IKEA – eine Metapher für…

Ja, es war wieder soweit. Der Traum eines jeden Mannes, der hinter seiner nach brauchbaren und unbrauchbaren Kleinigkeiten hinterherhaschenden Dame hinterherhechelt und sich wünscht, irgendwo anders zu sein, egal wo. Braucht man tatsächlich etwas, das über nutzlose Duftkerzchen und den süßen kleinen Blumentopf hinausgeht, dann wird es richtig schlimm.

Und während ich mich im Kleine-Kinder-Hürdenlauf übe – denn leider sind nicht alle zwischen die süßen bunten Bälle gestopft worden, aus denen sie jämmerlich entfliehen wollen, deren Schreie aber im Ansagesumpf über den kleinen Tim untergehen –  überlege ich mir, für was dieses viel zitierte schwedische Möbelhaus, das seine Verbundenheit mit der Heimat in infantilen Namen für jedermanns Möbel ausdrückt, eine Metapher sein könnte. Ich bin mir unsicher.

Es ist laut. Ständiger Alarm. Bombenalarm. Die Menschen drücken sich zwischen Häuserfassaden her, die schon längst keine Mauern mehr haben. Kinder schreien. Die Männer haben den stieren Blick der sagt: töten oder getötet werden. Schon fällt ein weiterer auf die leblosen Betten. Es ist Krieg!

Aber vielleicht ist das zu drastisch, man sollte da nichts verharmlosen.

Es ist eng und stickig. Von oben knallt die künstliche Sonne. Affen rufen. Die großen Tiere markieren ihr Revier. Ein paar Elefanten ziehen zur nächsten Tränke. Die Tiger sind kurz davor, die jungen Böcke zu reißen. Die Stimmung ist auf dem Höhepunkt. Ein jeder weiß: fressen oder gefressen werden.

Aber in der Natur dürfte man ja seinen Instinkten freien Lauf lassen. Das ist hier nicht der Fall. Wieder nichts.

Ich komme nicht weiter. Ist es der Rückfall, in die graue Vorzeit, in der die behaarten, nach schweiß stinkenden Primaten sich einen weg zum Mammut bahnen? Zu gewollt. Ist es viel moderner – das Abbild der kapitalistischen Gesellschaft, in der es um das Haben um jeden Preis geht? Dafür ist es einfach nicht teuer genug.

Ich muss mich ausruhen (was jederzeit geht, zumindest wenn man auf einen Platz neben dem nächsten Küchenorganisationleiter warten muss). Ich hätte genau so gut auf einen pünktlichen Zug der deutschen Bahn warten können, aber da ist ein anderes Thema.

Ich sehe, wie die angespannten Blicke sich ihren Weg bahnen, mal hier, mal dort hängen bleiben, die Kinder hinter sich her schleifend, die Dinge betastend und prüfend. Und dann sehe ich etwas, das mich stutzig macht:

Sitzen doch auch in unserer heutigen modernen Gesellschaft die Männer noch oftmals vorne im Auto, führen sie auf Wanderwegen, auch wenn sich nicht wissen, woher es geht (Navi sei Dank), sind sie die Techniker, die trotz totalen Unwissens ihre Frau bei dem Kauf des neuen Handys beraten, ist es hier anders:

Habe ich vorher nie an das Klischee der weiblichen Multitasking-Fähigkeit geglaubt, bleibt mir nichts anderes übrig, mich eines besseren belehren zu lassen. Denn während die Damen der Schöpfung ihre schon im Eingang völlig von der Fülle des Erlebten erschlagenen, zunehmend in die so typische männliche Jammerpose abdriftenden Partner hinter sich her ziehen und währenddessen ihre Kinder auf dem richtigen Weg durch das schwedische Möbellabyrinth führen, mustern sie mit gezielten Blicken, die verraten, wer eigentlich die Ahnung und die Hosen an hat, die einzelnen Teilchen, verhandeln in weiteren Atemzügen über die Farbe, Größe, Tiefe und Dichte des neuen Regals, während sie mit gezielten Griffen für die kleinen Dinge sorgen, ohne die jede Wohnung aussehen würde, als sei die graue Urzeit tatsächlich noch nicht überwunden.

Und da wird mir klar: IKEA – das ist nicht mehr und nicht weniger als der neue Feminismus. Mehr noch: es ist das Symbol der weiblichen Macht über den Mann. Es ist das Druckmittel, das „Lass-mich-das-machen-oder-wir-gehen-wieder-in-den-IKEA“ Totschlagargument. Die Massenvernichtungswaffe der Geschlechterbeziehung.

Jetzt bin ich mir sicher. Der Hot-Dog Stand wurden nicht nur als kleines Leckerlie für den Mann erfunden, dem die kleine und billige Belohnung dafür gegeben wurde, dass er schön Männchen gemacht hat. Nein! Es ist ein Zeichen. Wir selber sind es, die „heißen Hunde“, die nicht weiter sind als Gassi gehende Haustiere, die gar nichts zu sagen haben und höchstens mal hier und mal da schnüffeln dürfen.

Aber eigentlich ist auch das Unsinn. Eigentlich vertusche ich meine eigene Unzulänglichkeit, in diesem möblierten Dickicht auch nur eine brauchbare Entscheidung zu treffen.

Ich habe eine Metapher gesucht und ein Akronym gefunden: IKEA – Ich kriege einen Anfall!

Dieser Beitrag wurde unter B-Logbuch veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.