BERICHT: Hinter den Kulissen des Tigerentenklubs

Am frühen Dienstagmorgen war es soweit. Die 6. Klasse hatte auf diesen Tag hin gefiebert, ein paar Fragen des Moderators geübt und eine Tanzchoreographie einstudiert. Man kommt ja auch nicht alle Tage ins Fernsehen. Ich war die Lehrkraft, die am Ende in einen großen Bottich mit Wasser getaucht werden sollte. Und wurde.

Nachdem der Bus, bedingt durch Nebel und volle Straßen, auf dem SWR-Gelände zum halten kam, war die Spannung greif- bzw. hörbar, da alles durcheinander redete und sich darüber austauschte, was nun wohl kommen sollte. Knapp einem Tinnitus entgangen, machten wir uns in die spärlichen, mit Bildern von vermeintlichen und wirklichen Stars und Sternchen behangenen Katakomben der SWR-3 Studios.

Obwohl das Studio relativ klein war, war es nichtsdestoweniger ein interessanter Anblick, da man durch die Türen in die Regie schauen und die noch nicht bewegten Bilder, die hinterher auf dem Bildschirm flackern sollten, sehen konnte. Das, was man hinterher von der Regie hörte, war nicht weniger spannend: „Genau so! Und die 5 dann nach oben raus. Ja! Und dann die 4 rein! Was? Ja, klar! Fertig?“

Gleichzeitig war das Ganze jedoch auch eine große Desillusionierung, vor allem für jene Schüler, die den Zynismus der zuerst freundlichen, dann jedoch zunehmend entnervten Moderatoren über sich ergehen lassen mussten.

So sagte die Moderatorin nach einer Rechenaufgabe: „So, eine Stelle hinter dem Komma gerechnet?“ Und dann auf ihre Karte schauend: „Wohl doch nicht.“ Der entgeisterte Gesichtsausdruck des 12-jährigen Spielers musste ihr dann aber wohl entgangen sein. Fraglich auch, warum der mitmoderierende und kläglich Freude zur Schau stellende Moderator dem kleinen Jungen des anderen Teams die Frage nach seinem Lieblingsspieler in Deutschland nochmals fragte, obwohl der ihm schon in der Probe zu verstehen gegeben hatte, dass er in Deutschland keinen habe, sondern Ronaldo oder Messi bevorzugte. Dies wiederum ließ er ihn nicht sagen, sondern fügte nur mit einem lang gezogenen „Mmh“ an, dass es dann wohl Messi sei. Gott sei Dank gab es den netten Regieassistenten, der die Kinder ernst nahm und sie für die Aufzeichnung heiß machte.

Meine Mitstreiterin, eine Lehrerin von einer Werkrealschule in Ulm, musste nicht mehr heiß gemacht werden. Sie hatte, so schien es, mit ihrer Klasse nichts mehr anderes gemacht, als auf diesen Tag hin zu arbeiten. Da kam ich mir, mit ihr zusammen in einem kleinen Unterschlupf, auf den die Kamera dann und wann schwenkte, doch schon etwas fehl am Platze vor. Ich hatte nämlich nicht geübt, geschweige denn wusste ich, was auf mich zukam.

Was dann kam war jedoch relativ harmlos. Da die Moderatoren einen unheimlichen Spaß daran hatten, mich, Bob Blume, beim vollen Namen zu nennen, folgte noch ein kleiner Dr. Bob Blume, der Lehrer dem die Lehrer vertrauen Witz, da der Moderator seine Pflanzenanspielung aus der Pause wohl doch wieder über den Haufen geworfen hatte.

Die Kinder waren mit Feuereifer dabei, und als es sich am Ende, dem Grande Finale, bei dem die Kinder auf einem als Riesentigerente mutierten Ochsen um ihr leben ritten, abzeichnete, dass beide Lehrer ins Wasser fallen würden, nahm ich das Schicksal einfach an. Die Fragen, die mir gestellt wurden, konnte ich mit Glück und Gottes Hilfe noch beantworten und am Ende schäumte sowohl Haar als auch Hose. Der wirklich nette Sänger Chima, ein Frankfurter Künstler, ehemals Rapper und nun deutscher Sänger, war dann auch noch von meinem Namen fasziniert und fragte, ob er dies auf Facebook posten könne. Darf er. Faszinierend. Es wäre ein schöner Tag gewesen, wenn nicht noch zwei Stunden Busfahrt gefolgt wären.

Aber auch die waren irgendwann vorbei und so ein akuter Tinnitus geht ja auch irgendwann wieder vorbei, oder? Was? Was? Was? Egal!

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