Das Kompendium in der Deutschprüfung (Realschule)

Nach einigen Nachfragen über den Sinn und Zweck des Kompendiums in Deutscharbeiten und der Abschlussprüfung, soll hier nochmals eine kleine Übersicht gegeben werden, wie man ein sinnvolles Kompendium erstellt, wie man es nutzt und auf was geachtet werden muss.

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Was ist ein Kompendium?

Grob gesagt ist ein Kompendium eine Materialsammlung zu einem bestimmten Thema. Dies ist nicht nur für eine Prüfung wichtig. Wenn ich in den Urlaub fahre, kann ich dafür ein Kompendium anlegen, in das ich Landkarten, Fähr-Tickets, Wegbeschreibungen und Berichte hineinlege.

Für die Realschulprüfung (und die Arbeiten davor) ist das Kompendium eine Sammlung von Texten, Statistiken und Bildern, die ich nehmen kann, um die Argumente meiner Erörterung zu bekräftigen.

Wofür wird das Kompendium gebraucht?

Die Welt ist voll von Meinungen. Aber eine Meinung allein ist wenig überzeugend. Will jemand seinen Standpunkt klarmachen, so ist es wichtig, dass er überzeugende Argumente vorbringt. Aber auch hier gilt: Nimmt man als Beleg für sein Argument nur die Meinung eines Freundes, ist dies allenfalls schwach bestärkend.

Hier setzt das Kompendium an. Für die Argumente, die man in der Aufgabe braucht (zum Beispiel für eine zu haltende Rede, eine Informationsbroschüre oder eine Internetseite), kann man nun nicht nur irgendwelche Meinungen nutzen, sondern Experten zitieren, Statistiken anführen und weitere Materialien (Blog-Einträge, TV-Ausschnitte) als „Beweise“ für die eigenen Argumente nehmen.

Je besser das Kompendium also ist, desto eher schafft man es, andere (und in den meisten Fällen den Lehrer) davon zu überzeugen.

Was muss in das Kompendium rein?

Zunächst einmal: Was nicht in das Kompendium darf, ist alles, was im Unterricht zu den Schreibformen und dergleichen besprochen wird. Das gilt als Betrugsversuch. Natürlich dürfen auch keine Musterlösungen hineingelegt werden. Aber, und das ist wichtig, es dürfen auch keine unbearbeiteten Texte hinein. Das heißt:

In das Kompendium gehören alle Texte und Materialien, die man sich erarbeitet hat, indem man sie markiert, strukturiert und deren Hauptaussagen, Thesen und Argumente auf einem Dokumentationsbogen sammelt, den man vor die Texte legt. Wie man die Texte bearbeitet und den Dokumentationsbogen ausfüllt, sollte Gegenstand des Unterrichts sein.

In das Kompendium gehören also alle das Thema des Unterrichts betreffenden Texte und Materialien, die man selbst erarbeitet hat.

Wie wird das Kompendium strukturiert?

Das Kompendium zu strukturieren ist gar nicht so einfach, da man zuvor das Thema in seine Einzelteile zerlegt haben muss. Diese Einzelteile bilden dann quasi die Unterpunkte des Kompendiums. Dies ist mit einem konkreten Beispiel einfacher zu verstehen.

Im Jahre 2013/14 war das Thema „Generation online – Leben in verschiedenen Welten?“, bei dem es um den Unterschied von den Menschen ging, die das Internet viel oder auch wenig nutzen.

Schon das Thema bietet hier verschiedene Anknüpfungspunkte. Man könnte recherchieren, ob es überhaupt eine „Generation online“ gibt, wie sie definiert ist, wer dazu gehört und so weiter. Dann könnte man darüber reden, ob der Unterschied zwischen den Generationen so groß ist, wie es die Überschrift des Themas vermuten lässt. Nach einiger Zeit könnte man folgenden Überschriften für das Kompendium haben:

  • Generation online
  • Das Web 2.0
    • Veränderungen
    • Möglichkeiten
  • Das Internet
    • Mobiles Internet
    • Nutzen zu Hause
  • Gefahren des Internetkonsums
    • Sucht
    • Cybermobbing
    • Phishing
    • Identitätsdiebstahl
  • Möglichkeiten des Internets
    • Vernetzung
    • Kooperation
    • Weltweiter Austausch
  • Glossar (Begriffe und Definitionen)

Jeder dieser Punkte wäre also eine „Rubrik“ des Kompendiums, die es nun durch Recherche zu füllen gälte.

Welchen Umfang muss das Kompendium haben?

Da der Umfang stark von den Themen abhängt, die man macht, lässt sich sehr schwer eine allgemeine Aussage machen. In dem zuvor gesehenen Beispiel könnte man mit etwa 25 Texten (und ähnlichen Materialien) rechnen. Dazu kommen noch Deckblatt, Inhaltsverzeichnis und Deckblätter der jeweiligen Unterthemen. Das kommt aber sehr auf die Lehrperson an, weshalb man diese im Zweifelsfall immer fragen sollte.

Nun aber zum wichtigsten Punkt: Natürlich kann es sein, dass das Kompendium gewertet wird und man aus diesem Grund viele Texte sucht. Aber: Es geht um etwas anderes. Es wurde deutlich, dass das Kompendium nur dann etwas bringt, wenn es Informationen beinhaltet, die man auch nutzen und schnell finden kann. Das heißt, nur weil ein Kompendium 100 Texte hat, ist es nicht unbedingt gut. Das, was es gut macht, ist die Bearbeitung der Texte, denn so brauche ich während der Arbeit nichts mehr nachlesen, sondern schaue nur auf meine Notizen und finde schnell, was ich brauche.

Wie nutze ich den Inhalt des Kompendiums?

Für viele ist nun aber die größte Schwierigkeit, das Kompendium überhaupt sinnvoll einzusetzen. Denn es reicht nicht, einen Text zu umschreiben. Man muss ihn richtig zitieren und einsetzen. Wie man dies tut und dazu ein gutes Literaturverzeichnis erstellt, kann man in diesem Video nachschauen.

Ansonsten ist es natürlich auch eine Aufgabe des Lehrers, diese Dinge in den Unterricht zu integrieren.

Ich hoffe, nun ist klar geworden, was ein Kompendium ist und wozu es gebraucht wird. Viele vergessen: Obwohl eine Menge Arbeit in der Erstellung eines wirklich guten Kompendiums steckt (den man muss die Texte lesen, strukturieren, bearbeiten, einfügen, organisieren), ist ein Kompendium ein großes „Geschenk“. Denn wenn man den Ehrgeiz hat, einen guten Abschluss zu machen, kann man schon zu Beginn der 10. Klasse dafür sorgen, dass man am Ende in der Abschlussprüfung keinen Gedanken mehr daran verschwenden braucht und sich voll und ganz auf den Inhalt und die (auch nicht immer gleiche) Rechtschreibung zu konzentrieren.

Wie immer bin ich froh um ein Feedback und bitte jeden, der Fragen, Kritik oder Anmerkungen hat, diese in der Kommentarspalte zu schreiben.

Anmerkung: Auch wenn der Autor dieser Arbeit sowohl als Lehrer als auch als Autor für einen Schulbuchverlag einige Erfahrung mit dem Erstellen von Materialien und Leitfäden hat, ist es nie verkehrt, das, was im Internet zu lesen ist, auch vom eigenen Lehrer bestätigen zu lassen, um es zu vermeiden, falsche Informationen aufzunehmen.

Beispiel für ein gelungenes Kompendium im Jahre 2014/15. Thema: „Das Glück in der Fremde suchen – gehen oder bleiben?“

Publiziert mit freundlicher Erlaubnis der Schülerin Larissa Diringer

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34 Kommentare zu Das Kompendium in der Deutschprüfung (Realschule)

  1. Adina sagt:

    Hallo ich hätte da mal eine Frage kann man eig auch texte im Internet suchen zu dem Thema und dann die in die Mappe legen. Würde mich echt auf eine Antwort freuen 🙂
    Gruß Adina

    • Bob Blume sagt:

      Ja, klar. Du musst sie dann nur bearbeiten, einen Dokumentationsbogen anlegen, im Inhaltsverzeichnis angeben. In der Prüfungsordnung steht sogar, dass man Texte, die man NICHT bearbeitet hat, in der Arbeit nicht nehmen kann. ich weiß zwar nicht, ob das alle Lehrer wissen, aber mal sollte da auf der sicheren Seite sein…

  2. Luca sagt:

    Hallo Herr Blume
    Ich wollte fragen wie man am besten Texte für das Kompendium zusammenfasst. Denn ich sitze hier vor einem Blatt voll mit Informationen und weiß nicht ob ich einfach die wichtigsten Dinge unterstreichen und Randnotizen schreiben kann und das Blatt dann in meinen Kompendium Ordner machen kann oder ob ich die wichtigsten Sachen in meinen
    Worten auf ein extra Blatt schreiben soll?

    • Bob Blume sagt:

      Hallo. Normalerweise kann dir so eine Information der Lehrer geben. Ich würde sagen: beides. Du bearbeitest das Blatt, indem du das Wichtigste unterstreichst und Notizen an den Rand machst und DANACH machst du noch ein Extrablatt, das alles zusammenfasst. Das hört sich zwar viel an, aber so kannst du sicher gehen, dass du auch wirklich weißt, was in den Texten steht. Das ist wichtig, damit du in der Arbeit schnell die wichtigsten Informationen wiederfindest. Liebe Grüße

  3. maxi sagt:

    Halts Maul BOB Blume

  4. Klara Karl sagt:

    Danke für die Infos!
    Könnte man die Fotos noch größer machen, leider kann man die Gliederung, z.B. vom Dokumentationsbogen, nicht lesen.
    Das wäre super! Danke.

  5. Tayfun sagt:

    Ist der Dokumentationsbogen egal bei welchem Lehrer richtig? Also kann man den immer so wie im Beispiel verwenden?

  6. Emmalia sagt:

    Hallo Herr Blume
    Ich schreibe morgen ein Kompendium zu dem Thema ,,Generation online,,. Ich habe da ein par Bedenken undzwar ich weis nicht genau wir ich so ein Kompendium anfangen soll?

    • Bob Blume sagt:

      Ich verstehe die Frage leider nicht. Das Kompemdium ist die Materialsammlung. Der Aufsatz ist was anderes. Es tut mir leid, dir sagen zu müssen, dass ein Tag davor auch etwas spät ist. Sowas plant man Monate. Ich wünsche dir trotzdem viel Glück.

  7. Someonee sagt:

    Ich schreibe morgen die Realschulprüfung und habe noch zwei Frage. Wie zitiere ich ein Zitat? und Wie gebe ich die Quelle an wenn ein Text aus einem Buch kommt

  8. chutima beyer sagt:

    kann ich auch texte hinein nehmen die ich nur markiert habe aber keinen dokumentations bogen dazu habe ?
    meine lehrerin meinte das seie inordnung.
    stimmt das ?
    LG

  9. shalin sagt:

    Hallo Herr Blume,

    ich schreibe am Mittwoch meine Deutschprüfung zum Thema „Arbeiten um zu leben, leben um zu arbeiten“. ich habe sehr viele Texte aus dem Unterricht, Internet und auch aus verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften gesammelt. Dau habe ich ein Lieratusverzeichnis geschrieben, allerdings per Hand. Darf man das so oder muss es mit dem Computer geschrieben werden?
    Zudem habe ich noch eine Frage zur Stukturierung/Gliederung des Kompendiums. Muss man alles durchstrukturieren und nach Themenbereichen sortieren, oder geht das auch, dass ich alle Texte (vom Thema her) durcheinander eingeheftet habe? Muss zu Beginn ein Inhaltsverzeichnis (wie bei einer Dokumentation) stehen?
    liebe Grüße

    • Bob Blume sagt:

      Angaben sind ohne Gewähr, weil manche Lehrer das anders sehen, aber: Ich würde sagen, beides geht. Letztlich musst du dich ja zurechtfinden. Liebe Grüße und gutes Gelingen.

  10. Leonie Luippold sagt:

    Hallo 🙂

    Am Mittwoch steht meine Klassenarbeit zum Kompendium an und nun bin ich gerade bei der Auswertung aller Statistiken und Quellen. Unsere Lehrerin meinte, wir dürfen nur Internetadressen benutzen bei denen ein „.html“ am Ende der Adresse vermerkt ist.
    Ich glaube allerdings nicht, dass dies sein kann, denn sonst hätte ich bis jetzt nur 5 (von 20) Texte mit einem ….html vermerk.

    Mfg

    • Bob Blume sagt:

      Hallo. Nein, das kann so nicht sein. Ich habe gerade keine Zeit, die Verordnungen herauszuholen. Aber wenn du willst, kann du der Lehrerin sagen, dass ich ein Fortbildner für das Kompendium bin und dir gesagt habe, dass das geht. Falls sie sich nicht sicher ist, kann sie mir gerne eine Mail schreiben. Sag‘ das aber nett, nicht dass du dadurch Probleme bekommst.

  11. David Tran sagt:

    Lieber Herr Blume,

    ich werde bald eine Rede über das Thema“Arbeiten um zu leben- leben um zu Arbeiten?“ Das Problem ist, ich weiß nicht wie man eine Rede schreibt da ich öfters krank war. Ich hoffe das sie mir etwas weiter helfen können. Ich hab ein Kompendium, jedoch ist es meiner Meinung nach schlecht.

    MFG David

    • Bob Blume sagt:

      Hallo David,

      woran liegt es, dass dein Kompendium schlecht ist? Versuche, es noch vor der Arbeit zu verbessern. Wie, das kannst du ja in der Anleitung lesen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich dir ganz genau weiterhelfen kann, weil es immer auch Unterschiede bei den Deutschlehrern gibt. Am besten wäre es, wenn du deinen Lehrer nochmals fragst. Ganz allgemein unterscheidet sich eine Rede zu anderen Texten darin, dass sie Zuhörer hat. Man muss beim Schreiben also so tun, als wenn jemand zuhört. Man stellt sich also vor, begrüßt die Zuhörer und kann unter Umständen auch so tun, als zeige man während seiner Rede ein Bild: „Wie auf diesem Bild zu sehen ist…“ Das kann, muss aber nicht gefordert sein. Während der Rede sollte man die Zuhörer auch ansprechen. „Wie Sie wissen, ist es schwierig, die Balance zwischen Arbeit und Freizeit in den Griff zu kriegen.“ Am Ende bedankt man sich meist fürs Zuhören oder verweist auf Auslagen oder gibt die eigenen Kontaktdaten. Wie gesagt, das ist unterschiedlich. Ich hoffe, ich konnte schon ein wenig helfen. Liebe Grüße

  12. Edeka-Chantalle sagt:

    Vielen Dank! Da ich dieses Jahr auch mal ein Kompendium erarbeiten darf, sind mir die Tipps sehr gelegen gekommen 🙂

  13. Deutschlehrerin sagt:

    Danke für den gelungenen Text und vor allem das Foto! Als Berufsanfänger ist man über so etwas sehr froh 🙂

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