UNTERRICHT: Dantons Tod: Deutungsansätze


Auf diesem Blog werden immer wieder Textanalysen gesammelt und veröffentlicht, die im Unterricht der verschiedenen Schularten eine gewichtige Rolle spielen. Darunter waren die  Interpretation einer Kurzgeschichte, Möglichkeiten der Interpretation von Gedichteneiner Parabel und einer gesamten Deutung von Peter Stamms Roman Agnes und von Peter Stamms Homo Faber.

Gleichsam als prozessorientiertes Protokoll der Kursarbeit werden hier einige Anmerkungen zu dritten und letzten Abiturthema in Baden-Württemberg – „Dantons Tod“ von Georg Büchner – veröffentlicht. Ab dem Abitur 2019 sind die Themen der Ganzschriften andere. Auch eine Textsorte wie der Essay wird im Abitur unter anderen Bedingungen geschrieben.

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Übersicht

Arbeitsgrundlagen
Erste Überlegungen
Historischer Kontext
Dantons Tod als offenes Drama
Ein Interpretationsansatz
Danton und Robespierre im Vergleich
Die beiden Fraktionen im Vergleich
Orte
Szenenübersicht
Szenenanalyse: Beispiel
Die Figuren des Dramas: Beispiel
Politische Reden: Beispiel
Das Volk: Beispiel
Schlussbemerkungen
Anmerkungen

Arbeitsgrundlagen

Hier geht es zu den wichtigen Grundlagen der Epik, die für einen Umgang mit erzählender Literatur gebraucht werden.

Weitere allgemeine Merkhilfen, auf die ich mich beziehe, sind:

Aufbau eines Interpretationsaufsatzes (zu Prosatexten. Die Aspekte der Szenenanalyse sind zu berücksichtigen)

Die Einordnung einer Szene in den Kontext des Dramas

Aspekte und Fragen zu einer Szenenanalyse 

Eine Rede analysieren

Erste Überlegungen

Notizen zum SWR-Beitrag

Der Einstieg in Dantons Tod ist anspruchsvoll. Dies liegt an drei Elementen: Zum einen sind die Zeitebenen in Dantons Tod vielschichtig. Wir – heutige – Leser, lesen von einem ganz bestimmten Standpunkt aus unserer Gegenwart ein Stück über zwei Wochen der Französischen Revolution. Dieses Stück wurde wiederum in der deutschen Restauration von einem jungen und begabten Autoren verfasst, der wiederum seine eigenen Ansichten und Einsichten über eine für ihn noch nicht lange zurückliegende Zeit in das Drama implementiert. Das wiederum bedeutet, dass man nicht nur den verlauf der Französischen Revolution genau kennen sollte, nein, muss, um das Stück zu verstehen, sondern auch, dass man die Extrainformationen, die es zu jeder einzelnen Figur gibt, sofort lesen sollte.

Wenn man sich einen ersten Überblick holen möchte, bietet sich die Hördatei vom SWR an. Hier gibt es schon erste Informationen über das Stück, seinen Autor und die Zeit, in der er lebt und über die er schreibt. Sowohl der Podcast als auch weiterführendes Material kann hier abgerufen werden.

Wenn man den historischen Kontext und die Zusatzinformationen zu den Figuren nicht kennt, ist die Chance groß, dass man nichts versteht.

Im Unterricht wurden unterschiedliche Notizen zu der Audiodatei erstellt. Die etwas chaotische Notiz ist meine eigene.

In den beiden Stunden nach den Ferien war ich zunächst krank. Sie hatten die Aufgabe, sowohl den geschichtlichen als auch die literaturgeschichtlichen Kontext zu erarbeiten. Wichtige Informationen waren:

Historischer Kontext

Historische Ebene  

  • Französische Revolution von 1789
  • Ereignisse des Jahres 1794

Zeitgenössische Ebene

  • Zeit der Restauration
  • Wiener Kongress (1815) und Karlsbader Beschlüsse von 1819 von 1815 an (Metternich’sches System der Unterdrückung und  Bespitzelung)
  • Deutscher Bund (staatliche Zersplitterung)
  • Wartburgfest 1817 (Forderung der Studenten, Burschenschaften und des Bildungsbürgertums nach politischer Einheit und Freiheit)
  • Junirevolution in Frankreich (sowie Revolutionen in Belgien, Polen, Italien)
  • Hessische Landbote (Büchners Flugschrift)
  • Situation im Großherzogtum Hessen-Darmstadt: territoriale
  • Zergliederung, Vielzahl von Grenznachbarn, Wirtschaftsprobleme, insbesondere wachsende Verarmung der Bauernschaft
  • Flucht und Exil Büchners in Straßburg
  • Literatur des Vormärz (vor der Revolution von 1848)

Gestellt werden können auch die Fragen danach, welche zeitgenössischen Anknüpfungspunkte Büchner für unsere Zeit bildet, also unter anderem:

Ebene des heutigen und „gestrigen“ Lesers (20. und 21. Jahrhundert)

  • Widerstand der Studenten gegen den NS (Weiße Rose)
  • Anti-Atom-Proteste in den 80er Jahren
  • RAF (Rote Armee Fraktion: Terrorismus in der BRD)
  • Arm-Reich-Gegensatz in der Gesellschaft der BRD

Die Blumsche Zeichnung sollte verdeutlichen, dass der kurze Zeitraum, in dem Büchner sein Drama spielen lässt, gleichzeitig durch alle Schichten und Ereignisse geht und dennoch für das Jahr und die sich zuspitzenden Ereignisse eine höhere Bedeutung hat.

Besonders wichtig in Bezug auf den historischen Kontext ist das Wissen um jene französischen, in Paris besonders starken Gruppen, die die Revolution steuerten und im Verlauf der Revolution in sehr unterschiedliche Richtungen drifteten. Sie sind auf diesem Schaubild mitsamt ihren wichtigsten Merkmalen und Zielen dargestellt.

Gruppierungen während und nach der französischen Revolution. (Sarah S.)

Dantons Tod als offenes Drama

Jede Blase ein Ereignis eines Jahres. Dantons Tod als abstrakte Darstellung.

Neben den oben genannten Gründen ist Dantons Tod deshalb so schwer zu interpretieren, weil das Drama selbst die geschlossene Form sprengt. Anstelle einer wirklichen Exposition, die die Figuren einführt und das Thema erklärt, geht es in medias res. Auch der weitere Dramenverlauf wird nicht von kausal miteinander verbundenen Szenen und Akten zusammengehalten. Es ist vielmehr eine los Verknüpfung von Ereignissen, Handlungen und Personen, die grob von Motiven und Leitgedanken mit miteinander verknüpft sind.

Für die Interpretation einer Szene ist dies insofern wichtig, als dass es hilft Verständnis dafür zu entwickeln, warum beispielsweise das Volk in der einen und die Theoretiker und (vormals) revolutionären Antagonisten Danton und Robespierre in der anderen Szene auftreten. Es geht viel weniger um einen engen funktionalen Zusammenhang als um eine Gesamtschau, bei der sowohl die mächtigen Protagonisten im Nationalkonvent als auch das einfache Volk reden kann. Noch mehr: Dadurch, dass der Leser oder das Publikum des Stücks die Gedanken des einfachen Volkes hört, werden die hohen, rhetorischen Reden der beiden Protagonisten als völlig vom Volk entfernt entzaubert.

Ein Interpretationsansatz

Während des Unterrichtsgesprächs mit dem ganzen Kurs kamen die Schülerinnen und Schüler und ich einem Interpretationsansatz immer näher, der die Verbindung zwischen persönlicher Intention und politischem Engagement in den Blick nimmt. Die Überlegungen fußten auf der Frage, warum Danton so lethargisch ist und selbst dann, als er wissen muss, dass es um Leben und Tod geht, nichts unternimmt, um sich seinen Mördern zu entziehen. Dadurch, dass Danton durch die Septembermorde, die ihn sowohl bewusst als auch unterbewusst beschäftigen, um seine Schuld weiß, kann man annehmen, dass die epikureische Sicht auf ein Leben, in dem es um Lustgewinn für den Einzelnen und eben nicht mehr um den Kampf für die Allgemeinheit geht, Dantons Sicht beeinflusst. Somit kann man sagen, dass sowohl er als auch Robespierre vom Rezipienten nicht als Helden gesehen werden können, sondern als Figuren, die durch ihre Zeit maßgeblich in ihrem Tun beeinflusst werden.

Man kann sogar so kritisch sein und sagen, dass es weder dem einen noch dem anderen um das Volk geht. Während man bei Robespierre die Tyrannei einer totalitär verstandenen Tugend sieht, zeigt sich bei Danton die Arroganz des intellektuellen Bürgers. Vor dem Hintergrund dessen, was man über das Volk, das hungert, sich prostituiert und darbt, weiß, kann man sagen, dass beide an der Wirklichkeit vorbei theoretisieren.

Dadurch ergibt sich ein Vergleich der beiden Männer und ihrer Grundüberzeugungen und derer ihrer Anhänger.

Danton und Robespierre im Vergleich

Danton Robespierre
Zitate: „Lacroix. Und außerdem Danton, sind wir lasterhaft, wie Robespierre sagt, d.h. wir genießen“ (I,5, S. 24, Z. 3 f.). „Jeder handelt seiner Natur gemäß, d. h. er tut, was ihm wohl tut“

 

Zitate: „Der Schrecken ist ein Ausfluss der Tugend, er ist nichts anders als die schnelle, strenge und unbeugsame Ge­rechtigkeit“ (l,3, S. 16, Z. 3 ff.). „In einer Republik sind nur Republikaner Bürger, Royalisten und Fremde sind Feinde“ (l,3, S. 16, Z. 21f.). „Das Laster ist das Kainszeichen des Aristokratismus. In einer Republik ist es nicht nur ein moralisches, sondern auch ein politisches Verbrechen; der Lasterhafte ist der politische Feind der Freiheit“ (l,3, S. 16, Z. 30ff.).
„Lacroix. Wir müssen handeln. Danton. Das wird sich finden“ (l,5, S. 24, Z. 23 f.).
Phil. Basis und Folgen: Lehre von Epikur:

• liebt die schönen Dinge des Lebens, lebt seine Natur aus

• stellt die persönlichen Bedürfnisse des Einzelnen ins Zentrum, vertritt ein allge­meines Genusstreben

• Jeder soll leben wie er mag.

• gilt als Genussmensch

 

Phil. Basis und Folgen: allgemeine Moral

• lebt asketisch

• verabsolutiert die Tugend

• stellt die reine Lehre ins Zentrum, Ziele der Revolution stehen über dem indivi­duellen Wohl,

• klares Freund/Feind-Schema

• gilt als der Unbestechliche

 

Verantwortung: Umstände Verallgemeinerung: Der Mensch und seine realen, individuellen Interessen stehen im Zentrum. Verantwortung: Individuum Verallgemeinerung: Eine abstrakte Idee steht im Zentrum.

 

Individualinteresse

Materialismus

Allgemeininteresse

Idealismus

Folge: PASSIVITÄT – Danton zieht sich zunehmend in den Privatraum zurück. Er entzieht sich seinem drohenden Schicksal nicht. Folge: AKTIVITÄT – Robespierre geht in die Öffentlichkeit. Er agiert infolge des sa­krosankten Ideals erbarmungslos gegen alle, die dem Ideal nicht genügen, und er­klärt ganz folgerichtig auch den Bürger Danton zum Feind.

Vergleichende Gegenüberstellung der beiden Fraktionen

Danton und Anhänger Robespierre, St Just und Anhänger
Griechen

 

Römer
Erbarmen, Beenden der Hinrichtungen

 

Fortsetzung der Hinrichtungen, Schreckensherrschaft
Republik

 

Radikale Revolution
Bezug: Epikur

 

Bezug: Rousseau
Genuss, Sinnlichkeit, Geselligkeit Philosophie, Witz Tugend, Pflichtbewusstsein, Stoizismus, Askese, Politik, Einsamkeit
Emotion, Leidenschaft, Temperament Fanatismus, Rigorismus, Emotionslosigkeit
Ideale Ideologie
Gleichberechtigter Umgang mit Frauen, Prostituierten, Künstlern

 

Hierarchisches Verhältnis zu po­litischen Gesinnungsgenossen, Delegierten und Bürgern
Offenheit, Geradlinigkeit, Ehrlichkeit Intrige, Heimlichkeit Manipulation, Lüge
Schuldbewusstsein, Skrupel Gewissenlosigkeit, Skrupellosigkeit
Politik aus Leidenschaft Politik aus Kalkül
„Fluch des muss“ „Qual des Henkers“

In Bezug auf Danton und Robespierre spielen auch die Orte ihres Auftretens eine besondere Rolle. Der hier folgende Abschnitt dazu wurde von einem Schüler erstellt und nur rudimentär verändert.

Orte

Danton unterscheidet sich zwischen seinem Auftreten in der Öffentlichkeit und dem privaten Auftreten. Dennoch bleibt er meist seinen Gedanken, Vorstellungen und Prinzipien treu. In privaten Gesprächen ist er oft sehr direkt und trifft die andere Person meist so, dass diese über ihr eigenes Ideal nachdenken muss. Wie mit Robespierre trifft er die Menschen immer in Punkten, die sie selbst belasten und sie sich selbst oft hinterfragen –  und wie Robespierre tun sie dies meist auch. Dennoch zeigt er nicht nur privat sondern auch in der Öffentlichkeit. Die Gefängnisszene (III,7) ist dabei eine Ausnahme, da er dort erstmals über seine Gefühle zu einer anderen Person spricht in einer Art, in der man es eher von seinem engen Freund Camille erwarten würde, und er spricht außerdem davon, dass er für seine Frau weiter für sein Leben kämpfen möchte. In der Öffentlichkeit drückt sich Danton immer gewählt aus und schafft es immer die Massen oder das Volk auf seine Seite zu ziehen. Es kommt fast nie vor, dass Danton angegriffen wird, ohne dass er es nicht erwartet hätte. Danton passieren bei öffentlichen Auftritten keine Patzer, die ihm später einmal verfolgen oder die nicht gewollte Folgen haben. Alle seine Aussagen sind  gewollt und mit allen Folgen berechnet. Somit weiß er, dass wenn er die Jakobiner angreift, er höchstwahrscheinlich zum Tode verurteilt wird. Doch das hält Danton nicht davon ab, dem Volk seinen Weg zu zeigen und näher zu bringen.

Robespierre hingegen ist im Gegensatz zu Danton leichter zu treffen. Im privaten Leben steht er oft im Konflikt mit sich selbst und seiner Weltanschauung und zweifelt oft an seinen Handlungen, vor allem im Gespräch mit Danton (I, 6). Er wird aber immer von seinen Anhängern, vor allem St. Just, beeinflusst und in die radikale Richtung gedrängt. Durch die Raffinesse seiner Anhänger wird Robespierres Bild von der Welt verändert.Robespierre ist auch in der Öffentlichkeit ein sehr guter Redner und kann, wie Danton, die Massen auf seine Seite ziehen, weshalb er vor allem für die Jakobiner ein wichtiges Sprachrohr ist. Dennoch glaubt auch Robespierre an ein erkennbares Ziel der Geschichte und fühlt sich verpflichtet, dies durch zielstrebiges Handeln zu erreichen.

Interessant und von Bedeutung ist, dass Danton in zunehmendem Maße öffentlich wird – also von seinem zunächst bevorzugten privaten Raum, in dem er seine eigene Lust befriedigen kann, vor ein Publikum gezwängt wird (um sich und die seinen zu verteidigen). Es wurde entdeckt, dass

die zwei Hälften des Dramas verhalten sich […] in Hinblick auf die Handlungsorte und ihre Merkmale spiegelverkehrt.

(Barke 2001, S.63, zitiert nach Johannes Diekhans (Hrsg.): Einfach Deutsch Unterrichtsmodell. Georg Büchner. Dantons Tod. Paderborn 2014.)

Szenenübersicht

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Auf eine Szenenübersicht wird an dieser Stelle verzichtet. Grobe Zusammenfassungen der einzelnen Akte können über den zugehörigen Wikipedia-Artikel aufgerufen werden.

Die Figuren des Dramas: Beispiel

Auf eine Übersicht über die einzelnen Personen des Dramas wird an dieser Stelle verzichtet. Grobe Zusammenfassungen über diese können über den zugehörigen Wikipedia-Artikel aufgerufen werden.

An dieser Stelle findet sich nur eine Ausarbeitung, die zeigt, was man über die Figuren herausfinden kann und zu welchen Erkenntnissen dies führen kann.

Figur: Robespierre

Akt, Szene, Handlung Gründe Mögliche Bedeutung
Akt 1, Szene 2:

–        Robespierre tritt auf, nachdem fast ein junger Mann ermordet wurde

–        Er redet mit dem anwesenden Volk und definiert das Gesetz als Wille des Volkes

–        Er führt die Menge zu den Jakobinern

–        Robespierre weiß genau, wie er sich vor dem Volk präsentieren muss, um sich volksnah zu zeigen

–        Er will die Mordlust des Volkes kanalysieren und führt sie deshalb zu den Jakobinern

–        Volk bewundert den selbstsicher auftretenden Robespierre und sieht zu ihm auf
Akt 1, Szene 3:

–        Robespierre hält eine Rede vor den Jakobinern

–        Er beschreibt den Feind als Angriffsziel ohne Deckung und ruft dazu auf, diesen Feind zu töten

–        Er beschreibt die Tugend als eine unbeugsame Gerechtigkeit

–        Er unterstützt durch die ständige Verwendung des Personalpronomens „wir“ das Gefühl der Zusammengehörigkeit

–        Will seine Feinde vernichten, ganz egal zu welchen Mitteln er greifen muss

–        Tugendideologie

è Rechtfertigt mit der Tugend den von ihm verursachten Terror

–        Für ihn ist der Schrecke die Waffe der Republik und die Tugend ist die Kraft

–        Robespierre ist skrupellos und wird auch weiterhin jeden töten lassen, der sich nicht voll und ganz auf seine Seite stellt

–        Hat kein Verständnis für anders denkende Menschen

è In seinen Augen ist seine Denkweise die einzig richtige, egal um welches Thema es geht

Akt 1, Szene 6:

–        Streitgespräch zwischen Danton und Robespierre

–        Robespierre will die Revolution weiterführen

–        Danton will das Töten beenden

–        Monolog Robespierre

è Will Danton tot sehen und die Revolution auf keinen Fall aufhalten

–        Gespräch mit St. Just

è Unterstützt Robespierre bei dem Entschluss Danton und auch seine Anhänger zu töten

–        Robespierre und Danton sind in ihrem Charakter sehr verschieden

è Können kein richtiges Gespräch führen, können keine Kompromisse eingehen und haben gegenteilige Ansichten wegen der Revolution

–        Er sieht nicht nur Danton, sondern auch dessen Anhänger als Gefahr und will deshalb alle so schnell wie möglich loswerden

–        Rechtfertigt sich selbst, um sein Gewissen rein zu halten

–        Danton hat durch das Gespräch mit Robespierre sein eigenes Todesurteil besiegelt

– Robespierre wird jetzt alles daran setzen, Danton zu töten

Akt 2, Szene 7:

–        Robespierre verteidigt die Verhaftung von Danton

è Er ist entschieden dagegen, den verhafteten Danton anzuhören ( so wie es Legendre vorschlägt) und will Danton gar keine Privilegien geben

–        Robespierre sieht weiterhin eine große Gefahr in Danton und seinen Anhängern und will sie deshalb ohne Kompromisse loswerden, um endlich wieder Frieden im Land zu haben

Szenenanalyse: Beispiel

Wie man eine Szene analysiert, findet sich im oberen Bereich des Artikels oder hier. 

An dieser Stelle findet sich eine gelungene Vorarbeit zu einer Szenenanalyse einer Schülerin. Sie ist stellvertretend dafür, welche analytische Vorarbeit geleistet werden kann, wenn man methodisch Schritt für Schritt vorgeht. Es handelt sich um Szene 7, Akt I.

Szenenanalyse Akt 2 Szene 7 – Gerechtigkeit oder Rechtfertigung?

Erschließung von Situation, Kontext und Inhalt

Figuren:                     Legendre
Robespierre             Zentral
St. Just
Präsident Nationalkonvent
Deputierte

Ort:                              Nationalkonvent

Zeit:                            Ein Tag nach der Verhaftung der Dantonisten (Danton, Camille, Lacroix, Philippeau)

Einordnung:             (vor der Szene)
Anklage der Dantonisten durch den Wohlfahrtsauschuss (Akt 1, Szene 6, S.29 und Akt 2, Szene 3, S.38)
Verhaftung der Dantonisten

(in der Szene -> grob)
Legendre tritt für die Dantonisten ein -> stellt Antrag für Anhörung der Dantonisten vor den Schranken
Debatte der Deputierten (kurz)
Überzeugende und rechtfertigende Rede Robespierres
Rede über Ideologie der Jakobiner von St. Just
Antrag Legendres abgelehnt

(nach der Szene)
Dantonisten im Luxembourg
Danton spricht vor Revolutionstribunal

Handlung:                Legendre will sich zunächst im inoffiziellen Gespräch Unterstützung sichern (S.44, Z.12-23) -> weiß, dass er allein keine Chance gegen Robespierre hat
Kurze Diskussion der Deputierten, Verhältnis der gegensätzlichen Seiten wird deutlich (S.45, Z.7-22)
Robespierre tritt bestimmt auf um Antrag nieder zu machen (S.45, Z.23 bis S.47, Z.12) -> nutzt vor allem Wir-Gefühl um Zusammenhalt hinter sich zu stärken
Konflikt kommt fast nicht auf -> keine Diskussion der Deputierten nach Robespierres Rede -> Legendre kommt nicht mehr zu Wort
St. Just muss Robespierres Rede eigentlich nichts mehr hinzufügen, hält danach trotzdem eine patriotische Rede über die Ideologie und legt seine Ansichten der gerechtfertigten Begründung dar (S.47, Z.16 bis S.49, Z.10)

Themen:                   Anhörung der Dantonisten (Hintergrund, vor dem andere Themen präsentiert werden)
Gleichheit/ Égalité (scheinbar) -> als Argument gegen die Anhörung der Dantonisten (S.45, Z.27 und S.46, Z.6)
Rechtfertigung der Schreckensherrschaft -> vor allem in St. Justs Rede, aber auch bei Robespierre (S.46, Z.9f)

Figuren

Konstellation:           Legendre als Freund Dantons

Robespierre <-> Legendre

St. Just auf Seiten Robespierres

Figurengestaltung:  (Legendre)
mitfühlend
zeigt Angst vor weiterem Verlauf (S.44, Z.13)
untergeordnet -> kommt nicht mehr zu Wort
klug -> sichert sich zunächst Unterstützung
hält sich für rein (S.44, Z.29)

(Robespierre)
bestimmt vgl. S.47, Z.9ff)
wortgewannt -> weiß wie er gut Leute beeinflussen und auf seine Seite ziehen kann (siehe Sprache Robespierre)
manipulativ ->zieht Leute auf seine Seite in dem er eine Bedrohung schafft (vgl. S.46, Z.20-36)
machtvoll -> stimmt alle um
tritt als bestimmter, zielgerichteter Politiker auf (-> Kontrast zu privaten Gefühlen und Zweifel in Akt 1, Szene 6)
Argumentiert und rechtfertigt auf moralischer Basis

(St. Just)
radikal -> geht über Leichen (vgl. S.47, Z.16-30)
kalt, gefühllos -> spricht enthusiastisch über das Morden und dessen scheinbare Rechtfertigung
selbstbewusst und überzeugend -> langer Beifall, Euphorie, Marseillaise
nutzt Basis und Stimmung die Robespierre geschaffen hat für seine Rede
differenziert sich von Robespierre durch seine Argumentation und Rechtfertigung auf naturwissenschaftlicher Basis (vgl. S.47, Z.19-32 und S.48, Z.13ff)

Sprache:                   (Legendre)
Appellativ -> appelliert an Robespierre und Deputierte den Antrag auf die Anhörung anzunehmen
gehobener Stil
nutzt Vergleich mit sich selbst ->  er ist „einer von ihnen“ (Jakobiner)
(Robespierre)
gehobene Sprache
Argumentiert mit Gerechtigkeit und Gleichheit -> Vergleich mit zuvor verurteilten Revolutionären (S.45, Z.29 und S.46, Z.9f)
Beschuldigt alle Deputierten der Verleumdung (S.45, Z.27) ->  nutzt Schuldgefühle
Greift Legendre direkt an (S.45, Z.37ff) -> untergräbt seine Autorität und sein Recht auf die Antragsstellung
Nutzt häufig rhetorische Fragen, frägt Frage die er sofort selbst beantwortet -> Deputierende fragen sich, er liefert ihnen die Antwort wodurch er schlau, fast allwissen wirkt + seine Meinung steht unangefochten als einzig wahre da (vgl. S.46, Z.9-19)
Benutzt Pronomen „man“ um eine (anonyme) Bedrohung zu schaffen -> Weckt Gefühl, dass nur radikal und gemeinsam gegen diese Gefahr vorgegangen werden kann (vgl. S.46, Z.20-37)
Personifikation „[…] nie zittert die Unschuld vor der öffentlichen Wachsamkeit“ (S.46, Z.26f) -> keine Unschuldigen werden getroffen (Rechtfertigung) -> damit müssen Dantonisten schuldig sein (Argument)
Wir-Gefühl -> nutzt Pronomen „wir“ und vermittelt damit ein Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt + seine Meinung und Vorstellung als die aller bezeichnet (S.45, Z.33 bis S.46, Z.7 und S.47, Z.1-10)
Pronomen „wir“ (S.47, Z.2ff) -> jeder fühlt sich angesprochen, Robespierre hebt damit alle Anwesenden von den Verbrechern ab und versammelt sie hinter sich
Nutzt die zuvor aufgebaute Autorität und Grundstimmung um den „einzigen“ Weg aufzuzeigen, wie das Vaterland gerettet werden kann (S.47, Z.9f)
Sein Verlangen ist eigentlich ein Befehl ->keine Widerworte (möglich) (S.47, Z.12)

(St. Just)
gehobene Sprache
Naturvergleich als Begründung für Handeln der Jakobiner (S.47, Z.20ff)
Hebt Anhänger der Jakobiner gleich mit Gott oder Naturgewalt -> Überheblichkeit, Selbstbewusstsein und Selbstüberschätzung (S.48, Z.2f und S.48, Z. 32-36)
Morden als natürlich (S.48, Z.9ff)
Argumentiert mit naturgegebener Gleichheit aller (S.48, Z.13ff) -> widerspricht sich selbst in dem er Unterschiede zwischen Jakobiner und allen, die nur leicht von deren Standpunkten abweichen, macht + dass Jakobiner gesamte Aristokratie auslöschen wollen
Spricht Pelias Experiment an -> zielt auf Brutalität aus, die zur Verbesserung und Verjüngung führt <-> Experiment jedoch gescheitert -> nennt Argument gegen ihn selbst (S.48, Z.37ff)
nutzt geschichtliche und biblische Vergleiche
Ruft Feinde der Tyrannei auf mit Jakobinern zu kämpfen <-> Widerspruch, da Schreckensherrschaft vergleichbar mit Tyrannei

Gespräche

Stil:                             Argumentierende Reden

Wendepunkte:         zu Beginn und nach Antrag Legendres manche noch pro Dantonisten -> nach Robespierre alle gegen Dantonisten

Atmosphäre:            Verändert sich von Zwiegespaltenheit der Deputierten zu einheitlicher Versammlung hinter Robespierre und dann weiter zur Euphorie für die Ideologie und das Morden der Jakobiner

Ton:                           Umschwung mit Wechsel der Redner
Legendre -> baut auf Mitgefühl und hebt Verdienst Dantons hervor
Robespierre -> bestimmt, selbstsicher, überzeugend
St. Just -> radikal, kalt, Euphorie fürs Morden

Verlauf:                     Robespierre nimmt Bezug auf Legendres Antrag und die Vorwürfe und verkehrt sie zu seinem Vorteil -> Legendre keine Chance mehr
St. Just zusammenhangslos zu vorherigem Thema des Antrags und der Dantonisten -> lediglich radikale Rechtfertigung für die vermeintliche Gerechtigkeit der Jakobiner

Ziel:                            (Legendre)
Emotionen, Mitgefühl zu Danton zu wecken; Deputierte an verdienst Dantons zu erinnern

(Robespierre)
Antrag abweisen und Deputierte auf seine Seite ziehen

(St. Just)
Ideologie der Jakobiner radikal und euphorisch „verkünden“, Deputierte hinter sich versammeln

Kontraste:                 Widerspruch äußeres Handeln und innere Haltung Robespierre (vgl. Akt 1, Szene 6)

Gesprächsanteil:     Robespierre deutlich größeren Anteil gegenüber Legendre -> Machtverhältnisse werden deutlich

Politische Reden: Beispiel

Politische Reden spielen in dem Drama Dantons Tod eine entscheidende Rolle. Hier werden Schuldfragen geklärt, Theorien in der Öffentlichkeit verhandelt, Anklage erhoben. Vor dem Hintergrund der Reden kann man dazu erkennen, dass die Revolutionäre sowie die – von diesen als Kontrareavolutionäre bezeichneten – Dantonisten an der Wirklichkeit des Volkes vorbeireden. Es gibt einige zentrale Reden.

So die

– Rede Robespierres im Jakobinerklub (I,3)

– Rede St. Justs in II,7

– Rede Dantons vor dem Revolutionstribunal (III,9)

An dieser Stelle zeigen die Analysen beispielhaft, wie eine Analyse durchgeführt werden kann. Sie beruht auf den methodischen Schritten, wie sie hier in diesem Artikel verlinkt sind.

 

I.Danton vor dem Revolutionstribunal (III,9)

Situation und Kontext      

Vor dem Revolutionstribunal; Etwa zur gleichen Zeit, wie bei III, 8;                                                                                             Danton ist Gefangener und nutzt die Ratlosigkeit des                                                           Revolutionstribunals aus um seine Feinde scharf anzugreifen;                                            Gerichtsrede;

Inhalt 

Greift zuerst das Tribunal an und verlangt nach einer Antwort                                                         auf die Verlangte Kommission; Nachdem Danton erfuhr, das                                       sämtliche Angeklagt, die Aufstände herbeirufen, aus dem                                                    Prozess ausgeschlossen werden, gibt Danton sein „politisches                                          Testament“ und sieht „großes Unglück über Frankreich“ (S. 69, Z. 14). Außerdem beschuldigt er Robespierre und St. Just des Hochverrates und wirft ihnen vor, das Volk nicht mit Brot ernähren zu können, sondern versuchen die Republik im Blut                                                          zu ersticken;

Redeintention                     

Zuerst appelliert Danton an das Volk und möchte sie vor der drohenden Gefahr durch die Jakobiner warnen; Danach greift er eher den Wohlfahrtsausschuss an und                                                      versucht dadurch in gewisser maßen seinen letzten Willen deutlich zu machen angesichts daran, dass er sterben wird und keine Chance mehr hat sein Statement abzugeben;

Aufbau der Rede               

S. 68, Z. 14-22:           – Appell an Volk zu Handeln                                                                                                    – Überzeugung dass er noch Kraft hat und  nicht aufgeben wird                                                                           S. 69, Z. 13-16: – letztes Statement und Bekundung seiner                                                                              Angst vor dem Untergang Frankreich

S. 69, Z. 17-29:  – Angriff auf „Decemvirn“ und Anklage Robespierres und St. Just des                                                                                               Hochverrates   – Wille die Republik zu zerstören und nicht den Menschen zu helfen („wollte Brot und  sie werfen euch Köpfe hin.“)

Strategien des Redners  

In Dantons rede führt er jederzeit eine manipulative Strategie an und versucht das Volk und das Revolutionstribunal daraufhin zu  polarisieren, dass die Republik gefährdet ist;                                                             Gegen Ende spricht er anfangs sehr niedergeschlagen und wird                                         ebenfalls ein wenig emotionaler; Jedoch schlägt dieses                                                 emotionale Sprechverhalten bei dem Gedanken an den Verrat                                            Robespierres und St. Justs sofort in ein aggressives                                                     Sprechverhalten umwandeln;

Sprachlich-rhetorische   

Gestaltung  

„mit der Kanone der Wahrheit hervorbrechen und meine Feinde                                          zermalmen“ (S. 68, Z. 21-22)  Bildhafte Darstellung (für Volk verständlicher) seiner                                                       Überzeugungskraft, die er noch beisitzt und einsetzen will um                                                         Feinde zu besiegen „Das ist die Diktatur, … schreitet über unsere Leichen“                                                        (S. 69, Z. 15f.)  Übertreibung und durch Metaphern Verdeutlichung der                                       Ernsthaftigkeit der Gefahr „Ihr wollt Brot […] der Guillotine lecken.“ (S. 69, Z. 27-29)                                                    à dominanter Satz und Parallelismus, der dem Volk deutlich                                                  macht, dass es von den Jakobinern hinters Licht geführt wird

St. Just vor dem Nationalkonvent (II,7)

Situation, Kontext, Redner und Zuhörer

Ort:                                             Nationalkonvent

Zeit:                                            Tag nach der Verhaftung der Dantonisten

Institution:                            Nationalkonvent

Zusammenhang:                 Vorherige Debatte über Legendres Antrag auf Anhörung der Dantonisten                                     und überzeugende Rede Robespierres diesen abzulehnen

Wer spricht zu wem:        St. Just zu dem Deputierten des Nationalkonvents

Rolle:                                         Steht über Deputierten, diese sehen zu ihm auf (-> Jubel und Marseillaise                                                       nach seiner Rede + lassen sich von ihm überzeugen und mitreißen)

Funktion:                                Trägt nichts zur vorherigen Debatte bei, deshalb eigentlich überflüssige Rede
-> aber bestärkt und preist Ideologie der Jakobiner

Redetyp:                                  politische Rede

Inhalt

Thema:                                     Ideologie der Jakobiner, Schreckensherrschaft und Rechtfertigung durch Begründung auf Natur

Zentrale Aussagen:            Idee soll wie Natur vernichten dürfen, was sich ihr in den Weg setzt (S.47, Z.32-34)
Wo Gang der Geschichte rascher, sterben mehr Menschen (S.48, Z.10f)
Naturgegebene Gleichheit aller (S.48, Z.14f)
Vergleich Jakobiner mit Moses (Bibel) und Naturgewalt

Redeintention

Ziel:                                            Deputierte hinter sich versammeln, Euphorie fürs Morden stärken

Sprechakte:                           rechtfertigend (vgl. Natur -> S.47, Z.32-35)
appellierend (ruft zum Handeln auf (S.49, Z.7-10)
manipulativ (versteckt seine radikalen Aussagen hinter Fragen -> S. 47, Z.31-37)
leichtes Wir-Gefühl (S.48, Z.29-36)

Aufbau der Rede:               Leitet ein und führt Naturvergleich ein (S.47, Z.14-20)
Vorstellung seiner Auffassung der Natur (S.47, Z.20-22)
Thesen Anführung in Form von Fragen (S.47, Z.22 bis S.48, Z.4)
Argumentiert mit Schnelligkeit der aufeinanderfolgenden Ereignisse -> Geschichte und jüngste Vergangenheit (S.48, Z.5-12 und S.48, Z.19-28)
Gleichheit (S.48, Z.13-18)
Bibel Vergleich (S.48, Z.32-36)
Pelias Experiment -> Sage (S.48, Z.37 bis S.49, Z.4)
Aufruf an alle Feinde der Tyrannei mit ihnen zu kämpfen (S.49, Z.7-10)

Höhepunkte:                        S.48, Z.29-36 -> Jakobiner als Schreiber der Geschichte und Erschaffer der neuen Menschheit (-> setzt Jakobiner Gott gleich oder Naturgewalt)

Schlussfolgerung:              Handeln sie nach diesen Grundsätzen so wird die Menschheit optimiert, verjüngt und urkräftig -> Jakobiner als Erschaffer

Strategie des Redners:    Manipulative Strategie
-> hebt Jakobiner auf Gottesgleiche Ebene
-> Feuert Euphorie fürs Morden an
-> Fragen verstecken seine Aussagen, durch die Frage erschein es als lasse er     auch noch eine andere Möglichkeit offen (was allerdings nicht der Fall ist) -> Deputierten nehmen Meinung eher an, da sie leichter denken es wäre auch ihre Sichtweise und Antwort
-> Stellt Tod und Morden als notwendig und natürlich dar
-> nutzt die Grundstimmung, welche Robespierre geschaffen hat als Basis
-> nutzt Emotionen ( sie, die Jakobiner seien wie Moses und stehen kurz vor ihrem Ziel)

Sprachlich-rhetorische Gestaltung

Vokabular:                             moralische Natur <-> moralische Natur

Atmosphäre:                        radikal, bestimmt, Euphorie des Mordens
baut erhobenes Gefühl auf -> Jakobiner Gottes gleich und damit über allen anderen
Morden als gute, ehrenhafte Sache -> Jakobiner tuen etwas Gutes

Satzbau:                                  Lange Sätze, hypotaktisch -> durchdachte Rede, weiß genau was und wie er etwas sagen will

Bildlichkeit/Rhetorik:    „Außer Atem kommen“ -> Euphemismus für sterben
Vergleiche (Bibel + Sage)
Metapher „Menschheit erhebt sich aus Blutkessel“
„Durch Blut gehen“ -> Metonymie

 

III. Robespierre im Jakobinerklub (I,3)

Situation und Kontext:     

Im Jakobinerklub;                                                                                                                                                                                Nach einer Warnung durch die Mitglieder Legendre und Collot                                                                                    d’Herbois vor den Feinden der Republik, verlangt Robespierre reden                                                                zu dürfen;                                                                                                                                                                                                 Robespierre(erster Abgeordneter für Paris im Jakobinerklub) spricht                                                          zum Jakobinerklub;                                                                                                                                                                            politische Rede

Inhalt/Aufbau der Rede:

Hinweis auf die Hilflosigkeit der Feinde der Republik (S.15 Z.3-12);                                                                     Benennung und Einteilung der inneren Feinde der Republik:                                                                                (S.15 Z.13-36)                                                                                                                                                                                         – bereits eliminierte Hébertisten (S. 15 Z.13-31)                                                                                                               – Die die nach „Erbarmen!“ (S.15 Z.33) schreien und dem Volk die                                                               Waffe und die Kraft entreißen wollen  (vgl. S.15 Z.33ff)                                                                              -> spätere Dantonisten;  (S.15 Z.32-36; S.16 Z.16);                                                                                                          Der Schrecken und die Tugend als unzertrennliche Kraft die die                                                                             Freiheit erhält in Kombination mit der Aussage Gnade und Erbarmen                                                               sei Barbarei (S.16 Z.15);                                                                                                                                                                    Die Beschreibung des Lasterhaften und deren Position als politische                                                                 Feinde (S.16 Z.27 bis S.17 Z.17);                                                                                                                                                 Versicherung dass gegen das Lasterhafte und die Feinde vorgegangen                                                                wird -> Beruhigen der Jakobiner (S.17 Z.18-36);

Redeintention:                

Entwerfen eines Feindbildes gegen das man gemeinsam ankämpfen    kann -> Schaffen eines Gemeinsamkeitsgefühls; Beruhigen der durch die Feinden unsicheren Jakobiner, aber gleichzeitiges Hinweisen auf den Moment (Feinde sind hilflos) -> Anerkennung Robespierres Standpunkts und Handlungsintetionen   -> Anerkennung Robespierres als Anführer der Jakobiner

Redestrategien:        

Position Robespierres ist zu dieser Zeit noch nicht vollständig die eines Diktators (z.B. bittet den Klub Reden zu dürfen), seine Rede ist  deshalb manipulativ ausgerichtet, um den Klub von dem er noch abhängig ist auf seine Seite zu ziehen manipulativ:                                                                                                                                                       Robespierre weist die anderen Mitglieder mehr auf ihre Situation und                                    das richtige Moment hin als sie ihnen vorzuwerfen (stellt sich selbst   auf die gleiche Ebene mit ihnen) (z.B. vgl. S.15 Z.3-9)  das entwickelt sich jedoch dann zu einer emotionale/aggressive Sprechhaltung (emotional in eigener Sache; aggressiv gegenüber                   Feinde  (S.15 Z.37ff))-> dramatisierend abwerten der beiden Feindesgruppen (z.B. unterstellt ihnen dem Volk   seine Macht zu nehmen und hilflos den alten Königen                                                        auszuliefern(S.15 Z.33ff), wirft ihnen vor keine einzige gute Tat zu vollbringen(S.16 Z.37))                                                                                                                                 aufwerten der eigenen Gruppe (z.B. nennt sich und die Mitglieder    das Schwert des Gesetzes, dass der Republik ein großes Beispiel sein   wird (vgl. S.17 Z.31-34)                                                                                                               benutzt Emotionen:   Verbreitet zuerst Respekt davor was die Feinde der Republik                                                  auswirken könnten (z.B. S.15 Z.33ff), Und dann Hass um die                              Mitglieder hinter sich zu bringen im Kampf gegen diese Feinde                                          (z.B. S.16 Z.31 ff)

Sprachlich Gestaltung:

Schlagwörter -> Innere Feinde der Republik
Schrecken
Tugend
Gerechtigkeit
Despotismus
Erbarmen

Lange Sätze, hypotaktisch -> ausgeführter Gedankengang, genau überlegt und durchdacht, wie und was er sagt
teils kompliziert gestrickte Sätze

Wiederholung Pronomen „Wir“ -> Wir-Gefühl, Gemeinschaft (S.15)
Schwert des Gesetzes hat den Verräter getroffen -> Jakobiner ermordeten mehrere Hébertisten und Cordeliers (S.15, Z.27)
Waffe der Republik ist der Schrecken -> Verteidigung und Macht zum Erschaffen (S.15, Z.37)
Kraft der Republik ist die Tugend -> innerer Kern und Stärke(S.16, Z.1)
Tugend ist ohnmächtig ohne Schrecken -> ohne Schrecken kann Tugend nichts bewirken, verändern oder erschaffen (S.16, Z.3)
Vergleich Schwert Freiheitshelden mit Säbel Tyrann -> Gibt zu, dass Jakobiner vergleichbar mit Tyrannen sind (S.16, Z.8f)
Despotismus der Freiheit -> Paradoxon (S.16, Z.14)
Arm des Volkes zu entwaffnen -> Mäßigung (Programm der Dantonisten) (S.16, Z.27)
Laster ist das Kainszeichen der Aristokratie -> Aristokraten schuldig und lasterhaft (S.16, Z.30f)
Ein Dutzend rote Mützen (S.16, Z.36)
Anapher -> Wir dürfen wohl (S.17)

Das Volk: Beispiel

Das Volk nimmt in Dantons Tod neben den öffentlichen und privaten Auftritten der Protagonisten einen besonderen Stellenwert ein. Es zeigt, was die eigentliche Wirklichkeit der Menschen ist, von denen die Hauptfiguren sagen, dass sie sie vertreten würden. Das materielle Elend, die derben Sprüche und die leichte Beeinflussbarkeit zeigen, dass das Pathos, mit dem Danton oder Robespierre ihre eigenen Vorstellungen mithilfe des Volkes begründen, hohl ist. Dieser Kommentar zeigt, wie man von einer Analyse in einen Kommentar über das Volk gelangen kann.

Das Volk wird als gewaltbereite Masse dargestellt, welche keineswegs vor dem Tod oder dem Morden zurückschreckt, sondern dies sogar noch unterstützt und fordert. Sowohl im Bild als auch in der Karikatur ist das Volk jedoch als Gefolgschaft gezeichnet. Das heißt es handelt nicht eigenständig, viel mehr folgt es autoritär wirkenden Personen (wie den Jakobinern) die die Richtung aufzeigen.

Besonders in der Volkszene (I,2) wird auch die Not angeführt, in welcher sich das Volk befindet. Geplagt von Armut und Hunger wird das Volk dazu getrieben jene zu verabscheuen, welche mehr haben als sie (Aristokraten) und denen zu glauben, welche ihnen einen Ausweg und Besserung versprechen. Die Notsituation wird auch im Bild angedeutet (Leichen und Trümmer). Deshalb stellt sich möglicherweise zunächst eine abgeneigte Haltung gegenüber dem Volk ein. Denn die vulgäre Sprache, das gewaltsame Umgehen miteinander du der überspitzte Hass sind alles Abstoßende Verhaltensweisen. Das Urteil fällt vielleicht eher negativ aus und der Zuschauer distanziert sich vom Volk.

Sobald der Zuschauer allerdings die Situation, die Not und das Leiden des Volkes durchschaut, verändert sich die Sichtweise. Die Gründe für das Handeln werden ersichtlich und nachvollziehbar, sodass sich sogar ein Gefühl von Mitleid einstellen kann. Erst nachdem die Umstände in denen sich das Volk befindet erfasst werden, wird Verständnis möglich. Doch auch trotz des Verständnisses für das Handeln des Volkes, erscheint es keineswegs in einem positiven Licht.

Schlussbemerkungen

Wenn man sich eine längere Zeit mit Büchners Drama befasst, wird klar, warum es in der Literaturwissenschaft so hoch gelobt wird. Es hat unendlich viele Ebenen, die sich analysieren lassen und die man in Bezug setzen kann zu anderen Themen, die – auch wenn das eine Standardphrase ist – auch heute noch relevant sind.

Dieser Artikel kann kein Ersatz für eine Doktorarbeit über Dantons Tod sein und versteht sich als bloßer Impulsgeber für eine weitere Beschäftigung. Er soll aber auch zeigen, dass es nichts nützt, wenn man Lektürehilfen auswendig lernt. Gerade, wenn es um das Abitur geht, muss immer erkenntlich sein, dass das, was man analysiert aus der genauen Textarbeit erwächst. Diese ist immer die Grundlage. Erst dann können größere Stränge aufgebaut werden, erst dann kann der Werkvergleich stattfinden. Alles andere wäre bloßes „Herunterspulen“ von Wissen.

Es sollte auch klar geworden sein, dass dieser Artikel aus den genannten Gründen nicht jeden einzelnen Aspekt des Dramas zu beleuchten im Stande ist.

Die theoretischen Grundlagen Epikurs für Dantons Weltbild oder die Aufklärung nach Kant in Bezug auf die Handlungen der beiden „Helden“, Dantons Langeweile und Robespierres Tugendterror, die Frauenfiguren und die Dirne Marion, die Gottesbeweisfrage – all diese Punkte bleiben hier unberührt. Insofern bleibt es dabei, dass nur die eigenen Lektüre Antworten auf die Fragen geben kann, die noch wichtig erscheinen. Gerne kann spezifisch kommentiert werden. Der Autor versucht die Zeit aufzubringen zu Antworten oder jemanden zu finden, der Antwort hat. Danke fürs Lesen und viel Erfolg!

Anmerkungen

Anmerkung I: Diese Interpretation ist, wie Interpretationen im Allgemeinen, eine besondere Sicht auf den Stoff. Der Autor ist zwar Gymnasiallehrer für das Fach Deutsch, hat also ein Germanistikstudium hinter sich, das mit Staatsexamen beendet wurde, ist aber weder promovierter Doktor noch Professor der Literaturwissenschaft. Das, was hier geschrieben steht, ist also ohne Gewähr und sollte mit Vorsicht genossen werden. Der Vorteil mag sein, dass bei Schwierigkeiten in den Kommentaren nachgefragt werden kann. Das ist bei Lektürehilfen weniger der Fall. Trotzdem ist der hier gewählte Fokus auf den Text immer nachzuprüfen. Bei offenen Fragen sollte vor einer so wichtigen Prüfung wie dem Abitur immer der jeweilige Lehrer hinzugezogen werden.

Anmerkung II: Was dieser Artikel und Lektürehilfen gemein haben, ist, dass sie die eigenständige Arbeit am Drama nicht ersetzen. Was offensichtlich erscheint, ist es ganz und gar nicht. Denn für eine hohe Punktzahl im Abitur, reicht es eben nicht, dass man Interpretationsansätze herunterbeten kann, ganz im Gegenteil: Als Erst- und Zweikorrektor ist es ein Leichtes zu sehen, an welchen Stellen stupide auswendig gelernte Passagen aneinandergereiht werden, anstatt die Interpretation aus dem vorliegenden Textmaterial zu kreieren. Das bedeutet, dass sowohl Lektürehilfen als auch diese vorliegende Interpretation nur Impulse sein können, die letztlich am Text überprüft werden müssen.

Wie man ein Textstück sinnvoll einbettet, kann man am Beispiel von drei Zitaten aus Agnes hier sehen:

Anmerkung III: Um diesen Artikel nicht allzu lang werden zu lassen, wird nur an einigen Stellen auf direkte Seitenzahlen hingewiesen. Des Weiteren kann nicht jeder einzelne Aspekt gedeutet werden, da das Drama gerade durch ein sehr dichtes intertextuelles, metaphorisches und inhaltlich vielschichtiges Geflecht besticht.

Das bedeutet, dass jeder, der mit dieser Interpretation etwas anzufangen gedenkt, das Drama gelesen haben sollte. Außerdem sollte man bei einer Interpretation im Abitur (oder auch innerhalb eines anderen Prüfungsrahmens) darauf achten, dass man nahe am Text bleibt und nicht bloße Behauptungen aneinanderreiht. Eine gute Interpretation geht immer zunächst vom vorliegenden Text aus, deutet ihn, stellt Verbindungen her und geht erst dann in abstrakte Themen über.

Was man bei einer Interpretation auf jeden Fall beachten muss, steht hier.

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