LITERATUR: Frohe Schreinachten

Knochen brechen unter Ächzen
Aus den trocknen Mündern schallt
Elendes und schrecklich Krächzen
Blutig-triefende Gewalt

Mütter schlagen mit den Hufen
Väter sind in Zornesröte
Kinder schluchzen zwischen Kufen
Und so mancher hat nun Nöte

Versandhäuser schinden Kräfte
Kerzenduft erfüllt den Hals
All die Götter, all die Mächte
Zwischen Schokoladenschmalz

Rasend rennen runde Rocker
Über Leichen aus Papier
Keiner lässt beim andren locker
Und aus Mensch wird saures Tier

Das Glück tropft aus der dicken Gans
Die Fett und tot im Feuer steht
Der Nachbar beißt des Hundes Schwanz
Als dieser nach Geschenken fleht

Familie heißt auch Folterkammer
Ein jeder reißt den Mund entzwei
Statt Messer bräuchte es ein Hammer
Dann wäre dieser Brauch vorbei

So nennt man es, wenn jeder schreit
Die Weihnacht der Besinnlichkeit
Uns später sagt man: Es war schön
Und möchte wieder feiern gehn.

Foto Thomas Clemens

Dieser Beitrag wurde unter Literatur veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.