Gedichtinterpretationen sind schwierig, da sich Gedichte aufgrund ihrer Kürze und ihrer strikten, kunstvoll erdachten Form einem schnellen und oberflächlichen Verständnis verweigern. Aus diesem Grund ist es für manche wichtig, zunächst nach einer nach und nach aufgebauten Struktur vorzugehen.

Das Wichtigste dabei ist es: Bevor man sich an Teilbereiche des Gedichts macht, muss das gesamte Gedicht inhaltlich verstanden worden sein. Anders formuliert: Vor dem Wie? steht das Was? Erst wenn man weiß, wer wo zu wem warum worüber spricht, kann man die Feinheiten betrachten, über diese nachdenken und zu einer gesamtheitlichen Deutung gelangen, die sowohl Sprache als auch Form des Gedichts zusammenhängend deutet.

  1. Schritt: Lesen und erstes Verstehen
  • Gedicht mehrfach lesen
  • Alles, was auffällt, markieren; Randnotizen machen
  • In eigene Sprache übersetzen
  • Thema erkennen (Konflikt? Erfahrung?)
  1. Schritt: Situation – Bilder – Schlüsselbegriffe
  • Welche Situation ist dargestellt?
  • Was kennzeichnet diese Situation?
  • Welche Bilder werden verwendet?
  • Welche Schlüsselbegriffe gibt es?
  1. Schritt: Personen – Handlungen
  • Welche Personen und Handlungen tauchen auf? (Lyrisches Ich, Lyrisches Du, Personifizierungen)
  • Wie handeln die Personen? Wie sind sie gekennzeichnet?
  • In welcher Beziehung stehen sie zueinander?
  1. Schritt: Inhaltlicher Aufbau
  • Wie ist das Gedicht inhaltlich aufgebaut?
  1. Schritt: Formale Aspekte – Bezug zum Inhalt
  • Äußere Form (Gedicht-, Strophen-, Versform; Reim, Metrum, Rhythmus)
  • Was wird durch die Form inhaltlich unterstützt? (Pathos, Ruhe, Dynamik …)
  • Passen Form und Inhalt zusammen oder widersprechen sie sich? Gibt es Irregularitäten, Abweichungen vom Schema und worauf weisen sie hin?
  1. Schritt: Semantische Analyse
  • Welche Wörter werden verwendet? (Substantive, Adjektive …)
  • Gibt es Wiederholungen, Ähnlichkeiten oder Wortfelder?
  • Welche Verben werden verwendet? (Zustandsverben, Bewegungsverben …)
  1. Schritt: Syntaktische Analyse
  • Satzformen und ihr Verhältnis zu Vers und Strophe (Enjambement, Zeilenstil u.a.)
  • Tempusverwendung und Zeitverhältnisse
  • Satzbau: Parataxe, Hypotaxe
  1. Schritt: Das lyrische Ich
  • Grammatische Erscheinungsformen des lyrischen Ich
  • Sprachliche Charakterisierung des lyrischen Ich (erlebend, kommentierend, distanziert …)
  • Verhältnis des lyrischen Ich zur Situation
  • Redeweise des lyrischen Ich (rhetorische Figuren)
  • Aussparung des lyrischen Ich
  1. Schritt: evtl. historische oder biografische Bezüge (soweit bekannt)
  1. Schritt: Erstellung einer Gliederung

Bei Formanalyse immer Inhaltsbeziehung herstellen!)

  1. Schritt: Ausführung

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