Das dunkle Geheimnis der Lyrik

Ein wohl bekannter Ton, ein Ächzen

Erfüllt den Raum, es ist getan

Während sie nach Pausen lechzen

Kommt der Herr mit Lyrik an

 

Man soll – das bitte schnell und weise –

Des Poems Thema offenbaren

Der Lehrer schwadroniert von Reise

In Gedanken hat er sich verfahren

 

Als nächstes wird das Grauen schlimmer

Man sammle sprachliche Figuren

Metaphern, sagt er, gehen immer

Und sucht nach Kaffee auf den Fluren

 

Nach Metapher, Reim, Kadenz

Möchte mancher Weite suchen

Oder denkt: Hätt ich geschwänzt

Und äße daheim Reibekuchen

 

Allein: Der Lehrer sagt: Es muss

Es ist für später Kunst und Denken

Und sehnt sich selber nach dem Schluss

Und will sich selber Zeit verschenken

 

Doch das Geheimnis sagt er nicht

Er bettet es tief ein

Ist seelisch damit rein

Es ist seine Pflicht

 

Denn wenn zum Vorschein käme

Es ist das letzte bisschen Macht

Das letzte bisschen große Häme

Wo der Herr Lehrer Wissen hat

 

Man würde ihn vielleicht ersetzen

Mit großem technischen Gerät

Und Lyrik lesend würd’ er selber sich verletzen

Doch dann, ja dann wär es zu spät

 

 

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