METABLOG: Noch ein Kommentar zum Streik

So sind die Blogger: Die möchten „was loswerden.“ Ich werden was los. Ich verstehe die bis hin  zur persönlichen Denunziation und Bedrohung gehende Aufruhr nicht. Mehr noch: Wer den Streikenden das Verständnis entzieht, sollte über Demokratie nachdenken. 

Als erstes das Wichtigste: Ich bin kein Experte im Streitrecht. Wer sich in diese Thematik einlesen möchte, dem sei der Wikipedia-Artikel zu diesem Thema ans Herz gelegt. Das, was ich verstehe, ist, dass es sich bei einem Streik nicht nur um die Arbeitsniederlegung an sich geht, sondern in der wirtschaftlichen oder politischen Konsequenz, die daraus folgt.

Natürlich kann eine solche Konsequenz eine solche sein, wie sie von Margarete Thatcher in den 80er Jahren vollführt wurde. Kurz: Umknüppeln der Streikenden durch Polizeigewalt. Aber wir leben ja in einer anderen Demokratie als sie in England vor 30 Jahren herrschte.

In unserer Demokratie ruft die größte deutsche Zeitung mit Beschimpfungen dazu auf, den Anführer eine „Spartengewerkschaft“ zu denunzieren und zu beschimpfen. Der Rest sind Worte.

Im Deutschlandfunk doziert an diesem Morgen des ersten von vier Streittagen (06.11.2014) der CDU-Politiker Michael Fuchs, stellvertretender Vorsitzender der CDU im Bundestag über die wirtschaftliche Nutzung der Bahn. Darüber, dass alles „just on time“ sein solle und man sich nicht leisten könne, die Güter am Hafen stehen zu lassen. Darüber, dass nicht jede kleine Gewerkschaft dieses und jenes tun könne, wann sie wolle. Dass es auch eine Verantwortung gäbe, den Kunden gegenüber.

Verantwortung. Schönes Wort. Die Verantwortung, nichts mehr zu tun, hat nun also die Gewerkschaft? Weil sie zu klein ist? Weil –  und hier wird es besonders schön – „dritte geschädigt werden“? Ernsthaft?

Seit dem Streik der Bahnfahrer sind Politik und konservative Medien endlich auf einer Wellenlänge – oder sagen wir, auf einem Gleis. Denn anstatt konstruktiv daran zu arbeiten, dass die Interessenvertretung von Menschen, die gerechte Bezahlung und eine ordentlich Vertretung ihrer Anliegen wollen, etwas von ihren Forderungen bekommen, wird ihnen der schwarze Peter zugeschoben. Und das von einem Unternehmen, das nicht nur staatlich finanziert ist, sondern riesige Investitionen im Ausland tätigt.

In einer Demokratie geht es nicht um darum, dass die Mehrheit das bekommt, was sie will. Es geht darum, dass diejenigen gehört werden, die eben auch wenige sind.

Deshalb ist das Gequatsche von „Spartengewerkschaft“ auch völliger Unsinn. Natürlich tun mir auch die ewig beschworenen Berufspendler leid. Und diese sollten sich aufregen und wütend sein. Aber eben nicht auf diejenigen, die die einzige Karte spielen, die sie haben, sondern auf die, die durch ihr stures Verhalten dafür sorgen, dass diese Karte in der letzten Zeit immer und immer wieder gespielt werden muss.

Aber das nur von einem, der sich nicht auskennt.

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