BERICHT: Urlaub in der eigenen Stadt: Freiburger Sonnenseiten

Beitrag zur #blogparade  „Urlaub in der eigenen Stadt“.

Die Blogparade zum Thema „Urlaub in der eigenen Stadt“ ließ mich an meine alte Geliebte – die Stadt Freiburg denken. Oftmals habe ich mich über sie und ihre Bewohner aufgeregt, aber wenn man weiß, wie man denn Müll trennt, dass die Fahrradfahrer fahren, als wenn sie Drogen genommen hätten und der Flair des Milchkaffees und studentischem Übermuttum in allen Gassen weht, kann man hier eine wundervolle Zeit haben. Dafür loht es sich vor allem, die Ecken zu besuchen, die man erst nach einiger Zeit bemerkt. Die typischen Sehenswürdigkeiten wie das Freiburger Münster, den Kanonenplatz mit genialem Weg über die Stadt und der Bertholdsbrunnen werden sich sowieso nicht vermeiden lassen. So wie ich die Stadt nun, da ich im Schwarzwald wohne, vermisse, gibt es aber auch Schattenseiten, die man gerne vermeiden könnte.

Für mich ist dies auch eine Chance, nochmals darüber nachzudenken, was mir an dieser Stadt gefallen hat und was nicht. In der neuen Wohnung, der neuen Stadt mit neuer Sicht sitzend, überlege ich, was mir an Freiburg gefallen hat und was nicht.

Was ich vermissen werde/ Was man tun sollte

…mit der STRABA zum BB bei der LA zu fahren, um mit Freunden auf der STEWAWI zu grillen

(Übersetzung für nicht Freiburger. Alle, die nicht auf dem Fahrrad sitzen, fahren Straßenbahn. Dies sorgt für eine schöne neue Perspektive auf die Stadt. Der BB ist der Bertholdsbrunnen, quasi die Pulsschlagader der Stadt. Von ihr aus kann man überall hin. Die Sternwaldwiese im Osten der Stadt bietet unglaubliche Abende voller Lagerfeuer, Musik und Gesang und des nachmittags für Sport und Prokrastination).

…Fahrrad fahrende Polizisten in hautengen grünen Leibchen anschauen (allein dieser Anblick lohnt – also im Sommer kommen).

…im Buchladen anstehen. Wenn man in einer anderen Stadt wohnt, ist man das Interesse bald nicht mehr gewöhnt. Freiburg bietet für Bücherliebhaber alle möglichen urigen, großen, speziellen Läden. Einfach am BB nachfragen, dort wird euch geholfen.)

…Bei der Sparkasse anstehen. Eine einzige Schlange vor drei Sparkassen-Automaten  – Sie werden begeistert sein.(es lebe der soziale Effizienzgedanke).

…auf dem August mit nur noch physisch Anwesenden über das Wesen des Seins zu philosophieren. Der August – oder Augustinerplatz – ist vor allem am Abend ein Ort, an dem man die interessantesten Menschen trifft, die zusammen feiern und diskutieren, zumindest solange die sogenannte „Säule der Toleranz“ es zulässt, die Einwohner durchbrachten, damit sie nicht zu häufig gestört sind. Man kann gar nicht oft genug wiederholen: Hier muss man hin. Um den Platz herum kann man hervorragend Brote essen und seine Kinder auf einem großen Spielplatz spielen lassen. Auch geshoppt werden kann. Solange können sich die anderen auf den Treppen sonnen. Genial.

…den Stadtgarten besuchen. Ist klein aber fein und vor allem wenn die erste Sonne rauskommt einen kleinen Spaziergang wert.

…nicht eingeladen auf WG-Partys zu erscheinen und sofort die Frage nach dem Bier stellen. Sie denken jetzt: Wie soll ich das denn machen. Aber diejenigen, die sich noch nach feiern fühlen, können außer den Clubs mal versuchen, zu einer solchen Party eingeladen zu werden. Besser geht es nicht. Bei den Clubs gehen die Meinungen auseinander. Freiburger finden meistens, es gebe nichts. Ich denke: So schlimm ist es nicht. Das „Kamikaze“ bietet guten House, so auch das „Waldsee“, was aber etwas außerhalb der Stadt ist. Im LP wird man auf jeden Fall tanzen, aber leider auch am nächsten Morgen wissen, dass das Bier irgendwie komisch war. Es lohnt sich aber. Der Club „Reng Täng Täng“ und das „Wheit Rabbit“ sind ebenso „undergroundige“ Clubs, die man empfehlen kann.

…bei sommerlichen Temperaturen neben seinem Bierkasten in der Dreisam zu liegen und das Steak in der Nase haben. Muss man da noch was sagen? Die Dreisam und die kleinen Bächlein machen eben einen großen Teil des Freiburger Flairs aus. Aber Achtung: Wer in die durch die Stadt fließenden Bächlein tritt muss (und kann) eine Freiburgerin heiraten – was jetzt nicht so das Schlechteste ist.

…auf dem Münsterplatz eine „lange Rote“ mit Zwiebeln zu verspeisen und dabei Straßenmusikern zuhören. Rot! Nicht weiß! Klar?

…das Möslestadion – allein des Namens wegen besuchen. Ist aber direkt beim Waldsee, also auf geht’s.

…Spaziergänge auf dem Feldberg, dem Schlossberg oder um den See machen. Spazieren werden Sie sowieso. Einfach eine schöne Strecke raussuchen. Der Schlossberg ist direkt bei der Stadt.

…den großen Milchkaffee mit Extraschaum trinken.

…eine Salatplatte essen. Glauben Sie es: es sind die besten.

…die Gassen besuchen. Einfach los!

…Buchhandlung „Wetzstein“ besuchen. Eine der faszinierendsten Buchhandlungen, die ich je besucht habe. Mit Originalen von Goethe, signierten Büchern und einer sehr guten Auswahl in bewusst kleinen Rahmen.

…das Theater besuchen. Das Freiburger Theater bietet sehr viele verschiedene, exzellente Stücke. Auch für die, die nicht so häufig ins Theater gehen, ist was dabei.

…Omas Küche. Suchen Sie es bei google und genießen Sie die Schnitzel oder das Frühstücksbuffet.

…das Münster müssen Sie natürlich auch besuchen.

…die vorzügliche Wurst in der Mensa Drei. Aber Achtung. Kann so scharf sein, dass die Ohren flattern.

…das familienfreundlichste Stadion, das ich aus Trotz Dreisamstadion nenne, besuchen. Da wird der Besuch des Stadions zu einem Ausflug für alle.

Was ich nicht vermissen werde/ Was Sie nicht tun sollten

…Sich mit den Fahrradfahrern anlegen. Sie sind eigen. Alle!

…“Ich habe mein Dolce & Gabanna-Hemd an“ – Typen aus dem Kagan begegnen. Wenn Sie wollen, gehen Sie dort hin. Schöner Blick auf die Stadt. Und eine R&B-Hölle.

…mich vor „Dreadlockökoweibern“ dafür rechtfertigen, dass es Autos auf der Welt gibt.

…jegliche amerikanische Ketten, die aus der Stadt gejagt werden sollten, besuchen. Sorry, aber das können Sie in jeder x-beliebigen Stadt.

…den H&M besuchen. Ne, echt nicht.

…den singenden Indianer-Straßenmusiker, die sich tief in die Seele bohren und dich beim Einkauf verzweifeln lassen, Geld geben. Tun Sie es nicht. Die machen dann immer weiter.

…den nackten Mann aus dem Crash begegnen. Das spricht für sich.

So, dann bin ich gespannt, ob das eine oder andere für eine gute Zeit sorgt. Ich hoffe, ich werde von den Freiburger Lesern nicht verschlagen, die sind da eigen. Aber wenn ich was vergessen habe, einfach in die Kommentare schreiben. Hach, es war eine schöne Zeit.

Aber eigentlich muss ich auf nichts verzichten. Da meine Frau ja aus dieser schönen, großen Kleinstadt kommt, habe ich immer ein bisschen Freiburg dabei. Hauptsache ein bisschen Kühler. Und Freudenstadt kommt da gerade gelegen.

Ich freue mich über Reaktionen.

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8 Kommentare zu BERICHT: Urlaub in der eigenen Stadt: Freiburger Sonnenseiten

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  3. Flo sagt:

    Toller Beitrag & Danke für’s Mitmachen! Meine ehemalige Mitbewohnerin kommt auch aus Freiburg. Ich nehme an, bei einer „langen Roten“ handelt es sich um eine Wurst? 😉

    Liebe Grüße aus Barcelona,
    Flo

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  5. Henny sagt:

    sehr toll die Vergleiche!
    vermissen würde ich die schöne Natur um Freiburg herum, die Möglichkeit zum Schluchsee mit dem Auto zu fahren und eine Strecke volle Kurven und Berge zu haben mit einer super Aussicht bis zum Elsaß.
    vermissen würde ich auch, dass doch alles in der Nähe ist und man sich aufregt, dass man „20“ Minuten braucht, um irgendwohin zu kommen. In anderen Städten braucht man über eine Stunde.
    vermissen würde ich auch, dass man nachts nach einer Party oder ähnliches nach Hause laufen kann und mit einem netten Begleiter den Weg mit interessanten Themen überbrückt.

    Vermissen würde ich auch, dass man eben unter der Woche nach 1 Uhr nicht mehr nach Hause kommt, wenn kein Fahrrad mitgenommen hat und kein Auto hat und man dann laufen muss.

    Vermissen würde ich die Gegend bei Landwasser mit der Dreisam und den schönen Ausblick auf die Berge.

    Vermissen werde ich vor allem die Fahrradstrecke an der Dreisam entlang. Und was ich immer in Freiburg vermisst habe, war die Möglichkeit shoppen zu gehen (nicht vero Moda oder H&M).

    Nicht vermissen werde ich ebenfalls die Mode, die Sprüche von Ökoleuten, die barfuss herumlaufen und bei denen man nicht zu Besuch kommen darf weil man kein Veganer ist und Vorwürfe dafür bekommt.

    • Bob Blume sagt:

      Da kann ich wieder mal nur zustimmen. Vor allem die 20 Minuten. Wenn man, wie ich zu Beginn, in Hochdorf wohnt, heißt das erstmal soziale Isolation…

  6. Bob Blume sagt:

    Danke. Amen.

  7. Juff sagt:

    Käs’speckseelen und ’n Wasser‘ beim Bäcker einkaufen, Sonnenuntergänge am Lorettoberg, in 1,5h dem Novembernebel auf den sonnigen Kybfelsen entgehen, das Multikultizusammenleben, die Hitze, Raucherkneipen, kanackenbadisch, die Hügeloptik um die Stadt, Dreisamkieselpagödchen, den Dreisam-Reiher.

    nicht vermissen würd ich die Mode, die Döner, den Kajo-Fußgängerverkehrskollaps zwischen Bettlern, Künstlern, Touris, Studis, Schülern und Straba-Passagieren, die Preise, das Bier, die Grünen und die Säule der Toleranz.

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