Perfide mediale Strategie der Populisten: Der „Hoax Hoax“

Da wir uns in den Schulen nicht mit wirklicher politischer Medienbildung beschäftigen, sind die Kinder, die Jugendlichen und auch Erwachsene auf sich selbst gestellt, wenn es um eine der zentralen Kompetenzen im Internet (und auch im realen Leben) geht: Zu beurteilen, ob man einer Information trauen kann oder nicht. Da vor allem Rechte und Populisten wissen, dass sich ihre Ideen nur dann transportieren lassen, wenn die Gegenstimmen klein gehalten werden, finden sie immer neue Taktiken, wie man die Menschen verunsichert: Die nicht mehr ganz so neue Masche ist der „Hoax Hoax“.

Die Verdopplung des englischen Begriffes bezeichnet dabei eine Strategie, die nicht einfach zu durchschauen ist. Dies ist vor allem deshalb relevant, weil die meisten Menschen, deren Kompetenz im schwer überschaubaren und überlaufenden Netz, noch nicht einmal bei normalen Hoaxes checken, ob die Information zutrifft.

Der normale Hoax oder die Fake-News ist einfach gestrickt. Man behauptet schlicht etwas Falsches, nutzt eine selbst erstellte Grafik oder ein falsches Bild. Im amerikanischen Wahlkampf haben die Falschmeldungen die der seriösen sogar übertroffen. Ein nicht mehr gut zu machender Schaden für die Demokratie.

Der doppelte Hoax ist am besten durch ein konkretes Beispiel zu erklären. Nehmen wir an, dass jemand will, dass eine bestimmte Bevölkerungsgruppe schlechtgemacht wird. Anstatt nun ein Bild der bösen – nehmen wir Flüchtlinge – in einen Artikel zu stellen, schreiben wir einen positiven Artikel über den Flüchtling. Was nun wie ein Paradox klingt, ist in Wirklichkeit Teil einer perfiden Strategie.

Dieser positive Artikel wird in seiner moralischen Sichtweise so unrealistisch dargestellt, dass selbst Menschen, die nur einen Grundbegriff vom Lesen haben, diesen Fake, diese „falsche Meldung“ enttarnen.

Nun greift der zweite Teil des Hoaxes. Mit demselben Bild (das natürlich immer noch von woanders stammt) wird nun ein viel realistischerer Anti-Flüchtlings-Artikel verfasst. Dieser ist genauso einfach geschrieben und zu verstehen, aber ist auf den ersten Blick als realistischere Alternative zum ersten Artikel zu verstehen.

Nun müssen beide Artikel noch nicht einmal mit einem konkreten „Beweis“ versehen werden, sondern nur mit einer Anmerkung, die (angeblich) dem (angeblich) verständigen Leser die Beurteilung überlässt.

Auf diese Weise werden drei Fliegen mit einer Klappe geschlagen:

  • Der Leser fühlt sich kompetent, ja sogar erhaben, weil er die Wahrheit „entdeckt“ hat
  • Der Leser traut den „Mainstreammedien“ nicht mehr, da er sie als Lügner enttarnt zu haben glaubt
  • Der Leser glaubt den Hoax, weil er den anderen Hoax als solchen enttarnt

Das zu durchschauen ist nicht nur Teil einer politischen Medienbildung, sondern eine fundamentale Kompetenz, die in jedes Lehrerzimmer, in jede Schule, in viele Gespräche gebracht werden muss. Denn ansonsten überlassen wir es den Populisten, die nicht medienkompetenten Massen so zu manipulieren, dass sie immer weiter immun werden gegen Aufklärung. Denn Aufklärung bedeutet für jemanden, der glaubte, dass er die Wahrheit kennt, dass er sich eingestehen muss, einer Lüge aufgesessen zu haben. Und das ist eine Form der Selbstverleugnung, die man nicht gerne betreibt.

Der Hoax Hoax muss als solcher bekannt werden.

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