Lehrerzimmer-Safari

Universität_20140419_0048_smallAuch der urlaubsliebende Mitteleuropäer schafft es aufgrund von chronischer Arbeitsbelastung nicht immer direkt an die Strände des Mittelmeers oder in die afrikanische Savanne. Was bleibt da anderes übrig, als in den Steppen des Lehrerzimmers auf große Tour zu gehen. Dort warten schon die „Big Five“ , die man auf jeden Fall fotografiert haben sollte. Am schwierigsten ist es bei den Referendaren.

Referendare sind putzige kleine Tierchen, die zunächst deshalb auffallen, weil sie ihre geputzten kleinen Köpfchen unten halten, wenn sie das Reservat der großen Tiere betreten. An der Tränke, wo die Kaffeemaschine steht, sieht man sie zunächst selten. Eher hocken sie an einem schattigen Tischchen und beugen sich über erlegte Kopierblätter.

Referendare sind außerdem an ihren Augenringen zu erkennen, die auch darüber Auskunft geben, in welcher Lebensphase sich die lustigen Säuger befinden. Zunächst erscheint es bei ihrem Beutezug nach frischen Klassen noch so, als seien sie unentwegt auf der Suche nach neuen Fressfeinden.

Doch spätestens wenn die Fachleiter kommen und die Hunde auf die verängstigten Tiere schicken, werden die Phasen ausgelassenen Herumtollens kürzer und die Nächte länger. Vorbei die Zeit des ausgelassenen Herumtollens zwischen Kopierer und Computer. Das Laminiergerät wird zum liebsten Begleiter. Das Muttertier wurde längst vom Mentor ersetzt.

Doch selbst das lässt die widerstandsfähigen kleinen Tierchen nicht aus der Ruhe bringen. Denn obwohl sie Tag aus Tag ein von den Forderungen der Raubtiere gequält werden, ist ihre Leidensfähigkeit schier maßlos. Deshalb haben sie auch unter allen Tierchen des Lehrerzimmers am Tage das dickste Fell. Freilich kann es sich in der Nacht stark zurückentwickeln und am Morgen zu nacktkatzengleicher dünnen Haut gemorpht sein.

Will man die Referendare in freier Wildbahn bestaunen, muss man sich so schon früh mit der Kamera ausrüsten und sich auf den Weg machen. Aber Vorsicht! Wer zu schnell und zu laut auf die süßen Kleinen zustürmt, kann gebissen werden.

Aber, so kann der Tourist nun fragen, warum machen die Säuger dies? Was bewegt eine Lebensform, sich in dieser Weise den Widerständen der Natur preiszugeben.

Nun, das werden sie auch erst wissen, wenn sie sich auf ihre erste Safari begeben.

Hier geht es zu
Referendars-Gedanken, Folge I: Tage des Zorns
Referendars-Gedanken, Folge 2: Tage der Demut
Referendars-Gedanken, Folge 3: Tage der Erschöpfung
Referendars-Gedanken, Folge 4: Tage der Freude

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