UNTERRICHT: Wenn Spicken erlaubt ist

Nachdem ich mit einer Klasse einen „Spick-Test“ geschrieben hatte und nach meiner Meinung geniale Ergebnisse als Tweet verbreitete, kamen immer mehr Fragen auf (die auch teilweise in Beschuldigungen mündeten). Der Anstoß war folgender Tweet:

Neben Behauptungen, man hätte das ja alles früher schon gemacht (für die Beweisfotos bin ich dankbar) und den Anmerkungen, dass alles sei ja schneller gelernt (nun ja, wenn man das so pauschal sagen könnte) gab es aber auch Interessierte, denen es darum ging, warum dieser „Spick-Test“ überhaupt geschrieben wurde. An diese richtet sich die kurze Erklärung.

In einer Vertretungsstunde in der Klasse führte ich ein Gespräch darüber, ob es (wie von einigen Zeitungen als Teufel an die Wand gemalt) stimme, dass immer mehr mit dem Handy und Smartwatches getrickst würde. Nachdem mir die Schüler_Innen berichtet hatten, dass dies nicht der Fall war, kam der Gedanke an einen (nicht gewerteten) Test, bei dem jeder spicken könne. Die Schüler_Innen, die es schaffen würden, den Spickzettel zu nutzen, würden ein Eis bekommen (natürlich bekommen alle eins, ich bin ja nicht so).

Sie „durften“ alles benutzen, was ihnen einen vermeintlichen Vorteil verschaffte und wir einigten uns auf eine Seite, über die der Test sein sollte. Alle schrieben nach dem Test auf das Blatt, womit sie gespickt hatten. Insgesamt gab es alles, was man auch aus der eigenen Schulzeit kennt: Zettel, die aus der Tasche schauten, an der Wand hingen oder im Mäppchen versteckt waren, drei Handys (von 29 Schülern), Lippenstifte und einen Stift mit Schrift und eben jene fast schon künstlerisch gestalteten Spickzettel.

Ohne auf die Ergebnisse einzugehen, wurde in dieser kleinen Stichprobe deutlich: Diejenigen, die mit dem Handy als Kamera gearbeitet hatten, wurden nicht fertig oder wurden erwischt. Eine Schülerin schaffte es aber, eine Aufnahme zu hören. Die besten Ergebnisse hatte eine von denen, die gar keinen Spickzettel schrieb.

Und das Wichtigste: In der nächsten Stunde wussten sehr viele Schüler_Innen über den Inhalt Bescheid. Das bedeutet: Ich will keinen dazu ermutigen zu spicken, aber einen Spickzettel zu schreiben, ist eine effiziente Methode, um Wissen zu festigen. Und noch etwas: Man kann Handys und Smartphones verbieten, aber die kreativen Produkte zeigen, dass dies wohl am Problem (wenn es denn eines gibt) vorbei zielen würde.

Die Schüler_Innen und ich hatten jedenfalls Spaß und ich bin mir sicher, dass es mal wieder einen Test geben wird, bei dem spicken erlaubt sein wird.

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4 Kommentare zu UNTERRICHT: Wenn Spicken erlaubt ist

  1. Uwe sagt:

    Der letzte Satz bricht einfach ab?

  2. 4L8 sagt:

    Eine Mind-Map aus graphischen Symbolen kann öffentlich aufgehängt werden und ist ein genialer Spicker. Jeder der ihn kennt, kann davon frei abschreiben.
    Mein Sohn malte eine in die Hand für ein Referat und zeigte die sogar dem Lehrer – der hatte nur ein Grinsen im Gesicht und es gab eine 2 für den strukturierten Aufbau. Ohne Worte!

  3. „aber einen Spickzettel zu schreiben, ist eine effiziente Methode, um Wissen zu festigen“
    Das fand ich auch immer und ermunterte meine SchülerInnen zum Spickzettelschreiben.

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