ESSAY: Rezensenten der Superlative – eine Rezension


Achtung: dieser Text hat weder einen wirklichen Höhepunkt, wenn man vom Ende absieht, noch ist er lustig. Nur bei absoluter Langeweile lesen!

Soll ich lieber den neuen Batman sehen oder doch Spiderman? Soll ich mir den Herrn Kerkeling ins Regal stellen als imaginären Schritt in Richtung Jakobsweg und Beweis an Besucher, dass doch noch etwas Spiritualität in mir ist? Oder soll ich mich doch für den neuesten Thriller entscheiden, dessen Cover durch die in riesigen Lettern auf das Buch gestanzten Buchstaben des Autornamens erschreckender ist als das Buch selbst? Die Antwort erfordert eine Entscheidung, die uns in dieser Welt eine ganz eigene Berufsschicht beschert hat, dies freilich schon seit dem 18. Jahrhundert und in Teilen davor: die Rezensenten.

In der Zeit von Kant, Goethe und Schiller und auch schon im frühen 18. Jahrhundert maßten sich die selbst ernannten Erklärer des guten Geschmacks an, zu wissen, was das Volk begehrt. Sie verurteilten im Namen der Kirche moralisch verwerfliche Literatur als Schund und Höllenkram und preisten die neuesten, auf den richtigen Weg bringenden Werke als Heilsbringer für was auch immer sie benötigten: Herrschaftsglaube, Religionsbewusstsein, Aufklärung, Individualität. Die Zeiten sind Gott sei Dank vorbei, mag da mancher meinen. Leider ist es jedoch schlimmer geworden. Waren damals viele der Kritiker – denn die Kritik als solche wurde als die gesamte Kulturlandschaft prägender Begriff auch in der Aufklärung definiert – selbst Schriftsteller, die durch das Studium der verschiedenen griechischen und lateinischen Werke eine möglichst breite Bildung als Grundlage vorweisen konnten, scheint es, dass der heutige Kritiker nicht mehr leisten muss als einen Schnellwaschgang der Phrasen, die, je abgedroschener sie sind, den Film, das Buch, das Spiel auf den ersten Rang erheben sollen. Nun ist dies hier keine Kritik der Werbung, obwohl sich so manche Kritik als eben solche liest. Wenn jedoch Werbung und Kritik, die auf der Grundlage des sich auskennenden Kritikers entsteht, zusammenfallen, bedeutet dies zwangsläufig totale Willkür.

In einer Zeit, in der jeder etwas zu jedem und über jedes sagen kann, ist es per se schwierig, die fundierte von der nicht fundierten Meinung zu unterscheiden. Die einzigen Fixpunkte, die bleiben, sind institutionalisierte Medien, deren Kritik nicht nur durch eine zwangsläufige Popularität des Mediums selbst, sondern auch des Schreibers erlangt wird. Aber wer liest die „Zeit“, bevor er in den neuen Batman geht? Wohl nur die, die sie sowieso lesen.

Neben einigen guten Sendungen im Fernsehen, so z.B. „Game One“ für Spiele, „Marker“ bei ZDF Kultur für zeitgenössische Kulturkritik oder „Lesen“ in der ARD, bleibt die kritisch-fundierte Rezension eine Ausnahme.

Die Rezensionen sind voll von recyceltem Wortmüll, einem ewig „berauschenden“ Thriller, der „unter die Haut geht“, „wie keiner vor ihm“, sie schwallen von Genitiven „der Extraklasse“ und „der Superlative“, sie biedern sich an mit „wundervoller Szenerie“ und „nie gekannter Action“, die „bewegend“ ist und – wenn es ein Independent-Film ist, „einen anders zurück lässt als zuvor.“

So manch einer erlebt dann sein Blaues Wunder, wenn der angepriesene Film auf Blueray nichts weiter ist als ein mit Handkamera und billigen Effekten gedrehter Prequel, der im Kino einfach nur peinlich wäre. Mich würde interessieren, wer dahinter steckt? Wer schreibt diese ganzen Rezensionen? Gibt es überhaupt die Zeitungen, die hier angeblich zitiert werden?

Wahrscheinlich ist dies ein klarer Fall von: wieso sollte das mich interessieren? Aber manchmal, nur manchmal, wenn mir wieder eine weitere Rezension ein Buch als absolut lesenswert anpreist und sich der Akt als solcher eher anfühlt, als würde man einen Big Mac in sich rein stopfen, da wünsche ich mir doch Rezensenten, die sich das Buch selber einmal durchlesen, den Film anschauen und dann das schreiben, was sie wirklich darüber denken.

Es könnte schmerzhaft enden, aber es wäre ein Anfang.

 

Rezensenten der Superlative – eine Rezension

Kurzrezension

Herr Blume macht das, was er immer macht. Er baut einen zunächst harmlos erscheinenden Text mit einem Kniff am Anfang auf, schmeißt mit ein paar Begriffen aus der „ach so wichtigen“ Vergangenheit um sich und denunziert eine ganze Berufsklasse. Dabei geht er noch nicht einmal geschickt vor. Die Unbeholfenheit, mit der dieser selbsternannte „Hofpoet“ (auch hier sehen sie wieder die viel zu gewollte Anbiederung an die romantische, vergangene Zeit) hier vorgeht, ist bezeichnend für eine weitere Berufsklasse: den Blogger. Er zeichnet sich aus durch: nichts. Nach Herrn Blume hätten wir also was gemeinsam. Ich wage zu bezweifeln, dass es einen Rezensenten gibt, der nun noch etwas Positives über diesen Herrn oder diesen Blog zu sagen hat.

Ich sage es ganz persönlich: für sie wird es schmerzhaft enden. Und zwar von Anfang bis Ende.

 

Herr Moralapostel

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