Wo sind die konservativen Unsympathen?

Nach einem traurig höhepunktarmen TV-Duell, das einen Unterhaltungsmoderator als Gewinner entlässt, sind die meisten Wähler und Nicht-Wähler wieder so schlau wie vorher. Was Deutschland fehlt ist eine demokratische, unsympathische Konservative.

Es ist schon bezeichnend, dass das erste, was man öffentlich von Moralprediger Günther Grass nach seinem kritischen und irgendwie unnützen Israel-Gedicht hört, die Adelung von Stefan Raab als Polit-Journalist ist. Oder dass der Höhepunkt eines Retorten-Duells im Schatten einer Großen Koalition die Kommentare der virtuellen @schland – Kette von Angela Merkel auf Twitter sind. Man wird das Gefühl nicht los, dass wir alle ein bisschen Merkel sind. Unaufgeregt, stur, souverän und gelangweilt.

Dabei können weder Feuilletons noch der Wahl-o-Mat helfen. Bei den ersten etabliert sich der Grundtenor, dass zuhause zu bleiben doch irgendwie das bessere politische Understatement ist, als eine der im Gleichschritt gehenden etablierten deutschen Parteien zu wählen. Die Piraten gehen ja irgendwie auch nicht mehr, seitdem man feststellen musste, dass selbst die Wahl eines Vorsitzenden in der Basisdemokratie schon eine Überforderung feststellt.

Beim Wahl-o-Mat ist es ein wenig wie in den Fetzen des Politikbetriebs, die man als Normalsterblicher über die Medien mitbekommt. Man kann schon irgendwie was damit anfangen, aber am Ende sind sich dann doch alle einig. Nur die Herleitungen unterscheiden sich – milimeterweise. Dabei ist eigentlich alles so einfach.

Immer, wenn sich ein Horst Seehofer aus den Tiefen der süddeutschen Steppe meldet, freue ich mich neuerdings ungemein. Endlich ist da jemand, den man unsympathisch finden kann, endlich jemand, dem man widersprechen kann und möchte. Gerüchteweise geht es in einer Demokratie ja darum, dass man die Dinge anspricht und ausdiskutiert.

Wenn aber alle irgendwie der gleichen Meinung sind, ist es schwierig, herauszufinden, wo eigentlich die gesunden Bruchstellen und Unterschiede liegen, die einen zumindest sagen lassen: Die wähle ich nicht!

Vorbei die Zeiten, in denen die Wahlkämpfenden sich gegenseitig ins Wort vielen und sich gegenseitig mit obskuren und unglaublichen Wahlversprechen überboten oder sogar beleidigten.

Sogar ein Guido Westerwelle, vormals der Inbegriff des populistischen Technokraten hat sich in die staatsmännische Haltung der Neutralität zurückgezogen.

Es wird Zeit, dass die Parteien sich daran erinnern, dass es in einer Partei verschiedene Positionen gibt, die auch über die PKW-Maut reichen. Für diese Wahl ist es zu spät, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass es irgendwo noch genügen unsympathische, ignorante Typen gibt, die konservativ genug sind, um sich in ihrer Partei zu etablieren und mir die Wahl etwas einfacher zu machen.

Alles andere wäre irgendwie zu… Merkel. Und davon haben wir im Augenblick genug – in allen Parteien.

Dieser Beitrag wurde unter B-Logbuch veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.