UNTERRICHT: Eine Unterrichtsstunde planen

Foto: Thomas Clemens

Obwohl es im Referendariat und auch in den Anfangsjahren als junger Lehrer sehr viel gibt, auf das man achten, das man kennenlernen und mit dem man umgehen lernen muss, bleibt das Kerngeschäft von Lehrerinnen und Lehrern klar: Guten Unterricht halten. An dieser Stelle wird erklärt, wie man eine oder zwei Unterrichtsstunden erstellt, so dass sie in sich stimmig sind und einen roten Faden haben.

Anmerkung I

Zur neuen Facebook-Gruppe für Referendare

Wie immer zunächst eine Relativierung: Der Autor dieser Zeilen schreibt seit nun mehr vier Jahren zu Themen wie Unterricht und Schule und hat auch Unterrichtsmodelle für Verlage geschrieben. Dennoch bleibt es wichtig, dass man, gerade als Referendar, dessen Note von einer gelungenen Stunde abhängt, seine Fachleiter befragt, wie sie die Sachverhalte sehen. Der Grund, warum dieser Artikel entsteht, ist relativ einfach: Die Besucherzahlen auf dem Blog zeigen, dass die Texte es oftmals schaffen, in einer relativ einfachen Sprache den Kern der Themen zu umreißen. Das ist schön. Es ist zu hoffen, dass es auch bei diesem Artikel wieder gelingt.

Um dem Text eine offizielle Note zu verleihen, habe ich verschiedene Fach- und Seminarleiter zu ihren Meinungen befragt. Diese Anmerkungen finden sich an den jeweils geeigneten Stellen im Text wieder. Sie sind namentlich erwähnt und man kann sie auf Twitter ansprechen.

Statt einem Vorwort: Anmerkung von zwei Seminarleitern

Monika Heusinger, Teilabordnung für Fachdidaktik an die Uni Saarbrücken, Lehrauftrag für Mediendidaktik an der TU Kaiserslautern und Fachleiterin  in der erweiterten Seminarleitung des Studienseminars Saarbrücken, die diesen Artikel vor der Veröffentlichung gelesen hat, merkte einige wichtige Punkte an, die ich hier vorab teilen möchte. Informationen zum Fachseminar Spanisch gibt es hier (die Informationen sind auch für andere Fächer durchaus empfehlenswert).

Zuerst müssen äußere Faktoren wie die Lerngruppe, Rahmenbedingungen usw analysiert werden.

Was Heusinger und im Kommentar auch Ines Bieler hier ansprechen, ist wichtig und wird in dem Artikel bewusst ausgeklammert, damit der Artikel selbst nicht den Rahmen eines noch lesbaren Artikels sprengt.

Dennoch: Das hier auch als Beispiel angegebene System funktioniert nur, wenn man zuvor weiß, mit dem man es wann und wie zu tun hat (Ist es eine heterogene oder leistungsstarke Klasse, eine kleine Lerngruppe, werden Schüler inkludiert etc.). Diese Faktoren werden bewusst ausgespart, um den Artikel nicht zu umfassend werden zu lassen, sind aber wichtiger Teil der Planung.

Björn Nölte, ehemaliger Hauptseminarleiter am Studienseminar Potsdam und nun Schulleitung (Oberstufenkoordination) der Voltaireschule Potsdam:

Viele gute Gedanken. Statt strikter Reihenfolge geht es später um sinnvolle Zusammenhänge zwischen Inhalt, Methoden, Medien und Zielen unter dem Blickwinkel der Lernvoraussetzungen.

Nolte spricht hier einen wichtigen Punkt an, der später auch noch deutlich wird. Hat man es einmal geschafft, Unterricht als Struktur zu verstehen, kann man sich von der hier dargebotenen Reihenfolge auch wieder verabschieden. Sie hilft also zunächst wie eine Art Stützrad. Fortgeschrittene können hier weitere Impulse für die Planung von Unterricht finden.

Marc Hennekes, Lehrer, Lehrbeauftragter, Lehrwerksautor und Lehrerausbilder gibt noch einen entscheidenden Tipp:

Der Perspektivwechsel, weg von „Was mache ich?“ und hin zu „Was tun die Schüler?“ ist einer der ersten und wichtigsten Schritte hin zu einem erfolgreichen Lehrer.

Da sowohl in der Lehrproben als auch im regulären Unterricht die Schülerzentrierung mittlerweile den Status eines Axioms hat, sollte man dies im Kopf behalten.

Worum es in diesem Artikel nicht geht

Bevor es zum eigentlichen Thema des Artikels kommt, erscheint wichtig, darüber zu schreiben, worum es in dem Artikel nicht geht. Schauen wir zunächst auf das Schaubild des Medienexperten Philippe Wampfler (der auch in diesem Artikel zu Wort kommt), der nach den Begriffen des Realschullehrers Dejan Mihajlović „Zeitgemäßen Unterricht“ definiert.

Diese Liste hat vieles, das ausgeführt (hier der Artikel) sehr sinnvoll ist. Dennoch geht es in diesem Artikel nicht um ein Lernen, dass soweit selbstbestimmt ist, dass es Ort und Zeit ignoriert. Mit anderen Worten: Es geht um den Lernraum „Klasse“ und eine zuvor bestimmte Zeit, in der man seinen Unterricht plant.

Aus diesem Grund geht es hier auch nicht um Projektunterricht. Dieser ist, bewusst und didaktisch gerahmt eingesetzt, sehr fruchtbar für die Erarbeitung von individuellen Themen. Die Lehrperson rückt aus dem Rampenlicht und fungiert als Lernbegleiter. Dennoch: Das Kapitel Projektunterricht ist eines für sich.

Zuletzt: Die im letzten Podcast erwähnten didaktischen Theorien – vom Lernpfad bis zu den zehn Merkmalen guten Unterrichts – zeigen, dass Unterricht selbst nie für sich stehen kann. Eine Einbindung in ein persönliches Verhältnis, einen vorbereiteten Raum, institutionelle Sicherheit und vieles mehr ist immer die Voraussetzung dafür, dass Unterricht gut gelingen kann. Wenn ich beispielsweise den besten Unterricht jemals vorbereitet habe, aber mich die Klasse nicht leiden kann oder wir im Kellerraum lernen müssten, wäre der Unterricht ganz schnell egal.

Was bedeutet das? Das bedeutet, dass Unterrichten immer mehr ist als Unterricht (auch in Bezug auf ganze Einheiten oder deren Analyse). Der Unterricht selbst bleibt jedoch der Kern – zumindest aus didaktisch-methodischer Sicht.

 

Eine Unterrichtsstunde planen: Von innen nach außen

Die Darstellung „von innen nach außen“ steht im Grunde für: Tiefenstruktur vor Oberflächenstruktur. Häufig erlebe ich vor allem in Unterrichtsbesprechungen, dass die Referendare überwiegend die Oberflächenstruktur im Blick haben. Mit Tiefenstruktur ist der kognitive Lernprozess gemeint. Was KONKRET ist der Lerngegenstand? Was ist die Essenz der Stunde? Was nehmen die SuS mit nach Hause? Ich helfe in der Beratung gerne mit folgendem (idealisierten) Bild: Was erzählt der S zu Hause beim Mittagessen, was er heute gelernt hat? (Jan Vedder, Pädagogik-Seminarleiter am Studienseminar Wunstorf (GHR))

Das hier besprochene Unterrichtsmodell ist eine Entwicklung von mir und wird sich – zumindest in dieser Form – in keinem Didaktik-Buch finden (wobei ich nicht ausschließen möchte, dass andere Modelle ähnlich aussehen).

Die Zielsetzung ist einfach: Ein Modell und dazu passende Ausführungen, die Referendaren und jungen Lehrern ermöglicht, Unterricht besser planen zu können.

Der Fachleiter, Medienexperte und Dozent Philippe Wampfler meint dazu:

Vor allem für Referendarinnen und Referendare, die nicht wissen, wo sie beginnen sollen, ist dieses Vorgehen das richtige.

Zwei Elemente von Unterricht werden oftmals falsch angegangen. Zum einen die Reihenfolge der Planung und zum anderen die funktionale Einbettung der verschiedenen Teile. Was genau zweiteres bedeutet, wird im weiteren Verlauf erklärt.

Schema von Stefan Quandt (@mufflkuchen)

Wie man es nicht macht

Vor allem Referendarinnen und Referendare zeigen in Facebook-Gruppen oft schon durch ihre Fragen, wie man Unterricht nicht vorbereitet. Dies ist keinesfalls eine Anklage. Wie soll man es auch wissen, wenn man einfach ins kalte Wasser geschmissen wird? Dennoch: Was sich zeigt, ist, dass viele denken, dass es reicht, einen Teil zu haben (so zum Beispiel den Einstieg oder ein Arbeitsblatt) und alles andere darauf aufzubauen.

Das kann mal zufälliger Weise gelingen. Das Problem ist aber ein größeres. Dadurch verlernt man (oder lernt gar nicht erst richtig), wie man Unterricht so erstellt, dass jeder einzelne Teil auf den anderen aufbaut. Das geht nicht, wenn man den dritten Schritt vor den ersten setzt.

Die richtigen Schritte

Gelingender Unterricht entsteht von innen nach außen. Wenn man dies nicht nur beherzigt, sondern auch nach und nach so lernt, dass man gar nicht mehr darüber nachdenken muss, wird man sowohl im Referendariat als auch hinterher als Lehrer viel weniger Zeit damit verschwenden, nach Material oder Methoden zu suchen.

Schauen wir zunächst auf das komplex wirkende Modell. Am wichtigsten sind zunächst die Pfeile von innen nach außen und dann die Pfeile von außen nach innen. Einfach gesagt: Wenn ich den Unterricht von innen nach außen plane (was bedeutet, dass beispielsweise der Einstieg erst am Schluss kommt), entsteht erst gar nicht die Gefahr, einen Einstieg zu erstellen, der mit dem Rest der Stunde nichts zu tun hat (was sehr oft passiert).

Also eins nach dem anderen:

Schritt 1: Gegenstand/ Lernziel/ Kompetenz definieren

Am Anfang war das Wort. Die Bildungspläne der jeweiligen Länder sind nicht nur eine langweilige Aufzählung dessen, was man nicht braucht, sondern eine produktive Unterstützung bei der Erstellung von Unterricht. Hier wird definiert, was Schülerinnen und Schüler kennen, wissen, machen können sollten. Und das für jedes einzelne Fach. Unterricht beginnt genau damit. Alles andere ist zunächst egal. Wenn ich also herausfinde, dass Schülerinnen und Schüler eine bestimmte Kompetenz erlangen sollen, nennen wir diese, damit es nicht zu abstrakt wird erkennen, dann weiß ich, worauf meine Stunde aufbaut. Was die Schülerinnen und Schüler erkennen sollen, ist dabei erstmal zweitrangig (es könnte sich um einen biologischen, gesellschaftlichen, politischen, mathematischen oder physikalischen Zusammenhang handeln).

Erst wenn ich den Unterrichtsgegenstand definiert habe und diesen in die Kompetenzen einteile, die die Schülerinnen und Schüler erlangen sollen, sollte ich den zweiten Schritt gehen. Durch das föderale Bildungssystem ist bei der hier angewendeten Fachsprache Vorsicht geboten. Das Prinzip bleibt dasselbe.

Kai Wörner, Seminarrektor Geschichte RS am Europakanal Erlangen II, Autor bei und Autor beim  ergänzt dazu:

Die Grundfrage ist immer: Was soll der Schüler  nach der Stunde wissen? Welche Kompetenzen soll er erworben haben.

Konkretes Beispiel: Normalerweise besteht eine Stunde aus mehr als einer einzelnen Kompetenz. Aber tun wir so, dass es nur um eine einzige Kompetenz gehen würde. Bleiben wir beim Erkennen. Schülerinnen und Schüler sollen im Fach Geschichte erkennen, dass die Neandertaler miteinander kommuniziert haben. Das Lernziel ist es also, dass sie aus der Stunde gehen und genau dies erkannt haben.

Schritt 2: Material auswählen

Nun, da man weiß, welcher Gegenstand den Kern des Unterrichts ausmacht (Achtung: Gegenstand meint keinen konkret greifbaren Gegenstand, sondern das Hauptelement, also das Bündel der Kompetenzen mit einer Hauptkompetenz), kann man sich überlegen, welches Material benötigt wird, genau diesen Gegenstand zu verdeutlichen. Aber (nochmal) Achtung: Wir sind immer noch im Kern der Stunde, also in der Phase, in der die Schülerinnen und Schüler arbeiten und der Lehrer im besten Fall nur herumgeht oder sich völlig aus dem Geschehen nimmt.

Gehen wir weiter von unserem konkreten Beispiel aus: Wir brauchen also Material, das die Schüler zur Erkenntnis führt, dass die Neandertaler miteinander kommuniziert haben. Ton und Videoaufnahmen bieten sich nicht an (es gibt zwar Dokumentationen, aber die sind zunächst schwierig). Also kommen wir auf die Idee: Wir lesen Teile wissenschaftlicher Arbeiten über die Neandertaler. Aber wie lesen wir?

Eine weitere Anmerkung von Monika Heusinger:

Material, das als Gegenstand in der Stunde dient und das zur Anwendung dient, müssen getrennt werden.

Diese Anmerkung von Heusinger verdeutlicht, dass Material aber nicht nur Material ist. Ein Bild kann beispielsweise als Impuls dienen (um in ein Thema zu kommen), kann aber auch der eigentlich Gegenstand der Betrachtung sein (zum Beispiel bei einer methodisch genauen Bildanalyse).

Des Weiteren sagt Heusinger ganz richtig, dass es dazu kommen kann, dass man das Material nicht selbst wählt, sondern dass es vorgegeben ist. Dann würde sich der Verlauf ändern (dennoch würde ich die Planung weiterhin von innen nach außen gestalten, nur dass das Material als feste Säule feststünde).

Wörner fügt an:

Wichtig für die Auswahl ist zusätzlich, was die Schülerinnen und Schüler am Thema interessieren könnte.

Schritt 3: Methode auswählen

Nun, da wir wissen, welche Kompetenz und welches Lernziel (Erkennen) wir haben und welches Material (vereinfachte Texte), können wir uns überlegen, welche Sozialform und welche Methode sich anbietet. Wollen wir die Schülerinnen und Schüler miteinander sprechen lassen? Sollen sie die Texte einzeln lesen? Sich vorlesen? Brauchen wir ein Gruppenpuzzle?

All diese Fragen können wir nun aber anhand unserer Struktur beantworten. Wenn wir nur einen einzigen Text haben, der für die Erkenntnis sorgt, wäre ein Gruppenpuzzle unsinnig. Da wir die Schülerinnen und Schüler aber auch nicht überlasten wollen, können wir diesen Text in zwei Teile aufteilen und der einen Hälfte der Klasse den einen, der andere den anderen geben. Sie sollen in Einzelarbeit den Text lesen und dann besprechen, was sie nicht verstanden haben.

Dann sollen sie aufstehen und zur anderen Hälfte gehen. Sie sollen später in der Lage sein, genau zu referieren, was die anderen zu sagen haben.

An diesem Punkt bieten sich zahlreiche andere Methoden an; dennoch ist eine so einfache Art des Austausches gut, um zu verstehen, worum es geht.

Schritt 4: Den Einstieg auswählen

Wir wissen also eigentlich schon das meiste, was in unserer fiktiven Stunde passiert. Nun können wir zum Einstieg kommen. Wir wissen, was die Erkenntnis sein soll. Ein Einstieg, der wunderbar zum Fach Geschichte und seiner Problemorientierung passt, wäre: Die Schülerinnen und Schüler sollen ganz kurz vorspielen, wie sie sich die Neandertaler vorstellen (Achtung: hier spielt die Klassensituation mit herein. Das geht nur in Klassen, die sich gegenseitig respektieren).

Schülerinnen und Schüler würden also nach vorne kommen und „Uga Uga“ schreien und sich lustig benehmen (Motivation). Als Lehrer könnte man die Frage stellen: Welche Frage könnte sich der Historiker stellen, wenn er mehr über diese Neandertaler erfahren möchte?

Eine mögliche Schülerantwort wäre: Haben die Neandertaler sich wirklich so unterhalten? Das kann, muss man aber nicht glatt feilen.

Nun haben wir also einen Einstieg, der zu einer Frage führt, eine Methode, wie man Material so beantwortet, dass die Frage beantwortet wird und die genaue Kompetenz, die damit geschult wird.

Das Einzige, was fehlt, ist der Transfer.

Schritt 5: Den Transfer/ die Sicherung planen

Der Transfer wäre also, dass nun erreichte Wissen oder die Fähigkeit (in unserem Fall die Erkenntnis) anzuwenden. Man könnte zum Beispiel ein Bild einer Grabstätte anschauen und überlegen, welche weiteren Erkenntnisse es zur Kommunikation oder zum Leben der Neandertaler geben könnte.

Oder aber man würde die Erkenntnisse sichern (lassen). Auch da gibt es verschiedene Ansätze.

Schritt 6:

Kai Wörner geht auf zwei weitere wichtige Punkte ein, die man in der Tat relativ am Ende planen kann, die aber für das Gelingen einer „runden“ Stunde wichtig sind: Die Gelenkstellen.

Die narrative Gestaltung durch den Lehrer ist enorm wichtig.

Was ist damit gemeint? Nun, es ist schon ein Unterschied, ob nur ich weiß, was wann kommt oder ob ich die Klasse teilhaben lasse. Ob ich nun einfach das Arbeitsblatt hinwerfe oder anmoderiere usw.

Der rote Faden einer Stunde bindet ihre einzelnen Teile aneinander. Dies kann natürlich nur dann gelingen, wenn diese aufeinander aufbauen.

Schlussbetrachtung

Kommen wir zurück auf die Zielsetzung dieses Artikels: Ein Modell und dazu passende Ausführungen, die Referendaren und jungen Lehrern ermöglicht, Unterricht besser planen zu können.

Zum Beginn wurde folgende Problematik thematisiert: Zwei Elemente von Unterricht werden oftmals falsch angegangen. Zum einen die Reihenfolge der Planung und zum anderen die funktionale Einbettung der verschiedenen Teile.

Das Problem der Reihenfolge der Planung wird nun deutlich. Die funktionale Einbettung – und das kann man nun verstehen – bedeutet: Mein Einstieg bezieht sich auf den Kern der Stunde, weil ich ihn darauf bezogen habe. Meine Methode bezieht sich auf das Material, weil ich es zuerst hatte. Und so weiter. Diese Erkenntnis ist unglaublich wichtig.

Der gesamte Artikel ist als eine Hilfestellung gedacht. Wenn man zunehmend professioneller handelt und die einzelnen Teile von Unterricht beherrscht, kann man sicherlich auch von einer anderen Richtung her planen und trotzdem eine gute Stunde erstellen. Dazu Philippe Wampfler:

Mittlerweile würde ich Referendarinnen und Referendaren sagen: Denkt an alles und macht keine falschen Kompromisse. Ich würde sagen: Besser eine gute Idee als eine schematische Lektion.

In der Tat: Eine gute Idee ist immer von Vorteil. Die beste Idee nützt aber nichts, wenn sie nicht eingebunden wird. Wie das gehen kann, hat dieser Artikel gezeigt.

Falsche Fragen

Wenn wir nun einmal davon ausgehen, dass man nach dem System, das hier vorgestellt wurde, den Unterricht plant und es Referendare gibt, die eben das nicht tun – wie würden sich die Fragen unterscheiden?

Stellen wir uns, einfach um die Nachvollziehbarkeit zu erhöhen, mal vor, ein Referendar würde das Thema „Kommunikation der Neandertaler“ bekommen. Er kriegt also die Krise. Welche falschen Fragen könnte er oder sie stellen, die zeigen, dass er oder sie nicht richtig geplant hat?

Zu allgemeine Frage:

Wie soll ich das Thema Kommunikation der Neandertaler angehen?“

Falsche Reihenfolge:

Ich habe einen super Einstieg zur Kommunikation der Neandertaler. Könnt ihr mir sagen, was ich in der Stunde machen soll?

Falscher Fokus:

Ich will unbedingt ein Gruppenpuzzle/ diesen Text/ diesen Transfer machen. Wer kann mir helfen, dass ich ihn in die Stunde kriege?

 

Ich hoffe sehr, dass ich einigen helfen konnte, das Konzept der Unterrichtserstellung besser zu verstehen. Ich freue mich, wie immer, über Kritik, Anmerkungen und Anregungen.

Weiterführende Links:

Das Referendariat: Eine Haltungsfrage

Wie plane ich eine Unterrichtsstunde? (Einige weitere Überlegungen)

 

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18 Kommentare zu UNTERRICHT: Eine Unterrichtsstunde planen

  1. MAWSpitau sagt:

    Vielen Dank für den Artikel. Ich für meinen Teil habe immer (sic!) Probleme mit Dogmen und Verallgemeinerungen und das sehe ich in Deiner Reihenfolge der Planung, da unterstütze ich Ines. Dennoch sollte vor der Planung einer Unterrichtsstunde immer das Ziel klar sein. Denn ohne Ziel ist jeder Schuss ein Treffer – oder eben nicht!

    Ich als Lehrender muss vor der Planung wissen, wohin die Reise gehen soll. In der Stunde müssen auch die Schülerinnen und Schüler wissen, wohin sie mit mir reisen, also welche Ziele die Unterrichtsstunde verfolgt. Der so häufig geliebte und erhoffte Aha!-Effekt bleibt in der Regel aus, wenn die Lernenden nicht wissen, WARUM (Die wichtigste Frage der Welt!) sie bestimmte Aufgaben bearbeiten und gerade in Stunden mit Besuch einfach das machen, was die Lehrperson von ihnen verlangt, damit sie nichts „kaputt“ machen. Ob der Lernerfolg hier immer stattfindet scheint fraglich.

    Zum Thema Einstieg habe ich es mal (in einem noch nicht veröffentlichten Artikel) so formuliert:

    „Dem Einstieg einer Unterrichtseinheit wird eine verhältnismäßig große Aufmerksamkeit geschenkt, ohne den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler im Auge zu haben.“

    Wenn der Einstieg ein „Bombe“ ist, kommt es immer wieder vor, dass sich Schülerinnen und Schüler zwar an den Einstieg, nicht aber an das Eigentliche zu erlernende erinnern. Somit hat der gute Einstieg, dazu geführt, dass das eigentliche Ziel nicht erreicht wurde.

    Gerade wenn ich nicht Inselstunden plane (wie hier beschrieb), sondern Unterrichtseinheiten, die über mehrere Lerneinheiten gehen, dann ist ein informierender, pragmatischer Einstieg häufiger mehr Wert, als ein szenisches Spiel, ein Filmchen oder ein anderer methodischer Schnick-Schnack, der die Beobachter beeindrucken soll. Da ich aus der Beruflichen Bildung komme und hier der Lernfeldgedanke getragen wird, sind wir schon grundsätzlich weiter davon entfernt, Inselstunden zu bauen. Wir arbeiten immer im beruflichen Kontext an Lernsituationen, die in mehreren Stunden bearbeitet werden.

    Um das Interesse der Schülerinnen und Schüler zu erreichen kann man sich unter Umständen die Frage stellen: Warum müssen die Schülerinnen und Schüler wissen, wie die Neanderthaler kommuniziert haben? (Nur für das Protokoll: Ich habe keine Ahnung, warum die Schülerinnen und Schüler das wissen sollten… 😉 ) Wenn ich den Schülerinnen und Schüler dieses Warum transparent machen kann, dann bin ich mir sicher, dass es ein gelingender Unterricht werden kann.

  2. Pingback: Unterrichtsstunde planen – Edu Blog

  3. Pingback: Podcast begleitete Referendare – Edu Blog

  4. AP sagt:

    Ein interessanter Beitrag, den ich unseren Anwärtern empfehlen werde!
    Was mich inzwischen mehr und mehr –
    auch in der Ausbildung der Referendare – stört, ist die Isolierung der einzelnen Stunde: Manchmal geht der Rote Faden über zwei, drei Stunden und erst dann ist die „Stunde“ rund. Und manchmal ergibt sich aus der agilen Didaktik die Notwendigkeit, Bereiche zu vertiefen oder neue einfließen zu lassen, was in einem zu engen Korsett nicht möglich wäre.
    Ich spreche daher lieber von Lektionen als von Stunden.
    (Ist aber nix für die erste Planung von Stunden, zugegeben.)

    • Bob Blume sagt:

      Vielen Dank, das freut mich. In welchem Seminar sind Sie denn? Was Sie sagen, hat einen sehr wahren Kern: Das, was hier beschrieben wird, ist artifiziell. Wie man eine ganze Einheit plant, habe ich
      hier beschrieben. Ich habe einen Artikel geschrieben, der die Stunde so isoliert, weil ich glaube, dass viele sich mit diesem Baustein schwer tun. Wenn Sie das (oder ein anderes) Prinzip verstanden haben, kann man in die „Königsklasse“, also hin zu einer über Stunden gehenden Progression und Dramaturgie…

  5. Arthur Thömmes sagt:

    Vielen Dank für die praxisnahen und hilfreichen Anregungen zur Unterrichtsplanung. Das Problem, dass wir in den Studienseminaren haben, liegt nicht selten in der zielorientierten Ausbildung an den Hochschulen. Und die Fachleiter sprechen dann plötzlich von Kompetenzorientierung. Wichtig ist bei der Unterrichtsplanung nicht, mit welchem Medium oder mit welcher Methode ich einsteige, sondern wohin ich will. Dabei ist die Schülerorientierung ein wesentlicher Aspekt. Folgende Leitfragen wären hilfreich: Wie sollen meine Schüler meinen Unterricht verlassen (Kopf, Herz, Hand bzw. Denken, Emotionen, Handeln)? Was sollen meine Schüler am Ende der Unterrichtsstunde können, was müssen Sie wissen, was befähigt sie dazu und welche Haltungen und Lernbereitschaft brauchen Sie dafür? Der Unterricht wird also vom Ende her geplant. Wichtig sind auch eine ganzheitliche Handlungssituation und eine klare Problematisierung. Für die strukturierte Planung verwende ich gerne den methodisch-didaktische Dreischritt „sehen-urteilen-handeln“. Diese Phasen sind hilfreich bei der Entwicklung der Dramaturgie (Roter Faden) des Unterrichts.
    Das sind nur einige ergänzende Aspekte zur Unterrichtsplanung. Ausführlicher habe ich es beschrieben in meinem neuen Buch: Referendariat Religion. Kompaktwissen für Berufseinstieg und Examensvorberezitung. Cornelsen Verlag 2017. In der Reihe gibt es weitere Bände zu anderen Fächern.

    • Bob Blume sagt:

      Danke für die ergänzenden Teile. Mein hier vorgestelltes System ist eben eine Erweiterung des Denken „vom Ende her“, zumindest so, wie ich denke, dass es Referendare besser verstehen. Dass es die verschiedensten Zugangsmöglichkeiten gibt, darüber müssen wir nicht sprechen. Damit die „Werbung“ zugänglicher ist, können alle Interessierten diesen Link hier nutzen, um auf das Werk von Herrn Thömmes zu stoßen. Ich würde mich natürlich auch freuen, wenn Sie diesen Blog weiterempfehlen würden. Herzliche Grüße.

  6. Pingback: Wie plane ich eine Unterrichtsstunde? Die Basics für Referendare* | Kesslers Klassenzimmer

  7. Pingback: Einen schönen Herbsttag | Bob Blume

  8. Maria sagt:

    Danke für den Artikel. Die Idee von innen nach außen zu planen scheint jetzt fast selbstverständlich zu sein. Am Anfang meines Refs habe ich halt an mehreren Stellen parallel gearbeitet, da ich nicht wusste, womit ich anfangen soll.
    Du sollst das alles in einem Buch veröffentlichen.

  9. Sebastian Dannischewski sagt:

    Ich stimme dir in allen Punkten zu, sehe aber das Problem, dass gerade bei komplexeren Fragestellungen ein geeigneter Einstieg schwer zu finden ist. Ich denke zum Beispiel an Politik in der Oberstufe. Da hängt ein geeigneter Einstieg oftmals an der Verfügbarkeit von Bildern, Karikaturen, Schlagzeilen, etc. Wenn ich nun eine Stunde geplant habe und aber dann feststelle, dass ich keinen geeigneten Einstieg finde (Aufwand/Nutzen beachten), habe ich ein Problem. Vielleicht wäre es hilfreich vor der Planung der Stunde eine mögliche Übersicht der verfügbaren Einstiege zu erlangen, also nachdem ich weiß, mit welchem Inhalt ich mich befassen möchte.
    Was ich aber auch immer erlebe und nicht als zielführend sehe ist der Versuch, Einstiege, Medien oder Arbeitsblätter in eine Stunde zu pressen, auch wenn sie gar nicht genau passen.

  10. Ines Bieler sagt:

    Vielen Dank für den Artikel. Einige Fragen stellen sich mir. Deine Erklärung „von innen nach außen“ finde ich nicht schlüssig. Auch fehlen mir wichtige Einflussfaktoren wie z.B. Lerngruppenbedingungen. Du sagst zwar am Anfang, dass du sie ausklammerst, dies ist aber für eine Planung meiner Meinung nach kaum möglich.
    Ich finde den Artikel gut geeignet, gerade mit Referendaren in die Planung einzusteigen und Schwierigkeiten, Einflüsse und Wege zu diskutieren.

    • Bob Blume sagt:

      Danke für die Rückmeldung. Die Einflussfaktoren musste ich ausklammern, um den Artikel nicht ins unermessliche wachsen zu lassen. In der Tat ist das sehr wichtig. Aber das sind weitere Artikel wert…
      Zu der anderen Anmerkung: Wenn du die Erklärung von innen nach außen nicht schlüssig findest, dann ist das Kritik an der gesamten Zugangsmethode. Da weiß ich nicht, wie ich reagieren soll, denn darauf beruht nicht nur die Idee der Hilfestellung, sondern der gesamte Artikel. Vielleicht kannst du genauer formulieren, was du daran nicht schlüssig findest.

      • Ines Bieler sagt:

        Ich finde, ohne die Rahmenbedingungen geklärt zu haben, kann man nicht wirklich mit Planung beginnen – aber das willst du extra abhandeln. Verstanden. Wenn ich das alles abgeklärt hätte, würde für mich die Themenfestlegung kommen, anhand derer ich die Kompetenzen aus den Fachlehrplänen definieren kann.
        Mich verwirrt, ehrlich gesagt, die graphische Darstellung etwas. 😉
        Und noch ne Frage: Die Reihenfolge ist sicher nicht „unabänderlich“ festgelegt, oder? Denn warum unbedingt Einstieg vor Sicherung (in der Planung)?
        Ich freu mich schon auf die Diskussion mit den Refs. Das Bewusstmachen der Problematik ist der entscheidende Teil. Erst durch die Reflxion setzt der Lernprozess ein.

        • Bob Blume sagt:

          Ja, das stimmt. Ich habe deinen und Monikas Kommentare dementsprechend in den Artikel eingefügt. Der Artikel ist in der Tat der Versuch, etwas zu isolieren, was schwer zu isolieren ist. Ich wollte es dennoch probieren, weil ich aufgrund der Fragen in FB-Gruppen oft das Gefühl habe, dass es genau da hapert.

          Die graphische Darstellung wird hoffentlich besser, wenn Stefan Quandt sie überarbeitet hat. Nein, unabänderlich nicht. Gerade die beiden Punkte Einstieg und Sicherung könnten sicherlich ausgetauscht werden. Was man aber nicht ändern sollte (wenn man keine Erfahrung hat), sind eben die anderen Punkte. Weil man sich sonst so sein eigenes Grab schaufelt, beispielsweise, indem man denkt, einen wunderbaren Einstieg zu haben, der sich dann aber nicht auf den Mittelpunkt der Stunde bezieht (damit wäre er redundant). Genau dem arbeitet man entgegen, wenn man vom Mittelpunkt der Stunde nach außen arbeitet.

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