ANALYSE: Zufälle, Ideen und geistiges Eigentum – eine Bestandsaufnahme

Man kann sich schon fragen, warum die Piratenpartei so ein Wirbel macht um das geistige Eigentum, das allen frei zugänglich sein soll. Es gibt so viele Dinge im Internet, die jetzt schon kostenfrei sind und die die Leute trotzdem nicht lesen.

Oder hat schon jemand gehört, dass ein anderer sagte: so ein scheiß, jetzt wollte ich gerade wieder Lessing lesen oder Goethe oder Schiller oder all die anderen Dichter der deutschen und der Weltliteratur und kann es nicht, weil ich zwei Euro dafür ausgeben muss? Ich noch nicht.

Wie beschweren uns lieber, warum nicht alle, alles haben dürfen. Aber was wollen wir denn dann mit allem? Wir bräuchten tausende und abertausende Jahre Leben, um alles lesen und schauen zu können, was gerade – bezahlt oder unbezahlt  – im Umlauf ist. Geht es also wirklich darum?

Die andere Seite konnte ich schon immer besser verstehen. Wenn jemand, auch wenn er Spaß daran hat, ein Lied schreibt und dieses Lied gefällt den Leuten, warum nicht auch dafür bezahlen. Ich bin so konservativ, dass ich mir von den guten Bands – und die gibt es immer noch – sogar CDs oder Schallplatten kaufe, damit ich sie nicht nur hören kann, sondern auch das Cover riechen und lesen. Aber meine Gattung stirbt aus.

Bei Musik kann es natürlich dieseleben Probleme geben, die es auch bei Büchern oder anderem sogenannten geistigen Eigentum gibt: kennt man das nicht? Ist es etwa geklaut.

Ein bekannter Rapper, den ich hier nicht nennen möchte, weil er gerne mal seine Anwälte vorschickt, um Geld einzutreiben, hatte genau dieses Problem. Jemand hatte gehört, dass der werte Herr Gangster seinen Riff geklaut hatte. Natürlich nicht dasselbe Lied, derselbe Text. Aber eben die Idee des melodiösen Aufbaus.

Ab wann ist denn die Idee dann überhaupt Idee?
(Anmerkung: dieser eigentlich als rhetorische Frage gedachter Einwurf, wurde gerade in dem Artikel „Hassliebe“ der Zeitschrift brand eins bezogen auf die Künstlerin Cornelia Sollfrank hinsichtlich der Originalität folgendermaßen beantwortet: „Originalität (…) macht sich nicht am äußeren Erscheinungsbild eines Werks fest, sondern ausschließlich an der zugrunde liegenden Idee.“)

Eine Idee kann ja auch etwas sein, das mehrere Menschen zur gleichen Zeit haben. Dann ist nur die Frage, wer die Idee eher präsentiert. Thomas Jefferson ist es so gegangen und in gewisser Weise ja auch dem guten Bill und dem toten Steve.

Ist dann die erste Idee die wahre oder die andere, wenn sie halt besser vermarktet wird? Ich vermag es nicht zu sagen.

Vielleicht haben ja auch die politischen Piraten Recht und wir sollten alles gleich verschenken. Ich verschenke diesen Artikel an euch, ihr braucht nichts zu zahlen. Und dann verschenken wir die Dienstleistung des Arztes, denn es gibt ja Leute, die krank sind. Ach, und wenn wir dabei sind, ich habe eine tolle Idee, die ich jetzt mal veröffentliche. Nehmt sie euch ruhig, sie ist für alle da.

Ach, die hatte noch einer.

Manchmal gibt es Zufälle, die gibt es gar nicht.

Und dieser Artikel ist mein geistiges Eigentum.

Es sei denn, es nimmt ihn jemand, und verändert ein paar Worte (und das ohne Anspielung auf einen ehemaligen Adeligen in der Politik).

Dann wäre es natürlich wieder was anderes.

Ach, und ehe ich es vergesse (und das hat jetzt nichts nichts mit dem Artikel zu tun: es wäre klasse, wenn ihr so viele Leute, wie es geht, zum OFF DAY einladet. Das war so eine Idee, die ich damals mit ein paar anderen Leuten hatte.)

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Ein Kommentar zu ANALYSE: Zufälle, Ideen und geistiges Eigentum – eine Bestandsaufnahme

  1. Shawn sagt:

    Find ich gut, Zufälle gibts, die gibts garnicht! 😀 xDDDDD
    So ein Witz -.-

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