Blogger vs. Schriftsteller – Versuch eines Gesprächs

Blogger vs. Schriftsteller – der Versuch eines Gesprächs

(Zur Vereinfachung wurden die beiden abgekürzt)

B: Wer fängt an?
S: Das hat sich ja damit erübrigt.
B: Schweigend ist ein Interview schwierig.
S: Dann fang an.
B: Mit den Fragen?
S: Ich habe schon keine Lust mehr.
B: Und das unterscheidet uns.
S: Ja, weil ich es kann.
B: Wer sagt das?
S: Alle.
B: Wer sind die? Experten?
S: Anspruchsvolle Leser.
B: Und meine Leser sind?
S: Konsumenten.
B: Wie bitte. Weil sie kein Papier in der Hand haben?
S: Das ist deine erste Erkenntnis heute.
B: Ich möchte auf das Sie bestehen.
S: Das ist euer Problem – das bestehen Wollen, nicht das Sie.
B: Ah, der Wind soll philosophisch wehen. En Garde!
S: Gut. Also: Ich erkenne mehr als du, dass ich nichts erkennen kann.
B: Mehr als erkennen? Innerhalb deines limitierten Rahmens.
S: Und auch noch grob werden!
B: Denn: vielleicht ist dein Rahmen ja so klein, dass du nur glaubst mehr zu erkennen als ich.
S: Alles nur Wörter.
B: Nun sind es nur Wörter?
S: Man braucht Ruhe, Muse, nicht dieses verbale Tennisspiel, bei dem jeder Ball den Gegenspieler treffen soll.
B: Nun ist der Herr beleidigt. Aber immerhin erkennt er, dass er mehr weniger versteht. Interessant.
S: Deine Worte sind heraus geschriener Populismus im Gewand der luftigen Eloquenz.
B: Aber du erkennst sie an?
S: Wen?
B: Die Eloquenz.
S: Schon wieder. Sie heben einfach alle Tragweite auf. Und selektieren.
B: Genau! Du hast meinen Beruf verstanden.
S: Ihren Beruf? Welchen Beruf?
B: Und du hast einen Beruf?
S: Ich bin Schriftsteller. Ich lebe davon. Leser lesen meine Bücher.
B: Leser lesen meine Blogs.
S: Weil sie verblödet sind.
B: Wer wird denn hier grob? Meine Leser sind verblödet? Weil sie kein Buch kaufen, in dem die gleiche Figur im gleichen Kostüm die gleiche angestrengte Moral zum Besten gibt?
S: Dann sind meine Leser die Dummen, weil sie das mögen?
B: Nein, weil sie es nicht nicht mögen können.
S: Rhetorik, falsch verstandene Zierde.
B: Gewollter Tiefsinn, verfälschte Gefühle.
S: Einfachheit!
B: Scheinbarkeit!
S: Effekthascherei!
B: Ach was?
S: Wie, ach was?
B: Das tust du doch auch. Gib es doch zu. Du wärst auch lieber ein Blogger.
S: Nie im Leben.
B: Die Gedanken sofort zu jedem schicken können.
S: Sie müssen sich finden.
B: Sie finden dich.
S: Die Gedanken?
B: Die Leser.
S: Und dann?
B: Dann kannst du ein Buch schreiben, das alle lesen wollen.
S: Das mache ich doch jetzt schon.
B: Ich aber nicht.

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