DIGITAL: TeacherTool5: Eines für alles

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Es gibt so einige Dinge, die nicht unbedingt zu den Lieblingsaufgaben von Lehrern gehören. Neben der Korrektur sind es meist jene Aufgaben, die bürokratischer Natur sind, gemacht werden müssen, aber eine Menge Zeit von dem abzweigen, was Lehrer eigentlich tun sollten: Eine soziale Lernkultur entwickeln, in der gemeinsam gelernt werden kann. Oftmals erschweren bürokratische Programme dies auch dann, wenn sie digital organisiert sind. Bei TeacherTool5, der neuen Allzweck-App für Lehrer ist das nicht so. Im Gegenteil.[1]

Was ist TT5?

IMG_1238TeacherTool5 ist eine Applikation iPhone, iPad und iPod-Touch, die man im App-Store kaufen kann und mit der sich nahezu alle in der Schule anfallenden Aufgaben, vom Listen bis zu Noten verwalten lassen. Durch die Vielfältigkeit ersetzt sie aber nicht nur endlose Excel-Tabellen, sondern ermöglicht es dem Anwender, einmal festgelegte Notenbäume in das nächste Schuljahr zu übertragen. Auf diese Weise ist die Lehrperson entlastet und die Schüler_Innen haben einen transparenteren Einblick in den Verlauf ihrer Zensuren-Entwicklung.[2] In dieser kurzen Übersicht geht es weniger um eine genaue Handlungsanweisung als um einen Überblick der (für den Autor) wichtigsten Funktionen.

 

Was kann TeacherTool5?

TeacherTool5 (das als Programm vor allem deshalb sehr zu empfehlen ist, da man sich jederzeit in Foren oder auf der Facebook-Seite an den Entwickler wenden kann, ein Support also gewährleistet ist) kann in unterschiedlicher Weise genutzt werden. Die für mich wichtigsten Funktionen sind:

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  • Individualisierte Notenbäume I: Man kann innerhalb eines hierarchischen Systems Notenbäume so einstellen, dass jeder einzelne Test, den man schreibt, direkt und ohne Verzögerung in die Gesamtnote eingerechnet wird. Das bedeutet, dass ich – ist beispielsweise die Sparte „Tests“ einmal festgelegt – einen Test eingebe und mich danach nicht mehr mit schwierigen Rechnungen befassen muss.
  • Individualisierte Notenbäume II: Da man die Notenbäume so gestalten kann, wie man möchte (inklusive der Gewichtung und Bewertung einzelner Teilaufgaben) entsteht die Möglichkeit, den Schüler_Innen präzise zu sagen, wo sie Defizite oder besondere Begabungen haben. So sind meine Englischarbeiten so aufgeteilt, dass ich nachsehen kann, wie ein Teilbereich „Grammatik“ beim einzelnen Schüler gelaufen ist. Oder auch bei der gesamten Klasse. Man erlangt also keine unpräzise Durchschnittsnote, sondern kann genau sagen, in welchem Bereich Teile der Klasse oder sogar die ganze Klasse zulegen muss – und seinen Unterricht dementsprechend gewichten.
  • Individualisierte Notenbäume III: Eine Neuerung bei TT5 ist es nun, dass man dem Schüler/ der Schülerin aufzeigen kann, wie und wann sie sich innerhalb des Schuljahres, eines Halbjahres oder eines bestimmten Zeitraums verändert hat und auch, inwiefern kleine Verbesserungen in die Note eingeflossen sind. Das führt zu Transparenz und der Möglichkeit, jederzeit eine Rückmeldung zu geben. Auch hier gilt: Wie dies getan wird, kann schon vorher festgelegt werden. Wenn zum Beispiel die Kategorie „Mündlich“ 50% zählt, ist jede weitere, hierarchisch unter diese Kategorie eben den entsprechenden Teil wert. Sie kann aber auch erhöht werden, wenn man beispielsweise möchte, dass ein Referat im Gegensatz zur „normalen“ mündlichen Mitarbeit eines Zeitraums mehr Gewicht haben sollte.
  • Listen I: Bisher konnte der eine oder andere, der mit Excel arbeitet vielleicht sagen, dass all dies auch mit der eigenen Liste möglich ist. Interessant wird es da, wo alle möglichen Listen auch über TT5 abgeglichen werden können. Hat ein Schüler/ eine Schülerin die Hausaufgaben nicht? Oder besonders gut? Muss Geld für die Klassenfahrt eingesammelt werden? Oder die Unterschriften für den letzten Test überprüft werden? All das ist mit wenigen Klicks möglich. Damit macht man sich zunächst nicht unbedingt beliebt, weil man auf anhiebt sieht, was noch abzugeben ist. Aber auf der anderen Seite entwickelt man auch eine nachvollziehbare Verlässlichkeit.
  • Listen II: Zudem ist es möglich, jeden Schüler/ jede Schülerin, die fehlt, direkt einzutragen und zu verlangen, dass die Entschuldigung vorgezeigt wird. So hat man nicht nur eine Übersicht darüber, wie oft jemand gefehlt hat, sondern kann dies am Ende des Schuljahres auch einfach ablesen. Dabei ist alles enthalten: Bemerkungen („Hat eine sehr gute Hausaufgabe vorgelegt“) oder Fehlzeiten (und zwar differenziert, wann, wie oft, wie lange).

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Egal ob dies nun diejenigen lesen, die schon lange im Lehrerberuf sind oder diejenigen, die erst für ein paar Jahre dabei sind: Jeder wird das Gefühl kennen, in bürokratischer Organisationsflut zu ertrinken. Die Nutzung von TT5 ist ein erster Schritt heraus aus dieser Überforderung (Die Nutzung von Evernote kann ein zweiter Schritt sein). Dazu kommen einige nützliche Zusatzfunktionen:

  • So kann man beispielsweise einen Stundenplan erstellen, der auch A- und B-Woche umfassen kann. Öffnet man TT5, wird direkt die Klasse angezeigt, die man gerade unterrichtet (bei Änderungen im Stundenplan muss man dies selbstverständlich manuell machen, was aber auch nur wenige Sekunden dauert).
  • Man kann einen Sitzplan erstellen.
  • IMG_1242Man kann Noten so festlegen, dass sie auf keinen Fall geändert werden können.
  • Man kann mittels eines Zufallsalgorithmus Schüler_Innen auswählen.
  • Man kann bei den Bemerkungen eigene Bemerkungen schreiben und diese als Wiedervorlage sichern („Sehr gute mündliche Beteiligung“).
  • Man kann zwischen den Geräten synchronisieren, so dass man beispielsweise in das iPhone eine Note eingibt und sie jede Woche mit der iPad-App synchronisiert (so macht es beispielsweise der Kollege @DejanFreiburg)

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Und der Datenschutz?

Egal um was es bei der digitalen Arbeit geht, die Frage nach dem Datenschutz ist nicht weit entfernt. Zunächst das Wichtigste: Ob man TT5 nutzen kann hängt vom Bundesland und von der Kulanz der Schulleitung ab. Technisch ist alles gemacht, was momentan möglich ist, um einen „Einbruch“ zu vermeiden. Es ist natürlich ein Passwortschutz eingerichtet, der vor einem generellen Zugriff schützt (in der iPhone 6-Version seit Neuestem auch mit dem Fingerabdruckscanner). Alle Daten werden mittels einer Verschlüsselungstechnologie abgesichert. Die Verschlüsselung wird auch angewandt, wenn man Kurslisten auf dem Mac abspeichern möchte. Öffnen und verwalten kann man sie hier nicht, aber man kann sie so jeder Zeit über seine mobilen Endgeräte, die die Verschlüsselung aufheben wiedererlangen.

Zeit für die Umstellung

Zugegeben: Der Umstieg auf TT5 (sofern man nicht eine ältere Version benutzt, die sehr einfach übertragen werden kann) braucht einige Zeit: Man muss Schüler_Innen eintragen, Listen übertragen, etc.

Das Ganze hat bei mir selbst etwa 5 Stunden gebraucht. 5 Stunden, die sich lohnen. Denn während am Ende des Halbjahres – oder schlimmer – des Schuljahres die Kolleginnen und Kollegen in angespannter Panik umherrennen und Listen übertragen, um sie dann auszurechnen und auf andere Listen zu übertragen, hat man als TT5-Nutzer Zeit für einen ausgiebigen Kaffee oder eben Arbeit, für die es sich lohnt, Zeit zu investieren. An Noten und ähnliche bürokratische Arbeiten muss man nicht mehr denken.

Ich freue mich, wenn ich ein Programm, dass mir ans Herz gewachsen ist, so vorstellen konnte, dass sich andere vorstellen können, es der analogen Papierschlacht vorzuziehen.

Falls Sie oder ihr Fragen oder Anmerkungen habt, könnt ihr diese gerne hier in die Kommentarleiste schreiben oder auf dem offiziellen TT5-Blog vorbei schauen. Ansonsten kann ich noch die Facebook-Seite empfehlen, auf der sehr schnell geantwortet wird.

Gerne gelesen? Folgt meinem Twitter-Account:

 

 

[1] Wer diesen Blog verfolgt, weiß, dass er nicht kommerziell und von Unternehmen unabhängig gehalten ist (außer wenn es um explizite Meinungsäußerungen geht). Ich werde weder von TT5 noch vom Entwickler unterstützt, geschweige denn wurde ein „Auftrag“ erteilt. Es handelt sich lediglich um eine persönliche Beschreibung meiner Arbeit. Auch Schwerpunkte sind subjektiv gewählt.

[2] An dieser Stelle möchte ich nicht über die Vor- und Nachteile von Notengebung reden. Beim Programm TT5 handelt es sich um ein Programm, dass die institutionellen Gegebenheiten ausnutzt. Würden die sich ändern, könnte sich das natürlich verschieben.

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12 Kommentare zu DIGITAL: TeacherTool5: Eines für alles

  1. Pingback: Die besten Apps für Referendare… | Bob Blume

  2. Rudolf Lucas sagt:

    Es sieht in diesem Artikel so aus, als ob die Verwaltung der Listen die Hauptarbeit bei der Benotung wäre. Eigentlich ist das ja nur ein Klacks. Das Aufsetzen von Klassenarbeiten, das gerechte Entwickeln eines Bewertungsschemas und das mühsame Durcharbeiten des Klassenarbeitsstapels ist ein Hundertfaches des Aufwands. Und dabei kann einem auch Teachertool nicht helfen. Null!
    Was einem ein solches Tool allerdings abnehmen kann ist das Festhalten, an welchem Datum z.B. eine mündliche Note gegeben worden ist oder an welchem Tag ein Schüler gefehlt hat, ob er noch etwas von wann nachliefern muss, usw. Das ist nicht übel.
    Furchtbar umständlich ist dagegen, adhoc-Stundenplanänderungen in der App festzuhalten und zu berücksichtigen. Vertretungsstunden, Mehrarbeit, usw. Na ja.
    Schließlich ist die App aus Sicherheitsgründen ständig gesperrt und muss für jeden noch so kleinen Eintrag entsperrt werden. Das verführt zu vereinfachten Passwörtern, was natürlich nicht sein sollte.
    Ich finde, man sollte ehrlich sein: Teachertool ist ein Anfang, aber noch nicht das Ei des Kolumbus.

  3. Simon N. sagt:

    Hallo,
    danke für deine tolle Beschreibung von TT5.
    Ich bin ein frisch gebackener Referendar und versuche zur Zeit einen Überblick zu bekommen von Möglichkeiten der Leistungsdokumentation, Kursdokumentation etc. Dabei bin ich auch auf TT5 gestoßen und habe mich ein wenig mit der Demo-Version befasst.
    Bis jetzt macht es einen sehr soliden Eindruck und scheint das Potentzial für eine hilfreiche App zu sein.
    Ich bin nun auf der Suche nach Ideen für einen sinnvollen Notenbaum und fand deine Bemerkung bzgl. der Fähigkeit die Grammatiknote zu zeigen sehr interessant. Mich würde nun interessieren, wie du dies in deinem Notenbaum integriert hast?

    Gerade am Anfang scheint die App sehr komplex zu sein und wirft noch einige Fragen auf.
    Danke für deine Hilfe.

    • Bob Blume sagt:

      Ich schreibe die Tage eine längere Antwort.
      Kurz gesagt:
      Kategorie: Schriftlich
      Unter
      Kategorie: 1. Arbeit
      Unter
      Kategorie: Prüfung: Arbeit 1
      Unter
      Kategorie: Aufgabe 1, 2, 3, etc.

      • Simon N. sagt:

        Danke schon mal für die erste schnelle Antwort. Sobald ich heute die Zeit finde, werde ich mich damit näher befassen und freue mich auf einen ausführlicheren Austausch. 🙂

        • Simon N. sagt:

          Hallihallo,

          TT5 ist nun mein stolzes Eigentum und ich bin am Tüffteln wie man einen guten und übersichtlichen Notenbaum erstellt.
          Darf man mal erfragen, wie dein kompletter Notenbaum für das Fach Englisch auszieht?

          Ich bin zur Zeit am Tüffteln und frage mich wie kleingliederig ich das sein muss. Logischerweise unterteilt sich die Note in schriftlich und mündlich.

          Schriftlich zählen Klassenarbeiten und evtl Hausaufgaben dazu.
          Wird für die mündliche Note tatschlich für jede Woche z.b. eine neue „Aufgabe“ hinzugefügt?

          Was hat sich für dich in der Praxis bewährt?
          Lieben Gruß,
          Simon

  4. Charlotte sagt:

    Ich war mit Tapucate bisher eigentlich sehr glücklich, bis es anfing abzustürzen. Sehr ärgerlich, wenn man gerade mündliche Noten für eine ganze Klasse gemacht hat… Und man kann nur Häkchen in Listen eintragen, was für ein „Schüler X muss noch 45,78, Schüler Y noch 245,67 für die Klassenfahrt bezahlen“ unpraktisch ist. Ich werde zum Sommer umsteigen. Mal schauen, ob es TeacherTool auch für Android gibt.

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