Lustiger Unterhaltungsrassismus 2.0

Die „Reality Queens auf Safari“ für die kleinen Führergestalten und Fernsehzombies

 

Es lässt sich nicht mehr schön reden. Alleine in diese Sendung zu schalten ist eigentlich nach spätestens 2 Minuten ein Diskreditierungsmerkmal für jeden Zuschauer. Aber im Geiste des Forschers schaute ich doch ein wenig zu.

Was dort an intelligenzfreiem Schrott aus den Plastikbrüsten der Z-Prominenz tropft, ist eigentlich unbeschreiblich. Aber neben einer Lebensauffassung, die einen Bewohner der sogenannten zivilisierten Welt fragen lassen muss, wie diese Kapitalismusopfer auf Stöckelschuhen es überhaupt schaffen, so zu kommunizieren, dass andere Menschen sie tatsächlich verstehen, sind die Äußerungen zum Teil von so himmelschreiender boulevardverseuchter Ignoranz und Naivität, dass man die RTL-Verantwortlichen schon einmal fragen müsste, ob sie hinter dem in der Sendung geäußerten Stehen können.

Damit ist nicht der geistige Dünnschiss, der bis ins verbale Schlammcatchen ausartet, der von den Möchtegern-Prinzessinnen geäußert wird, gemeint, sondern die in eine andere Zeit passenden Urteile über die Massai (wie passend, dass die RTL-Sendungen dort gedreht werden, wo sie deutschen sowieso gute Verbindungen haben, zumindest mit den Menschen, die die Nachfahren der Genozide im Kaiserreich sind – aber das nur am Rande).

Die hier nicht namentlich genannten Fernsehprostituierten (die Namen würden sowieso nur denen was sagen, die mit Sicherheit keinen Blog lesen – bzw. überhaupt lesen können) müssen wie in jeder Sendung dieses Formats nicht nur bei jeder Gelegenheit ihre Brüste in die Kamera hängen (begleitet von der Einblendung diverser Tierfotos und passenden Furz oder Gähngeräuschen), sondern auch Aufgaben mit den afrikanischen Ureinwohnern machen.

Das sagt die eine: Sie mache es so traurig, dass die Kinder Fliegen in den Augen haben und dass sie in einer solchen Armut leben. Freilich in einem Dorf, in dem die dort lebenden Massai im Landesvergleich am besten leben. Nachdem einer Fernseh-Barbie mitgeteilt wurde, dass sie Kleidung der Massai anziehen sollen, lautet der O-Ton einer Barbie:

„Ich muss das anziehen. Die waschen das ja nie. Ich nehme erstmal das Sakrotan mit, damit ich mich komplett damit einsprühen kann. Sonst krieg ich noch die Krätze oder so.“

Solcherlei Kommentare folgen von RTL unkommentiert, was ja irgendwie Konsequent ist. Dass hier solche unheimlichen Stammtischweisheiten von Frauen artikuliert werden, die sich auch noch für Überlegen halten, müsste als Angriff gegen die menschliche Würde eigentlich direkt vors Verfassungsgericht.

Und zwar was die Haltung der Teilnehmer gegenüber einer anderen Kultur angeht, als auch der des Senders, die mit diesem hirnverbrannten sexistischen und stupiden Vergewaltigung aller Sinne nicht weniger betreibt als Unterhaltungsrassismus 2.0. Hier wird auf allen Ebenen ein Weltbild vermittelt, dass eigentlich seit 90 Jahren Teil der Geschichtsbücher sein müsste. Aber für die Quote muss es ja sein.

Ich hoffe inständig, dass ich nie im Leben, wenn ich abends durch die Stadt gehe, einem Mob von den Menschen begegne, die diese Sendung mit vollem Ernst schauen. Ich würde um mein Leben rennen.

Ich hoffe inständig, dass ich jetzt keine Werbung gemacht habe. Aber ich denke, selbst wenn ihr es versuchen würdet, nach einer Zeit kommt es einem so vor, als wäre man mitschuldig am totalen Verfall der Fernsehkultur und deren einhergehendem stinkendem Wiederauftauen von Klischees über alles und jeden.

Und nebenbei zeigen die Aufnahmen der stirnrunzelnden Massai, dass man sich als Deutscher dafür schämen muss, das solch ein geballter Hirnausfall Deutschland repräsentiert.

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