Bob Blume
"(…) eine Axt für das gefrorene Meer in uns."

REZENSION: Digitaler Deutschunterricht

 

Medienexperte, Dozent und Lehrer Philippe Wampfler

Zunächst das Wichtigste: Philippe Wampflers „Digitaler Deutschunterricht. Neue Medien produktiv einsetzen“ ist vor allem eines: Erkenntnisreich, durchdacht und gewinnbringend zu lesen. Für diejenigen, für die Begriffe PLN, Filterblasen oder die 4K Fremdwörter sind, ist es zunächst auch eine Herausforderung. Und überhaupt: Die Herausforderung, die sich nach der genauen Lektüre ergibt, ergibt sich vor allem darin, seinen eigenen Unterricht nicht auch nur ein wenig zu verändern. 

Eine Vorbemerkung

Schon als bekannt wurde, dass der Medienexperte Philippe Wampfler ein neues Buch veröffentlichen wurde, war ich interessiert. Dies liegt nicht nur daran, dass schon Bücher wie „Generation Social Media“ einen unverkrampften, sachlichen und vor allem lustvollen Zugang zu den digitalen Medien und den in ihnen zu findenden Sphären gewährten, sondern vor allem deswegen, weil man Wampfler bei seinem Tun über die Schulter schauen kann – man kann also das tun, zu dem Wampfler selbst  alle Deutschlehrer auffordert: Lurken, also jenen, die sich in den Medien bewegen wie Fische im Wasser, über die Schulter schauen.

„Effekte nicht addieren, sondern in der Verschmelzung einen Zusatznutzen finden.“

Insofern las ich das Buch zunächst zweidimensional: Während eine Perspektive aus der Erinnerung an zahlreiche Diskussionen entsprang, die auf Twitter und Facebook zu den verschiedenen Themen geführt wurden, versuchte ich die andere aus der Warte eines der digitalen Kultur gänzlich fremden Deutschlehrers zu imaginieren (was zugegebener Weise aufgrund der eigenen Social-Media-Nutzung nicht besonders leicht ist).

Lange ging dies nicht gut. Denn neben der theoretischen und der imaginierten Perspektive, kam schnell der Praktiker hinzu, der sich von dem Buch inspirieren ließ. Und das nicht nur vor dem Hintergrund der zahlreichen Vorschläge, wie man die digitalen (Jugend-)Welten gewinnbringend in den Deutschunterricht integrieren, ja, einen gänzlich anderen Deutschunterricht kreieren kann. Sondern auch, was die Herangehensweise und die theoretischen Grundlagen des Buches betrifft.

Digitale Medien stehen im Zentrum des Deutschunterrichts, sie sind es, worum es geht.

Struktur des Buches

Das Buch, welches mit etwa 150 (allerdings prall gefüllten) Seiten innerhalb weniger Stunden zu lesen ist, ist in drei Kapitel aufgebaut. Während in den einleitenden Bemerkungen vor allem Bezug auf die zahlreichen Kritiker und den, wie es dort heißt, noch vorherrschenden „Verhinderungsdiskurs“ Bezug genommen und die wichtigsten (und vor allem lähmenden) Argumente entkräftet werden, werden im zweiten Artikel die „Grundlagen digitaler Arbeit im Deutschunterricht“ besprochen und dienen als Rahmen, um die folgenden „Projekte und Unterrichtsideen“ in eine Konzeption zu betten, bei der die Arbeit mit, über und durch digitale Medien mehr ist als eine Erweiterung.

Eckpunkte

Wampflers Buch bildet das ab, was es vom Deutschunterricht fördert: Indem  seine Beschreibungen des Status Quo und der neuen Zielrichtung, auf die sich ein der Gegenwart entsprechender Deutschunterricht orientieren sollte, auch Dimensionen und Zugänge von Kulturtheorie und Gesellschaftstheorie einbinden, ist das Buch selbst eine Art best practice Beispiel. Deutschunterricht und dessen Gegenstände sind und sollen mehr sein als die Abarbeitung an einem tradierten Normenkanon.

Kurzfristig müssen Lernumgebungen demokratischer und unter Einbezug der Lernenden gestaltet werden.

Dabei ist Wampfler kein Dogmatiker. Es geht ihm nicht darum zu zeigen, dass alles Digitale besser ist. Es geht aber eben auch um mehr als um den Nutzwert von Tools. Indem er die Nutzung digitaler Plattformen, Werkzeuge und Methoden normalisiert, die Kritik relativiert, bestehende Axiome dekonstruiert und in klarer, sachlicher und auf neuesten empirischen Grundlagen beruhender Argumentation systematisiert kann man zu jeder Zeit die Gedankengänge nachvollziehen, die weniger auf den Wunsch nach Tabletklassen hinauslaufen, sondern auf einen gänzlich neuen Zugang, eine zeitgemäße Bildung, die digitale Möglichkeiten insofern ernst nimmt, als dass sie nicht eine Erweiterung eines starren Unterrichtskonzepts folgen, sondern den Unterricht selbst nach außen und innen öffnen und in ein individuelles Lernnetzwerk überführen.

Warum kein Spiel als Erweiterung von Literatur?

 

Kritik

Durch die schon angesprochene sehr saubere Argumentation gelingt es Wampfler, Kritik an seinem Ansatz zu erschweren. Das ist durchaus positiv gemeint. Gerade wenn man Wampflers Ansatz einer offenen, auf Eigenverantwortung, Kollaboration und Kreativität beruhenden Bildungsbegriff ein wenig kennt, weiß man, dass es hier um mehr geht als um Computer im Deutschunterricht. Das bedeutet aber gleichsam, dass sich Wampfler eben nicht bei der Endlosdiskussion darüber aufhält, ob nun die Nutzung von WhatsApp problematisch sein könnte (eine Diskussion, bei der er klar auf der Anwenderseite argumentiert).

Lernende dürfen zur Toilette, wann sie wollen, sie dürfen tragen, was sie wollen – und sie dürfen sich Notizen machen und recherchieren, wie sie wollen.

Wenn man kritische Aspekte herauspicken sollte, würde man wohl dort ansetzen müssen, wo es darum geht, was eine durch seine Anforderungen modellierte Lehrperson zu leisten hat. Sind alle im Stande, sich den digitalen Gegebenheiten anzupassen? Muss sich jeder online exponieren? Ist eine Unterrichtsführung auf Augenhöhe, wie Wampfler sie fordert, für jeden leistbar oder überhaupt erstrebenswert?

Aus zumindest einem persönlichen Gespräch weiß ich, dass Wampfler es leid ist, sich den ewigen „Nörglern“, die es zwangsläufig gibt, zu ergeben. Hier argumentiert jemand, der weiß, dass das digitale Zeitalter begonnen hat und dass es nicht darum ankommt, ob das durch einige immer noch ignoriert wird. Sondern darum, Schülerinnen und Schülern mit einem alle Bereiche des Lernens umfassenden Konzepts auf ein Leben vorzubereiten, bei dem die Unterscheidung zwischen on- und offline zunehmend redundant wird.

Und sonst?

Das Buch ist utopisch und revolutionär. Beides im positiven Sinne der Begriffe. Es werden sich viele Abers finden, doch es wird darum gehen, die Trotzdems zu finden.

Die verschiedenen Themen, die Wampfler in diesem eigentlich dünnen Büchlein streift, würden es allesamt verdienen, sich noch eingehender mit ihnen zu befassen. Ob es nun die Kritik an den Verhinderungsdiskursen geht (denen alle digital affinen Lehrer ausgesetzt sind), das Erlernen von Kulturtechniken (im Gegensatz zu einer Verengung auf Schullektüren)

„Dieses Buch geht davon aus, dass die Digitalisierung den Kern sprachlichen Lernens betrifft und verändert.“

oder eben zahlreiche praktische Ansätze, die das Buch liefert – vom Twittern aus der Perspektive einer Literaturfigur oder der Analyse von YouTube-Videos: Das Buch ist eine -durchaus streitbare – Fundgrube.

Nach nunmehr der Lektüre von einigen (Standard-)Werken der Digitalisierung, meine ich sagen zu können: Dieses Buch sollte nicht nur in jeder Lehrerbibliothek stehen, sondern Bestandteil der Lehrerausbildung sein, da es einen grundlegenden neuen Ansatz erprobt und sich nicht davor fürchtet, Altbewährtes zu hinterfragen oder sogar komplett abzulehnen.

Und falls man tatsächlich nicht von den Thesen, den Ansätzen und den praktischen Beispielen überzeugt ist, die sich hier finden, kann man den Autor immer noch persönlich kritisieren oder nachfragen. Das ist nicht nur möglich, sondern auch immer wieder gewünscht in dieser „post-digitalen“ (Vgl.S.24) Gesellschaft, in der wir leben.

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ENGLISH: Letter to J.K. Rowling

Dear J.K. Rowling,
I´m Agata, a 14-years-old girl from Germany who read the last words of the last Harry Potter book a minute ago. I´m writing this letter to you because of only one reason: to say THANK YOU.
I don´t know how to start. I would only like to tell you something that is very important for me and I hope so, so much you have the time and mind to read it.
Well, I think I start with the beginning, the beginning of an amazing time I found my most favourite activity.
I know, there are so many people who have written to you earlier and whose letters are more interesting and more creative… And I, I´m a normal girl from a little city who doesn´t know so much about Harry Potter. I´ve only read the books and watched the films… Anyway, I´m so impressed. Oh, I thank you so much.
It´s quite funny that your books hadn´t been so successful before I started to read the first one. Honestly: my first Harry Potter book had had a really sad life in my shelf. My mum bought me one and wanted me to read it because many friends had said it would be pretty good, but no, it didn´t interest me at all. I can´t believe it. I can´t believe I really said that and I really didn´t want to read this incredible book. I must have been an alien back then. Okay, sure, I didn’t know that´s so cool, but I can remember that I read the first page when I got it, and I wasn´t interested anyway. Now, when I look at the first page, I could read the whole book again and again. Every single one! And I cried after the last one because there aren´t any left. It´s amazing.
I´d never read such books like you have written. These whole stories which are so primed and thought-out can lead to such an amazing feeling, and during the read I was thinking every second about how extensive every single book is. It´s unbelievably.
I was eating your books like cake and I´m so thankful for that. Therefore, I´m so thankful because I finally found something different as cake, I´m eating it too much. What a joke. I think you know what I mean, don´t you?
Do you know how much your hand can affect other people? I was dreaming, laughing, crying and thinking only about Harry Potter and I´ve never experienced anything like that before. And I LOVE reading. I get goose bumps when I only hear the words ´Harry Potter´. Sometimes it feels like it is everywhere in my body.
I simply love everything you put wrote the page. Every book, every chapter, every scene and every word. And of course every character.
I say thank you to all the people who worked for the developing company from HP and his films because without that they would aggrieve a fantastic author.
In general, everyone who is able to show his creativeness and fantasy in any ways and makes it visual for other hearths should be respected. I don´t know if ´respected´ is the right word, but I want to come to this question: who knows how many other books are waiting for other (and more) readers? I´ve got a lot of experience with these books. It´s too bad. I´m really glad that your book(s) found the way to me. ☺
I ´d really like the people who think Harry Potter only deals with war and danger to learn that this is only a little part of it and that it deals also with friendship, love, courage and so much more. All of it makes me love your books so much!
I´m shaking my head and still can´t believe there really exists something amazing like the story of Harry Potter. Even only on paper. I will never stop I don’t want to ever stop thanking you.
I hope you and your family are fine.
Yours,
Agata

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BERICHT: Dichtung und Wahrheit: Lesung mit Per Leo

DSC_0012Am Donnerstag, den 28. Januar, besuchte der Berliner Schriftsteller und Historiker Per Leo das Windeck-Gymnasium Bühl, um aus seinem nunmehr in der 5. Auflage erschienenem Buch „Flut und Boden“ zu lesen und sich den Fragen des Publikums zu stellen. Zuvor hatt der von Herrn Dr. Lembke und Herrn Dr. Seiler im Rahmen von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ eingeladene Leo dem Seminarkurs die Kunst historischen Schreibens erläutert.

Die Zuschauer hatten einiges zu erwarten, als der klein gewachsene, freundlich drein schauende Mann mit schütterem Haar die Bühne betrat, ging es doch um nicht weniger als ein Buch, dass trotz des schon vielfach besprochenen Themas deutscher Schuldiger in der Zeit des Nationalsozialismus in den Feuilletons als „erkenntnisstiftend“ gelobt worden war.

Herr Dr. Sven Lembke, der Leo noch als Studenten in Freiburg betreute und ihm seither wie Dr. Mario Seiler auch freundschaftlich verbunden ist, stellte Leo als jemanden vor, der die Dimensionen der Geschichte behandele, die in der Schule oftmals fehlten. Schule vermittele die Welt „an sich“. Das sei hier nicht der Fall.

Nach einigen Worten über den 1972 in Erlangen geborenen Leo, der Philosophie, Neuere und Neueste Geschichte und Slawistik in Freiburg und Berlin studierte und 2009 den Caroline-von-Humboldt-Preis für seine Dissertation erhielt, begann der Schriftsteller und Schatullenproduzent mit der Lesung von vier ausgewählten Stellen aus seinem Buch.

Dabei ist der ungewöhnliche zweite Beruf geradezu programmatisch für das, was Leo in seinem Buch vollbringt. Er erzählt, berichtet und reflektiert hier über seine Familie, ein Bremer Bildungsbürgergeschlecht, und vor allem über den Werdegang seines Großvaters und dessen Bruder. Während der letztgenannte, Martin, seinem bildungsbürgerlichen Ideal treu bleibt und sich in das Goethestudium vertieft, erzählt der Ich-Erzähler, Leo selbst, wie Friedrich nach gescheiterten Versuchen, sein Leben in die gewünschte Bahnen zu lenken, ein Berufsoffizier der SS im Rasse- und Siedlungshauptamt wird. Obwohl die beiden Brüder sich in ihrem Leben eher aus dem Weg gehen und Berührungspunkte vermeiden, laufen die Lebenslinien im Buch nah aneinander. Man könnte sagen: Die Schatulle zweier unterschiedlicher Lebensentwürfe wird geöffnet.

Die professionell, in sprachlich dynamischen Sentenzen vorgetragenen Buchstellen, verdeutlichten die Mehrstimmigkeit in Leos Buch, die einer der Gründe ist, warum es von der Kritik so wohlwollend behandelt wird. Auf der einen Seite die sachlich-objektiven Perspektiven des studierten Historikers, der durch Ironie und Distanz die mythische Überhöhung von Rasse und Volk aus dem Nationalsozialismus unterwandert und erklärt. Auf der anderen Seite der Ich-Erzähler, der einsehen muss, dass der Großvater Teil seiner Familie ist. Hier wird nicht verteufelt, sondern beschrieben. Letztlich ist es das, was eine Erkenntnis des Buches ausmacht. Die Wandlung vom Nazi wird zur Möglichkeitsform unter anderen. Während der eine Bruder aufgrund der nationalsozialistischen Rasseideologie sterilisiert wird, ist der andere dafür verantwortlich, deutsches und undeutsches Menschenmaterial auseinander zu dividieren.

Das Buch des Historikers, der aufgrund eines „produktiven Scheiterns“, wie er das Buch nennt, zum Schriftsteller wurde, läuft entlang dieses Spannungsverhältnisses. Dabei betonte der Autor selbst, die Möglichkeiten, die die Literatur im Gegensatz zur Geschichtsschreibung biete. Er sprach von der „Literatur als letzte Möglichkeit der Aneignung“ eines Stoffes, mit dem die deutschen durch die Medien jedes Jahr überladen werden. Das Neue ist, dass der Leser, anders als bei „Nazifilmen“, die einen schon bekannten Weg einschlagen, sich nie sicher sein kann, auf der sicheren Seite zu sein. Das erfordert Aufmerksamkeit beim Lesen.

Am Ende der Lesung nahm sich Leo Zeit, Fragen aus dem Publikum zu beantworten. Neben jenen Gedanken, die er zum Verhältnis von Literatur und Geschichtsschreibung äußerte, spannte er den Bogen bis hinein in die schwierigen Fragen unserer Zeit. Zwar lasse sich die momentane Debatte nicht mit Weimarer Verhältnisses vergleichen, aber die „totalisierenden Spachweisen“, die man zur Zeit auf der Straße und in den Medien höre, seien für ihn „zutiefst besorgniserregend“.

Er habe es nicht für möglich gehalten, dass „die Sicherheit der Debatte“ schwinden würde.

Vielleicht sind diese Worte das, was es so gewinnbringend macht, das Buch von Per Leo zu lesen. Denn neben historischen Neuheiten und einer frischen Sprache liest der Leser sich mitunter gefährlich nah an das Denken eines überzeugten Rassisten, freilich, um die Fährte dann wieder zu verlassen. Was hängen bleibt, ist die Erkenntnis, dass Geschichte nie nur in der Vergangenheit liegt. Das ist beunruhigend, aber lässt einen aufmerksam für die Gegenwart bleiben.

„Flut und Boden“ bei Amazon

 

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REZENSION: Schuld und Sühne: Rezension zu Sascha Bisleys „Zurück aus der Hölle“

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„Es lebt sich einfacher, wenn man mit dem Finger auf jemanden zeigen kann und weiß, dass man ihn bloß hassen muss, um selbst richtigzuliegen. Es ist einfacher, wenn man die Schule am eigenen Versagen und der falschen Art zu leben auf die Fehler anderer abwälzen kann.“

Ein wichtiger Satz. Ein Satz, der leider in unsere Zeit passt wie die Faust aufs Auge. Ein Satz, geschrieben von einem – wie es heißt – „gefeierten Lesebühnenautor“. Ein Satz von jemandem, der es wissen muss, wie schmerzlich es ist, Verantwortung zu übernehmen. Verantwortung für das Leiden anderer.

Als ich Sascha Bisley das erste Mal las, war ich bewegt von der schieren Gewalt seiner Worte, die er in seinem mittlerweile überregional bekannten Blog www.dortmund-diary.de zum Besten gab. Ich bezeichnete ihn einst als meinen persönlichen Schweinehund, der dort den Finger hereinsteckte, wo es dreckig war und eklig roch. Und solcherlei Orte gibt es viele im Ruhrgebiet. Als ich auf den ersten Seiten über die Stadt Hagen, in der ich groß geworden bin, lesen musste, sie sei scheiße, brachte das das Lebensgefühl, das man zumeist erst in der Retrospektive hat, ziemlich genau auf den Punkt.

Aber Sascha Bisleys Buch ist keine Abhandlung über die hässlichsten Orte Deutschlands, sondern das Bekenntnis eines Menschen, dessen Geschichte auch anders hätte verlaufen können. Einem Menschen, der trank, kokste – und am liebsten anderen auf die Fresse schlug. Einem Menschen, der die Kontrolle verlor bis zu dem Punkt, an dem er zusammen mit einem Freund einen anderen Menschen so sehr schlug und trat, dass dieser später an seinen Verletzungen starb. Einem Menschen, der erst spät – gerade noch nicht zu spät – bemerkte, wie sehr er sein eigenes Leben verschissen hatte. Und der nochmals neu anfangen wollte. Anfangen, nicht enden, wie in den detailliert beschriebenen Selbstmordversuchen.

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Sascha Bisley redet mit dem Leser von seinen Gewaltexzessen, von seinem Leben am Rande der Gesellschaft und von seinen Sauftouren wie mit einem Freund. Er versucht nichts zu beschönigen. Er ist nicht verliebt in seine Vergangenheit. Er sagt, wie er es spürte und spürt nach, was ihn antrieb bis zu dem Punkt als er einen Menschen so schwer misshandelte, das er später an den Folgen starb. Aber er schreibt auch über seine Dämonen, darüber, wie es sich anfühlt vor der totalen Resignation zu sein und über die Hoffnung, die ihm selbst nach einem unglaublichen Ereignis im Gerichtssaal das eigene Leben rettete.

Ich kann nicht objektiv über dieses Buch schreiben und weiß nicht, ob es jemand kann. Die Seiten saugen sich in den Kopf und man hat das Gefühl, mit einem alten Bekannten, ja, einem Freund auf der Couch gesessen zu haben, der einem die Geschichte seines Lebens erzählt – eine Geschichte, die sich im letzten Augenblick zum Guten wendet.

Man kann Sascha Bisley vorwerfen, überhaupt erst dieser Mensch gewesen zu sein, dem andere egal waren, der sich an der Macht ergötzte, über anderen zu stehen, sie zu verletzen und Straftaten aus Freude zu begehen. Aber man kommt nicht umhin, sein Umdenken zu bestaunen. Sascha Bisleys Buch ist kein Höllenritt, weil es wahr ist. Es ist nicht gut, weil es überlegt ist, sondern weil es an eine Wahrheit kommt, die nur derjenige haben kann, der sich und sein gesamtes Leben in Frage gestellt hat. Ein Buch wie geschaffen für eine Zeit, in der es wieder Mode ist, anderen die Schuld zu geben.

Vielleicht kann es dem einen oder anderen Hoffnung geben. Ich glaube, es kann.

 

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UNTERRICHT: Präsentieren in der Schule: Tipps und Tricks

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Wie man es als Schüler schafft, gute Referate, GFS und FÜK zu schreiben und diese zu präsentieren.

Kleines Vorwort

Oftmals sind Referate in der Schule ein Ärgernis. Auf Schülerseite, weil man sich nicht vorbereitet fühlt und einfach darauf los arbeitet und auf Lehrerseite, weil man denkt, man habe entweder alles gesagt oder das Vorgehen sollte selbstverständlich sein. Oftmals ist es das aber nicht, was daran liegen kann, dass entweder nicht genau beschrieben wird, was eigentlich gefordert wird, oder die Schüler die Erklärungen ignorieren.

In diesem kleinen Artikel werden einige Tipps und Tricks vorgestellt, wie man gute (bzw. sehr gute) Präsentationen und Ausarbeitungen anfertigen kann.[1] Zunächst geht es um allgemeine Punkte, die alle Formen der Präsentation betreffen, dann werden die verschiedenen Formen gesondert betrachtet.

Allgemeine Informationen

Was ein Referat eigentlich soll

Ein Referat oder eine GFS (Gleichwertige Feststellung von Schülerleistung) soll (auf unterschiedlichem Niveau) zeigen, dass ein Schüler sich verantwortungsbewusst und eigenständig mit einem für ihn oder sie interessanten Thema auseinandergesetzt hat und dieses überzeugend und nachvollziehbar darstellen kann.

Was ein Referat oftmals ist

Referate sind oft bloße Darstellungen von bereits existierenden Internetseiten, also eine Art Copy-Paste-Karaoke, das oftmals vom Lehrer entzaubert wird, indem er oder sie nach den besprochenen Begriffen fragt. Wer die Begriffe, die er in einer Präsentation verwendet, nicht versteht, für den kommt dementsprechend auch keine gute Note in Frage.

Wie man es besser machen könnte

Neben den Dingen, die auch die meisten Tipps im Internet zeigen, sind drei Dinge besonders wichtig, um ein Referat, eine GFS oder eine FÜK gut zu machen:

  1. Die Fragestellung
  2. Die Struktur
  3. Die Präsentationstechnik
  1. Die Fragestellung

Man könnte auch sagen: Bei der Fragestellung wird schon entschieden, um welche Note es gehen wird. Denn wer das Thema zu umfangreich wählt, der kann unter keinen Umständen alles abdecken, was dazu führt, dass immer etwas nicht besprochen wurde. Am schlimmsten ist es dann noch, wenn dieses eine Thema auch nur mit einer einzigen Webseite „belegt“ wird, denn dann ist das ganze wirklich nicht mehr als Wiedergekäutes. Schlimmer noch: Wenn man nur von einer Quelle belegt, dann geht man das Risiko ein, die Informationen an der falschen Stelle zu reduzieren. Besser ist es andersherum.

Zunächst man braucht man eine ehrliche, durchdachte und nachvollziehbare Fragestellung an das Thema. Das kann eine sein, die man nicht googlen kann. Das hört sich schlimmer an, als es ist. Denn je nachdem, wie man seinen Schwerpunkt legt, gibt es einfach noch keine Informationen. Oder sie liegen eben verstreut herum. Das führt auch zum zweiten Punkt. Man braucht mindestens 5-10 gute Quellen. Dort schaut man den nach den Informationen, die man zur Beantwortung der Frage braucht. Manchmal kann es sein, dass man einiges umsonst liest, aber das macht nichts, da man es so schafft, in dem Thema breiter aufgestellt zu sein. Mit anderen Worten: Man investiert Arbeit.

  1. Die Struktur

Neben der Fragestellung, die schon einige Zeit in Anspruch nehmen kann (es kann natürlich sein, dass man sich schon vor der Fragestellung ein wenig einlesen muss), ist die Struktur, die hinterher in der Ausarbeitung als auch bei der Präsentation gezeigt wird, wichtiger als man annehmen könnte. Denn hier zeigt sich nicht nur, dass es verschiedene Themen gibt, sondern auch, ob der Vortragende verstanden hat, wobei es bei dem Thema gibt.

Wer dies nicht direkt nachvollziehen kann, sollte sich eine beliebige Wikipedia-Seite anschauen und überlegen, welche Entscheidungen gefallen sein müssen, bevor sie aussah, wie sie heute aussieht. Die Struktur eines Themas ist nichts vorgegebenes, sondern sollte wichtiger Teil der Ausarbeitung sein. Hier zeigt der Vortragende ein weiteres Mal, ob er oder sie verstanden hat, worum es eigentlich geht.

  1. Die Präsentationstechnik

Die meisten Schüler_Innen und auch Lehrende wissen, wie anstrengend es ist, einem schlechten Vortrag zuzuhören. Aber gute Vorträge sind schwieriger, als man denken könnte. Zunächst einmal kommt es zur Überlegung, ob Power Point oder ein ähnliches Programm angewendet werden sollte. Ich wiederhole: Man muss darüber nachdenken. Denn es gibt auch Themen, bei denen es sich anbietet, dass man gar nichts anderes macht als sprechen (es sei denn natürlich, es ist gefordert). Nun folgen oftmals die schlimmsten Fehler, die man machen kann:

  • Die Vorlage ist zu voll
  • Die Vorlage ist voll und wird abgelesen
  • Es sind Graphiken vorhanden, die zu kompliziert sind
  • Es sind Darstellungen etc. vorhanden, die keine Rolle spielen

Wie macht man es besser: Zunächst gilt der Grundsatz, dass man nur in die Präsentation aufnehmen sollte, was auch wirklich wichtig ist und gebraucht wird. Denn ich will mir nichts durchlesen, was dann eigentlich keine Rolle spielt. Mittlerweile gibt es vor allem im amerikanischem Raum sehr viele gute Beispiele, wie man gute Präsentationen macht. Dabei wird vor allem darauf hingewiesen, schwarze Folien zu nutzen und zwar dann, wenn sich die Leute eben nur auf den Vortragenden konzentrieren sollen. Es kann natürlich sein, dass das noch nicht bei den Lehrern angekommen ist, deshalb lieber vorher nachfragen.

Es bietet sich auch immer an, dass man überlegt, was man als kleinen „Effekt“ zu Beginn und am Ende tun kann. Das sollte etwas sein, dass im Gedächtnis bleibt und so zeigt, dass das Thema eines ist, mit dem es sich lohnt zu beschäftigen.

Wenn man sich nicht scheut, bei dem besten zu kopieren, dann kann man sich die alten Präsentationen von Steve Jobs anschauen. Der achtete immer darauf, dass die besprochenen Dinge perfekt umgesetzt wurden.

Wer lieber ein Video schaut, kann dies hier tun.

Informationen zur FÜK

Die fächerübergreifende Kompetenzprüfung wird in den Realschulen am Ende der 10. Klasse abgehalten. Sie ist eine Art erweiterte GFS, bei der auch ein Projekt angeschlossen ist (oder angeschlossen sein soll) und die vom Umfang der Präsentation und der Präsentationstechniken die GFS übersteigt. Das hat auch einen Grund, denn die FÜK-Note steht ganz oben auf dem Zeugnis, was sie natürlich wichtig macht. Auch für diese spezielle Art der Präsentation sind die schon besprochenen Dinge wichtig, aber es kommen noch weitere Punkte dazu, die ich hier kurz erläutern möchte.

 

Präsentation

Das wichtigste bei der Präsentationsprüfung ist: Jeder weiß alles. Das ist deshalb unheimlich wichtig, weil die FÜK von zwei Prüfern abgenommen wird. Einem pro Fach. Das bedeutet auch, dass die Lehrer die Dinge fragen, die für das jeweilige Fach notwendig sind. Wenn nun, was schon häufig passiert ist, jeder sein eigenes Süppchen kocht, kann es sein, dass einer der Prüflinge eben ein Fach auslässt. Das bedeutet im schlimmsten Fall, dass der jeweilige Fachlehrer Unterrichtsinhalte abfragen kann, um eben überhaupt abprüfbare Antworten zu bekommen. Deshalb ist es bei egal welchem Thema von größter Wichtigkeit, dass alle alles kennen und können.

Heutzutage ist es nicht mehr schwierig, so zusammenzuarbeiten, dass alle auf dem gleichen Stand ist. Mit sogenannten Etherpads kann jeder von überall zugreifen und so gewährleisten, dass alle wissen, was die anderen machen.
Ein anderer wichtiger Punkt kommt hinzu. Wenn jeder alles wissen soll, dann bleibt der Umfang im Rahmen. Denn – um auf den Beginn zurückzukommen – alles, was besprochen wird, kann auch erfragt werden.

Arbeitsprotokolle

Oftmals werden Arbeitsprotokolle gefordert. Hier soll (meist in Präsens) beschrieben werden, was an welchem Tag gemacht wurde (bzw. wird). Dies ist eine große Chance, weil so eigenes Material in den Ordner kommt, mit dem man als Schüler_In zeigt, dass man eigenverantwortlich arbeiten kann. Man sollte sich aber davor hüten, Phrasen zu dreschen, sondern zeigen, dass man die verschiedenen Arbeitstechniken, die man in der Schule erlernt hat, auch anzuwenden weiß (Brainstorming, Recherche, Mind-Map, etc.).

Projekt

Die meisten Schulen fordern bei der FÜK ein Projekt, das während der Wochen der Vorbereitung erarbeitet wird. Welcher Art dieses Projekt ist, ist dabei der Kreativität der Schüler_Innen überlassen. Man kann einen Blog gestalten, einen Film drehen, etwas bauen und vieles mehr. Oftmals sieht man in den letzten Tage vor der FÜK Schüler_Innen durchs Schulhaus laufen, die noch „mal eben“ eine Umfrage starten wollen, damit sie irgendeine Art von Projekt haben. So ist das nicht gedacht. Vor allem, weil Umfragen, die völlig willkürlich aufgebaut sind, sehr wenig bringen. Ganz im Gegenteil: Eine auf die Schnelle durchgeführte Umfrage zeigt eher, dass einem nichts eingefallen ist.

Will man es gut machen, dann sollte das Projekt – man ahnt es – sogar etwas mit der Fragestellung zu tun haben, die man am Anfang gestellt hat. Außerdem ist es – genau wie bei der Präsentation – wichtig, dass man das Projekt, wenn man eines erstellt hat, auch bei der Prüfung erwähnt, es erklärt und darauf Bezug nimmt. Denn das schönste Projekt bringt nichts, wenn es irgendwo in der Ecke steht und keiner weiß, warum.

Und jetzt?
Das sind ziemlich viele Informationen auf einmal, deshalb bietet es sich an, ganz am Anfang eine Checkliste zu machen, auf der steht, was man alles in Angriff nehmen muss. Wenn man sehr gut ist, dann notiert man hier sogar die Zeiten, in denen die verschiedenen Schritte fertig sein müssen. Auf diese Art hat man zwar am Anfang ein wenig mehr Arbeit, aber man kommt nie in die Situation, dass man sich verspätet und Panik bekommt, weil irgendetwas nicht gemacht ist.

Ich hoffe, ich konnte einige wertvolle Tipps geben. Wenn es konstruktive Kritik gibt oder irgendetwas unklar geblieben ist, fühlt euch eingeladen, dies unter den Kommentaren loszuwerden. Bis dahin gute Präsentieren.

[1] Wie immer gilt: Diese Ausführungen sind geprägt von der Sichtweise des Autors und gelten nicht automatisch für alle Lehrer und Schulformen. Man sollte deshalb immer den Lehrer kontaktieren, ob diese Ausführungen auch gelten.

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PERSÖNLICH: Ich bin eine Insel

Herten_Halde_Hoheward_20140202_0098_smallIch bin eine Insel der Ruhe. Ich bin…

KÖNNEN SIE DAS NICHT VERANLASSEN? WER HAT DENN? DAS LETZTE MAL WURDE DOCH NOCH… ODER ETWA NICHT? WER SAGTE DENN? HAT NICHT MAL JEMAND ZEIT? KÖNNEN SIE?

Eine Insel ich bin. Der Ruhe. Ich bin…

UND WAS ERLAUBT SICH DER ODER JENER ODER SOGAR DER ANDERE? ANRUF FÜR! IST JEMAND DA? JEMAND SAGTE, DASS JEMAND SAGTE, DASS JEMAND SAGTE, DASS JEMAND NICHTS SAGTE. TRIFFT DAS ZU? ICH FRAGE: TRIFFT DAS ZU?

Der Ruhe eine Insel bin ich. Ich bin…

DASS ICH DAS NOCHMAL SAGEN WÜRDE: ALSO SO EIN… WAS ERLAUBT DER SICH, DER UND DER ANDERE DER SAGTE, DASS ER UND NICHT DER ANDERE? HAT DER DENN NOCH NIE VON (…) GEHÖRT? HAT DER? KÖNNEN SIE NICHT MAL? JA, WARUM NICHT? GUTE IDEE: KÖNNEN SIE? KÖNNEN SIE?

Ich bin eine Insel der Ruhe. Ich bin

eine Insel. Wenn man mich lässt.

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LITERATUR: 665-Twitter-Poem

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LEBEN: Die ersten 40 Jahre sind irgendwo
nonchalant zwischen Stolz und Religion
Erinnerungen an Experimente
Immer und überall

Wer aufhört zu lesen ist in seiner Dummheit gefährdet
Das ist internationales Recht
Das Recht selbst bleibt nicht systemrelevant
Solange es keine Alliterationen beinhaltet

LEBEN: Lieben. Lachen.
Über Präsidenten und Referenten
Dann ist was los
Und jeder ist geehrt, der folgt.

Im April schwärmen alle von Äpfeln
(anstatt dass sie von Heimat reden)
Hauptsache das Handtuch ist griffbereit
Wenn man im All ist

Nur, dass wir uns falsch verstehen:
Wir müssen immer nach dem Kleinen suchen
Nur, damit wir keine Angewohnheiten unterstützen.
LEBEN: Wie, Bio?

Unsere Geschichten zerplatzen, als wir dem großen Ego
Content schenkten: In Form von Café
Jähzornig und sarkastisch forderten wir lachend
Brot und Spiele

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ELEMENTAR: International ist unser Genre
Vielleicht unser Medium
Die Redaktion war im Ganzen unentschieden
Und wir verstehen es nie, bevor es passiert

Ideen sind zwischen gescheitem Unsinn
Und kreativen Strategien gefangen
Zumindest halbtags
Die restlichen 100% sind Musik

Wenn man über sieben Seen wandert
Wundert einen nichts mehr: außer Bildung
Eines faulen Aas. Denn: Auch keltische Krieger
Müssen: Aufstehen. Essen. Uni. Schlafen. Essen.

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ÖKOSYSTEM: Was immer ihr jetzt erwartet:
(Schlechte Menschen, aber darin gut)
Wir bleiben Piloten als Figur. Das reicht völlig.
Alles wegen dem Tropfen.

Manchmal voller, manchmal leerer
Ersatz-Drogen sind multifunktional.
Die Schule des Lebens dient als Karte für das Netz
(Gezielte Nutzung des Unterbewusstseins)

AUFBRUCH? Wenn der Humor vertrocknet sagt ein Lächeln mehr
Als tausend Programme
Denn wenn wir glücklich sind ist nichts lauter als
Chemie und Physik

Humor folgt sonst Minus. Solide Texte aus Religion retten unsere
Präsenzleere.
Rein privat interessiert am Erziehungssystem der Welt.
Paddelnd.

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VOLLANONYM: Wir schlafen ein.
Und wachen auf dem Dach auf. Abwurf. Flugphase. Aufprall.
Noten für jedermann zugänglich. Wir folgen unauffällig.
Hören Berührungen. Sagen Nein!

PHILOSOPHIE: Öre, öre, dumme Göre
Ich saß schon da und redete über Drucker
Und der Verstand redete von Wein
Und am Ende: Das muss doch mal gesagt werden.

Das Charisma klebt als altes Kaugummi
In meinem Abschluss
Leidenschaftlich herrische Metamorphose
zum Schmusekätzchen

„Herr Direktor der Innovation“,
(links herum denkend)
„Was bedeutet: Alles andere?“
„Interessen!“

Wenn wir diskutieren wird ein Lorbeerblatt zum Marketing
Warum fragen? Wenn alle neuen Kontakte in einer Kunsttherapie enden?
Hoch mit den Augenbrauen: Vermeidet Bedeutung in Bildern!
Beschützen wir, was du aus dem Leben machst.

PUBLUKUMSRAT: Nur leben reicht heute nicht.
Mann muss auch Worte auf den Markt stellen
Und über Katzen und Feminismus plaudern
Jeder ist ein Media-Artist im Bildungsbrei

Oder bleiben wir stetig angehend? Nur minder lieblich
Ein wenig Gewinner. Ein wenig Popkultur und sozial unbegabt.
Gründer einer neuen Nutzbarkeit
Als ich jünger war dachte ich, man könnte sich sicher teilen
Jetzt denkt jeder gerne nach –
Raus in die Welt. Tipps geben.
Schwerpunkt: Nerds.

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LOGIK: Morgen.
Den Quatsch hören wir nicht länger.
Nun noch Abenteuer, Kultur.
Und zusammen sammeln.

Vorbehaltloses Dichten heißt enthusiastisch tun.
Als wenn alle zwei Jahre eine Insel käme
Auf der man Geschichten erzählen könnte.
(Der Klang einer Stimmperle zwischen Erde, Wasser und Luft.)

SOZIOLOGIE: mittlerweile böse meist.
Positives unterhalten bedeutet fachfremd Kaffee trinken.
Dreizehn. Vierzehn. Erwachsen. Tot.
Und am Ende bleiben nur die Fisimatenten des Dada.

Die Optimisten blicken über den Teichrand.
Und sehen das Ideal der Allmachtsphantasie
Lustig: Nur mal gucken zuerst.
Dann: Highperformer.

GEMEINSAMKEIT: als Diktat.
Ernsthafter Blick: „Soziale Gerechtigkeit!“
Vater, Lehrer, Autisten aller Länder.
Erfindet Wörter!

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GESCHICHTE: Strategien wurden entwickelt.
(Haut gegen die Sonne eingerieben)
Der Humor bleibt in der Kreativität hängen.
Damals war alles ungroßartig.

Jetzt sind wir integriert in die normative Kraft des Faktischen
Sternenstaub hängt an der Kompetenz.
In unserem Wahlkreis tanzt das Leben.
Auf der wilden Seite der Homöopathietropfen

Das Selbstbewusstsein ist gemeinnützig
Interesse bleibt vorerst im Schaum der Zentrale stecken
Wir machen hier ein Praktikum: Und bleiben hungrig
Nach mal so, mal so…

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ANATOMIE: Bier, Kaffee, Revolution.
Film, Medizin, Kunst, und alles dazwischen.
Die Welt muss sich ändern.
Und ich tue es auch nicht.

Animiert wären wir netter. Jetzt reichen Zitate.
Umarmt die Angst oder die Ideen.
Und bleibt Punks des Ja.
Es bleibt alles schlimmer, wenn man die Initiative den Köpfen überlässt.

Operative Fähigkeiten sind im Sandkasten hängengeblieben.
Leben und leben lassen funktioniert nur mit schlechtem Geschmack.
„Kritisiert mich!“, schreit der Tubaspieler und dann?
Auf Wiedersehen.

Nennt mich Professor für Schülerverwaltung und damit meine ich
Alles rund um Aktivität.
Mir geht es nämlich wie euch:
Ich werde das Gefühl nicht los.

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GENERATION: Spezialisten für brennendes Interesse.
Ideengeber für Leben. Alltagshelden. Liebhaber.
Die Hoffnung stirbt im Gehirn.
Die Alten wissen, was Oma meinte.

COUCH: Der Traum von Stadion-Bratwürsten.
Austausch über Mottos. Meins: Irrational.
Deins: Helden und Diebe.
Dann: Blitzideengewitter.

Wir sind alle gleichzeitig müde und mittendrin.
Schüler unserer Anerkennung
Klassische Philologen von bald schon toten
Sprachen.

Lasst uns mehr spielen. Geschichten erzählen von Gedöns.
Das uns an den Rande der Nahaufnahme brachte.
Nicht mehr länger drum herum gegen, sondern bilden.
(Irgendwas ist immer).

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MENSCHEN: Studieren gegenseitige Alternativen
Antriebsloses Denken kann zu Ermutigung führen
Jeder braucht seinen Ausgleich
Aber: Flanders ist tot.

JUGEND: Erinnerungen an unnötiges Sprechen
Selbst-Lernende. Komplett Privates aufgebraucht.
Und dem Geschmack folgend
(Nachdem die Kuscheltiere die Bühne verließen).

Beim Talent beißt der Mann den Hund
Wir sind Menschen des Jahres
Auf dem Weg zum Punkt ohne Zweifel
Und kämpfen gegen Konventionen

Unsere Bibliothek bleibt geöffnet
Für alle Übertreiber, egalitäre Besserwisser
Alle unauffälligen Dramatiker
Und die hochbegabten Bildungsurlauber.

PRÄSENTATION: Eine letzte Bitte:
Seid glücklich mit der eigenen Nase.
Übersetzt auch Wahnsinn. Schreibt brillant.
Oder vergesst Meinungen.

Nehmt euch Zeit und Espressi.
(Zumindest versucht es).
Seid „Möchtegerne“.
Und wenn es nie genug ist, hebt eure Fäuste:

Denn dieses Leben ist grausam und schön

UND EINE SELTSAME ÜBERLAGERUNG VERSCHIEDENER MÖGLICHKEITEN

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HUMOR: Deutschlehrer – eine kleine Auswahl

Es gibt ja Menschen, Lehrer und Deutschlehrer. Diese merkwürdigen Wesen, die einem versuchen klarzumachen, dass Literatur ganz wichtig ist und dann auf jedem Komma rumhacken, dass man aufgrund nachzuvollziehender WhatsApp-Legasthenie in den Hirnwindungen vergessen hat. Sie haben immer was zu sagen und machen davon reichlich gebrauch. Aber was sagen die anderen über sie? Eine kleine Auswahl: Späte Rache

Cooler Typ

Grausamer Schlächter

Dichtung und Wahrheit

Rettungssanilehrer

Rhetorische Frage? Aber, ja!

Deutschlehrers Liebling

Drogenfröhlichkeit

Und zuletzt das vernichtende Urteil

So. Nun ist es wieder Zeit, etwas zu lesen, damit ich die Schüler quälen kann mit den Zeitverschwendungen der literarischen Vergangenheit.

Auf bald.

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HUMOR: Analoge Demenz: Das Buch als Gefahr

Ablenkung und analoge Demenz: Bücher schaden den Schülerinnen und Schülern

Lange ist es her, dass ein Lehrer Bücher als eine absolute Neuheit verkaufte. Mittlerweile hat sich das Buch zu einem Massenphänomen gesteigert. Mit unglaublichen Folgeschäden, die selbst die Wissenschaft noch nicht absehen kann. Allein die Buchmessen, auf der die verwahrlosten und isolierten Leserinnen und Leser in den Hallen nach neuem Material für ihre Sucht suchen, zeigen, dass wir längst bei einem Problem sind, dass sich ausbreitet wie ein neuer Virus.

„Schülerinnen und Schüler versuchen heutzutage sogar in Pausen, in die Bücher zu schauen“, so Manfred Stumpfer, ein Vertreter der These, dass der Buchgenuss zu einer analogen Demenz führt.

„Eltern haben ihre Kinder nicht mehr im Griff“, so Stumpfer. „Sie wissen nicht, was heutzutage alles gelesen wird.“

Auch in der Politik ist das Problem längst bekannt und als große Gefahr ausgemacht. AfD-Spitzenpolitiker Puppe sagte jüngst in einem Interview mit der Taz: „Wir müssen mit aller Macht verhindern, dass die Bücherausbreitung weiter geht. Bücher sind absolut schädlich für Engstirnigkeit und Fehlurteile. Wir sind alle bedroht.“
Auch in der Wirtschaft werden die ersten Stimmen laut, die fürchten, dass der Konsum in Zukunft von Büchern bedroht werden könnte. „Es liegen ganze Welten in den Büchern, Welten“, so der ehemalige Chef der deutschen Bank, Feldmann. „Wenn die Schülerinnen und Schüler so weiterlesen, entwickeln sie sich zum Alptraum jeden repressiven Systems: Zu allein denkenden, entscheidungsfähigen Wesen. Das kann doch keiner wollen.“

Verlage und Autoren haben mittlerweile ihre Macht erkannt und lassen es zu, dass so gut wie jeder Zugriff zum Medium Buch hat.

„Was mich traurig stimmt“, so ein anonymer Lehrer aus dem Schwarzwald, „ist, dass die Schülerinnen und Schüler bald nicht mal mehr wissen, wie man ein Konsolenspiel spielt. Es gibt mittlerweile 6.Klässler, die keine Ahnung mehr haben, was Call of Duty ist. Das macht mich schon traurig.“

Das Problem ist in allen Gesellschaftsschichten angekommen, aber nun heißt es: Handeln. Denn wer es erlaubt, dass seine Kinder lesen, oder sich über Bücher unterhalten (geschweige denn danach suchen, was es so gibt), der sorgt für einen massiven gesellschaftlichen Schaden, indem er es zulässt, dass die Kinder zu eigenständigen Menschen werden.

Das kann wirklich keiner wollen.

 

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ESSAY: 50 Shades of Lyrik

Anstelle eines Vorworts:

„Sonette find ich sowas von beschissen,
so eng, rigide, irgendwie nicht gut;
es macht mich ehrlich richtig krank zu wissen,
dass wer Sonette schreibt. Dass wer den Mut

hat, heute noch so’n dumpfen Scheiß zu bauen;
allein der Fakt, dass so ein Typ das tut,
kann mir in echt den ganzen Tag versauen.
Ich hab da eine Sperre. Und die Wut

darüber, dass so’n abgefuckter Kacker
mich mittels seiner Wichserein blockiert,
schafft in mir Aggressionen auf den Macker.

Ich tick nicht, was das Arschloch motiviert.
Ich tick es echt nicht. Und will’s echt nicht wissen:
Ich find Sonette unheimlich beschissen.“

Von Robert Gernhardt

Der feine Ironiker schlägt zu. Mehrfach und artistisch. Fein gewebt und scheinbar banal. Die Kernthese desavouiert sich selbst in der genutzten Form. Der Kritiker kritisiert sich als  Liebhaber. Der Liebhaber wird zum größten Kritiker.

Schon zu viel des Guten? Zu viel Interpretation und Deutung? Dann stehen Sie nicht alleine da. Wahrscheinlich würden Sie von etwa 11 Millionen Schülern unterstützt, die nicht verstehen können, wie es die Lehrer zulassen können, Ihnen immer noch mit diesen ranzigen Texten zu kommen, verstaubt im Dreck der Zeit, die noch keine flackernden Bildschirme hatte. Die Lyrik ist tot, verbuddelt und abgelöst. Aufgelöst im Äther der Väter. Abgerutscht am Ender der Retina-Weltscheibe. Zerrieben zwischen der Kritik, dass man die Lyrik doch genießen solle und dieser, dass doch sowieso keiner mehr Lyrik lese. Außer Deutschlehrer, die ja per definitionem einen Schaden haben. In der Tat.

Der Schaden kam früh in den Schädel. Mit dem „Zauberlehrling“ und dem „Schatzgräber“, mit Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland (dessen Altertümlichkeit während ich diese Zeilen schreibe, vom ständigen Versuch der Autokorrektur „Reebok“ anzubieten wie als eine kleine ironische Pointe herausgehoben wird), die ich bald auswendig sprechen konnte, noch bevor ich zur Schule ging. Mir machte es Spaß, der Kassette zuzuhören, den verschiedenen Stimmen der Sprecher, die von großen und dunklen Tiefen bis herauf in die wütende Beschwörung der Enttäuschten wie in einem Anfall von Wahnsinn hinauf und hinab eilten oder in sonorem, traurigen Ton väterlichen Beistand erzeugten. Vielleicht war allein diese Kassette lebensnotwendig.

Später in der Schule sprachen wir gemeinsam Schillers „Handschuh“, sangen den „Erlkönig“ und erprobten verschiedene Formen und Sprechweisen. Natürlich boykottierten wir es auch, warum auch nicht, als Schüler, legten Wörter auf die Goldwaage und trieben die vor uns sich ereifernden Lehrer in den Wahnsinn der lyrischen Resignation.

Später im Deutschstudium wurde es natürlich schlimmer. Die mittelhochdeutsche Lyrik mit alle ihren jetzt zu tradierten Klischees gewordenen Aussagen über die Liebe zur als Ideal gesehenen Frau, die zahllosen intertextuellen Referenzen, die in T.S. Eliots „Wasteland“ zu einem Sammelsurium intellektueller Andeutungen kulminierten. Aber da hatte ich schon das Herz und den Verstand verloren.

Heute quäle ich meine Schüler, indem ich das Glück ästhetischen Aus- und Eindrucks in Kompetenzraster (er)drücke, in Teilgebiete, die kein Ganzes und kein Halbes ergeben und deren funktionale wie formalistisch-normative Aufgabe es ist, die Emotion in Bruchstücke zu zerfetzen. Der Unterricht lehrt das Unbelehrbare den Lernern, die auf funktionale Zusammenhänge konditioniert und somit eigentlich gar nicht kritisierbar sind:

„Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.“

Natürlich könnten wir Casper hören und interpretieren, hätten wir genug Zeit. Oder wir können uns einfach alle damit abfinden, dass Lyrik nichts mehr für uns ist. Wir, die Generation von Menschen, denen der kleine ästhetische Höhepunkt von 140 Zeichen gerade noch genug gibt, um nicht zu viel zu sein. Ich habe noch Hoffnung darauf, dass ab und zu der eine oder andere ganz versteckt an einem Sommertag, erst nach den Seiten umschauend und sich seinem produktiven Einsamkeit gewahr werdend und in einem Schwelgen in zu viel Erinnerung an ein Gedicht denkt, dass er mal hörte und es entweder zu sich spricht oder später in der warmen Stube nachschaut, welche Worte es waren, die ihm oder ihr da im Kopf herumspukten.

Anstelle eines Schlusswortes:

Jetzt wär es Zeit, daß Götter träten aus
bewohnten Dingen…
Und daß sie jede Wand in meinem Haus
umschlügen. Neue Seite. Nur der Wind,
den solches Blatt im Wenden würfe, reichte hin,
die Luft, wie eine Scholle, umzuschaufeln:
ein neues Atemfeld. Oh Götter, Götter!
Ihr Oftgekommenen, Schläfer in den Dingen,
die heiter aufstehn, die sich an den Brunnen,
die wir vermuten, Hals und Antlitz waschen
und die ihr Ausgeruhtsein leicht hinzutun
zu dem, was voll scheint, unserm vollen Leben.
Noch einmal sei es euer Morgen, Götter.
Wir wiederholen. Ihr allein seid Ursprung.
Die Welt steht auf mit euch, und Anfang glänzt
an allen Bruchstelln unseres Mißlingens…

Rilke, Muzot, Oktober 1925

Wer denkt, er würde gerne wieder ein paar schöne Gedichte und einige verständliche Worte dazu lesen, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Es lohnt sich sehr:

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