LITERATUR: Anlasslos

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Die Musik passte nicht. Sie war zu schnell und nach vorn treibend für seine Gedanken, die sich in trägen Zügen durch die Gehirnwindungen trieben, wie Wanderer, die sich im abendlichen Wald verlaufen haben.

Dabei war es morgens.

Der Computer war an und machte leise surrende Geräusche. Mit etwas Anstrengung konnte man meinen, es sei der Wind hinter der Scheibe. Einige Vögel dazu und schon war es das, was man gemeinhin einen schönen Tag nennen könnte.

Oberhalb des Computers konnte man die Bäume sehen, die sich ein wenig zu ihm herüber zu beugen schienen. Nur ganz leicht, als wollten sie ihn necken.

Sein Rücken kratzte.

Zu faul, dem Verlangen nachzugeben, fragte er sich, die er die Trägheit abschütteln und der Arbeit nachgehen könnte. Irgendwo musste ein geheimes Ziel sein, dem nachzueifern seiner körperlichen und geistigen Abwesenheit die Lust nehmen würde. Sein Rücken war gebeugt, als habe er harte körperliche Arbeit verrichtet.

Der Kaffee war alle.

Er stand auf.

Kurz vor der Haustüre erkannte er den Irrtum, schaute zurück in die Bibliothek. Die Bäume hatten sich abgewendet. Ironisch. Er zog die Schuhe an und ging hinaus.

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2 Kommentare zu LITERATUR: Anlasslos

  1. Bob Blume sagt:

    Kommt darauf an…

  2. Anlasslos?
    Nein.
    Die Bäume. Die Vögel.
    Und überhaupt: Samstagmorgen.

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