Zehn Tipps für den rückwärtsgewandten Lehrer von morgen

 

Bildschirmfoto 2014-02-10 um 18.46.07Geben Sie es zu: Lehrer wollten Sie eigentlich nie werden, als Sie damals in der WG mit drei viel älteren Psychologie-Studentinnen um den Spül-Plan stritten. Sie sahen sich damals irgendwo, wo es keine Menschen gibt. Es kam anders und Sie sahen irgendwann ein, dass der Wunsch der Mutter Vater des Wunsches war. Nun quälen Sie sich in die Klassen, die schon lange erkannt haben, dass Sie in einer Versicherungsanstalt besser aufgehoben wären. Das muss nicht sein. Mit diesen einfachen Tricks für den rückwärtsgewandten Lehrer von morgen erleichtern Sie sich und anderen das Leben.

 

  1. Verzichten Sie auf digitale Medien

Sein wir ehrlich. Das Internet geht mit Sicherheit wieder weg. Diese Randerscheinung nutzt für den Unterricht nicht das Geringste. Und wenn schon: Wenn hier jemand etwas weiß, dann jawohl Sie und nicht dieser Google mit all seinen Gehilfen.

 

  1. Benutzen Sie analoge Medien

Was ist so schlimm an einem Video aus den 70er Jahren? Löwen und Elefanten gibt es ja immer noch und das reiskörnergroße Schneegestöber auf dem vor 20 Jahren modernen Röhrenfernseher hat Sie damals nicht umgebracht und wird es heute auch nicht. Irgendwo findet sich bestimm ein Arbeitsauftrag. Ansonsten heißt es: Schreibmaschine raus und einen Referendar schreiben lassen.

  1. Hören Sie den Schülern nicht zu

Wenn hier einer weiß, was richtig ist, dann Sie. Bei allem. Immer. Deshalb machen Sie sich das Leben deutlich leichter, wenn Sie nicht auf die Rotzblagen eingehen. Hören Sie nicht zu und bitte: Verzichten Sie auf sogenannte Rückmeldungen, außer, Sie stammen von Ihnen über die ungezogenen Balgen. Halten Sie Ihnen vor, dass Sie noch einer ganz anderen Zeit kommen und dass die Schläge Sie wenn überhaupt hart gemacht haben.

  1. Machen Sie Ihr eigenes Ding

Teamwork tötet die Idee. Viele Köche verderben den Brei. Seien Sie der Zimmermann, der die nutzlosen Äxte des Kollegiums ersetzt. Fragen Sie nicht, antworten Sie nicht. Dass Sie alles wissen, gilt nicht nur für die Schüler, sondern auch für die Kollegen. Und wenn jemand etwas fragt oder „Zusammenarbeit“ fordert, dann verweisen Sie auch ihr verdammtes Recht und Ihre individuelle Didaktik.

  1. Seien Sie undurchschaubar

Bewerten Sie nach Belieben. Sammeln Sie Hausaufgaben ein, ohne Ankündigung. Verteilen Sie Sechsen aufgrund von Schriftbild. Zerstören Sie Mobiltelefone. Schreiben Sie Tests über andere Themen als durchgenommen. Und falls ein Problem kommt: Denken Sie an Nr.3.

  1. Holen Sie die Eltern mit ins Boot

Eben nur nicht in Ihres. Der physische Zeugungsvorgang hat rein gar nichts mit der kognitiven Beschränktheit der Nachfahren zu tun. Sein Sie da ehrlich zu sich selbst. Und Gerede bringt nicht weiter. Machen Sie es wie damals in Ihrer WG. Geben Sie sich geschlagen und kehren Sie alles unter den Tisch.

 

  1. Seien Sie besserwisserisch

Halten Sie sich aus allem raus. Gehen Sie keinesfalls in irgendeine AG. Gnade Ihnen Gott. Erklären Sie in langen und breiten Zügen, was die Schule für Sie bedeutet und warum Sie dem Teufel anheimfallen wird. Aber falls etwas nicht funktioniert: Tun Sie sich und den Kollegen den Gefallen und sagen Sie, dass Sie es ja gleich gewusst haben.

 

  1. Achten Sie auf die Hierarchie

Falls Sie sich trotz alledem einmal schlecht fühlen, leihen Sie sich einen Praktikanten oder besser: Einen Referendar. Und zeigen Sie denen mal, was Sie von diesen neumodischen Methoden halten. Schule ist kein Spaß. Das werden die dann schon merken.

  1. Bereiten Sie nichts mehr vor

Auch zuhören ist eine Kunst, die der heutige Schüler lernen muss. Jede Stunde.

 

  1. Gehen Sie so früh es geht in Rente

Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Sie haben alles gegeben, alles gemacht. Aber man hörte nicht auf Sie. Dann muss man eben mit den traurigen Konsequenzen leben.

 

 

 

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2 Kommentare zu Zehn Tipps für den rückwärtsgewandten Lehrer von morgen

  1. Birgit Lachner sagt:

    Lieber Bob,

    obwohl ich mich modern genug fühle … ich und meine Chemie-Kollegen nutzen tatsächlich Videos aus den 70ern.
    Denn inzwischen hat sich keiner die Mühe gemacht, mal endlich neue zu drehen. Und die Qualität ist vielleicht nicht 4K aber vor allem steht die Kamera ruhig und zeigt klare Großaufnahmen.

    Also … ich stehe auf 70er Jahre Videos 😉 … und sogar legal, da es über das rheinland-pfälzische Landesinstitut geschieht.

    Grüße, Birgit

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