„Zweier ohne“ von Dirk Kurbjuweit: Versuch einer ganzheitlichen Deutung

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Im Internet häuft sich gerade die Suche nach Interpretationen und Deutungen der Novelle „Zweier ohne“ von Dirk Kurbjuweit. Dies ist insofern nicht verwunderlich, als dass dieses Werk gerade auf der Leseliste des Realschulabschluss 2014 steht. Es ist ein gleichzeitig kurzes, aber vielleicht auch gerade deshalb an einigen Stellen sehr offenes Büchlein, das umso schwerer in seiner Ganzheit zu erfassen ist. Im Rahmen des Unterrichts erstellte meine 10. Klasse einen Blog, auf den man sich mit weiterführenden Fragen beschäftigen kann. Dies ist wichtig, da lange Aufsätze – jeder mag es kennen –  sehr anspruchsvoll zu lesen sind. Aus diesem Grund ist diese Deutung auch nur für diejenigen, die ein Fundament haben wollen, das außerhalb des Unterrichts eine Hilfestellung ist.[1] Ich werde versuchen, die verschiedenen Elemente so zu verknüpfen, dass es allgemein verständlich bleibt. Ich hoffe, es wird den einen oder anderen zu einem besseren Verständnis führen.

Anmerkung: Anders als im Unterricht wird hier versucht, größere Eckpunkte zu erstellen, die die Chronologie des ohnehin mit Vorausdeutungen gespickten Werkes darstellt.

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Eine fatale Freundschaft

Was eine Freundschaft ist, ist in dieser Novelle als Grundwissen extrem wichtig. Die Merkmale einer Freundschaft sparen wir uns. Wichtig ist, wie sich die Freundschaft von Johann und Ludwig äußert – und das tut sie in einer extremen Weise, die in einem Selbstmord endet. Insofern ist das Ende der Novelle das Wichtigste für das Verständnis des ganzen Textes. Denn nur wer versteht, was Ludwig dazu getrieben hat, sich selbst und seinen Freund umzubringen und warum Johann auch in letzter Konsequenz seinen Freund beschützt, kann man die gesamte Novelle verstehen.

Die Vergangenheit bestimmt die Gegenwart

Das Ende der Novelle, in der Vera, die nun ein Kind hat, kommt, um Johann zu besuchen, zeigt das ganze Ausmaß – und dies muss betont werden – an Zerstörung, die Ludwig bei Johann angerichtet hat. Ludwig hatte Johann, dem Telefonlisten und das Angerufen werden so wichtig sind, wie sonst nichts auf der Welt, zu seinem Freund gemacht. Dass vor dem ersten Kennenlernen die ganze Freundschaft von Ludwig ausgeht, ist bezeichnend für alles, was folgt. Im Zuge der Liebschaft von Johann und Vera muss Ludwig erkennen, dass er eben ds nicht das hat, was er eigentlich von Johann braucht:

Uneingeschränkte Macht

Egal, was die beiden in der Zeit, in der sie zu Zwillingen werden wollen, machen: Es gibt nur eine Person, die bestimmt: Ludwig. Er entscheidet, wann die beiden ihr erstes Mal mit der Russin Josefine haben, die Ludwig später beschimpft, da er mutmaßlich nicht so erfolgreich war wie Johann. Er ist derjenige, der entscheidet, dass sie zu Zwillingen werden sollen. Er bestimmt, den alten Kinderfreund Marco kaltblütig aus der Clique zu stoßen, weil er angeblich zu blöd für die beiden ist.

Rechtfertigende Reaktionen

Aber egal wie viel Macht Ludwig ausübt, Johann schafft es in der Novelle nicht (denn wir bekommen durch Andeutungen ja immer wieder zu verstehen, dass er mittlerweile in den 20er Jahren ist, allein, voller Trauer, unfähig eine Beziehung zu führen) – also, er schafft es nicht, sich von Ludwigs Aktionen zu lösen und selbst aktiv zu werden. Er schafft es noch nicht einmal, Ludwigs Handeln zu hinterfragen – nach so vielen Jahren.

Vielmehr ist es eine ständige Rechtfertigung dessen, was Ludwig macht und wie er selbst reagiert. Im Fall von Marco sagt er dass es „natürlich“ richtig war, was Ludwig machte – und das, obwohl Marco ein alter Freund von Johann war, der irgendwie versuchen wollte, an einer neuen Schule Fuß zu fassen. Für Ludwig lässt er Marco über die Klinge springen. Er ist das oft genannte Bauernopfer.

Sprachlose Familie

Die Frage, die man sich zwangsläufig stellt, ist, warum Johann diese Freundschaft über sich ergehen lässt und natürlich auch, was Ludwig dazu treibt, so viel Kontrolle und Macht ausüben zu wollen. Die Antwort für die erste Frage gibt Johann selbst, indem er am Ende des ersten Kapitels erklärt, dass Ludwig ihn durch seinen Umgang mit dem toten Mädchen so fasziniert, dass er keine Angst mehr hat. Dies ist deshalb so wichtig, weil es eine Angst vor dem Verlust der Eltern ist, die ihn so lange bedrückt hatte. Mit seinem Anruf gewinnt Ludwig einen Verehrer. Dieser Verehrer ist Johann, der nun glaubt, keine Angst mehr haben zu müssen.

Die zweite Frage – also die nach Ludwigs Lust, Macht auszuüben –  ist schwieriger zu beantworten, da wir ja alles, was Ludwig betrifft, nur aus der Perspektive von Johann zu hören bekommen (ein sogenannter unzuverlässiger Erzähler). Aber es gibt viele Indizien, sodass wir nach ein paar nun folgenden Gedanken verstehen können, was Ludwig antreibt. Denn er ist nicht von Grund auf böse. Er ist fasziniert von dem Gefühl, jemanden zu haben, der ihm zeigt, dass er am Leben ist. Und genau das kann seine Familie nicht.

Der wohl arbeitslose Vater, dessen Auftreten beschämt und verlegen ist, was Johann gleich zweifach betont, ist nicht in der Lage, mit seinem Sohn zu sprechen. Vielmehr spricht er „viel zu lange“ mit Johann, als er ihm statt seinem Sohn das Motorrad und den Umgang damit zeigt. Das einzige, das er für seinen Sohn tut, ist Pfannkuchen backen. Er geht noch nicht einmal zu den Rennen der beiden. Später wird uns erklärt, warum.

Vera erklärt Johann, dass ihr Vater zu viel Angst vor dem Scheitern seines Sohnes hat. Dies zeigt eindrücklich, wie sehr er sein eigenes Scheitern in seinen Sohn projiziert, der alles macht, um zu zeigen, dass er gut in etwas ist. Man könnte sogar sagen, dass der Vater eine Rolle spielt, als sich Ludwig so manisch dafür entscheidet, dass die beiden Zwillinge werden sollten. In diesem Freundschaftsentwurf von Ludwig haben die eigenen Interessen seines Freundes keinen Platz mehr.

Ein vernachlässigtes Mädchen

Insofern ist es für Ludwig umso schlimmer, dass sich Vera zwischen die beiden drängt. Inwiefern Ludwig etwas von dieser Beziehung mitbekommt, die so ernst ist, dass Johann dafür nicht nur die Freundschaft mit seinem Zwilling aufs Spiel setzt, ist nicht explizit (also direkt) ausgeführt. Aber wir können es erahnen. Denn Johann erklärt, dass sie, bevor sie sich die Treppe herunter schleichen, an der Tür des Vaters horcht und dass sie erst gehen, wenn er schläft. Einen Satz weiter erklärt er, dass er das Licht sieht, aber das Ludwig wohl dachte, es sei der Vater. Unlogisch? Nein. Johann macht sich die Welt, wie er sie gerne haben möchte. Nur sprechen tut er nicht darüber.

Stattdessen macht er den gleichen Fehler wie eigentlich alle Figuren der Novelle – außer vielleicht Johanns Vater und deren Freundin, die pausenlos oberflächliche Gespräche über ihre langweilige Arbeit reden. Sie reden nicht.

Es wird einfach nicht gesprochen. Es gibt viele Momente in der Novelle, in denen klar wird, dass Johann eigentlich gerne mit Ludwig sprechen würde, sei es über seinen Vater, sei es über Vera, sei es über Marco. Aber Johann ist schon so weit in seiner Rolle als derjenige, der nicht die Initiative ergreift gedrängt, dass er es nicht wagt, Ludwig die Stirn zu bieten.

Der Beginn des Endes

Letztlich wird nicht genau gesagt, ob Ludwig von Johanns und Veras Verhältnis weiß, aber auch hier gibt es sehr genaue Hinweise dafür. Die ganze Veränderung, die Ludwig durchgeht und die Johann nicht versteht, ist nichts anderes als die Verzweiflung eines Jungen, der panische Angst davor hat, dass sein Zwillingsfreund ein eigenes Leben führen kann und letztendlich ersetzt und vernachlässigt wird. Und genau das will Ludwig nicht mehr, denn das hat er genug von seinem Vater und seiner Mutter bekommen bzw. eben nicht bekommen.

Bevor Ludwig Johann als einzigen Freund, einzigen Grund, wofür es sich zu leben lohnt, verliert, stürzt er sich lieber in den Tod. Der Gewaltausbruch gegenüber seiner Schwester, den Johann mal wieder versucht als ganz gewöhnliche Streiterei abzutun, ist nichts anderes als die Reaktion eines Jungen, der nie gelernt hat, mit Worten Konflikte zu lösen. In seiner Angst davor, dass Johann ihm weggenommen werden könnte, fügt er seiner Schwester Gewalt zu. Als auch das nichts nützt – und wir wissen durch das Licht, dass Vera weiter wartet – macht Ludwig das, was er angedeutet hatte. Er nutzt den einzigen Ausweg den er hat: Den Tod.

Bei der Motorradfahrt setzt er es in die Tat um: Er bremst nicht und er lockert seinen Helm. Der Helm wurde sogar von Johann aufgesetzt, eine symbolische Handlung in der sich zeigt, wie sehr Johann an der Freundschaft hängt. Für Ludwig aber ist es ab dem Moment vorbei, an dem Johann sich entschieden hat, mit Vera zusammen zu sein. Sein Abmagern, dass vor dem Finalrennen so weit geht, dass er sich als fast sterbend krank beschreibt, ist nicht anderes als Buße. Ludwig isst und isst und ihm zu zeigen, dass er noch Macht über ihn hat. Die einzig verbliebene. Die innige Umarmung, die nicht typisch für Ludwig ist – wie wir in einer weiteren Szene von Johann hören –  ist eventuell sogar schon als eine Art Abschied zu verstehen. Von seinem Freund und dem Leben.

Vera versteht dies, aber Johanns Loyalität gegenüber Ludwig geht bis über den Tod. Diese Ignoranz ist es auch, die Vera Johann verlassen lässt. Johann ist unfähig, das, was geschehen ist, zu reflektieren, was umso schlimmer ist, als das seine Gegenwart auch massiv davon getroffen ist.

Die Kontrolle Ludwigs zeigt in sehr melancholischer Weise, dass er sein Ziel erreicht hat, das schon am Anfang der Novelle erklärt wird: „Es gab uns nur noch im Spiegel von anderen.“

Das, was eigentlich für die Pubertät gilt, stimmt für Johann auch im Alter. Es gab und gibt ihn irgendwann nur noch im Spiegel von Ludwig, so dass er es nach dessen Tod nicht schafft, sich davon zu lösen.

Fazit

Einige Elemente – so z.B. sie symbolischen Verweise auf die Dinge, die hier angedeutet wurden (man denke an die ölige Katze, den Turm, das Motorrad, den Zweier ohne – und nicht zuletzt die Brücke und die toten Menschen), müssen zunächst mal beiseite gelassen werden. Bei Interesse lasst einen Kommentar da, dann werde ich sehen, ob ich dazu noch weiter schreibe.

Was festzuhalten bleibt ist die Konsequenz für eine Abschlussprüfung, die in diesem Falle nicht ganz einfach ist. Dabei muss man nämlich darauf achten, aus welcher Perspektive geschrieben wird.

Die Aufgabenstellung wird aus dem Bereich des produktiven Arbeitens kommen, was so viel bedeutet, als dass man nicht einfach über etwas schreibt, sondern dies so tut, als sei man Teil des Geschehens (also Tagebucheintrag, innerer Monolog, Rede oder Dialog).

Das bedeutet, dass es extrem wichtig ist zu wissen, aus welcher Sicht man schreibt. Schreibt man aus Johanns Sicht muss immer klar sein, dass er nicht alles versteht, oder aber die Dinge wie in der Interpretation beschrieben missdeutet. Vera hingegen kann man nach dem, was sie am Ende der Novelle sagt (Achtung: im Gegensatz zu den anderen redet sie mal Klartext), dass sie alles verstanden haben könnte. Ich denke nicht, dass man aus Ludwigs Perspektive schreiben muss, wenn dies so ist, muss man allerdings auch seine Verschlossenheit mit einbeziehen, was relativ schwierig ist.

Eine sehr offene Aufgabenstellung wie „Was denkt X über die gesamte Freundschaft?“ müsste also nicht die verschiedenen wichtigen Ereignisse aufzählen (obwohl dies auch wichtig ist), sondern vor allem bedenken, wer hier eigentlich spricht. Wenn Johann plötzlich alles verstehen würde, wäre dies eher unwahrscheinlich (es sei denn natürlich, dies würde in der Prüfungsaufgabe explizit gefordert).

So, nun hoffe ich, dass die Ausführungen nicht zu schwer waren und das sie denjenigen, die sie lesen, weiterhelfen. Falls Ihr etwas vermisst, fragt einfach per Kommentar an und ich werde die wichtigsten Fragen sammeln und versuchen, darauf zu antworten.

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[1] Wie alles, was man im Internet findet, ist auch dieses Dokument mit Vorsicht zu betrachten, da ich mich auf keine Sekundärwerke beziehen werde. Dies heißt, dass die Deutungsansätze allein aus meiner eigenen Sicht erklärt werden.

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70 Kommentare zu „Zweier ohne“ von Dirk Kurbjuweit: Versuch einer ganzheitlichen Deutung

  1. Lara sagt:

    Hallo Herr Blume,
    Ich glaube ihm Buch sieht man sehr deutlich das Johann sich vor dem Tod fürchtet und große Angst vor dem verlust seiner Eltern hat. Aber was ist den mit Ludwig ? Er scheint eher gefallen am Tod zu finden oder wie sehen sie das ?

  2. Lara sagt:

    Hallo Herr Blume,
    Ich glaube ihm Buch sieht man sehr deutlich das Johann sich vor dem Tod fürchtet und große Angst vor dem verlust seiner Eltern hat. Aber was ist den mit Ludwig ? Er scheint eher gefallen am Tod zu finden oder wie sehen sie das ?

    • Bob Blume sagt:

      Ja, das sehe ich auch so. Oder zumindest fasziniert es ihn zunächst. Zum Ende hin ist er förmlich vom Tod angezogen und man kann ja auch davon ausgehen, dass er Suizid begeht. Die Möglichkeit, so seinem Leben ein Ende zu bereiten, lernt er zuvor von den vielen Toten unter der Brücke.

  3. B.D sagt:

    Guten Tag,
    meine frage ist wie würdet ihr formulieren wie Johann mit seinen ängsten umgeht. Ich glaube er versucht sie mit ludwig’s Stärke und Mut zu überwinden indem er versucht so zu sein wie er. Bitte korrigieren wenn ich falsch liegen sollte. Danke

  4. Nora sagt:

    Hallo, Danke das sie sich die Mühe machen und das alles aufgeschrieben haben, das hat mir sehr geholfen und mir einen anderen Blick verschafft.
    Ich wollte Sie fragen was sie von der Interpretation halten ob Ludwig vielleicht Gefühle für Johan hatte? Also das er mehr als nur Freundschaft wollte. Wir haben nähmlich gerade das Buch im Unterricht und da kamen wir auch auf diesen Punkt.

    • Bob Blume sagt:

      Danke, das freut mich. Nun, ich denke, dass die beiden sehr starke Gefühle füreinander haben – allerdings nur freundschaftliche. Mit anderen Worten: Ich glaube nicht, dass Ludwig schwul ist. Auch der Autor selbst verneinte in einem Interview die Frage dazu…

  5. Sunny sagt:

    Hey ich muss von der Schule aus ein alternatives Ende schreiben und habe keine Ahnung wie ich das machen soll können Sie mir vielleicht helfen ? Danke im voraus

    • Bob Blume sagt:

      Das ist doch rune interessante Aufgabe. Kreativ. Das kann ich dir leider nicht abnehmen. Aber es würde mich interessieren, wie dein alternatives Ende aussieht. Wenn du auf etwas kommst, poste es doch.

  6. Manika sagt:

    Also wir hätten die Frage ob sie eventuell den Umgang mit Suizid etwas genauer erläutern könnten… Da bei uns dort viele Fragen offen sind…

  7. Fabian sagt:

    Hallo

    Ich benötige noch eine kurze interpretatierende Zusammenfassung und bewusste Erwähnung wichtiger Themen. Und noch die Personen welche im buch vorkommen auch erklärt.

    Ich wäre froh um einen raschen Bescheid.

    LG. Fabian

  8. Pingback: Agnes von Peter Stamm: Eine ganzheitliche Deutung | Bob Blume

  9. Judith sagt:

    Hallo ich hab eine frage ich muss eine Zeitleiste für die Schule machen aso für jedes Lebensjahr von Ludwig und Johann was aufschreiben von 11 bis 18 und danach aber ich finde nix von den Jahren 12 13 14 und 15 vielleicht können sie mir ja Dabei helfen danke im voraus

    • Bob Blume sagt:

      Es ist schon einige Jahre her, dass ich das schrieb. Aber so wie ich mich erinnere, gibt es über einiges nichts. Das wird übersprungen. Aber schau selbst im Buch. Es ist ein gutes. Liebe Grüße

  10. Marla sagt:

    Guten Tag!
    Ich habe das Buch privat gelesen und frage mich nun, warum Johann immer wieder betont, dass man (oder nur er?) nicht im Fluss schwimmen darf. Erst seit „vorigem Jahr“ (also seit dem Tod Ludwigs) soll das wieder möglich sein. Was würden Sie dazu sagen? Diese Information wird nicht zufällig vom Autor gegeben, da bin ich mir sicher.
    Ich hoffe, dass ich eine Antwort darauf finde!

    Liebe Grüsse!

    • Lele sagt:

      Das ist mir auch aufgefallen und ich habe mich dasselbe gefragt.

      Ich hoffe es gibt noch eine Antwort auf die Frage.

      • Bob Blume sagt:

        Es ist schon lange her, dass ich das Buch gelesen habe, deshalb weiß ich es nicht aus dem Stehgreif. Könnte ich die Seitenzahl haben?

        • Lele sagt:

          Es ist auf den folgenden Seiten erwähnt:
          S.10,S.15,S.134.

          • Bob Blume sagt:

            So, ich habe es mir mal angeschaut. Ich kann nur mutmaßen. Da kein Grund genannt wird, denke nicht an eine vom Autor so tief intendierte Bedeutung, dass sie über das Maß einer Assoziation heraus geht. Ich kann mich aber auch irren. Also: Dass in solchen Füßen aufgrund von Gefahrenstellen das Schwimmen verboten ist, ist häufig der Fall und eventuell aus der eigenen Erfahrung des Autors abzuleiten. Es hilft aber, den Handlungsstrang in Richtung des Zweier Ohne zu leiten, da schwimmen in dem, wie es ja heißt, geliebten See nicht geht. Ohne die Erwähnung auf der letzten Seite wäre es das dann auch schon. Da es hier aber heißt, dass man schwimmen könnte, sehe ich hier eine metaphorische Bedeutung; im Sinne eines „Freischwimmens“ nach dem Tod des geliebten Freundes, besteht nun die Möglichkeit, ohne einen anderen, einen Lenker, selbst zu bestimmen, in welche Richtung es gehen soll.
            Soweit meine Gedanken dazu. Ich hoffe, es bringt ein wenig weiter.

  11. Anna Pixner sagt:

    Also ich fand den Kommentar von Ihnen sehr spannend, aber ich denke doch dass es etwas zu negativ gehalten ist: Johann wollte einen Freund, aber er wollte dass der Freund zu ihm kam und nicht umgekehrt. Das war ihm sehr wichtig, und dadurch hatte er doch auch eine gewisse Macht, wenn es die andere Person ist, die auf mich zugeht, die sich bemüht, dann hab ich auch eine Macht über die Person. Zudem wollte Johann jemanden der „ewig“ mit ihm spielte, er wollte genauso eine alles verschlingende, ganze Freundschaft wie Ludwig. Und das mit Josefine…. Johann betont dass es wohl sein Drängen gewesen sei, dass Ludwig dazu bewogen hat das mit Josefine zu vereinbaren. Ich glaube nicht, dass Ludwig allein die Macht hatte oder haben wollte ich glaube viel eher dass Ludwig schwul war und in Johann verliebt. Daher hat das mit Josefine nicht so richtig geklappt und ihn frustriert und daher war das mit Vera so schrecklich für ihn. Er spricht selber nie von Mädchen, er scheint kein Interesse an ihnen zu haben. Ich glaube auch dass der Selbstmord (der sicher ein Doppelmord hätte werden sollen) geplant war, aber ich glaube nicht dass Ludwigs Vater arbeitslos war, hat er denn nicht Geld damit verdient die hergerichteten Motorräder zu verkaufen? Bzw es wird erwähnt dass jemand die Triumph zur Reparatur gebracht hat, wird wohl nicht der einzige gewesen sein. Ich glaub auch eigentlich nicht, dass sich die Familie nicht kümmert, es wird halt nicht viel gesprochen, aber dass zB Vera gern in der Werkstatt ist, find ich heißt was.

  12. T-Rex sagt:

    Hallöchen,
    erst mal vielen Dank für diese Deutung!
    Ich schreibe in 2 Tagen eine Arbeit über die Lektüre und kann mich zwischen Dialog, Monolog und Brief schreiben entscheiden was wäre deiner Meinung nach die beste Wahl ? Und welchen Text abschnitt kann man gut benutzen? Und wie lang sollte mein Dialog gehen ? 9.Kl Realschule

    Danke 😉

  13. Marcel sagt:

    Guten Tag, erstmals vielen Dank für diese tolle Deutung. Trotzdem hätte ich eine kurze Frage und zwar verstehe ich nicht ganz die Intention des Autors. Was möchte der Autor mit diesem Buch sagen?geht es nur um die Freundschaft die ab einen Moment zu weit geht oder auch noch um etwas anderes?

    • Bob Blume sagt:

      Die Intention des Autors herauszufinden, ist immer etwas Schwieriges, einfach deshalb, weil wir es nicht wissen können. Aber dein Ansatz ist gut: Ja, vielleicht will er zeigen, wohin eine übersteigerte Freundschaft führen kann. Vielleicht aber auch etwas anderes. Denn: Von wem kriegen wir nichts mit? Wer sollte eigentlich da sein für die Kinder und ihr Wohlergeben. Ich denke doch, die Eltern, die schweigen, nicht sprechen können oder einfach nicht mehr da sind. Es ist auch ein Plädoyer für die Kommunikation untereinander, sei es in der Familie oder zwischen Freunden. Denn nur wer über seine Probleme redet, vermag, sie auch zu lösen.

      • Marcel sagt:

        Vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Ich finde das echt sehr nett von Ihnen. Sie haben mir bei vielen weitergeholfen ..vielen Dank

  14. Sokol sagt:

    Denn nur wer versteht, was Ludwig dazu getrieben hat, sich selbst und seinen Freund umzubringen und warum Johann auch in letzter Konsequenz seinen Freund beschützt, kann man die gesamte Novelle verstehen. Entschuldigung das ich Frage aber ich will die antwort darauf wissen und allerletze frage was hat das Motorrad für ein Symbol ?

    • Bob Blume sagt:

      Die Frage ist ein wenig umständlich gestellt. Man könnte fragen: Was symbolisiert das Motorrad oder für was ist das Motorrad ein Symbol. Nun, es ist zunächst einmal ein Symbol für die Freundschaft zwischen den beiden, die nach Freiheit strebt. Letztlich ist es aber auch ein Symbol für den Tod und die Trennung. Was nun überwiegt, die Freiheit oder das Ende dieser durch den Tod, das musst du selbst herausfinden.

  15. Sokol sagt:

    Hey! Respekt an dich, sehr schöne und ausführliche Deutung. Das hat mir echt weitergeholfen, Vielen dank, gut dass es solche Menschen wie dich gibt. Ich hab eine Frage, wieso bringt sich Johann nicht um als Ludwig stirbt, wie man ja merkt ist diese freundschaftliche liebe zu Ludwig ja sehr stark. Das heißt eigentlich ja dann das Ludwig ja derjenige war der Johann mehr geliebt hat als Johann ihn oder ?

    • Bob Blume sagt:

      Danke. Das freut mich. Die Frage ist schwer zu beantworten, da man über nichts spekulieren sollte, dass sich nicht direkt aus dem Text ergibt. Sei es drum: Wie aus der Deutung hervor geht, ist Johannn für Ludwig der einzige Freund. Das beruht aber insofern nicht auf Gegenseitigkeit, als dass Johann mit Vera verdeutlicht, dass er andere Menschen mag. Er wird zwar beziehungsunfähig, aber hat die Kraft, weiterzuleben.

  16. Ruby sagt:

    Naja, ich weiß nicht ob er sie unbedingt gemocht hat. Also so wie es beschrieben war, war er nicht in sie verliebt oder so und viel über ihren Charakter hat er ja auch nicht wirklich gewusst. Aber natürlich kann man es einbringen. Daran kann man wieder einmal erkennen, wie sehr doch Ludwig Johann unter Kontrolle hatte.
    Ich bin in meinem eigentlich vorallem auf Ludwig eingegangen und auf die Eltern und auf Marco und auf Vera eben. Was hast du zur Begründung geschrieben, weswegen Johann in der Zukunft auch keine Beziehungen führen kann.
    Insgesamt habe ich 12 Seiten geschrieben.

  17. Sabrina sagt:

    Heute wurde ja die Prüfung geschrieben das Thema war innerer Monolog und man sollte die Bindungen zu Personen reflektieren ( oder so ähnlich ) Ich habe über Vera, Marco, Josephine und Ludwig ( ( nicht ausführlich sondern „nur“wie Ludwig alle Beziehungen oder die Freundschaft zu Marco beeinflusst hat)geschrieben. Ist es schlimm das ich Johanns Eltern nicht einbezogen habe, da sie eigentlich auch eine wichtige Rolle spielen ?

    • Ruby sagt:

      Hey, ich habe auch gestern die Abschlussprüfung geschrieben und mache mich deswegen total verrückt. Leider muss ich sagen, dass es soweit ich gehört habe schon als wichtig erachtet wird, dass die Eltern erwähnt wurden. Aber keine Sorge, wenn dir nur das fehlt, wird es sicher ganz gut werden. Ich zum Beispiel habe gar nicht Josefine erwähnt, weil ich finde, dass sie keine wirkliche wichtige Person für Johann war. Wie viele Seiten hast du geschrieben?
      LG Ruby

      • Sabrina sagt:

        Johann hat Josephine ja eigentlich gemocht und er hatte nur keinen Kontakt mehr zu ihr weil Ludwig gesagt hat er soll die Russenschlampe vergessen. Ich habe 4 seiten geschrieben

        LG, Sabrina

    • Bob Blume sagt:

      Wie du dir sicher denken kannst, kann ich leider nichts mehr sagen. Tut mir leid.

  18. Nina sagt:

    Eine wirklich sehr gute deutung des buches! mir wurde in einigen bereichen vieles klar und hoffe, dass ich es heute in er prüfung noch gut gebrauchen kann, vielen dank für die mühe, die sie sich gemacht haben:) liebe grüße

  19. Michi sagt:

    Ich bin wahrscheinlich spät dran. Morgen wird die Prüfung geschrieben & ich bin mir sicher das du dies nicht mehr lesen wirst bis dahin. Trotzdem, was hältst du von der Auffassung das Ludwig homosexuell war? LG

    • Bob Blume sagt:

      Kann sein, kann nicht sein. Tut meiner Meinung nach nichts zur Sache. Der Autor selbst verneinte das. Letztlich geht es ja um übersteigertes Kontrollbewusstsein. Ob sich das aus Homosexualität oder anderweitiger Zuneigung speist, finde ich nicht relevant.

  20. NASCHNERI sagt:

    hi 🙂
    ich hab ne frage wie kann ich zu den symbolen eigene gedanken draus entwickeln oder wie geh ich näher uaf diese ein … was haben sie für auswirkungen ? 🙂

    • Bob Blume sagt:

      Schwere Frage. 1. Überlegen, wie und wann man sie einbinden kann. 2. An einer Stelle einfügen, die sich anbietet.
      Z.B. Dialog zwischen Vera und Johann:
      Johann: Keiner hat sich ja um dich gekümmert, wie damals um deinen Kater, wie hieß er noch?
      Vera: Otto!
      (…)

  21. Janis sagt:

    Hey erstmal ein dickes DANKESCHÖN für deine Mühe! Es hat mir sehr weiter geholfen. 🙂
    Könntest du jedoch noch etwas genauer auf die Symbolik der „Metaphern“ (die ölige Katze, den Turm, das Motorrad, den Zweier ohne, die Brücke und die toten Menschen)eingehen?

    Mit freundlichen Grüßen
    Janis

    • Bob Blume sagt:

      Ich habe gerade nicht die Zeit. Vielleicht später. Kurz: Insgesamt heißt Symbolik ja immer, dass jemand oder etwas sich selbst als auch etwas anderes meint (im Gegensatz zu einer Metapher, die nur etwas anderes meint: Wenn ein Mann ein Bär ist, ist er kein Bär, sondern sehr stark).
      Die ölige Katze ist in den Kommentaren schon beschrieben.
      Turm: unrealistischer, gemeinsamer Glaube (Größenwahn und Realitätsferne)
      Brücke: Ort gemeinsamer Erfahrungen (Todesnähe, Verweis auf späteren Tod)

      Na, und das mit dem Zweier ohne solltet ihr in der Schule gemacht haben, oder nicht? Das ist ja zentral… Vielleicht später mehr.

      • Janis sagt:

        Danke, das reicht mir schon. 😀
        Und ja, hätten wir in der Schule tuen sollen, doch leider habe ich eine Lehrerin die es bevorzugte mit ihrem iPad zu spielen als uns zu unterrichten -> Selbst-arbeit. 🙁
        Vielen Dank trotzdem ^_^

  22. Amelie sagt:

    Hey ! Also erst einmal vielen danke, es hat mir sehr geholfen es noch einmal genauer zu verstehen, zudem denke ich es geht nicht nur mir so . Vieles was sie geschrieben haben kann man sehr gut als ein Zitat z. B in einem Dialog verwenden oder ? Ein Beispiel : Vera sagte :“Bevor Ludwig dich als einzigen Freund,einzigen Grund , wofür es sich zu Leben lohnt, verloren hätte, hätte er sich lieber in den Tod gestürzt“
    Geht das so ? 🙂 Danke schon mal .

    • Bob Blume sagt:

      Dankeschön. Das freut mich. Mehrere Dinge: Erst einmal muss klar sein, welche Form bei einem Dialog verlangt wird. Denn eigentlich fallen einleitende Worte wie „Sie sagte…“ aus. Man hat nur die Namen und einen Doppelpunkt. Aber das muss der jeweilige Lehrer wissen. Das andere: Klar könnte man das zitieren. Nur dann geht es eben noch weiter. Johann als Dialogpartner würde wahrscheinlich nachfragen und dann müsste man es erklären. Außerdem: Wie schon in der Deutung beschrieben, ist Vera wohl die Einzige, die derart durchblickt, was bedeutet, dass man bei den anderen aufpassen muss, was sie wissen (können). Liebe Grüße

  23. Dennis sagt:

    Hallo und vielen Dank für Ihre Informationen.
    Allerdings würde ich im ersten Absatz den Satz „[…] die in einem Selbstmord endet“ in „die mit dem Tod endet“ ändern. Die Frage, ob Ludwig sich (und Johann) umbringen wollte, ist ungeklärt. Das war das Ziel des Autors, viele unbeantwortete Fragen zu stellen.

    Gruß
    Dennis

    • Bob Blume sagt:

      Hallo Dennis,

      ein guter Kommentar! In der Tat könnten einige Interpreten dies ändern. Ich habe mich ganz bewusst für das Wort „Selbstmord“ entschieden, da ich davon ausgehe, dass die Indizien keine andere Wahl lassen. Dass es Johann nicht weiß und/ oder nicht glauben will, heißt ja nicht, dass es der Leser nicht herauslesen kann.

      Liebe Grüße

  24. Jasmin sagt:

    Hallo ich habe dringend eine Frage:
    Bei der Textstelle auf Seite 126 „Ich wollte ihm von Vera erzählen, blieb aber still. Man kann nicht in allen Momenten alles sagen. ER (Ludwig) klopfte mir auf die Schulter ich glaube, ich weiß was er meinte.“
    Da bin ich mir nicht sicher wie ich das deuten soll…

    • Bob Blume sagt:

      Gut gestellte Frage: „Ich weiß, was er meinte“ bezieht sich auf den Absatz davor. Dies bedeutet, dass Johann ihm eben nichts sagte, sondern einfach wieder einmal Ludwig zustimmt. Dies ist seine Schuld: Würde er sprechen, würde der Konflikt (vielleicht) entschärft.

  25. alice sagt:

    Bitte UNFALLBERICHT 😀
    ICH BRAUCHS BIS HEUTE !

  26. alice sagt:

    weil im buch sind die seiten ausgerissen wo es sich um den Unfall handlelt. Und es wäre nett wenn sie bitte einfach den Unfall kurz in 150 Wörtern beschreiben könnten!
    DANKE 🙂

  27. nathalie sagt:

    Könnten sie vielleicht zu diesem Buch zweier ohne einen kurzen Klappentext sagen !
    danke

  28. alice sagt:

    Das alles war sehr hilfreich für mich.
    Ich wollte nur fragen ob sie vielleicht die Szene mit den Unfall in 200 Wörtern präziser aufschreiben könnten 😀
    weil ich versteh nicht wie es zu dem Unfall kam.
    danke im voraus 🙂

  29. Alissa sagt:

    Ich fande Ihre denkanstöße sehr hilfreich, aber ich habe eine frage zu den „symbolischen verweise“ und zwar bin ich mir sicher das die ölige katze wichtig ist aber ich weiß ihr bedeutung nicht. Könnten Sie mir dabei helfen?

    • Bob Blume sagt:

      Ich denke, das kann ich. Die ölige Katze tritt immer mit Vera auf. Sie ist als verdrecktes Tier ein Zeichen dafür, wie die Familie sich gegenseitig vernachlässigt. Vera wird ja auch vom Bruder vernachlässigt, ignoriert, ja, sogar geschlagen. Das vernachlässigte Tier steht somit für die Problematik der gesamten Familie, insbesondere aber für Vera.

      • Alissa sagt:

        Danke das Sie mir geholfen haben 🙂

        • Bob Blume sagt:

          Bitte. Gerne. Wenn auch du mir helfen magst, einfach weitersagen…

          • alice sagt:

            Ich fand das alles sehr hilfsrecih.
            das hat mir sehr weiter geholfen.
            Ich wollte nur fragen ob sie vielleicht den Motorradunfall in 200 Wörtern vielleicht präziser schreiben könnten. wenns geht 🙂
            DANKE IM VORAUS 😀

          • Bob Blume sagt:

            Ich bin unsicher, auf was genau die Frage zielt… Schau dir an, wie Johann den Unfall beschreibt und frag dich, was er auslässt oder selber nicht versteht. Z.B. in Bezug auf das Schließen des Helms. Man muss schon auch am und mit dem Text arbeiten. Nur durch Texte über das Buch geht es nicht.

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