Miley Cyrus’ selbstreferentieller Größenwahn

(Man stelle sich ein Copyright geschütztes Bild eines ehemaligen Teenie-Stars vor)

Wir dürfen begeistert sein! Nach dem jetzt schon legendären VMA Auftritt des einstigen Kinderstars Miley Cyrus dürfen wir wieder einmal dabei sein, wie ein von der kollektiven Goutierung verwirrter Star und an seiner autoerotischen Erhebung teilhaben lässt. Was dabei herauskommt, ist zwar nicht ästhetisch wertvoll, aber eine wertvolle Referenz in die griechische Mythologie.

Es ist doch etwas daran, dass man sich seine Meinung bilden kann, wenn man, das Boulevardblatt aufschlägt. Ein träger Philosophie-Student könnte mit dem Untertitel „…als Spiegel der Gesellschaft“ bestimmt bei einem Hauptseminar punkten. Der echauffierte deutsche Nasenrümpfer konnte sich nach einem Link auf Bild.de selbst ein Bild davon machen, wie weit die Disney-Dame mit ihrer pornografischen Eigenkastration geht.

Das ist dabei durchaus wörtlich zu verstehen, da Cyrus hier das fortführt, was in Zeiten der reaktionären Wiederbelebung von Rollenklischees besonders gut funktioniert. Sie kastriert (lat.: castro, castratus für schwächen, berauben, entnehmen, entkräften) sich selbst, indem sie sich in den Status des selbst ernannten Objekts männlicher Begierde erhebt. Die weiteren Fotos auf der Seite terrysblog.com desavouieren dabei allerdings den kläglichen Versuch der subtilen Zurschaustellung als plumpe Selbstgeilheit.

Dabei ist es nicht der Sohn des Flussgottes, der sich in sein Spiegelbild verliebt (wobei man dem Teenie die ein oder andere „Metamorphose“ doch wünschen würde). Die Cyrus, deren leckende Zunge ja vor nichts mehr halt macht, gibt dem Kulturhistoriker Lasch Recht, der schon vor mehr als 30 Jahren den Narzissmus als gesamtgesellschaftliches Phänomen erklärte.

In Zeiten, in denen die virtuelle Anerkennung, geäußert durch den schnellen Klick oder die Weitervermittlung per Kurzbotschaft längst die Zahlungseinheit der per se selbstreferentiellen Prominenten geworden ist, erscheint der Schritt in den Schritt (welch Wortspiel) durchaus konsequent. Vorbei die Zeit, in der Paparazzo das Leid in scheinbar spontanen Bildern festhalten sollten, wie der alte Kinderstar Britney Spears es tat.

Umberto Ecos Globalkritik am „trägen Publikum“, dessen ideale Nahrung das Kitscherzeugnis sei, erscheint sogar in der Kritik der selbst ernannten Schönheit. Der Diskurs frisst seine Kinder und die Kinder lassen Fotos von sich machen.

Vielleicht geht es natürlich auch nur um die Unterhaltung, den „lustvollen Horror“ (Edmund Burke) des an den virtuellen Voyeurismus gewöhnten und ob seiner ewigen Wiederholung gelangweilten Publikums.

2013 Jahre nach Ovid haben wir endlich wieder eine gelungene Bedrohung, die uns zuruft: „Wenn schon denken, wir sind die größten, besten, stärksten, dann doch an einen Teich gehen, an dem nur wir uns sehen.“

Aber auf der großen Weltbühne ist das mittlerweile egal. Da erscheint der selbstreferentielle Größenwahn aus der vervielfältigten Maschine und alle reden darüber, entweder, weil sie es verabscheuen oder weil sie begeistert sind. Wir dürfen begeistert sein!

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2 Kommentare zu Miley Cyrus’ selbstreferentieller Größenwahn

  1. Frank Pauly der Große und Einzigartige sagt:

    Bob, Du fehlst echt bei facebook……

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