BERICHT: Ich bin (k)ein Berliner

Völlig stereotypische Ansichten eines Berlin-Touristen

Ich stehe früh morgens mit meiner Frau auf. Die Berliner sind älter als ich dachte, gerade zu antiquarisch.

Stelle fest, dass ich noch in Freudenstadt bin. Die Vorfreude steigt und wir beide in den Zug ein.

Noch sind alle funktional angezogen.

Die Zugfahrt wird nicht langweilig, solange die Telefonate UNGLAUBLICH LAUT sind. (Ich erkläre dies feierlich als Ankündigung der Großstadt und lache über meine kleinstädtische Kitschphantasie)

Ich nehme mir fest vor, über die Zugfahrt keinen Blogeintrag zu schreiben.

Ich schreibe einen Blogeintrag.

Ich wünschte ich könnte im Zug so gut schlafen wie meine Frau und hoffe, dass es nicht an mir liegt. Dass SIE schläft.

Wir kommen in Berlin am Bahnhof an. Voll toll.

Das Hotelzimmer sieht aus wie ein Hotelzimmer. Von hieraus sieht man den Reichstag und fertig aus (von der Reise).

Wir gehen in den Quatsch-Comedy-Club, der lustiger ist als sein Name und essen überteuerte Antipasti. 

Des Weiteren: Touristenattraktionen.

Über den Dächern Berlin sieht man Berliner Dächer und kommt nicht mehr vom Fernsehturm runter (Stau; Fernseher gibt es auch nicht).

Die alte Dame sagt, sie habe mit Lars von Trier studiert.

Habe Angst, auch von ihr traumatisiert zu werden und plötzlich genitalverherrlichende Filme zu drehen.

Nehme mir fest vor, nicht darüber im Blog zu schreiben.

Wo sind denn die ganzen alten Leute hin?

Nach London-Style haben sich 80% der Mädchen von genitalverdeckenden Oberschürzen verabschiedet und tragen die schwarzen Leggins ohne Rock und Würde.

Die alte Frau scheint mich doch angesteckt zu haben.

Stilfindung auf Berlinerisch: Ich darf kein ironisches Statement darüber machen, wie ich aussehe, und verbanne die Ironie hinter die Ironie. Klappt nicht.

Auf der Mauer bei der East-Side Gallery steht, die Mauer soll wieder aufgebaut werden. Er könnte auch immer drum herum gehen.

Abends einchecken. Das Deutsch der spanischen Hotelangestellten hat ein wenig deutschen Einfluss.

TODESSCHRECK. Wir haben den Willkommenstrunk nicht getrunken. Und jetzt ist es zu spät.

Der beste Abend: Mit echten Berlinern (aus Hagen). Wir haben die völlig neue Idee, „Somebody that I used to know“ aufzunehmen und sind damit 5 Jahre hinter der Zeit.

Das wird in Freudenstadt der Renner.

Sehe das Video und weiß, dass man nicht alles zeigen muss (Siehe Lars von Trier).

Wir stehen früh morgens auf. Freudenstädter sind jünger, als ich dachte.

Sind noch in Berlin. Zurück in die Bahn.

Schlafen. Aus dem Fenster gucken. Dicker Mann mit Atemstörungen. Frische Luft.

Schwarzwald. Und der Gedanke: Wir hätten den Willkommenstrunk noch trinken können.

Ironischer Kommentar des Berliners: Schokolade ist Gottes Antwort auf Brokkoli (Oranienstraße).

Ich nehme mir vor, keinen Blogeintrag über Berlin zu schreiben.

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