Reaktion auf Sascha Lobos Jeder Urheberaufruf jemals: „Einfach mal machen“ (F.R.)

(Anmerkung, der Text wird zunehmend interessanter;-)

Das Problem dieses Textes ist dasselbe, dass Sascha Lobo umreißt, umreißen muss, um kein neues Internet-Manifest zu schreiben.

Um, wie er ja richtiger Weise sagt, dafür zu sorgen, dass der Gegenstand – sei es wie in diesem Fall das Urheberrecht – konkretisiert werden sollte, muss etwas passieren. Aber was?

Und vor allem, wie oder wo?

Das Problem hat die Internetgemeinde von Haus aus. Denn: wie will man ein Problem angehen, wenn sowohl Urheber als auch „Betroffene“ von völlig anderen Perspektiven starten: der Cyberspace versucht vom Monitor aus, bis hinein in andere Institutionen zu schreien. Die Politik schreit zurück, und zwar völlig wirr (aber dazu später mehr).

Und hier muss es kurz ins Philosophische gehen (obwohl ich eigentlich vermeiden wollte, altklug zu klingen).

Das Problem einer sogenannten Erkenntnis, ob etwas richtig oder falsch ist, ist nicht, dass sie nicht das für sie richtige erkennen könnte. Das Problem ist, dass sich derjenige oder diejenigen, die zu erkennen glauben, was richtig oder falsch ist, ja zuerst sicher sein müssen, von wo aus diese Erkenntnis formuliert ist. Dies ist nicht neu, sondern ein Problem, dessen sich die philosophischen Denker schon seit ihrer Einführung zu bemächtigen trachten (keine Angst, es folgt keine Liste).

Ich hatte mehr versprochen: Das Lustige an der misslungenen Facebook-Party des Möchtegern Volksnahen Horst Seehofer war nicht, dass keiner kam. Sondern wie er für seine Facebook Party auf sich aufmerksam machte: per Poster in der Stadt.

Und so stehen wir auf den selbst erschaffenen Inseln (wer damit angefangen hat, ist ein anderes Thema) und rufen uns verzweifelt zu, ohne ein Boot zu besteigen und auf die andere Seite zu paddeln (denn eines sollte allen klar sein: das bedeutet Arbeit).

Und was machen die anderen? Die Versuchen, dadurch, dass sie den Apellcharakter einer jedwaigen Argumentation enthüllen, dass sie sich auch nicht von ihrer – völlig richtigen – Sichtweise abweichen. (Wie dieser Text, paradoxer Weise) Bedeutet:

Solange nicht das getan wird, was gerade noch, in einem paradoxen Foucaultschen Diskurszirkel, der nur noch sich selbst sieht, verhandelt wird; solange wird es immer ein pro und contra geben, dass sich klug gegeneinander überstellen lässt, ohne die Brücken zu schlagen.

Konkret: Wenn Sascha Lobo die Kraft seiner Wörter einsetzt, um Unterschriften zu sammeln, wenn er auf Spiegel einen Blog hat, wieso nicht zu den Piraten? Die brauchen Menschen, die sich in beiden Bereichen der Gesellschaft auskennen. Und das meine ich so.

Jeder Aufmerksame Leser merkt, dass diesem Text natürlich eine Problematik inhärent ist, die er selber formuliert hat: warum mache ich denn dann nicht? Ich schreibe ja auch nur darüber.

Ich glaube eben, dass genauso vielschichtig, wie die Probleme der Menschen, die Menschen, die sie lösen können sind. Das Internet führt nur leider manchmal dazu, dass man sich ob des wahnwitzigen Angebots so vorkommt, als bräuchte man alles auf einmal, jetzt, um glücklich zu sein. Glück bedeutet für mich, schreiben zu können und zu unterrichten – neben vielen anderen Dingen. Es kommt doch viel mehr darauf an, ob man mit dem, was man macht, glücklich ist.

Ach, und zum Urheberrecht: Wenn ich gute Literatur will, kaufe ich ein Buch. Die meisten wirklich guten Bücher sind mittlerweile sogar umsonst lesbar. Dafür müsste man sie aber erst einmal lesen (und das bedeutet nicht, dass ich das habe. Ich habe hunderte Meter Lücken, aber auch Spaß daran, diese zu füllen.)

Wenn ich etwas aktuelles, gut geschriebenes Lesen will, dann lese ich Blogs.

Wir reden über ein Problem, anstatt zu machen.

Wir reden kontinuierlich über geistiges Eigentum, ohne einmal darüber zu reden, was das denn überhaupt ist. Vielleicht sollte man erst machen und dann reden, anstatt darüber zu reden, was man schon macht. Was haben wir denn davon, wenn wir dann alles umsonst haben können? Alles lesen können wir ja jetzt schon annähernd nicht. Und während im Internet über so wichtige Themen wie das Urheberrecht und über sich selber gestritten wird, kürzen wir den Schulen den Shakespeare weg, den Goethe, den Kafka. Sie haben keine Relevanz mehr in einer Gesellschaft, deren primäres Ziel es im Augenblick scheint, Probleme zu kreieren, wo eigentlich gar keine sind.

Auch am Ende noch ein Zitat des deutschen Rap-Musikers F.R., dessen Genialität darin liegt, zu machen.

„Wir fahren los, neue Wege erforschen,
Theorie ist eben gestorben. Einfach mal machen!
Wie weit wird die Welle dich tragen,
Was hat die Welt zu erwarten? Einfach mal machen

(Und weil mein „Machen“ Schreiben und Lehren ist, darf ich mir auch so ein pathetisches Ende erlauben;-)


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