NACHLESE: Econtalk mit Megan McArdle über Online-Mobs

 

Foto: Thomas Clemens

Seitdem ich begeisterter Podcast-Hörer bin, freue ich mich wieder, des Englischen mächtig zu sein. Mehr noch: Bei den Folgen des Econ-Talk oder dem Podcast Waking up with Sam Harris habe ich nach jeder Folge das Gefühl, ein kleines bisschen schlauer zu sein. An dieser Stelle soll eine kurze Nachlese der für mich interessantesten Folgen zu lesen sein, die im besten Fall alle Leser des Blogs für die Folgen interessiert oder als Impuls dient. 

 

 

Eine kurze Anmerkung

Die Folgen sind immer zwischen einer und anderthalb Stunden lang, so dass ich sie bequem im Auto hören kann.  Im weitesten Sinne sehe ich die Interviews und Gespräche der beiden Podcaster als eine Möglichkeit, innerhalb und außerhalb der Schule über die politischen Dimensionen der Medienbildung nachzudenken. Da es mir nicht möglich ist, die gesamte Diskussion wiederzugeben, werde ich auch zukünftig nur die wichtigsten Thesen oder Fragen herausarbeiten und erklären, warum ich sie für relevant halte. Ich freue mich wie immer über Anmerkungen, Anregungen und Kritik. 

Econtalk mit Megan McArdle

In der aktuellen Folge des Econtalk redet der Ökonom Russel Roberts mit der Journalistin  Megan McArdle.

Im weitesten Sinne geht es um das Mob-Verhalten des Internets und die Implikationen, die dies für das eigene (kommunikative) Handeln hat.

Als Beispiele werden die beiden großen Skandale rund um die Justine Sacco und den Google Ingenieur James Damore besprochen.

Sacco hatte einen rassisitischen Tweet abgesetzt, bevor sie nach Afrika flog. Als sie ankam, war dieser viral gegangen. Sie wurde gefeuert.

Sacco hatte in einer zunächst internen Memo die Gleichheit zwischen Mann und Frau bezüglich Technik in Frage gestellt. Auch er wurde gefeuert.

Problematik

Die Problematik, die bei diesen beiden Beispielen zeigt, ist nicht die Frage nach der Angemessenheit der Redebeiträge einzelner. Es ist die Frage nach der Veränderung der Konsequenzen im Zeitalter der Digitalisierung. Und die Frage danach, ob wir unsere eigenen moralischen und gesellschaftlichen Ansichten über gut und schlecht als so absolut setzen, dass eine Verletzung die Vernichtung der Existenz legitimiert.

Ein rassistischer Witz ist abzulehnen, darüber würden die meisten Menschen übereinstimmen. Aber legitimiert dies die Lebensgrundlage eines Menschen (also desjenigen, der ihn äußerte) zu zerstören? Dies ist keine rhetorische, sondern eine offene Frage, auf die in unterschiedlichen (Stammes-,/Identitäts-,)Gruppen anders geantwortet würde.

Dasselbe gilt für Äußerungen, die die Gleichheit zwischen Mann und Frau in Frage stellen. Reicht der kollektive Aufschrei, um jemanden aus seinem Job zu werfen, nur weil seine Ansichten aus der Sicht einer Mehrheit (?) für unangebracht gehalten werden? Muss man also diejenigen zensieren, deren Meinung für eine Mehrheit unangebracht erscheint?

Konsequenzen der Digitalisierung

Die Digitalisierung zeigt sich hier von ihrer problematischen Seite. Denn Menschen machen Fehler. In der Digitalisierung jedoch können Fehler lebensbedrohlich werden, insofern eine Äußerung nicht mehr zu entfernen ist.

Nun könnte man einwenden, dass jeder, der sich rassistisch äußert, es verdiene, seinen Job los zu kriegen.

Das Problem ist, dass die Grenzen des Unaussprechlichen immer weiter nach außen definiert werden. Die Journalistin McArdle spricht beispielsweise von einem Tweet, den sie schrieb, indem sie nach den möglichen positiven Auswirkungen der Klimaerwärmung fragte. Sie ist ohne Zweifel eine Journalistin, die den Klimawandel nicht nur anerkennt, sondern auch mit allen Mitteln versucht, ihn zu verhindern. Dennoch wagte sie es, danach zu fragen, warum niemand (beispielsweise Journalisten oder Wissenschaftler) nach der Möglichkeit einer positiven Auswirkung fragte.

Die Kommentare waren so zynisch, dass manche Kommentatoren ihre Äußerung mit der Relativierung des Holocaust verglichen.

Denkanstöße

Alleine diese kurze Zusammenfassung zeigt einige Punkte auf, die lohnend sind. Es zeigt aber auch die Schwierigkeit.

Russel selbst fordert als Konsequenz eine neue Form der Selbstreflexion. Der kommunikative Diskurs könne als wichtiger Bestandteil der Gesellschaft nur dann bestehen bleiben, wenn jeder zumindest die Möglichkeit in Betracht ziehe, falsch zu liegen. 

Wenn das mal so einfach wäre. Davon können wir alle ein Lied singen.

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