screenshot des ‚Erklärvideos‘

So sagte Wampfler, der seine Ausführungen mit einem sehr fruchtbaren Text zu lyrischen Texten im Deutschunterricht[1] belegte:

[Du siehst: Ich würde deinem Schlüssel zum Gedicht widersprechen, ich stehe da mehr auf der Seite von Walter Benjamin: Der Strumpf ist Tasche und Mitgebrachtes »zugleich«. Ohne Form gibt es keinen Inhalt, also kann der Inhalt auch nicht vorher kommen. Dein Youtube-Video wäre was völlig anderes, wenn du die drei Hauptaussagen in einem Blogpost kurz darlegen würdest. Aber ich verstehe schon, was du den Schüler*innen mitteilen willst.]

Zum letzten Punkt kann ich Anders empfehlen: Ist eine der Herausforderungen bei der Behandlung von Lyrik im Unterricht.
http://fd.phwa.ch/wordpress/wp-content/uploads/2016/02/Anders-Lyrische-Texte-im-Deutschunterricht.pdf

Der Widerspruch ist klar: Da die Schwierigkeiten der Interpretation, egal welche der von Anders herangezogen Herangehensweisen die Basis der Textarbeit ist, gerade darin liegen, dass Schülerinnen und Schüler Form und Inhalt nicht als eine Symbiose sehen, in der das eine das andere bedingt und unterstützt, greift die simple These meines Videos eigentlich zu kurz.

Analyseschritte nach Anders

 

Aus diesem Grund versuche ich, wie von Wampfler gefordert, das Video und dessen Hauptaussagen anhand der von Anders herausgearbeiteten Verstehenshürden für Schülerinnen und Schüler zu erklären. Dabei ist wichtig, dass meine These, dass der Inhalt vor der Form kommt, ein imaginäres Hilfskonstrukt, dass eben auf die Probleme, die Schülerinnen und Schüler oftmals haben, zielt.

So sieht Anders ein Hauptproblem beim Gesamtkontext. Das Hauptproblem der Schüler sei, dass sie „sich einzelne Elemente des Textes heraussuchen“. „Einzelne Worte werden also unabhängig vom Gesamtkontext des Gedichts interpretiert.“ (Anders, 2013)

Um diesen Punkt den Schülern klar zu machen, erkläre ich ihnen, dass sich mich nach der Bedeutung eines Wortes fragen sollen, bevor wir das Gedicht besprochen haben. Tun sie dies, erkläre ich ihnen, dass ich es nicht nur nicht weiß, sondern auch nicht wissen kann (klar ist das an dieser Stelle auch eine rhetorisch-didaktische Fingerübung).

Des Weiteren besteht eine große Hürde nach Anders in der Sprache, genauer, in der „Polyvalenz lyrischer Texte“. Vereinfacht ist die Schwierigkeit also, dass sich die sprachlichen Bedeutungsebenen nicht „fangen und einsammeln“ lassen, dass es also nicht wie in der alltäglichen Kommunikation eine (scheinbar) feste Zuschreibung des Wortes gibt (während hinzu kommt, dass sprachliche Besonderheiten und historische Veränderung eine weitere Hürde sind).

Die Problematik der Fachbegriffe lasse ich an dieser Stelle aus, da die funktionale Mitteilung der Analyse die Basis jeder Textarbeit ist.

Wichtig ist das Verständnis von Gedichten als ästhetischer Zugang zur Welt, der dem Text keine Absicht unterstellt, sondern einen durchaus sowohl in der Produktion als auch der Rezeption zu erkennenden subjektiven Zugang des Textes zur Welt sieht.

All diese Hürden traten und treten nach meiner eigenen Erfahrung im Unterricht auf. Dabei ist es egal, ob es sich um zunächst bloße textimmanente (also biografische, historische und intertextuelle Verweise hinten anstellende) Interpretationen (meist in der Mittelstufe) handelt, oder poststrukturalistische, bei denen Lehrer und Schüler zu „gleichberechtigten Lesern“ (Anders, 2013) werden (Anmerkung: Diese Form der Gleichberechtigung besteht für mich schon darin, eine von Schülerseite auf Grundlage des Textes sauber belegte These oder Frage an den Text zu stellen, auf die ich selber in der Vorbereitung nicht gekommen bin, und auch und vor allem darin, diese Beiträge wertzuschätzen).

In meinem Videos, dessen Titel natürlich sehr provokativ ist, versuche ich nun, diese Hürden zu umgehen, indem ich in der Hauptthese eine sich selbst bestätigende Aussage mache:

Wenn ich zuerst den Inhalt verstehe und dann auf die Form schaue, muss die Form den Inhalt unterstützen.

Anders als in dem kurzen Video erkläre ich in den Unterrichtsstunden immer auch, dass rhetorische Mittel und/ weitere formale Strukturen natürlich auch dem Inhalt zuwider laufen können und so für kognitive oder semantische Dissonanzen sorgen, die es aufzulösen gilt, jedoch:

Angelehnt an die von Anders besprochenen Hürden habe ich die Erfahrung gemacht, dass dieses simple Konstrukt nicht etwa den von Wampfler zu Recht erwähnten Vermerk, dass der „Strumpf  Tasche und Mitgebrachtes »zugleich«“ ist, redundant werden lässt, sondern im Gegenteil dafür sorgt, dass der Gesamtkontext und die gegenseitigen Bezüge zwischen Form und Inhalt überhaupt als solche erkannt werden.

Insofern ist der titelgebende Primat des Inhalts für meine unterrichtliche Arbeit wie die Stöckchen, die man zum Entfachen des Feuers braucht. Sie sind schnell erloschen und werden nicht mehr gebraucht, sobald das Feuer glimmt. Aber sie helfen zu beginn, den Prozess in Gang zu bringen.

Wenn also zunächst der grundlegende Inhalt verstanden ist, kann der Kontext erweitert, Thesen überarbeitet, methodisch analysiert und historisch eingeordnet werden. Passiert dies (vor allem bei formalen Besonderheiten, die erkannt und „schnell abgearbeitet“ werden), bevor überhaupt klar ist, was geschieht, wer spricht, vom wem die Rede ist, dann ist es viel schwieriger, zurück auf die inhaltliche Ebene zu führen.

 

[1] Petra Anders: Lyrische Texte im Deutschunterricht. Seelze: Klett, 2013.

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Digitale Bildung, also ein bisschen

Es begann mit Höhenflügen: Voller Enthusiasmus malte ich mir vor etwa vier Jahren ein Bild, in dem jeder Lehrer Twitter, jeder Schüler ein iPad und jeder Normalbürger ein wenig Verständnis für die technischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen und Konsequenzen der digitalen Revolution haben. Das war einmal. Vom Boden der Tatsachen aus kann man zwar nicht weit, aber dafür genauer schauen.

Foto: Thomas Clemens

Hier ein Einblick, wie ich digitale Medien und Themen in meinem Unterricht einsetze, also ein bisschen.

Smartphones
Man darf, ab etwa der 8. Klasse das Smartphone benutzen, soweit es sinnvoll ist. Sinnvoller Gebrauch ist beispielsweise das Nachschauen von Themen, die über meinen oder den Wissensschatz der Schüler hinausreichen. Das kann das Nachschauen von Vokabeln sein. Das kann aber auch ein Blick in die authentische Lebenswelt anderer Menschen sein.

Dazu ein Beispiel: Ich habe nichts gegen Schulbücher (zumindest nicht gegen alle) und bin auch nicht der Meinung, dass man nun alles digitalisieren müsste (könnte man, ja, dafür bräuchte ich aber, sagen wir, 15.000 €. Wenn ihr die übrig habt, schickt mir eine Mail). Allerdings sind alte Schulbücher in einer sich sehr schnell wandelnden Welt oftmals etwas altbacken, gerade was die Darstellung angeht. Wieso also nicht schauen, ob im sonnigen Kalifornien die Menschen wirklich so herumlaufen, wie beschrieben? Auf Instagram kann man das leicht. Genau so wie man auf Tumblr schauen lassen kann, welches Weltbild Jugendliche haben, die in dem gleichen Alter sind.

Nicht weltbewegend, ja. Aber normal. Das kleine Bisschen digitale Bildung ist in meinem Unterricht der normale Handygebrauch und zwar dort, wo er sinnvoll ist und sich anbietet (und ja, manchmal darf man auch die Hausaufgaben abfotografieren, während ich wichtige Tafelbilder abschreiben lasse. Mit der Hand! Verarbeitung von Informationen und so).

Vorerst letzte #mannequinchallenge des #windeckgymnasium Szene aus einem Roman, in dem die Schüler gegen den willkürlichen Lehrer aufbegehren.

Ein von Windeck-Gymnasium Bühl (@windeckgymnasium) gepostetes Video am

Blogs
Ich nutze Blogs. Das haut jetzt auch keinen aus den Latschen, ich weiß. Aber dies ist ein wichtiger Schritt, denn: Es werden andere Textformen kennengelernt, die sich nicht in das Schema-F der Buchstruktur quetschen lassen. Und es sind Texte, die Leute schreiben, weil sie schreiben wollen, weil sie es können und weil sie etwas bewegt. Schüler wittern nämlich oftmals das gut gemeinte, aber eben nicht gut umgesetzte Verlangen der Verlage, alles so lange zu didaktisieren, dass man die Moral als Bodensatz schon zu Beginn rausschmecken kann.

Ab und zu nutze ich auch meinen eigenen Blog; das mache ich, damit die Schüler herausfinden können, ob ich tatsächlich machen kann, was ich von ihnen erwarte. Und um zu zeigen, dass ein Mensch, den sie kennen, tatsächlich aus Lust schreibt. Und ab und zu lasse ich sie kommentieren, sozusagen in freier Wildbahn.

Und, klar, ab und zu lasse ich sie Blogs schreiben. Natürlich ist da ein wenig Zwang dabei, ansonsten wird es willkürlich. Aber als ich ein durch „Schulzwang“ begonnenes Blogprojekt der verantwortlichen, freiwilligen Weiterarbeit zuführte, waren die Ergebnisse fantastisch. Und alle begeistern würde ich zwar gerne, kann ich aber nicht.
Inhalte
Das wichtigste in meinem Unterricht ist aber weder das Smartphone, noch die Blogs. Es sind die Themen. Digitale Themen sind Gesellschaftspolitik. Es gibt kein entweder oder. Deshalb ist es genau so bescheuert, einen Guide für Internetquellen zu erstellen (denn es gilt für alle Quellen) wie den Hoax oder fake News als Internetphänomen einmal im Jahr zu besprechen (denn Lügen und Manipulation gab es auch schon im Mittelalter).

Es würde zu weit führen, jedes Beispiel meines Geschichts-, Englisch-, oder Deutschunterrichts ich mit digitalen Entwicklungen verbinde. Denn von der Verfassung der DDR (was sagen sie, was meinen sie, was denken sie?) bis hin zur Erörterung (Sascha Lobos Nazikeule, Argumente der besorgten Bürger) versuche ich jederzeit, wenn es möglich ist und sinnvoll scheint, Brücken ins Hier und Jetzt zu schlagen.

Viel geschafft heute in der Medien-AG des #windeckgymnasium Die neuen #windecknews und das #Jahrbuch sind in den Startlöchern.

Ein von Windeck-Gymnasium Bühl (@windeckgymnasium) gepostetes Foto am

Medien-AG
Natürlich bin ich auch stolz auf die Medien-AG und froh darüber, dass ich nun mit Jugendlichen wirklich auch medial gestalten kann. Zu nennen sind dabei vor allem die Youtube-Videos. Auch Social Media Kanäle hat meine Schule mittlerweile und, nicht zu vergessen, eine aktuelle und, wie ich meine, interessante und gut strukturierte Homepage.

Aber, und darum geht es hier: All diese Beispiele zeigen, dass ich
• keine Roboter programmiere (weil ich es nicht kann)
• keine Tablets benutze (weil wir sie nicht haben)
• so gut wie keine Apps benutze (weil sich mir der Nutzen oft nicht erschließt)
• und auch sonst keine riesigen Innovationen in meinem Unterricht einbringe, aber:

Jederzeit versuche, gesellschaftspolitische Themen, das digitale umfassen, in meinen Unterricht einzubringen. Das ist nicht mehr so innovativ, so schön technisch, so mitreißend, wie ich mir das mal vorgestellt hatte. Aber es ist digitale Bildung. Also ein bisschen.

Das ist dann wohl offiziell die erste Meme mit einem Lehrer. 🤓 Danke an MK!

Ein von Windeck-Gymnasium Bühl (@windeckgymnasium) gepostetes Foto am

P.S. Bevor ich es vergesse: Ich mache natürlich auch YouTube-Videos. Die sind aber nicht teil eines genialen Konzeptes, sondern sollen die Schüler lediglich unterstützen und mich entlasten, so dass ich grundlegende Dinge nicht tausendfach wiederholen muss. Also quasi Flipped Classroom, aber, ihr werdet es euch denken, ein bisschen.

 

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10 Schritte, sich als ReferendarIn unbeliebt zu machen

Als ReferendarIn ist man am unteren Ende der Nahrungskette und bleibt es auch, bis sich die Tore der Institution auftun und einem den Weg in die unendliche Glückseligkeit des Lehrerseins bahnen. Bis dahin muss man buckeln, betteln und beten. Aber das muss nicht sein. Denn schon die Pädagogen des 19. Jahrhunderts wussten: Ist der Ruf erst ruiniert, lehrt es sich ganz ungeniert. Gut zu sein ist ganz nett, aber sich unbeliebt zu machen, ist die Königsdisziplin. Hier 10 Schritte, die funktionieren sollten. 

 

 

1. Immer zu spät kommen 

Was bei jeder Berliner In-Party gilt, ist natürlich auch bei Referendaren zu beherzigen: Wer der Wichtigste ist, kommt als letztes. Gut, so richtig der Wichtigste ist man noch nicht, aber das ist ja das Ziel. Von daher: Ob Unterricht oder Konferenz, gute 15 Minuten sollten immer drin sein. Während dieser Zeit sollte man jedoch nichts Produktives machen, sondern auf dem Gang herumgehen und sich über jene lustig machen, die pünktlich kommen.

2. Alles besser wissen 

Man lebt am besten nach dem Credo, das auch alle nicht am Schulleben Beteiligten immer wieder wiederholen: Je weniger Ahnung man hat, desto mehr sollte man sagen. Und da ja jeder schon einmal Schüler war, weiß er auch, was ein guter Lehrer macht. Das sollte man also immer und zu jeder Zeit ausstrahlen und auch mitteilen. Fürs Erste kommt es sehr gut an, sich bei einer Gesamtlehrerkonferenz zu melden und ganz am Ende, wenn die Stimmung auf dem Siedepunkt ist, „mal ganz grundsätzlich über das hier vorherrschende Bild des Unterrichts“ zu reden.

3. Den Chefsessel anstreben 

Um sich unbeliebt zu machen, sollte man allen zu verstehen geben, dass man auch als Referendar eigentlich über allen anderen steht. Am besten geht das, indem man möglichst wenig Respekt zeigt. Falls also jemand fragt, wo man sich in 10 Jahren sieht, ist ein „Das geht dich gar nichts an! Außerdem sitzt du auf meinem Stuhl!“ die Antwort erster Wahl.

4. Fachleiter nicht ernst nehmen 

Die Fachleiter wollen sich doch eh nur wichtig machen. Deshalb sollte man sie nicht ernst nehmen, indem man sie bei jeder Gelegenheit nachäfft und sich wie ein Schüler verhält. Besonders unbeliebt macht man sich bei Pädagogik-Fachleitern, indem man in kurzen keinen Spitzen nicht nur hinterfragt, ob man „dieses Herumgehüpfe“ überhaupt braucht, sondern generell immer wieder fragt, was das denn nun „mit den richtigen Fächern“ zu tun habe.

5. Die anderen Referendare stressen

Es reicht natürlich nicht, sich nur bei den anderen Lehrern und den Fachleitern unbeliebt zu machen: Derjenige, der den wahren Abgrund anstrebt, macht sich auch bei seinen Kollegen unbeliebt. Gut, der beste Weg ist natürlich, es mit seiner Vorbereitung so maßlos zu übertreiben, dass keiner mehr machen kann und dann so zu tun, als habe man nur 10 Minuten gebraucht. Das läuft aber dem nächsten Punkt zuwider. Deshalb ist es angebracht, in jedem Kurs, in dem man sitzt, dieselbe Frage immer und immer wieder zu stellen. Am besten bietet sich die Frage nach der Lehrprobe an. Gut sind immer auch Fragen, die sich nicht beantworten lassen, also zum Beispiel: „Wird es schwer werden?“ oder „Was ist denn, wenn die Schüler schlecht drauf sind.“

6. Schüler mies behandeln 

Wo wir schon bei Schülern sind: Die Schüler mies zu behandeln ist besonders wichtig, um sich unbeliebt zu machen. Das geht zwar relativ einfach, erfordert aber auch hartnäckiges Handeln. Am besten ist zunächst, sie nicht zu Wort kommen zu lassen. Also: Die ersten Stunden eignen sich in besonderem Maße, um einen unaufhörlichen Lehrervortrag in monoton-gelangweiltem Ton in die Klasse zu posaunen. Dies sollte aber möglichst nichts mit dem Inhalt zu tun haben. Man sagt der Klasse, dass früher alles besser war, nein, dass man selber als Schüler ja schon viel mehr konnte und überhaupt, „die heutige Jugend“ ja nur noch mit Smartphones unterwegs sei und sich von den Helikoptereltern bis in die Uni den Hintern nachtragen lasse. Man sollte alles, was mit Metaplankarten und dem ganzen Zeug zu tun hat, getrost in die Tonne kloppen.

 

7. Elternfragen ignorieren

Ein sehr guter Weg, sich unbeliebt zu machen, ist den Eltern auf jede Frage mit folgender Reaktion zu begegnen:

8. Schlafen 

Schlafen ist wichtig und richtig und sendet immer das Signal aus: Mein Körper und mein Wohlergehen ist mir so wichtig, dass alles andere warten kann. Also warum nicht einfach mal dort, wo man gerade ist, ein Schläfchen machen. Am besten, wenn der eigene Unterricht schon begonnen hat. Um sich unbeliebt zu machen, ist das ein sehr gutes Mittel (siehe Symbolbilder oben).

9. Ignorant sein 

Wenn man die bisherigen Punkte berücksichtigt hat, dann ist man schon auf einem sehr guten Weg, sich sehr unbeliebt zu machen. Allerdings wird es auch Konsequenzen haben, was in der Institution Schule natürlich auf jeder Ebene in einem ernsten Gespräch münden wird. In diesen Gesprächen ist es wichtig, die Schuld nie bei sich selbst, sondern immer bei anderen zu suchen. Einfach den Satz einüben: „Ich sehe das nicht ein!“ Als politisch begabter Mensch weiß jeder, dass es gerade sowieso dem Zeitgeist entspricht, die Fehler bei anderen zu suchen. In diesem Sinne ist falsches Handeln nur alternatives richtiges Handeln.

10. Umfeld belästigen 

Mit diesen Schritten hat man es auch schon fast geschafft, sich komplett unbeliebt zu machen. Da aber Freunde und Bekannten sowie Familie und Partner (sofern man diese in dieser Zeit überhaupt noch zu Gesicht bekommt) davon ausgehen, dass man eigentlich sehr viel zu tun hat, sollte man ihnen auch den Gefallen tun, dies immer, ständig und ununterbrochen zu erklären. Alles, was sonst im Leben wichtig ist, sollte hintenangestellt werden. Am besten ist, man sagt das den Betroffenen auch: „Was weißt du schon. Ich bin im Referendariat, dagegen ist selbst Krieg ein Bällebad beim Kindergeburtstag.“

Wenn man all diese Ratschläge annimmt, hat man es mit großer Wahrscheinlichkeit geschafft: Man ist der unbeliebteste Referendar in der Welt! Welch eine Leistung!

 

Anmerkung des Autors: Alle hier angegeben Punkte sind – nun ja – ihr wisst schon.

 

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