Die Jugend von heute

Es gibt so Tage im Alltag eines Lehrers, da kommt man nach Hause und ist mehrere Jahre gealtert. Man ist so fix und alle, dass man es kaum noch schafft, sich auf die Couch zu legen. Im Halbschlaf versucht man immer wieder, den Tag von sich zu schütteln und zu überlegen, was man hätte besser machen können.

Was war passiert? Eigentlich nichts, nur der übliche Wahnsinn. Man bereitet vor, freut sich auf eine oder mehrere spannende Stunden und muss einsehen, dass die Schüler alles, aber auch wirklich alles interessiert, außer die Stunde des Lehrers.
Und da ertappe ich mich schon, wie ich ins Lehrerzimmer gehend und über die Standpauke nachdenkend lamentiere: Die Jugend von heute interessiere sich für gar nichts mehr. Sie sind nicht begeisterungsfähig, haben keine Lust, hören nicht zu. Sie machen nicht das, was sie sollten, starren, lachen und so weiter und so fort.

Stimmt das? Langsam aber sicher beschleicht mich während meiner Heimfahrt das ungute Gefühl, wirklich gealtert zu sein. Bin ich schon so weit, dass ich mich über die Jugend von heute echauffiere? Bin ich einer von den Rumnörglern geworden, die die ganze Zeit darüber reden, dass es früher alles besser war? War es besser?

In meiner Erinnerung habe ich mich hier und da für die Dinge, die in der Schule besprochen wurden, interessiert. Auf der anderen Seite: das langweilige werde ich mir auch nicht gemerkt haben.

Bin ich langweilig geworden?

Vielleicht ist heute auch so ein Tag, an dem ich nicht über die Jugend von heute, sondern über das Alter von übermorgen nachdenken sollte und nachsichtiger mit mir und meinen Schülern sein.

Oder doch nicht? Ne, ne, ne. Die Jugend von heute.

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Ein Kommentar zu Die Jugend von heute

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