ANALYSE: „Mach dich mal locker mit dem Mund“ – Germany’s Next Top Model ist zurück und diesmal sogar noch näher

Die Show beginnt frei nach dem neuen Motto „Closer than ever“, das zwar von den meisten Teenagern, die auf Pro Sieben die neue Serie „Deutschland sucht die Salatqueen“ nicht verstanden wird, aber einen tollen Hook bildet. Außerdem ist die Show ja auch „by Heidi Klum“, obwohl man ihre Wohnung nie sehen kann.

Die Show beginnt spektakulär, also fast.

Kinderaufnahmen von unserer Heidi werden gezeigt, während eine hochgepeitschte nasale Stimme unserer Weltberühmtheit darüber referiert, wie normal sie mal war. Und dann aber stand ihr „Die Welt offen“ und sie wurde zu den „meist fotografierten Menschen der Welt“. Na immerhin. Ist schon ganz schön nah, also close.

Die Show ist natürlich revolutionär, weil die Damen diesmal vorgecastet wurden und sich nicht zuvor lächerlich machen müssen. In einer dramatischen Sequenz wird zuvor ein Mädchen aussortiert, die einen Zentimeter unter den in der Modewelt vorgeschriebenen 1,76 Metern liegt. Für diese Person ist die Sendung nicht mehr so close und auch nicht than ever. Schade.

Ab dann wird es spektakulär. Die Mädchen werden direkt aus ihrem „alltäglichen“ Leben geholt, so dass man sich als Zuschauer schon fragt, wer dieses neue, glamouröse Format überarbeitet hat. Es ist alles so… Nah!

Beim Bandmitglied Marie (16) ist man sofort froh, dass sie in der Band nicht singt, sondern ab nun die äußeren Werte zählen. Die Stimme überschlägt sich wie bei jeder Silbe. Die Kratzbürste. Wie süß!

Bei der Show werden direkt perfekte Posen eingeblendet, was natürlich die Spannung herausnehmen würde, wenn man jedes Gesicht nicht sofort wieder vergessen hätte, als es zwischen die Haute Couture geklemmt auf der Treppe posiert.

Leonie wird direkt aus der Schule geholt. Schön, auch sie hat einen Sprachfehler

„Komplett spontan“ nimmt Heidi noch ein Mädchen aus der Klasse mit, was endlich zeigt, dass doch nicht alles geplant ist. Sowas von spontan und „closer than ever“ eben.

Die Tochter der Bäckerin wird direkt aus der Backstube geholt. Bald wird sie genug Geld haben, um ihr kleines Pickelproblem zu beheben.

Jacqueline wird von den Regalen weggeholt. Scherz. Direkt aus der Kirche… Und wieder einmal können wir froh sein, dass die Kandidatin nicht singt und ihr Theologiestudium zunächst einmal nicht beginnt. Obwohl bei Letzterem nur die Seminaristen unter der Stimme zu leiden hätten.

Besonders schön ist die martialische Musik, mit der die professionellen Videoaufnahmen der Mädels untermalt werden. Tam Tam! Wagner hätte sich gefreut.

Die Mädchen tragen Haute Couture im Wert von 30.000 Euro. Bei so vielen Kleidern macht das mindestens 20 Euro pro Kleid. Dann das erste Highlight.

„Andreas Ordner ist ein fester Bestandteil des Modelbusiness.“ Und so darf die obligatorische Jacke, die seine Fasson unterstreicht. Schön sieht er aus, der Herr Fotograf.

Marie darf das rote Kleid tragen, Neid kommt auf. (Stimme aus dem Off: „Neid!“). Immerhin haben die anderen keine so nervtötende Stimme.

Endlich ein Lichtblick, als die Mutter der Kickboxerin Christine dazu kommt. Denn sie könnte gut und gerne als 70er Jahre Double von David Bowie arbeiten.

Schön ist, dass sie findet, dass alles wie im Film ist. Ist ja Fernsehen. Also fast wie im Film, nur, Sie ahnen es: Näher. Als. Jemals.

War Humor bisher nicht so die Stärke der ersten Serie, muss nun auch der Zuschauer verzückt über die Aufforderung Heidis und ihres fotografierenden Pinschers schmunzeln. Da denkt man eher an ein anderes Format:

„Mach dich locker mit dem Mund“ und „Sei lockerer im Mund“ heißt es da. Bringt zwar nicht viel, aber wir haben wieder einmal was fürs Leben gelernt.

Die Kirchenmaus nimmt es wörtlich und das erste Weinen beginnt. Es werden noch einige Tränen rollen, soviel sei verraten. Muss aber auch sein, da alles so nah, so intim und mitreißend ist.

Besonders herzzerreißend ist dann die musikalische Untermalung bei den Wackelkandidatinnen, die ungefähr so entspannt sind wie Ferkel vor der Schlachtung. Nur quieken tun sie nicht. Das überlassen sie den Dubai-Fliegerinnen. Diejenigen, die es nicht schaffen, überraschen mit besonderen Aussagen: Eine Kandidatin sagt, sie habe sehr gekämpft, um dort hinzukommen. Was auch immer kämpfen in diesem Fall bedeutet. Man ist doch irgendwie gerührt.

Da ist man froh, dass man wieder zu den Lieblingstieren der Deutschen schalten kann, denn so ein fettes Walross entschädigt doch für eine ganze Zeit Magersucht-TV.

Während die besonders Fotogenen schon in den Bus können, geht es den „Wackelkandidaten“ an die Gurgel. Und dann kommt eine Einzige nicht weiter, was wirklich gemein ist.

Dubai ist dann total toll. „So von der Architektur her. Nicht so zack, zack, zack, sondern halt voll anders.“ Und im Hotel darf dann offiziell geschrien werden. Und dann darf noch über das „bisherige Leben“ referiert werden. Jetzt ist natürlich alles anders. Modelmäßig und so.

Bisher wurden natürlich sehr viele gemeine Dinge gesagt. In Wirklichkeit bin ich natürlich ein Fan. Ich gebe es zu. Und jetzt, wo es zu ersten Show geht, werde ich mich natürlich völlig der Show widmen…

Die ist diesmal so anders. So… Nah. Irgendwie „Closer than ever.“

Dieser Beitrag wurde unter B-Logbuch, Bildung veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.