LITERATUR: Abenteuerland

Die Drohung bahnte sich an, bevor sie mich in einem verschlang. Es hatte lange gedauert. Zwischen den Ritzen des Dickichts hatte das Monstrum gewartet und dann, in einem Moment des Innehaltens, zugeschlagen.

Es begann als Reise aus Neugierde. Die Wellenlinien versprachen ein Meer. Die Gedanken vor mir auf dem Tisch – ein Traum in Schichten von Blau. Ab und zu ein Schwarz, das dahin über den Tisch huschte. Ab und zu ein Ton, dann ein Gefühl von Leichtigkeit – huschend über die Stirn. Eine federleichte Odyssee durch die Gehirne einer Generation.

Lesend, in eine freudige Besorgtheit verflechtet, aber mit offenem Gemüt und Gewehr bei Fuß, rammte ich mein Wissen in die unheilvollen Worte, die als Spiegelbild meines geschundenen Selbst die Nicht-Erfahrung als Wert propagierten.

Aber auch Lichtschweife.

Ich drohte innerlich an, mahnte, stellte mich auf den Podest der abgetragenen Ruine und rief die schreibende Revolution aus. Sodann ein Gedanke, den festzuhalten ich für immer ich schwor, bevor die sanfte, in die Tiefe gehende Struktur vom Holpern des Satzbaus in eine Rinne von Tränen mündete.

Entschlossen, aber trostlos, müde und larmoyant.

Inzwischen der Herbst des Schreibens als Abgesang auf die Jahreszeiten der Wortkultur. Ich, schlendernd. Blätter aufhebend und meine mahnenden Worte in ihnen erkennend, aber als Ganzes nur noch im braunen Abglanz des abschätzigen Kopfnickens. Schon die Winterstimmung zwischen fehlenden Kommata erschauend. Suchend nach einem Partizip als Anker für die Tonlage der ins Nichts schwindenden Gedanken. Ein weiterer Stapel fällt zu Boden und reißt mehr Luft mit als Atem ausgeatmet wird durch das Dickicht des sich wiederholenden Schreis nach dem Ende des Sitzens.

Die Drohung hatte sich angebahnt. Es hatte nicht so lange gedauert, das weiß ich nun, da ich hier sitze und schreibe. Das Monstrum ist tot. Ich habe es getötet. Mit einem roten Stift. Ich stehe zwischen Ruinen und rufe in die Leere. Keiner steht hier. Keiner hört mich, weil jeder weiß, dass das nächste Monstrum nur auf einen wartet: auf mich. Und auf einen Moment des Innehaltens.

Es muss Neugierde gesammelt werden. Neugierde auf das dichte Netz der schauervollen Ahnungslosigkeit und der lichten Augenblicke honiglicher Begierde. Zwischen den Zeilen lese ich weiß. Welch ein Abenteuerland!

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2 Kommentare zu LITERATUR: Abenteuerland

  1. Julia Hafner sagt:

    Aufsätze korrigiert?

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