Große, kleine Welt: Zur Blogparade vom RAABE-Verlag

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Der RAABE-Verlag konstatiert, dass es blogtechnisch um den Bildungsbereich zu Unrecht ruhig geworden ist. (Eine weitere Blogparade zum Thema „Unterricht“ findet sich hier). Natürlich findet man das eine oder andere Prunkstück, aber man muss schon suchen. Die Zusammenführung von Blogartikeln zum Thema Schule und Bildung ist so eine gute Möglichkeit der Vernetzung über die eigene Schule hinaus. Zur besseren Wahrung der Struktur, möchte ich die Fragen, so wie sie gestellt wurden, angehen.

1. Was ist das dringlichste Thema, dass zur Zeit im Schulbereich gelöst werden muss? – Warum?

Keine Schule ohne Lehrer

Man stelle sich folgende Situation vor. Ein Mitarbeiter in einer großen Firma wird über eineinhalb Jahre eingearbeitet, er bewährt sich, will bleiben, und auch der Firmenvorstand ist der Meinung, einen gewinnbringenden Mitarbeiter dazugewonnen zu haben. „Keine neuen Stellen“, schreit es aus dem Aufsichtsrat. Die Firma beugt sich Zähne knirschend und der Mitarbeiter muss gehen. Sechs Wochen später kommt ein anderer Arbeiter, ungewollt, für die selbe Stelle. Der Aufsichtsrat hatte überlegt, dass es doch besser sei, einen weiteren Mitarbeiter einzustellen.

Hört sich das nach zu viel Phantasie an?

Es ist die Realität an Schulen, denen Deputate gekürzt werden und Versprechungen seitens der Politik nicht eingehalten werden. Klassenteiler, Abbau der „Bugwelle“, die durch Überstunden zustande kam und vieles mehr. Die Referendare können froh sein, wenn sie eine der berüchtigten KV-Stellen bekommen und in den Sommerferien Kurse vom Arbeitsamt belegen, wie man sich denn richtig bewirbt. Das kann nicht sein. Klar, sagen nun viele. Aber Schulen sind keine Firmen. Das stimmt. Aber wenn zunehmend Druck auf die Bildungseinrichtungen aufgebaut wird, die Lehrer neben ihrer Ausbildung und Bildung zu Inklusionsexperten und Sozialarbeitern werden sollen, dann sollte man sich Gedanken darüber machen, ob die Schulen auch nicht selber entscheiden können, wen sie brauchen. Neue Bildungsforderungen zu stellen ist einfach. Dann muss seitens der Politik aber auch die Einsicht folgen, dass man diejenigen fördert, die diese Bildung ermöglichen sollen. Denn es gibt keine funktionierende Schule ohne gute Lehrer.

2. Abseits von PISA: Vor welcher Herausforderung stehen Schulen zur Verbesserung der Bildungsqualität? Was sollte sich ändern, was können Lehrer selbst in die Hand nehmen?

Vernetzung auch über virtuelle Medien

Die Schulen sind was Leitbilder und Schulplanung angeht in den letzten Jahren ein gutes Stück voran gekommen. Auch die mediale Unterstützung durch kommunale Träger verbessert sich – zumindest partiell.

Da mutet es jedoch komisch an, dass die meisten Debatten, in denen es um die neuen Medien geht, über die negativen Aspekte geführt werden. Es geht vornehmlich um Handyverbote, Facebook-Verbote und die Gefahren des Web. Die Thematik will ich hier nicht weiterführen. Zu fragen wäre aber: Wie sensibilisiert man junge Menschen für ein Thema? Durch Verbote oder eine geführte Praxis? Man braucht nicht auf Teenagerschwangerschaften in den USA und Deutschland im Vergleich zu schauen, um sich diese Frage zu beantworten.

Mobiltelefone sind längst der Hauptzugang zu Kommunikation und auch Kultur geworden – sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene.

Es wird Zeit, dass die Schulen in angemessener Weise darauf reagieren.

3. Wie bereitest Du Dich auf den Schulalltag vor? Mit welchen Methoden (oder Materialien) läuft es, auch am Wochenende, entspannter?

Funktionaler Gebrauch von virtueller Hilfeleistung

Als Lehrer abzuschalten, ist natürlich immer schwer. Mal stolpert man hier, mal da über einen Baustein, den man auch im Unterricht nutzen kann. Seitdem ich die Vorbereitung an Evernote kopple (Vielen Dank an den hilfreichen Artikel von Herr Mess zu genau diesem Thema), habe ich nicht nur mehr Übersicht, sondern kann zusätzlich Papier sparen. Für die Schüler ist es zudem interessant, wenn Tablet und Beamer die neuesten Bilder und Grafiken zeigen, die unter Umständen dann noch per Twitter im Unterricht visualisiert werden können. Entspannung funktioniert immer dann, wenn der Kopf nicht mit zusätzlicher Arbeit belastet ist. Diese zusätzliche Arbeit entsteht vor allem durch Stress, dieser wiederum oft aus Unüberschaubarkeit. Durch gezieltes Management der Unterlagen kann dem abgeholfen werden. Mittels virtueller Hilfeleistung nun besser als zuvor.

4. Wie bist Du zum Bloggen gekommen? Wo bloggst Du?

Raus statt rein

Nur so viel: Gute Ideen (oder diejenigen, die man dafür hält) lohnen sich vor allem, wenn sie mit anderen geteilt werden. Über das persönliche Schreiben entstand die Idee für einen Blog, in dem es aber nicht nur um ernste Schulthemen geht (Humor ist extrem wichtig – auch für Lehrer), sondern auch um literarische Beiträge, die natürlich trotzdem in der Schule genutzt werden können. Über Twitter kam ich weiter in Kontakt mit bloggenden Lehrern und bin gerade erst dabei, den Nutzen immer mehr auszuschöpfen.

5. Welche Social-Media-Plattform ist für Dich als Blogger am Wichtigsten? – Ergänzend: Welche Social Networks sind für Schule und Lehrer die geeigneten?

Einmal Twitter, immer Twitter

Vor allem seitdem ich am #edchat teilnehme, bei dem Lehrer über twitter über neue Bildungsthemen sprechen, ist Twitter die Nummer 1. Facebook hingegen nutze ich nur soweit, als dass dort einige Anregungen über Bildungsseiten geholt werden können.

Seitdem ich in der Schule das Experiment des „Twitterunterrichts“ unternommen habe, ist diese Plattform für mich eine großartige Möglichkeit, virtuelle Plattformen mit in den Unterricht einzubeziehen. Da dies ein umfangreicheres Thema ist, können Interessierte hier weiterlesen.

6. Welche Chancen und/oder Risiken liegen für die Lehrer-Schüler-Kommunikation auf Facebook auf der Hand?

Warum überhaupt? 

Die oft geäußerte Sorge, dass das Nähe-Distanz Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern durch den Austausch geschmälert wird, sehe ich eher kritisch. Letztlich sollte man sich jedoch fragen, ob ein solcher Austausch gewinnbringend ist oder nur geschieht, weil es eben „up to date“ ist. Persönlich sehe ich keinen großen Nutzen in Facebook. Twitter bietet deutlich mehr Möglichkeiten.

7. Welches sind Deine drei Blog-Klassiker? – Welche drei neuen Blogs muss man gerade lesen, weil sie spannend oder speziell sind?

Noch keine Klassiker

Da ich erst seit kurzem in der „virtuellen Welt der Lehrer“ bin, ist es vermessen, von „Klassikern“ zu sprechen.

Sehr hilfreich ist jedoch der Blog von „Herr Mess“, wenn es um die mediale Unterrichtsgestaltung und Praxiserfahrungen geht.

Auf dem Blog des #edchat finden sich immer wieder gute Links zu weiterführenden Themen und natürlich zu den Twitter-Diskussionen.

Kurze, knackige Überlegungen bietet der Blog von Kristina Lucius.

Andere Blogs müssen noch erforscht werden, in dieser großen, kleinen Welt.

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Ein Kommentar zu Große, kleine Welt: Zur Blogparade vom RAABE-Verlag

  1. Pingback: Auf zur ersten Blogparade: Was sind die brennenden Themen zu Bildung und Schule 2014? – Lehrer-Blog

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