Ich bin wohl pauschalophob. Und das ist auch gut so.

Wer nicht begeistert Oberflächlichkeiten in politische Debatten spuckt, ist gleich ein Generalisierungshasser. Mittlerweile hat die Pauschalophobie, also die Angst vor verallgemeinernden Zeitungskommentaren der Anthropophobie (der Angst vor der Gesellschaft) den Rang streitig gemacht.

Um diesem Artikel nun Menschlichkeit zu verleihen, werden ich nach der reißerischen Überschrift so tun, als schaute ich wichtige poltische Sendungen mit Freunden (das Wort Freund jetzt bitte nicht überbewerten). Damit ich mich aus der Affäre ziehen kann und der Shitstorm nicht ganz so groß wird, lege ich meinem „Freund“ die Worte in den Mund. Der sagt dann was empörtes, das vor allem sagt: „Das musste ja mal gesagt werden.“

Dann kommt eine gewagte Analogie. Am besten was mit Behinderten, das geht immer gut, um für Aufsehen zu sorgen. Ein europäischer Vergleich schürt die Angst vor stärkeren Gesetzen. Ich tue so, als christlicher Katholik in meiner Meinungsfreiheit eingeschränkt zu sein, nur weil ich nicht so Minderheiten stigmatisieren kann, wie ich es seit Jahren tue. Das Ende der persönlichen Repression macht mich zum Wutbürger gegen die bösen Abartigkeiten der neuen Welt.

Damit mir genügend Leute zustimmen, hopse ich nun auf die heilige Schrift, versuche aber dennoch in einem subtilen Ironiesingsang zu bleiben. Das kommt an und so kann keiner genau sagen, was ich eigentlich will.

Nach weiteren Nichtigkeiten folgt eine weitere so Haarsträubende Analogie, dass ich, der Schreiber dieses Berichts, mit selber nicht so sicher war. Man solle doch Sadomasochismus in den Lehrplan aufnehmen. Ab diesem Zeitpunkt werde ich wohl über weitere Konsequenzen nachdenken.

Schnell ist man Generalisierungshasser

Diese nochmalige Überschrift verdeutlicht auch für die verblödeten Leser nochmals, was ich eigentlich will. Ich will sagen: „Man wird doch wohl mal sagen dürfen.“ So wie Leute sagen: „Ich habe nichts gegen Ausländer, aber…“ Sollen wir etwa an Schule Herr der Ringe lehren, nur weil es Leute gibt, die sich in Hobbitkostümen lieben?

Ich führe weitere Experten an, die den angeblichen Defekt der anderen beweisen. Und am besten griechische Philosophen (wie passend). Dann starte ich einen kleinen Angriff, indem ich voraus schaue, was auf mich prasseln wird. Aber ich bin im Recht. Man wird das doch noch mal sagen dürfen.

Nach dem Artikel bin auch ich völlig fertig. Mein Freund sitzt neben mir uns raunt mir zu, dass wir ja wohl in der Schule nichts über Welt-Autoren informiert werden sollen, nur weil es Leute gibt, die mit dem Kopf nicken. Ich sage nichts mehr.

Ich bin wahrscheinlich so pauschalophob wie mein Freund, und das ist auch gut so.

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