Bob Blume
"(…) eine Axt für das gefrorene Meer in uns."

Der Zauber der Musik

GLAS Kopie

Wahrscheinlich hören wir am meisten Musik, wenn wir jung sind. Aber was heißt hören, wir verschlingen sie wie ein Stückchen Brot nach einer großen Fastenzeit. Später hören wir weniger. Aber in seltenen Momenten kann es sein, dass uns ein Lied zurück bringt in eine andere Zeit.

Das Zimmer ist dunkel, obwohl das Licht an ist. Über dem Balkon fängt die Grasnarbe an. Es ist sehr ruhig, deshalb wird die neue CD eingelegt. Die Stimmung wird besser, soweit die Einsamkeit das erlaubt. Man schlendert in die Küche und starrt in den Kühlschrank. Der ist leer. Wie eigentlich meistens. Nur ein tiefgekühltes Baguette verhöhnt einen. War es dasselbe wie gestern. Keine Ahnung mehr. Der Kopf ist so voll mit Informationen wie der Magen leer ist. Aus dem Raum kommt noch die Musik. Sie sagt einem, dass man irgendwann ein anderer werden wird.

Und nun hört man die Musik und muss unweigerlich lächeln, weil man weiß, was man dachte. Und was man zu glauben dachte. Und irgendwie hatte das Denken genau mit dieser Musik zu tun.

Keane „Everybody’s changing“ 

Foto by Roland Blume

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Ina Müller – Poetin einer Generation

Jede Zeit hat ihre herausstechenden Künstler, und viele, die den Namen Ina Müller hören, würden sie mit Sicherheit nicht auf Anhieb in diese Kategorie einordnen. Zu Unrecht. In ihrer Bühnenshow vereint sie treffende, pointierte und humorvolle Anekdoten aus ihrem eigenen Leben mit einem von genialen Musikern begleiteten Liedrepertoire, deren Stücke jedes vor genau beobachteten gesellschaftlichen Situationen nur so strotzen.

Nun gibt es natürlich einige Künstler, die dies auf ihre Weise tun. In der Kunst wäre dies zum Beispiel die abstrakte malende Künstlerin Milica Reinhardt, die abstrakte Darstellungsweisen mit menschlichen Emotionen verknüpft.

Ina Müllers Stärke besteht jedoch auch – und das ist es auch, was bei ihrem Repertoire so heraussticht – in einem wunderbar pointierten Sprachwitz und einen ausgeprägten Sinn für Dramaturgie. Dies an allen Liedern zu zeigen, würde den Rahmen sprengen.

Es sei nur auf das Lied „3 Männer her“ hingewiesen, in dem sie als eine der wenigen Künstler den bei Dylan Thomas geläufigen Kniff der adverbialen Umkehrung die Zeit als Personen beschreibt. Das Lied selbst beschreibt das lyrische Ich, wie es sich an die geliebte Person erinnert, die eben in zwischen „drei Männer her“ ist. Ina Müller bedient sich ihrer ganz eigenen Sprache, die aber niemals aufgesetzt wirkt.

Ganz im Gegenteil. Die Banalität der Beobachtung, zum Beispiel, wenn sie es „schön“ findet, wenn Männer mit Mitte 20 noch oft und lange duschen (Müller selbst ist inzwischen Mitte 40), oder das Gefühl des Dazwischen-Seins, in eben jenem Alter.

Sie spricht eigentlich in jedem ihrer Lieder über die Veränderungen und auch die Kontinuitäten, die sich in einem Leben in ihrem Alter ereignen. Das starke daran ist jedoch, dass das, was sie beschreibt zugleich überzeitliche Motive hat. So hat jede Lebensphase Punkte des „Dazwischen Seins“.

Aber auch Neuerungen bleiben nicht unberührt. In einem niemals überheblichen, sondern nur ironisch pointierenden Lied beschreibt sie die Veränderungen, die eine Freundschaft durch die neuen Medien durchleben kann. Die Oberflächlichkeit erhält Einzug in vormals intime Bindungen. Facebook killed the Real Friendship. Wie immer leitet Müller das Lied mit einer Beobachtung ein – einem früheren Freund, dessen Stupsen sie seine Veränderungen anhand von Bildern nachvollziehen lässt, was sie sofortig bereut.

Obwohl Müller mit ihrer kongenialen Band (Ich fasse es nicht, endlich wird den Solis mal wieder Platz eingeräumt) so viele Themen berührt, sind die Texte, ihre Ansagen, ihre Show niemals mit dem gehobenen Zeigefingen ausgesprochen. Diese Frau hat einfach was zu sagen, und es macht Spaß ihr zuzuhören.

Insgesamt ist sind ihre poetischen Lieder über Freundschaft, das Alter und das Altern, die neue Zeit, das Moderne, Die Frau  und den Mann – so treffend, dass ich freilich mit einer subjektiven Empathie für eine Frau, die mich überzeugt hat, Ina Müller für die Poetin einer Generation halte.

Man mag anderer Meinung sein – und sie albern oder schlicht zu finden ist ja, verfolgt man den Boulevard oder Feuilleton eher „in“; aber man sollte sie vorher hören.

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Mein CD Regal (Thomas Clemens)

Reaktion auf Marc Hofmanns „Hören Sie Charts? Dann wird’s nichts mit uns beiden“

Sehr interessant. Da wäre ich neugierig, wie ich nach dem Inhalt des CD-Regals beurteilt werde. Vor meinem geistigen Auge sehe ich da einige Synapsen rotieren.

Ja, auch die “Mensch” steht da, sowie fast alle anderen Grönemeyer CDs. Ich mag den Typ und seine Musik auch.
Genauso gern höre ich aber auch Subway To Sally, In Extremo, ASP oder Marilyn Manson.
Und wenn ich Lust darauf habe, kommt auch mal eine Andreas Vollenweider Scheibe oder das (auch irgendwie unvermeidliche) “Köln Concert” in den Player.
Nagut, mit Techno kann ich nicht dienen. Das eine Richtung, die mich nicht interessiert. Die Fahrgemeinschaft mit einem Schulkollegen zur Uni hat meinen Bedarf an “Uz-Uz-Uz” ein für alle mal gedeckt. Ich hatte immer das Gefühl, seine Mitschnitt-Kassetten aus dem Tarm Center enthielten pro Seite genau ein (gefühlt endloses) Musikstück, dabei hat er steif und fest behauptet, es seien mehrere unterschiedliche(!) Stücke gewesen.
Radiohead? Jo, ganz nett. Bringt mich aber nicht zur Extase oder in Versuchung eine CD von denen zu kaufen. Ehrlich gesagt musste ich gerade mal kurz auf Youtube spicken, weil mir so gar kein bekanntes Lied von denen in den Sinn kam. Ist wohl an mir vorbeigegangen oder treffender: zum einen Ohr rein und zum anderen wieder raus.

Ich kaufe tatsächlich noch CDs. Aus irgendeinem Grund habe ich gerne etwas in der Hand und blättere durch ein Booklet, wenn denn eins dabei ist. Das ist übrigens das einzige, was ich von den alten LPs vermisse. Schöne, kunstvoll gestaltete Booklets mit Texten, die man ohne Lupe lesen kann (die Augen werden ja schließlich im Alter selten besser). Auf den Rest, insbesondere das Wenden der Platte kann ich gut verzichten, auch wenn das dem wahren Puristen wahrscheinlich eine liebe Angewohnheit ist, mal abgesehen von den endlosen Grundsatz-Diskussionen ob es jetzt besser ist, die Platte nass oder trocken abzuspielen. Das war mir immer gleich. Die Plattenspieler, die ich in meinem Leben besessen habe (ich glaube es waren ganze zwei), hatten die Qualitäteinstufung “Rillenfräse”, weshalb ich auch nicht in Versuchung komme, meine alten LPs nochmal aus ihrem Dornröschenschlaf zu erwecken. Ich habe sicher kein audiophiles Gehör, aber das Geknirsche und Geknackse erspare ich mir dann doch lieber.

Zurück zum CD-Regal. Interessant ist der Blick ins CD-Regal auf jeden Fall und bietet vielleicht auch den Einstieg für ein interessantes Gespräch oder wenigstens ein paar mehr Small-Talk-Floskeln.

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Eigene Musik/ My own stuff

Aktuell: Der deutsche Off Facebook Song: Ich logg mich aus

Own songs (more here)

Most of the songs are at least five years old, written in the state of youthful melancholia. New Songs are on the way.

Come on Back

Beautiful

Goodsad

Herz und Kopf

Liebeslied

Angel

Themenübersicht/ Topic overview

Anmerkung: das deutsche Musik immer dasselbe ist, stimmt so nicht. Ich verweise auf die Musik eines Kollegen, für alle die auf gute deutsche Texte stehen. Wir werden sie finden:

www.siewerdenunsfinden.de
http://www.siewerdenunsfinden.de/marc-hofmann-solo/

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Rezensionen

Hier bespreche ich dieses und jenes Neue, was mich grade beschäftigt und was man (unbedingt) hören sollte. Wie immer, vollständig ist nicht. Aber auch wenige kleine Dinge können unglaublichen Spaß machen.

Casper, XOXO (2011)

Wie viele negative konnotierte  Titel hat Casper aus dem Dunst der aggressiven Rapper von Berlin bis Frankfurt schon kassiert, gesammelt und weggesteckt. Nun zeigt der „Emo-Rapper“ den Kritikern, wo der Hammer hängt. Und der hängt meistens an der Chartspitze. Düster, wortgewandt, laut, wütend, verständnis- und stilvoll. Für denjenigen, für den sich der deutsche Sprechgesang nicht hinter Masken und Sprüchen vom Ewig-Besseren verstecken muss, ist das definitiv eines der besten Alben dieses Jahres. Übrigens: auch für den Deutschunterricht sehr geeignet.

Kraftklub, Mit K (2012)

Muss ich mich tatsächlich in den Jubelgesang der Rezensenten einfügen, indem ich lobe, wie innovativ dieser Musikmix ist, wie heimatverbunden und aufmüpfig die Texte, wie sich selbst ablehnend, wie kraftvoll? Ja, muss ich. Meine persönliche Meinung ist, dass sich die gewaltvolle Beatansammlung von KIZ mit dem schwedischen Alternativrock von Mando Diao heimlich getroffen hat und ein Kind bekam: man nannte es Kraftklub.

Copyright

Man kann wirklich nicht sagen, dass diese Schülerband aus Baden-Württemberg nicht weiß, was sie will. Mit dem Song „Ich willz“ haben sie denn auch gleich einen Song-Contest gewonnen. Ich finde: das verdient Respekt und Unterstützung. Hört doch mal rein:

http://www.copyright-theband.de

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