LITERATUR: Der Bär

Alle wussten sie es. Alle glaubten daran. Doch es gab, eigentlich, niemanden, der es schaffte, es zu tun. Dabei wäre es so einfach gewesen. Man musste, und dass wussten alle, nur den Bären um Erlaubnis fragen. Doch das war nicht so einfach. Der Bär konnte ja schlafen. Oder aber, wenn man ihn anträfe, würde er eine andere Sprache sprechen als man selbst. Und dabei wusste niemand, ob der Bär überhaupt sprechen konnte. Es gab entsprechend viele Gerüchte. Denn das war es ja, was alle wollten. Mit dem Bären sprechen, ihn um Erlaubnis fragen. Doch es war zu schwer. Außerdem war es ja zu kalt in der Höhle, die eigentlich gar keine war. Sie war ein ganz anderes Land, das alle kannten. Und dann war da ja noch die Dunkelheit und natürlich hatte keiner Licht. So vergingen die Jahre und keiner wusste, ob der Bär Erlaubnis geben würde. Immer wenn der Bär kam ein Tier zu fressen, das unvorsichtig genug war, sich ihm zu nähern, waren alle ruhig. Und auch sie wurden immer hungriger, denn sie hatten nicht um die Erlaubnis gefragt, zu essen. Alle waren sie tot, bevor sie erkennen konnten, dass auch sie Bären waren.

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Ein Kommentar zu LITERATUR: Der Bär

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