Schülerfragen zu „Das bin doch ich“

Foto am 06.01.16 um 16.33Die Klasse von Christa K. Erichsen, einer dänischen Lehrerin, die unter anderem Deutsch unterrichtet, beschäftigte sich mit meinem Text „Das bin doch ich“. Da wir uns über Twitter kennen, schickte sie mir Fragen der Schüler per Post, von denen ich hier einige zu beantworten versuche. Zunächst einmal ein paar Worte an die Klasse.

Ihr Lieben!

Danke, dass ihr euch die Mühe gemacht habt, mir zu schreiben. Euer Deutsch hört sich sehr gut an! Ich hoffe, ihr werdet die Möglichkeiten haben, Deutschland zu besuchen und mit den Menschen hier zu sprechen. Entschuldigt, dass ich mich erst spät melde. Ich hatte sehr viel zu tun. Mich hat es sehr gefreut, dass ihr euch mit meiner Parabel beschäftigt habt. Ich kann mir vorstellen, dass es nicht einfach war, sie zu verstehen.

Eine Sache ist mir besonders wichtig: In vielen Fragen ging es darum, was dieses und jenes Symbol bedeutet. Das würde ich ungerne beantworten. Nicht, weil ich nicht eine Vorstellung hätte, sondern weil ich an eine andere Form des Verstehens glaube.

Ich sage meinen Klassen immer: Es geht nicht darum, was der Autor sich gedacht hat. Es geht darum, was der Text einem sagt. Und wenn er einem nichts sagt, dann wäre das auch in Ordnung. Der Autor ist irgendwann tot, aber der Text lebt weiter. Und so wird der Text auch immer denen etwas sagen, die versuchen, etwas daraus zu ziehen.

Und noch ein weiterer Punkt ist wichtig: Obwohl ich schon seit 15 Jahren schreibe, bin ich kein Schriftsteller, sondern nur ein Laie. Wenn also etwas unverständlich ist, kann es auch einfach sein, dass es daher kommt, dass ich mich perfekt ausgedrückt habe.

Herzliche Grüße

Bob Blume

 

Nun zu euren Fragen:

Silje, Anna, Ditte, Camilla

Was hat dich inspiriert? Hast du es erlebt, dass es Parabeln im echten Leben gab?

Inspiration zu benennen, ist schwierig. Meine Geschichten, Parabeln und Gedichte entstehen meist aus einer Frage, die ich habe oder aus kleinen Momenten, die mich beeindrucken. In diesem Fall war es das Bild des Drachen, dass mich hat überlegen lassen. Und daraus entstand die Parabel. Zur zweiten Frage: Literatur ist das echte Leben. Und das echte Leben ist Literatur. Man kann das eine vom anderen nicht trennen. Egal, ob es Fantasie-Geschichten oder Sachtexte sind – Literatur versucht, das Leben zu verstehen oder Ebenen zu erschaffen, die das Leben besser verstehen lassen.

Warum wird die Moral nicht einfach benannt?

Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich würde sagen: Sie wird benannt. Ich antworte mit weiteren Fragen: Wer ist der Autor? Sind der Autor und der junge Mann derselbe? Könnte der Autor überhaupt wissen, was der alte Mann sagen würde, wenn er alt ist? Das macht es nicht einfacher, oder? J

Hat der Drachen eine tiefere Bedeutung?

Ja.

Ena, Sofia, Moritz, Lisa

Eine kleine Anmerkung: Ihr schreibt, ihr habt selbst Geschichten geschrieben. Sie würden mich interessieren. Wenn ihr Lust habt, schreibt eine oder mehrere in die Kommentarspalte. Ich würde mich freuen.

Wie kommt man auf die Idee eine Geschichte zu schreiben über sein zukünftiges Ich? Beschäftigen Sie sich auch in Ihrer Freizeit damit, wie sie später sein könnten? 

Ich denke, jeder Mensch beschäftigt sich immer dann, wenn er Zeit hat, seine Gedanken schweifen zu lassen, damit, wie er ist, oder wie er sein könnte. Vielleicht nicht immer so explizit, aber eben immer wieder. Was werde ich tun? Wo werde ich arbeiten. Ich finde die Frage spannend, weil man nicht wissen kann, wie man später ist. Man weiß nur – und auch das ist schwierig – wie man war oder ist. Mich fasziniert der Gedanke, ein Zwiegespräch über die Dimensionen Zukunft und Gegenwart hinweg zu führen.

Hat das Wort „Erschaffer“ einen Bezug zur Bibel?

Ihr habt die Parabel wirklich sehr genau gelesen. Ja, das Wort hat einen Bezug. Aber keinen, der tiefer gehen würde als die Tatsache, dass es doch göttlich ist, dass der Mensch mit Worten Kreaturen, Natur und Umgebung erschaffen kann. Ich muss aber zugeben, dass, wenn ich mich selbst darüber sprechen höre, das Ganze sehr blasphemisch klingt. Es sollte kein Versuch darstellen, den Autor als Gott darzustellen.

Alles, was ihr zu der Moral geschrieben habt, ist nachvollziehbar. Schön!

Metin, André, Kathrine, Cecilia

Warum haben Sie die Geschichte so merkwürdig geschrieben?

Ihr schreibt weiter, dass ihr glaubt, dass dies einfach meine Art ist zu schreiben. Da habt ihr Recht. Meine Schüler beschweren sich auch oft über die Autoren von den Texten, die nicht einfach zu verstehen sind. Ich glaube, dass ist wichtig. Wenn alles einfach wäre, käme man keinen Schritt weiter. Aber so, wie man auch bei anderen Übungen in jedem anderen Bereich weiter kommen kann, kann man auch mit Wörtern weiterkommen. Dinge benennen zu können ist wichtig, auch in der Muttersprache. Je differenzierter man mit der Sprache umgehen kann, desto mehr versteht man die Welt um sich herum. Deshalb sind immer die Menschen gefährlich, die versuchen, mit einfachen Antworten auf schwierige Fragen die Welt zu erklären. Die Welt ist kompliziert. Und je mehr Wörter man für sie hat, desto näher kommt man an das, was die Welt im Innersten zusammenhält.

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10 Kommentare zu Schülerfragen zu „Das bin doch ich“

  1. Christa Kulawig Erichsen sagt:

    Hallo Bob Blume,
    Wir wollten vielen Dank sagen, dass du uns wieder geschrieben hast. Wir finden deine Antwort gut und wir alle haben es jetzt besser verstanden. Du hast gut pointiert, wenn du schreibst, dass wenn der Text schwerer ist soll man viel mehr denken.

    Wenn man einen schweren Text liest, ist es sehr wichtig über den Text zu reden, und andere Meinungen zu hören. Es ist wichtig, dass alle gehört werden, weil viele jungen Menschen unsicher sind, und besonders wenn es eine andere Sprache ist.

    Viele Gruße Kathrine, André und Metin.

    • Bob Blume sagt:

      Hallo. Das habe ich gerne gemacht. Und ich denke auch, dass ihr das toll gemacht habt. Ich denke, ganz so einfach schreibe ich nicht. Das, was ihr über die Meinungen sagt, ist so richtig. Gerade heute. Es wird immer schwieriger, andere Meinungen zuzulassen, und damit meine ich nicht nur die, die über die Literatur geäußert werden, sondern auch die, die unser immer schwierigeres Leben betreffen. Aber nur so geht Zusammenleben. Und Literatur kann uns helfen uns und andere besser zu verstehen.

  2. Chiara Weingandt sagt:

    Lieber Bob Blume
    Danke für deine Antwort. Es hat uns sehr gefreut, dass du dir für unsere Briefe Zeit genommen hast. Unsere Gruppe hast du leider ausgelassen, was vollkommen okay ist, da wir keine direkten Fragen gestellt haben.
    Eine indirekte Frage die wir gestellt hatten war, was die Moral und Botschaft in deinen Augen ist. Aber genau wie du die Symbole nicht erklären willst, willst du die Interpretation der Moral und Botschaft wahrscheinlich auch den Lesern überlassen. Schade, da uns deine Ansicht sehr interessieren würde. Auf der einen Seite ist es frustrierend, aber auf der anderen Seite können wir nachvollziehen und verstehen, dass du den Lesern Freiraum zum Denken lassen möchtest.

    Liebe Grüße
    Chiara Weingandt, Rikke Naja Schäfer & Sammy Bekker Hansen

    • Bob Blume sagt:

      Hallo. Entschuldigt bitte, ich hatte eure Frage nicht mit Absicht ignoriert. Es ist ja immer eine naheliegende Frage. Ich will sie nicht einfach dem Leser überlassen, sondern denke, dass ein einmal geäußerter Gedanke dazu führen kann, dass der Leser – also in dem Fall ihr – gar nicht in eine andere Richtung denken kann. Als wenn man so beeinflusst von einem Film ist, dass man das Buch nicht mehr lesen kann.
      Aber gut, da ich ihr nochmals darum bittet. Wisst ihr, früher habe ich viele Lieder geschrieben. Und oft habe ich erst einen Klang gehört und dann geschaut, wo mich der Text hingetrieben hat. So ist es auch bei vielen meiner Texte. Ich überlege mir keine Moral, sondern ich sehe, wo mich der Text hinträgt. In diesem Fall ging ich von der Paradoxie aus, dass drei Personen teilnehmen, die alle ich sind. Das heißt, dass der alte Mann im Wissen darüber, dass alles gut gehen wird mit dem jungen Mann, sagen kann, dass dieser Junge doch schon alles weiß. Gleichzeitig sind beide von mir erfunden – und wissen auch das. Wenn sich eine Moral in einen Satz gießen ließe, dann vielleicht diese, dass man das Leben wie eben auch die Wörter, die man nutzt, um über dieses zu schreiben, selbst auswählen kann. Und wenn man das tut, dann wird es gut.
      Ich hoffe, dass euch das ein wenig weiterhilft.

  3. Lisa Marie Drechsler sagt:

    Lieber Bob Blume,

    Wir haben uns sehr über Ihre Antwort gefreut. In Ihrer Antwort haben Sie uns gefragt, ob wir Ihnen einer unserer Geschichten senden würden, dieses tun wir gerne. Hier zunächst die Geschichte.

    Ich sah sie schon von Weitem. Ich erkannte sie nicht gleich wieder. Doch irgendetwas an dieser Art, wie sie in die Luft starrte und sich nichts anmerken ließ, kam mir bekannt und angenehm vor. ,,Wie komisch es wäre, bei ihr zu sitzen…“ dachte ich, als ich langsam näher an das Café kam, wo sie saß und einen Tee trank. Ich bin eine alte Frau und kann mir mit meinen 62 Jahren schließlich ein bisschen mehr erlauben. Ihr Blick war fern und als ich näher an ihren Tisch kam, lächelte sie mich freundlich aber ein wenig verwundert an. ,,Kann ich Ihnen irgendwie behilflich sein?“, fragte sie. ,,Darf ich mich hier hinsetzen?”, fragte ich dieses junge Mädchen, welches mir immer noch sehr bekannt vorkam. Es ärgerte mich, dass ich sie nicht wiedererkannt habe. Sie hatte lockige, helle Haare und kleine grüne Augen. Erst jetzt erkannte ich sie wieder. Sie war ich, oder ich war sie. Ich starrte sie an und setzte mich, ohne auf ihre Antwort zu warten. ,,Okay“ meinte sie und betrachtete die vielen freien Tische. Ich war entsetzt und wusste überhaupt nicht, was ich sagen sollte. Das Mädchen hatte mir einen Kaffee gekauft und so saßen wir also für eine Weile. ,,Wie heißt du denn?“ fragte ich sie letztendlich. Sie lächelte und nannte mir ihren Namen. Es war genau so, wie ich es mir gedacht hatte. Sie trug den gleichen Namen wie ich. Ich musste lachen aber es schien, als ob es sie nicht störte. Sie fragte mich nicht einmal nach meinen Namen. Nach einer Weile, als keiner von uns etwas sagte, schien es als sei sie mit ihrem Tee fertig. Sie schaute mir tief in die Augen und für einen kleinen Moment merkte ich, dass sie mich auch wieder erkannte. ,,Du solltest dich niemals für jemanden anderes verändern“, sagte ich plötzlich ohne zu wissen warum. Das Mädchen hat sich von ihrem Stuhl gerissen und war kurz davor zu gehen. ,,Das werde ich nicht.“, sagte sie. ,,Weine niemals mehr als ein Mal über ein Ereignis, besonders nicht wenn es nichts zu verändern gibt. Das Leben ist zu kurz um traurig oder böse zu sein, da man so viel auf dieser Welt erleben kann. Das Wichtigste im Leben ist, sich keine Sorgen zumachen. Du machst dir viel zu viele Sorgen“, sagte ich und schaute dabei auf den Tisch, da es mir irgendwie unpassend vorkam, diesem jungen Mädchen einen Rat zu geben, von dem sie gar nichts wissen wollte. Das Mädchen aber legte langsam ihre Hand auf meine und meinte mit einer Stimme voll Dankbarkeit: Ich werde mich an deine Worte erinnern“. Sie lächelte mich zärtlich an und dann war sie weg, als wär sie nie da gewesen.

    Wir haben uns besonders den Teil in Ihrer Antwort über den vergleich der Zukunft und Vergangenheit zu Herzen genommen. Selber empfinden wir, dass wir als Junge Erwachsene oft enormen Druck bekommen, wenn es um unsere Zukunft geht. Schon in der Schule, werden wir früh gefragt, was wir in unserer Zukunft werden wollen und diese Entscheidungen können später unseren gesamten Lebenslauf ins positive oder negative verändern.

    Liebe Grüße von Ena, Moritz, Sofia und Lisa.

    • Bob Blume sagt:

      Ihr Lieben. Das ist eine sehr schöne Geschichte, die ich mir Lust gelesen habe. Zu meiner Antwort: Gern geschehen. Ich finde es toll, dass ich die Möglichkeit habe, euch zu schreiben und auch das, was ihr schreibt zu lesen, ohne dass wir uns überhaupt gesehen haben. Schreiben und Lesen hilft sehr, Orientierung im Leben zu erlangen, auch wenn es man den Eindruck, die Texte und Worte auf einen haben, nicht immer direkt merkt.
      Was ihr über den Druck sagt, stimmt und war auch schon so, als ich zur Schule gegangen bin. Es ist wichtig zu wissen, dass einen die eigenen Entscheidungen immer an Orte tragen, die man nicht kennt. Nie. Das heißt, dass man sich nie sicher sein kann. Aber zumindest das ist sicher. Also braucht man den ganzen Druck nicht, sondern eher den Glauben daran, dass es gut ist, was man macht, wenn man es so macht, dass man daran glaubt, darin aufgeht. In der heutigen Zeit wollen so viele Leute, dass man funktioniert. Dabei ist das wirklich Wichtige, so glücklich zu werden, wie man selbst glaubt. Wissen kann man das nicht. Aber die eigenen Überzeugungen können einem helfen, den Weg zu finden.

  4. Christa Kulawig Erichsen sagt:

    Mensch! Und die ersten Schreibfehler habe ich schon entdeckt! Ach ja. Damit muss ich dann halt leben.

  5. Christa Kulawig Erichsen sagt:

    Lieber Bob Blume,

    Ich will mich auch mal melden und mitmachen!

    Meine Geschichte:

    Drachensteigen unter dem Vollmond

    Ich liebe es nachts im Vollmondlicht in der Natur spazieren zu gehen. Die Welt ist ganz, ganz offen. Der Himmel ist unendlich. Die Luft oft sehr frisch. Und es ist still. Ich kann mich ruhig, abgespannt herumbewegen. So war es auch in dieser Nacht, wo ich mal wieder losgezogen war, während das Haus schlief. Ja, also mein Mann – die Kinder waren ja schon Einwohner ihrer eigenen Häuser geworden. Wie schnell die Zeit geht!

    Da sah ich plötzlich, wie auch ein anderer im Vollmondlichte draußen war. Unten auf der Wiese. Ein junges Mädchen. Sie ging ein bisschen hin und her. Stoppte. Wendete sich und hob die Hand in den Luft. War was nicht in Ordnung? Dann plötzlich fing sie zu laufen an – und hielt die Hände so merkwürdig hinter sich her. Da war doch was wirklich nicht in Ordnung!

    Neben ihr sah ich dann auch den Schatten einer Katze. Sie lief ihr hinterher, sprang ab und zu in die Luft, lief kreuz und quer über die Wiese.

    Mir wurde, als hätte ich das schon mal erlebt. Ich ging ganz langsam Näher, ohne einen Aufruf zu machen. Und wurde offenbar gar nicht bemerkt. Das junge Mädchen stand jetzt, mit den Händen noch gehoben, und guckte in die Luft. Zog irgendwie an eine unsichtbare Leine. Ja. Eben! Die Leine war aus dünner Nähfaden. Und jetzt ahnte ich auch noch den Drachen! Ganz winzigklein. Aus Streichhölzer und Seidenpapir gemacht. Das war doch ich! Mit 17. Ich war vor einigen Monaten ins Studentenwohnheim gezogen, besuchte ein kleines Kolleg, wo ich mein Abitur machen konnte. Und war noch sehr unsicher, hatte langsam ein paar Freunde gefunden – aber brauchte auch schon damals die Stille. Ein Ort, wo ich Platz hatte. Zum Träumen. Zum Spielen. Ja, ich konnte das damals noch sehr gut. Das Spielen.

    Ich wurde ganz warm im Herzen. Ließ sie weiter ihren Drachen und ihre Katze und ihren Vollmond und ihre Luft genießen. Ihre Ruhe und Freiheit.

    Und jetzt sitze ich hier und bastele mir den kleinen Drachen noch einmal. Ich werde sie mit meinem Enkelkind in die Luft steigen lassen. Es wird spät. Aber das ist ja eben auch schön!

    Als Lehrerin war das hier mal ein ganz anderes Erlebnis – ich habe z.B. Geschichten von meinen Schülern gelesen, die ich sonst nie Erlebe. Ich weiß nicht, ob sie es mit einer größeren Gruppe Teilen wollen oder können, einige der Geschichten sind sehr persönlich, und als junger Mensch ist es nicht unbedingt leicht sich zu öffnen. Und nicht immer ohne Gefahr, dass andere sich nicht lustig machen.

    Im Zusammenhang mit unserem Thema über Jugend und Identität haben wir auch ein Romanausschnitt von Julie Zeh gelesen, mit dem Titel ” Nichts ist schlimmer als Unversehrtheit“ (aus dem Roman „Spieltrieb“). Da konnten sich auch ein Teil der Schüler sich in den Figuren einleben – und eben dort, wo man mit den Schülern als MENSCH über etwas reden kann, dass persönlich sowie allgemein ist – da finde ich, wird das lernen und das „sich bilden“ wirklich spannend.

    Wir haben dann auch Norbert Elias´ „Kinderspiele“ gelesen – ich finde sie so intensiv und spannend. Die Klasse hat es auch einigermaßen überlebt!

    Ich habe ja schon vor langem vorgenommen, dass ich dein Text „Das bin doch ich“ in einer Klasse benutzen wollte, ich musste aber schön warten, bis ich eine Klasse hatte, die das auch schaft! Und – ich habe die Geschichte gewählt, weil sie mich eigentlich irgendwie irritierte. Was soll das denn, dachte ich. Ich finde den Faden, verliere ihn wieder, und….der Drachen fliegt mir davon!

    Deine Antwort darauf, ob der Drachen etwas symbolisiert fand ich großartig. JA! Wie du schon in der Einleitung schreibst – du glaubst an eine andere Art des Lesens und Lernens. Ich kann dadurch ohne Ängste meine eigenen Wege und Gedanken nachgehen. Der Drachen, das Drachen steigen lassen…das kommt in der Geschichte mit dem Alter. Es war vielleicht auch schon da, als man Kind war. Als junger Mensch kommt man vielleicht nicht ganz dazu – man hat es irgendwie verlernt? Verloren? Aber…man kann es sich offenbar wieder lernen. Es muss aber vielleicht in einer neuen Form geschehen. Und der alte Mann lacht ein bisschen, weiß noch, wie es damals war, weiß aber auch, dass der junge Mann es schafft. Mit der Fantasie, mit der Vorstellungskraft, da fängt es an! Da kann man wieder loslegen. Das ist jedenfalls auch jetzt, mit meinen fast fünfzig Jahren, die Erfahrung.

    Meine Schüler aber, fanden es schade. Dass du nicht deine Vorstellungen davon teilst. Als Autor oder Verfasser ist das wohl eine gute Idee – also, es nicht zu tun. Den Leser frei stellen. Auf der anderen Seite braucht man ab und zu Leute, die gerne erklären. Die IHRE Erlebnisse, Gedanken, Beispiele, Interpretationen, Hoffnungen und Ahnungen teilen. Oder nicht? Wie der dänische Zeichner Gantriis sagte, als er über den Briefwechsel mit dem dänischen Verfasser und Philosophen Villy Sørensen erzählte; er hatte den Verfasser angeschrieben, weil er einen brauchte, einer der ein bisschen klüger war, als er selbst. Einer, mit dem er größere und kleinere Sachen im Leben (Alltag und Kunst und, und, und….)teilen und diskutieren konnte. Und sechs Jahre lang, bis Sørensen starb, haben die zwei sich geschrieben. Ein schönes Geschenk zwischen Menschen, meiner Meinung nach.

    Ich danke dir sehr, dass du dir Zeit für den Briefwechsel und das bloggen genommen hast! Auch das – ein schönes Geschenk zwischen Menschen 🙂

    • Bob Blume sagt:

      Nun doch noch einen Gedanken zu dem Drachen, der ja irgendwie ein Symbol ist.
      Goethe sagt über die Bildung, man solle den jungen Menschen Flügel und Wurzeln geben. Ein ähnliches Bild ist in dem Drachen festgehalten. Es ist ein spielerisches Bild des alten Menschen mit einem Kinderspielzeug, und es heißt, dass er immer noch so ist, wie er früher war. Gleichzeitig hat er Bodenhaftung und strebt zum Himmel, wie es eben ein Drachen macht. Aber man muss ihn halten. Manchmal ist nicht genug Wind und manchmal ist es zu viel. Es gibt Momente im Leben, da reißt die Leine zum eigenen Drachen.
      Man könnte so viel mehr sagen.
      Ich hoffe, dass das ein wenig weiterhilft.

    • Bob Blume sagt:

      Deine letzten Gedanken nehme ich mir, wie auch deine Geschichte, zu Herzen und werde schauen, was und wie ich dazu Stellung nehmen kann. Ich habe es auch als ein Geschenk empfunden, dass wir zusammen mit deiner Klasse in einen literarischen Austausch über so wichtige Dinge des Lebens gekommen sind. Es ist außergewöhnlich und hat mich sehr gefreut. Ich hoffe, wir bleiben in Kontakt und werden irgendwann wieder etwas zusammen machen…

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